Die falsche Tochter
Dramaserie nach Originaldrehbüchern von Juli Zeh und Lukas Becker
Die talentierte Springreiterin Ina Hansen wagt einen Neuanfang auf dem renommierten Gestüt Hohenfelden. Während sie um ihre sportliche Zukunft kämpft, führen Hinweise auf ihre Herkunft sie in ein Geflecht aus familiären Geheimnissen, finanziellen Abhängigkeiten und einer Wahrheit, die ihr Leben grundlegend verändert.
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Mein ganzes Leben lang bewege ich mich als Reiterin und Pferdebegeisterte durch die Welt der Reiterhöfe und des Pferdesports. Täglich aufs Neue faszinieren mich die menschlichen Abgründe, Höhen und Tiefen, die in dieser von Leidenschaft und Obsession geprägten Szene zutage treten.
Auf Reiterhöfen begegnen sich Menschen aus allen Gesellschaftsschichten: vom meist migrantischen Stallarbeiter bis zum pferdezüchtenden Milliardär, von Frauen, denen das Pferd die Familie ersetzt, bis zu Menschen, die ihre Existenz für ein Tier ruinieren, das sie sich nicht leisten können. Zwei Dinge sind allen gemeinsam: Sie geben enorme Summen aus und stellen ihre Pferdeträume oft über das menschliche Wohl.
Zugleich wirken hier gesellschaftliche Umwälzungen besonders heftig nach. Der einst militärisch und männlich geprägte Pferdesport ist inzwischen überwiegend in weiblicher Hand. Autoritäre Umgangsformen, Sexismus und Machtkämpfe sind dennoch immer noch präsent – nur anders verteilt.
Diese Widersprüche spiegeln sich in "Die falsche Tochter". Das Ensemble starker Figuren steht für gesellschaftliche Gruppen, die mithilfe von Pferden und Reitsport nach einer Neudefinition ihrer sozialen Rollen suchen. Hauptfigur Ina wird mit ihrer Sehnsucht nach Zugehörigkeit und Anerkennung zum Auslöser eines dramatischen Geschehens, in dem Vergangenheit und Zukunftswünsche eine explosive Mischung bilden.
Die Pferdewelt eignet sich bestens für ein Gesellschaftsdrama wie "Die falsche Tochter", das eine bislang noch nicht ernsthaft erzählte Branche ausleuchtet und zeitgenössische Konflikte sichtbar macht.
| Buch | Juli Zeh, Lukas Becker | |
| Regie | Christian Zübert | |
| Creative Producerin | Juli Zeh | |
| Kamera | Birgit Guðjónsdóttir | |
| Schnitt | Ueli Christen, Mona Bräuer | |
| Szenenbild | Esther Schreiner | |
| Kostümbild | Milena Jaroszek | |
| Maske | Klaudyna Góralska | |
| Ton | Jan Krnac | |
| Musik | Christoph M. Kaiser, Julian Maas | |
| Casting | Liza Stutzky | |
| Produktionsleitung | Aleksander Wojtanowski | |
| Herstellungsleitung | Henning Falk, Heinz-Georg Voskort | |
| Executive Producer | Hannes Höhn | |
| Junior Producerin | Laura Christoph | |
| Produktion | Studio Zentral, Load Studios mit Unterstützung von Slovak Audiovisual Fund | |
| Produzenten | Lucas Schmidt, Lasse Scharpen, Georg Ramme | |
| Redaktion ZDF | Caroline von Senden, Leon Wille | |
| Länge | 6 Folgen à ca. 45 Minuten |
Die Rollen und ihre Darstellerinnen und Darsteller
| Ina Hansen | Lili Epply | |
| Marco Brun | Joshua Hupfauer | |
| Cora Brun | Karoline Eichhorn | |
| Robert Leerkamp | Heino Ferch | |
| Ute Winterfeld | Margarita Broich | |
| Kurt Polkers | Jörg Schüttauf | |
| Yonca Aysila | Jasmin Gerat | |
| Enis Savić | Stipe Erceg | |
| Rebecca Leerkamp | Linda Belinda Podszus | |
| Ello | Friedrich Witte | |
| Selma Lim | Purnima Grätz | |
und andere |
Inhalt
Ina Hansen wurde als Baby ausgesetzt und hat ihre leiblichen Eltern nie kennengelernt. Seit vielen Jahren lebt die hochtalentierte Springreiterin auf dem Gestüt des vermögenden Robert Leerkamp, der sie wie eine Tochter aufgenommen hat, zugleich aber ihr Talent und ihre Arbeitskraft ausnutzt.
