Junges Kino im Zweiten

ZDF/Das kleine Fernsehspiel startet vierte Ausgabe der Kino-Reihe "Shooting Stars"

Ein Drama über eine Mutter, die ihre verschollene Tochter sucht und eine andere junge Frau findet. Und eine Agentenkomödie über die absurd komische Odyssee eines Profikillers in der Sinnkrise. Das kleine Fernsehspiel startet zum vierten Mal die Sommerreihe "Shooting Stars – Junges Kino im Zweiten", die zeigt, wie vielseitig sich Kreativität in der Talentschmiede des ZDF äußern kann und wie der filmische Nachwuchs Genres erobert.

  • ZDF, Nächster Film: Montag, 8. August 2016, 0.30 Uhr

    Texte

    Nächste Sendetermine

    Töchter -  Montag, 8. August 2016, 0.30 Uhr

    Die Einsamkeit des Killers vor dem Schuss - Freitag, 12. August 2016, 22.30 Uhr 

    Töchter - Montag, 8. August 2016, 0.30 Uhr

    Drama, Deutschland 2013

    Stabangaben

    Buch:  Maria Speth, Reinhold Vorschneider

    Regie:  Maria Speth

    Kamera:  Reinhold Vorschneider

    Schnitt:  Maria Speth, Gergana Voigt

    Ton:   Johannes Grehl

    Produzenten:  Maria Speth

    Produktion:  Madonnen Film in Kooperation mit ZDF/Das kleine Fernsehspiel in Zusammenarbeit mit ARTE

    Redaktion:  Claudia Tronnier (ZDF/Das Kleine Fernsehspiel), Anne Even, Doris Hepp (ZDF/ARTE), Barbara Häbe (ARTE)

    Länge: 83'59''

    Töchter - Die Rollen und ihre DarstellerInnen

    Agnes  -  Corinna Kirchhoff

    Ines  -  Kathleen Morgeneyer

    Kommissar  -  Hermann Beyer

    Bildhauer Madsen  -  Lars Mikkelsen

    Mitarbeiter der Autovermietung  -  Hans Jochen Wagner

    Thomas  -  Fabian Hinrichs

    Leiter der Bahnhofsmission  -  Peter Kurth

    Ole, Sozialarbeiter im Klik  -  Matthias Matschke

    Hakuo Tanaka  -  Hirkoi Mano

    Zimmermädchen Julija  -  Irina Potapenko

    Töchter - Inhalt

    Agnes, eine Lehrerin aus der hessischen Provinz, sucht in Berlin ihre verschwundene Tochter und trifft auf die obdachlose Ines, die nicht mehr von ihrer Seite weicht.

    Agnes kommt aus der hessischen Provinz nach Berlin, um ein totes Mädchen zu identifizieren. Die Polizei vermutet, dass es sich um ihre vermisste Tochter Lydia handelt.

    Es ist nicht Lydia. Trotzdem bleibt Agnes in der Stadt, angetrieben von der Hoffnung, irgendwo ihre Tochter zu finden. Ihre verzweifelte Suche führt sie in Bahnhofsmissionen, Drogentreffs und Kontaktstellen für Obdachlose. Orte, die Agnes normalerweise meidet und ängstigen.

    Während ihrer Suche begegnet sie der jungen Ines, die seit Jahren in Berlin lebt. Oft auf der Straße oder manchmal auch bei Menschen, die ihr Obdach geben. Ines ist ein überzeugter Parasit dieser Gesellschaft, die aber behauptet, Malerin zu sein. Sie weicht nicht mehr von Agnes’ Seite und dringt mit penetranter Selbstverständlichkeit in ihr Leben ein – so als ob es das ihre sei. Agnes lässt es geschehen. Die Unbekannte erscheint ihr unerklärbar, fremdartig, bedrohlich und doch irgendwie vertraut. Ein eigentümliches Verhältnis von Anziehung und Abstoßung beginnt sich zwischen den beiden Frauen zu entwickeln.

