Die Düsteren

Sechsteilige Mystery-Thriller-Serie/ZDFneoriginal

Soma (Lisa-Marie Koroll), Ben Sandmann (Max Riemelt) 
ZDF/Maximilian König/[M] Serviceplan
Soma (Lisa-Marie Koroll), Ben Sandmann (Max Riemelt) ZDF/Maximilian König/[M] Serviceplan

Auf einer Nordseeinsel bedrohen düstere Doppelgänger die Bewohner. Während Soma versucht herauszufinden, wer sie eigentlich ist, wird ihre Vergangenheit zum Schlüssel des Geheimnisses.

Sendedatum

Ab Samstag, 3. Oktober 2026, 10.00 Uhr, alle Folgen (bis Samstag, 2. Oktober 2027)
Ab Mittwoch, 21. Oktober 2026, 21.45 Uhr, alle Folgen im Binge

Fotos

Texte

"Wer bin ich? Wer könnte ich sein, wenn ich andere Entscheidungen in meinem Leben getroffen hätte?" - Statement der Serienerfinder und Drehbuchautoren Jan-Martin Scharf und Arne Nolting

Wer bin ich? Wer könnte ich sein, wenn ich andere Entscheidungen in meinem Leben getroffen hätte? Welche Abgründe und dunklen Sehnsüchte schlummern in mir? Und wer wäre ich, wenn ich ihnen gefolgt wäre? Der Reiz dieser klassischen "What if"-Fragen stand zu Beginn unserer Reise in die Welt der "Düsteren". Denn je mehr Lebenserfahrung wir sammeln, desto öfter fragen wir uns doch: Wer wären wir, hätten wir in bestimmten Momenten andere Abzweigungen in unserem Leben genommen? Und vielleicht auch: Wie wäre unser Leben verlaufen, hätten wir unseren düsteren Impulsen nachgegeben? Was würde passieren, wenn diese alternative, wildere, womöglich charismatischere Persönlichkeit im Hier und Jetzt auf ihr zivilisiertes Alter Ego träfe? 

Diesen Gedanken wollten wir in einem packenden Mystery-Thriller nachgehen. Mit einer jungen Heldin im Zentrum, die auf der Suche nach ihrer Identität an ein übernatürliches Phänomen gerät, das alle Identitäten auf den Kopf stellt. Dabei sollte das Übernatürliche niemals Selbstzweck sein, sondern immer dazu dienen, menschliche Gefühle und Motive zu ergründen. Ein besonderes Augenmerk hatten wir dabei auf dem Thema der Familie – die Familie, in die wir geboren sind, die Familie, die wir selbst gewählt haben, die Sehnsucht nach Familie und auch deren Verlust.

Vor allem aber wollten wir mit den "Düsteren" das von uns geliebte Genre des Mystery-Thrillers mit all seinen Rätseln, Wendungen und Bedrohungen voll ausschöpfen und die Tradition des deutschen Schauermärchens um eine moderne Variante erweitern.

Jan-Martin Scharf und Arne Nolting (Drehbuch)

"Mich hat an 'Die Düsteren' vor allem die Frage gereizt, wie sich Mystery möglichst geerdet und glaubwürdig erzählen lässt" - Statement von Regisseurin Lea Becker

Mich hat an "Die Düsteren" vor allem die Frage gereizt, wie sich Mystery möglichst geerdet und glaubwürdig erzählen lässt: Das Übernatürliche sollte nicht wie eine Parallelwelt wirken, sondern in eine Realität einbrechen, die dem Publikum vertraut erscheint, um dadurch ein hohes Identifikationspotenzial zu bieten.

So entsteht meiner Meinung nach eine Form von Mystery, die auch Zuschauer*innen erreicht, die mit dem Genre bislang wenig Berührung hatten. Gleichzeitig war mir wichtig, die Serie konsequent als Thriller zu denken – mit einer permanenten Spannungskurve, und einigen Actionsequenzen, um das Gefühl zu erzeugen, dass hinter jeder Entscheidung eine neue Gefahr lauert.

Mit meiner vorherigen Regiearbeit bei der Vampirserie "Love Sucks" konnte ich auf Erfahrungen im Genre aufbauen. Bei "Die Düsteren" ging es jedoch darum, den Naturalismus noch konsequenter weiterzudenken und das Fantastische so präzise wie möglich in einer realen Welt zu verankern.

