23.10.26, 09:00 Uhr - Nachrichten/Aktuelles

ZDF-Politbarometer Oktober II 2026

Große Zweifel an Putins Interesse an Waffenruhe Projektion: Vorsprung der AfD vor der Union verringert sich

Hat der russische Präsident Putin ernsthaftes Interesse an einer dauerhaften Waffenruhe?
Copyright: ZDF/Forschungsgruppe Wahlen

Russlands Präsident Wladimir Putin hat US-Medien zufolge ein gemeinsames Treffen mit US-Präsident Donald Trump und dem chinesischen Staatschef Xi Jinping vorgeschlagen, um über ein Ende des Krieges in der Ukraine zu verhandeln. Allerdings glauben nur 16 Prozent der Deutschen, darunter knapp die Hälfte der AfD-Anhänger (49 Prozent), dass Putin ernsthaftes Interesse an einer dauerhaften Waffenruhe hat, insgesamt 79 Prozent und sehr klare Mehrheiten in allen anderen Parteianhängerschaften bezweifeln das (Rest zu 100 Prozent hier und im Folgenden jeweils "weiß nicht"). Was die Haltung von US-Präsident Trump im Ukraine-Krieg angeht, sehen ihn 38 Prozent der Befragten auf der Seite Russlands, für nur 1 Prozent steht Trump auf der Seite der Ukraine und für 57 Prozent steht er auf keiner der beiden Seiten.  

Votum für militärische Unterstützung der Ukraine

In Deutschland hält die Solidarität mit der Ukraine an: 30 Prozent der Befragten befürworten eine stärkere militärische Unterstützung der Ukraine durch die europäischen Staaten, 33 Prozent heißen das aktuelle Engagement Europas gut und 32 Prozent sprechen sich für ein Zurückfahren der Militärhilfen aus. Uneins sind sich die Deutschen hingegen bei der Frage, ob Russland auch östliche NATO-Länder wie Polen oder die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen angreifen wird: 46 Prozent rechnen mit einem solchen Angriff, ähnlich viele (48 Prozent) und mehr Ost- (57 Prozent) als Westdeutsche (46 Prozent) tun das nicht.

Mehrheit: Proteste in Frankreich auch Problem für EU

Dass die großen innenpolitischen Probleme und gewaltsamen Proteste, die es zurzeit in Frankreich gibt, ein großes Problem für die EU insgesamt darstellen, meinen 71 Prozent der Befragten. 26 Prozent, darunter überdurchschnittlich viele Anhänger der Linken (46 Prozent), sehen darin ein nicht so großes oder gar kein Problem. Ebenfalls kritisch blicken die Deutschen auf die Existenz starker europakritischer, populistischer und rechter Parteien in vielen Ländern der EU. Dass dies für die Zukunft der EU ein großes Problem ist, glauben die allermeisten Befragten (81 Prozent). Weniger als ein Fünftel (17 Prozent), darunter eine Mehrheit der AfD-Anhänger (51 Prozent), macht sich diesbezüglich keine Sorgen.

Projektion: AfD-Vorsprung wird kleiner

Wenn am nächsten Sonntag wirklich Bundestagswahl wäre, würde sich der Abstand zwischen AfD und Union verringern: Die CDU/CSU käme in der Projektion auf verbesserte 23 Prozent (plus 2), die AfD würde sich verschlechtern und 26 Prozent (minus 2) erreichen. Die SPD hätte leichte Zugewinne und läge bei 14 Prozent (plus 1), Grüne und Linke würden einbüßen und 13 Prozent (minus 2) bzw. 11 Prozent (minus 1) erzielen. Die FDP würde nach wie vor 3 Prozent erhalten (unverändert), alle anderen Parteien kämen zusammen auf 10 Prozent (plus 2), darunter keine Partei, die mindestens drei Prozent erreichen würde. Mit diesem Ergebnis hätte Schwarz-Rot weiterhin keine Mehrheit.