    Töchter - Regiekommentar von Maria Speth

    Am Ende der Dreharbeiten meines Films "Madonnen" drückte mir jemand ein Buch in die Hand. Das hatte den Titel: "Dann hau ich eben ab". Gespräche mit Eltern, deren Kinder von zu Hause abgehauen waren. Das Buch sollte mich animieren, einen weiteren Film mit der damals zwölfjährigen Darstellerin der Fanny aus "Madonnen" zu machen.

    Monate später fing ich dann an, in Berlin im Milieu von Straßenkindern und obdachlosen Jugendlichen zu recherchieren. Und traf auf eine junge Frau, deren Energie und Trotz mich an Fanny erinnerten. Eine, die sich selbst als Künstlerin sah. Aber sich dem Kunstbetrieb verweigerte. So wie sie sich generell den Leistungsanforderungen dieser Gesellschaft verweigerte. Obwohl sie auf Grund ihrer Intelligenz und ihrer Fähigkeiten bestens geeignet gewesen wäre, diese Ansprüche zu erfüllen. Aggressiv vorgetragene Gesellschaftskritik in jeder Form war ihre Lieblingsattitüde. Eine Schmarotzerin aus Überzeugung. Diese Gesellschaft produziere so viel Überfluss. Es sei nur gerecht, daran zu partizipieren.

    Eine mögliche Geschichte der Fanny fortzuschreiben, interessierte mich. Unmöglich jedoch, ohne die Figur der Mutter. Und die Mütter der Straßenkinder sind nicht notwendigerweise arbeitslos und wohnen im Märkischen Viertel. Sie arbeiten auch als Lehrerinnen. Für Deutsch und Geschichte, zum Beispiel. An einem humanistischen Gymnasium in einer hessischen Kleinstadt. Sehr bürgerlich, sehr normal, sehr geregelt. Aber sie weigern sich, zu sprechen. Über den Makel. Die Schuld. Und die Scham.

    "Das Wichtigste im Leben sind die eigenen Gefühle. Wenn das nicht beschädigt würde, wäre man ein Leben lang ein phantastischer Mensch. Wenn man etwas fühlt, dann ist es wahr." (John Cassavetes)

    Der erste Ort der Beschädigung ist die Familie. Die Familie ist diese Gesellschaft in ihrer kleinsten Organisationsform. Alles, was das Leben der Gesellschaft bestimmt, bestimmt auch das der Familie und umgekehrt. Aber die Beziehungen in Familien sind nicht nach öffentlichem Gesetz und öffentlicher Ordnung geregelt. Deshalb sind die Verhältnisse liebevoller oder brutaler und rücksichtsloser. Agnes und Ines, die beiden Hauptfiguren meines Films, tragen ihre familiären Verletzungen mit sich, als sie sich begegnen. Als Mutter und als Tochter. Mit der Chance, sich in diesen Rollen anders zu erfahren. Oder sich zu wiederholen.

    Töchter - Interview mit Maria Speth

    Ihre bisherigen drei Spielfilme kreisen um Frauen, die nicht in ein bestimmtes Raster passen, die gegen die Erwartung leben oder handeln. Was interessiert Sie an diesen Frauenfiguren?

    Die Probleme, Fragen, Widersprüche dieser Figuren sind aber nicht spezifisch für Frauen. Insofern könnten diese Figuren auch Männer sein. Da ich aber selbst Frau bin und die Impulse für meine Filme sehr stark aus meinem persönlichen (Er)Leben kommen, liegt es für mich eben näher, von Frauen zu erzählen.

    Lynn, aus "In den Tag hinein". Ihr aggressiv unkonventionelles Verhalten ist Ausdruck einer Unsicherheit. Wenn man so will: eine Verarbeitungsform von Verunsicherung, die gesellschaftlich nicht erwünscht ist. Lynn weiß nicht: wie sie leben, wie sie arbeiten, wie sie lieben soll ... Oft ist der Übergang von der Jugend in die Welt der Erwachsenen schwer und man braucht ein ganzes Leben dafür. Aber die Gesellschaft erwartet, dass man plötzlich weiß, wie das Leben funktioniert, wie man sein Geld verdient, produktiv ist und Verantwortung übernimmt. Und dann ist da noch die Liebe. Was ist das für ein Gefühl? Verspricht es Glück oder bringt es einen in Lebensgefahr?