Besonders spannend für meine Arbeit als Regisseurin war der Dreh in Belgien. Mit einem Team, das über weite Strecken in vier Sprachen gearbeitet hat, galt es, eine deutsche Küstenlandschaft glaubwürdig entstehen zu lassen – sowohl organisatorisch als auch kreativ. Parallel dazu mussten wir die Doppelgänger-Thematik durch präzises Casting und eine klare inszenatorische Sprache erzählerisch greifbar machen. Gedreht wurde sowohl im echten Watt als auch im größten Wasserstudio Europas in Brüssel, wo wir mit rund 200 Tonnen Sand, Nebel und umfangreichen Visual Effects die Landschaft nachgebaut und die Unterwassersequenzen realisiert haben. Gerade diese Verbindung aus logistischer Komplexität, technischer Präzision und einer möglichst natürlichen Bildsprache prägt für mich den visuellen Charakter der Serie.

Lea Becker (Regie)

Stab, Besetzung und Inhalt

Stabliste

Idee und Drehbuch   Arne Nolting, Jan Martin Scharf   
Regie   Lea Becker  
Kamera   Karl Kürten  
Schnitt     Valesca Peters, Till Ufer
Kostüme   Manu Verschueren 
Ton   Gedeon Depauw, Johan Maertens  
Musik   Karwan Marouf 
Szenenbild    Jeff Otte
Produktion   Network Movie/Studio Zentral
Produzenten    Andi Wecker, Tobias Ketelhut, Bernd von Fehrn, Lasse Scharpen
Producer     Nicole Aschoff, Benjamin Schacht
Creative Producer     Arne Nolting, Jan Martin Scharf
Redaktion    Johannes Frick-Königsmann, Niklas Cerezo Alarcón
Länge  

sechs Folgen à circa 43 Minuten

Die Rollen und ihre Darstellerinnen und Darsteller

Soma     Lisa-Marie Koroll      
Ben Sandmann     Max Riemelt  
Paula   Melodie Simina  
Flynt      Ivo Kortlang
Till     Ludger Bökelmann
Kathrin Sandmann   Mona Pirzad  
Ahrens      Karsten Antonio Mielke   
Amke Lund    Corinna Kirchhoff   
Wiebke Voss   Kristin Suckow  
Frank     Yung Ngo

Und andere

   

Inhalt

Auf einer Nordseeinsel tauchen plötzlich finstere Wesen auf. Sie sehen aus wie wir, kennen unsere Geheimnisse und wollen nur eines: unser Leben übernehmen. Als die junge Soma einer Spur zu ihrer unbekannten Herkunft folgt, gerät sie gemeinsam mit ihren Freunden mitten in einen Albtraum, der die Insel erfasst. Menschen verschwinden, Familien zerbrechen, und niemand kann mehr sicher sein, wem er vertrauen kann. Während immer neue Düstere auftauchen, entdeckt Soma, dass ausgerechnet ihre eigene Vergangenheit der Schlüssel zu dem Geheimnis sein könnte.

Folgeninhalte und Sendetermine in ZDFneo

Folge 1: "Die Insel", Mittwoch, 21. Oktober 2026, um 21.45 Uhr

Seit sie denken kann, sucht Soma nach ihren Eltern. Ein Hinweis führt sie auf eine Nordseeinsel. Doch kaum angekommen, häufen sich unheimliche Phänomene.

Bei ihren Nachforschungen erhält Soma vom jungen Polizisten Till einen wichtigen Tipp. Doch die Begegnung mit der mysteriösen Amke endet in einer verstörenden Warnung. Ein unheimliches Leuchten führt Soma ins Watt, wo ein Mann auftaucht, der niemals existieren dürfte.

Währenddessen kämpft Campingplatzbesitzer und Inselpolitiker Ben Sandmann um die Ehe mit seiner Frau Kathrin, die er in die Arme eines anderen Mannes getrieben hatte. Und Somas beste Freunde Paula und Flynt, die mit auf die Insel gekommen sind, beginnen daran zu zweifeln, ob sie Soma nur auf einem Ferienausflug begleiten.

