Copyright: ZDF / Konrad Waldmann
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80 Jahre Wannsee-Konferenz: Begleitangebot zum Film "Die Wannseekonferenz"

Den 80. Jahrestag der Wannsee-Konferenz im Januar 2022 markiert das ZDF mit einem Programmschwerpunkt. Im Zentrum steht der Fernsehfilm "Die Wannseekonferenz" am Montag, 24. Januar 2022, 20.15 Uhr. Eine direkt daran anschließende Dokumentation sowie zahlreiche zusätzliche TV- und Online-Angebote dienen der Vertiefung und Ergänzung des Themas. Dokumentation und Online-Begleitung ordnen die Geschehnisse vor und nach der Wannsee-Konferenz historisch ein, zeigen die Folgen der Konferenz und die Auswirkungen auf das Schicksal der Verfolgten des NS-Regimes.

  • ZDF, Ab Montag, 24. Januar 2022
  • ZDF Mediathek, Ab Mittwoch, 19. Januar 2022

    Texte

    Die mörderischste Konferenz der Geschichte
    Von Stefan Brauburger, Leiter der Redaktion Zeitgeschichte

    Der Große Wannsee in Berlin, eine schöne Villa an einem kalten Januartag, Teilnehmer aus verschiedenen Himmelsrichtungen reisen an, zu einer Konferenz mit anschließendem Frühstück, am Ende steht ein Protokoll, das festhält, was bei dem Treffen besprochen wurde. Ein ganz normaler Vorgang, wie es scheint.

    Doch es war die Kulisse der wohl mörderischsten Konferenz in der Geschichte der Menschheit, das Thema: Planungen zur Ermordung von elf Millionen Juden in Europa. Zu jener unfassbaren "Normalität" passt die Zusammensetzung der Runde. Es saßen keine blutrünstigen Nazi-Psychopaten am Tisch. Sie waren gebildet, viele von ihnen promoviert, Familienväter, aus der Mitte der Gesellschaft. Die wenigen "erprobten" Massenmörder aus den Reihen der SS, die mit dabeisaßen, wirkten fast schon wie Außenseiter zwischen den Teilnehmern aus der Verwaltung und den Ministerien. Und doch waren sich alle Akteure in einem Ziel einig: Der planmäßige Massenmord an Millionen von Menschen.

    Von Deutschland gingen während des Zweiten Weltkriegs Tag für Tag Verbrechen gegen die Menschlichkeit aus. Der vom NS-Staat entfesselte Krieg zielte nicht nur auf Raub und Eroberung ab, sondern auch auf die Vernichtung anderer Völker. Millionenfache Morde wurden an Bürgern Polens und der Sowjetunion verübt, an Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern, Hunderttausende Sinti und Roma starben in den NS-Lagern. Und doch wurde die planmäßige Vernichtung der europäischen Juden, die am Ende schließlich sechs Millionen Opfer forderte, zum Synonym für das Unfassbare, was Menschen anderen Menschen zufügen können.

    Im Unterschied zu anderen Genoziden der Geschichte ging es hier um die kategorische Vernichtung einer ganzen Gruppe von Menschen, nicht um irgendeiner politischen oder materiellen Macht willen, sondern infolge eines radikalen hasserfüllten Rassenwahns, der Leben in "wert" und "unwert" teilte. Vor allem aber überschritt geradezu die industrielle Dimension der Tat jede Grenze des bislang Vorstellbaren, auch die bürokratische Systematik, die aufwendige, nahezu reibungslose Logistik, die mechanisierte Durchführung des Verbrechens. Und so ist das Wannsee-Protokoll, das in seinem Zahlenwerk das mörderische Ziel des NS-Staates Zeile um Zeile vor Augen führt, nicht nur ein Schlüsseldokument für die beispiellose Planmäßigkeit des größten Menschheitsverbrechens, sondern auch der Beleg für eine Konferenz, die in der Geschichte der Abgründe der Menschheit ohne Beispiel ist.