    Als ich anfing, an "Madonnen" zu arbeiten, war ich selbst Mutter einer dreijährigen Tochter und kämpfte mit dieser Rolle und den damit zusammenhängenden biologischen und gesellschaftlichen Erwartungen. Und dann las ich einen Artikel über straffällige Mütter. Mütter, die mit ihren Kindern im Gefängnis leben. Ein Affront gegen die Rollenvorstellung der "guten Mutter". Und ich habe angefangen zu recherchieren. Im Mutter-Kind-Vollzug in Frankfurt Preungesheim. Und lernte dort die Frau kennen, die sich im Prozess des Drehbuchschreibens zur Figur der Rita entwickelte.

    Für meine Figuren gibt es immer eine Referenz. Menschen, die ich kenne. Oder bei Recherchen kennen gelernt habe. Das ist mein Ausgangspunkt. Und ich bin Teil mancher meiner Figuren. Ich kann mir vorstellen, dass ich mich unter bestimmen Lebensumständen vielleicht auch so oder ähnlich verhalten würde.

    Und "Töchter" ist in gewisser Weise eine Fortsetzung von "Madonnen". Ein "Weiter-Schreiben" einer möglichen Geschichte der Fanny, der ältesten Tochter Ritas. Eine junge Frau, die überwiegend obdachlos auf der Straße lebt. Aggressiv. Diese Gesellschaft verachtend. Sich verweigernd. Sich selbst zerstörend.

    All diese Figuren tragen Wunden mit sich, die man von außen vielleicht nicht unmittelbar wahrnimmt, die aber ihr Leben maßgeblich bestimmen. "Schmerzensfrauen", die suchen, kämpfen, sich verweigern, die andere und sich fordern und ihnen viel zumuten. Um wahrgenommen zu werden. Um Nähe, Fürsorge oder Geborgenheit zu erfahren. Und sie haben keine Techniken entwickelt, ihr existentielles Leid und ihre Widersprüche zu verbergen. Sie müssen diese in teilweise extremen Formen darstellen. Die gepiercte 'Kriegerin' Sunny aus "9 Leben". Die "Bösen Engel" Ines und Rita.

     

    In Ihrem neuen Film geht es um das Zusammentreffen von zwei Frauen mit zwei völlig unterschiedlichen Lebensentwürfen. Was suchen und finden sie im Gegenüber? In diesem Kammerspiel der Gefühle stoßen Agnes und Ines emotional immer wieder an ihre Grenzen?

    Bei der Entwicklung des Projekts wurde ich häufiger gefragt, warum ich nicht die Begegnung der Mutter mit ihrer tatsächlichen, von zuhause weggelaufenen Tochter erzähle. Warum ich die Tochter durch eine Fremde repräsentiere.

    Bei einer solchen Wiederbegegnung ginge es selbstverständlich in erster Linie um die gemeinsame Vergangenheit der beiden. Das interessierte mich weniger. Ich hatte viel mehr das Bedürfnis, von einer Begegnung zu erzählen, wo die Rollen der Mutter und Tochter zwar wahrnehmbar sind, aber befreit von den Belastungen einer konkreten, gemeinsamen Biografie, von der Bewältigung einer konkreten, gemeinsamen Vergangenheit. Damit eine gegenwärtige Begegnung möglich wird. Eine offene Situation, man weiß nicht, was passieren wird. Worauf das Ganze hinaus läuft.

    Die Chance einer Begegnung zweier Menschen. Warum suchen wir andere? Weil Menschen soziale Wesen sind. Sie versuchen, sich zu fühlen. Gefühle aber werden normalerweise unterdrückt. Agnes und Ines finden Momente von Nähe, Zuneigung, Verbundenheit, Vertrauen. Es gibt die Chance auf einen Entwurf. Eine Utopie? Dann verlieren sie das wieder. Warum? Wegen ihrer Verhaltensmuster. Wegen ihres Misstrauens. Wegen ihrer biografischen Beschädigungen. Wegen ihrer Angst, verletzt zu werden. Sie sind Geworfene.

