"Terra Xplore": fünf neue Folgen

Mit Leon Windscheid

In fünf neuen Folgen "Terra Xplore" geht Psychologe Leon Windscheid spannenden Fragen der Psychologie und der mentalen Gesundheit nach. In den 45-minütigen Wissenschaftsreportagen kommen Betroffene und Fachleute zu Wort. Themen sind unter anderem der Umgang mit Alkohol, die Faszination Schlager und Angststörungen.

Sendedatum

ab Montag, 17. August 2026
ab Sonntag, 27. September 2026, 17.15 Uhr

Fotos

Texte

Sendetermine

Terra Xplore: Warum suchen wir den Rausch?
ZDF-Streaming-Portal: Montag, 17. August 2026
ZDF: Sonntag, 27. September 2026, 17.15 Uhr

Terra Xplore: Warum lieben wir Schlager?
ZDF-Streaming-Portal: Donnerstag, 17. September 2026
ZDF: Sonntag, 4. Oktober 2026 ,17.15 Uhr

Terra Xplore: Im Kriegsfall: Würdest du kämpfen?
ZDF-Streaming-Portal: 28. September 2026
ZDF: Sonntag, 11. Oktober.2026, 17.15 Uhr

Terra Xplore: Kontaktabbruch zu den Eltern – darf ich das?
ZDF-Streaming-Portal: Montag, 12. Oktober 2026
ZDF: Sonntag, 18. Oktober 2026, 17.15 Uhr

Terra Xplore: Wie viel Angst ist normal?
ZDF-Streaming-Portal: Montag, 19. Oktober 2026
ZDF: Sonntag, 1. November 2026, 17.15 Uhr

Stablisten

Warum suchen wir den Rausch?
Buch und Regie: Manuel Graubner
Kamera: Gidon Lasch, Marco Kochems, Alexander Vexler
Montage: Christian Djimdé
Grafik: Marc Trompetter
Produktion Doclights: Ulrike Römhild, Paul B. Müller, Jost C. Laubacher
Produktion ZDF: Antje Galonske, Yvonne Kalinowski
Redaktion Doclights: Sigrid Reuter, Steffen Gries
Redaktion ZDF: Veronica Pieper, Philipp Gölter
Leitung der Sendung: Swea Schilling 

Warum lieben wir Schlager?
Buch und Regie: Henrike Meinheit
Kamera: Gidon Lasch, Luca Zanner, Thomas Keffel, Henning Silwa
Montage: Marc Schläfli
Grafik: Marc Trompetter
Produktion Doclights: Ulrike Römhild, Jeanette Bartsch, Paul B. Müller
Produktion ZDF: Antje Galonske, Yvonne Kalinowski
Redaktion Doclights: Sigrid Reuter, Marc Elvers
Redaktion ZDF: Marlon Di Salvo, Harald Platz
Leitung der Sendung: Swea Schilling 

Im Kriegsfall: Würdest du kämpfen?
Buch und Regie: Laila Keuthage
Kamera: Gidon Lasch, Henning Sliwa, Sebastian Basten, Luca Zanner
Montage: Lars Roland
Grafik: Lena Dickmann, Jana Richtmeyer
Produktion Doclights: Ulrike Römhild, Jeanette Bartsch, Paul Müller
Produktion ZDF: Antje Galonske, Yvonne Kalinowski
Redaktion Doclights: Sigrid Reuter, Steffen Gries
Redaktion ZDF: Anne Hartmann
Leitung der Sendung: Swea Schilling

Kontaktabbruch zu den Eltern – darf ich das?
Buch und Regie: Anja Kollruß
Kamera: Gidon Lasch, Luca Zahner, Pascal Garbrecht
Montage: Doreen Buchholz
Grafik: Lena Dickmann, Jana Richtmeyer
Produktion Doclights: Ulrike Römhild, Jeanette Bartsch, Paul B. Müller
Produktion ZDF: Antje Galonske, Yvonne Kalinowski
Redaktion Doclights: Martina Sprengel, Marc Elvers
Redaktion ZDF: Marlon Di Salvo, Michael Kaschner, Magdalena Schmitt-Fleck,
Leitung der Sendung: Swea Schilling

