Greenwashed?: L'Oréal – Alles nur Kosmetik?
Dokumentation mit Sherif Rizkallah
In der Reihe "Greenwashed?" nimmt Host Sherif Rizkallah die Nachhaltigkeitsversprechen von Unternehmen unter die Lupe. Diesmal die von L'Oréal. Bis 2030 will der französische Kosmetikkonzern den Klimawandel bekämpfen, die Natur schützen und Kreislaufwirtschaft fördern. Dazu sollen unter anderem seine Fabriken zu 100 Prozent mit nachhaltigen Energien und recyceltem Wasser betrieben werden und der Einsatz von neuem Plastik in den Verpackungen soll auf die Hälfte sinken. Verspricht der Kosmetikriese mehr, als er halten kann?
Fotos
Texte
Host: Sherif Rizkallah
Autorin: Megan Ehrmann
Kamera: Henrik Eichmann, Johannes Köhler
Montage: Henrik Eichmann
Ton: David Rudolph, Alexander Gasteiger
Produzent: Bewegte Zeiten Filmproduktion GmbH
Redaktion Bewegte Zeiten: Svaantje Schröder
Redaktion ZDF: Carsten Meyer, Michaela Sesterhenn
Leitung der Sendung: Cathérine Kipp
Ab Freitag, 23. Oktober 2026, 8.30 Uhr, fünf Jahre im ZDF streamen
Sonntag, 25. Oktober 2026, 15.30 Uhr
Greenwashed? L'Oreal: Alles nur Kosmetik?
Dokumentation mit Sherif Rizkallah
L'Oréal, der mächtigste Kosmetikkonzern der Welt, verspricht Schönheit mit Verantwortung. Lancôme, Yves Saint Laurent, Giorgio Armani, Prada, Valentino – die Beautylinien der Luxusmarken gehören allesamt zu L’Oréal. Doch die meisten begegnen dem Konzern im Drogeriemarkt um die Ecke: Garnier, Maybelline, Essie.
L'Oréals Leitspruch – "Weil ich es mir wert bin" – ist mittlerweile Kult geworden. Aber nicht nur das: Das Unternehmen präsentiert sich als Vorreiter einer grünen Beauty-Welt, in der Schönheit, Verantwortung und gesellschaftlicher Fortschritt Hand in Hand gehen.
Für seine Nachhaltigkeitsziele hat der Konzern noch einmal nachgelegt: "Weil unser Planet es wert ist". Größer geht's nicht. Was der Planet konkret wert ist, hat der Kosmetikriese unter dem Titel "L'Oréal for the future" niedergeschrieben: Klimawandel bekämpfen, Natur schützen, Kreislaufwirtschaft fördern, Empowerment von Frauen – und noch etliches mehr.
Beim Einsatz erneuerbarer Energien in eigenen Standorten scheint man schon am Ziel zu sein, beim Recycling von Wasser ist es noch ein weiter Weg. Bis 2030 sollen zudem 50 Prozent weniger neues Plastik für Produktverpackungen im Vergleich zu 2019 verwendet werden. Über 90 Prozent der biobasierten Materialien für seine Formeln und Inhaltsstoffe will L'Oréal "nachhaltig" beziehen.
ZDF-Umweltreporter Sherif Rizkallah schaut sich die Umsetzung der Ziele vor Ort in Marokko und Ägypten an und checkt, welche Versprechen wirklich belastbar sind – und welche mehr schöner Schein als Sein sind. Wurde dem Megakonzern nur ein grünes Make-up verpasst, oder geht es ihm tatsächlich um nachhaltige Transformation?
Am Beispiel von Arganöl in Marokko wird die Realität hinter dem Versprechen sichtbar. Das flüssige Gold ist fester Bestandteil von mehr als 200 Produkten der L'Oreal Palette, kaum einen anderen Inhaltsstoff bewirbt L'Oréal so prominent: "Argan marokkanischen Ursprungs aus fairem Handel" steht auf nahezu jeder Verpackung, in der Arganöl drin ist. Vor Ort zeigt sich jedoch ein widersprüchliches Bild: Die große internationale Nachfrage trifft auf ein traditionell geprägtes Herstellungsverfahren. Der Arganwald, eigentlich geschützt, leidet unter Übernutzung, Klimawandel und steigender globaler Nachfrage. Illegale Erntemethoden schädigen die Bäume zusätzlich. Die Produktion von Arganöl ist traditionell Frauensache – Berberfrauen übernehmen das Handwerk seit Jahrzehnten. Und L'Oreal als Abnehmer engagiert sich dafür, genau diese Frauen zu stärken.
Sherif Rizkallah besucht eine Frauenkooperative in Marokko und trifft dort Jamila, eine Berberfrau. Sie arbeitet in einer Kooperative, die an L'Oréal liefert. Ihr Leben lang schon knackt Jamila die Nüsse der Arganfrucht, um die darin enthaltene Mandel vorsichtig herauszulösen. Die Mandel wird gepresst und so schlussendlich das kostbare Öl gewonnen. Ein Knochenjob. Und vor allem: noch immer Handarbeit. Jamila erzählt Sherif, dass sie im Monat etwa 800 Dirham, umgerechnet ungefähr 80 Euro, für ihre Arbeit erhält – und das, obwohl der Mindestlohn im landwirtschaftlichen Sektor in Marokko bei umgerechnet 235 Euro liegt. Jamila verdient also nur etwa ein Drittel des gesetzlich vorgegebenen Mindestlohns. Fair scheint der Handel von Arganöl also nicht zu sein – zumindest nicht, wenn man sich das untere Ende der Lieferkette anschaut.
