Wahrheit oder Lüge - Maria hat Angst

Der Fernsehfilm der Woche

Annabelle (Natalia Wörner)
ZDF/NIK KONIETZNY
Annabelle (Natalia Wörner) ZDF/NIK KONIETZNY

Als Annabelle Martinelli das Mandat einer angeklagten Polizistin annimmt, ahnt sie noch nicht, welche Verstrickungen der Fall innerhalb der Polizei ans Licht befördern wird – mit fatalen Folgen.

Sendedatum

ab Samstag, 14. November 2026, 10.00 Uhr, ein Jahr lang
Montag, 23. November 2026, 20.15 Uhr

Fotos

Texte

Stab, Besetzung, Inhalt

Stab

Buch und Regie               Lars Becker

Bildgestaltung                  Alexander Sachs

Montage                           Sanjeev Hathiramani

Szenenbild                       Daniela Herzberg

Kostümbild                       Regina Tiedeken

Ton                                   Christian Wegner

Musik                               Hinrich Dageför, Stefan Wulff

Casting                             Rebecca Gerling, Lina Behr

Produktionsleitung            Karsten Kilian

Herstellungsleitung           Roger Daute, Gitte Stiehler

Produktion                        Network Movie Film- und Fernsehproduktion GmbH, Hamburg

Produzentin/Produzent     Jutta Lieck-Klenke, Dietrich Kluge

Redaktion                          Daniel Blum (ZDF), Julius Windhorst (ARTE)

Länge                                90 Minuten

 

Die Rollen und ihre Darstellerinnen und Darsteller

Annabelle Martinelli           Natalia Wörner

John Quante                      Fritz Karl

Maria Morales                    Amanda da Gloria

Layla Rekabi                      Maral Keshavarz

Angela Kowalski                Katharina Schüttler

Mike Kowalski                    Stefan Rudolf

Tommy Bockhorn               Merlin Rose

Naomi Bockhorn                Safira Robens

Abdel Meckdache              Hassan Akkouch

Zola Meckdache                Carmela Bonomi

Hossein Darwich               Husam Chadat

Ayman Darwich                 Mohamed Chahrour

Tuba Kechrida                   Sonja Hurani

Duc Tran                            Ill-Young Kim

Ronny Kurfürst                  Patrick von Blume

Juan Morales                    Amadeus Riempp

Trimmel                             Andreas Anke

Staatsanwalt Rödekamp    Ole Eisfeld

und andere

 

Inhalt

Maria Morales hetzt am Abend mal wieder von einem Job zum nächsten. Erst schuftet sie als Tellerwäscherin in einer Pizzeria, dann muss sie zur Putzkolonne im Flughafen. Auf dem Heimweg nimmt Maria ihre Kollegin Angela Kowalski mit. Als ihr Auto stehenbleibt, beobachten die beiden einen Vorfall vor einer Kneipe, der mehr in Marias Leben in Gang setzt, als sie in diesem Moment ahnen kann: Maria wird Zeugin, wie die Polizistin Layla Rekabi ihren Kollegen Tommy Bockhorn brutal zusammenschlägt. Layla hatte bereits darauf gewartet, dass Tommy sich wieder danebenbenimmt und war vorbereitet auf die Polizeifeier gekommen – mit einem Gummiknüppel.

Vor der Anwältin Annabelle Martinelli pocht Layla auf ihre Unschuld, denn Tommy habe sie jahrelang belästigt. Doch Laylas Beziehung zu Tommy scheint komplexer gewesen zu sein, als es zunächst den Anschein hat. Und die Kollegen bei der Polizei zeichnen ein anderes Bild von Layla. Sie sei schon öfter bei Einsätzen gewalttätig geworden, zuletzt gegen einen gesuchten Straftäter. Ihre Kollegen hatten Layla gedeckt – auch, weil sie einen illegalen Deal mit ihm am Laufen haben, der nicht auffliegen darf.

Laylas Fall scheint eine harte Nuss für Annabelle Martinelli zu werden. Doch dann erfährt die Anwältin von Maria Morales' zufälliger Zeugenschaft. Sie ist der Joker, der Layla vor Gericht entlasten könnte. Leider hat Maria ganz andere Probleme. Sie hat keine Arbeitsgenehmigung und ihre Aufenthalts-genehmigung läuft auch bald ab.

Annabelle bietet ihre Hilfe an und ahnt noch nicht, wie sehr die Frauen und ihre Geschichten bereits miteinander verbunden sind.

Ein packendes Drama über Machtmissbrauch, weibliche Solidarität und die Frage, wie weit man gehen muss, um gehört zu werden.

