37°Leben: Against All Gods – Die Glaubens-WG

Staffel 2: sechs neue Folgen

"Against all Gods – Die Glaubens-WG", 2025 mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet, geht in die zweite Runde: Sechs Menschen unterschiedlichen Glaubens leben eine Woche lang unter einem Dach. In sechs Folgen werden sie nicht nur mit ihren jeweiligen unterschiedlichen Ansichten konfrontiert, sondern auch mit schwierigen Fragen: Wie will ich sterben? Wie bewege ich mich in einer Welt zwischen Krieg und Klimakrise? Und was passiert, wenn ich als religiöser Mensch meine Ehe beende? Prominente Gäste wie die Journalistin und Autorin Hanna Heim, Sexfluencerin Susanna Bouchain oder Kabarettistin Tereza Hossa kommen zu Besuch in die Glaubens-WG.

Sendedatum

Ab Freitag, 23. Oktober 2026, 05.00 Uhr, fünf Jahre lang abrufbar
Ab Sonntag, 25. Oktober 2026, 09.03 Uhr

Fotos

Texte

Stab

Autorinnen: Aurelia Kanetzky, Katharina Reinartz, Christina Schwarz
Kamera: Susanne Erler, Clemens Barth
Ton: Dennis Gross, Claudia Mattai del Moro
Licht: Andreas Schwab-Riewer, Dominic Heim, Michael Schmitz, Ilan Sprafke
Schnitt: Dominik Schulz, Susanne Erler
Color Grading: Marcus Badow
Tonmischung: Mische Kissin
Musikalische Gestaltung: Dominik Schulz
Ausstattung: Kasia Bell, Louis Loges
Kamera-Assistenz: Nicklas Stinner, Marusch Mehnert, Tina Paffen
Produktionsassistenz: Bastian Simon-Weidner
Regie: Aurelia Kanetzky
Producer: Katharina Reinartz, Christina Schwarz, Thomas Elstner
Produktion ZDF: Steffen Heinemann, Marion Kempe
Redaktion ZDF: Lena Baumann, Kira Stütz
Leitung der Sendung: Jürgen Erbacher
ZOO Productions  im Auftrag des ZDF

Inhalt allgemein

Sechs junge Menschen, sechs Weltanschauungen – eine  orthodoxe Jüdin, eine Muslima, eine Protestantin, ein Hinduist, ein Buddhist und ein Atheist wohnen gemeinsam sechs Tage lang auf einem ehemaligen Bauernhof in Sachsen. Zwischen Küchentisch und Obstgarten werden Klischees entkräftet und Vorurteile auf den Prüfstand gestellt.

Wer betet wann, wer isst was und wer räumt eigentlich den Geschirrspüler aus? Im WG-Alltag zeigt sich schnell: Die großen Fragen des Glaubens stecken oft in den kleinen Momenten. Sie haben sechs Tage, um herauszufinden, was sie trennt und was sie eint. Verbindet die Mitbewohnerinnen und Mitbewohner am Ende des Experiments mehr, als sie anfangs glauben?

In sechs Folgen widmet sich das Format einer der wohl wichtigsten und drängendsten Fragen unserer Zeit: Kann es eine Welt geben, in der alle Religionen friedlich miteinander leben? So verschieden die WG-Bewohnerinnen und -bewohner sind, so vielfältig ist auch ihr Zusammenleben. In der zweiten Staffel "Against All Gods – Die Glaubens-WG" kommen die großen Themen auf den Tisch: Darf man Gott spielen? Wie viel Humor verträgt die Religion – und wie viel Sex? Und immer richtet sich der Blick auf den Osten Deutschlands: Wie lebt es sich dort als religiöser oder nicht religiöser Mensch, mit oder ohne Migrationshintergrund?

Mal genießen die Sechs die Ruhe auf dem Hof, mal sind sie im sächsischen Umland unterwegs, mal werden sie von spannenden Besucherinnen und Besuchern überrascht. Spielerische Elemente bringen sie in die Diskussion, mal hitzig, mal humorvoll, aber immer intensiv.

Und dann wäre da noch die Frage: Wie fühlen sich eigentlich sieben Minuten in der Hölle an? Die Sechs finden es am eigenen Leib heraus, durch eine immersive Installation, die die sieben Todsünden bildlich erlebbar und auch hör- und fühlbar machen. Dabei kommen die  Protagonistinnen und Protagonisten an ihre mentalen Grenzen.

