Weihnachtspäckchen ... haben alle zu tragen

Herzkino

Pasquale Aleardi, Zöe Valks und Yann Mbiene (Panorama-Foto oben, von links) sind drei der vielen Darsteller*innen in diesem episodisch-weihnachtlichen Reigen, der sich von der Komödie über Coming-of-Age bis zum Drama spannt. Es geht in den unterhaltsamen Geschichten um Liebe, Adoption, Patchwork, Einsamkeit, Schuld und Fürsorge mit bunten Einblicken in diverse Haushalte von Mittenwald (hier vor dem Geigenmuseum)

  • ZDF Mediathek, ad ut Ab Donnerstag, 16. November 2023, 10.00 Uhr
  • ZDF, ad ut Sonntag, 3. Dezember 2023, 20.15 Uhr

Texte

Stab

Buch                                                        Claudia Matschulla, Arnd Mayer
Regie                                                      Stefan Bühling
Kamera                                                    Alexander Palm
Schnitt                                                     Jens Müller
Musik                                                      Jonas Nay, David Grabowski
Ton                                                          Angelo Hopfer 
Szenenbild                                               Patrick Steve Müller
Kostümbild                                               Theresia Wogh
Produzentin                                             Heike Wiehle-Timm
Redaktion                                                Berit Teschner

Eine ZDF-Auftragsproduktion der Relevant Film Produktion GmbH, Hamburg

Die Rollen und ihre Darsteller*innen

Adika Okafor                                            Yann Mbiene
Tessa Leitner                                           Zoë Valks
Frank Donneck                                         Pasquale Aleardi
Ruth Neuberg                                          Proschat Madani
Tim Reichert                                            Jacob Matschenz
Julian Haindl                                            Florian Bartholomäi
Guido Waller                                            Manuel Rubey
Sibille Stein                                             Henny Reents
Henny Stein                                             Dilara Aylin Ziem
Charlotte Haslhuber                                 Sylvia Eisenberger
Willi Brummel                                           Hans Stadlbauer
Verena Urbach                                         Corinna Binzer
und andere

Inhalt

Der Erzählbogen des episodisch-weihnachtlichen Reigens spannt sich von der Komödie über Coming-of-Age bis zum Drama zugespitzt unterhaltsam mit Themen wie Liebe, Adoption, Patchwork, Einsamkeit, Schuld und Fürsorge. Das ist das Konzept für das außergewöhnliche, fünfte Film-Projekt mit dem Arbeitstitel "Weihnachtspäckchen", das Produzentin Heike-Wiehle Timm für das adventliche ZDF-Herzkino umsetzt – nach "Ein Lächeln nachts um Vier", "Weihnachten im Schnee", "Alice im Weihnachtsland" und "Ein Taxi zur Bescherung" in den Vorjahren.

 

Kurz vor Weihnachten im winterlichen Mittenwald: Adika jobbt über die Feiertage als Paketfahrer, doch trotz des Stresses und der vielen auszuliefernden Sendungen verliert er seine gute Laune nicht. Nur wenn er sich mit Tessa um dieselben Parkplätze streiten muss, geht ihm das ein bisschen gegen den Strich. Dabei findet er die Pflegerin eigentlich interessant, traut sich aber nicht, sie anzusprechen.

Tessa wiederum versucht, bei ihrer Patientin Charlotte Haslhuber die Stimmung zu heben. Diese feiert die Festtage dieses Jahr das erste Mal ohne ihren Mann. Und auch zum alljährlichen Weihnachtslauf in Mittenwald, bei dem man sich mit Skiern und Schlitten im Wald trifft, Stockbrot über Lagerfeuern röstet und Glühwein und Schokolade aus Thermoskannen trinkt, muss ohne sie stattfinden.

Dass ihr Nachbar Willi Brummel sich dazu noch ständig in ihre Gymnastik-Übungen mit Tessa reindrängt, gefällt der resoluten Dame auch nicht. Tessa, die neu in Mittenwald ist, ihre Familie in der Nähe von Schwerin hat und sich über die Feiertage Dienst hat eintragen lassen von ihrem schlechtgelaunten Chef Volker, will sie aufmuntern. Aber wie?

