Terra Xplore: Brain Projects

1968 teilt die Lehrerin Jane Elliott ihre Klasse nach Augenfarbe – Blau gegen Braun. Psychologe Leon Windscheid zeigt, warum dieses pädagogische Experiment bis heute fasziniert.
ZDF/Pascal Garbrecht
1968 teilt die Lehrerin Jane Elliott ihre Klasse nach Augenfarbe – Blau gegen Braun. Psychologe Leon Windscheid zeigt, warum dieses pädagogische Experiment bis heute fasziniert. ZDF/Pascal Garbrecht

Die ZDF-Reihe "Terra Xplore – Brain Projects" beleuchtet weltberühmte Experimente, Diagnosen und Therapien. Zwischen Wissenschaft und Wahnsinn fragt Psychologe Dr. Leon Windscheid: Was können wir aus diesen Geschichten lernen – und warum wirken manche Methoden und Forschungsergebnisse bis heute nach? Alle vier neuen Folgen sind ab 23. Februar 2026 im ZDF-Streaming-Portal abrufbar.

Sendedatum

Alle vier Folgen ab Montag, 23. Februar 2026

Fotos

Texte

Stablisten

Verliebt in den Täter? Das Stockholm-Syndrom
Buch und Regie: Anna Moreno Grupp
Kamera: Pascal Garbrecht, Niko Moldenhauer
Montage: Marion Pohlschmidt
Produktion Doclights: Ulrike Römhild, Paul B. Müller, Jost C. Laubacher
Produktion ZDF: Antje Galonske, Yvonne Kalinowski
Redaktion Doclights: Martina Sprengel, Marc Elvers
Redaktion ZDF: Angelika Hoffmann, Marlon Di Salvo
Leitung der Sendung: Swea Schilling 

Diagnose: Frau – Hysterie über die Jahrhunderte
Buch und Regie: Andrea Wiehager-Philippi, Anna Moreno Grupp, Sophie Apelt
Kamera: Pascal Garbrecht, Niko Moldenhauer
Montage: Marion Pohlschmidt
Produktion Doclights: Ulrike Römhild, Paul B. Müller, Jost C. Laubacher
Produktion ZDF: Antje Galonske, Yvonne Kalinowski
Redaktion Doclights: Martina Sprengel, Marc Elvers
Redaktion ZDF: Veronica Pieper, Ioanna Engel
Leitung der Sendung: Swea Schilling 

Schocktherapie gegen Rassismus?
Buch und Regie: Anna Moreno Grupp, Andrea Wiehager-Philippi
Kamera: Pascal Garbrecht, Niko Moldenhauer
Montage: Marion Pohlschmidt
Produktion Doclights: Ulrike Römhild, Paul B. Müller, Jost C. Laubacher
Produktion ZDF: Antje Galonske, Yvonne Kalinowski
Redaktion Doclights: Martina Sprengel, Marc Elvers
Redaktion ZDF: Ioanna Engel, Angelika Hoffmann
Leitung der Sendung: Swea Schilling 

6 schizophrene Brüder: Die Familie Galvin
Buch und Regie: Andrea Wiehager-Philippi
Kamera: Pascal Garbrecht, Jan Tegethoff
Montage: Marion Pohlschmidt
Produktion Doclights: Ulrike Römhild, Paul B. Müller, Jost C. Laubacher
Produktion ZDF: Antje Galonske, Yvonne Kalinowski
Redaktion Doclights: Martina Sprengel, Marc Elvers
Redaktion ZDF: Ioanna Engel, Angelika Hoffmann
Leitung der Sendung: Swea Schilling 

Terra Xplore – Brain Projects: Verliebt in den Täter? Das Stockholm-Syndrom

Kann eine Geisel Sympathie für ihre Entführer entwickeln? Der spektakuläre Banküberfall am Norrmalmstorg in den 1970er Jahren prägte den Begriff "Stockholm-Syndrom", der bis heute umstritten ist. Geisel Kristin Enmark soll sich in den Entführer Clark Olofsson verliebt haben. Was steckt hinter dem "Stockholm-Syndrom"?

Das bekannte "Stockholm-Syndrom" ist bis heute keine offizielle Diagnose – und in keinem medizinischen Standardwerk verzeichnet. Psychologe Leon Windscheid erklärt, warum Geiseln bei Entführungen oder Banküberfällen Verständnis oder Sympathie für Täter entwickeln können. Denn was wie Zuneigung wirkt, ist eine Überlebensstrategie unseres Gehirns und unseres Körpers in einer sehr bedrohlichen Situation. 

Psychologin und Traumaforscherin Dr. Maggie Schauer weiß, dass Victim Blaming, also eine Täter-Opfer-Umkehr, immer dann entsteht, wenn wir Trauma vermeiden und uns nicht vorstellen wollen, dass auch wir in solch eine Situation geraten könnten. Die Faszination für "Bad Boys" zeigt sich längst im Alltag: Dark-Romance-Bücher und Serien romantisieren Gewalt, Kontrolle und toxische Beziehungen.

