11.01.2022, 18:00 Uhr - Magazine/Interviews, Nachrichten/Aktuelles, Reportagen/Dokumentationen

"frontal": Telegram-Gruppe "Dresden Offline-Vernetzung" kooperierte mit US-Neonazi-Netzwerk


Ilka Brecht moderiert das ZDF-Politmagazin "frontal".
Copyright: ZDF/Jens Koch

In der radikalen Telegram-Gruppe "Dresden Offline-Vernetzung" wurden Anleitungen für Terroranschläge, Überfälle und zur Sprengstoffbeschaffung geteilt. Involviert ist ein Neonazi-Netzwerk aus den USA. Das belegen Recherchen des ZDF-Magazins "frontal", über die das Politmagazin in der Sendung am Dienstag, 11. Januar 2022, um 21.00 Uhr im ZDF berichtet.   

In der Dresdner Telegram-Gruppe, die Mordpläne gegen den sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer plante, wurden Anleitungen zu Terroranschlägen verbreitet. "Dresden Offline-Vernetzung" kooperierte dazu mit dem US-Neonazinetzwerk "MZWNEWS" von Holocaustleugner John de Nugent. Das belegen bisher unveröffentlichte Audiochats und Screenshots, die der ZDF-Redaktion "frontal" vorliegen.  

Das Netzwerk um de Nugent forderte deutsche Telegram-Nutzer auf, militante Widerstandszellen zu gründen. In einem der Chats heißt es: "Bildet Kleingruppen von max. 15 Leuten und fangt an effektiv aufzuräumen." Tatsächlich bildeten sich auf Bestreben von "MZWNEWS" mehr als zehn weitere sogenannte Offline-Gruppen in ganz Deutschland. Mitglieder dieser Gruppen trafen sich auch real, beispielsweise in Hamburg. Nachfragen von "frontal" lies de Nugent unbeantwortet. Auf seinem Telegram-Kanal wurde die Anfrage zusammen mit antisemitischen Beschimpfungen veröffentlicht. John de Nugent war in der Vergangenheit mehrfach mit Verbindungen zu deutschsprachigen Gruppen aufgefallen.  

Der Aufruf zum bewaffneten Widerstand fiel bei einige Mitgliedern der Dresdner Telegram-Gruppe offenbar auf fruchtbaren Boden. Ihr Wortführer, Daniel G., hatte in einem bislang unveröffentlichten Audiochat angekündigt, er wolle auf seine Waffe nachträglich eine Zielvorrichtung montieren lassen. G. befürchtete, dass ein Impf-Team vor seiner Tür auftauchen könnte. Dann wolle er mit seinem Gewehr oder einer Armbrust durch die Wohnungstür schießen: "Also, da fallen schon mal Zweie um", kommentierte G. Im selben Chat sagte G.: "Du kriegst hier die Typen dieses Regime ohne friedliche Mittel, also ohne Gewalt, nicht mehr weg!". Der Anwalt von G. teilte auf Nachfrage von "frontal" mit: "Keiner habe jemals ernsthaft eine mögliche Straftat vorbereitet oder auch nur in Betracht gezogen."    

Nachdem das ZDF im Dezember die Mordpläne gegen den sächsischen Ministerpräsidenten aufgedeckt hatte, führte das Landeskriminalamt Sachsen Razzien im Großraum Dresden durch. Dabei fanden Ermittler neben einer scharfen Pistole auch erlaubnisfreie Waffen und Schwarzpulver. Die Generalsstaatsanwaltschaft Dresden teilte mit, dass die Ermittlungen gegen sieben Tatverdächtige andauerten: "Tatvorwurf gegen die Beschuldigten lautet auf gemeinschaftliche Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat."  

Bereits um 18.00 Uhr wird eine Langfassung des Beitrags auf dem Youtube-Kanal von frontal veröffentlicht. Zudem stellt die Redaktion ungeschnittenes Rohmaterial aus den Audiochats online.  

Nachfragen an die Redaktion "frontal": Christian Rohde 030 – 2099-1251, rohde.c@zdf.de  

Ansprechpartner ZDF/Kommunikation: Thomas Hagedorn, Telefon: 06131 – 70-13802; Presse-Desk, Telefon: 06131 – 70-12108, pressedesk@zdf.de  

Fotos sind erhältlich über ZDF/Kommunikation, 06131 – 70-16100, und über https://presseportal.zdf.de/presse/frontal  

Sendungsseite in der ZDFmediathek: https://www.zdf.de/politik/frontal/frontal-vom-11-januar-2022-100.html 

  

Mainz, 11. Januar 2022 
ZDF/Kommunikation 
https://twitter.com/ZDFpresse