37°: Unsere Klasse

Chaos und Chancen in der 1d

Grundschulklassen sind heute so divers wie nie. "37°" begleitet Schülerinnen und Schüler der Städtischen Grundschule am Steigerweg in Mülheim an der Ruhr durch die erste Klasse. Wie lernen sie, sich zu konzentrieren, Veränderungen anzunehmen und mit Herausforderungen umzugehen? Die Reportage ist der Auftakt einer "37°"-Langzeitbeobachtung der Klasse vom ersten bis zum vierten Schuljahr.  

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Ab Dienstag, 20. Oktober 2026, 5.00 Uhr, fünf Jahre lang im ZDF streamen
Dienstag, 20. Oktober 2026, 22.15 Uhr

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ZDF: Dienstag, 20. Oktober 2026, 22.15 Uhr

37°: Unsere Klasse – Chaos und Chancen in der 1d

Film von Julia Weber und Anna Wolters

Grundschulklassen sind heute so divers wie nie: die Kinder starten mit unterschiedlichen Stärken und Bedürfnissen. "37°" zeigt das erste von vier Jahren aus mehreren Perspektiven.

Die Reportage begleitet die Schülerinnen und Schüler der 1d der Städtischen Grundschule am Steigerweg in Mülheim an der Ruhr durch die erste Klasse, die sie völlig verschieden erleben. Wie lernen sie, sich zu konzentrieren, Veränderungen anzunehmen und mit Herausforderungen umzugehen? Kann die Lehrerin alle mitnehmen?

Jeremiah (6), genannt Jerry, wächst dreisprachig auf. Er geht mit viel Energie ins erste Schuljahr. Schon nach kurzer Zeit fällt auf: Er kann sich nur schwer konzentrieren und braucht oft eine Eins-zu-Eins-Betreuung, um eine Aufgabe zu erledigen. Das kann seine Klassenlehrerin Nicole Artmeyer dauerhaft nicht leisten. Kurz darauf bekommt er die Diagnose ADHS. Auf einen Ergotherapieplatz muss er jedoch Monate warten.

Jan (6) besucht die Schule mit einer Integrationshilfe, da er mehr Zeit braucht, um sich auf neue Situationen einzustellen. Er freundet sich mit dem aufgeschlossenen Tom an und gewinnt an Sicherheit. Doch dann verlässt seine vertraute Schulbegleiterin die Klasse.

Alessia (6) übernimmt in Gruppen gerne die Führung. Auch in alltäglichen Situationen bestimmt sie oft über andere. Bei ihr zeigen sich die sozialen Lernprozesse, die alle Kinder in diesem Alter durchlaufen müssen: eigene Bedürfnisse zurückstellen, Kompromisse finden und sich in andere hineinversetzen.

Auch Klassenlehrerin Nicole Artmeyer erlebt täglich, wie anspruchsvoll Unterricht in einer so heterogenen Lerngruppe geworden ist. Während einige Kinder bereits selbstständig arbeiten, brauchen andere intensive Unterstützung. Oft hapert es schon an den Deutschkenntnissen. Der Film zeigt auch, wie sehr sich der Lehrerberuf verändert hat und wie wichtig zusätzliche Hilfe ist, um allen Kindern gerecht zu werden.

Extern eingeschätzt werden die Kinder von dem Entwicklungspsychologen Prof. Dr. Sven Lindberg. Zu Beginn und gegen Ende des Schuljahres besucht er die Klasse und lädt die Kinder zu spielerischen Experimenten ein. Sie zeigen, welche Fähigkeiten sich in diesem Alter entwickeln – etwa Konzentration, Selbsteinschätzung oder Empathie. Manche Ergebnisse bestätigen die Erwartungen, andere überraschen selbst den Psychologen. So macht der Film sichtbar, welche Entwicklung Kinder innerhalb weniger Monate durchlaufen und wie unterschiedlich ihre individuellen Wege dorthin sind.

"Unsere Klasse: Chaos und Chancen in der 1d (AT)" ist der Auftakt einer "37°"-Langzeitbeobachtung einer Klasse der Städtischen Grundschule am Steigerweg in Mülheim an der Ruhr vom ersten bis zum vierten Schuljahr. Am Ende entsteht ein außergewöhnlich dichtes Porträt der Schülerinnen und Schüler, die unter anderem mit Remote Kameras gefilmt werden. 

"Beziehung geht über Erziehung" – Interview mit Entwicklungspsychologe Sven Lindberg

Prof. Dr. Sven Lindberg ist Professor für Klinische Entwicklungspsychologie an der Universität Paderborn. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Lernentwicklung, Entwicklungsstörungen und der sozialen und emotionalen Entwicklung. Aktuelle Arbeiten fokussieren den Umgang mit digitalen Geräten wie Smartphones und Tablets und dessen Wirkung auf unsere Entwicklung. Neben seiner Forschung übersetzt er Wissenschaft in öffentliche Formate und begleitet die "37°"-Reportage "Unsere Klasse: Chaos und Chancen in der 1d" mit verschiedenen entwicklungspsychologischen Tests.

