Terra X: Abenteuer Neuseeland

Zweiteilige Dokumentation

Zweiteilige Dokumentation von Christopher Gerisch und Kay Siering

Lange Sandstrände, sanfte Hügelketten und zerklüftete Vulkane auf der einen Seite, Regenwälder und ein mächtiger Gebirgszug auf der anderen Seite. Die vielfältige Natur in Neuseeland sucht weltweit ihresgleichen und begeistert auch moderne Wissenschaftler und Glücksritter aus Deutschland. Die Zuschauer erleben Walforscher bei ihrer Arbeit vor der Küste, sehen Goldsucher im eiskalten Wasser der Flüsse arbeiten, lernen die Arbeit von Schafszüchtern kennen und bekommen spannende Einblicke in die Arbeit von Geologen und Naturschützern.

  • ZDF, sonntags, 28. Dezember 2014 und 4. Januar 2015, jeweils 19.30 Uhr

Texte

Sendedaten, Stab, Inhalt

Terra X: Abenteuer Neuseeland
Zweiteilige Dokumentation

Sonntag, 28. Dezember 2014, um 19.30 Uhr
Folge 1: Aufbruch der Glücksritter

Sonntag, 4. Januar 2015, um 19.30 Uhr
Folge 2: Vorstoß ins Unbekannte

Stab

Buch und RegieChristopher Gerisch, Kay Siering
InszenierungenMira Thiel
KameraOliver Gurr, Jürgen Heck, Jürgen Staiger
TonPascal Chavel, Jens Grumpelt, Yannick Schmeil
SchnittHauke Ketelsen
GrafikRichard Sako, Sebastian Stuertz
SprecherConstantin von Westphalen
ProduktionClaudia Comprix, Cora Szielasko
RedaktionSusanne Hillmann, Renate Marel

Eine Produktion von SPIEGEL TV im Auftrag des ZDF in Zusammenarbeit mit Arte.

© ZDF 2014/2015

Inhalt

"Abenteuer Neuseeland" lässt die Zuschauer eintauchen in die faszinierende Welt Neuseelands. Der Zweiteiler verknüpft aus deutscher Sicht die Geschichte des Inselreichs mit der Gegenwart. Tiefe Regenwälder, riesige Gletscher, fauchende Vulkane, eine zerklüftete Küste: an kaum einem anderen Ort der Welt prallen so viele Landschaftsformen auf so engem Raum aufeinander wie in Neuseeland. Hier konnte sich die Natur lange Zeit ungestört entfalten.

Neuseeland gehört zu den am spätesten von Menschen besiedelten Gegenden des Planeten. Erst im 13. Jahrhundert kamen die Maori aus Polynesien mit Booten auf die Inseln mitten im Südpazifik, die Europäer folgten mehrere hundert Jahre später.

Es waren deutsche Wissenschaftler wie Julius von Haast, die Anfang des 19. Jahrhunderts Neuseeland erforschten. Das "Land der langen weißen Wolke", wie die Maori ihre Heimat nennen, war weitgehend unentdeckt. Voller Leidenschaft bereiste von Haast das Land. Er entdeckte Berge und Flüsse, ausgestorbene Riesenvögel und gründete das erste Museum Neuseelands. Parallel zu den Wissenschaftlern kamen die Glücksjäger. Sie verließen die Enge Europas, um am anderen Ende der Welt ein neues Leben zu beginnen. Männer wie Bendix Hallenstein. Er baute ein Textilimperium auf und wurde sogar zum Bürgermeister von Queenstown ernannt. Bis heute tragen dutzende Filialen in Neuseeland seinen Namen.

Das Inselreich im Südpazifik ist auch heute ein Traumziel vieler Europäer. Lange Sandstrände, sanfte Hügelketten und zerklüftete Vulkane dominieren die Nord-Insel. Die Süd-Insel hingegen wird geprägt von den Neuseeländischen Alpen, einem mächtigen Gebirgszug, von dem aus sich riesige Gletscher bis ins Tal schieben. Dort treffen sie auf dichte, gemäßigte Regenwälder. Diese vielfältige Natur sucht weltweit ihresgleichen und begeistert auch moderne Wissenschaftler und Glücksritter aus Deutschland. Viele haben Neuseeland zu ihrer neuen Heimat gemacht. Die Zuschauer erleben Walforscher bei ihrer Arbeit vor der Küste, sehen Goldsucher im eiskalten Wasser der Flüsse arbeiten, lernen die Arbeit von Schafszüchtern kennen und bekommen spannende Einblicke in die Arbeit von Geologen und Naturschützern.

Über einen Zeitraum von mehreren Monaten reisten die Autoren Christopher Gerisch und Kay Siering immer wieder nach Neuseeland. Insgesamt verbrachten sie mit ihren Kamerateams zehn Wochen am anderen Ende der Welt. Dabei stellten die unterschiedlichen Naturräume die Crew immer wieder vor große Herausforderungen. Das Filmteam campierte tagelang an einem abgelegenen Goldgräber-Fluss, kletterte im Dauerregen über die Eismassen der neuseeländischen Gletscher und kämpfte sich mit einem Segelboot durch den Sturm in der Bay of Islands.

In der Tradition der Programme "Abenteuer Sibirien" und "Abenteuer Alaska" liefert der Zweiteiler einen umfassenden Überblick über Neuseeland: faktenreich und spannend, erzählt mit schönsten Bildern.

