"Terra X: Wege des Wissens" mit Harald Lesch

Zweiteilige Dokumentation

Harald Lesch auf dem Canal Grande in Venedig.
ZDF/Tom Bresinsky
Harald Lesch auf dem Canal Grande in Venedig. ZDF/Tom Bresinsky

Warum entstehen geniale Ideen an manchen Orten – und welches geistige Klima brauchen sie, damit sie wachsen und neues Wissen entsteht? Harald Lesch folgt in der neuen "Terra X"-Reihe "Wege des Wissens" den Spuren der klügsten Denkerinnen und Denkern von der Antike bis in die Neuzeit. 

Sendedatum

dgs ad ut Beide Folgen ab Mittwoch, 1. April 2026
ad ut Sonntag, 5., und Montag, 6. April 2026, jeweils 19.15 Uhr

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Über die Reihe

Ein Roadtrip von den Sternenbeobachtern Mesopotamiens über das antike Alexandria, das Goldene Zeitalter der arabischen Wissenschaft in Córdoba und Kairo bis zu den Wissenszentren der modernen Naturwissenschaft in Venedig und Cambridge – am Ende seiner Reise kommt Harald Lesch zur Erkenntnis: Die Wege des Wissens waren nie gradlinig, sie führten durch Wüsten, über Meere und Kontinente, durch Paläste, Bibliotheken und Labore. Es gab Zeiten der Wiederentdeckung, und es gab Zeiten des Vergessens. Doch die unstillbare Neugier der Menschen und die ständige Suche nach Erklärungen, was wie wo zusammenhängt, bringt Wissenschaft voran. Wissen kann aber nur dann richtig wachsen, wenn ihr Wert erkannt wird und wenn alle freien Zugang dazu haben.

Stablisten

Terra X: Wege des Wissens 
Von Babylon nach Kairo (1/2)

Buch: Sabine Klauser
Regie: Leonard Claus
Producer: Martin Carazo Mendez
Moderation: Harald Lesch
Kamera: Torbjörn Karvang, Thomas Bresinsky
Zweite Kamera: Marvin Zimmermann, Aziz Lechgar
Ton: Guy Mertin
Schnitt: Fabian Reisch
Postproduktion: Igor Wilbers, Christoph Sagert, Daniel Sonnenschein
Graphic Novels : Paul’s Boutique
CGI : FaberCourtial, Julian Balducci, Sebastian Martinez, Martin Wolkinger
Sprachaufnahme: Stefan Buchner
Musik: Paul Rabiger
Redaktionelle Mitarbeit: Frauke Gimbel (ZDF), Florian Oesterreich (Gruppe 5)
Wissenschaftliche Beratung: Prof. Dr. Detlef Quintern
Idee: Dr. Cecilia Scorza-Lesch
Produktionsassistenz: Christopher Heuer (Gruppe 5)
Produktionsleitung: Claudia Comprix (ZDF), Cora Szielasko-Schulz (ZDF), Sabine Trieloff (Gruppe 5)
Produzent: Stefan Schneider (Gruppe 5)
Redaktion: Claudia Moroni (ZDF)
Leitung der Sendung: Friederike Haedecke (ZDF) 

Terra X: Wege des Wissens
Von Córdoba nach Cambridge (2/2)

Buch: Martin Carazo Mendez
Regie: Leonard Claus
Producer: Sabine Klauser
Moderation: Harald Lesch
Kamera: Torbjörn Karvang, Thomas Bresinsky
Zweite Kamera: Marvin Zimmermann, Aziz Lechgar
Ton: Guy Mertin
Schnitt: Marie Wilbers
Postproduktion: Igor Wilbers, Christoph Sagert, Daniel Sonnenschein
Graphic Novels : Paul’s Boutique
CGI : FaberCourtial, Julian Balducci, Sebastian Martinez, Martin Wolkinger
Musik: Paul Rabiger
Redaktionelle Mitarbeit: Frauke Gimbel (ZDF), Florian Oesterreich (Gruppe 5)
Wissenschaftliche Beratung: Prof. Dr. Detlef Quintern
Idee: Dr. Cecilia Scorza-Lesch
Produktionsassistenz: Christopher Heuer (Gruppe 5)
Produktionsleitung: Claudia Comprix (ZDF), Cora Szielasko-Schulz (ZDF), Sabine Trieloff (Gruppe 5)
Produzent: Stefan Schneider (Gruppe 5)
Redaktion: Claudia Moroni (ZDF)
Leitung der Sendung: Friederike Haedecke

Von Babylon nach Kairo (1/2)
Harald Lesch in der marokkanischen Wüste. ZDF/Abdelaziz Assaoud

Wo sind die genialsten Ideen entstanden, und wie haben sie die moderne Forschung inspiriert? Auf seiner Reise auf den Spuren der klügsten Denker und Forscher öffnet Harald Lesch Türen zu dem schillernden Kosmos der Wissenschaft – angefangen von den Babyloniern über die Griechen bis zu den arabischen Gelehrten.