Was macht den Übergang vom Kindergarten zur Grundschule aus entwicklungspsychologischer Perspektive so besonders?

Ein Kind wechselt hier nicht nur das Gebäude, sondern seine ganze Rolle verändert sich. Aus einem Kind, das täglich relativ frei spielen durfte, wird ein Kind, das neue Fertigkeiten lernen und Leistung zeigen soll — und das eingebettet in einen vorgebenden Rahmen und ein dynamisches soziales Umfeld. Gleichzeitig reifen in dieser Zeit die Fähigkeiten, die für die Schule so wichtig sind: sich selbst steuern, abwarten und die eigene Aufmerksamkeit halten und lenken. Der Übergang ist deshalb so heikel, weil von allen Kindern Leistungen erwartet werden, deren Fundament sich erst mitten im Aufbau befindet.

Was sind die größten Herausforderungen in der Grundschule?

Die eigentliche Arbeit der ersten Jahre ist oft verdeckt und wenig sichtbar. Kinder lernen nicht nur Lesen und Rechnen, sie lernen, sich selbst zu regulieren, mit Frust umzugehen und sich in einer Gruppe zu verorten. Wer sich dabei schwertut, kann das nicht immer äußern und macht es mit sich selbst aus oder zeigt abweichendes Verhalten. Diese inneren Prozesse bleiben unsichtbar, während das auffällige Verhalten, das daraus entsteht, oft als Charakter missverstanden wird.

Was sollte im Großen erarbeitet werden, um Kinder auf die weiterführende Schule vorzubereiten? Muss die Grundschule neu strukturiert werden?

Ich halte wenig davon, die Grundschule umzubauen, damit sie besser auf die nächste Schule vorbereitet. Dann optimieren wir Kindheit auf einen Anschluss hin und verlieren das, was die Grundschule leisten soll: tragfähige Grundlagen und Freude am Lernen. Sinnvoller könnte es sein, die Übergänge weicher zu gestalten und Diagnostik so einzusetzen, dass wir früh sehen, wo ein Kind steht, ohne dabei zu sortieren, sondern um gezielt zu fördern. In der Praxis sind es dabei oft weniger die Strukturen, sondern die fehlenden Mittel und die personelle Situation, die den Unterschied machen.

Wie kann das familiäre Umfeld unterstützen?

Am meisten hilft eine starke Bindung, ein verlässlicher Rahmen und echtes Interesse. Das Abfragen von Ergebnissen, ständiger Druck und Konflikte wirken sich eher negativ aus. Eltern müssen nicht die zweite Schule zu Hause sein. Sie dürfen der Ort sein, an dem ein Kind scheitern und sich ausprobieren darf. Die Aussage "Beziehung geht über Erziehung" ist dabei eine sehr gute Orientierung.

Mit Tests machen Sie im Film deutlich, welche Fähigkeiten sich im Grundschulalter entwickeln – etwa Konzentration, Selbsteinschätzung oder Empathie. Manche Testergebnisse waren erwartbar, andere überraschend. Was war das Überraschende?

Das Überraschende kam oft nicht von den Kindern, sondern von den Erwachsenen. Immer wieder wich das Ergebnis eines Kindes von dem ab, was die Erwachsenen erwartet hatten: "Der kann sich doch gar nicht konzentrieren" – und dann war genau dieser Wert gut. Solche Momente zeigen, wie sehr unser Alltagsurteil über ein Kind und seine tatsächliche Fähigkeit auseinanderliegen können.

Lässt sich an dieser Klasse eine Veränderung von Grundschulkindern allgemein ablesen?

Diese Klasse ist ein erstaunlich gutes Abbild dessen, was heute in Deutschland Normalität ist: große Heterogenität, mit einem Kind mit Schulbegleitung, mit Kindern aus unterschiedlichen Herkunftssprachen und sozialen Verhältnissen. Dadurch eignet sich die ausgewählte Klasse gut zur Orientierung. Früher waren Klassen deutlich homogener, mittlerweile ist die sogenannte "Superdiversität" (also eine extreme Vielfalt) das neue Normal.

Die Fragen stellte Magda Huthmann.

Über den "37°"-Kosmos

Seit mehr als 30 Jahren ist "37°" fester Bestandteil des ZDF-Programms. Mehr als 1100 Dokumentationen wurden seit dem Start am 1. November 1994 ausgestrahlt. Die Reportagereihe am Dienstagabend hat sich in den vergangenen Jahren zu einer Marke entwickelt, die auf unterschiedlichen Wegen ausgespielt wird. 2009 startete das non-lineare Angebot auf Facebook. Seit 2019 ist "37°" auf Instagram aktiv, seit 2023 bei YouTube und TikTok. Im März 2022 startete das Reportageformat "37°Leben". Ziel ist es, möglichst unterschiedliche Zielgruppen anzusprechen. Mittlerweile erreichen die Publikationen im non-linearen-Bereich der Social Media-Kanäle genauso viele Sendeminuten wie im TV – auf beiden Ausspielwegen jeweils rund 2000 Minuten pro Jahr.  