Auch beim Thema Kreislaufwirtschaft hat sich L'Oréal ein ambitioniertes Ziel gesetzt: 50 Prozent weniger neues Plastik in Verpackungen bis 2030 und die Hälfte des Verpackungsmaterials soll aus recyceltem oder biobasiertem Material bestehen.
Für diese Vor-Ort-Recherche reist Sherif Rizkallah in sein Geburtsland Ägypten. Dort verfolgt der Film die Recyclingkette in Kairo bis in die sogenannte "Garbage City". Dort trennen informelle Müllsammler einen Großteil des städtischen Abfalls – unter schwierigen und teils gesundheitsgefährdenden Bedingungen. Fehlender Arbeitsschutz und geringe Einkommen gehören zum Alltag. Von hier soll ein Teil des getrennten Plastiks über ein Recyclingunternehmen auch an L'Oréal gehen. Der Kosmetikriese bewirbt in Ägypten – wie auch in Deutschland – Verpackungen zum Beispiel von Haarpflegeprodukten mit dem Aufdruck, der Flaschenkörper bestehe zu 100 Prozent aus recyceltem Plastik. Kann das sein und lässt sich das überhaupt nachprüfen?
L'Oréal dokumentiert seine 2030er-Nachhaltigkeitsziele und die bislang erzielten Fortschritte detailliert im Nachhaltigkeitsreport, den das börsennotierte Unternehmen jährlich vorlegt. Nachhaltigkeitszertifikate, Ratings und Testate unterstreichen das Engagement des Kosmetikriesen. Doch wie belastbar und unabhängig sind diese wirklich?
"Greenwashed?"-Host Sherif Rizkallah nähert sich den Nachhaltigkeitsversprechen von L'Oréal ausdrücklich unvoreingenommen – und möchte, neben der eigentlichen Überprüfung, auch herausfinden, wo für das Unternehmen die Herausforderungen bei der Umsetzung liegen.
Insgesamt zeigt sich ihm am Ende ein ambivalentes Bild: L'Oréal hat sehr umfangreiche Nachhaltigkeitsziele formuliert, macht Fortschritte und setzt ambitionierte Ziele, doch in der Praxis bestehen Widersprüche – insbesondere bei Lieferketten, sozialen Standards und der Umsetzung ökologischer Maßnahmen.
Vom schwedischen Möbelhaus IKEA bis zum Kosmetikgiganten L'Oréal: Große Unternehmen werben heute mit dem Versprechen, nachhaltig zu sein. Doch welche Unternehmen halten diese Versprechen auch? Und wer will sich nur ein grünes Image geben, ohne wirklich etwas für die Umwelt zu tun? Diesen Fragen geht die Reihe “Greenwashed?” seit 2024 nach.
Der Titel der Dokureihe spielt auf den Begriff "Greenwashing" an, der verwendet wird, wenn weniger nachhaltig ist, als es behauptet zu sein. Durch investigative Recherchen trennen die "Greenwashed?"-Dokumentationen PR-Blendwerk von wirksamen Nachhaltigkeitsbemühungen, echt gute Umweltideen von leeren Versprechungen – und entlarven mitunter auch einfach dreiste Lügen.
Dafür macht sich Host Sherif Rizkallah auf eine Recherchereise durch die Konsumwelt. In jeder Folge schaut er kritisch hinter die Kulissen eines bekannten Unternehmens und prüft, welchen Nachhaltigkeitsversprechen wirklich zu trauen ist. Immer getreu seiner Maxime: Versprecht einfach nichts, was ihr nicht halten könnt!
Die Dokureihe "Greenwashed?" vereint Unterhaltung, Information und investigative Recherche. Sie liefert Hintergründe zu Umweltproblemen und Klimakrise, bietet Orientierung und zeigt Lösungen auf.
In der Reihe entstanden bislang die Dokumentationen:
Greenwashed?
"L'Oreal: Alles nur Kosmetik?" (Erstsendung 4.10.2026)
Greenwashed?
"LEGO: Wie grün sind die bunten Steine?" (Erstsendung 21.6.2026)
Greenwashed?
"FIFA WM 2026: Grün ist hier nur der Rasen" (Erstsendung 10.5.2026)
Greenwashed?
"Decathlon: Kann Massenware nachhaltig sein?" (Erstsendung 12.10.2025)
Greenwashed?
"Nutella: Das grüne Märchen von Ferrero" (Erstsendung 22.6.2025)
Greenwashed?
"Ikea und Nachhaltigkeit" (Erstsendung 17.11.2024)
Greenwashed?
"ALDIs Versprechen von Regionalität" (Erstsendung 3.11.2024)
Greenwashed?
"Der Schuh aus Meeresplastik" (Erstsendung 7.4.2024)
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