Wie viel Angst ist normal?
Buch und Regie: Nadja Kölling
Kamera: Gidon Lasch, Luca Zanner, Pascal Garbrecht
Ton: Dave Powell
Montage: Christian Brehm
Grafik: Marc Trompetter
Produktion Doclights: Ulrike Römhild, Jeanette Bartsch, Paul B. Müller
Produktion ZDF: Antje Galonske, Yvonne Kalinowski
Redaktion Doclights: Sigrid Reuter, Steffen Gries
Redaktion ZDF: Harald Platz
Leitung der Sendung: Swea Schilling

Terra Xplore: Warum suchen wir den Rausch?

ZDF-Streaming-Portal: Montag, 17. August 2026
ZDF: Sonntag, 27. September 2026, 17.15 Uhr

Auf dem Oktoberfest, beim Karneval, am Ballermann: Der Rausch hat in unserem Leben einen festen Platz. Millionen Menschen trinken Alkohol – obwohl sie wissen, dass er schadet. Aber warum ist das so? In der "Terra X"-Folge "Warum suchen wir den Rausch?" will Psychologe Leon Windscheid das herausfinden und erlebt dabei, wie vielschichtig das Verhältnis zwischen Mensch und Alkohol, dem Rauschmittel Nummer 1 in Deutschland, wirklich ist.

Stephanie Spendler führt seit Jahren eines der bekanntesten Bierzelte auf der Wiesn. Sie erlebt jeden Herbst, wie Millionen Menschen gezielt den Rausch suchen – und weiß: Es geht den meisten nicht ums Abstürzen, sondern ums Loslassen.

"Seitdem wir Geschichte nachprüfen können, gibt es auch Alkohol", berichtet Kulturanthropologe Prof. Gunther Hirschfelder. Frühe Spuren von Alkohol finden sich tatsächlich rund um den Globus.

Aufgrund des hohen Alkoholkonsums sterben in Deutschland jährlich rund 44.000 Menschen. Knapp vier Millionen Menschen haben alkoholbezogene Störungen. Und doch, sagt Suchtexperte Prof. Johannes Lindenmeyer, wird unsere Gesellschaft den Alkohol nie loswerden. Die eigentliche Frage ist also nicht, ob wir trinken, sondern wie. Denn während es auch Kulturen mit bewussterem Umgang mit Alkohol gibt, gilt in Deutschland noch immer oft: Wer viel trinkt, kann damit fast angeben.

Auch wenn es einen risikofreien Konsum niemals geben wird – wäre eine andere, bewusstere Trinkkultur denkbar? Im Sozialexperiment trifft Leon auf Menschen mit ganz unterschiedlichen Erfahrungen: eine Winzerin, für die Wein Kulturgut ist, einen seit zwölf Jahren trockenen Alkoholiker, eine junge Frau, die als Teenager im Rausch Zugehörigkeit suchte. Ihre Geschichten zeigen: Alkohol ist Genuss, Ritual und Risiko – oft alles auf einmal.

"Letztendlich ist es ja eine Art von Betäubung" – Zitate aus der Sendung

Prof. Johannes Lindenmeyer, Professor für Klinische Psychologie mit Schwerpunkt Rehabilitationspsychologie, Medizinische Hochschule Brandenburg Theodor Fontane (MHB)
Wir müssen uns permanent an Regeln halten. Wir müssen arbeiten, wir müssen produzieren, obwohl wir keine Lust haben. Und der Konsum von Alkohol oder anderen Drogen befreit uns halt für einen Moment aus dieser Mühle.

Wenn ein Jugendlicher in Italien einen Rausch hat, dann ist das äußerst peinlich. So, als hätte er sich in die Hose gemacht. Den guckt niemand an, das ist der Loser, der Versager. Wenn bei uns ein Jugendlicher einen Rausch hat, dann kann er mit der Geschichte darüber eher angeben. [...] Und selbst wenn er Mist gebaut hat im Rausch, ist er ja fast entschuldigt.