    Das Begleitangebot zum Film – ein Überblick

    ZDF

    Mittwoch, 19. und 26. Januar 2022, ab 0.45 Uhr je fünf Folgen
    Krieg und Holocaust - Der deutsche Abgrund (WH)
    Zehnteilige Dokureihe

    Montag, 24. Januar 2022, 6.00 Uhr bis 9.00 Uhr
    ZDF-Morgenmagazin mit "Moma vor Ort" live aus dem Haus der Wannsee-Konferenz
    Moderation: Andreas Wunn
    Redaktion: Andreas Eck

    Montag, 24. Januar 2022, 22.00 Uhr
    ZDFmediathek: ab 19. Januar 2022, fünf Jahre
    "Die Wannseekonferenz. Die Dokumentation" (ca. 45 Minuten)
    Autor: Jörg Müllner
    Redaktion: Stefan Brauburger, Anja Greulich

    Dienstag, 25. Januar 2022, 20.15 Uhr
    ZDFmediathek: ab 19. Januar 2022, für fünf Jahre
    "Ganz normale Männer. Der 'vergessene Holocaust'" (ca. 45 Minuten)
    Autor: Manfred Oldenburg
    Redaktion: Stefan Brauburger, Stefan Mausbach

    Freitag, 28. Januar 2022, 2.00 Uhr

    ZDFmediathek: bis Donnerstag, 27. Januar 2025
    "Ein Tag in Auschwitz" (WH) (ca. 90 Min.)
    Autoren: Friedrich Scherer, Winfried Laasch
    Redaktion: Alexander Berkel
    Leitung: Stefan Brauburger, Peter Arens

     

    ZDFmediathek

    Ab sofort
    Acht Videos mit Mirko Drotschmann (je 10–20 Minuten)
    Autorin: Leonie Schöler
    Redaktion: Anja Greulich, Stefan Gierer, Stefan Brauburger,
    Themen:
    1. Die Zeit
    2. Die Nürnberger Gesetze
    3. Das Massaker von Babyn Jar
    4. Die Täter
    5. Das Protokoll
    6. Die Opfer
    7. Die Aufarbeitung
    8. Das Gedenken

    YouTube: "Terra X"

    Ab sofort
    "Die Wannsee-Konferenz und ihre Folgen" (Arbeitstitel; ca. 15 Minuten)
    Autor: Jörg Müllner

    Ab sofort
    "Mobile Mordkommandos: Der 'vergessene" Holocaust'" (Arbeitstitel; ca. 15 Minuten)
    Autor: Manfred Oldenburg

     

    YouTube: "MrWissen2go Geschichte"

    Ab sofort 2022
    "Die Wannsee-Konferenz" (ca. 10 Minuten)
    Autor: Matthias Schöberl

     

    Virtual Reality

    Ab Donnerstag, 20. Januar 2022
    "ZDF-Entdeckungstour – Wannsee-Konferenz"
    Ein digitales Bildungsangebot des ZDF in Kooperation mit der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz, abrufbar über die ZDFmediathek

     

    Materialien für den Geschichtsunterricht

    Unterrichtsmaterialien rund um das Thema Wannsee-Konferenz
    In Zusammenarbeit mit dem Verband der Geschichtslehrerinnen und -lehrer Deutschlands e.V. zum kostenlosen Download für Lehrkräfte, abrufbar über die ZDFmediathek.

    Siehe: Die Wannsee-Konferenz - ZDFmediathek

     

    Creative Commons

    Ab Mittwoch, 19. Januar 2022
    Clips
    Zur freien Nutzung für alle Interessierten im Netz; die unter CC lizensierten Clips können insbesondere von Lehrerinnen und Lehrern sowie Schülerinnen und Schülern für den Unterricht genutzt werden und sind über die ZDFmediathek abrufbar.

    Krieg und Holocaust - Der deutsche Abgrund (WH) 

    ZDF: Mittwoch, 19. und 26. Januar 2022, ab 0.45 Uhr je fünf Folgen
    Krieg und Holocaust - Der deutsche Abgrund (WH)
    Zehnteilige Dokureihe

    Mittwoch, 19. Januar 2022
    0.45 Uhr: Saat der Gewalt 1918-1922 (Film von Dominic Egizzi)
    1.30 Uhr: Täuschung 1923-1928 (Film von Dominic Egizzi)
    2.15 Uhr: Demokratie ohne Demokraten 1929-1933 (Film von Gabriele Rose)
    3.00 Uhr: Rassisten an der Macht 1933-1934 (Film von Gabriele Rose)
    3.45 Jeder kann es sehen 1935-1938 (Film von Egmont R. Koch)

    Mittwoch, 26. Januar 2022
    0.45 Uhr: Flächenbrand 1936-1940 (Film von Egmont R. Koch)
    1.30 Uhr: Tor zur Hölle 1941-1942 (Film von Martin Davidson)
    2.15 Uhr: Völkermord 1942-1944 (Film von Martin Davidson)
    3.00 Uhr: Untergang 1943-1945 (Film von Dagmar Gallenmüller und Karl Alexander Weck)
    3.45 Uhr: Verantwortung 1945-1948 (Film von Dagmar Gallenmüller und Karl Alexander Weck)