Die einzelnen Folgen 1-6

ZDF-Streaming-Portal: Ab 23.Oktober 2026, 05.00 Uhr, alle Folgen fünf Jahre lang abrufbar
ZDF: Sonntag, 25. Oktober 2026, 09.03 Uhr 

Folge 1: Das Experiment beginnt

Ankunft in Bockwitz, Sachsen: Sechs junge Menschen, die sich nie zuvor begegnet sind, beziehen für eine Woche einen Vierseithof auf dem Land. Judentum, Islam, Christentum, Buddhismus, Hinduismus und Atheismus unter einem Dach – kann das gutgehen? Atheist Denis und Hindu Saran sind die Ersten, die ankommen, und stehen noch etwas unbeholfen bei Snacks und Getränken im Garten unter der Weide. Für eine erste Überraschung sorgt Muslima Doha: Sie reist nicht allein an, sondern bringt ihren kleinen Sohn mit. Als Lien und Titou dazustoßen, weiß man zunächst gar nicht, wer buddhistisch und wer jüdisch ist? Die Nervosität unter den WG-Mitgliedern weicht mit der Ankunft der evangelischen Frohnatur Laura, die die Runde komplett macht. Doch bevor der Hof bezogen werden kann, muss erst einmal der Weg freigeräumt werden, denn: Ein Meer aus Luftballons, versehen mit Karten auf denen einschlägige Vorurteile zu Glaube und Religion zu lesen sind, lädt zur ersten hitzigen Diskussion ein. Was ist heiße Luft – und wo steckt Wahrheit drin? Und warum ist da immer dieser eine Elefant, der sich Nahostkonflikt nennt? Beim "ersten Abendmahl" wird weiter diskutiert: Auf die Teller wurden Fragen geschrieben, zu denen sich die Sechs während des Essens positionieren und über die sie ins Gespräch kommen. Der Abend zeigt: Hier wird noch einiges auf den Tisch kommen.

 

ZDF-Streaming-Portal: Ab 23. Oktober 2026, 05.00 Uhr, alle Folgen fünf Jahre lang abrufbar
ZDF: Sonntag, 1. November 2026, 09.03 Uhr 

Folge 2: Dürfen wir Gott spielen?

Die erste Nacht ist überstanden, zum Frühstück gibt es Deep Talk. Das Wetter an diesem Tag: grau und regnerisch – ist das ein Omen für die schweren Themen, die anstehen? Die Diskussion im Haus wird jäh unterbrochen, als plötzlich ein Hula-Hoop-Reifen die Treppe herunter poltert, an dem die Frage des Tages befestigt ist: Dürfen wir Gott spielen?

Auf dem Dachboden findet der "Teufelskreis" statt. Darin diskutieren die Mitbewohnerinnen und Mitbewohner über Folgendes: Sollte der Mensch über sein eigenes Lebensende selbst entscheiden? Ist es ok, wenn sich eine Frau entscheidet, ihre Schwangerschaft abzubrechen? Komplexe Fragen. Einmal steht Denis mit seiner Meinung allein im Kreis der Mitbewohnerinnen und -bewohner. Eine Erfahrung, die der Atheist in der Glaubens-WG noch häufiger machen wird. Meinungen sind verschieden und das ist okay, aber nicht immer leicht zu verdauen. Am Nachmittag kommt die erste Besucherin an: Journalistin und Autorin Hanna Heim liest aus ihrem Buch, in dem sie über den assistierten Suizid ihrer Großeltern schreibt. Das Gespräch bewegt alle – besonders Laura. Und während Lien lieber nicht darüber nachdenken will, wie sie einmal sterben möchte, zeigt sich am Ende dieses Tages vor allem eins: Es gibt Differenzen.

 

ZDF-Streaming-Portal: Ab 23. Oktober 2026, 05.00 Uhr, alle Folgen fünf Jahre lang abrufbar
ZDF: Sonntag, 8. November 2026, 09.03 Uhr 

Folge 3: Es wird heiß!