Adikas Vermieter Julian und Tim, die zusammen die Bäckerei am Ort führen und absolute Weihnachtsfans sind, fallen aus allen Wolken, als Jugendamtsmit-arbeiterin Verena Urbach ihnen mitteilt, dass ihre gewünschte Adoption jetzt stattfinden wird. Ja, jetzt, so kurz vor Heiligabend. Als der kleine Jonathan auf der Säuglingsstation zart in ihren Armen liegt, sind erst einmal alle Sorgen vergessen. Sie sind Eltern! Auf diesen Moment hat das Paar lange gewartet. Es heißt, einen kühlen Kopf zu bewahren und die arbeitsintensiven letzten Stunden vor Weihnachten mit den ersten aufregenden Stunden mit Johnny unter einen Hut bekommen. Tim organisiert als erstes alles Praktische, was gebraucht wird. Das ist noch der leichteste Part, wie die beiden frischgebackenen Väter schnell feststellen müssen.

Dass die alleinstehende Krimilektorin Ruth Neuberg die Sendung für ihre verreiste Nachbarin annimmt, erleichtert Adika das Leben. Als diese das Paket in die gegenüberliegende Wohnung bringt, schellt es plötzlich an der Tür: Frank Donneck steht davor, allerdings ohne sich vorzustellen. Er ist schwer enttäuscht, dass Frau Mayrhofer nicht da ist, verrät aber auch nicht den Grund seines Besuchs so kurz vor den Feiertagen.

Ruth begegnet dem verschlossenen Mann noch häufiger an diesem Tag. Bei ihrem Besuch in der Fotoausstellung kommen sie endlich ins Gespräch. Beide merken, dass sie sich viel zu sagen haben. Frank beschließt daher, die Nacht in einer Pension zu verbringen, denn er hat keine anderen Pläne, und Ruth lädt ihn an Heiligabend zum Essen bei ihr ein. Ein Anruf am nächsten Morgen löst die zarte Annäherung der beiden in Luft auf.

Ruths Nachbar Guido feiert dieses Jahr Weihnachten wieder mit seiner Teenager-Tochter Henny. Diese freut sich sehr, als ihre Mutter Sybille sie in Mittenwald absetzt, um in ihr Wellness-Weihnachten mit Freundinnen aufzubrechen. Die Stimmung zwischen Mutter und Tochter ist angespannt. Deshalb eröffnet Henny ihrem Vater, gleich nachdem sie die Wohnung betreten hat, dass sie zu ihm ziehen will. Dumm nur, dass Hennys Spange beim Abschied aus der Tasche gefallen ist, und Sybille also wieder vor Guidos Tür steht. Die weiß von Hennys Entscheidung leider nichts, wie Guido an dem wütenden Anlauf bemerkt, mit dem seine Ex-Partnerin seine Wohnung stürmt. Dieses Weihnachtsfest läuft für alle drei Familienmitglieder anders als geplant.

Statement von Produzentin Heike Wiehle-Timm

Den Drehort Mittenwald für unsere "Weihnachtspäckchen" hatte ich schon im Sommer bei strömenden Regen besucht. Jede und jeden Mittenwalder(in), die/den ich auf Schneesicherheit angesprochen hatte, im schönsten bayerischen Dialekt, dass es IN JEDEM FALL (!) und IMMER (!!!) ab Mitte Januar schneien würde. Das sei so sicher wie das Amen in der Kirche.

Als wir dann Mitte Januar in der heißen Drehvorbereitung waren, schienen meine Stoßgebete nicht gehört zu werden, denn sämtliche Webcams zeigten hohe Plusgrade und ausschließlich grüne Wiesen. Auch der Wetter-App-Vergleich brachte keine Entlastung. Nirgendwo weit und breit kein Schnee in Sicht! Aber wir brauchten doch für unsere Geschichte ein Winter-Wonderland. Das hatte ich ganz selbstbewusst der ZDF-Redaktion versprochen: "In Mittenwald liegt im Januar der Schnee meterhoch."

Kurz vor Drehbeginn wurden wir erlöst: Es schneite dicke Flocken. Wir waren unglaublich erleichtert. Doch Schnee ist kein sicheres Element. Schon nach ein paar Tagen brachte die Hochwetterlage viel Sonnenschein, und der Schnee schmolz erst unter den Füßen und dann auch von den Dächern. Zum Glück hatten wir zur Gemeinde Mittenwald, zum Bürgermeister und allen wichtigen Menschen im Ort, ein gutes Verhältnis aufgebaut. Das ganze Dorf war begeistert von unseren Team und der Geschichte. Und obwohl es taute und in der Fußgängerzone bald kein Schnee mehr lag, so wurde extra für unsere Motive aus höheren Lage Schnee angekarrt, so dass das winterliche Weihnachtsfeeling immer spürbar war.