    Mit der zehnteiligen Doku-Reihe "Krieg und Holocaust – Der deutsche Abgrund" hat ZDFinfo einen filmischen Akzent gegen das Vergessen gesetzt. Das Projekt erzählt aus internationaler Perspektive vom Aufstieg und Untergang des Nationalsozialismus und untersucht die Ursachen für den von Deutschen begangenen Zivilisationsbruch, der aus einer krisenhaften Demokratie in Krieg und Völkermord führt.
    Seltene, zum Teil neu entdeckte Film- und Fotoaufnahmen sowie 40 hochkarätige Experten wie Richard J. Evans, Mary Fulbrook, Peter Longerich, Moshe Zimmermann, Alexandra Richie und Götz Aly ermöglichen einen umfassenden Blick auf die Geschichte zwischen 1918 und 1948.
    Auf der Grundlage neuester Forschungsergebnisse steht neben den Motiven der Täter auch die Verantwortung eines erheblichen Teils der damaligen deutschen Bevölkerung im Fokus der Reihe. Was hat den Aufstieg der Nazis begünstigt, was den Weg zum Völkermord an den Juden ermöglicht?

    ZDF-Morgenmagazin mit "Moma vor Ort" live aus dem Haus der Wannsee-Konferenz

    Im Rahmen des Programmschwerpunkts zum 80. Jahrestag der Wannsee-Konferenz sendet das ZDF-Morgenmagazin live von dem Ort, an dem 1942 die Weichen für die systematische Massenvernichtung der Juden Europas gestellt wurden. Weshalb ist die Erinnerung auch für heutige Generationen wichtig? Muss aus dem Gedenken mehr Verantwortung für unsere Zukunft wachsen? Und was muss geschehen, damit der Antisemitismus in unserer Gesellschaft heute nicht weiterwächst?

    Diese Fragen stellt das ZDF-Morgenmagazin am Montag, 24. Januar 2022, von 6.00 bis 9.00Uhr live aus dem Haus der Wannsee-Konferenz.

    Moderator Andreas Wunn begrüßt Gäste aus Gesellschaft und Politik, die Stellung beziehen und aus verschiedenen Perspektiven berichten, warum die Wannsee-Konferenz auch achtzig Jahre danach noch aktuell für uns sein muss.

    Unter den Gästen sind u. a. die Holocaust-Überlebenden Petra und Franz Michalski, Oliver Berben, Ececutive Producer des Fernsehfilms "Die Wannseekonferenz", Deborah Hartmann, Direktorin der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz, Bärbel Bas, Präsidentin des Deutschen Bundestages, und Niklas Frank, Sohn des damaligen Generalgouverneurs des von Deutschland besetzten Polens, Hans Frank.

    Ausschnitte aus dem Spielfilm "Die Wannseekonferenz" und der begleitenden ZDF-Dokumentation beziehen den historischen Ort während der Gespräche immer wieder mit ein und zeigen, wie eine vermeintlich idyllische Villa im Südwesten Berlins zum Schauplatz eines bis heute kaum fassbaren Verbrechens wurde.

    "Die Wannseekonferenz. Die Dokumentation"

    Montag, 24. Januar 2022, 22.00 Uhr
    ZDFmediathek: ab 19. Januar 2022, fünf Jahre
    "Die Wannseekonferenz. Die Dokumentation" (ca. 45 Minuten)
    Film von Jörg Müllner

    Produzent_____Jörg Müllner, History Media
    Redaktion_____Anja Greulich
    Leitung_____Stefan Brauburger
    Sendelänge_____45 Minuten

    Die 45-minütige Dokumentation von Autor und Produzent Jörg Müllner beleuchtet im unmittelbaren Anschluss an den Fernsehfilm, wie es zum millionenfachen Morden kam und welche Rolle dabei die Besprechung am Großen Wannsee am 20. Januar 1942 spielte.

    Das Sitzungsprotokoll ist von zentraler Bedeutung: Es offenbart, wie offen und deutlich über den geplanten Mord an Millionen Juden in Europa in der Teilnehmerrunde gesprochen wurde. Das historisch einmalige Dokument wird heute – gut gesichert – im Politischen Archiv des Auswärtigen Amts verwahrt und gehört zu einer Akte mit der Überschrift "Endlösung der Judenfrage". Sie enthält rund 300 Dokumente zur sogenannten "Juden-Politik" zwischen 1939 und 1943. Dem Protokoll der Wannsee-Konferenz kommt besondere Bedeutung zu. Es galt als "Geheime Reichssache" – die höchste Geheimhaltungsstufe im NS-Staat. Von den ursprünglich dreißig Exemplaren des Protokolls hat nur eines den Krieg überstanden.

