Greenwashed? L'Oréal – Alles nur Kosmetik?
Dokumentation mit Sherif Rizkallah
In der Reihe "Greenwashed?" nimmt Host Sherif Rizkallah die Nachhaltigkeitsversprechen von Unternehmen unter die Lupe. Diesmal die von L'Oréal. Bis 2030 will der französische Kosmetikkonzern den Klimawandel bekämpfen, die Natur schützen und Kreislaufwirtschaft fördern. Dazu sollen unter anderem seine Fabriken zu 100 Prozent mit nachhaltigen Energien und recyceltem Wasser betrieben werden und der Einsatz von neuem Plastik in den Verpackungen soll auf die Hälfte sinken. Verspricht der Kosmetikriese mehr, als er halten kann?
Fotos
Texte
Host: Sherif Rizkallah
Autorin: Megan Ehrmann
Kamera: Henrik Eichmann, Johannes Köhler
Montage: Henrik Eichmann
Ton: David Rudolph, Alexander Gasteiger
Produzent: Bewegte Zeiten Filmproduktion GmbH
Redaktion Bewegte Zeiten: Svaantje Schröder
Redaktion ZDF: Carsten Meyer, Michaela Sesterhenn
Leitung der Sendung: Cathérine Kipp
Ab Freitag, 11. Dezember 2026, 8.30 Uhr, fünf Jahre im ZDF streamen
Sonntag, 13. Dezember 2026, 15.30 Uhr
Greenwashed? L'Oreal: Alles nur Kosmetik?
Dokumentation mit Sherif Rizkallah
L'Oréal, der mächtigste Kosmetikkonzern der Welt, verspricht Schönheit mit Verantwortung. Lancôme, Yves Saint Laurent, Giorgio Armani, Prada, Valentino – die Beautylinien der Luxusmarken gehören allesamt zu L’Oréal. Doch die meisten begegnen dem Konzern im Drogeriemarkt um die Ecke: Garnier, Maybelline, Essie.
L'Oréals Leitspruch – "Weil ich es mir wert bin" – ist mittlerweile Kult. Aber nicht nur das: Das Unternehmen präsentiert sich als Vorreiter einer grünen Beauty-Welt, in der Schönheit, Verantwortung und gesellschaftlicher Fortschritt Hand in Hand gehen.
Für seine Nachhaltigkeitsziele hat der Konzern noch einmal nachgelegt: "Weil unser Planet es wert ist". Was der Planet konkret wert ist, hat der Kosmetikriese unter dem Titel "L'Oréal for the future" niedergeschrieben: Klimawandel bekämpfen, Natur schützen, Kreislaufwirtschaft fördern, Empowerment von Frauen – und noch etliches mehr.
Beim Einsatz erneuerbarer Energien in eigenen Standorten scheint man schon am Ziel zu sein, beim Recycling von Wasser ist es noch ein weiter Weg. Bis 2030 sollen zudem 50 Prozent weniger neues Plastik für Produktverpackungen im Vergleich zu 2019 verwendet werden. Über 90 Prozent der biobasierten Materialien für seine Formeln und Inhaltsstoffe will L'Oréal nachhaltig beziehen.
ZDF-Umweltreporter Sherif Rizkallah schaut sich die Umsetzung der Ziele vor Ort in Marokko und Ägypten an und checkt, welche Versprechen wirklich belastbar und welche mehr schöner Schein als Sein sind. Wurde dem Megakonzern nur ein grünes Make-up verpasst, oder geht es ihm tatsächlich um nachhaltige Transformation?
Kaum einen anderen Inhaltsstoff bewirbt L'Oréal so prominent wie Arganöl. Das "flüssige Gold" ist fester Bestandteil von mehr als 200 Produkten der L'Oreal-Palette. "Argan marokkanischen Ursprungs aus fairem Handel" steht auf nahezu jeder Verpackung, in der Arganöl drin ist. Vor Ort zeigt sich jedoch ein widersprüchliches Bild: Die große internationale Nachfrage trifft auf ein traditionell geprägtes Herstellungsverfahren. Der Arganwald, eigentlich geschützt, leidet unter Übernutzung, Klimawandel und steigender globaler Nachfrage. Illegale Erntemethoden schädigen die Bäume zusätzlich. Die Produktion von Arganöl ist traditionell Frauensache – Berberfrauen übernehmen das Handwerk seit Jahrzehnten. Und L'Oreal als Abnehmer engagiert sich dafür, genau diese Frauen zu stärken.