Die modernen Glücksritter in Folge 1

Regina Bernbeck - Farmerin

Eine Autopanne führte dazu, dass die Industrie-Kauffrau Regina Bernbeck inzwischen in Neuseeland lebt. Ihre neue Heimat ist eine der letzten familiengeführten Farmen Neuseelands, die "Mount Nicholas Station": Die 40 000 Hektar große Farm mit 3000 Rindern und insgesamt 30 000 Merino-Schafen liegt am Fuß der Südalpen, am Rand des Lake Wakatipu, drei Autostunden von Queenstown entfernt.

Regina Bernbeck stammt aus der Nähe von Freising. 2010 reiste sie nach Australien, lernte durch eine Autopanne Dave Butson von der Mt. Nicholas Station kennen. Die beiden wurden ein Paar. Regina flog zurück nach Deutschland, kündigte ihren Job und zog mit Dave nach Neuseeland. Seit diesem Tag führt die Bayerin ein glückliches, neuseeländisches Landleben. Regina, die vorher nicht viel mit Pferden, Schafen und dem Farmleben anfangen konnte, ist mit ihren Hütehunden zu einem festen Bestandteil des Farmlebens geworden. Insgesamt leben zwölf Menschen auf der Farm. Bei den Schafen gibt es immer etwas zu tun: zusammentreiben, impfen, scheren. Regina Bernbeck führt neben ihren Einsätzen bei den Schafen auch Touristen in die Berge. Wanderer können auch bei ihrem Lebensgefährten einen Helikopter-Flug in die Highlands buchen. Rund 9000 Deutsche leben derzeit in Neuseeland – und fast alle sagen, dasselbe wie Regina: "Ich bin hier bei mir selbst angekommen."

 

Bernd Sommer und Andy Uhl - Die Kajak-Freunde

Der entspannte Bernd Sommer hat in nahezu jeder Disziplin des Kayaking extrem viel Erfahrung, besonders aber im Wildwasser-Kayaking. Als deutscher Champion im Rodeo Back Kayaking und neuseeländerischer Champion in Outrigging ist Bernd Sommer mit seinem Kayak um rund die Welt gereist. In Neuseeland hat er sich in Okere Falls auf der Nordinsel niedergelassen. Er ist nicht nur ein begehrter Kayak-Tour-Guide, extremer Wildwasserpaddler und Instruktor in der Szene, sondern auch als Kanu-, Paddelbauer und Designer bekannt. Seine gründliche Ausbildung im Tischlerhandwerk und seine jahrelange Erfahrung haben ihm den Blick und das Gefühl für die Herstellung des perfekten Holzpaddels gegeben. Kein Wunder, dass seine neueste Leidenschaft Stand-Up-Paddling ist.

Sein Kayak-Freund Andy Uhl lebt ganz in der Nähe, in Rotorua. Auch der Biologe aus dem Allgäu ist ein erfahrener und exzellenter Extrem-Wildwasser-Paddler. In Neuseeland lebt er seit 1992. Zunächst arbeitete er vier Jahre an der Universität von Waikato als Biologe bzw. Biochemiker. Dann entschied er sich für ein neues, nicht akademisches Leben. Machte sich selbstständig, entdeckte seine Leidenschaft für das Kayaking und handelt seitdem auch mit Ausrüstungen für diesen Sport. Außerdem importiert er deutsches Bier für seinen Laden mit Biergarten in Okere Falls - seiner Meinung nach der schönste Platz in ganz Neuseeland. Bernd und Andy teilen dieselbe Leidenschaft. Andy sagt augenzwinkernd: "Mein Kumpel Bernd ist ein netter Typ, er ist wirklich extrem gut im Wildwasserfahren und hat sehr viel Erfahrung - aber beim Wasserfallstürzen bin ich besser."

 

Daniel Gerber und Johnny Reichelt  - Die Goldsucher

Nach dem Verkauf seiner Schweizer Firma im Jahr 2005, ist Daniel Gerber nach Neuseeland ausgewandert. Durch seine ausgedehnten Reisen und eine langjährige Reiseleitererfahrung in Nordamerika, Sibirien und Neuseeland weiß er, dass die Natur Respekt erfordert. Mit seinem Freund Johnny Reichelt, der in Deutschland Bergbau studiert hat, unternimmt er immer wieder Expeditionen in die neuseeländische Bergwelt. Die modernen Glücksritter gehen dabei völlig anders vor, als ihre Vorläufer zu Zeiten des Goldrausches um 1861. Die beiden lassen sich mit dem Helikopter an den Oberlauf des Shotover Rivers fliegen. 14 Tage lang übernachten sie in Zelten am Polnoon Burn. Ihr Claim liegt direkt gegenüber eines über 200 Meter langen Tunnels, den Goldsucher vor 150 Jahren von Hand in den Berg gehauen haben. Sie wollten so den unteren Teil des Polnoon Burn trocken legen, um leichter an das Edelmetall zu kommen. Das gelang ihnen aber mangels technischer Möglichkeiten nur teilweise. Deshalb lohnt es sich für Daniel und Johnny hier erneut nach Gold zu suchen. Allerdings besitzen sie ganz andere Mittel. Täglich saugen sie stundenlang mit aufwendiger Gerätschaft den Grund des Flusses nach. Ein Knochenjob: das Wasser hat maximal acht Grad, trotz Neoprenanzug ist es kalt. Aber der Aufwand lohnt sich, denn sie finden tatsächlich Nuggets.