Nach zwei intensiven Tagen sehnt sich die WG nach etwas Leichtigkeit – und bekommt sie.  Mit Sex-Expertin, Autorin und Podcasterin Susanna Bouchain steht plötzlich eine Besucherin im Garten, deren Themen Aufklärung, weibliche Lust und Dating sind. Heute geht es um Liebe, Sex und Partnerschaft. Die Sechs nehmen gemeinsam mit Susanna Datingprofile unter die Lupe und diskutieren, was aus ihrer – auch religiös geprägten – Perspektive ein "Go" und was ein klares "No no no" ist. Dabei offenbaren die Sechs viel darüber, welche Art von Partnerschaft sie selbst suchen oder führen. Holy Shit, danach wird es pikant: Susanna trägt Zitate aus den religiösen Schriften vor und die WG muss raten, woher sie stammen. Während Laura beim Thema erstaunlich progressiv ist, ist Doha die Situation manchmal sichtlich unangenehm. Und Titou? Der braucht Abkühlung und macht es sich im Pool bequem. Die Stimmung ist streckenweise ausgelassen, doch spätestens beim Thema "Sex vor der Ehe" diskutieren sie hitzig – Männer wie Frauen. Was ist, wenn der Ehemann nicht weiß, wo die Klitoris ist? Sind Adam und Eva nicht auch ohne Trauschein "ein Fleisch" geworden? Am Ende des Tages steht fest: Über kaum etwas lässt sich so ehrlich streiten und so befreiend lachen wie über die intimsten Dinge des Lebens.

 

ZDF-Streaming-Portal: Ab 23. Oktober 2026, 05.00 Uhr, alle Folgen fünf Jahre lang abrufbar
ZDF: Sonntag, 15. November 2026, 09.03 Uhr 

Folge 4: Die Hölle öffnet sich

Lien wird heute nicht dabei sein, denn es ist Schabbat. Den anderen hat sie ausführlich erklärt, was der wöchentliche Ruhetag für Jüdinnen und Juden bedeutet – und, dass auch das Filmen der Glaubens-WG Arbeit ist. Auch das hat an diesem Tag zu ruhen. Ihre Abwesenheit ist spürbar und wirft in der Gruppe Fragen auf: Wer entscheidet, wie streng jemand seinen Glauben lebt? Und was bedeutet Toleranz wirklich? Dann sorgt der erste Ausflug für die lang ersehnte Flucht vom eigentlich so idyllischen Hof. Nun heißt es, Badesachen einpacken, es geht ins Waldbad Colditz. Zwischen Wasserrutsche, Sonnencreme und Pommes genießt die Gruppe eine unbeschwerte Auszeit. Doha präsentiert sich stolz in ihrem Burkini – und merkt schnell, dass sie die einzige Person im ostdeutschen Freibad ist, die ihren ganzen Körper bedeckt. Die Sechs verbringen einen harmonischen Nachmittag, an dem noch niemand ahnt, was ihnen am Abend bevorsteht. Zurück auf dem Hof, es ist mittlerweile stockdunkel, liegen sechs Taschenlampen und eine geheimnisvolle Notiz parat. Ihr Weg führt die WG in die Scheune. Dort erleben sie eine immersive Installation mit dem Titel "Sieben Minuten in der Hölle" – eine Interpretation der sieben Todsünden, die sie bildlich erleben, hören und fühlen. Währenddessen setzen sich die Sechs damit auseinander, wie pfleglich der Mensch mit Gottes Schöpfung, also miteinander, umgeht. Sichtlich beeindruckt und gefordert diskutiert die Gruppe danach bis in die Nacht: Kann Religion in einer Welt, die permanent zur Maßlosigkeit einlädt, ein Korrektiv sein? Kann es den guten Menschen überhaupt geben?

 

ZDF-Streaming-Portal: Ab 23. Oktober 2026, 05.00 Uhr, alle Folgen fünf Jahre lang abrufbar
ZDF: Sonntag, 22. November 2026, 09.03 Uhr 

