Terra Xpress: Kostbar und zunehmend gesucht - Sauberes Wasser

Themenschwerpunkt mit Lena Ganschow

Seit rund neun Jahren präsentiert das ZDF-Wissensmagazin "Terra Xpress" jeden Sonntag Erlebnisse und relevante Ereignisse, die die Zuschauer staunen lassen. In dem Themenschwerpunkt "Kostbar und zunehmend gesucht: Sauberes Wasser" nimmt Moderatorin Lena Ganschow die Zuschauer mit auf eine Spurensuche: Ist unsere Wasserversorgung gesichert und wie belastet ist das Grundwasser?

  • ZDF, Sonntag, 6. September 2020, 18.25 Uhr

Texte

Sendedatum, Stab, Inhalt

Sonntag, 6. September 2020, 18.25 Uhr

Terra Xpress: Kostbar und zunehmend gesucht: Sauberes Wasser

Themenschwerpunkt

Moderation: Lena Ganschow
Produktionsfirma: ZDF digital Medienproduktion
Autor: Christoph Warneck/ZDF digital Medienproduktion
Producerin: Valerie Henschel/ZDF digital Medienproduktion
Regie: Carsten Gutschmidt
Mitarbeit: Jonas Becker/ZDF digital Medienproduktion
Redaktion: Anne Hartmann, Sabine Kemper
Leitung der Sendung: Klaus Heckenhahn
Länge: ca. 29'

Wie steht es wirklich um die Wasserversorgung, und wie sauber ist das Trinkwasser?

Die Faktenlage ist ernüchternd: Messungen der Satellitenmissionen GRACE und GRACE-FO belegen, dass die Dürresommer 2018 und 2019 in Mitteleuropa zur größten Wasserknappheit seit rund 18 Jahren führten. Die Mission, die gemeinsam von deutschen und amerikanischen Partnern betrieben wird, erfasst die Daten anhand der Bewegungen des Wassers der Erde. Doch an vielen Orten braucht es keine Sicht aus dem Weltall. Immer mehr Folgen der Trockenheit sind zu sehen. Die Ressource Wasser scheint selbst bei uns in Deutschland längst nicht mehr unerschöpflich zu sein. Brunnen trocknen aus. Haushalte und Landwirte müssen sich Wasser selbst beschaffen. Immer neue Schadstoffe landen in den Flüssen. Wasserwerke schlagen Alarm. Ist die Qualität des Wassers in Gefahr?

Die erste Etappe der Spurensuche führt "Terra Xpress" an den Neckar. Eine Gruppe junger Wassersportler will im Neckar eine Surfwelle erzeugen. Viele Menschen sind von der Idee einer künstlichen Wasserwelle begeistert, und die Stadt Stuttgart als Geldgeber ist interessiert. Doch dann droht der Traum vom Flusssurfen zu platzen. Die Behörden genehmigen die Welle nicht, da das Wasser des Neckars nicht den Ansprüchen für Badegewässer entspräche.

Wie der Neckar sind einige Flüsse, Bäche und Oberflächengewässer in Deutschland in einem bedenklichen Zustand. Aber auch das Grundwasser, das wesentlich für die Trinkwasserversorgung ist, zeigt sich zunehmend belastet. Eine große Anzahl von Schadstoffen versickert im Boden. So sind beispielsweise viele Brunnen mit Nitrat belastet. Für die Trinkwasserversorgung können sie deshalb nicht mehr genutzt werden.

Moderatorin Lena Ganschow möchte herausfinden, wie Wasserwerke vor diesem Hintergrund die Trinkwasserqualität erhalten können. Dazu besucht sie Dr. Sebastian Schimmelpfennig von den Berliner Wasserbetrieben. Sie gewinnen das Trinkwasser Berlins zum größten Teil aus versickertem Flusswasser. Eine neue sogenannte vierte Klärstufe soll den Anteil von problematischen Spurenstoffen weiter verringern. Alles rausfiltern könne die teure Technik aber nicht, so Dr. Sebastian Schimmelpfennig.