Der historische Glücksritter in Folge 1

Bendix Hallenstein - Textilfabrikant

Geboren wird er am 24. Januar 1835 im Herzogtum Braunschweig. Nach einem Aufenthalt in England, siedelt Bendix Hallenstein mit seinen beiden Brüdern nach Australien über. 1861 heiratet er Mary Mountain. In Neuseeland beginnt zur selben Zeit der Goldrausch. In einem Jahr finden die Schürfer rund 13 000 Kilogramm Gold in den Bergen der Provinz Otago. Die Bevölkerung in der Region verdoppelt sich, Tausende suchen ihr Glück. 1863 bringt ein Schiff aus Australien auch vier Deutsche auf die Insel der Glücksritter: Bendix Hallenstein mit Frau und Tochter und seinen Bruder Isaac. In Australien betrieben sie zusammen mit dem älteren Bruder Michaelis ein Kaufhaus. Doch die Geschäfte warfen nicht genug für alle ab. In Neuseeland wollen die beiden jüngeren Hallenstein-Brüder ein neues Geschäft aufbauen und die wirtschaftlich günstige Zeit des Goldrausches ausnutzen. Doch für Bendix Hallenstein läuft es in Neuseeland zunächst nicht gut. Sich in dem ärmlichen Pionierstädtchen Invercargill nieder zulassen, erweist sich als großer Fehler. Der viele Regen ist deprimierend und in Invercargill gibt es bereits zu viele andere Händler und Kaufleute. Der neue Laden von Hallenstein wirft wenig ab.

Aber ein Hallenstein gibt niemals auf. Diese Einstellung führt dazu, dass Bendix Hallenstein mit seiner Familie 1864 nach Queenstown zieht. Dort beginnt er ein Geschäft mit Lebensmitteln, Alkoholika, Tuch und Eisenwaren. Die erst vor einem Jahr gegründete Stadt hat schon respektable 10 000 Einwohner: Sie liegt nahe den Goldfeldern und boomt. Aber Queenstown leidet unter einer miserablen Grundversorgung. Das ist die Chance für Bendix Hallenstein. Er nutzte sie gründlich. Queenstown wird zehn Jahre lang Heimat der Hallensteins.

Bereits in den frühen 1870ern ist Bendix Hallenstein als talentierter Geschäftsmann und Investor im weiten Umkreis bekannt. Er ist kein Mann, der das Risiko suchte, sondern das gute Geschäft. Schon bald besitzt er mehrere Filialen, die über ein breites Warenangebot verfügen. Leder wird vom Familienunternehmen in Australien geliefert, ebenso die Kleidung. Vielleicht hat die Idee, Filialen mit Produkten eigener Unternehmen zu bestücken, zum Engagement Hallensteins in der Bekleidungsindustrie geführt. Fest steht, dass es Probleme gibt, gute Männerkleidung für seine Läden zu bekommen. Deshalb gründet Bendix Hallenstein 1873 die "New Zealand Clothing Factory", die erste ihrer Art in Neuseeland. Die Kleiderfabrik ist ein Gemeinschaftsprojekt der drei Hallenstein-Brüder, Isaac, Michaelis und Bendix. Hallenstein baut stets auf die Loyalität seiner Verwandten und misstraute Fremden.

1865 wird Hallenstein britischer Staatsbürger. Sein Engagement in der Politik ist bemerkenswert. Er ist von 1869-1872 Bürgermeister von Queenstown, der zweite in der jungen Geschichte der Stadt. Hallensteins Bürgermeisterzeit ist durchaus erfolgreich – auch wenn er sie nicht zuletzt auch als eine Art von Geschäft verstand. Immerhin verdankt ihm die Stadt die bekannten Queenstown Gardens, heute ein Touristenmagnet.

Hallenstein verkörpert den Aufstiegswillen des erfolgreichen Pioniers: nach oben kommen und dort bleiben. Er wird Mitglied des Provinzialrats von Otago (1872-1875) und der erste eingebürgerte Immigrant, der dem Repräsentantenhaus Neuseelands angehört (1872-1873).

Eine zeitlang führt Hallenstein das unbeschwerte Leben eines Großgrundbesitzers. Aber Rastlosigkeit prägt seine Persönlichkeit und sich auf andere zu verlassen, behagt ihm nicht. Queenstown verliert zunehmend an Bedeutung, die Glücksritter wandern ab, auf der Suche nach ergiebigeren Goldfeldern. Das neue ökonomische Schwergewicht ist Dunedin, die Hauptstadt der Provinz Otago. Hallenstein wird dort aktiv.