Folge 5: Wild Wild Ost

Was aussieht wie ein Kaffeeklatsch in Großmutters Garten, entpuppt sich schnell als ein ernstes Treffen: Auf der Torte prangt in Glasur ein Satz, der nur schwer verdaulich ist: "Wir sind das Volk. Ihr nicht." Es geht um Zugehörigkeit, Ausgrenzung und die Frage, wie viel Wahrheit im Klagelied über den "bösen Osten" steckt. In der Runde erzählen die Sechs von ihren eigenen Erfahrungen –  davon, wie sichtbar oder unsichtbar ihr Glaube im Alltag ist und was das mit ihnen macht. Dann bekommt die WG erneut Besuch: Robert Zillmann, Bürgermeister der Stadt Colditz, lädt zu einer Planwagenfahrt durch seine Heimat ein. Unterwegs spricht er offen über die Spannungsfelder der Region und möchte mit dem Narrativ des problematischen Ostens aufräumen. Ein Zwischenstopp führt die Gruppe in eine evangelische Kirche, wo sie mit der Pfarrerin über Glauben und Religion in Ostdeutschland ins Gespräch kommt. Die Fahrt endet am Heimatturm, wo die Colditzer das 125-jährige Jubiläum feiern. Dort überreicht Bürgermeister Robert Zillmann der WG eine Kiste mit Losen, die die Sechs in Zufallsbegegnungen mit den Menschen am Heimatturm schicken. In diesen Begegnungen werden mal ernste Fragen, mal augenzwinkernde Aufgaben gestellt. Müde, aber glücklich kehrt die Gruppe zurück auf den Hof – mit der Erkenntnis: "Wild Wild Ost" hat viel zu bieten und nicht alle "Ossies" sind böse. Die WG-Zeit neigt sich dem Ende, für die Mitbewohnerinnen und Mitbewohner geht auf dem Hof in Sachsen nur noch einmal die Sonne auf. Doch wird sie, symbolisch gesehen, auch scheinen?

 

ZDF-Streaming-Portal: Ab 23. Oktober 2026, 05.00 Uhr, alle Folgen fünf Jahre lang abrufbar
ZDF: Sonntag, 29. November 2026, 09.03 Uhr 

Folge 6: HAHAHALLELUJA!

Der letzte Tag beginnt entspannt und früh. Die Hoffnung auf einen ruhigen Abschluss währt jedoch nur kurz. Mit Kabarettistin Tereza Hossa steht eine Besucherin vor der Tür, die mit österreichischem Charme durch den Tag führt. Sie präsentiert Witze, Cartoons und Satire rund um Religion, und die Gruppe entscheidet, was lustig ist und was und warum es zu weit geht. Die Gespräche sind alles andere als heiter, die Auseinandersetzung bringt die Gruppendynamik ins Wanken. Endet das Experiment doch nicht so glimpflich, wie erhofft? Zum Abschluss steht "Holy Karaoke" auf dem Programm: Jede und jeder bekommt eine Powerpoint-Präsentation zugeteilt, die eine Religion zum Thema hat und muss sie mit Herz und vor allem Humor präsentieren – natürlich ist es nicht die eigene, gelebte Religion. Der Clou: Die Sechs sehen den Inhalt der Präsentation erst, als sie vor ihrem Publikum stehen.

Die  Abschiedsworte der WG-Mitglieder zeigen, wo unerwartete Allianzen entstanden sind und wie emotional die WG-Bewohnerinnen und WG-Bewohner miteinander umgehen –    obwohl nicht immer "Friede, Freude, Eierkuchen" herrscht.

Die Protagonistinnen und Protagonisten

Titou, 28 Jahre, Buddhist

Der Franzose Titou wurde in Mönchengladbach geboren, wuchs in Augsburg auf und hat eine spirituelle Reise hinter sich: atheistisch aufgewachsen, befasste er sich mit der hinduistischen Lehre und entschied sich schließlich für den Buddhismus. Titou lebt nach der Gelugpa-Tradition, die geprägt ist von der so genannten Zufluchtnahme, Gesängen und Meditationen. Dabei treibt ihn eine Frage an: "Wie kann ich und wie können andere glücklich sein?" Der Osteopath lebt vegetarisch verzichtet auf Alkohol und begegnet anderen Religionen mit ehrlicher Wertschätzung. Sein ganzes Leben ist auf Spiritualität ausgerichtet, sein Blick auf die Welt.

In der WG zeigt sich schnell: Titou ist ein geborener Entertainer, was er jeden Tag aufs Neue unter Beweis stellt. Der achtsame und humorvolle Franzose ist so nachdenklich wie schlau, doch mit seiner direkten Art und dem Hang zu Monologen eckt er auch an. Er arbeitet daran, besser zuzuhören und weiß theoretisch, wie er das erreichen kann: "Um mehr Ruhe und Stille zu finden oder mich zu zentrieren, zu vokalisieren, zu reinigen, ist Yoga ganz, ganz, ganz toll." Obwohl Titou polarisiert, schafft er es, die Herzen aller WG-Mitglieder zu erobern – besonders in den seltenen Momenten, in denen er schweigt. Sein lautes Lachen schallt vermutlich immer noch durch das sächsische Umland.