Tausende Substanzen gehören zu den potenziell umweltrelevanten Spurenstoffen und ständig kommen neue dazu. Viele landen im Abwasser. Laut Dr. Sebastian Schimmelpfennig werden seit Jahren vermehrt hoch wirksame und schlecht abbaubare Arzneimittel und deren Rückstände in den Gewässern festgestellt. Er plädiert dafür, bereits im Herstellungsprozess möglichst auf nicht abbaubare Stoffe zu verzichten. Das Herausfiltern sei teuer und manchmal nicht möglich.

Weiter führt die Spurensuche nach Sachsen. Dort sind rund 27.000 Menschen nicht ans öffentliche Trinkwassernetz angeschlossen. Röthenbach ist eines der sogenannten Brunnendörfer, die sich autark versorgen. In Dürrezeiten wird das zum Problem. In den letzten Sommern gab es wenig Regen und die Brunnen, die meist nur wenige Meter tief sind, trocknen aus. Das Land will deshalb die Wasserversorgung ausbauen und fördern. Aber viele Hausbesitzer können die Restkosten von zum Teil mehreren zehntausend Euro nicht aufbringen.

Beim Besuch im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig erfährt Moderatorin Lena Ganschow, wie sich das Klima in Deutschland verändert. Seit 70 Jahren werten hier die Wissenschaftler Wetterdaten aus. So lange und gehäufte Dürreperioden wie in den letzten Jahren haben die Experten seit Beginn ihrer Messungen noch nicht beobachtet.

Auf einem Testgelände nahe Halle findet das Klimaexperiment der Welt statt. Dr. Martin Schädler simuliert auf 25 künstlich regulierten Parzellen auf insgesamt sieben Hektar, wie sich Klimaveränderungen auf Böden und Pflanzen auswirken. Erkenntnisse, die Politik, Wissenschaft und Landwirtschaft helfen werden, sich für die Zukunft zu rüsten. 

Die letzte Etappe der Suche führt "Terra Xpress" in einen kleinen Ort im Kreis Lippe. In Kalletal gab es in der Vergangenheit große Schäden durch Starkregen und auch dieses Jahr im Juni strömten erneut Wassermengen durch den Ort. Nun will die Gemeinde vorsorgen und Auffangbecken und Barrieren bauen. 

Auch Städte kämpfen mit Überschwemmungen durch starke Regenfälle. Sponge Citys sollen helfen. Auch bei uns interessieren sich immer mehr Städte für das so genannte Schwammprinzip. Dabei sollen die Oberflächen in der Stadt durch mehr Versickerungsflächen, begrünte Fassaden und Dächer für die Aufnahme und Speicherung von Niederschlägen genutzt werden. Das Regenwasser soll nicht mehr über die Kanalisation aus der Stadt fließen, sondern wie in einem Schwamm vom Untergrund der Stadt aufgenommen werden. So würden Überschwemmungen verhindert, und das Grundwasser könne vor Ort gespeichert werden. 

Interview mit Lena Ganschow
"Terra Xpress"-Moderatorin und Wissenschaftsjournalistin       

"Terra Xpress" widmet eine gesamte Sendung dem Thema Wasser. Dazu haben Sie unter anderem Experten vor Ort besucht und befragt. Was hat Sie am meisten erstaunt?

Einer der Wissenschaftler, die ich getroffen habe, erforscht wie sich das prognostizierte Klima der Zukunft auf unsere Böden auswirkt und er hofft geradezu, dass seine Ergebnisse falsch seien. Das wirkt bei mir nach. Genauso wenn ich höre, dass seine Simulationen von der Gegenwart oft schon eingeholt werden, und in den heißen und trockenen Jahren 2018 und 2019 die Erde flächendeckend biologisch so gut wie tot war. Das System aus Tierchen wie Springschwänzen oder Regenwürmern, die dort in der obersten Schicht leben und diese fruchtbar machen, war so gut wie zusammengebrochen und der Boden nutzlos, auch für die Landwirtschaft. Außerdem habe ich erfahren, dass die Dürre, die wir momentan in Deutschland erleben, mit gleich mehreren Ausnahmejahren nacheinander, so extrem ist, wie überhaupt noch nie gemessen. Entsprechend habe ich zahlreiche beunruhigend rot gefärbte Deutschlandkarten präsentiert bekommen. Die Fachleute versicherten mir aber auch, dass das Phasen seien, die vorbeigingen. Dennoch habe ich mitgenommen: Temporär kann es bei uns in Deutschland vielerorts deutlich enger werden mit dem Trinkwasser und für solche Fälle sollte klarer geregelt werden, wer dann darauf zugreifen darf und wer eben - zumindest zeitweise - nicht mehr.