    Es geht immer um Vertrauen. Das auch körperlich ist. Je mehr Vertrauen geschenkt wird, umso sicherer ist der existentielle Boden. Das ist vor allem in der Mutter-Tochter-Beziehung so. Für kurze Momente in der Kammer des Hotels fühlen sich Agnes und Ines in diesen Rollen anders als in ihren früheren Leben. Oft sind Eltern so in ihrem Lebensentwurf gefangen, dass sie sich für ihre Kinder auch nichts anderes vorstellen können. Und ihre Kinder nicht als eigenständige Menschen sehen können, mit eigenen Bedürfnissen. Es entsteht ein Riss. Ein Riss, der weiter gegeben wird. Von Generation zu Generation.

     

    Nicht in einem klassischen Sinn erzählen Sie die Geschichte dieser beiden Frauen. Kann man sagen, dass Sie Ihren Figuren eher folgen, Sie für einen gewissen Zeitraum begleiteten?

    Wie schon bei meinen anderen Filmen sind die Figuren der Ausgangspunkt. Die Erzählung ergibt sich aus den Figuren. Nach meiner Erfahrung ändern sich Menschen nach ihrer genetischen und sozialen Prägung wenig. Der Entwicklungsroman ist also kein Erzählmodell für meine Filme. Meine Filme beschreiben eher einen Zustand als eine Handlung mit Ausgangs- und Endpunkt.

    In "Töchter" zeige ich einen Ausschnitt von etwa fünf Tagen aus dem Leben von Agnes und Ines. Für das, was vorher war und danach sein wird, gibt es nur Spuren oder Andeutungen. Die Begegnung der beiden ist ergebnisoffen. Es gibt keine Erzähl- oder Handlungsnotwendigkeit, keine Kausalkette, die zu einem bestimmten Ende oder zu einer bestimmten Entwicklung der Situation zwingt. Manches ist wirklich. Vieles ist möglich. Darum geht es.

    Töchter - Festivals

    Berlinale (Sektion: Forum), 2014 Weltpremiere

    Edinburgh International Film Festival, 2014

    Cinerama.BC (Sektion: International Competition), Brasilien, 2014

    Espoo Ciné IFF, Finnland, 2014

    UniverCiné, Nantes, 2014

    Paris German Screenings - L’Arlequin, 2014

    Maria Speth’s retrospective, Toronto, 2014

    Chennai, International Film Festival, India, 2014

    Lecce IFF (Sektion: Competition of European Feature Films), Italien, 2015

    Töchter - Kurzbiografie von Regisseurin Maria Speth

    1967 geboren, studierte Maria Speth an der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" in Potsdam-Babelsberg. Ab 1991 arbeitete sie als Schnitt- und Regieassistentin bei Kino- und Fernsehfilmen. Ihr Spielfilmdebüt "In den Tag hinein" (2001) gewann den VPRO Tiger Award in Rotterdam, den großen Preis der Jury des Internationalen Frauen Film Festivals in Créteil und den MFG Star 2001. "Madonnen" (2007), ihr zweiter Spielfilm, wurde 2007 bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin im Forum gezeigt und mit dem Hessischen Filmpreis 2007 ausgezeichnet. 2009 gründete Speth Madonnen Film und produzierte ihren ersten Dokumentarfilm "9 Leben", bei dem sie auch für Buch, Regie und Schnitt verantwortlich war. 2011 erhielt Maria Speth im Rahmen des Kunstpreises der Akademie der Künste Berlin den "Förderpreis für Film- und Medienkunst". 2012 wurde sie mit dem Deutschen Regiepreis Metropolis als beste Regisseurin in der Kategorie Dokumentarfilm für "9 Leben" ausgezeichnet.  Ihr Film "Töchter" feierte Premiere im Forum der Berlinale 2014.

