Terra X: Faszination Erde
Hannah Emde unterwegs in Finnland, Chile und Indonesien
"Terra X"-Moderatorin Hannah Emde ist in der neuen Staffel von "Faszination Erde" auf Borneo bei der spektakulären und sehr seltenen Auswilderung von Orang-Utans dabei. Dabei wird klar, dass Artenschutz immer auch Naturschutz ist. In einer weiteren Folge erlebt sie in Finnland sowohl Mitternachtssonne als auch Polarnacht – und erliegt dem Charme von Rentieren. Die Atacama-Wüste mit dem weltgrößten Teleskop, die Anden mit Kondor und Puma sowie der Humboldt-Strom mit dem seltenen chilenischen Burmeister-Schweinswal sind die Ziele ihrer Expedition nach Chile.
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Finnland – Suche nach dem Glück
Buch und Regie: Meike Seibert, Eva-Maria Rauert
Host: Hannah Emde
Kamera: Oliver Roetz
Ton: Thorsten Czart
Schnitt: Jennifer Schüren
Musik: Selam Katana
Local Producer: Janne Niskala, Clément Couturier
Produktion ZDF: Moritz Bömicke, Vivien Thielke
Redaktion und Leitung: Dr. Tobias Schultes
Chile – Geheimnis des Lebens
Buch und Regie: Elisabeth zu Eulenburg, Frank Siegwart, Susanne Endres
Host: Hannah Emde
Kamera: Oliver Roetz
Ton: Thorsten Czart
Schnitt: Susanne Strobel, Maria Schmidberger
Musik: Andreas Linse
Producer: Pilar Pezoa
Produktion ZDF: Moritz Bömicke
Redaktion und Leitung: Dr. Tobias Schultes
Borneo – Zurück in die Wildnis
Buch und Regie: Dr. Iris Zink
Host: Hannah Emde
Kamera: Thorsten Eifler, Noah Amshoff
Ton: Noah Amshoff
Schnitt: Hubert Müller, Maria Schmidberger
Musik: Andreas Linse
Producer: Björn Vaughn
Produktion ZDF: Vivien Thielke
Redaktion und Leitung: Dr. Tobias Schultes
Von Filmemacherin und "Terra X"-Redakteurin Dr. Iris Zink
Ich habe schon viele Drehs für "Terra X: Faszination Erde" gemacht, bei denen ich dachte: Okay, das war jetzt wirklich körperlich und mental an der Grenze. Drehs im Kongo, der Antarktis, Papua-Neuguinea. Aber das hier setzt noch einmal einen neuen Maßstab. Nicht wegen der Hitze. Nicht wegen des Dschungels. Sondern wegen dessen, was wir erleben durften.
Kamerateams bekommen nur alle paar Jahre überhaupt die Erlaubnis, eine Orang-Utan-Auswilderung zu begleiten. Und dann auch nur, wenn alles passt: Gesundheitsstatus des Teams und der Tiere, Wetter, Logistik. Wir wussten also von Anfang an: Wenn wir hier patzen, gibt es keinen zweiten Versuch. Kein "Wir drehen das morgen nochmal". Kein Sicherheitsnetz.
Alles beginnt lange vor der eigentlichen Auswilderung – in der Orang-Utan-Schule der Borneo Orangutan Suvival Foundation, kurz BOSF. Das ist das Süßeste und Traurigste zugleich, was ich je gesehen habe. Süß, weil Orang-Utan-Babys mit einer Schubkarre in den Waldkindergarten gefahren werden und dort lernen müssen, was sie eigentlich instinktiv können sollten: Klettern. Nester bauen. Nahrung suchen. Und traurig, weil alle Orang-Utans hier Waisen sind. Ihre Mütter wurden getötet, ihr Lebensraum zerstört. Doch hier bekommen sie ihre zweite Chance.
Drei Orang-Utans haben die Schule schon einige Jahre hinter sich gelassen und warten – ohne es zu wissen – auf ein neues Leben in Freiheit: Sie sollen in die Wildnis gebracht werden. Und wir dürfen diese Expedition begleiten.
Das ganze Unterfangen ist gefährlich: Die Tiere werden für die Überführung in die Käfige betäubt. Doch die richtige Dosis zu treffen ist nicht einfach. Zu viel und das Tier könnte Schäden davon tragen, zu wenig und der Affe könnte zu früh wieder aufwachen.