Die Geschichte der Wissenschaft beginnt vor etwa 5.000 Jahren mit den Sumerern und ihren systematischen Beobachtungen des Nachthimmels: Auf Basis ihrer Erkenntnisse entwickeln die Babylonier einen Kalender, mit dem sie Sonnen- und Mondfinsternisse genau berechnen können. Das ist die Geburtsstunde der Astronomie, der ersten Wissenschaft der Menschheit. Über Jahrtausende werden Himmelszeichen vor allem religiös gedeutet. Aber im 6. Jahrhundert vor Christus setzt sich in Griechenland eine neue Denkschule durch. Ihre Anhänger wie Thales, Heraklit, Platon und Aristoteles wollen nicht nur glauben, sondern vor allem verstehen: Sie beobachten und versuchen, Zusammenhänge in der Natur nach dem Prinzip "Ursache und Wirkung" theoretisch zu erklären. 

Archimedes hingegen gehört zu den genialen Erfindern, die Wissenschaft in praktische Erfindungen umsetzen; zu seinen technischen Meisterwerken zählt die "Archimedische Schraube". In diese Blütezeit fällt auch der weltberühmte "Mechanismus von Antikythera", der seit Jahrzehnten erforscht wird. Harald Lesch besucht den britischen Mathematiker Tony Freeth, der mit seinem Team wesentlich zur Entschlüsselung des Mechanismus beigetragen hat. 

Als Weltwunder geht  der Leuchtturm von Alexandria in die Geschichte ein, doch viel bedeutender ist das sogenannte Museion, eine Hochschule für Supergelehrte aus Griechenland, Ägypten, Persien und vielen weiteren Ländern. In der riesigen Bibliothek steht fast das gesamte Wissen der damaligen Welt über Astronomie, Medizin, Mathematik, Physik und Philosophie bereit. Heute ersetzt ein moderner Bau den längst zerstörten "Tempel des Wissens". Die Bibliotheca Alexandrina versteht sich als Plattform für Dialog, Offenheit, Toleranz und Akzeptanz, wie Dr. Mawra El-Wakil, die Leiterin der Forschungsabteilung, erklärt. 

Mit dem Christentum ändert sich das Verhältnis zur Wissenschaft grundlegend. Unter Kaiser Justinian gilt: Wahres Wissen kommt nur von Gott, der Glaube zählt mehr als jede Vernunft. Er schließt die Akademien in Athen, lässt Lehrer vertreiben und Bücher vernichten. Zahlreiche Gelehrte verlassen den europäischen Kontinent. Vom persischen König in Gondishapur werden sie mit offenen Armen empfangen. An seiner Akademie unterhält er ein Krankenhaus, in dem Jungärzte nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch ausgebildet werden.

Im 9. Jahrhundert wird Bagdad zum Forschungs-Hotspot. Die Kalifen von Bagdad machen Wissenschaft zur Chefsache und fördern sie mit großzügigen Mitteln. Sie gründen das "Haus der Weisheit", das bedeutendste Forschungsinstitut seiner Zeit, das zahlreiche Erfindungen hervorbringt. Im Gegensatz zum Christentum sieht der Islam Wissenschaft damals nicht als Bedrohung, sondern als Weg zu Gott. Für einen islamischen Gelehrten ist das Studium von Aristoteles, Platon und Co. eine fromme Pflicht. Denn nur wer die Naturgesetze versteht, begreift auch die Werke Gottes. Von Bagdad aus verbreitet sich die arabische Wissenschaft im ganzen Orient. 

Männer der Weisheit bringen ihre Ideen, Schriften und Erkenntnisse auch in die Stadt Fès im heutigen Marokko. Seit 859 gibt es dort eine Universität, die aus der al-Qarawīyīn-Moschee und einer Koranschule hervorgegangen ist. Sie gilt als die älteste Hochschule der Welt – und wurde von einer Frau gegründet. Am Ende seiner Reise trifft sich Harald Lesch in Kairo mit drei Studentinnen der al-Azhar-Universität. Basama, Rahma und Asmaa studieren dort Mathematik, Chemie und Physik und erzählen Harald Lesch, wie Glaube und moderne Naturwissenschaft zusammengehen.