 

Folge 2: "Der Andere", Mittwoch, 21. Oktober 2026, um 22.30 Uhr

Aus dem Watt taucht ein Mann auf, der aussieht wie der Campingplatzbetreiber Ben Sandmann. Und er hat ein Ziel: dessen Platz einzunehmen.

Soma wird aus dem Meer gerettet und kommt mit einer Geschichte zurück, die niemand glaubt. Nach einer zweiten schockierenden Begegnung mit der alten Amke gerät sie ins Visier der Polizei. Währenddessen erkundet der Düstere das Leben von Ben Sandmann, bis er ihm gegenübersteht.

Paula und Flynt wollen Soma helfen, halten ihre Herkunftssuche aber für eine gefährliche Obsession, die sie schon in existentielle Krisen gestürzt hatte. Auch Jungpolizist Till versucht Soma zu unterstützen, sehr zum Missfallen seines Vorgesetzten Ahrens, der die vorbestrafte Soma auf dem Kieker hat. Als Soma schließlich an den Ort ihrer Vision zurückkehrt, verdichten sich die Anzeichen, dass etwas auf die Insel zukommt, das längst nicht mehr aufzuhalten ist.

 

Folge 3: "Das Kind", Mittwoch, 21. Oktober 2026, um 23.15 Uhr

Eine weitere Düstere erscheint auf der Insel. Sie hat es auf Wiebkes Sohn Milo abgesehen, der bald darauf spurlos verschwindet.

Soma versucht, Ben Sandmann als Doppelgänger zu entlarven und stößt auf eine Insellegende. Plötzlich ergibt vieles einen beunruhigenden Sinn. Während Till im Fall des vermissten Milo ermittelt, schlüpft die düstere Wiebke mit obsessiver Hingabe in ihre Mutterrolle.

Paula und Flynt machen sich ernsthafte Sorgen um Soma. Sie scheint immer mehr der Soma aus früheren Krisen zu gleichen. Es kommt zum offenen Streit, als die Freunde Somas Theorien anzweifeln. Während Wiebke mit der Polizei verzweifelt nach ihrem Jungen sucht, stößt Till auf Hinweise, die Somas Vermutungen stützen könnten. Parallel setzt Ben Sandmann alles daran, seine Identität zu wahren, und verfolgt ein neues Ziel: er will Bürgermeister werden.

 

Folge 4: "Die Toten", Mittwoch, 21. Oktober 2026, um 00.00 Uhr

Till gerät zwischen die Fronten. Je mehr Fragen Soma aufwirft, desto unklarer wird, ob er die Wahrheit sucht – oder sich vor ihr schützt.

Auf der Suche nach Beweisen stößt Soma auf einen Ort, den Ben Sandmann unbedingt geheim halten will. Ihre schlimmsten Ahnungen bestätigen sich. Parallel baut die düstere Wiebke mit Sohn Milo ein neues Leben auf, bis sein Stiefvater Jan auftaucht, den sie nicht kennt.

Als Paula und Flynt nach dem Streit mit Soma die Insel verlassen wollen, begegnen sie selbst einem düsteren Doppelgänger und geraten in tödliche Gefahr. Währenddessen wird Ben Sandmann immer aggressiver: Gegenüber seiner Frau Kathrin, seinem Sohn Noah, gegenüber jedem, der ihm zu nahekommt. Doch als Soma ihn endlich glaubt überführen zu können, erhält Ben unerwartete Hilfe.

 

Folge 5: "Die Begegnung", Mittwoch, 21. Oktober 2026, um 00.45 Uhr

Nach ihrer Festnahme und Flucht aus der Inselwache eröffnet Polizeichef Ahrens die Jagd auf Soma.

Sie erhält Hilfe von einem geheimnisvollen Leuchtturmwärter, der eine Wahrheit enthüllt, die alles verändert. Mit jeder Lüge wächst das Misstrauen von Ben Sandmanns Frau Kathrin. Und Jan kommt der düsteren Wiebke auf die Spur. Er bringt nicht nur sich in größte Gefahr.