Top Ten: Positiver Trend

Bei der Beurteilung nach Sympathie und Leistung („Was halten Sie von?“) liegt Boris Pistorius nach wie vor auf Platz eins. Er wird auf der Skala von +5 bis -5 mit einem Durchschnittswert von 1,6 (hier und im Folgenden Vergleichswert von Anfang Oktober: 1,3) beurteilt. Es folgen erneut Manuela Schwesig mit 1,2 (1,1), Hendrik Wüst mit 0,9 (0,8) und mit Abstand Markus Söder, der sich mit minus 0,1 (minus 0,5) klar verbessert. Ebenfalls deutlich besser als vor zwei Wochen sind Lars Klingbeil mit minus 0,2 (minus 0,6) und Bärbel Bas auch mit minus 0,2 (minus 0,7). Danach kommen Heidi Reichinnek mit minus 1,2 (minus 1,0) und Friedrich Merz, der mit minus 1,5 (minus 2,0) sichtbar zulegen kann. Schlusslicht sind Tino Chrupalla mit minus 2,7 (minus 2,5) und Alice Weidel mit ebenfalls minus 2,7 (minus 2,5).

Mehrheit: "Rente mit 63" soll bleiben

Im Rahmen ihrer geplanten Rentenreform will die Bundesregierung die sogenannte Rente mit 63 abschaffen. In der Bevölkerung wird dieses Vorhaben sehr kritisch bewertet: Knapp drei Viertel (74 Prozent) der Befragten und Mehrheiten in allen Parteianhängerschaften und Altersgruppen sprechen sich gegen die Abschaffung der "Rente mit 63" aus, lediglich 21 Prozent befürworten diesen Plan der Bundesregierung. Generell sieht eine große Mehrheit der Befragten beim Thema Rente aber Handlungsbedarf: 83 Prozent halten eine grundlegende Reform zur Stabilisierung der Rente, die auch zu Einschnitten und finanziellen Belastungen führt, für wichtig oder sehr wichtig. Für 12 Prozent ist solch eine Rentenform nicht so oder gar nicht wichtig.

Kritische Bewertung einer rot-grün-roten Landesregierung in Berlin

Nach der Abgeordnetenhauswahl wollen Linke, Grüne und SPD im Land Berlin jetzt über eine gemeinsame Regierung verhandeln. Wenn es in Berlin zu einer rot-grün-roten Regierung unter Führung der Linke käme, fänden das 56 Prozent der Deutschen, darunter auch 42 Prozent der SPD- und 26 Prozent der Grünen-Anhänger, schlecht, insgesamt 26 Prozent fänden das gut und 16 Prozent wäre das egal.

Zustand unserer Gesellschaft

Im Vergleich mit unseren westeuropäischen Nachbarn geht es der Gesellschaft in Deutschland nach Ansicht von 53 Prozent der Befragten eher besser, 16 Prozent sagen "eher schlechter" und 27 Prozent sehen da keinen großen Unterschied. Während die Anhänger von CDU/CSU (71 Prozent), SPD (61 Prozent), Grünen (58 Prozent), Linke (57 Prozent) und FDP (63 Prozent) mehrheitlich glauben, dass der Zustand unserer Gesellschaft besser ist als der unserer Nachbarländer in Westeuropa, ist die Anhängerschaft der AfD in dieser Frage gespalten (besser: 31 Prozent, schlechter: 41 Prozent, kein Unterschied: 25 Prozent).

Die Umfrage zum Politbarometer wurde wie immer von der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen durchgeführt. Die Interviews wurden in der Zeit vom 20. bis 22. Oktober 2026 bei 1.225 zufällig ausgewählten Wahlberechtigten telefonisch und online erhoben. Dabei wurden sowohl Festnetz- als auch Mobilfunknummern berücksichtigt. Die Befragung ist repräsentativ für die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Der Fehlerbereich beträgt bei einem Anteilswert von 40 Prozent rund +/- drei Prozentpunkte und bei einem Anteilswert von 10 Prozent rund +/-zwei Prozentpunkte. Daten zur politischen Stimmung: CDU/CSU 25 Prozent, AfD 18 Prozent, SPD 18 Prozent, Grüne 19 Prozent, Linke 10 Prozent, FDP 3 Prozent. Das nächste Politbarometer sendet das ZDF am Freitag, den 13. November 2026. Informationen zur Methodik der Umfrage sowie zu den genauen Frageformulierungen finden Sie unter www.forschungsgruppe.de/Umfragen/Politbarometer/.

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Weitere Informationen
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- Hier finden Sie das "ZDF-Politbarometer" im Web und in der App des ZDF.

Mainz, 23. Oktober 2026
ZDF-Kommunikation

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