"37°" und "37°Leben" unterscheiden sich in der Machart und den Zielgruppen, die erreicht werden sollen. "37°Leben" ist eine reine O-Ton-Reportage ohne Sprechertext. Hintergrundinformationen werden durch Texte eingeblendet, auch Fachleute kommen bei Bedarf zu Wort. Die Reihe richtet sich gezielt an 25- bis 34-Jährige.  

"37°" will eine breitere Zuschauerschaft ansprechen, hat meist einen Sprechertext und begleitet die Protagonisten und Protagonistinnen über einen längeren Zeitraum.  

Zahlen, Daten, Fakten zum "37°"-Kosmos

Start der Reihe:  

Dienstag, 1. November 1994, 22.15 Uhr 
Der erste Film war "Jenseits der Schattengrenze" von Hartmut Schoen, Untertitel: "Ein Vietnamsoldat kann nicht vergessen". Erster Teil eines Dreiteilers zum Thema "Grenzen" 

Erfinder der Reihe und des Sendetitels "37°": 

Hans Helmut Hillrichs, von 1993 bis 2005 Leiter der ZDF-Hauptredaktion "Kultur und Wissenschaft".   

Erweiterung der Marke "37°":  

Seit März 2022 gibt es zudem die Reihe "37°Leben" mit mehr als 150 Filmen. 

Folgenanzahl: 

Mehr als 1100 Filme der Reihe "37°" wurden bisher im ZDF ausgestrahlt. 
Jährlich werden derzeit 30 bis 36 Sendungen in der Reihe "37°" gezeigt (dienstags um 22.15 Uhr) sowie rund 50 Sendungen in der Reihe "37°Leben" (sonntags um 9.03 Uhr) 

Zur Entstehung:  

Die Produktion einer "37°"-Sendung dauert in der Regel sechs bis zwölf Monate, angefangen von der Recherche bis zur Endfertigung. Die Dreharbeiten dauern meist zwischen drei Monaten und einem Jahr. Bei Langzeitbeobachtungen arbeiten die Autorinnen und Autoren oft auch ein Jahr und länger an einem Film. Den Rekord hält Maike Conway, die Corinne, die bei der Geburt von ihrer Mutter mit HIV infiziert wurde, bereits seit 15 Jahren begleitet. Entstanden sind bisher zwei Filme "Niemand darf es wissen" (2015), der mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet wurde, und "Ich lebe positiv" (2019). 

ZDF-Redakteurin Heike Kruse begleitet seit vielen Jahren Sarah, die mit einem transplantierten Herz lebt, durch die Höhen und Tiefen ihres Lebens. Daraus sind bislang drei "37°"-Filme entstanden: "Sarah und ihr fremdes Herz", "Nach der Organspende" und "Happy End auf Zeit". 

ZDF-Redakteurin Ulrike Schenk begleitet seit 2015 einen jungen Geflüchteten aus Afghanistan. "Ohne Eltern im fremden Land" war der erste Film, "Dann wäre ich ein gemachter Mann" wurde 2019 gesendet und aktuell arbeitet sie an einem dritten Film über Samirs Entwicklung in Deutschland. 

Mehr als 500 Themenvorschläge gehen jährlich bei der Redaktion ein – bei rund 100 Sendeplätzen verteilt auf "37°", "37°Leben" und "37°"-YouTube bedeutet das die "Qual der Wahl". 

Reihen und Mehrteiler: 

Für "37°" entstehen auch mehrteilige Reihen wie der Dreiteiler "Die Burgis", einer besonderen Wohngemeinschaft. "37°Leben" realisiert regelmäßig Mehrteiler und Reihen. Zuletzt den Zweiteiler "Lebensretter Schule", den Dreiteiler "Auf der Suche nach dem Spirit", die Reihe "Too toxic to handle", "Becoming Dad" und "Being Dad" sowie das sechsteilige Sozialexperiment "Against all Gods – die Glaubens-WG" (Auszeichnung mit dem Deutschen Fernsehpreis 2025). 

Auszeichnungen:  

Die Reihe "37°" wurde seit 1994 mit mehr als 50 Auszeichnungen und Preisen gewürdigt. Darunter sind so wichtige Ehrungen wie der Adolf-Grimme-Preis, der Deutsche Fernsehpreis, der Bayerische Fernsehpreis und der Axel-Springer-Preis für junge Autoren sowie der Deutsche Kamerapreis. 2025 wurde das sechsteilige Sozialexperiment "Against all Gods – die Glaubens-WG" mit dem Deutschen Fernsehpreis in der Kategorie Infotainment ausgezeichnet.

Fotos

Pressefotos zur Sendung als Download (nach Log-in), per E-Mail unter pressefoto@zdf.de oder telefonisch unter 06131 – 70-16100.

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Programmkommunikation Information, Gesellschaft, Sport
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betke.c@zdf.de
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