Stephanie Spendler, Wiesn-Wirtin
Es sind natürlich einige unserer Gäste dabei, die definitiv nicht das Maß wissen, wo mal Ende ist. Aber der Großteil unserer Gäste, find ich, konsumiert den Alkohol so, dass sie einfach lustig sind und dann wieder ganz gesund und wohlbehalten zuhause ankommen.

Teilnehmerin des Sozialexperiments
Ich habe in der Vergangenheit die Erfahrung gemacht, dass die anderen mich nicht dabeihaben möchten. [...] Und dann habe ich angefangen, den Alkohol zu trinken, weil ich gewusst hab oder gemerkt hab, wenn ich Alkohol trinke, bin ich anders. Ich bin für andere lustiger, ich bin unterhaltsamer.

Besucherin eines Wiesn-Zelts
Letztendlich ist es ja eine Art von Betäubung. [...] Um einfach auch diese Scham und dieses... 'Man muss sich benehmen', diese Benimmregeln, fallen zu lassen, ist Alkohol einfach ein super Lösungsmittel.

Terra Xplore: Warum lieben wir Schlager?

ZDF-Streaming-Portal: Donnerstag, 17. September 2026
ZDF: Sonntag, 4. Oktober 2026 ,17.15 Uhr

Warum berührt Schlager Millionen, während andere abschalten? Was passiert bei Schlagermusik im Kopf? Leon Windscheid geht in der Folge "Terra Xplore: Warum lieben wir Schlager?" den psychologischen Mechanismen des Phänomens nach. Dafür trifft er Stars wie Roland Kaiser und Isi Glück, Experten wie Dr. Pop und natürlich eingefleischte Schlager-Fans.

Tausende Menschen, ein Refrain, Tränen in den Augen: Bei Schlager lassen sich Millionen fallen, ob im Festzelt, auf Mallorca oder im Stadion. Aber warum feiern ihn die einen hemmungslos, während die anderen beim ersten Takt die Augen verdrehen?

Roland Kaiser hat den deutschen Schlager seit Jahrzehnten geprägt wie kaum ein zweiter. Leon Windscheid spricht mit ihm über Sehnsucht, Gemeinschaft, den Generationenwechsel und darüber, was Schlager den Menschen eigentlich gibt und was er privat hört. Und er trifft Familie Hack, die den Schlagerstar ganz besonders verehrt.

Isi Glück versetzt vor allem auf Mallorca mit Partyschlager ganze Hallen in kollektive Ekstase versetzt. Leon Windscheid begleitet die Sängerin backstage und erlebt, wie viel Handwerk, Energie und Strategie hinter dem scheinbar mühelosen Auftritt steckt.

Wie ein Hit überhaupt entsteht, zeigt Produzent Tim Peters: Schlager ist kein Zufallsprodukt, sondern ein genau kalkuliertes Zusammenspiel aus Melodie, Text, Rhythmus und Emotion. Musikwissenschaftler Dr. Markus Henrik alias Dr. Pop erklärt die Mechanismen hinter dem Phänomen: Welche Sehnsüchte bedient Schlager und warum funktioniert er über Generationen hinweg so verlässlich?

Am Ende wird klar: Hinter all den Bildern, Tränen und Partyexzessen steckt mehr als Kitsch. Schlager ist Party, Emotion und ein lukratives Geschäft. Aber auch ein Ort, an dem viele sich trauen, einfach sie selbst zu sein.

"Die Leute haben mittlerweile verstanden, dass es nicht peinlich ist, Partyschlager zu hören" – Zitate aus den Sendungen 

Roland Kaiser, Schlagersänger
Na, wenn ich's singe, wird's schon meins, keine Frage. Ob das was wird? Das weiß ich vorher nicht. Das weiß kein Mensch.  