Wir hatten unsere Basis mit dem Catering, den Kostümautos und Maskenmobilen auf einem schönen Platz aufgebaut. In der Mittagspause und auch morgens, bevor es losgeht, ist das ein Treffpunkt für die Schauspieler*innen und das Team. Tagsüber konnten wir bei Sonnenschein im T-Shirt zu Mittag essen, aber nachts zog die Kälte heftig an, so dass wir jeden morgen Rutschpartien auf unserem Gelände hatten und große Vorsicht walten lassen mussten. Ein verstauchter Knöchel oder gar Beinbruch ist so ziemlich das Letzte, was man während Dreharbeiten braucht. Wenn ein Schauspieler*in krank ist, stehen die Dreharbeiten still.

In unserem Film gab es eine Szene, in der das ganze Dorf sich nachts zu einem Langlauf-Fackellauf trifft. Die Loipen waren leider derart vereist, so dass unsere Schauspieler*innen, die zum Teil noch nie in der Loipen standen, ihre Skier gar nicht bewegen konnten. Zum Glück sind alle flexibel, und wir haben dann das Stockbrotgrillen am Feuer (im Film ist das eine kontrollierte Gasflamme) vor einer wunderbaren Bergkulisse feiern können und die zauberhafte Szene bei Vollmond in den Kasten gekriegt.

Vieles ist beim Film planbar, aber nicht das Wetter. Es macht, was es will. Eine Lektion, die wir bei Dreharbeiten immer wieder erfahren. Deshalb ist Glück so wichtig: Am Ende unserer Dreharbeiten hat Frau Holle nochmal gezeigt, was sie kann. Eines morgens war Mittenwald, sämtliche Dächer und die Berge mit weißem Pulverschnee verziert. Wir waren unendlich dankbar und glücklich, unseren Zuschauer*innen nun doch die Geschichte in einem Winter-Wonderland erzählen zu können.

Interview mit Yann Mbiene

Sie spielen einen jungen Mann, der wegen des Krieges seine Heimat verlassen musste und ohne Familie in Deutschland strandet. Er lebt bei Julian und Tim, die ein wenig seine Familie ersetzen. Ist das reine Fiktion oder kennen Sie solche oder ähnliche Geschichten?

Die Geschichte von Adika ist leider keine Fiktion, hat aber mit meiner persönlichen Geschichte glücklicherweise nichts zu tun, obwohl es viele Menschen gibt, die aus meinem Heimatland Kamerun fliehen oder weggehen müssen aufgrund von schlechten Perspektiven oder wegen erfahrener Gewalt.

 

Der Film entstand im Karwendel-/Wettersteingebirge. Was hat Ihnen dort besonders gefallen?

Ich kannte die Region bisher nicht. Ich war nur einmal in Österreich beim Hochkönig, was wiederum auch ganz anders ist als Mittenwald. Hier hat mich die absolute Ruhe fasziniert wie auch, dass die kleine Stadt direkt am Karwendel liegt, der mich einfach jedes Mal beeindruckt hat. Ich glaube, ich habe so viele Fotos von diesem Berg wie manch Neueltern von ihrem Baby auf meinem Handy.

 

Wie war es für Sie, außerhalb der Weihnachtszeit dort zu drehen?

Ich habe für mich gelernt, dass Weihnachten tatsächlich losgelöst von einem Zeitpunkt funktionieren kann, solange das Drumherum weihnachtlich ist. Es gab viel Weihnachtsmusik, Spekulatius, Stollen und Deko am Set und an der Base. Daher war es dann, je öfter ich am Set war, recht einfach, in Weihnachtsstimmung zu kommen. Hinzu kommt, dass ich als Hamburger selten Schnee an Weihnachten habe.

 

Adika hegt starke Gefühle für Tessa, weiß aber nicht, wie er es ihr zeigen soll. Dann ergibt sich die Möglichkeit mit der Betreuung zweier alter, alleingebliebener Menschen, die sehr dankbar sind.

Ich kenne dieses Gefühl sehr gut, denn vor meiner Schauspielausbildung habe ich als Krankenpfleger in Pflegeheimen und im Krankenhaus gearbeitet und dort viele einsame Menschen gesehen. Es hat mir immer das Herz gebrochen, Menschen zu sehen, die so viel erlebt, geliebt, geleistet oder gesehen haben, und dann eines Tages vergessen in einem Zimmer liegen und auf die Güte und den Respekt einer Fachkraft angewiesen sind. Aus Kamerun kenne ich dieses System nicht, dort sind ältere Menschen weiterhin in das Familiensystem eingebunden, man kümmert sich um diejenigen, die sich um einen selbst gekümmert haben. 