Wo sehen Sie in Deutschland das größte Problem bei der Wasserversorgung?

Die Herausforderungen in Sachen Wasserversorgung sind vielfältig, aber eine wichtige Frage, die wir sicherlich beantworten sollten, ist, wie Wasser in Dürrezeiten verteilt wird. Ob die Landwirtschaft als Nutzer Vorfahrt hat, die Industrie oder Privatleute. Eine andere Sache ist unser Umgang mit Wasser. Es ist zum Beispiel enorm aufwendig bis unmöglich, all die problematischen Stoffe wieder herauszufiltern, die über ganz unterschiedliche Wege im Trinkwasser landen. Besser wäre es sicher, diese Verschmutzung zu verhindern. Hersteller sollten direkt auf bestimmte Inhalte verzichten. Das wäre übrigens nicht nur gut für Umwelt und Gesundheit, sondern auch für unser Portemonnaie. Denn Reinigen kostet. Zum Glück gibt es bereits viele gute Ideen, nachhaltig und vorausschauend mit Wasser umzugehen. Einen Aspekt, den wir in der Sendung genauer betrachten sind sogenannte Schwammstädte. Sie sollen also Regenwasser dort speichern, wo es gebraucht wird, damit es nicht ungenutzt wegfließt.

Wie gehen Sie selbst mit Trinkwasser um?

Ich bin überzeugte Leitungswassertrinkerin. Kistenschleppen spare ich mir und nehme Wasser, was aus dem Hahn kommt. Dies ist ein enormes Privileg und keineswegs selbstverständlich. Dass wir mit dem wenigen Trinkwasser, welches es auf der Erde gibt, sorgsam umgehen müssen, versuche ich meinen Kindern mitzugeben. Sie hat, glaube ich, aber vor allem beeindruckt, dass unser Wasser seit ewigen Zeiten in einem großen Kreislauf läuft, und wir heute letztlich genau dasselbe Wasser trinken wie schon die Dinosaurier.

Machen Sie sich Sorgen ums Wasser?

Ich wünsche mir einfach, dass alle möglichst behutsam damit umgehen. Am Wasser hängt enorm viel, auch an dessen Berechenbarkeit. Wenn auf einmal zu wenig oder zu viel davon vom Himmel fällt, merken wir, was für drastische Auswirkungen dies auf den Obst- und Gemüseanbau in Deutschland hat, oder auf den Warentransport per Schiff und alles, was daran hängt. Wetterextreme wie Dürre oder Starkregen sollen laut Prognosen künftig häufiger vorkommen. Wir brauchen also gute Lösungen, zumal der weltweite Wasserverbrauch heute schon etwa sechsmal so hoch ist, wie noch vor hundert Jahren. Hoffnung machen mir Studienergebnisse, die zeigen, dass der Energiesektor, der in Deutschland aktuell einer der Hauptnutzer von Wasser ist, künftig nur noch halb so viel brauchen könnte, sofern erneuerbare Energien wie geplant ausgebaut werden.

Die Fragen stellte Sabine Kemper.

Über "Terra Xpress"

Seit rund neun Jahren präsentiert das ZDF-Wissensmagazin "Terra Xpress" jeden Sonntag Erlebnisse und Ereignisse, die die Zuschauer staunen lassen. Die Sendung zeigt Menschen in außergewöhnlichen Lebenssituationen, vor allem dann, wenn sie zu Heldinnen und Helden des Alltags werden und besondere Herausforderungen annehmen.

Das "Wissenserlebnis"-Konzept findet bei den Zuschauern Gefallen. Die Quoten und Reichweiten sind über die Jahre stetig gewachsen. Inzwischen erreicht "Terra Xpress" konstant zweistellige Marktanteile und in der Spitze über drei Millionen Zuschauer.

"Terra Xpress" hat sich mit spannenden Beiträgen aus der direkten Erlebniswelt der Menschen mittlerweile zu einem der erfolgreichsten Wissensmagazine in der deutschen Fernsehlandschaft entwickelt.

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