In Otagos Gold-Kapitale lässt er Kleidung in eigener Herstellung produzieren. Seine brilliante Idee: seine Geschäfte mit möglichst eigener und nicht importierter Ware zu bestücken. Bisher müssen sich die Neuseeländer mit dem kleiden müssen, was die unzuverlässig eintreffenden Schiffe aus Übersee hergeben. Oft war die Ware von schlechter Qualität und unmodisch. Das Wachstum der Bevölkerung und die steigenden Ansprüche verschärfen die Lage zusätzlich. Die Hallensteinische Fabrik könnte diese Probleme mit einem Schlag zu lösen. Doch Hallenstein hat die Geschäftsführung unerfahrenen Männern überlassen. Das hat schlimme Folgen: Der Absatz schrumpft, die Finanzreserven sind schnell aufgebraucht. Die Fabrik Hallensteins wurde auf einen sehr schnell wachsenden Absatzmarkt hin konzipiert: Leistungsstark, aber unflexibel. Unterm Strich erweist sich das Geschäft mit der Kleiderproduktion als unrentabel, die laufenden Kosten der Fabrik sind zu hoch.

Inzwischen hat ein Überangebot an importierter, billiger Kleidung zu einem ruinösen Preisverfall geführt. Eine Entwicklung, die für Hallensteins Vertriebssystem fatal ist. Seine Handelsreisenden sind sechs bis sieben Monate im Jahr im noch unwegsamen und wilden Land unterwegs. Sie müssen irgendwo im Outback Ladenbesitzern Ware verkaufen. Nun verschlingen die hohen Reisekosten einen großen Teil der Einkünfte. Wieder einmal beschließt Hallenstein einen Strategiewechsel und setzt auf den Textileinzelhandel und schafft die Handelsreisenden ab.

Sein Bruder Michaelis kritisiert immer wieder Bendix riskante Expansionsstrategie. Firmenintern herrschen zum Teil chaotische Verhältnisse. Buchhaltung und Abrechnungssystem sind noch bis weit in die 1880er völlig unterentwickelt. Sitzungsprotokolle gibt es keine. Bendix Hallenstein ist ein Firmeneigentümer vom alten Schlag. Die Firma ist er. Hallenstein hofft, dass sich die Verkaufszahlen bald verbessern. Er baut ein Lager für die nicht verkauften Waren. Doch damit ist Hallensteins finanzieller Spielraum ausgereizt. Ab 1875 berät sich Bendix intensiv mit seinen Brüdern, besonders mit Isaac. Bendix hofft zunächst, ein paar gute Monate würden die übervollen Lager schon leeren. Doch die Ware stapelt sich bis zur Decke. Noch einmal braucht es eine komplett neue Geschäftsstrategie. Die Hallensteinbrüder halten Familienrat und  beschließen den Verkauf seiner Fabrik. Der nächste Befreiungsschlag erfolgt Anfang 1876: Hallenstein mietet Verkaufsräume im Zentrum von Dunedin und verkauft Kleidung, Einzelwaren zu Großhandelspreisen. Und die Kunden müssen bar bezahlen. Das erweist sich dank guter Qualität seiner Produkte als erfolgreiches Konzept. Bis 1900 steigert sich die Zahl der Hallenstein-Filialen auf 36. Seine alte Fabrik in Dunedin, die er gemietet hat, stößt in jener Zeit wöchentlich 2500 Kleidungsstücke aus. Sie steht heute noch.

Beim Unternehmer Hallenstein gibt es keinen Stillstand: Bei einem Englandbesuch Jahre zuvor hat Hallenstein etliche Fabriken besucht, sich die neueste Manufakturtechnik angeschaut. Er will in Neuseeland etwas Einmaliges schaffen, einen Meilenstein. 1883 eröffnete Hallenstein stolz sein neues Fabrikgebäude an der Dowling Street. 300 Näherinnen arbeiten hier. Weite Strecken der Produktion sind Handarbeit. Aber ein brandneuer Otto-Motor liefert bereits Energie für 80 Nähmaschinen, die jeweils 2000 Stiche in der Minute setzen. Das Gebäude der New Zealand Clothing Factory in der Dowling Street ist ein Musterbeispiel eines sozial verantwortlichen Unternehmertums. Die Obergeschosse werden von zwei großen Oberlichtern erhellt. Täglich um ein Uhr gibt es Tee für alle kostenlos. Während der "Teatime" werden die Oberlichter geöffnet, damit der Staubgehalt der Luft sinken kann. Damit nicht genug: Schon 1880 gründet Bendix einen Sozialfond, der im Krankheitsfall die Medizin bezahlt – eine in jenen Jahren absolute Ausnahme unter den Unternehmern. Für Hallenstein zu arbeiten, erscheint vielen Textilarbeitern wie der Himmel auf Erden. Die zumeist weiblichen Näherinnen arbeiten sonst oft unter unsäglichen Bedingungen oder nähen in Heimarbeit für einen Hungerlohn. Auch Kinderarbeit breitet sich aus. Hallenstein beteiligt sich nicht am auch unternehmerisch ruinösen Lohndumping. Er unterstützt damals sogar den Gewerkschaftsgedanken – ein rotes Tuch für die meisten Unternehmer damals. 1889 setzt sich Hallenstein für die Gründung der Textilarbeiterinnengewerkschaft ein.

Und er lässt keine Gelegenheit aus, die Konkurrenz anzuprangern, die mit billiger britischer Importware die Märkte zu beherrschen sucht. Bendix Hallenstein spricht geschickt den Stolz der Neuseeländer an - auf ihre vom Mutterland Großbritannien unabhängig werdende Wirtschaft. Bendix Hallenstein ist einer der erfolgreichsten und innovativsten Unternehmer Neuseelands im 19. Jahrhundert. 

