11.12.2020, 11:20 Uhr - Nachrichten/Aktuelles, Unternehmen

Haushaltsrede des ZDF-Intendanten in der Sitzung des Fernsehrates am 11. Dezember 2020

Dr. Thomas Bellut
Copyright: ZDF/Markus Hintzen

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

2020 war Corona das alles beherrschende Thema.

Die Pandemie wird uns auch im nächsten Jahr beschäftigen. Die weltweite Krise wirkt sich auf alle Bereiche unseres Lebens aus. Covid-19 ist ein Stresstest, für die Gesellschaft, für Politik, Wirtschaft – auch für Kultur und Medien. Im Medienmarkt hat die Pandemie den digitalen Wandel noch einmal erheblich beschleunigt.

In der Krise hat sich auch klar gezeigt, wie wichtig glaubwürdige Information und übrigens auch gute Unterhaltung sind.

Die Nachfrage nach Bewegtbild und seriösen Inhalten hat in den letzten Monaten zugenommen – nicht nur im Netz, sondern gerade auch bei den klassischen linearen Programmen. Und da ganz besonders stark bei den Öffentlich-Rechtlichen. Das ZDF-Hauptprogramm liegt weit vorn. Die Abrufzahlen der Mediathek steigen von Monat zu Monat.

Unsere Nachrichten haben Konjunktur und erreichen auch wieder deutlich mehr junge Zuschauerinnen und Zuschauer. Wir haben, Sie wissen das, trotz Personalabbau in unsere Nachrichten im Netz investiert. Der bemerkenswerte Erfolg der neuen ZDFheute – die wir mitten in der Pandemie gestartet haben – zeigt, wie wichtig und richtig diese Kraftanstrengung war.

Das Vertrauen der Zuschauerinnen und Zuschauer war in der Corona-Krise auf neue Höchstwerte gestiegen, zwischen 75 bis gut 80% der Befragten bekundeten in verschiedenen Erhebungen, dass sie sehr oder weitgehend den Informationen der öffentlich-rechtlichen Sender vertrauen. Die Gruppe der Skeptiker ist gleichwohl mit 20 bis 25% noch erheblich.

Sie sind ständige Ermahnung an uns, unvoreingenommen, sachlich und auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhend zu berichten. Wir müssen die gesamte Bandbreite der gesellschaftlichen Diskussion abbilden, ich gehöre nicht zu denen, die Ausschluss-Kriterien für politische Positionen formulieren, sondern plädiere dafür, immer wieder über das „wie“ und nicht das „ob“ unserer Berichterstattung zu diskutieren.

Dem Fernsehrat kommt dabei eine wichtige, wenn nicht gar entscheidende Funktion bei dieser Qualitätskontrolle unserer medialen Arbeit zu.

Was bedeutet das für unsere Anstrengungen im nächsten Jahr? Wir werden uns nicht auf den Lorbeeren der erfreulich hohen Nutzung der linearen Angebote und der Anfangserfolge der neuen digitalen Informationsangebote ausruhen. Die Perfektionierung der Verknüpfung dieser zwei Welten wird noch wichtiger, der neue Staatsvertrag hat uns den nötigen Freiraum gegeben.

Die Konkurrenz der US-amerikanischen Streaming-Dienste – auch Profiteure von 2020 – motiviert uns zusätzlich im Change-Prozess.

Aber auch 2021 gilt es, den Erfolgskurs der ZDF-Gruppe im linearen Programm fortzusetzen, die Anlaufpunkte im ZDF-Programm für jüngere Zuschauerinnen und Zuschauer – wie am Freitagabend gelungen – zu verstärken. In dieser Strategie kommt ZDFneo und ZDFinfo eine besondere Bedeutung zu, es gilt, verstärkt Formate auf den kleineren Sendern als Innovationen anzugehen, die hoffentlich noch stärker als bisher dem ZDF-Hauptprogramm zu Gute kommen.

Was auch bleibt ist das Ziel des ZDF, als nationale Anstalt in ganz Deutschland gleichermaßen verankert zu sein. Viele in den ostdeutschen Bundesländern fühlen sich von uns trotz unseres verstärkten Engagements dort noch nicht ausreichend im Programm beachtet. Das nehmen wir ernst. Das ZDF-Hauptprogramm ist in allen Ländern Marktführer, aber mit sehr unterschiedlichen Werten, im Osten und im Norden der Republik müssen wir besser werden.

Aber auch hier sollten wir genau hinsehen: In Sachsen, Thüringen und Brandenburg haben wir uns stark verbessert, nahe oder auf Bundes-Durchschnitt. In Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg, Bremen und Schleswig-Holstein sehe ich Verbesserungspotential.

2021 ist ein Jahr der Wahlen – mit der Bundestagswahl im Herbst. Hier gilt es für die ZDF-Gruppe, insbesondere für das ZDF-Hauptprogramm eine sorgfältige, fehlerfreie – oder zumindest fehlerarme – Arbeit abzuliefern. Wir stehen in der Mitte der Gesellschaft, wir präsentieren – aber wir machen keine Politik. Die Orientierung an den grundsätzlichen Werten unserer Republik ist dabei selbstverständlich. Die Vorbereitungen auf die Vorwahl und Wahlsendungen 2021 haben bereits begonnen – ein Schwerpunkt unserer journalistischen Arbeit im nächsten Jahr.

Der Haushalt, der Ihnen heute vorliegt, umfasst Aufwendungen in Höhe von 2,6 Milliarden Euro. Er wurde auf Basis aller KEF-Vorgaben geplant. Dabei hilft es uns, dass die KEF in ihrem Bericht ausdrücklich anerkennt, dass das ZDF die zugesagten Einsparungen beim Personal Ende 2020 in vollem Umfang erbringt. Zusätzlich zu einem dauerhaften Personalabbau von 562 Vollzeitäquivalenten – das sind rund 10% der Belegschaft, wurden zahlreiche personalwirtschaftliche Maßnahmen wie befristete Wiederbesetzungssperren umgesetzt, um den Personalaufwand weiter zu reduzieren. Insbesondere blieben die Tarifabschlüsse des ZDF in den letzten Jahren deutlich unter den Steigerungsraten des öffentlichen Dienstes der Länder.

Der Haushalt 2021 gibt uns die Möglichkeit, unseren Programmauftrag weiter zu erfüllen. Die Finanzordnung des ZDF verpflichtet den Intendanten, bei erheblichen Veränderungen auf der Einnahme-Seite, auf die Gremien zuzugehen und eine Strategie zu entwickeln, in Abstimmung mit der KEF aber auch mit den anderen öffentlich-rechtlichen Anstalten. Ob das nötig wird nach dem Beschluss in Sachsen-Anhalt, entscheidet nun das Bundesverfassungsgericht. Zurzeit gilt, was auch gelten muss: die Empfehlung der KEF.

Der Verwaltungsrat hat dem Haushalt nach intensiver Beratung seine Zustimmung erteilt. Herr Dr. Göhner wird über die Beratungen im Verwaltungsrat berichten und Herr Dr. Joachim wird die Eckdaten des Haushalts vorstellen.

Ich möchte Sie bitten, dem Haushalt für 2021 nach Abschluss der Beratungen Ihre Zustimmung zu erteilen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.