Als es zwischen den beiden zum Bruch kommt, bietet die Reitsportanlage Hohenfelden die Chance auf einen Neuanfang. Die Besitzerin Cora Brun kämpft um den Erhalt des Hofs, während ihr Sohn Marco Ina zum sportlichen Aushängeschild des Gestüts machen will. Doch dann entdeckt Ina auf Hohenfelden Hinweise auf die Identität ihrer Eltern, und der sportliche Neuanfang wird auch zur Suche nach ihrer Herkunft.
Dabei gerät sie in ein Geflecht aus finanziellen und familiären Abhängigkeiten, in das auch die Kundinnen und Kunden des Stalls hineingezogen werden. Schließlich erkennt Ina, dass sie durch ein tödliches Geheimnis mit Cora verbunden ist. Wird sie auf Hohenfelden eine Heimat finden und ihren Traum, als Springreiterin erfolgreich zu sein, verwirklichen?
Folge 1: "Fluchttier"
Montag, 28. Dezember 2026, 20.15 Uhr, im ZDF
Ina Hansens Traum ist es, sich in der Welt des Springreitens einen Namen zu machen. Aber ihr Ziehvater Leerkamp lässt sie nicht an seiner Tochter Rebecca vorbei, obwohl Ina die bessere Reiterin ist.
Als der Konflikt auf einem Turnier eskaliert, erkennt Ina, dass sie auf Leerkamps Hof keine Zukunft hat. Marco Brun will die Chance nutzen und Ina nach Hohenfelden holen. Dort versucht seine Mutter Cora, Besitzerin des Gestüts, neue Kunden zu gewinnen. Denn die renommierte Anlage Hohenfelden steht vor dem Aus.
Folge 2: "Ein sicherer Ort"
Montag, 28. Dezember 2026, 20.55 Uhr, im ZDF
Cora bekämpft Ina in einem Ausmaß, das mit Misstrauen nicht mehr zu erklären ist. Gemeinsam mit Züchterin Ute sabotiert sie Inas Arbeit auf Hohenfelden, was den schwelenden Konflikt mit Marco befeuert.
Doch Vorarbeiter Enis steht loyal zu Cora. Sein Sohn Kasim, Marcos bester Freund, der erst vor Kurzem von seinem Jura-Studium aus der Stadt zurückgekehrt ist, gerät zwischen die Fronten. Derweil enthüllt sich langsam, warum Cora Ina so dringend loswerden will.
Folge 3: "Nullrunde"
Montag, 28. Dezember 2026, 21.45 Uhr, im ZDF
Ina beschließt, dem Rätsel ihrer Abstammung durch einen DNA-Test auf den Grund zu gehen und um ihren Platz auf Hohenfelden zu kämpfen. Dafür braucht sie eine DNA-Probe ihres vermeintlichen Halbbruders Marco.
Mit Marco arbeitet Ina gut zusammen und die beiden feiern die ersten Turniererfolge. Schließlich möchte sich bei einem Turnier sogar ein besonderer Zuschauer ein Bild von Inas Leistungen machen.
Folge 4: "Showtime"
Dienstag, 29. Dezember 2026, 20.15 Uhr, im ZDF
Als die Investorengruppe "EDEN" auftaucht, sind die Feindschaften auf Hohenfelden für einen Moment vergessen. Doch die Versuche, das Kapital zur Rettung des Hofes aufzutreiben, scheitern.
Verzweifelt schließt Ina einen Deal mit Leerkamp. Sein Millionenhengst Highlander ist unreitbar. Leerkamp verspricht, Ina das benötigte Geld zu geben, wenn es ihr gelingt, den Hengst zu therapieren, damit er ihn verkaufen kann. Doch Highlander ist verängstigter als gedacht.