Während Soma auf ihrer Flucht weiter fieberhaft nach Antworten sucht, schlägt sich Till auf ihre Seite und wird selbst zur Zielscheibe. Nach ihrer fatalen Begegnung mit einem Düsteren ist Paula und Flynt klar geworden, wie sehr Soma mit ihren Vermutungen recht hatte. Wiedervereint suchen die Freunde gemeinsam nach Erklärungen für die unheimlichen Doppelgänger. Doch je näher sie der Wahrheit kommen, desto klarer wird: Die Ereignisse auf der Insel hängen eng mit Soma selbst zusammen.

 

Folge 6: "Das Leuchten", Mittwoch, 21. Oktober 2026, um 01.30 Uhr

Soma erfährt endlich, woher sie kommt. Doch bevor sie Antworten finden kann, muss sie sich ihren gefährlichsten Gegnern stellen.

Till wertet Überwachungsvideos aus und macht eine tödliche Entdeckung. Kathrin stellt Fragen, die Ben nicht beantworten kann. Wiebkes Sohn Milo steht vor einer unmöglichen Entscheidung. Und Soma erkennt: Sie ist nicht nur Teil der Geschichte – sondern ihr Schlüssel.

Ben Sandmann steht kurz vor dem größten Erfolg seines Lebens. Die Bürgermeisterwahl ist zum Greifen nah. Doch während er öffentlich immer mächtiger wird, zerbricht sein Privatleben. Als Kathrin endgültig erkennt, dass Ben nicht mehr der Mann ist, den sie geheiratet hat, trifft sie eine folgenschwere Entscheidung. Wiebke und Jan versuchen verzweifelt ihren kleinen Sohn Milo zurückzuholen und ihre Familie wiederherzustellen. Aber die düstere Wiebke weigert sich, das Leben aufzugeben, das sie sich erträumt hat. Während Paula und Flynt mit Soma das Geheimnis der Düsteren entschlüsseln, verbünden sich die dunklen Kräfte auf der Insel zur finalen Jagd. Und die Sehnsucht nach einem anderen Leben fordert ihren höchsten Preis.

Interview mit Lisa-Marie Koroll (Soma)

In "Die Düsteren" spielen Sie Soma. Was hat Sie an dieser Figur besonders gereizt?

Lisa-Marie Koroll: Das Spannende an Soma ist, dass sie aufgrund ihrer Vergangenheit eine tragische und sehr zerrissene Person ist. Sie weiß nicht, wo sie herkommt, tut sich schwer damit, sich jemandem      oder überhaupt etwas angehörig zu fühlen. Diese Verzweiflung und Zerrissenheit zeigt sich immer wieder durch eine Impulsivität, die sie in Schwierigkeiten bringt und die Menschen, die ihr nahestehen vor den Kopf stößt und weh tut. Das ist ein Teufelskreis, denn alles, was sie anfasst, zerbricht in ihren Händen. Dieser Schmerz und diese Ungehaltenheit in Verbindung mit der übernatürlichen Geschichte, hat mich letztendlich für das Projekt begeistert. Hinzu kommt auch, dass es nach wie vor wenig weibliche Figuren in der deutschen Filmwelt gibt, die mit so einer Rohheit und Intensität erzählt werden. Für mich war an der Rolle interessant, dass weibliche Wut hier nicht auf eine Art und Weise dargestellt wird, die versucht sie abzuschwächen, weil man Angst hat, man verlangt den Zuschauern zu viel ab. Das hat mich sehr begeistert und ich fand es einfach wichtig, dass diese Art von weiblicher Figur mehr Repräsentation in der Filmwelt findet. Es ist nach wie vor sehr enttäuschend und wirft kein gutes Bild auf unsere Filmbranche, dass es solche Rollen noch sehr, sehr, sehr selten gibt.

Wie gehen Sie als Schauspielerin mit Rollen um, die eine starke emotionale Spannung über mehrere Folgen hinweg tragen müssen?