    Die Einladung zur Besprechung am Wannsee kam von Reinhard Heydrich, Chef des Reichssicherheitshauptamtes im Berliner Prinz-Albrecht-Palais, der zentralen Verfolgungs- und Vernichtungsbehörde des NS-Regimes. Heydrich war ein Mann mit vielen Gesichtern: Familienvater, Sportler, in der Freizeit spielte er Geige – und er war ein Hauptverantwortlicher für den Mord an Millionen Menschen.

    Die Wannsee-Konferenz gilt keinesfalls als eine Entscheidungssitzung. Gelegentlich wird sie in der Literatur als "Staatssekretärssitzung" bezeichnet. Staatssekretäre veranlassen und setzen um, was an höherer Stelle entschieden wurde. Dies trifft auch auf die Wannsee-Konferenz zu. Die Teilnehmer der Sitzung am Wannsee gehörten verschiedenen Ämtern und Ministerien an, auch wichtige Vertreter der SS und Polizei waren geladen. Ein hochrangiges Gremium zwar, aber eine so weitreichende Entscheidung wie die millionenfache Ermordung der europäischen Juden hätten diese 15 Männer nicht treffen können. Der Beschluss war längst an höherer Stelle gefasst worden: "Wenn es dem internationalen Finanzjudentum in- und außerhalb Europas gelingen sollte, die Völker noch einmal in einen Weltkrieg zu stürzen, dann würde das Ergebnis nicht die Bolschewisierung der Erde und damit der Sieg des Judentums sein, sondern die Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa", hatte Hitler schon in einer Rede am 30. Januar 1939 gesagt. Später wiederholte er diese Drohung, als er den Weltkrieg, den er den Juden anlastete, selbst entfesselt hatte.

    Bereits mit dem deutschen Überfall auf Polen und dem Beginn des Zweiten Weltkriegs setzte auch der Mord an der Zivilbevölkerung ein, darunter viele Juden. Es kam zu Massenverhaftungen, Hundertausende wurden umgesiedelt. In Polen begannen die deutschen Eroberer damit, Juden an vielen Orten in Ghettos zu konzentrieren. Doch das waren nur die ersten Schritte. 

    Der planmäßige, systematische Mord an Jüdinnen und Juden begann mit dem deutschen Einmarsch in die Sowjetunion am 22. Juni 1941. Im Rücken der Wehrmacht folgten vier Spezialeinheiten der SS und der Polizei, mobile Einsatzkräfte – die sogenannten "Einsatzgruppen". Sie begannen damit, systematisch Juden zu erschießen. Allein im September 1941 wurden etwa 34.000 Jüdinnen und Juden in Babyn Jar bei Kiew ermordet.

    Auch für die Jüdinnen und Juden im "Reich" verschärften sich die Lebensbedingungen. Diskriminierung, Entrechtung, Verfolgung gehörten seit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Januar 1933 zum leidvollen Alltag, auch für die 1921 geborene Berlinerin Margot Friedländer. Ihre Mutter versuchte 1938 Papiere für eine Auswanderung zu bekommen, doch ohne Erfolg.

    Mitte September 1941 traf Hitler die Entscheidung, alle Juden aus Deutschland in Richtung Osten zu deportieren. Zwar hatte es zuvor bereits Transporte gegeben, doch stellte Hitlers Befehl eine weitere Eskalationsstufe im mörderischen Entscheidungsprozess dar. Es ist kein schriftlicher Befehl Hitlers zum Mord an Europas Juden überliefert. Er gab seine Anweisungen mündlich und allzu viele waren bereit, nicht nur zu folgen, sondern auch mit eigener Initiative zu handeln.

    Über Deportation und Mord sprachen am 20. Januar 1942 die 15 Männer in der Villa am Wannsee – in millionenfacher Dimension. Die Zielvorgabe: elf Millionen Juden in Europa sollten vernichtet werden – nicht nur in den von Deutschen besetzten Gebieten. Im Protokoll hielt Adolf Eichmann fest, wie das geschehen sollte: "arbeitsfähige Juden" sollen "im Osten zum Arbeitseinsatz kommen … wobei zweifellos ein Großteil durch natürliche Verminderung ausfallen wird. Der allfällig endlich verbleibende Restbestand wird, da es sich bei diesem zweifellos um den widerstandsfähigsten Teil handelt, entsprechend behandelt werden müssen." In der Tarnsprache der Täter hieß das eindeutig: Mord.