 

Adika kann nicht Skilaufen und lässt es sich von Herrn Brummel zeigen. Mögen Sie Wintersport?

Ich war das erste Mal auf Skiern beim Dreh. Ich hatte das Privileg, einen Tag mit einem Profi, Skilanglauf zu lernen. Das hat mir wirklich Spaß gemacht, und ich war anscheinend ein Naturtalent, wurde mir gesagt. Das hat mich motiviert, auch Ski-Alpin ausprobieren zu wollen, mal schauen, wann sich das ergibt.

 

Sie wurden in Kamerun geboren, haben Ihren Lebensmittelpunkt jetzt in Deutschland.

Ich kann sagen, dass ich selbst nach elf Jahren noch nicht ganz angekommen bin. Klar, ich habe meine Familie hier, meinen Beruf, mein Zuhause. Doch ich werde von außen oder Fremden immer wieder im Alltag dran erinnert, dass ich als schwarzer Mann kein Deutscher sein kann. Es wird besser, und vieles hat sich schon verändert, aber dennoch ist es noch klar für mich zu spüren ‒ sei es in der Bahn oder beim Einkaufen oder auch im Schauspielberuf.

 

Zum Thema Weihnachten: Wie verbringen Sie die Adventszeit und die Festtage?

Wir sind gerade als Familie in der Phase, in der wir schauen, welche Traditionen wir etablieren wollen und uns ausprobieren an neuen Rezepten, Abläufen und Gästen.

Interview mit Zöe Valks

Sie haben im Karwendel-/Wettersteingebirge gedreht.

Für mich war es das erste Mal in der Region. Als ich in Mittenwald ausgestiegen bin, stand ich erstmal ein paar Minuten staunend vor diesem riesigen Berg, der sich direkt an der Ortsgrenze auftürmt. Der Ort selbst ist auch total süß und die Natur drumherum wunderschön. An drehfreien Tagen bin ich oft wandern gegangen und fand die Strecke von Mittenwald zum Lautersee besonders schön.

 

Ihre Rolle Tessa ist Pflegefachkraft mit Leib und Seele. Kennen Sie auch Situationen, in denen Sie sich gerne mehr Zeit für ihre Mitmenschen nehmen würden?

Die Situation in Deutschland ist prekär. Um die Pflegekräfte zu entlasten, bräuchte man mehr Personal, aber die Krankenhäuser und Pflegeeinrichtung haben große Schwierigkeiten, mehr Personal zu bekommen, weil die Bezahlung und Arbeitsbedingungen schlecht sind.

Klar, ich hätte total gerne mehr Zeit für meine Mitmenschen und fände es schön, noch präsenter sein zu können. Gleichzeitig dürfen wir nicht übersehen, was das eigentliche Problem ist: dass der Pflegenotstand aktuell durch unbezahlte Care-Arbeit abgefangen wird. Und am Ende des Tages fällt nämlich genau diese unbezahlte Arbeit überwiegend auf uns Frauen zurück – Stichwort Gender Care Gap – und sorgt dafür, dass wir wieder vermehrt in eine finanzielle Abhängigkeit gedrängt werden.

 

Mit Adika findet Tessa einen Verbündeten, gemeinsam ermöglichen sie den beiden Senioren einen Besuch des Weihnachtslaufs. Nachahmenswert, finden Sie nicht?

Auf jeden Fall wäre ich für so eine Aktion zu haben! Bisher habe ich überwiegend mit Kindern gearbeitet, aber ich kann mir sehr gut vorstellen, auch ehrenamtliche Arbeit mit Menschen in anderen Altersklassen auszuüben. Nach meiner Matura bin ich für einige Monate nach Indonesien verreist, um dort bei "Ein Stern für Lombok" zu helfen, einem gemeinnützigen Verein, der hauptsächlich Kinder und Jugendliche bei ihrer Aus- und Weiterbildung unterstützt. Das war eine sehr wertvolle Zeit, um die ich bis heute sehr dankbar bin.

 

In den Niederlanden geboren, in der Schweiz aufgewachsen, leben Sie jetzt in Berlin. Wo fühlen Sie sich zu Hause?

Das ist schwierig zu sagen. Ich habe an all diesen Orten ein Stückchen Heimat gefunden. Für mich kommt es eher auf die Menschen an, die mich an den jeweiligen Orten umgeben. Sie geben mir das Gefühl, zuhause zu sein.

 

Wie verbringen Sie Weihnachten?