Es [der Schlager] sollte tunlichst eine kleine Geschichte erzählen und, wenn es geht, auch vernünftig im Reimmuster sitzen, und alles ordentlich sein, und dann bin ich damit schon zufrieden. 

Die [Ballermann-Songs] haben ja mittlerweile zum Teil sehr originelle Texte. Sind ja zum Teil sehr clever gemacht und lustig sind, mit Zweideutigkeiten, die echt originell sind. 

Isi Glück, Partyschlagersängerin auf Mallorca
Es ist toll, dass wir immer mehr ankommen, nicht mehr nur noch so eine Nische sind, sondern das wirklich überall stattfinden kann. 

Ich glaub, die Leute haben mittlerweile verstanden, dass es nicht peinlich ist, Partyschlager zu hören.

Wir haben so viel Müll auf der Welt, der passiert – in Deutschland, politisch, alles ist total verkopft, schwierig –, und hier kommst du her, alle haben sich lieb, alle feiern die gleiche Musik, und hier geht es nicht um irgendein politisches Statement. […] Man kann die Sorgen vergessen, man hat einfach mal Spaß und schaltet ab. Und deswegen ist, glaub ich, auch gerade jetzt dieser Hype da. Weil Schlager steht dafür, dass du einfach mal alles vergisst.  

Dr. Markus Hendrik alias Dr. Pop, Musikwissenschaftler 
Schlager muss einen berühren. Und manchmal gibt es Hitformeln, die gehen bis aufs 17. Jahrhunderte zurück.  

Wir werden einfach durch Melodien berührt. Und wenn wir zusammen singen, werden wir als Gemeinschaft ausgeglichener, friedlicher. Es gibt Untersuchungen, dass sich Herzschlag und Atmung synchronisieren, wenn wir zusammen singen.  

Terra Xplore: Im Kriegsfall: Würdest du kämpfen?

ZDF-Streaming-Portal: Montag, 28. September 2026
ZDF: Sonntag, 11. Oktober.2026, 17.15 Uhr

Laut aktuellen Studien gehört die Angst vor einem Krieg in Europa zu den größten Sorgen junger Menschen. Seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine rückt diese Gefahr näher. Leon Windscheid will in dieser Folge "Terra Xplore" wissen: Würdest du für dein Land kämpfen?

Einer, der das tun würde, ist Connor. Der 22-Jährige absolviert gerade seine Grundausbildung bei der Bundeswehr. Für ihn ist klar, dass er im Ernstfall Deutschland auch mit der Waffe verteidigen würde. Leon Windscheid begleitet ihn bei einer fordernden Abschlussübung und spricht mit dem jungen Mann über seine Beweggründe. Denn: Connor ist eher die Ausnahme.

Warum würden die einen kämpfen, während andere sich zurückziehen? Und was beeinflusst unsere Entscheidungen, wenn aus einer abstrakten Gefahr plötzlich eine reale wird? Die Sozialpsychologin Prof. Eva Jonas macht deutlich, welche Reaktionen existenzielle Bedrohungen in uns auslösen.

Ganze Generationen sind mit Frieden in Europa aufgewachsen. Doch was, wenn Krieg plötzlich Realität wird? Der Soziologe Dr. Timo Graf ordnet ein, wie sich das Verhältnis der Deutschen zu Krieg und Bundeswehr von der Friedensbewegung bis zur "Zeitenwende" verändert hat.

Hinter der Frage "Würdest du kämpfen?" steckt immer auch die Frage, wer wir als Gesellschaft sein wollen. In einem Sozialexperiment trifft Leon Menschen, die auf diese Frage kaum unterschiedlicher antworten könnten: Befürworter und Gegner einer Wehrpflicht, Reservisten, Menschen mit eigener Kriegserfahrung – und Ula Wagner. Sie verlor ihre Tochter Savita im Krieg: Die 36-jährige deutsche Freiwillige war für die ukrainische Armee als Frontsanitäterin im Einsatz und wurde im Januar 2024 bei der Rettung zweier Soldaten von einem russischen Granatsplitter tödlich verletzt.