Am 6. Januar 1905 stirbt Hallenstein – wohl an den Folgen eines Schlaganfalls. Sein Grabmal in Form eines Obelisken auf dem jüdischen Friedhof Dunedins steht noch heute.

 

Biografie Bendix Hallenstein

Louise K. Vickerman: A Colonial Capitalist: Bendix Hallenstein 1835-1905, Dissertation, University Otago 1981

Louise Shaw: Hallenstein Brothers and Company 1876-1906. The Early Years of Mass Retailing in New Zealand, Diplomarbeit, University of Otago 1994

Roger Paulin: Bendix Hallenstein, in: James N. Bade (Hg.): Eine Welt für sich. Deutschsprachige Siedler und Reisende in Neuseeland im 19. Jahrhundert, Bremen 1998

Leonard Bell, Diana Morrow: Jewish Lives in New Zealand. A History. Auckland 2012

Ian Hunter: The Age of Enterprise: Rediscovering the New Zealand Entrepreneur, Auckland 2007

Gordon Parry: Hallenstein, Bendix, in: The Dictionary of New Zealand Biography. Te Ara - the Encyclopedia of New Zealand, Update: 8. Oktober 2013, www.teara.govt.nz/en/biographies/2h6/hallenstein-bendix

Die modernen Wissenschaftler in Folge 2

Uwe Kaulfuß - Geologe  und Paläontologe

Dr. Uwe Kaulfuß lehrt und forscht zeitweise an der Otago-Universität in Dunedin, Neuseeland. Immer wieder unternimmt er Exkursionen ins Gelände, vorwiegend in die Gegend von Otago. Besonders interessiert ist der Geologe und Paläontologe an Fossilien, die etwas über die Entstehung des Inselreiches erzählen. Die Ausgrabungsstelle Foulden Maar ist einzigartig für Neuseeland und die ganze Südhalbkugel. Die trichterförmige Mulde vulkanischen Ursprungs war einst ein hochexplosiver Vulkan. Von den 23 Millionen Jahre alten Vulkanen ist heute bis auf ein paar Vulkankegel und einen abgelegenen Vulkankrater nicht mehr viel zu erkennen. Seit 2003 wurden hier mehrere tausend hervorragend erhaltene Fossilien gefunden: Pflanzen und Tiere, die in oder um den See lebten. Die Flora umfasst Farne, Blätter, Blüten mit Pollen, Früchte, Samen und Holz. Die wissenschaftlichen Daten weisen auf einen vielfältigen Lorbeer- Regenwald hin, der auf dem vulkanischen Boden rund um den See wuchs. Auch Insekten und Spinnen waren ein wichtiger Bestandteil des Waldes. Im See lebten Fische, Kieselalgen, Schwämme und Wasserpflanzen. Uwe Kaulfuß und sein Team haben in Neuseeland die Chance, ein uraltes Wald-Ökosystem zu rekonstruieren.

 

Ingrid Hutzler - Naturschutzbiologin

Ingrid Hutzler ist am Bodensee aufgewachsenen und vor 23 Jahren ausgewandert. Ihre neue Heimat ist die Südinsel Neuseelands. Ingrid Hutzler ist Naturschutzbiologin, sie hat ihr Studium an der Massey University in Neuseeland absolviert. Die unkomplizierte und sympathische Ingrid kümmert sich um bedrohte Vögel und Pflanzen Neuseelands. In Teilzeit arbeitet Ingrid als Executive Officer bei der "Ornithological Society of New Zealand" und ist als freie Mitarbeiterin beim "Department of Conservation" mit Projekten beschäftigt, die zum Erhalt endemischer Arten Neuseelands beitragen. Zu ihren Arbeiten gehört das Fangen und Beringen von Austernfischern, die in der Tasman Bay leben. Ingrid Hutzler arbeitet an einem Master-Projekt über die Neuseeländischen Austernfischer. Ingrid will die Bewegungen dieser Vögel in Relation zu ihrem Futterverhalten mit Einsatz von GPS-Sendern erforschen. Ein weiterer Punkt ihrer Forschung sind die Pfuhlschnepfen. Die erstaunlichen kleinen Vögel fliegen zur Brut 27 000 Kilometer von Neuseeland nach Alaska und wieder zurück. Das ist Vogelflug-Langstrecken-Rekord.

 

Jochen 'John' Zaeschmar - Segler, Meeresbiologe, Walforscher

Der gebürtige Ostfriese Jochen Zaeschmar wurde nach seinem BWL-Grundstudium Umweltaktivist und arbeitete zunächst als Ranger in England. Während eines Urlaubs 1997 in Neuseeland verliebte er sich und ist seitdem geblieben. Jochen kaufte sich ein Boot und begann ein paar Jahre später Segeltörns für Touristen anzubieten, die die unberührte Natur Neuseelands erleben möchten. Er geht mit Touristen schnorcheln, angeln, wandern und begleitet auch Kayak-Touren. Sein größtes Interesse gilt allerdings schon immer den Walen. Auf seinen Touren sammelte er über viele Jahre hinweg Daten über die Meeressäuger und ist in zwei Walstrandungsgruppen aktiv. Er leitet praktische Lehrgänge zur Rettung von gestrandeten Meeressäugern. 2010 begann er einen Masterstudiengang in "Conservation Biologie" an der Massey University in Auckland. Schon lange interessiert er sich ganz besonders für den Kleinen Schwertwal. Er hat schon einiges über diese Art herausgefunden. Seine Fotos und Filmaufnahmen beweisen, dass Kleine Schwertwale gemeinsam mit Delfinen jagen. Ein Verhalten, dass bisher als unmöglich galt. Durch seine Forschung gilt er inzwischen weltweit als einer der drei Spezialisten auf diesem Gebiet.