Terra Xplore – Brain Projects: Frau – Hysterie über die Jahrhunderte

Hysterisch – das sagen wir heute noch, wenn jemand völlig ausrastet. Ursprünglich war das eine echte Diagnose. In eine neuen Folge von "Terra Xplore – Brain Projects" erzählt Psychologe Leon Windscheid die Geschichte der Hysterie – von antiken Mythen bis zu Medical Gaslighting heute.

Paris, 19. Jahrhundert: Die 15-jährige Augustine liegt inmitten eines Hörsaals – schreit, zuckt. Um sie herum: Ärzte, Blitzlichter, Applaus. In der Salpêtrière-Klinik wird Krankheit zur öffentlichen Show. Wie prägt die damalige Diagnose Hysterie bis heute unser Denken? Leon Windscheid rekonstruiert die Geschichte der jungen Hysterie-Patientin Augustine. 

Über Jahrtausende war Hysterie ein Sammelbegriff für rätselhafte Symptome – fast immer bei Frauen. "Hysterie ist gewissermaßen die Krankheit der Hyper-Weiblichkeit im 19. Jahrhundert", weiß die Medizinhistorikerin Prof. Karen Nolte, die intensiv zur Geschichte der Psychiatrie forscht. Von der "wandernden Gebärmutter" in der Antike bis zu riskanten Operationen im 19. Jahrhundert: Die Diagnose erzählt mehr über Macht und Geschlechterrollen als über Medizin. 

Alte Denkmuster setzen sich bis heute fort – etwa im "Medical Gaslighting", wenn Beschwerden bei Frauen abgetan werden. Auch wenn die Hysterie als offizielle Diagnose verschwunden ist: Medizin tickt heute je nach Geschlecht anders. So werden Medikamente seltener an weiblichen Körpern getestet und Symptome je nach Geschlecht anders bewertet. Laut Gender Health Gap Report von 2024 leben Frauen deshalb weltweit durchschnittlich 25 Prozent weniger Jahre bei guter Gesundheit als Männer.

Terra Xplore – Brain Projects: Schocktherapie gegen Rassismus?

Ein Schulunterricht wird zum radikalen Experiment: 1968 teilt die US-amerikanische Lehrerin Jane Elliott ihre Klasse nach Augenfarbe, um ihren Schülern das Gefühl der Diskriminierung näherzubringen. Sie erklärt, dass braunäugige Schüler netter, sauberer und intelligenter seien als ihre blauäugigen Mitschüler. Binnen Minuten entstehen zwischen den Kindern Macht, Ausgrenzung und Demütigung. Psychologe Leon Windscheid zeigt, warum dieses pädagogische Experiment bis heute fasziniert und provoziert.

Rassismus nachspielen – darf man das? Das "Blue Eyes, Brown Eyes"-Experiment gilt als eines der radikalsten Versuche gegen Vorurteile, Jane Elliott löste mit ihrem Versuch einen Sturm der Kritik aus. Leon Windscheid rekonstruiert die Ereignisse, erklärt psychologische Mechanismen wie Ingroup-Outgroup-Bias, also die Bevorzugung der eigenen Gruppe, fragt aber auch, warum Vorurteile so schnell entstehen. Kann man Diskriminierung und rassistische Denkmuster wirklich verlernen? Der Sozialwissenschaftler und Bildungsforscher Prof. Dr. Karim Fereidooni erläutert, wie tief Rassismus in unserem Denken verankert ist – und welche Strategien heute helfen, ihn wieder abzubauen.

Terra Xplore – Brain Projects: 6 schizophrene Brüder – Die Familie Galvin

Zwölf Kinder, sechs Diagnosen: Die Geschichte der Familie Galvin gilt als Schlüsselfall der Schizophrenie-Forschung. In dieser Folge von "Terra X – Brain Projects" zeichnet Leon Windscheid die außergewöhnliche Familienchronik nach und zeigt, welche Rolle wissenschaftliche Erkenntnisse, aber auch gesellschaftliche Vorurteile im Umgang mit psychischen Erkrankungen spielen.

Hinter der Fassade einer scheinbaren Bilderbuchfamilie kämpfen mehrere der Galvin-Söhne mit frühen, schwer einzuordnenden Symptomen – von Stimmenhören bis zu gefährlichen Wahnzuständen. Die Erkrankung prägt das Leben der US-amerikanischen Familie über Jahrzehnte und wirft bis heute grundlegende Fragen auf: Welche Faktoren führen zu Schizophrenie – genetische Veranlagungen, Umwelteinflüsse oder familiäre Belastungen?