"Befehl ist Befehl" – Zitate aus der Sendung

Connor, in Grundausbildung bei der Bundeswehr
Ich möchte schon was auch dazu beitragen hier: für die Sicherheit von Deutschland, von Europa. Und ich denke, gerade zu so Zeiten ist es auch umso wichtiger.

Es wäre auch komisch, wenn man nicht darüber nachdenkt, dass man auch sterben könnte. Und im Ernstfall auch in den Krieg ziehen könnte.

Befehl ist Befehl. Wenn meine Kameraden in Gefahr sind und der Befehl ganz klar heißt, "schieß", dann werde ich schießen. Natürlich. Aber gleichzeitig werde ich dabei kein gutes Gefühl haben, dass ich Menschen umgebracht habe.

Prof. Eva Jonas, Sozialpsychologin, Uni Salzburg
Bedrohungen insgesamt führen dazu, dass ich mich in der Gruppe stärker polarisiere. […]  Diese Polarisierung, diese Vereinfachung, die hilft uns psychologisch, dass es uns wieder besser geht.

Dr. Timo Graf, Soziologe, Zentrum für ­Militärgeschichte und Sozialwissenschaften, Potsdam
Nur zehn Prozent der Deutschen haben sich in irgendeiner Form von militärischen Risiken vor 2022 bedroht gefühlt. Und zack – […] 2022 ging das durch die Decke: 40 bis 50 Prozent. Militärische Risiken gehören inzwischen neben Inflation, Migration und auch Klimawandel […]  zu den größten Sorgen der Deutschen.

Ula Wagner, Teilnehmerin des Sozialexperiments:  
Meine Tochter hatte ein anderes Ziel: […] "Ich verteidige die Freiheit und Demokratie Europas." Und das heißt, für alle Europäer. Sie ist dafür gestorben.

Pazifismus ist ein mit Blut erkauftes Privileg.

Phil, Teilnehmer des Sozialexperiments:
Waffen werden keinen Frieden schaffen. Das haben sie in der Vergangenheit nicht und das werden sie in Zukunft auch nicht. Da braucht es diplomatische Lösungen, anstatt dass man die Jugend dieses Landes als Kanonenfutter in einen Krieg wirft.

Marius, Teilnehmer des Sozialexperiments:
Für mich ist die Wehrpflicht ein Mechanismus, der auch nach außen hin Stärke zeigt, in die Welt. […] Und wir können Putin nur aufhalten, wenn wir als Europa stark sind. Und deswegen sage ich, eine Wehrpflicht um als Europa ein Signal zu senden.

Terra Xplore: Kontaktabbruch zu den Eltern – darf ich das?

ZDF-Streaming-Portal: Montag, 12. Oktober 2026
ZDF: Sonntag, 18. Oktober 2026, 17.15 Uhr

Den Kontakt zu den Eltern abzubrechen, gilt als großes Tabu. Leon Windscheid trifft will in dieser Folge von "Terra Xplore" Menschen, die genau das getan haben und will von ihnen wissen, warum sie sich zu diesem radikalen Schritt entschlossen haben.

Juliane lebt mit ihrem Partner auf einem Hof in der Nähe von Magdeburg. Die 39-Jährige wirkt angekommen, doch bis dahin war es ein langer Weg. Juliane berichtet Leon Windscheid von einer Kindheit, in der sie sich nie wirklich geliebt fühlte, von seelischen Narben, die sie bis ins Erwachsenenalter begleitet haben und von der schwersten Entscheidung ihres Lebens: den Kontakt zu ihren Eltern und den beiden Brüdern abzubrechen. Eine Entscheidung, die sie bis heute schmerzt – von der sie gleichzeitig sagt, sie habe ihr das Leben gerettet.