Folge 5: "Um jeden Preis"
Dienstag, 29. Dezember 2026, 21.00 Uhr, im ZDF
Cora ist gezwungen, das Angebot der Investoren anzunehmen. Auch Marco stimmt – enttäuscht über Inas Verrat – zu.
Unterdessen erhält Ina den manipulierten DNA-Test, beschließt aber dennoch auf dem Hof zu bleiben. Ihre Hoffnung, mit den Bruns verwandt zu sein, hat sich nicht erfüllt. Doch sie möchte für ihr Zuhause kämpfen und es sich verdienen, anstatt zu erben. Durch Zufall findet sie heraus, dass Kurt Polkers hinter der Investorengruppe "EDEN" steht und konfrontiert seine Partnerin Yonca damit.
Folge 6: "Absprung"
Dienstag, 29. Dezember 2026, 21.50 Uhr, im ZDF
Mit einem Schlag steht Ina wieder bei null. Weil sie nicht weiß, wohin, fährt sie auf den Hof der verstorbenen Jana, die sie aus rätselhaften Gründen in ihrem Testament bedacht hat.
Im Kinderzimmer von Janas Tochter Zoe findet Ina ein Tagebuch, aus dem sie die Geschichte ihrer Herkunft erfährt. Sie konfrontiert erst Leerkamp und dann Cora mit der Wahrheit, die dramatische Folgen hat.
- Vier Monate Reittraining für Hauptdarstellerin Lili Epply – in Berlin, Wien, Brandenburg und Bratislava.
- Persönliches Reitcoaching für Lili Epply durch Autorin Juli Zeh auf ihrem Hof in Brandenburg.
- Juli Zeh beriet die Produktion auch am Set zu Reitsport, Pferdehaltung und der authentischen Darstellung des Pferdemilieus.
- Bis zu sechs Pferde für eine Rolle: Highlander wurde je nach Szene von unterschiedlichen Pferden verkörpert – spezialisiert auf Sprünge, Spielszenen oder den engen Kontakt mit den Darstellerinnen und Darstellern.[PB1]
- Betreuung durch Horsemasterin Monika Fišerová und ihr Team: Eingewöhnung vor Drehbeginn, feste Ruhezeiten, Versorgung vor Ort und Drehpausen nach Bedarf.
- Regelmäßige Kontrollen durch das Veterinäramt.
- Anspruchsvolle Reit- und Stuntszenen mit professionellen Reiterinnen und Reitern und Reitdoubles realisiert
- Unsichtbarer Reiterwechsel: Für eine Szene in Folge drei tauschten Reitdouble und Lili Epply während einer Kamerafahrt unbemerkt die Plätze – Sprung, Ankunft und Dialog in einer einzigen Einstellung, ohne sichtbaren Schnitt.
- Vom Reittraining ins Drehbuch: Nach einer Roundpen-Probe mit Lili Epply schrieb Juli Zeh noch am Set eine Szene um. Epply führte das Pferd darin allein durch Körpersprache und ohne Führstrick.
- Pferdesporthof Lozorno, Slowakei: Sämtliche Motive des fiktiven Hofs Hohenfelden – Reithallen, Roundpen, Wohngebäude und Koppeln – an einem Drehort.
- X-BIONIC SPHERE in Šamorín: Eines der größten und modernsten Reitsportzentren Europas als Kulisse für die Anlage des Milliardärs Robert Lehrkamp (Heino Ferch).
[PB1]Wir gendern nur in namentlich gezeichneten Texten und Interviews.
Juli Zeh ist eine der erfolgreichsten deutschen Schriftstellerinnen und hat nun zum ersten Mal Original-Drehbücher für eine TV-Produktion geschrieben. Wie haben Sie die Lektüre empfunden, worin liegt die Qualität der Bücher und des Stoffs?