Lisa-Marie Koroll: Gerade bei Somas Geschichte war es mir total wichtig, die ZuschauerInnen mitzunehmen. Da wir achronologisch gedreht haben, musste ich mir immer bewusst machen     , wo ich herkomme. Wo gehe ich hin und was möchte ich vor allen Dingen in dieser Szene? Aus dem Grund habe ich mich monatelang sehr intensiv mit den Drehbüchern auseinandergesetzt, mit den Kreativen gesprochen und wirklich jede Szene durchgearbeitet und mir wichtige Wendepunkte angeschaut und analysiert. Ich habe mir einen Zahlenstrahl aufgemalt und den in unterschiedliche Phasen unterteilt, in denen Soma steckt und mir Emotionskurven gezeichnet. Unabhängig davon war es natürlich auch wichtig, wie wir Soma vom Aussehen und von der Physis erzählen. Wir wollten damit Somas Mentalität, also diese Kämpferinnen Mentalität, erzählen. Deswegen war es wichtig, dass ich Monate vorher schon angefangen habe Sport zu machen. Das war auch während der Dreharbeiten ein gutes Ventil, um diese Rastlosigkeit und diese Unruhe von Soma abzuschütteln. Ansonsten waren Ruhezeiten und Ruhepausen und viel Lesen für mich Gold wert. Dadurch konnte ich auch psychisch Abstand von Somas Gedankenwelt gewinnen.

Was hoffen Sie, nehmen die Zuschauerinnen und Zuschauer aus Somas Geschichte mit?

Lisa-Marie Koroll: In der Vorbereitung zu der Rolle habe ich viel mit meiner Schauspielcoachin über Menschen, die aus dem Raster der Gesellschaft fallen gesprochen. Soma hat ihr ganzes Leben das Gefühl, härter kämpfen zu müssen als alle anderen und dass sie nirgendwo reinpasst. Was sie erlebt, ist, dass Menschen sie voreingenommen wahrnehmen, sie im Zweifel auch ablehnen, aufgrund ihrer Vergangenheit, aufgrund der Entscheidungen, die sie in der Vergangenheit getroffen hat. Mir war wichtig zu zeigen, dass Soma aufgrund dieses fehlenden Gemeinschaftsgefühls nicht weiß, wer sie eigentlich ist, was sie überhaupt ausmacht, was ihr wichtig ist im Leben. Das macht sie natürlich extrem schwer greifbar, aggressiv, teilweise auch bedrohlich, aber in vielen Szenen auch sehr zerbrechlich und unsicher. Ich glaube, die Quintessenz ist, dass Soma in ihrem Leben sehr undurchdringlich und unberechenbar ist und dass ihre Welt graduell immer mehr zerfällt. Das Schöne ist daran, dass anstatt immer mehr zu zweifeln und sich selber darin zu verlieren, Soma an Selbstsicherheit und Selbstvertrauen gewinnt. Sie wächst am Ende über sich hinaus. Im Grunde ist das eine Heldinnen-Geschichte, weil sie sich ihrer selbst ermächtigt und auf ihre Intuition hört. Ich glaube, das ist das, was die ZuschauerInnen mitnehmen können. Es ist wichtig, auf seine Intuition zu hören und auch auf sich selbst zu vertrauen.

Die Serie stellt die Frage, was passiert, wenn uns die schlimmstmögliche Version unserer selbst begegnet. Was war für Sie der spannendste Gedanke an diesem Konzept?

Lisa-Marie Koroll: Aus einer rein schauspielerischen Sicht ist es interessant, sich mit einem Stoff befassen zu dürfen, der unterschiedliche Realitäten und alternative Entwicklungen ins Auge nimmt. Ansonsten ist es auch auf rein emotionaler und persönlicher Basis interessant. Ich glaube, wir haben uns alle schon die Frage gestellt: Was wäre wenn? Was wäre, wenn ich die und die Entscheidung getroffen hätte? Wie wäre mein Leben verlaufen? Das ist ein sehr universelles Gefühl und natürlich auch sehr verlockend, sich in dieser Frage zu verlieren und gewissen Phantasien hinterherzuhängen. Auch aus psychologischer Sicht ist es natürlich spannend, sich damit zu beschäftigen, zu was Menschen überhaupt fähig sind, wenn sie so verzweifelt sind?

Wenn Sie sich vorstellen, einer düsteren Version Ihrer selbst zu begegnen: Wäre das für Sie eher eine beängstigende oder eine erkenntnisreiche Vorstellung?