Zu einem Kontaktabbruch gehören immer zwei Seiten. Deshalb begegnet Leon Windscheid auch Eltern, deren erwachsene Kinder gegangen sind. Sie berichten von Verlust, Ohnmacht und der quälenden Frage, ob sie den Bruch hätten verhindern können. Mit dieser Thematik beschäftigt sich Prof. Enno Hermans vom Institut für systemische Familientherapie in Essen. Er erzählt Leon Windscheid, wie er in diesen Fällen mit den Familien als Therapeut arbeitet. Die britische Psychologin Prof. Lucy Blake von der University of the West of England forscht zu Kontaktabbrüchen. Von ihr erfährt Leon Windscheid, warum Familien oft über Jahre auseinanderdriften, weshalb Kontaktabbrüche selten aus einem einzigen Streit entstehen und unter welchen Bedingungen Versöhnung gelingen kann.

Im Mittelpunkt der Folge steht ein außergewöhnliches Sozialexperiment: Menschen, die mit ihren Eltern gebrochen haben, treffen auf Eltern, deren Kinder gegangen sind – nicht als Familien, sondern als Fremde. Kann der psychologisch begleitete Perspektivwechsel ihren Blick auf die eigene Geschichte verändern?

"Und irgendwann kommt der Punkt, an dem das Fass überläuft" – Zitate aus der Sendung

Juliane, Protagonistin
Meine Mutter ist nur 16 Jahre älter als ich. Wir könnten eigentlich richtig gute Freundinnen sein. Aber nicht in diesem Leben. Oder mein Vater – man hat ja als kleines Mädchen auch so Vorstellungen: Dass Papa einen irgendwann zum Altar führt. Das wird nie passieren. Und genau darüber muss man sich irgendwann klar werden. Ist es wirklich nötig, den Kontakt abzubrechen? Diese Frage habe ich mir immer wieder gestellt – und leider immer wieder mit Ja beantwortet.

Ich habe mich immer wieder gefragt: Wie schlecht bist du eigentlich? Was ist an dir so schlecht, dass nicht mal deine Eltern dich lieben? Das ist halt so in meinem Kopf gewesen.

Prof. Björn Enno Hermans, systemischer Therapeut
Es gibt kein Gesetz, das sagt: Du musst Kontakt zu deinen Eltern haben. Aber es gibt viele unausgesprochene Regeln und Vorstellungen, die tief in unserer Gesellschaft verankert sind – und die einem oft etwas ganz anderes einflüstern.

In der Regel ist das ein Prozess, der sich über viele Jahre hinziehen kann. Oft gibt es immer wieder Versuche, doch noch etwas zu klären oder die Beziehung zu retten. Dann folgt erneut die Erfahrung, dass es nicht gelingt. Und irgendwann kommt der Punkt, an dem das Fass überläuft.

Terra Xplore: Wie viel Angst ist normal?

ZDF-Streaming-Portal: Montag, 19. Oktober 2026
ZDF: Sonntag, 1. November 2026, 17.15 Uhr

Angst gehört zum Leben. Sie schützt vor Gefahren und hilft, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Doch was passiert, wenn sie zum ständigen Begleiter wird? Wenn sie den Alltag bestimmt, den Weg vor die Haustür unmöglich macht, das ganze Leben einschränkt? Leon Windscheid geht in dieser Folge der Frage nach, warum Angststörungen gerade unter jungen Menschen zunehmen und was Betroffenen wirklich hilft.

Jeder vierte Mensch entwickelt bis zum jungen Erwachsenenalter eine Angststörung – sie gehört damit zu den häufigsten psychischen Erkrankungen überhaupt. Sind junge Menschen ängstlicher geworden? Wann wird aus normaler Angst eine behandlungsbedürftige Erkrankung?

Leon Windscheid trifft Nane, die ihre erste Panikattacke bereits im Kindergarten erlitt. Die Ängste nahmen immer weiter zu, bis sie irgendwann kaum noch ihre Wohnung verlassen konnte. Die Angst bestimmte ihr gesamtes Leben. Heute geht es ihr bedeutend besser; sie macht gerade ihr Abitur. Mithilfe verschiedener Therapien hat sie gelernt, mit ihren Ängsten umzugehen. Sie sind nicht verschwunden, aber sie beherrschen ihr Leben nicht mehr.