Margarita Broich: Dass mit Juli Zeh eine Romanschriftstellerin das Drehbuch geschrieben hat, spürt eine Schauspielerin gleich bei der ersten Lektüre. Ihre Sprache hat eine ganz eigene Qualität. Die Geschichte führt in die mir fremde Welt des professionellen Reitsports. Gleichzeitig entfaltet sie eine spannende und komplexe Familiengeschichte. Diese beiden Ebenen durchdringen einander und schaffen immer wieder überraschende Wendungen.
Lili Epply: Juli Zeh kennt sich bestens aus in der Welt des Reitsports. Indem sie dieses in sich geschlossene System der Reitwelt wie ein Mikroskop nutzt, macht sie komplexe, universelle Fragen im Kleinen sichtbar. Für mich ist es nicht nur eine Geschichte über Selbstfindung, sondern auch übers Zueinanderfinden. Von Mensch zu Mensch und Mensch zu Tier.
Joshua: Hupfauer: Beim Lesen ist mir als Allererstes die Authentizität dieser Welt aufgefallen. Man spürt sofort, dass Juli Zeh durch ihren eigenen Bezug zum Reitsport genau weiß, wovon sie schreibt. Die Figuren sind vielschichtig, ihre Konflikte glaubwürdig, und die Handlung hat mich immer wieder überrascht. Das Besondere daran ist für mich aber, dass der Stoff politisch ist, ohne sich das groß auf die Fahne zu schreiben. Er geht der Frage nach, was Menschen bereit sind zu opfern, um in einer Welt anzukommen, die sie nicht haben will. Die Serie zeigt uns einen Reithochleistungssport, in dem ganz unterschiedliche Milieus aufeinanderprallen, vom Hilfsarbeiter bis zum Millionär, der durch das Reitbusiness Tiere und Menschen ausbeutet. Diese Ungleichheit wird hier spürbar, das finde ich sehr gut. Außerdem ist es auch erfrischend, dass hier mal keine heile Pferdewelt gezeigt wird, wie wir sie aus der deutschen Film- und Fernsehlandschaft kennen, sondern die durchaus existierende dunkle Seite davon.
Karoline Eichhorn: Da ich ein absoluter Laie bin, was den Umgang mit Pferden betrifft – ich gehörte in meiner Jugend nicht zu den Pferdemädchen – habe und hatte ich erst mal einen Heidenrespekt. Schon allein die Größe, die Kraft und die Energie, die diese wunderschönen Tiere ausstrahlen, haben mich das Treiben mit Abstand genießen lassen … Ich musste ja auch Gott sei Dank weder Kontakt zu einem Pferd haben, geschweige denn reiten. Was ich aber mit großem Interesse beobachten konnte, war die Fähigkeit von Reiter und Pferd, zu einer Einheit verschmelzen zu können, durch einen unglaublich sensiblen Umgang miteinander, wenn die Chemie stimmte. Es ist ein Megageschäft, Wettkämpfe auf dem ganzen Globus, harte Konkurrenz, viel Geld im Spiel. Das macht es natürlich spannend für die Beteiligten, sich auf den Weg zu begeben, um das richtige Pferd für den jeweiligen Reiter zu finden – was ja auch in der Serie thematisiert wird.
Heino Ferch: Ich kannte Juli Zeh als Romanautorin, von großen Büchern wie "Unterleuten" oder "Über Menschen". Wie direkt ihr Zugang zum Reitsport ist, habe ich erst erfahren, als wir uns beim Deutschen Filmpreis begegnet sind. Sie hat eine eigene Reitanlage, reitet selbst und ist mit dem Sport und allem, was dazugehört, eng verbunden. Das hat mich sehr gefreut, denn dieses Wissen von innen spürt man in den Drehbüchern deutlich.
Juli hat den Reitsport einmal als Spiegel der Gesellschaft beschrieben, das finde ich sehr treffend. Die Gegenüberstellung eines hochprofessionellen Stalls, der letztlich ein Unternehmen ist, und eines ländlichen Amateurbetriebs zeigt eine Diskrepanz, die es auch in vielen anderen Bereichen gibt. Sie hat die unterschiedlichen Welten und die damit verbundenen Konflikte schön in die Geschichte eingebracht.