Von Córdoba nach Cambridge (2/2)
Harald Lesch auf der Puente de Alcántara in Toledo. ZDF/Marvin Zimmermann

Wissenschaft kennt keine Grenzen – vorausgesetzt, es herrschen Offenheit und Denkfreiheit. Harald Lesch folgt in der zweiten Folge von "Terra X: Wege des Wissens" den Wegen großer Denker und Erfinder und erklärt, wie sie die Welt verändert haben. Von Córdoba, einer der Keimzellen des Goldenen Zeitalters der arabischen Wissenschaft, reist er über Fès, Istanbul und Venedig bis nach Cambridge – dem Ausgangspunkt der wissenschaftlichen Revolution der Neuzeit.

Den Grundstein für die modernen Wissenschaften legen die alten Griechen. Bedeutende Denker wie Thales, Pythagoras, Aristoteles und Archimedes liefern wegweisende Erkenntnisse über Astronomie, Mathematik, Philosophie und Medizin. Doch mit dem Christentum droht das Wissen der antiken Welt unterzugehen. Aufgehalten haben das arabische Gelehrte, die im Auftrag ihrer Herrscher beginnen, die alten Schriften zu bewahren, zu studieren und wissenschaftlich weiterzuentwickeln. Córdoba wird im 8. Jahrhundert unter Abd ar-Rahman I. zum multikulturellen Wissenszentrum in Europa. Er und seine Nachfolger sorgen für ein günstiges Forschungsklima, in dem Moslems, Christen und Juden über religiöse und kulturelle Grenzen hinweg gemeinsam arbeiten können und so ein "goldenes Zeitalter der Wissenschaft" begründen. Der Erfinder und Flugpionier Abbas ibn Firnas ist der erste große arabische Gelehrte aus Andalusien. Auch az-Zarqali ist ein gefragter Mann, nicht nur wegen seiner astronomischen Präzisionsinstrumente, sondern auch als führender Mathematiker. Und muslimische Ärzte sind Wegbereiter in der Augenheilkunde und in der Erfindung medizinischer Instrumente. 

Im 12. Jahrhundert aber setzt sich in Andalusien ein konservativer Islam durch, es wird gestritten, ob Glaube und Wissenschaft vereinbar sind. Anhänger der griechischen Vordenker wie der jüdische Gelehrte Maimonides und der muslimische Denker ibn Ruschd müssen ins Exil ausweichen. Mit der Rückeroberung Spaniens ändern sich die Vorzeichen in Spanien. In Toledo werden christliche Gelehrte die treibende Kraft in Wissenschaft und Forschung. Harald Lesch lässt sich die Bedeutung der dortigen Übersetzerschule erklären, die wesentlich an der Übertragung griechischer und arabischer Texte ins Lateinische beteiligt war. 

Schon bald sind Klöster und Bibliotheken die neuen Zentren der Gelehrsamkeit. Und in Italien, Frankreich und England entstehen die ersten Universitäten Europas. In Köln ist es der Theologe und Naturwissenschaftler Albertus Magnus, der den Grundstein für die Universität legt.

Trotz allem Wissensdurst im christlichen Europa bleiben die Araber auf vielen wissenschaftlichen Gebieten noch lange Vorreiter und beeinflussen die abendländische Forschung. Dazu gehört der Kartograph Al-Idrisi, der erstmals eine Karte entwickelt, die ein fast vollständiges Bild von Europa, Afrika und Asien zeigt und für die großen Entdecker wie Christoph Kolumbus unersetzlich ist. In Italien profitiert Leonardo Fibonacci, der auf seinen Handelsreisen die indisch-arabischen Zahlen kennenlernt und sie mit seinem "Buch der Rechenkunst" in der westlichen Welt populär macht. Auf seinen Erkenntnissen beruht die Entwicklung des Bankgeschäfts in Städten wie Pisa, Florenz und Venedig. 

Dass Wissenschaft keine Grenzen kennt, dafür sorgt nicht zuletzt ein internationales Netzwerk von Gelehrten, dem sich auch Nikolas Kopernikus im polnischen Frombork verpflichtet fühlt. Mit seiner Theorie vom heliozentrischen Weltbild revolutioniert er die Forschung – allerdings zunächst nur auf dem Papier. Den Beweis tritt erst Galileo Galilei, der Vater der modernen Astronomie, an. Er kann überzeugend belegen, dass die Erde um die Sonnen kreist und nicht umgekehrt. 