Leon Windscheid verfolgt die Entwicklung der ersten Anzeichen der Galvin-Söhne in den 1960er und 1970er Jahren, beleuchtet die oft drastischen psychiatrischen Praktiken jener Zeit und stellt aktuelle Forschungsergebnisse gegenüber, die zeigen, wie sich das Verständnis der Erkrankung weiterentwickelt hat. Psychiater Prof. Andreas Meyer-Lindenberg erläutert, warum Stigmatisierung für Betroffene noch immer eine zusätzliche Belastung darstellt – und oft wie eine "zweite Krankheit" ist. 

Zitate aus den Folgen

Verliebt in den Täter? Das Stockholm-Syndrom
Dr. Maggie Schauer, klinische Psychologin und Traumaforscherin an der Universität Konstanz

"Das Stockholm-Syndrom gibt es nicht im Katalog der klinischen Störungen. Es ist auch kein einzelnes Symptom. Das ist ein Muster aus verschiedenen Anzeichen und hat hauptsächlich mit dem unserem Bindungssystem zu tun."

"In echter Todesangst können wir nicht mehr denken. Da übernimmt ein Autopilot unsere Biologie. Wir sind sehr, sehr hilflos (…) in diesem Moment und haben eine große Angst. Da entsteht starke Verwirrung und auch Abspaltung von der Realität."

"Wenn die Geisel sagt, 'Ich vertraue meinem Entführer', dann ist es häufig eine Überlebensstrategie in einer sehr bedrohlichen, hilflosen Situation. Umso mehr entsteht in dieser kleinen Community zwischen Entführten und Entführern häufig eine gemeinsame Lage, also eine Abhängigkeit. Und dieser Schutzmechanismus, jetzt Sympathie oder Loyalität dem Täter gegenüber zu entwickeln, reduziert ja auch die wahrgenommene Bedrohung."


Diagnose: Frau – Hysterie über die Jahrhunderte
Prof. Karen Nolte, Medizinhistorikerin und Direktorin am Institut für Geschichte und Ethik der Medizin der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg

"Hysterie ist gewissermaßen die Krankheit der Hyper-Weiblichkeit im 19. Jahrhundert."

"Vieles, was wir heute als selbstverständlich annehmen, ist tatsächlich historisch gewachsen. Und ich finde immer wichtig, dass man sich klarmacht, dass es in einer spezifischen historischen Zeit entstanden ist. Das heißt, es ist eben nicht biologisch begründet, wie häufig behauptet wird, sondern es ist tatsächlich gesellschaftlich gemacht."

"Heute gibt es Hysterie nicht mehr als Krankheitsbild, aber als eine geschlechtsspezifische Zuschreibung, die beschreibt, wenn Frauen in der Öffentlichkeit emotional reagieren. Wie zum Beispiel junge Frauen nach der Absage eines Taylor Swift Konzerts, die wurden dann als hysterisch bezeichnet. Während Männer beim Fußball, die emotional reagieren und in der Öffentlichkeit weinen, würde man niemals als hysterisch bezeichnen."
 
Schocktherapie gegen Rassismus? 
Prof. Karim Fereidooni, Rassismusforscher und Professor für Didaktik an der Ruhr-Universität Bochum

"Wir erlernen Rassismus nicht erst ab dem Alter von 25 Jahren – wir wachen morgens auf und sind plötzlich rassistisch –, sondern wir wissen aus guten Kindergartenstudien, die in Deutschland durchgeführt worden sind, dass bereits drei- bis vierjährige Kinder Rassismus anwenden, um ihren sozialen Alltag zu strukturieren."

"Das rassistische Wissen von Kleinkindern speist sich aus Gesprächen in der Familie."


6 schizophrene Brüder: Die Familie Galvin 
Prof. Andreas Meyer-Lindenberg, Psychiater, Direktor am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) 

"Leider ist es tatsächlich so, dass dieses Stigma stark ausgeprägt ist und auch die übliche Darstellung von Patienten mit Schizophrenie in der Presse, im Film, die auch in der Regel was zu tun hat mit Gefahr, mit weggesperrt werden in Institutionen, mit Medikamenten, die gespritzt werden, Zwangsjacken – also Dingen, die wenig zu tun haben mit der Realität."

"Leute, die eine Schizophrenie haben, haben ein erhöhtes Risiko für gewaltsames Verhalten verglichen mit der normalen Bevölkerung. Es gibt diese Erhöhung, sie ist aber praktisch nicht wirklich relevant, weil erstens die allermeisten Patienten mit Schizophrenie nie gewalttätig werden, umgekehrt die meisten Gewalttaten nicht von Patienten mit einer Schizophrenie begangen werden."

"Das heutige Konzept geht davon aus, dass bei jeder Erkrankung, aber auch bei der Schizophrenie, biologische, psychologische und soziale Faktoren ineinandergreifen. Wir denken heute: Im Prinzip kann jeder psychotisch werden, wenn er genug Druck ausgesetzt ist. Es gibt aber Leute, bei denen auch schon unter geringerem Stress solche psychotischen Symptome auftreten."

"Terra Xplore - Brain Projects" im ZDF-Streaming-Portal

Hier finden Sie alle verfügbaren Sendungen der Reihe. 

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