Sherif Rizkallah besucht eine Frauenkooperative in Marokko, von der L'Oréal Arganöl bezieht. Dort trifft er Jamila, eine Berberfrau. Ihr Leben lang schon knackt Jamila die Nüsse der Arganfrucht, um die darin enthaltene Mandel vorsichtig herauszulösen. Die Mandel wird gepresst und so schlussendlich das kostbare Öl gewonnen. Ein Knochenjob – und vor allem: noch immer Handarbeit.
L’Oréal verspricht, dass die Frauen der Kooperative über Durchschnitt bezahlt werden und über die Kooperative von zusätzlichen Sozialleistungen profitieren. Zwei unabhängige Organisationen sollen dafür sorgen, dass diese Ziele umgesetzt werden.
Vor Ort stößt Sherif Rizkallah jedoch auf einige Ungereimtheiten: Jamila berichtet, dass sie im Monat umgerechnet etwa 80 Euro für das Knacken der Nüsse erhalte. Das entspräche nur etwa einem Drittel des gesetzlich vorgegebenen Mindestlohns im landwirtschaftlichen Sektor in Marokko.
Zudem macht die Kooperative widersprüchliche Angaben zu Abnahmemengen, Preisen und Vertragspartnern. Ein undurchsichtiges Gesamtbild. Wer also profitiert vom "flüssigen Gold"?
Auch beim Thema Kreislaufwirtschaft hat sich L'Oréal ein ambitioniertes Ziel gesetzt: 50 Prozent weniger neues Plastik in Verpackungen bis 2030 und die Hälfte des Verpackungsmaterials soll aus recyceltem oder biobasiertem Material bestehen.
Für diese Vor-Ort-Recherche reist Sherif Rizkallah in sein Geburtsland Ägypten. Dort verfolgt der Film die Recyclingkette in Kairo bis in die sogenannte "Garbage City". Dort trennen informelle Müllsammler einen Großteil des städtischen Abfalls – unter schwierigen und teils gesundheitsgefährdenden Bedingungen. Fehlender Arbeitsschutz und geringe Einkommen gehören zum Alltag. Von hier soll ein Teil des getrennten Plastiks über ein Recyclingunternehmen auch an L'Oréal gehen. Der Kosmetikriese bewirbt in Ägypten – wie auch in Deutschland – Verpackungen zum Beispiel von Haarpflegeprodukten mit dem Aufdruck, der Flaschenkörper bestehe zu 100 Prozent aus recyceltem Plastik. Doch mit welchen Mitteln erreicht L'Oréal diese Quote?
L'Oréal dokumentiert seine 2030er-Nachhaltigkeitsziele und die bislang erzielten Fortschritte detailliert im Nachhaltigkeitsreport, den das börsennotierte Unternehmen jährlich vorlegt. Nachhaltigkeitszertifikate, Ratings und Testate unterstreichen das Engagement des Kosmetikriesen. Doch wie belastbar und unabhängig sind diese?
"Greenwashed?"-Host Sherif Rizkallah nähert sich den Nachhaltigkeitsversprechen von L'Oréal unvoreingenommen und möchte, neben der eigentlichen Überprüfung, auch herausfinden, wo für das Unternehmen die Herausforderungen bei der Umsetzung liegen.
Nachhaltig, fair, klimaneutral, recycelt – solche Wörter funktionieren inzwischen ziemlich gut auf Verpackungen, Websites und in Werbespots. Und wenn ein Unternehmen behauptet, etwas sei besonders umweltfreundlich, dann klingt das erst mal super. Wer möchte schließlich nicht gerne auf der "richtigen Seite" stehen?
Doch genau da fängt das Problem auch schon an. Denn wenn es um ihre Nachhaltigkeitsversprechen geht, sind Unternehmen durchaus kreativ. Und zugegebenermaßen: Reden ist einfach. Große Versprechen machen auch – vor allem, wenn sie sich gut anhören, einen super aussehen lassen und sich für Konsumenten nicht mal eben schnell überprüfen lassen.
Genau da komme ich ins Spiel. Ich mache mich auf den Weg und schaue selbst nach. Dabei geht es mir nicht darum, Unternehmen pauschal an den Pranger zu stellen. Ich bin kein Umwelt-Moralapostel und auch kein Aktivist. Ich bin eher so etwas wie ein reisender Faktenchecker: Ich nehme das, was ein Unternehmen über sich selbst erzählt, und halte es gegen die Realität. Deckt sich das, was man online liest und in schicken Werbespots bestaunt, mit dem, was man vor Ort vorfindet?
Klingt nach einer einfachen Frage. Ist es aber meistens nicht.
Zwischen einem Werbeversprechen und der Realität liegen manchmal Tausende Kilometer – und dazwischen jede Menge interessanter Details. Menschen etwa, die ganz andere Erfahrungen machen, als es auf der Unternehmenswebsite steht. Oder Lieferketten, die so verschachtelt sind, dass man erst mal verstehen muss, wer eigentlich was produziert und wo.