Interview mit Natalia Wörner

In der Lars-Becker-Reihe "Wahrheit oder Lüge" spielen Sie die Anwältin Annabelle Martinelli. Was berührt Sie an dieser Frau, was wollten Sie ihr unbedingt mitgeben?

Wir wollten unserer Annabelle Martinelli von Beginn an eine klare Haltung geben: Als Anwältin wendet sie nicht nur das Recht an, sondern sie arbeitet auch daran, den gesellschaftlichen Blick auf Gewalt gegen Frauen zu verändern. Inspiriert ist diese Figur für mich unter anderem durch die Berliner Anwältin Christina Clemm, die in ihrem Gebiet eine Vorreiterrolle hat, insofern, dass sie den Frauen, die sie juristisch vertritt, auch gesellschaftlich eine Stimme gibt – und dabei immer wieder die Frage stellt, was sich an unserem Denken, an unseren Institutionen und an unserer Rechtsprechung ändern muss. Das berührt mich insofern sehr stark, da es ja unserem Alltagserleben entspricht – mit wie viel Kraft und Energie kämpfen Frauen aller Generationen um ihre Rechte ‒ und wie lange schon.

Warum ist der dritte Film dieser Reihe "Maria hat Angst" für Sie so besonders und sehenswert?

Es ist ein außergewöhnlich dichter Film über Macht und Machtmissbrauch, der die Grenze zwischen Täter und Opfer, Wahrheit und Lüge bewusst verschiebt. Wir bewegen uns, wie in den vorherigen Filmen, wieder in einem Graubereich, und es gibt keine erwartbare Erzähldynamik. Die Geschichte wirft gesellschaftlich brisante Fragen auf, und der Zuschauer bleibt nach dem Abspann mit einem Gefühl der Unruhe zurück. Der Film gibt nämlich keine einfachen Antworten. Dazu kommt, dass der Polizeiapparat als eigenes Machtgefüge erzählt wird. Korpsgeist, Loyalität, Vertuschung und Korruption treffen auf die #MeToo-Frage und auf die Lebensrealität einer migrantischen Zeugin, die selbst Angst hat auszusagen. Es gibt auf alle Fälle keine einfache, gefällige, aber auch keine moralische Botschaft in "Maria hat Angst".

Der Reihentitel "Wahrheit oder Lüge" verweist auf eine zentrale Frage des Films: Wem glauben wir, wenn Aussage gegen Aussage steht? Warum fällt es unserer Gesellschaft noch immer so schwer, Frauen zuzuhören, wenn sie von Gewalt oder Grenzüberschreitungen erzählen?

Ich finde schon, dass sich der gesellschaftliche Umgang mit dem Thema Gewalt und Machtmissbrauch in den letzten Jahren deutlich verändert hat, nicht zuletzt durch den öffentlichen Umgang der Betroffenen selbst. Nach Giselle Pelicot und Collien Fernandes ist das Thema analoge, chemische und digitale Gewalt in einer viel tiefergelagerten Dimension sprechbar geworden. Ein fiktionales Format, das sich diesem Thema von Beginn an verschrieben hat, darf jetzt noch tiefer gehen und genau das tun wir. Dabei kommt uns zugute, dass unsere Protagonistin sowohl Fachanwältin für Strafrecht als auch für Familienrecht ist. Eine Kombination, die gerade bei häuslicher Gewalt entscheidend ist, weil Strafrecht, Sorgerecht, Trennung, Schutzanordnungen und finanzielle Fragen ineinandergreifen. Das heißt die simple "Wem-glauben-wir-Debatte" ist bei uns kein wiederkehrender dramaturgischer Kniff. Wir versuchen, die Themen in ihrer Komplexität und Verzahntheit zu erzählen.

Als Schauspielerin und als gesellschaftlich engagierte Frau beschäftigen Sie sich seit Jahren mit dem Thema "Gewalt an Frauen". Wo endet für Sie die Rolle – und wo beginnt die Verantwortung, die man als öffentliche Person innehat?

Ich würde eher sagen: Wann wird aus einer Haltung ein gesellschaftliches Engagement, das dann, wie in meinem Fall, in eine Rolle fließen darf? Ich empfinde es als großes Privileg, dass ich Themen, die mich privat beschäftigen und berühren und zu denen ich einen Beitrag geben möchte, in einem wiederkehrenden Format beleben kann. Das habe ich in erster Linie dem Autor und Regisseur Lars Becker zu verdanken, der in einer unvergleichlichen Form schreibt, inszeniert und ständig hinterfragt. Der Zuschauer nimmt das alles sehr genau wahr und honoriert das.