Lisa-Marie Koroll: Im Hinblick auf die Serie wäre es für mich eine sehr beängstigende Vorstellung. Einerseits wüsste ich nicht, ob ich den Mut hätte, mich meiner dunkelsten oder düstersten Version und schlimmsten Seite gegenüberzustellen und ihr ins Gesicht zu blicken. Andererseits, wenn man sich wirklich in dieses Gedankenkonstrukt hinein begibt, kann man eigentlich sagen, dass diese düstere Version      sich anders entwickelt hat durch Entscheidungen, die irgendwann in der Vergangenheit getroffen wurden. Das heißt, im Zweifel ist die düstere Lisa-Marie, die mir dann gegenübersteht, überhaupt nicht mehr so nah, wie ich eigentlich denke, sondern eine fremde Person, die nach meinem Leben trachtet und an meiner Stelle stehen möchte. Darauf würde ich gerne verzichten.

Wenn man dem Gedanken der Serie folgt: Eine falsche Entscheidung kann ein ganz anderes Ich hervorbringen. Hat Sie diese Idee auch persönlich beschäftigt?

Lisa-Marie Koroll: Nachdem ich die Drehbücher gelesen habe, hat sich mir natürlich unweigerlich die Frage gestellt, ob es irgendeinen Punkt in meinem Leben gab, wo ich eine andere Entscheidung getroffen hätte oder wo es quasi eine Teilung der Realität hätte geben können. Damit habe ich mich befasst, aber ich glaube, dass dieser Prozess des Realitäten-Teilens und des "eine düstere Version Erschaffens" am Anfang gar nicht so weit weg von uns ist, wie wir das meinen. Ich glaube, wir sind manchmal einer düsteren Version näher, als wir uns das wünschen würden.

"Die Düsteren" sind keine klassischen Monster. Macht genau das die Bedrohung für Sie interessanter oder unheimlicher?

Lisa-Marie Koroll: Im Bedrohlichen und      Unheimlichen liegt häufig das Interessante. Ich finde aber gerade dadurch, dass die Düsteren keine Monster mit Reißzähnen und Klauen sind, macht es sie noch gefährlicher. Die meisten Entscheidungen der Protagonisten oder Antagonisten sind aus einer Impulsivität heraus getroffen worden. Das macht sie natürlich gefährlich. Aber viel gefährlicher macht es sie in meinen Augen, wie sie damit umgehen. Sie betreten die Welt wieder, bekommen eine zweite Chance, aber keiner ist eigentlich so richtig selbstreflektiert und überlegt, was habe ich da eigentlich getan? Was wird mir hier für eine zweite Chance geschenkt? Sie sind eigentlich alle viel skrupelloser als vorher, weil sie jetzt aktiv Entscheidungen treffen, sich ihr Leben mit Gewalt nehmen und meinen, dass ihnen das zusteht. Das ist meiner Meinung nach gefährlicher als ein klassisches Monster.

Die Watt- und Wasserszenen waren körperlich und emotional sehr herausfordernd. Gab es einen Moment, in dem Sie selbst überrascht waren, wie weit Sie gehen können?

Lisa-Marie Koroll: Ich würde behaupten, dass es am Set von "Die Düsteren" sehr, sehr, sehr viele Szenen gab, in denen ich sowohl physisch als auch psychisch über meine Grenzen hinaus gegangen bin. Ich habe viel gelernt. Die Szenen im Watt, aber auch die Szenen mit den Krabben und die Szenen im Wasser, waren auf jeden Fall Szenen, wo ich gemerkt habe, das ist eine neue Experience, da wachse ich tatsächlich über mich hinaus. Die Szenen im Wasser und im Watt haben wir größtenteils in der Nähe von Brüssel in einem Studio gedreht. Das Coole war, dass die ein riesiges Wasserbecken haben, das s     ie bis auf zehn oder elf Meter absenken können. In dem Studio kann man auch sehr hohe Wellen simulieren. Für die Unterwasserszenen habe ich zum Beispiel gelernt, möglichst lange die Luft anzuhalten. Ich hatte Apnoetraining, um zu lernen bis zu zwei Minuten die Luft anzuhalten und auf ungefähr fünf Meter zu schweben, damit wir diese Szenen, die am Anfang ganz kurz eingeblendet werden, aufnehmen können.

Die Szenen im Watt sind in der Serie wahnsinnig gruselig. Wie haben Sie diese Szenen am Set erlebt?