 

Doha, 25 Jahre, Muslima

Doha hat mit ihren jungen Jahren bereits erreicht, wovon andere in ihrem Alter noch träumen: Sie ist verheiratet, Mutter zweier Kinder und hat einen Beruf, der sie glücklich macht. Die Boxtrainerin, aktuell in Elternzeit, jongliert zwischen Familienerwartungen und eigenen Ambitionen. Kraft geben ihr die Besuche in der Moschee, ihr Stressventil ist das Boxen. Ihren Glauben lebt die Muslimin sichtbar: Sie trägt Hijab, im Schwimmbad Burkini und in die Glaubens-WG zieht sie mit Verstärkung, ihrem kleinen Sohn, ein. In der WG zeigt Doha, was in ihr steckt: Sie ist stark, selbstbewusst und liebevoll zugleich. Beim Boxen blüht sie sichtlich auf: "Boxen ist für mich Entfaltung, Selbstbewusstsein, Empowerment, Stärke und ganz viel innere Ruhe." Das gemeinsame Training mit der WG wird zu einem Moment, der alle zusammenschweißt. Dabei ist sie mit großer Vorsicht auf den Hof gezogen. Weil man aus ihrer Sicht als Muslimin schnell verurteilt wird, hatte sie Sorge, etwas Falsches zu sagen. Umso schwieriger ist es für Doha, dass die jüdische Protagonistin aus Israel anreist. Diese politisch-religiösen Diskussionen bringen sie des Öfteren an ihre Grenzen, aber als Boxerin sträubt sie sich nicht vor diesem Duell. Vielleicht muss am Ende der WG-Zeit nicht unbedingt eine Person als Siegerin hervorgehen.

 

Saran, 31 Jahre, Hinduist

Saran wurde in Essen geboren, seine Eltern flohen während des Bürgerkrieges aus Sri Lanka. "Ich hatte keine Berührungspunkte mit Rassismus. Das kann ich tatsächlich so sagen, weil ich in NRW aufgewachsen bin. Die Leute dort sind es gewohnt, Menschen anderer Kulturen zu sehen", erzählt er über seine Kindheit. Heute lebt der studierte Betriebswirt mit seiner Frau und dem gemeinsamen Sohn im Schwarzwald und führt sein eigenes Nachhilfeunternehmen. Er gibt weiter, was ihm selbst wichtig ist: Bildung. Halt findet er in seinem hinduistischen Glauben: Neujahr feiert er im April, sein Lieblingstempel steht in Hamm.

In der WG zeigt sich, wie viel mehr in dem eher zurückhaltenden Familienvater steckt: Er taut sichtlich auf, lässt die anderen an seinen Kochkünsten teilhaben und überzeugt mit beachtlichem Fußballwissen. Vor allem aber überrascht er mit viel Empathie und Sensibilität. Unterm Strich: Saran ist angereist, um Karma-Punkte zu sammeln. Wenn ihm seine in der WG eher unbeliebten Räucherstäbchen keinen Strich durch die Rechnung machen.

 

Laura, 35 Jahre, Christin

Laura ist Geografin, lebt in der Nähe von Hannover und arbeitet im öffentlichen Dienst. Getauft wurde sie erst 2006, als Teenagerin, dafür lebt sie ihren Glauben heute umso aktiver: Ehrenamtlich engagiert sie sich in der Kinder- und Jugendarbeit ihrer Gemeinde. "Ich lebe einen sehr lebendigen Glauben. Mein Glaube beeinflusst mein Leben, aber mein Leben auch meinen Glauben", sagt sie. Für die politische aktive Laura gehören Kirche und Politik zusammen: "Jesus ist links."

Gott hat für sie kein biologisches Geschlecht und Sonntage sind ihr heilig, auch wenn sie nicht immer Zeit hat, in die Kirche zu gehen. Beim Thema Beten ist sie selbstkritisch: Sie betet nur, wenn es ihr schlecht, nie, wenn es ihr gut geht. Um den heißen Brei redet Laura grundsätzlich nicht, egal ob es um Religion, Politik oder Sexualität geht. Ihre Überzeugung: Jede Religion ist ein guter Glaube, solange er andere Menschen nicht einschränkt.