Die Kinder- und Jugendpsychologin Prof. Julia Asbrand erklärt, warum gerade das Jugendalter besonders anfällig für Angststörungen ist, weshalb Vermeidung die Erkrankung oft verstärkt und warum frühe Hilfe so entscheidend ist. Von Neurobiologin Prof. Stephanie Kandsperger will Leon Windscheid wissen, was bei Angst im Gehirn geschieht und welche neuen Erkenntnisse die Forschung über Entstehung und Behandlung liefert.

Im Studio sprechen sechs junge Menschen offen über Panikattacken, soziale Ängste, Versagensdruck und Zukunftssorgen, aber auch darüber, wie es sich anfühlt, wenn die Angst das eigene Leben immer mehr einengt. Im Gespräch wird sichtbar, was sich sonst meist nur im Inneren abspielt. Sie erzählen auch, was ihnen hilft und wie sie versuchen, ihre Ängste in den Griff zu bekommen. Klar ist: Angststörungen sind keine Charakterschwäche, sondern gut behandelbare Erkrankungen. Wer lernt, sich der Angst Schritt für Schritt zu stellen, kann ihr die Macht über das eigene Leben wieder nehmen.

"Man kann eigentlich vor allem Angst haben" – Zitate aus der Sendung

Prof. Julia Asbrand, Professur Klinische Psychologie des Kindes- und Jugendalters,  Friedrich-Schiller-Universität Jena 
Die Kindheit und Jugend ist so eine Phase mit ganz vielen Umbrüchen, sowohl körperlich wie auch sozioemotional. Und jeder Umbruch bedeutet eigentlich, dass man eine gewisse Vulnerabilität, also Anfälligkeit dafür hat, psychisch zu erkranken.

Man kann eigentlich vor allem Angst haben und dazu kommt sogar noch, dass halt viele andere psychische Störungen auch mit Ängsten einhergehen.

Es gibt nicht den einen Faktor. (…) Sondern in der Regel sind alle Störungen multifaktoriell bedingt. Das bedeutet schlussendlich einfach, es sind ganz viele Kleinigkeiten, die zusammenführen.

Vermeidung ist eigentlich der zentrale Lernmechanismus, der hinter Angststörungen steckt. Wenn ich in eine Angstsituation reingehe –  also die Angst steigt hoch – versuche ich, daraus zu kommen. Wenn ich vermeide, sinkt die Angst schnell wieder ab.

Dass es auch nicht darum geht, nach der Therapie angstfrei zu sein, sondern einfach einen anderen Umgang mit Angst zu gewinnen. Und dann schlussendlich wirklich in Situationen reinzugehen und diese Situationen zu üben.

Nane, Protagonistin
Das Schlimmste war, dass ich mein Leben nicht leben konnte.

Ich habe das früher mit einem Bild immer so beschrieben, mit so einem Vulkanausbruch, weil ich dann immer gemerkt habe, wie diese Lava nach oben steigt, wie die Hitze, wie diese Angst, nach oben steigt. Und dann ist dieser Ausbruch als Panikattacke, oft gepaart auch mit Weinen.

Das übergeordnete Ziel ist, dass man in die Angst reingeht und nicht vor der Angst wegläuft.

Max, Teilnehmer des Sozialexperiments
Der Weg gegen die Angst führt durch die Angst. Und ich fand das immer richtig blöd, den Satz. Aber jetzt kann ich sagen, das stimmt. Weil die Angst wird nur kleiner, wenn man sich der Situation stellt und merkt, man überlebt.

Fotohinweis

Fotos sind erhältlich über ZDF-Kommunikation, Telefon: 06131 - 70-16100, und über https://presseportal.zdf.de/presse/terraxplore

Hier finden Sie "Terra Xplore" im ZDF-Streaming-Portal.

Kontakt

Marion Leibrecht
Programmkommunikation Kultur, Wissenschaft und Partner Audience
leibrecht.m@zdf.de
+49 6131 70-16478

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