Der historische Wissenschaftler in Folge 2

Julius von Haast- Naturforscher

Keiner erforscht so hartnäckig und so begeistert die verborgenen Schätze Neuseelands wie Julius von Haast. Er ist der "Man of Moa", der Entdecker des ausgestorbenen Riesenvogels Moa. Der mutige und ausdauernde Haast ist nicht nur ein Experte in Geologie, sondern auch eine führende Gestalt in der noch jungen akademischen Welt Neuseelands. Seine Schriften über die Geologie und Landschaften sind exakt und detailliert. Dabei entstehen seine Reiseberichte teilweise unter schwierigsten Bedingungen: auf eisigen Berggipfeln, im Buschland oder in der triefenden Nässe der Westküstenwälder. Durch ihre lebhafte Darstellung schildern sie sehr treffend die Großartigkeit der Natur Neuseelands. Der Ausnahmeforscher Haast war von dieser Doppelinsel am anderen Ende der Welt begeistert, erkundete das Land mit allen Fasern seiner Sinne und seines Intellekts.

Beauftragt nach Auswanderungsmöglichkeiten für Deutsche zu forschen, betritt Julius von Haast am 21. Dezember 1858 neuseeländischen Boden. Schon kurze Zeit später erkundet Haast mit dem österreichischen Geologen Ferdinand von Hochstetter die Nordinsel. Die Forscher streifen durch eine Welt, in der alles neu ist: Tiere, Pflanzen und die Maori. Ihre Kultur, Sprache und Lebensart üben eine große Faszination auf die Europäer aus.

Ein Jahr später setzen beide zur Südinsel über. In der Provinz Nelson gehen sie Hinweisen auf Gold-, Kohle- und Kupferquellen nach. Was die beiden Forscher in den wenigen Monaten an Wissen zusammentragen, geht jedoch weit über bloße Entdeckung hinaus. Sie studieren Relikte der Moas, das Leben der Kiwis. Riesige Mengen unbekannter Tiere und Pflanzen werden erfasst, Sammlungen von Gesteinen, Mineralien und Fossilien angelegt.

Nach Abreise Hochstetters startet Haast seine erste eigene Expedition. Er will die fast undurchdringlichen Bergwälder von Nelson an der Westküste erkunden. Die Provinzregierung dagegen verlangt, dass Haast Rohstoffquellen findet, Holzvorkommen abschätzt und Wege durch die bergige Wildnis auskundschaftet. Bei ununterbrochenem Starkregen durchquert Haast reißende Wildbäche, kämpft sich durch das Dickicht aus messerscharfen Blättern, lässt sich am Tag von Sandfliegen malträtieren und nachts von Moskitos. Doch nicht zuletzt durch seine mitreißende Art ist diese Expedition ein voller Erfolg: Haast bestätigt die legendären Kohlevorkommen am Grey River, deren vier Meter dicke Ader sich bis an die Erdoberfläche zieht. Ein großer Forscherdrang packt Haast. Lediglich die Küstenregionen sind gut erforscht, weite Teile des unzugänglichen Inlands noch "weiße Flecken".

Mit seinem nächsten Auftrag 1861 macht sich Haast endgültig einen Namen als überaus fähiger Geologe. Er soll die Provinz Canterbury erkunden und nach Mineralien suchen. Und nach Gebirgspässen, damit die Siedler die Neuseeländischen Alpen durchqueren können. Die hohen Berge schieben sich wie eine unüberwindliche Mauer zwischen die flachen Regionen im Osten und die schmale Küstenregion im Westen. Der erste Versuch, einen Tunnel durch das Gebirge zwischen Lyttelton und Christchurch zu treiben, ist gescheitert. Das Gestein ist zu hart. Haast untersuchte die Abfolge von Lavaströmen und alten Kraterwänden. Sein Bericht sorgt dafür, dass der Tunnelbau erfolgreich zu Ende gebracht wird. Endlich erhält er einen Titel: Er wird zum Provinzial-Geologen von Canterbury ernannt und nimmt die britische Staatsbürgerschaft an.

Seine nächste Expedition führt ins Zentrum der Südalpen zur Quellregion des Waitaki. Danach erkundete er die Gletschergebiete des Distrikts Tasman. Binnen vier Monate benannte er zahlreiche, teilweise von ihm bestiegene Hauptgipfel, Gletscher und Flüsse. Erkundungstour folgte nun auf Erkundungstour.

Anfang 1862 beginnt die Expedition in die Region des Mount Cook. Die Suche nach Goldadern bleibt erfolglos. Im Dezember folgt die Makarore-Expedition. Haast gelingt unter großen Strapazen der Durchbruch zur Westküste. Mit schwelgerischen Worten voller Naturromantik beschreibt Haast einige Monate später in seinem Bericht an die Provinzialregierung die Naturschönheiten, die er entdeckt hat. Doch einigen Politikern reicht das nicht. Sie wollen praktische Ergebnisse: Goldadern und andere Bodenschätze. Sie zweifeln, ob der Deutsche sein Geld wert ist, ob er seinen Beitrag zur Entwicklung Neuseelands wirklich leistet. Es ist für Haast eine schmerzliche Erfahrung, dass auch in Neuseeland die reine Wissenschaft bei weitem nicht von allen als eine lohnende Investition angesehen wird.