    Seit September 1941 fanden in Auschwitz erste Experimente mit dem hochgiftigen Desinfektionsmittel Zyklon B zur Ermordung der Häftlinge statt. Gaswagen waren seit Dezember 1941 in Chelmno, 70 Kilometer westlich von Lodz (Polen), im Einsatz; dort wurden mindestens 152.000 Menschen, vor allem Juden sowie Sinti und Roma, mit Motorabgasen vergiftet. Im von Deutschen besetzten Polen wurden von der SS Vernichtungslager errichtet. Belzec war das erste davon.

    Als sich am frühen Nachmittag des 20. Januar 1942 die Besprechung am Wannsee auflöste, zeigte sich Reinhard Heydrich zufrieden: Die Teilnehmer hatten seine "Führungsrolle" akzeptiert und ihm ihre Zusammenarbeit zugesichert.

    Für die 21-Jährige Margot Friedländer, die unweit der Villa am Wannsee seit 1940 Zwangsarbeit leistete, begann ein neues, leidvolles Kapitel. 1943 versuchten sie und ihr Bruder Ralph zu fliehen. Doch Ralph wurde verhaftet. Die Mutter stellte sich freiwillig der Gestapo und wurde mit ihrem Sohn nach Auschwitz deportiert. Beide wurden dort ermordet. Margot aber tauchte unter, versteckte sich monatelang vor der Gestapo, bis sie 1944 festgenommen und ins Ghetto Theresienstadt gebracht wurde. Sie überlebte als einziges Familienmitglied den Holocaust.

    Für die Dokumentation ist Margot Friedländer noch einmal in die Villa am Wannsee gekommen, wo vor 80 Jahren jene Konferenz stattfand, die auch für sie schicksalhaft wurde. "Einladung zu einer Besprechung über die 'Endlösung der Judenfrage' mit anschließendem Frühstück", resümiert Margot Friedländer im Interview. "Ich kann es und werde es nie verstehen, wie es möglich war, dass so etwas stattfinden konnte, dass Menschen, die für meine Begriffe keine Menschen waren, ihre Hände dazu gegeben haben, so etwas zu tun."

    Die Villa am Wannsee ist heute eine Gedenk- und Bildungsstätte. Dort erinnert man an die beispiellose Sitzung am 20. Januar 1942, bei der der Mord an elf Millionen Menschen besprochen wurde.

    In der Dokumentation kommen neben Margot Friedländer auch Historiker und Historikerinnen wie Barbara Schieb, Prof. Peter Klein (Touro College Berlin, Fakultät Holocaust Studies) oder Prof. Götz Aly zu Wort, die den Rassenwahn in NS-Deutschland und den Holocaust untersucht und in zahlreichen Publikationen dargestellt und analysiert haben.

    "Ganz normale Männer. Der 'vergessene Holocaust'"

    Dienstag, 25. Januar 2022, 20.15 Uhr
    ZDFmediathek: ZDFmediathek: ab 19. Januar 2022, fünf Jahre
    "Ganz normale Männer. Der 'vergessene Holocaust'"
    Film von Manfred Oldenburg

    Produzent_____Leo Hoesch, Boadview TV
    Redaktion_____Stefan Mausbach
    Leitung_____Stefan Brauburger

    75 Jahre nach dem Ende des Hauptkriegsverbrecherprozesses in Nürnberg wirft die Dokumentation einen Blick auf ein weiteres Verfahren, das Geschichte schrieb. Der Einsatzgruppenprozess von Nürnberg gegen Angehörige von vier Todes-Kommandos aus Sicherheitspolizei und SD, dem Sicherheitsdienst der SS, gilt als größter Mordprozess der Geschichte.

    Während des Zweiten Weltkrieges wurden sechs Millionen Juden ermordet. Drei Millionen starben in den Vernichtungslagern, doch wurden zwei Millionen Menschen bei systematischen Massenerschießungen getötet. Ein Umstand, der heute kaum bekannt ist. Die Täter standen ihren Opfern von Angesicht zu Angesicht gegenüber. Sie schossen auf Männer, Frauen, Kinder – Tag für Tag, gehorsam und beflissen, als sei es normale Arbeit. Zehntausende Deutsche gehörten den mobilen Kommandos der so genannten "Einsatzgruppen" und Polizeibataillone an. Wer waren diese Männer, wie konnten sie solche Verbrechen verüben? Was berichteten die wenigen Überlebenden, wie konnten sie dem Massenmord entkommen?