    Die Einsamkeit des Killers vor dem Schuss (DEDKVDS) - Freitag, 12. August 2016, 22.30 Uhr

    Agentenkomödie, Deutschland 2014

    Stabangaben

    Regie:  Florian Mischa Böder

    Drehbuch:  Clemente Fernandez-Gil und Florian Mischa Böder

    Kamera:  Matteo Cocco

    Szenenbild:  Cora Pratz

    Kostümbild:  Peri de Braganca

    Ton:  Andreas Wölki

    Schnitt:  Andreas Menn

    Casting:  Emrah Ertem

    Musik:  Tobias Wagner, Arne Schumann, Josef Bach

    Produzenten:  Andreas Brauer

    Produktion:  HUPE Film- und Fernsehproduktion in Koproduktion mit ZDF/Das kleine Fernsehspiel und in Zusammenarbeit mit ARTE, gefördert von Film und Medienstiftung NRW und Deutscher Filmförderfonds.

    Redaktion:  Jörg Schneider (ZDF/Das kleine Fernsehspiel), Olaf Grunert (ZDF/ARTE)

    Länge: 79'30''

    DEDKVDS - Die Rollen und ihre DarstellerInnen

    Koralnik  -  Benno Fürmann

    Rosa  -  Mavie Hörbiger

    Van Haarten  -  Wolf Roth

    Olsen  -  Erik Madsen

    und weitere

    DEDKVDS - Inhalt

    Koralnik arbeitet als Auftragskiller für ein geheimes EU-Programm. Doch die Sache hat einen Haken: Bis heute, acht Jahre nach seiner Ausbildung, hat er noch keinen einzigen Auftrag erhalten. Er führt ein langweiliges Leben ohne soziale Kontakte und in ständiger Tarnung. Doch dann kommt alles auf einmal: Rosa drängt sich in sein Leben und der lang ersehnte erste Auftrag kommt. Überstürzt begibt sich Koralnik mit Rosa auf eine chaotische Odyssee durch die Nacht.

    Schon bald realisieren sie, dass der andere nicht das ist, was er vorgibt zu sein. Koralnik muss im Laufe der Nacht schmerzhaft erfahren, wie sein Selbstbild des übermenschlichen Topagenten an den schnöden Herausforderungen der Realität zerbröckelt. "Die Einsamkeit des Killers vor dem Schuss" erzählt mit tragikomischen Antihelden und ihrer absurden Reise des Scheiterns eine Geschichte über die Unmöglichkeit, mit einer Lebenslüge glücklich zu werden.

    DEDKVDS - Regiekommentar von Florian Mischa Böder

    Abgebrüht, skrupellos, unverwundbar – eine in jeder Hinsicht übermenschliche Kampfmaschine – ist die gängige Figurenzeichnung in einem klassischen actiongeladenen Killer- beziehungsweise Agentenfilm.

    Was aber passiert, wenn man diese Parameter umdreht? Was für ein Film entsteht, wenn man einer solchen Figur echte, menschliche Attribute verleiht, ihr Schwächen, unerfüllte Sehnsüchte und sogar Ängste zugesteht? Was entdeckt man, wenn man einen komödiantischen Blick hinter die meist zu coolen Posen dieser starken Figuren wagt, dahin, wo Menschen unsicher sind, wo sie Macken und Fehler haben, wo sie sich – wie jeder andere Mensch auch – mit den kleinen profanen Banalitäten des Alltags herumplagen müssen?

    Den Blick auf die menschlichen Schwächen blenden Killerfilme gerne aus. Wahrscheinlich ist es gerade deshalb genau dieser Blick, der mich in "Die Einsamkeit des Killers vor dem Schuss" so sehr interessiert: Die überhöhte Figur des Killers prallt auf unsere echte, schnöde Welt und muss feststellen, dass sie doch nur ein normaler Mensch ist, wie jeder andere auch.

    Diese Prämisse hat mich inspiriert, weil ich in ihr mehr sehe, als nur eine Genrespielerei. In ihr steckt sehr viel Menschliches: Wer glauben wir zu sein? Wer geben wir vor zu sein? Und wer sind wir wirklich? Wir laufen Bildern von uns selbst hinterher, das bestimmt unser tägliches Verhalten. Der Alltag wird mitunter zu einem raffinierten Rollenspiel auf der persönlichen Suche nach Anerkennung, Bestätigung, Selbstwert und einem Sinn im Leben. Deckt sich unser Selbstbild mit dem, was andere in uns sehen, wirken wir authentisch und werden bestätigt. Klafft es mit dem Außenbild auseinander, entsteht eine Dissonanz, die Spannung erzeugt.