Deshalb reise ich auch dorthin, wo die Versprechen Wirklichkeit werden sollen. Ich will nicht nur wissen, was ein Unternehmen behauptet, sondern sehen, wie es tatsächlich aussieht. Ich will mit den Menschen sprechen, die mit diesen Versprechen zu tun haben. Ich will nachfragen, wenn mir etwas komisch vorkommt. Und ich will mich, wenn es sein muss, auch eines Besseren belehren lassen – wenn etwas tatsächlich besser funktioniert, als ich erwartet hätte.
Denn das gehört für mich genauso dazu: Wenn ein Unternehmen etwas richtig macht, soll das auch erzählt werden. Die Dokureihe "Greenwashed?" soll nicht beweisen, dass hinter jedem Nachhaltigkeitsversprechen automatisch Greenwashing steckt. Es geht darum, genauer hinzuschauen. Was ist wirklich nachhaltig? Was ist vielleicht nur ein bisschen nachhaltig? Und wo wird aus einer guten Geschichte irgendwann eine ziemlich grüne Verpackung für ziemlich wenig Inhalt?
Denn wenn es eine Sache gibt, die mich fuchst, dann sind es Leute – oder in unserem Fall Unternehmen –, die die Klappe zu groß aufreißen, und bei genauerem Hinsehen steckt wenig bis gar nichts dahinter. Große Worte sind schnell gefunden. Ein grünes Label ist schnell auf eine Verpackung gedruckt. Ein schöner Satz über die Zukunft des Planeten ist schnell geschrieben. Aber am Ende muss man sich daran messen lassen, was tatsächlich passiert.
Vom schwedischen Möbelhaus IKEA bis zum Kosmetikgiganten L'Oréal: Große Unternehmen werben heute mit dem Versprechen, nachhaltig zu sein. Doch welche Unternehmen halten diese Versprechen auch? Und wer will sich nur ein grünes Image geben, ohne wirklich etwas für die Umwelt zu tun? Diesen Fragen geht die Reihe “Greenwashed?” seit 2024 nach.
Der Titel der Dokureihe spielt auf den Begriff "Greenwashing" an, der verwendet wird, wenn etwas nachhaltiger wirkt, als es tatsächlich ist. Durch investigative Recherchen trennen die "Greenwashed?"-Dokumentationen PR-Blendwerk von wirksamen Nachhaltigkeitsbemühungen, echt gute Umweltideen von leeren Versprechungen – und entlarven mitunter auch einfach dreiste Lügen.
Dafür macht sich Host Sherif Rizkallah auf eine Recherchereise durch die Konsumwelt. In jeder Folge schaut er kritisch hinter die Kulissen eines bekannten Unternehmens und prüft, welchen Nachhaltigkeitsversprechen wirklich zu trauen ist. Immer getreu seiner Maxime: Versprecht einfach nichts, was ihr nicht halten könnt!
Die Dokureihe "Greenwashed?" vereint Unterhaltung, Information und investigative Recherche. Sie liefert Hintergründe zu Umweltproblemen und Klimakrise, bietet Orientierung und zeigt Lösungen auf.
In der Reihe entstanden bislang die Dokumentationen:
Greenwashed?
"L'Oreal: Alles nur Kosmetik?" (Erstsendung 4.10.2026)
Greenwashed?
"LEGO: Wie grün sind die bunten Steine?" (Erstsendung 21.6.2026)
Greenwashed?
"FIFA WM 2026: Grün ist hier nur der Rasen" (Erstsendung 10.5.2026)
Greenwashed?
"Decathlon: Kann Massenware nachhaltig sein?" (Erstsendung 12.10.2025)
Greenwashed?
"Nutella: Das grüne Märchen von Ferrero" (Erstsendung 22.6.2025)
Greenwashed?
"Ikea und Nachhaltigkeit" (Erstsendung 17.11.2024)
Greenwashed?
"ALDIs Versprechen von Regionalität" (Erstsendung 3.11.2024)
Greenwashed?
"Der Schuh aus Meeresplastik" (Erstsendung 7.4.2024)
Pressefotos erhalten Sie als Download (nach Log-in), per E-Mail unter pressefoto@zdf.de oder telefonisch unter 06131 – 70-16100.
Greenwashed? - Die Tricks der Konzerne im ZDF-Streaming
planet e. im ZDF-Streaming
Kontakt
Programmkommunikation Information, Gesellschaft, Sport
huthmann.m@zdf.de
+49 6131 70-12149
Programmkommunikation Information, Gesellschaft, Sport
betke.c@zdf.de
+49 6131 70-12717