An den Festtagen fahre ich immer zu meiner Familie nach Basel. Wir haben eine niederländische Tradition, die nennt sich "Surprise": Einen Monat vor Weihnachten wichteln wir und müssen dann eine "Surprise" für die Person in der Familie anfertigen, die wir gezogen haben. Ursprünglich geht es bei der "Surprise" darum, das Geschenk möglichst schwierig (zum Beispiel mit ganz viel Klebeband) zu verpacken. Bei uns ist es inzwischen so ausgeartet, dass wir alle irgendwelche (manchmal hüfthohen) Figuren basteln und darin das Geschenk verstecken. Da gab es etwa schon einen Rick aus der TV-Serie "Rick and Morty", Roman Roy aus "Succession", eine Dampflokomotive oder ein anatomisch korrektes Kniegelenk. Dann schreibt man noch ein Gedicht für die Person dazu und stellt das dann alles zum Weihnachtsbaum. Am 24. sind wir tagsüber also eigentlich alle immer mit Basteln beschäftigt und treffen uns dann abends mit unseren kleinen "Kunstwerken" zum Abendessen.

Interview mit Pasquale Aleardi

Sie spielen Frank Donneck, einen Mann, der eine schwere Last auf sich trägt. Wie haben Sie sich ihm angenähert?

Schon beim ersten Lesen wusste ich sofort, dass ich diese Figur spielen will. Frank Donnecks Wunsch nach Versöhnung und Verzeihung haben mich berührt. Und die Empathie für ihn war der Schlüssel in der Vorbereitung. Sein Schicksal, durch einen Moment der Unaufmerksamkeit mit schwerer Schuld in ein anderes Leben katapultiert zu werden, ist tragisch.

Bei der Zusage hat auch einer meiner absoluten Lieblingsfilme aus den Vierzigern von Frank Capra "Ist das Leben nicht schön?“ eine Rolle gespielt. Dieser Film ist für mich ein Meisterwerk. Wenn man den guckt, macht er einem klar, dass das Leben ein Geschenk ist. Und unser Film "Weihnachtspäckchen … haben alle zu tragen" hat mich beim ersten Lesen irgendwie daran erinnert.

 

Sie haben im Karwendel-/Wettersteingebirge gedreht.

Ich kannte diese Region nicht und ich hatte leider auch keine Zeit, Ausflüge zu machen, aber die Luft und die Aussicht sind einfach phantastisch, egal wo man hinguckt. Ich hab' mich da sehr wohl gefühlt, weil es mich an die Heimat meiner Frau erinnert. Sie kommt aus einem Skigebiet in der Nähe von Davos. Die Pracht der Berge, die Präsenz und Kraft, die sie ausstrahlen, sind da ebenso beeindruckend.

 

Wie wurde in Mittenwald Weihnachtsstimmung hergestellt?

Obwohl es Ende Januar war, fühlte ich mich immer noch weihnachtlich, dank der wunderbaren Weihnachtszeit, die ich mit meiner Großfamilie verbracht hatte. Wenn wir alle Weihnachten feiern, sind wir locker 50 Personen aufwärts. Mit zwei kleinen Söhnen zu Hause bleibt die Weihnachtsstimmung dann erst recht lange hängen. Das Set-Team hat fantastische Arbeit geleistet, um eine authentische Weihnachtsatmosphäre zu schaffen. Es fühlte sich zwischen den Takes so an, als hätte man noch Tannennadeln im Pullover und Blätterteig unter den Fingernägeln.

 

Wie verbringen Sie die Adventszeit und die Festtage?  

In der Weihnachtszeit wird bei uns durchgegessen. Jede Tante oder jeder Onkel tischt für alle jeweils noch einmal auf. Drei Tage lang kiloweise selbstgemachte Nudeln, kiloweise Fleisch, Salate, kiloweise Süßigkeiten, Tiramisu, Panetonne …  sehr ungesund das alles, aber herrlich.

Interview mit Proschat Madani

Ihre Figur Ruth Neuberg ist Lektorin für Kriminalromane. Lesen Sie auch gerne?

Sehr gerne, allerdings keine Kriminalromane. Ansonsten erstreckt sich die Bandbreite meiner Lektüre von Mariana Leky, Arundhati Roy bis zu Philip Roth. Gerade habe ich ein Buch von Valerie Tscheplanowa begonnen, die nicht nur eine großartige Schauspielerin ist, sondern ganz wunderbar schreiben kann.

 

Wie war es für Sie, außerhalb der Weihnachtszeit in Mittenwald zu drehen?