Während die westliche Wissenschaft in die Zukunft eilt, verliert die arabische Forschung zunehmend an Strahlkraft. Verantwortlich ist der Buchdruck, den muslimische Herrscher über Jahrhunderte für sämtliche gelehrten und religiösen Texte aus ihrem Kulturkreis ablehnen. Damit verzögert sich die Verbreitung neuer Erkenntnisse. 

Im 17. Jahrhundert entstehen überall in Europa Kaffeehäuser, wie das "Grecian Coffee House" in London. Dort trifft sich die Forscherelite, darunter auch der berühmte Isaac Newton. Er wird 1703 Präsident der Royal Society, die aus den wissenschaftlichen Kaffeekränzchen im "Grecian" entsteht. Isaac Newton verkörpert den Höhepunkt der wissenschaftlichen Revolution der Neuzeit. Aber kritischer Geist und auf Vernunft und Beobachtung basierende Erkenntnisse – das steht nicht nur in der Tradition europäischer Gelehrter der Antike und Neuzeit, sondern wird auch von Wissenschaftlern aus der Goldenen Ära des Islam im Mittelalter geprägt. Newton hat einmal gesagt: "Wenn ich weiter geblickt habe, so deshalb, weil ich auf den Schultern von Riesen stehe."

Harald Lesch: "Ich hätte nie gedacht, dass mich so eine antike Maschine einmal dermaßen in Wallung bringt."

Zitate von Harald Lesch aus der "Terra X"-Reihe "Wege des Wissens"

"Die Wege des Wissens waren nie gradlinig, sie führten durch Wüsten, über Meere und Kontinente, durch Paläste, Bibliotheken und Labore. (…) Die Neugier der Menschen und die ständige Suche nach Erklärungen, was wie wo zusammenhängt, bringt die Wissenschaft voran. Aber Wissen gehört niemandem allein – keinem Herrscher, keinem Reich und auch keiner Religion. Es ist universell. Wissen kann allerdings nur dann richtig wachsen, wenn wir alle seinen Wert erkennen, Wissen in Gemeinschaft teilen und wenn alle freien Zugang dazu haben."

"Die Ptolemäer in Alexandria waren überzeugt: Wissen kann ein Land nicht nur kulturell, sondern auch wirtschaftlich voranbringen. Aber um kluge Köpfe zu fördern, braucht es die richtigen Rahmenbedingungen. Was bedeutet das? Man muss Bibliotheken und Labore bauen – und keine Paläste. In einem solchen Klima entsteht ganz Großes. Hier kann Forschung grenzenlos wachsen. Etwas, was wir heute mehr denn je auch bräuchten."

"Seit der Antike versuchen Gelehrte, die Gesetze der Natur mittels Beobachtungen und logischem Denken zu erklären – so wie Aristoteles. Das Problem: Es gibt natürliche Phänomene, für die gibt es nicht nur eine logische Erklärung, sondern viele. Um herauszufinden, welche davon die richtige ist, führen Wissenschaftler gezielt Experimente und Messungen durch. Diese 'empirische', das heißt, auf Erfahrung basierende Forschung, ist heute die Grundlage der Wissenschaften – aber sie setzte sich erst langsam durch."

"Das Allerwichtigste, was auf dem 'Antikythera'-Mechanismus verzeichnet war, war das Vertrauen in die Vorgänge am Himmel. Damit wird eine Grundkonzeption des menschlichen Daseins angesprochen – nämlich das Vertrauen in die Welt. Also, ich bin total begeistert, ich hätte nie gedacht, dass mich so eine antike Maschine einmal dermaßen in Wallung bringt."

"Damit Wissen wachsen kann, braucht es nicht nur Reichtum und Macht. Mindestens genauso wichtig ist eine Gesellschaft, die offen ist für andere Meinungen, andere Weltanschauungen, wo verschiedene Kulturen und Religionen friedlich miteinander leben können. Und das nennt man heute ein 'günstiges Forschungsklima'." 

"In vielen Bereichen haben Wissenschaftlerinnen Pionierarbeit geleistet: Zum Beispiel Ada Lovelace, eine Vordenkerin unserer modernen Computerprogramme; oder Marie Curie und Lise Meitner, denen wir ganz wichtige Erkenntnisse über Radioaktivität und Kernspaltung mitverdanken, oder Rosalind Franklin, die bei der Entdeckung der DNA mitgearbeitet hat. Trotzdem werden Frauen heute noch bei wichtigen Posten und wichtigen Preisen häufig übergangen."

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