Lisa-Marie Koroll: Für die Watt-Szene wurde dieses komplette Wasser-Studio umgebaut. Da wurde eine Bühne dazwischen gezogen und es wurden mehrere Tonnen Sand dort reingebracht. Also wir haben so eine Wattszenerie richtig nachgebaut. Dann wurde für die Szenen alles auch noch eingenebelt. Das war dann schon sehr düster und man hatte Probleme sich zu orientieren. Man hatte wirklich das Gefühl, man steht in einer Zwischenwelt. Das ist natürlich ein unfassbares Geschenk, wenn man sich das nicht vorstellen muss, sondern wenn man tatsächlich die Möglichkeit hat, sich so in die Szene reinleben zu können.

In der Serie heißt es: "Es kommen diejenigen, die den größten Wunsch haben ihr Leben noch mal zu leben." – Würden Sie etwas ändern, wenn Sie könnten?

Lisa-Marie Koroll: Ehrlicherweise nein. Ich hätte vielleicht an der einen oder anderen Stelle gerne mehr auf mein Bauchgefühl gehört. Aber ich muss sagen, wenn ich so rückblickend auf den Weg schaue, den ich gegangen bin und wo ich bisher stehe, kann ich eigentlich schon guten Gewissens und voller Überzeugung sagen, dass ich glücklich bin. Es gibt nichts, was ich bedauere. Ich glaube, dass jede Erfahrung, ob sie schmerzhaft war oder sehr schön, so pathetisch das jetzt klingt, mich zu der Person gemacht hat, die ich bin. Ich bin wirklich der festen Überzeugung, dass man aus vielen Erfahrungen lernt und das ist unfassbar wertvoll. Das formt uns als Menschen.

Interview mit Max Riemelt (Ben Sandmann)

In "Die Düsteren" spielen Sie Ben Sandmann. Was hat Sie an dieser Figur und an der Welt der Serie besonders gereizt?

Das reizvolle an der Figur, bzw. den Figuren war mit mir selbst zu spielen. In der Situation, in der die beiden aufeinander treffen, musste ich mir jeweils eine Aktion und die dazugehörige Reaktion ausdenken. Das war neu und sehr herausfordernd für mich. Außerdem finde ich den philosophischen Ansatz der Geschichte sehr interessant. Die Fragen, die sich aus diesem Gedankenspiel ergeben, können nicht mit richtig oder falsch beantwortet werden.

War es eine besondere Herausforderung eine Figur auf zwei unterschiedliche Weisen zu spielen?

Am Anfang des Drehs haben wir viel darüber nachgedacht, wie die "Düsteren" darzustellen sind. Äußerlich ein wenig härter und blasser, zeichnen sie sich durch eine Sehnsucht nach ihrem alten Leben und der Angst es wieder zu verlieren aus. Da meine Figur die alte Version schnell aus dem Weg räumt, gab es nicht viele Möglichkeiten das "Gute" zu spielen.

"Die Düsteren" sind keine klassischen Monster, sondern schlimmstmögliche Versionen von Menschen. Macht genau das die Bedrohung für Sie interessanter oder unheimlicher?

Ich finde das Unheimliche und Bedrohliche sind nicht nur die Dinge, die die Düsteren verbrochen haben. Schließlich haben sie auch teilweise aus dem Affekt heraus gehandelt und bereuen ihre Taten. Es ist vielmehr die Tatsache, dass es einen Doppelgänger gibt, der dich quasi ersetzen will, um zu überleben.

Wenn man dem Gedanken der Serie folgt: Eine falsche Entscheidung kann ein ganz anderes Ich hervorbringen. Hat Sie diese Idee auch persönlich beschäftigt?

Ich denke oft darüber nach, was gewesen oder passiert wäre, hätte ich in meinem Leben anders gehandelt. Dabei geht es nicht nur um die vermeintlichen Fehler, sondern darum, dass jede Entscheidung im Leben Konsequenzen mit sich bringt.

Wenn Sie sich vorstellen, einer düsteren Version Ihrer selbst zu begegnen: Wäre das   für Sie eher eine beängstigende oder eine erkenntnisreiche Vorstellung?

Ich glaube es wäre so unheimlich und erkenntnisreich zugleich, dass es mir den Verstand rauben würde. Vielleicht würde ich eine Gesichtsoperation machen lassen, um die düstere Version zu entlarven…aber alles nur Hypothese!

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