Ich stehe mit Hannah Emde und dem Kamerateam nur wenige Meter vom letzten Käfig entfernt. Die beiden anderen sind bereits erfolgreich verladen worden. Vier Männer versuchen das letzte Tier – ein ausgewachsenes Männchen – in den Transportkäfig zu legen. Doch dann ändern sich die Körperspannung und die Augen des Tieres. In diesem Moment wird allen klar: Der Orang-Utan ist nicht mehr unter Narkose.
Adrenalin schießt durch unsere Adern. Niemand sagt etwas, niemand rennt. Jeder Handgriff sitzt. Aber die Anspannung ist brutal. Ein Orang-Utan ist kein Kuscheltier. Für mich fühlt es sich an, als würde alles in Zeitlupe ablaufen. Die Kameras laufen. Genau das ist unser Job – auch wenn alles in mir sagt: Sollten wir nicht lieber das Weite suchen? Das hier ist gerade richtig ernst. Der Orang-Utan bekommt den Kittel eines Tierarztes zu greifen und zieht ihn immer näher zu sich hin. Eine Pflegerin öffnet geistesgegenwärtig die Schlaufe des Kittels. Der Arzt kann sich herauswinden. Ein Orang-Utan kann einem Menschen leicht gefährliche Bissverletzungen zufügen. Ich verstehe jetzt, warum man sagt, dass Orang-Utans die Kraft von zehn Männern haben sollen. Zum Glück geht dann doch alles glimpflich aus. Der Orang- Utan ist endlich im Käfig, der Tierarzt unverletzt.
Das war nur ein Vorgeschmack, denn die eigentliche Expedition hat noch gar nicht begonnen. Uns erwarten 24 Stunden fast ohne Pause. Erst rattern wir acht Stunden mit Pickups über beschwerliche schwierige Wege, dann steigen wir in winzige wacklige Boote, die flussaufwärts Stromschnellen überwinden müssen. Wir schlafen kaum. Essen irgendwann irgendwas. Die Kameras laufen trotzdem. Immer tiefer geht es hinein in den Regenwald. Dann geht es zu Fuß weiter. Die Transportkisten sind schwer, der Schlamm so zäh, dass jeder Schritt zur Herausforderung wird, die Luft so feucht, dass selbst die Technik fast aufgibt. Objektive beschlagen, und wir alle sind am Limit. Auch die Orang-Utans.
Als endlich der Moment der eigentlich Auswilderung gekommen ist, eskaliert die Situation: Ficz, das Orang-Utan-Männchen, das beim Gesundheitscheck aus der Narkose aufgewacht war, hat die Geduld verloren. Auch er ist erschöpft, versteht nicht, warum er so lange in einem winzigen Käfig sein muss. Er rüttelt so stark am Käfig, dass dieser fast umfällt. Jetzt muss alles schnell gehen. Wir sollen zurück Richtung Boote. Als sich die Käfigtür öffnet, wird alles hektisch. Ficz rennt hinter zwei Tierpflegern her, zum Glück wird niemand verletzt.
Bei den beiden weiblichen Orang-Utans wird es dann emotional: Hannah Emde darf die Käfigtür von Kapuan öffnen. Das Tier zögert. "Echt jetzt?", scheint sie zu denken. Sie verlässt den Käfig, klettert dann ganz langsam einen Baum hoch – und schaut uns an.
Man erzählt mir, dass es bei Auswilderungen manchmal einen besonderen Moment gibt. Die Tiere klettern hoch und schauen nach unten zu den Menschen, die sie schon seit Jahren begleitet haben, als würden sie einfach kurz Danke sagen. Bei Ficz sah das anders aus, aber Kapuan und Putri schenken uns genau so einen Blick. Trotz aller Hektik, der Aufregung und der Arbeit fühlt sich der Moment auch für uns magisch an.
Ich merke erst da, wie extrem dieser Aufwand ist. Wie viele Menschen, wie viel Zeit und Geld, wie viel Wissen nötig sind, um einzelne Tiere wieder in den Regenwald zurückzubringen. Und warum es trotzdem unverzichtbar ist. Orang-Utans sind keine Randnotiz. Sie sind Gärtner des Waldes. Ohne sie verändert sich der Regenwald fundamental.
Für unsere Sendung ist das die Essenz: Artenschutz ist Naturschutz. Und ohne den Einsatz Vieler ist er unmöglich. Er kann logistisch kompliziert, emotional fordernd und körperlich brutal sein. Das gilt sowohl für die Menschen als auch für die Tiere. Aber er ist nötig.
Als wir irgendwann wieder im Basislager ankommen, völlig verdreckt, übermüdet, leer – und gleichzeitig hellwach – weiß ich: Das hier war nicht einfach ein Dreh. Das war ein Privileg. Und ein wirkliches Abenteuer.
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