Beeindruckt hat mich auch, dass Juli fast jeden Drehtag am Set war. Mit großer Sorgfalt hat sie darauf geachtet, dass der Reitsport authentisch dargestellt wird. Gemeinsam mit einem tollen Team von Frauen hat sie sich eingebracht und, wenn nötig, auch mal Stopp gesagt. Man merkt, dass dieses Projekt für sie eine Herzensangelegenheit ist.
"Die Falsche Tochter" ist eine Dramaserie, die in der Welt des Reitsports spielt. Gibt es Berührungspunkte, die Sie mit einbringen konnten in die Arbeit?
Heino Ferch: Vor allem die Welt, in der die Geschichte spielt, denn die ist seit vielen Jahren Teil meines Lebens. Ich spiele seit 20 Jahren Polo, und eine meiner Töchter reitet in ihrem Jahrgang im Nationalteam Springen. Dadurch kenne ich die Szene sehr genau, mit allen Pros und Contras: die großen Turniere, die Mäzene, das Zusammenspiel von Sport und Funktionärswesen, aber auch die Kontroversen. Diese Welt vor die Kamera zu bringen und dazu etwas beitragen zu können, hat mich sehr gereizt.
Dazu kam, dass das Projekt auf einem sehr hohen Niveau umgesetzt wurde. Die Produktion hat sich Rat aus der absoluten Topetage des Springsports geholt, und mit Šamorín bei Bratislava hatten wir eine Anlage, die im internationalen Turniersport eine feste Größe und europaweit einzigartig ist. Natürlich wird meine Tochter sofort sehen, dass da keine 1,50 Meter gesprungen werden. Aber der Anspruch, diese Welt glaubwürdig zu erzählen, war bei allen Beteiligten spürbar.
Lili Epply: Ich habe als Kind professionell Ballett getanzt. Zu reiten fühlt sich für mich an, wie gemeinsam eine Choreografie zu tanzen. Es ist eine hochpräzise Absprache zwischen zwei Körpern. Im Grunde geht es darum, in einen gemeinsamen Rhythmus zu kommen. Beim Reiten und beim Tanzen scheint man in Momenten die Schwerkraft zu überwinden.
Karoline Eichhorn: Mich hat am meisten fasziniert zu beobachten, wie Pferd und Reiter kommunizieren, wie aufmerksam und zugewandt das Pferd sein kann, wie der Reiter das Pferd lesen kann, wenn es zwischen den beiden stimmt und sie sich aufeinander einlassen können. Da bin ich wieder bei der Einheit, die sie bilden können.
Joshua Hupfauer: Ich empfinde es immer als großes Glück, wenn ich eine Rolle bekomme, für die ich mich intensiv vorbereiten und in eine neue Welt eintauchen darf. "Die falsche Tochter" war genau so ein Fall. Ich hatte vorher keine Berührungspunkte mit dem Reiten, geschweige denn mit dem Springsport. Deswegen hat es mir umso mehr Freude gemacht, mit Juli Zeh an ihren eigenen Pferden die Arbeit zu lernen, die ich für meine Figur Marco brauchte: Satteln, Putzen, Hufe auskratzen und Verladen. Außerdem hat sie mir die Grundlagen des Horsemanship beigebracht, also zum Beispiel die Kommunikation über Körpersprache. Dass es nicht darum geht zu dominieren, sondern dem Pferd Sicherheit zu geben, indem man ihm zeigt, dass man weiß, wo es langgeht. Das war eine sehr coole Arbeit.
Dazu bin ich zu Springreitturnieren gefahren, um die Abläufe vor Ort zu beobachten und die Menschen kennenzulernen, die diesen Sport betreiben. Die Eltern zu sehen, die verbissen am Rand stehen und viel mehr wollen als ihre Kinder, oder mit Reiterinnen zu sprechen, die trotz wenig Geld jeden Cent in ihren Sport stecken, fand ich krass und vielleicht den faszinierendsten Part meiner Arbeit an diesem Projekt.