Wohl auch wegen des politischen Drucks macht sich Haast noch im Jahr 1862 erneut auf. Diesmal in die südlichen Regionen Canterburys an der Grenze zu Otago. Er will herausfinden, ob sich die Goldadern vielleicht bis Canterbury ziehen. Außerdem haben ihn Maori von einem Pass hinter dem Wanaka-See erzählt, über den man die Westküste erreichen könne. So ein Pass wäre ein gewaltiger Schritt vorwärts zur Erschließung des Landes.

Überraschend stellt sich heraus, dass es relativ einfach ist, den Makarore bis zu seiner Quelle zu folgen. Nur 40 Kilometer den Fluss hinauf, bis sie zu einer Stelle kommen, in der das Wasser auf einmal nach Norden fließt: Die Wasserscheide ist erreicht. Der Pass liegt nur 220 Meter über dem Wanaka-See, umgeben von Gletscherregionen. Der Pass trägt heute den Namen "Haast Pass".

1865 bricht der Forscher erneut in die Alpen Neuseelands auf. Sein Auftrag: die neu entdeckten Goldfelder im Westland zu untersuchen. Haasts Forschergroßtat besteht diesmal darin, einen riesigen Gletscher zu erkunden. Damals ist er noch drei Kilometer länger und reicht fast auf Meeresniveau herunter. Haast benennt den Eisriesen nach dem Monarchen Österreichs "Franz-Joseph-Gletscher".

1866 schließlich macht Haast sensationelle Funde: Er gräbt Knochen des Moa und des harpagornis moorei, eines Riesenadlers, aus, der später nach ihm "Haast-Adler" geannt wird. Daraufhin wird er "Fellow" der Royal Society und 1869 Direktor des Canterbury Museum. In den folgenden Jahren engagiert er sich hauptsächlich für den wissenschaftlichen Nachwuchs, begibt sich nur noch auf kleine Expeditionen.

Die 1880er halten für Haast noch zwei Höhepunkte bereit: Adelstitel und wissenschaftlicher Ritterschlag. 1885 wird er zum Kommissionsmitglied ernannt, für Neuseelands Beitrag zur "Colonial and Indian Exhibition" in London. Der Aufenthalt in Europa 1886 wird ein großer Erfolg. Aus "Haast" wird "von Haast": Der österreichische Kaiser erhebt ihn in den Adelstand. In Großbritannien erhält er die Ehrendoktorwürde der Universität Cambridge. Nach Rückkehr von seiner Europareise stirbt Haast überraschend am 16. August 1885. Zu seiner Beerdigung kommen mehr als 1000 Menschen, darunter höchste Vertreter der Regierung.

Der deutsche Forscher hat nicht nur viele geologische Reichtümer Neuseelands entdeckt, sondern den Menschen vor allem die Augen für den weitaus kostbareren Schatz - ihre grandiose Naturlandschaften - geöffnet.

 

Bibliografie  Julius von Haast:

Heinrich Ferdinand von Haast: The Live and Times of Sir Julius von Haast, Wellington 1948

Mark Edward Caudel, Julius Haast: Towards a New Appreciation of His Life and Work, Masterarbeit, University of Canterbury 2007

Mike Johnson, Sascha Nolden: Travels of Hochstetter and Haast in New Zealand, Nelson 2011

Rodney Fisher: Sir Julius von Haast, in: James N. Bade (Hg.): Eine Welt für sich. Deutschsprachige Siedler und Reisende in Neuseeland im 19. Jahrhundert, Bremen 1998

"Vier Jahreszeiten an einem Tag" - Drehbericht von Christopher Gerisch und Kay Siering

Dass Neuseeland alles auf den Kopf stellen würde, hatten wir zwar geahnt. Doch wie sich das anfühlt, wird uns erst bei der Landung in Auckland bewusst: es herrscht Hochsommer, bei uns ist tiefer Winter, wir haben Ende Januar. Zu Hause ist es 11 Uhr morgens, in Neuseeland 23 Uhr abends. Kurz: Neuseeland bringt den Bio-Rhythmus gewaltig durcheinander.

Das Inselreich liegt mitten im Pazifik, 12 Zeitzonen entfernt. Kein anderer Ort des Planeten ist weiter von Deutschland entfernt. Um auf dieses Archipel der Sehnsucht zu gelangen, muss man 24 Stunden nonstop fliegen.

Insgesamt zehn Wochen verbringen wir am anderen Ende der Welt – aufgeteilt in drei Reisen zu verschiedenen Jahreszeiten. Nur so können wir die ganze Vielfalt der Natur einfangen. Mitten in den Bergen von Otago, einer Landschaft in der viele Szenen von "Herr der Ringe" gedreht wurden, verbringen wir drei Tage und Nächte mit zwei Goldsuchern aus Europa. Ein Helikopter setzt uns ab – inmitten einer atemberaubenden Natur, fernab jeglicher Zivilisation. Da stehen wir nun mit unseren neun Kisten Gepäck und beginnen erstmal unsere Zelte aufzubauen.  