In der WG überzeugt die redegewandte, extrovertierte Niedersächsin vor allem mit Humor. Darüber hinaus ist sie charmant uneitel – etwa wenn sie in Schlappen und Bademantel vor die Kamera tritt. Diskussionen sind nicht immer ihr Ding. Wie argumentationsstark sie ist, hängt stark von ihrer Tagesform ab. Laura findet, dass es auch ein Recht darauf gibt, einfach mal die Füße hochzulegen und faul zu sein. Wenn sie das nicht gerade tut, übt sie eines ihrer zahlreichen Ehrenämter aus, geht ins Kino, spielt Mundharmonika oder verbringt Zeit mit Hündin Bonnie.

 

Denis, 30 Jahre, Atheist

Dennis ist Elektrotechniker im Bereich erneuerbare Energien. Der gebürtige Freiburger stammt aus einer Familie mit russisch-jüdischen Wurzeln. Religion spielt keine Rolle in seinem Leben. Was nicht belegbar ist, existiert für ihn nicht, und wenn er an etwas glaubt, dann eher an Zufall als an höhere Mächte. Aufgewachsen in einem Dorf bei Weimar und später in Berlin, lebt der stolze "Ossi" heute in der Nähe von Leipzig. "Ich habe einen großen Bezug zum Osten. Ich bin sehr zufrieden hier und will mein Leben hier verbringen."

Wissenschaft ist für ihn keine Meinung, sondern Grundlage gesellschaftlicher Entscheidungen; entsprechend ärgern ihn Wissenschaftsleugnung und Klimaskepsis. Gleichzeitig gilt für ihn: Jeder Mensch soll glauben und leben, wie er möchte. Religion kann aus seiner Sicht durchaus Orientierung geben, Moral hervorbringen und zu Gemeinschaft führen. Problematisch wird es, wenn sie Menschen ausschließt oder Fortschritt behindert. Privat beschreibt sich Dennis als "kleiner Nerd": Er erschafft als Dungeon Master Abenteuer für seine Freunde, bemalt Miniaturen, betreibt Kraftsport und produziert aus Spaß Trashrap.

In der WG zeigt sich Dennis rational, aber warmherzig. Seinen Mitbewohnerinnen und Mitbewohnern begegnet er mit Humor und Witz, und wenn Diskussionen abschweifen, ist er derjenige, der den Fokus zurück auf das Wesentliche lenkt.

 

Lien, 28 Jahre, Jüdin

Lien wuchs in einem Dorf in Nordrhein-Westfalen auf, lebte acht Jahre lang in Berlin und begann dort, sich intensiv mit ihren jüdischen Wurzeln väterlicherseits auseinanderzusetzen. Weil ihre vietnamesische Mutter keine Jüdin ist, musste Lien zum Judentum konvertieren. Ihrer Auffassung nach gehört jeder jüdische Mensch nach Israel, deshalb lebt auch Lien seit zwei Jahren in Jerusalem, wo sie als Copywriterin arbeitet. Judentum ist für sie keine bloße Religion, sondern Familiengeschichte und Identität, auch wenn sie immer wieder erlebt, dass ihre Konversion nicht überall anerkannt wird. "Mit dem Thema Ausgrenzung und Anderssein habe ich mich eigentlich schon mein ganzes Leben befassen müssen", sagt sie – als asiatisch wahrgenommene Person in Deutschland und als konvertierte Jüdin. Vielleicht ist sie gerade deshalb so aufgeschlossen anderen gegenüber: Freunde sucht sie nicht nach deren Religionen aus, Dating-Apps sind für sie kein Tabu. Eine Grenze zieht sie jedoch ganz klar: Wer Israel das Existenzrecht abspricht, stößt bei ihr nicht auf Verständnis.

In der WG lässt Lien die anderen an den teils strengen Regeln des orthodoxen Judentums teilhaben, bei denen sie selbst wenig Kompromisse macht. Ganz nebenbei lernen die Mitbewohnerinnen und Mitbewohner von Lien, dass es im orthodoxen Judentum vor der Hochzeit eine Eheberatung gibt.