Margarita Broich: Als Kind bin ich oft geritten und wurde von unserer Produktion mit einigen Reitstunden vor dem Dreh wieder fit gemacht. Schon das war ein Erlebnis. Leider musste meine Figur am Ende gar nicht aufs Pferd, aber auf das Zutrauen und die Routine im Umgang mit den Tieren wurde in der Vorbereitung viel Wert gelegt. Juli Zeh war, was für eine Autorin ganz ungewöhnlich ist, die ganze Drehzeit vor Ort. Sie war gleichermaßen innig mit den Schauspielern und den Pferden, das war eine große Freude und etwas ganz Besonderes. Sie scheint die Sprache der Pferde genauso zu verstehen wie die Sprache der Menschen. Das ist ja auch Thema des Films.
Wie würden Sie ihre Figur beschreiben, worin lag der Reiz, sie zu spielen?
Lili Epply: Ina versteht sich besser mit Pferden als mit Menschen. Das kann ich als "Crazy Cat Lady” gut nachvollziehen.
Heino Ferch: Als ich die Bücher gelesen hatte, wusste ich sofort, dass ich Leerkamp spielen möchte. Er ist ein Mann, der im Reitsport ganz oben mitspielt, und Menschen wie ihn kenne ich persönlich. Ich weiß, wie sie ticken, darüber musste ich nicht lange nachdenken. Spannend ist vor allem sein innerer Konflikt. Leerkamp trägt eine Lebenslüge mit sich herum, die 25 Jahre zurückliegt und ihn eng mit der Figur Cora verbindet. Das ist ein großer Stein im Rucksack seines Lebens.
Karoline Eichhorn: Cora Brun versucht, den Hof, den sie mit ihrem Mann, einem international erfolgreichen Springreiter, aufgebaut hat, weiterzuführen, nachdem ihr Mann nach einem tragischen Reitunfall ums Leben kam. Eine Belastung, an der sie beinahe zerbricht. Ihr Wille, ihn weiterzuführen, trotz ihrer Trauer, dem Zweifel, ob es überhaupt finanziell machbar ist, dem Kampf mit ihrem Sohn Marco, der sein Leben natürlich ganz anders führen will, als sie es sich wünscht, dazu noch ein Geheimnis, das sie fast ihr ganzes Leben lang mit sich herumträgt – all das macht Cora zu einem sehr vielschichtigen Charakter, der mir große Freude bereitet hat zu spielen.
Gab es bei den Dreharbeiten einen Moment oder eine Szene, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?
Joshua Hupfauer: Von der großartigen Karoline Eichhorn unter die Dusche gezerrt und mit eiskaltem Wasser abgesprüht zu werden – das ist mir auf jeden Fall nachhaltig in Erinnerung geblieben. Das war die Krönung einiger sehr intensiver Streitszenen, in denen wir uns ziemlich aneinander abgearbeitet haben. Das hat schauspielerisch sehr viel Freude gemacht.
Karoline Eichhorn: In einer Szene, ich würde sie die "Aussprache" zwischen Ina und Cora nennen, kommt es zwischen den beiden Figuren zum Eklat. Bevor wir sie gedreht haben, haben wir wie immer darüber gesprochen, an welcher Stelle unsere jeweiligen Figuren sind, wie stark sie emotional aufgeladen sind, was sie wissen und was nicht, aber wir haben die Szene nicht wie üblich richtig geprobt. Ich glaube, es war unser aller Wunsch, einfach zu drehen, was manchmal durchaus vorkommen kann, wenn es um große Emotionen geht. Durch die daraus entstandene Spontaneität konnten Dinge passieren, die vielleicht nicht entstanden wären, hätten wir uns vorher festgelegt. Das sind dann so Momente, die besonders in Erinnerung bleiben.
Margarita Broich: Mein erster Drehtag war sicher der eindrucksvollste. Wir fuhren im Spätsommer zu einem sehr schönen Hof mitten in der Natur. Dort traf ich ein großes, internationales Team. Die Stimmung war großartig. Mit meinen Mitstreitern konnten wir arbeiten und feiern, Fußballländerspiele besuchen und jederzeit "Pferde stehlen".
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