Als ich im Hotel ankam, wunderte ich mich, dass sie dort die Weihnachtsdeko nicht abgeräumt hatten. Dabei hatten sie die freundlicherweise nur für unseren Dreh behalten. Zweimal im Jahr Weihnachten zu haben, ist ja nicht schlecht. Geschenke haben nur gefehlt.

 

Sind Sie wie Ruth ein eher misstrauischer Mensch?

Ich bin mit Sicherheit kein vertrauensseliger Mensch. Ich finde es besser, vorsichtig im Umgang mit Menschen zu sein, dann wird man auch weniger enttäuscht. Je enger die Beziehung, desto wichtiger die Wahrheit. Auch wenn sie schmerzt. Betrogen und belogen werden, ist immer schlimmer.

 

Zum Thema Weihnachten: Wie verbringen Sie die Adventszeit und die Festtage?

Nicht sehr traditionsreich. Diese Weihnachten das erste Mal in Palma. Mit Mann, Tochter und Freunden. Mal was anderes.

Interview mit Jacob Matschenz

Die Dreharbeiten für diesen Film fanden im Karwendel-/Wettersteingebirge statt.

Ich kannte die Region gar nicht, außer von Wintersportereignissen im Fernsehen. Als Hobbykletterer wie mir juckt es natürlich sehr in den Fingern bei so vielen Bergen mit "Heidiflair".

 

Mittenwald Ende Januar in Weihnachtsstimmung – wie wurde die hergestellt?

Die Mittenwalder wurden von unserer Ausstattung gebeten, doch ihre weihnachtliche Dekoration noch ein wenig länger stehen zu lassen. Allerdings ist Mittenwald so schön pittoresk, dass ich als Berliner vermutlich auch im Hochsommer weihnachtliche Vibes bekommen würde.

 

Tim ist Bäcker von Beruf. Welcher wäre für Sie eine Alternative zu Ihrem heutigen?

Vermutlich Physiotherapeut oder Koch.

 

Tim und Julian leben und arbeiten zusammen – eine sehr enge Beziehung. Können Sie sich das auch für Ihren Alltag vorstellen?

Obwohl ich mich selber als gesellig sehe, brauche meinen Freiraum, unabhängig von Kreativität. 

 

Sie und Florian Bartholomäi spielen hier ein Männer-Ehepaar mit Kinderwunsch. Was halten Sie von dem Argument, dass solche Rollen von queeren Schauspielern übernommen werden sollten?

Das war meine erste Frage an Regisseur Stefan Bühling: Warum ich und nicht einer der vielen Kollegen, die sich zum Beispiel im Zuge von dem #actout-Artikel positioniert und geäußert hatten? Seine Antwort war sinngemäß, dass ihm die Kollegen, mit denen er sich das hätte vorstellen können und die auch zu diesem Zeitpunkt verfügbar gewesen wären, alle abgesagt hatten. Auch mit der Begründung, dass sie keinen Homosexuellen spielen wollten.

Interview mit Florian Bartholomäi

Ihre Figur Julian und ihr Partner bekommen einen Tag vor Weihnachten ein echtes "Christkind" geschenkt. Haben Sie Erfahrung mit Säuglingspflege?

Vor einigen Jahren bin ich selbst Vater geworden, und natürlich gab es da Momente, in denen ich auch leicht überfordert war. Alles war neu. Ich konnte dadurch die Not und die Überforderung meiner Figur gut nachvollziehen und denke, vielen Eltern wird es vielleicht ähnlich gehen.

 

Sie haben im Karwendel-/Wettersteingebirge gedreht – was hat Ihnen dort besonders gefallen?

Im Karwendelgebirge war ich bereits zuvor, und diese Berglandschaft nun im Winter zu sehen, war zauberhaft. Mit Jacob habe ich Tagesausflüge an freien Tagen unternommen, und wir haben gut gegessen (lacht).

 

Bösewichte zu spielen, liegt Ihnen. Wie steht es mit den sanfteren Charakteren?

Für die Rollenvorbereitung suche ich in mir selbst und recherchiere viel. Das ist bei der Vorbereitung zum Bäcker sehr nützlich gewesen. Ich kann inzwischen leckeres Brot backen.

 

Sie und Jacob Matschenz spielen ein Männer-Ehepaar mit Kinderwunsch. Was halten Sie von dem Argument, dass solche Rollen von queeren Schauspielern übernommen werden sollten?