    Beide Hauptfiguren, Koralnik sowie Rosa, geben vor, etwas zu sein, was sie nicht wirklich sind. Rosa spielt ganz bewusst mit ihrem Außenbild, kokettiert damit und setzt es gezielt ein, um ihre Ziele zu erreichen. Koralnik hingegen wird von der Übergröße seines Selbstbildes als Topagent erdrückt. Er spürt, dass er es nicht erfüllen kann und scheitert daran. Jahrelang hat er sich für den größten Killer aller Zeiten gehalten, eine Art Mensch gewordener James Bond. Er malte sich ein verheißungsvolles, Adrenalin geladenes Leben voller Abenteuer, Gefahren und damit auch maximaler Erfüllung aus. Obwohl sich all das in den letzten acht Jahren nicht eingelöst und Koralnik bislang keinen einzigen Auftrag erhalten hat, hält er mit aller Kraft an diesem Irrglauben des Topagentendaseins fest. In diesem Sinne ist für mich

    "Die Einsamkeit des Killers vor dem Schuss" die absurd komische Odyssee eines Profikillers in der Sinnkrise, bei dessen erstem und einzigem Auftrag alles schief geht, was schief gehen kann – eine Geschichte über Lebenslügen und die Kraft der Wahrheit. Das größte Gefängnis baut man sich selbst... und wir dürfen zuschauen, wie sich Koralnik daraus befreit.

    DEDKVDS - Preise und Auszeichnungen

    9th Filmfestival Mauvais Genre, Tours, 2015: Publikumspreis, Preis der jungen Jury, lobende Erwähnung Kritikerjury

    7. Comedy Cluj International Film Festival, Romania 2015: Publikumspreis

    DEDKVDS - Festivals

    67° Festival del Film Locarno 2014 / Piazza Grande (Welturaufführung)

    25th Stockholm Film Festival 2014

    26. Kinofest Lünen 2014

    18th Shanghai International Film Festival 2015

    25. Cologne Conference 2014 (Eröffnungsfilm)

    Festival German Cinema Moscow 2014

    Festival of German Films Australia 2015

    DEDKVDS - Kurzbiografien Florian Mischa Böder (Autor und Regie) und Clemente Fernandez-Gil (Autor)

    Florian Mischa Böder (Autor und Regie)

    Geboren 1974 in Hannover, aufgewachsen in Deutschland und den USA. Von 1997-2002 Studium an der Kunsthochschule für Medien Köln. Bereits während des Studiums diverse Arbeiten als Regisseur unter anderen "Die Harald- Schmidt-Show" und "Sendung mit der Maus". Tätigkeit als freier Autor und Regisseur für Kino-, Fernsehen- und Theater- Produktionen. Lebt in Köln und Wien.

     

    Clemente Fernandez-Gil (Autor)
    Geboren 1968 in Düsseldorf. 1989-1991 Studium der Germanistik und Geschichte, anschließend Ausbildung zum Schauspieler. Seit 1989 Tätigkeit als Schauspieler, Autor und Dramaturg an verschiedenen deutschsprachigen Theatern, unter anderen Theater der Klänge Düsseldorf, Düsseldorfer Schauspielhaus, Stadttheater Heidelberg, Bauhaus-Bühne Dessau, Theater im Depot Dortmund, Theater Kohlenpott Herne. Von 2004 bis 2007 Drehbuch-Studium an der ifs Internationale Filmschule Köln.

    Bildhinweis

    Fotos sind erhältlich bei ZDF Presse und Information, Telefon: 06131 - 701 6100 oder über

    https://presseportal.zdf.de/presse/shootingstars

    Weitere Informationen

    Impressum

    Ansprechpartner

    Name: Güngör Öztürker
    E-Mail: oeztuerker.g@zdf.de
    Telefon: (06131) 70-12145