"Mit jeder Sache, die ich tue, erinnere ich mich immer daran, dass ich Jüdin bin. Und das macht das Leben viel schöner." Nach außen wirkt Lien ruhig, doch wer mit ihr diskutiert, merkt schnell: Bei ihr sitzt jedes Wort.

Die Besucherinnen und Besucher

Hanna Heim
Autorin und Wirtschaftsjournalistin
Folge 2

Susanna Bouchain
Sex-Expertin, Autorin und Podcasterin
Folge 3

Robert Zillmann
Parteiloser Bürgermeister der Stadt Colditz
Folge 5

Tereza Hossa
Kabarettistin, Tierärztin und Podcasterin
Folge 6

 

"Wir dürfen die Menschlichkeit nicht aus den Augen verlieren"

Von den Produzentinnen Katharina Reinartz und Aurelia Kanetzky

Zweite Runde! Für uns als Filmemacherinnen fühlte es sich zunächst ungewohnt an, etwas "noch einmal" zu machen, anstatt etwas völlig Neues auf die Beine zu stellen. Deshalb stand am Anfang die Frage: Wie können wir die Stärken des Formats bewahren und gleichzeitig Neues erzählen?

Zum Glück wurde uns schon früh in der Entwicklung klar: Im interreligiösen Dialog gibt es noch unzählige Themen, die weit über Religion hinaus gesellschaftliche Relevanz haben –  über die zu sprechen sich lohnt.

Die zweite Staffel unserer "Glaubens-WG" ist über weite Strecken ernster. Sie zeigt mehr Dissens und tut an manchen Stellen auch mehr weh. Darüber sind wir aber sehr glücklich, denn genau darin liegt für uns eine wichtige Erkenntnis: Ja, Menschen mit sehr unterschiedlichen Überzeugungen können sich in Frieden und Freundschaft begegnen. Das zeigen auch die sechs Menschen, die sich auf unser "Experiment" eingelassen haben. Aber diese Begegnung ist nicht immer einfach. Manche Gräben sind tief, manche Unterschiede lassen sich nicht auflösen.

Umso wichtiger ist die Bereitschaft, trotzdem miteinander ins Gespräch zu gehen. Andere Meinungen nicht vorschnell abzutun, Widersprüche auszuhalten und sich ernsthaft auf andere Perspektiven und Lebensrealitäten einzulassen.

Wir hoffen, dass jede*r – ob gläubig oder nicht – der/die zweite "Glaubens-WG" anschaut, etwas daraus mitnehmen kann. Die zweite Staffel zeigt: Bei allem Dissens dürfen wir die Menschlichkeit nicht aus den Augen verlieren. Unsere Welt verursacht unermüdlich neue Spaltung und deshalb werden wir nicht müde, daran zu erinnern, dass es auch anders geht.

"Da tobt sich nur die TV-Produktion aus"

Von Autorin Christina Schwarz

Die Motivsuche für die zweite Staffel der Glaubens-WG führte uns zum Vierseithof Fünfhausen in Bockwitz. Nach der Besichtigung war uns allen klar: Suche beendet. Schnell war dem Team klar, welcher Raum wie genutzt werden kann, wo die bereits aus Staffel Eins bekannte "Confession Cam" ihren Platz findet und was wir mit dem Wintergarten machen –  der wurde kurzerhand zum Wohnzimmer umgestaltet. Das vertrauensvolle Miteinander mit den Hofbesitzern machte die Dreharbeiten zu einer besonderen Erfahrung –  fast alles war möglich. Auch die Nachbarn wurden eingespannt und halfen, wo es nur ging. Der Hofherr übernahm die Öffentlichkeitsarbeit der besonderen Art. Wenn mal wieder Nebel aus dem Dachboden aufstieg, wusste die Nachbarschaft dank ihm vorab Bescheid: "Bitte nicht die Feuerwehr rufen, da tobt sich nur die TV-Produktion aus."

Und wenn nach Drehschluss ein Crewmitglied schreibt, dass es den Duft nach Heu, die Ferienlager-Atmosphäre und das Gewusel einer Filmcrew auf einem Bauernhof vermisst, dann ist das die schönste Bestätigung unserer Arbeit. Spätestens da wussten wir, dass sich all die Strapazen gelohnt haben. Das Ergebnis spricht für sich.

Fotos

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