Für mich ist es Teil des Berufsbildes, in die verschiedensten Figuren zu schlüpfen. Schon in der Vergangenheit habe ich homosexuelle Rollen gespielt und konnte dadurch andere Sichtweisen besser kennenlernen. Diesmal habe ich mich mit der Perspektive eines Männerpaares befasst, das in Deutschland die Pflege für ein Kind übernehmen möchte. Der Beruf des Schauspielers wird dadurch bereichert und zeigt zudem die Vielfalt dieses Filmes auf.

 

Zum Thema Weihnachten: Wie verbringen Sie Festtage?

Früher bin ich im Winter immer verreist, nun erfinde ich Traditionen für die Familie. Weihnachten muss bei uns schmecken, ich koche sehr gern Wild. Das kaufe ich vorher beim Jäger in Brandenburg ein. Für mich sollte der Warenaustausch auf ein Minimum begrenzt werden, Hauptsache man ist mit den Liebsten zusammen und macht es sich gemütlich.

Interview mit Manuel Rubey

Ihre Figur Guido Waller ist Kunstlehrer und Vater einer 14-jährigen Tochter, die er nur gelegentlich sieht, da sie – mit seinem Einverständnis – bei der Mutter lebt.

Ich verstehe seine Haltung zum Teil. Habe mir vorgestellt, dass er aus einer Mischung aus Empathie und Egoismus heraus gehandelt hat. Er redet sich ein, dass die Mutter-Kind-Bindung einfach stärker ist, und freut sich schon auch, so sehr er sein Kind liebt, dass er Zeit für sich hat. Außerdem hat Guido wohl ein wenig Angst vor seiner Ex-Frau und will den Konflikten mit ihr eher aus dem Weg gehen.

 

Guido strahlt Wärme und gute Laune aus und scheint den Schwierigkeiten seiner pubertierenden Tochter gelassen entgegenzusehen. Sind Sie auch so entspannt in Erziehungsfragen?

Ich denke, dass ich auch relativ gelassen bin. Natürlich mache ich mir als Vater zweier Töchter hin und wieder Sorgen, was ihre Zukunft, den Zustand des Planeten, das Patriachat, den Gender-pay-gap und dergleichen betrifft. Aber ich habe ein großes Glück, weil mir unsere Töchter viel Grund zur Gelassenheit geben, weil sie mit Vielem besser umgehen können als ich.

 

Wie verbringen Sie die Adventszeit und die Festtage?

Mir selbst bedeutet Weihnachten nicht so viel, aber speziell als die Kinder noch kleiner waren, war es sehr besonders. Mittlerweile versuchen wir, es uns einfach schön zu machen, und diskutieren lang über den familiären Speiseplan an den Feiertagen, weil es da sehr unterschiedliche Vorstellungen dazu gibt.

 

Interview mit Henny Reents

Sie spielen eine Mutter, die ihre Tochter alleine großzieht und glaubt, durch ständige Überwachung deren Entwicklung positiv beeinflussen zu können. Ist das Ihrer Ansicht nach ein richtiger Ansatz?

Durch ihr ständiges Überwachen und Kritisieren erreicht Sybille bei ihrem Kind natürlich das Gegenteil. Für sie ist es schwierig, loszulassen. Zu akzeptieren, dass sie kein kleines Mädchen mehr vor sich hat, sondern eine junge Frau, die nicht ständig kontrolliert werden will, sondern so akzeptiert werden möchte, wie sie ist und nun in der Lage ist, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen.

 

Sie haben im Karwendel-/Wettersteingebirge gedreht – was hat Ihnen dort besonders gefallen?

Als Nordlicht zieht es mich nicht so oft in die Berge. Mittenwald im Winter, der Ort in dem wir gedreht haben, hat wirklich etwas sehr Verwunschenes. Die malerische Altstadt, historischen Bauten und kleinen Läden ‒ sehr idyllisch!

 

Mittenwald Ende Januar in Weihnachtsstimmung – wie wurde die hergestellt?

Wir haben Ende Januar mit den Dreharbeiten begonnen, und da konnte man sich noch ganz gut mit Weihnachten und dem Besinnlichen verbinden. Aber auch die Filmausstattung hat ganze Arbeit geleistet und mit Weihnachtsbaum, Kunstschnee, Spekulatius und allem was dazugehört diese Atmosphäre kreiert, was mir als Schauspielerin natürlich sehr hilft.

 

Sie sind am 24. Dezember geboren.

Ja, tatsächlich ist das Weihnachtsfest etwas Besonderes für mich, halt Geburtstag und Weihnachten an einem Tag. Da kommen Kindheitserinnerungen hoch, wie das Krippenspiel, in dem ich viele Jahre mitgespielt und auch meine Liebe für die Bühne und das Theaterspielen entdeckt habe. Und Geburtstagsfeiern während der Grundschulzeit vormittags am Heiligen Abend, Geschenke morgens und abends. Großartig. Für mich war als Kind der 24. Dezember einer der aufregendsten und wichtigsten Tage im ganzen Jahr.