Die geliehene Campingausrüstung hat schon so manches Abenteuer hinter sich und die Schlafsäcke verdienen ihren Namen nicht. "Was soll's", denken wir, es ist schließlich Sommer in Neuseeland. Nach der ersten Nacht wissen wir, was das bedeuten kann: urplötzlich ist das Wetter umgeschlagen, es hat gefroren. Zitternd und mit Krämpfen in den Beinen kriechen wir aus den Zelten. Auf den umliegenden Berggipfeln liegt auf einmal Schnee. Unsere Goldsucher erwecken uns mit heißem Kaffee wieder zum Leben, um sich dann genussvoll über unsere Ausrüstung lustig zu machen. Und dann erklären sie uns, auf was jeder Neuseeland-Reisende gut vorbereitet sein sollte: In dem Paradies im Pazifik gilt die Redewendung: "Wir haben hier vier Jahreszeiten an einem Tag." Das sollte sich im Verlauf unseres Drehs noch mehrfach bewahrheiten.

In der Bay of Islands segeln wir drei Tage lang mit Walforscher Jochen Zaeschmar durch die Weite der Meere. Geschlafen wird in winzige Kojen, riesige Wellen machen den Dreh recht ungemütlich. Doch am Ende reißt der Himmel auf und belohnt uns mit einem einzigartigen Panorama - und einem Schwarm Delphine, die Gefallen an unserer Yacht finden. Zum Abendessen gibt es frische Muscheln, die wir beim Schnorcheln vom Felsen ernten. Es könnte schlimmer kommen.

Dass man sich selbst in einem zivilisierten Land wie Neuseeland plötzlich sehr allein fühlen kann, erkennen wir auf dem Weg zu der deutschen Farmerin Regina Bernbeck. Drei Stunden lang fahren wir mit unserem Offroad-Fahrzeug durch die unbewohnten Ebenen südlich des Lake Wakatipu. Das Handy findet hier schon lange kein Netz mehr. Nachdem wir den dritten Flusslauf durchquert haben, reißt uns ein ohrenbetäubender Knall aus der Monotonie. Der rechte Vorderreifen ist geplatzt. Alte Baumstämme und Steine müssen als Unterstützung für den zu kleinen Wagenheber herhalten. Drei Stunden später sitzt das Notrad - die Fahrt kann weitergehen.  

Kurz nach Einbruch der Dunkelheit erreichen wir endlich unser Ziel.  Auf der Farm werden wir schon sehnsüchtig erwartet, man hatte sich schon Sorgen um uns Städter gemacht. Und dann erfahren wir, dass alle Autos der Farmer aus gutem Grund mit Spezialreifen ausgerüstet sind.

Der Milford Sound: Ikone Neuseelands - und ein absolutes Muss unserer Drehreise. Hatten wir schon über das Wetter gesprochen? Hatten wir. Der Milford Sound mit seinen einzigartigen Bergen, die sich über 2000 Meter hoch direkt aus dem Wasser erheben, gehört zu einer der regenreichsten Regionen der Erde. Auch wir sitzen im Regen. Wir sehen nichts, gar nichts. Dafür laufen in unserem Backpacker-Hostel kleine Werbefilmchen, die eindrucksvoll zeigen, wie es aussehen könnte. Um uns herum junge Menschen aus aller Herren Länder, die sich auf ihren Laptops die schönsten Neuseelandbilder zeigen. Wir sind neidisch und legen uns schlafen. Am anderen Morgen regnet es noch immer. Wir hängen in einem Café ab und warten. Das Wetter soll besser werden, heißt es. Mittags regnet es noch immer. Wir haben noch kein einziges Bild gemacht. Aber das Wetter soll besser werden. Wir nehmen noch ein Kaffee und können es Minuten später kaum glauben. Der Himmel reißt plötzlich auf, die Sonne sendet erste Strahlen und die Berge schälen sich aus dem tristen Grau. Eine fantastische Naturkulisse tut sich vor unseren Augen auf und liefert wunderschöne Bilder. So schön, dass wir sie später sogar als Titelbild für unseren Film nehmen können.

Wie unberechenbar das Wetter an der Westküste ist, wird uns am Fox-Gletscher bewusst. Zwei Tage lang hängen tiefe Wolken und Nebel über dem Küstenstreifen. Das Objekt unserer Begierde, der imposante Fox-Gletscher, ist komplett verhangen. Unerreichbar. Doch am Tag unserer Abreise entdeckt der Helikopterpilot eine winzig kleine Lücke in den Wolken. "Schnell, es geht los!" heißt es plötzlich. Zehn Minuten später fliegen wir mit dem Hubschrauber durch eben dieses Wolkenloch - und werden für das lange Warten mehr als belohnt. Der Fox-Gletscher strahlt vor blauem Himmel und bietet ein eindrucksvolles Panorama.

Neuseeland hat es uns wettertechnisch wahrlich nicht leicht gemacht, hat uns aber mit sagenhaften Bildern und tollen Geschichten tief beeindruckt. Genauso wie die Menschen, die es einfach drauf haben immer freundlich und locker zu bleiben. Ganz egal wie das Wetter gerade ist.

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