Für mich sind Kinder- und Frauenrechte, Gleichberechtigung und der Schutz vor Gewalt zu einem persönlichen Lebensthema geworden. Ob es meine Arbeit für die Kindernothilfe ist oder unsere Initiative #Sicherheim – all diese Themen haben ja einen inneren Zusammenhang, und irgendwann formt sich daraus ein klarer Weg, der sich eben auch künstlerisch ausdrückt.

Welche konkreten gesellschaftlichen oder institutionellen Mechanismen müssen Ihrer Meinung nach verbessert werden, damit Betroffene die Hilfe erhalten oder in Anspruch nehmen können, die sie benötigen?

Hier kann man immer wieder den Vergleich zu Spanien anführen. Dieses Land hat ein Gesamtkonzept für Gewaltschutz aufgestellt, das in vielerlei Hinsicht vorbildhaft ist. Das umfasst die Ausbildung der Juristen, die Fortbildung bei der Polizei und den Gerichten, und auch die Abläufe im medizinischen Bereich sind einfach auf einem anderen Niveau, was Opferschutz betrifft, als bei uns. Allerdings war die letzte Zeit wichtig, denn jetzt hat Bundesjustizministerin Stefanie Hubig ein Gesetz zur Stärkung des zivilrechtlichen und strafrechtlichen Schutzes vor digitaler Gewalt auf den Weg gebracht hat. Das ist eine wichtige rechtspolitische Entwicklung, insbesondere für Frauen und Mädchen, die von sexualisierter Gewalt im Internet betroffen sind. Die zentrale Veränderung ist, dass bestimmte Formen digitaler Gewalt künftig ausdrücklich strafbar werden sollen und dass Betroffene bessere rechtliche Werkzeuge erhalten, um aus der Anonymität des Internets herauszukommen, um gegen Täter tatsächlich vorgehen zu können. Grundsätzlich wäre es wunderbar, wenn sich alle an die EU-Richtlinien halten würden und die Istanbul-Konvention endlich umgesetzt werden würde. Mit großer Sorge schaue ich auf die geplanten Kürzungen im Gewaltschutz. In der chronisch unterfinanzierten Situation ist das in Anbetracht der steigenden Zahlen an Gewalttaten ein buchstäblicher Schlag ins Gesicht.

Jedes Jahr lenkt der Orange Day die Aufmerksamkeit auf Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Der Film "Maria hat Angst" wird kurz zuvor ausgestrahlt. Was kann ein fiktional erzählter Film ihrer Meinung nach leisten, und was wünschen Sie sich, dass der Film bei den Zuschauenden auslöst?

Der Film lässt uns Gewalt nicht nur verstehen, sondern sie emotional begreifen. Wir erleben sie durch die Augen einer Frau, wir spüren ihre Angst, ihre Verletzlichkeit, aber auch ihre Kraft und ihren Überlebenswillen. Und plötzlich ist das Thema nicht mehr abstrakt, sondern ganz nah. "Maria hat Angst" soll nicht nur erschüttern, sondern etwas in Bewegung setzen. Ich wünsche mir, dass der Film Menschen berührt, dass er Gespräche anstößt und dazu führt, genauer hinzusehen – auch dort, wo wir vielleicht lieber wegschauen würden. Gewalt gegen Frauen beginnt nicht erst dort, wo sie körperlich sichtbar wird. Sie hat viele Gesichter, und viel zu oft werden Warnsignale übersehen, verharmlost oder als private Angelegenheit abgetan. Der Orange Day erinnert uns daran, dass Gewalt gegen Frauen und Mädchen keine Einzelschicksale betrifft, sondern eine gesellschaftliche Realität ist. Wenn der Film dazu beiträgt, dass wir Frauen ernst nehmen, ihnen glauben, ihre Perspektive verstehen und als Gesellschaft mehr Verantwortung übernehmen, dann hat er etwas Wesentliches erreicht. Denn Veränderung beginnt auch damit, dass wir nicht länger wegsehen. Und genau darin können wir uns Frauen gegenseitig bestärken und begleiten. Annabelle ist für mich ein "Begleitmensch" geworden.

Fotolink

Pressefotos zum Film erhalten Sie unter https://presseportal.zdf.de/presse/wahrheitoderluege (nach Log-in), telefonisch unter 06131 – 70-16100 oder per E-Mail unter pressefoto@zdf.de. 

Kontakt

Susanne Priebe
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