Interview mit Dilara Aylin Ziem

Sie spielen die 14-jährige Tochter von Sybille und Guido Waller. Seit der Trennung der Eltern lebt sie bei der Mutter.

So wie meine Figur Henny bin auch ich ein Kind geschiedener Eltern, daher konnte ich von vornherein sehr viel Verständnis für Hennys Situation auf- und miteinbringen, wusste selbst, wie sie sich in vielen Situationen anfühlt. Henny ist für ihr Alter sehr reif und weiß genau, was sie möchte. Ihre Entschlossenheit finde ich beeindruckend.

 

Sie standen für diesen Film im Karwendel-/Wettersteingebirge vor der Kamera.

Ich fand es mega-toll, dort zu drehen. Ich kannte Mittenwald tatsächlich schon durch meine Tante und meinen Onkel, da sie dort öfters Ski und Snowboard fahren waren. Sie haben mich dann während meines beruflichen Aufenthaltes dort an einem drehfreien Wochenende besucht, und wir sind zusammen Ski gefahren. Zudem durften sie und meine kleinen Cousinen Komparsen sein für eine Szene. So konnte ich meiner Familie auch endlich mal zeigen, wie meine Arbeit aussieht, und sie hatten die Gelegenheit, es selbst hautnah mitzuerleben. Das wird eine schöne Erinnerung sein.

 

Ein Thema zwischen Mutter und Tochter ist die Körperlichkeit von Henny. Wie stehen Sie zu den gesellschaftlichen Themen wie Körperoptimierung und Gendergerechtigkeit?

Jeder Mensch sollte gleichbehandelt werden. Durch soziale Medien bin ich auf das Thema aufmerksam geworden, dass es viele Töchter gibt, die von ihrer Mutter aufgrund ihres Körpers diskriminiert werden oder sie generell das Gefühl haben, nicht genug zu sein für ihre Mütter, was total schrecklich ist. Bei mir ist es zum Glück anders, und ich hoffe, dass wir uns hier alle gemeinsam weiterentwickeln. Es wäre schön, wenn meine Figur Henny dazu einen Beitrag geben kann.

 

Interview mit Hans Stadlbauer

Sie spielen einen Mann, der sich in einer für ihn neuen Lebenssituation zurechtfinden muss. Er hat seine Frau verloren.

Mein Bruder war in exakt derselben Situation, und es gelang ihm, diese als Neuanfang zu erleben. Er öffnete sich der Gesellschaft gegenüber und begann erst kleinere Reisen zu unternehmen, um am Ende seines Lebens dann noch viele große mit dem Schiff zu machen.

 

Was gefällt Ihnen an der Region, in der gedreht wurde, besonders?

Ich kenne das Karwendel seit meiner Kindheit. Ich habe dort viele Kletter- und Wandertouren gemacht. Die Viererspitze, die ich mit 16 Jahren erstmals bestiegen habe, ist mir der liebste Berg bei Mittenwald.

 

Willi Brummel bereitet gemeinsam mit Nachbarin Charlotte eine Weihnachtsüberraschung für die Pflegekraft Tessa vor. Hätten Sie auch Spaß daran, andere zu überraschen?

Ja, ich überrasche meine Frau Marianne sehr oft und gerne. Und meist gelingt es mir auch.

 

Charlotte sagt an einer Stelle: "Es war schön, mal wieder gebraucht zu werden". Können Sie das nachempfinden?

Für jeden Menschen ist es eine Bereicherung im Leben, von anderen gebraucht zu werden. Ich habe das selbst während der Corona-Pandemie vor zwei, drei Jahren hautnah erlebt: In unserer Nachbarschaft durfte ich während des Lockdowns den "komischen Gesellen" für die Kinder nebenan geben. Über den Gartenzaun natürlich mit gebührendem Abstand, versteht sich.

 

Tessa und Adika nehmen Charlotte und Willi mit auf den verschneiten Berg zum Weihnachtslauf. Dort bringen Sie dem jungen Mann das Skilaufen bei. Ist das Thema Wintersport noch aktuell für Sie?

Wintersport ist meine große Leidenschaft. Ich betreibe Skialpin seit 1956 und werde dies noch bis es nicht mehr geht, weiterhin tun. Es ist mir eine große Freude

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