    Autor Manfred Oldenburg zeichnet anhand von schriftlichen Überlieferungen, Originaldokumenten, Filmaufnahmen und Fotos sowie szenischen Rekonstruktionen den Weg eines der Mordbataillone nach. Historiker und Sozialpsychologen nehmen dazu Stellung.

    Eine zentrale Rolle in dem Film spielt Benjamin Ferencz. Der amerikanische Top-Jurist schrieb Weltgeschichte, war in Nürnberg Chefankläger gegen führende Mitglieder der "Einsatzgruppen". Ein aktuelles ausführliches Interview mit dem inzwischen hundertundein Jahre alten Ferencz bildet einen Leitfaden für den Film.

    "Ein Tag in Auschwitz" (WH)

    Dienstag, 28. Januar 2022, 2.00 Uhr
    Ein Tag in Auschwitz (WH)
    Film von Winfried Laasch und Friedrich Scherer

    Redaktion_____Alexander Berkel
    Leitung_____Stefan Brauburger, Peter Arens
    Sendelänge_____90 Minuten

    Erstausstrahlung: Dienstag, 28. Januar 2020, 20.15 Uhr
    Die Autoren Winfried Laasch und Friedrich Scherer wurden für den Film im Oktober 2020 mit dem Bayerischen Fernsehpreis in der Kategorie "Kultur und Bildung" ausgezeichnet.

    Im Jahr 1944 sollte die Todesfabrik Auschwitz ihre "Effizienz" noch steigern. Täglich kamen Tausende Juden an, täglich ermordete die SS die ankommenden Menschen. Was die Opfer erlebten und die Täter antrieb, zeigen erschütternde Zeugnisse. Ausgangspunkt für den Film ist ein einzigartiges Dokument, das sich in der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem befindet: ein Fotoalbum von Auschwitz, angelegt von den SS-Tätern selbst. Fast alle Fotos darin entstanden Ende Mai 1944 an nur wenigen Tagen. Sie zeigen die grausame Routine im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau: die Ankunft der jüdischen Opfer in vollgepackten Viehwaggons, ihre "Selektion" auf der Rampe in Arbeitsfähige und Todgeweihte, den Raub ihres Eigentums und die Verwandlung all derer, die nicht gleich getötet wurden, in kahl rasierte, uniformierte Arbeitssklaven.

    Die Fotos sind authentische Momentaufnahmen des Verbrechens. Sicher ist: Die meisten Menschen auf den Bildern sind wenige Stunden nach der Aufnahme tot, ermordet. Doch von denen, die Ende Mai 1944 in Auschwitz eintrafen, überlebten einige wenige. Eine von ihnen ist die heute 91-jährige Irene Weiss, die sich im Interview erinnert, wie sie als 13-Jährige auf der Rampe von Auschwitz stand und ihrer kleinen Schwester hinterherblickte, die – von ihr getrennt – in den Tod geschickt wurde. Auf einem Foto erkennt Irene Weiss ihre kleinen Brüder und ihre Mutter ahnungslos wartend, in der Nähe des Krematoriums, in dem sie kurz darauf umgebracht wurden. Die SS-Fotografen hielten all dies fest. Hatten sie kein Mitleid, wenigstens mit den Kindern? War es für sie ganz normale "Arbeit"?

    So dreht sich der Film auch um das Psychogramm der Täter, zu denen die Fotografen des Auschwitz-Albums zählen. Ihre Identität ist heute bekannt: Einer von ihnen war Bernhard Walter, ein Stabsscharführer der SS, der mit Frau und drei Kindern in der Nähe des Vernichtungslagers wohnte. Die Film-Autoren Winfried Laasch und Friedrich Scherer suchen nach Antworten auf die immer noch beklemmende Frage, was scheinbar "ganz normale Männer" zu willigen Helfern einer Mordmaschinerie macht.

    Die Dokumentation fokussiert einen "typischen" Tag in Auschwitz, Ende Mai 1944. Doch sie beleuchtet auch verschiedene Wege, die Opfer, aber auch Täter genommen hatten, bevor sie in das Konzentrations- und Vernichtungslager kamen. Authentische Fotos, Zeichnungen von KZ-Häftlingen, aber auch Selbstzeugnisse der Lager-SS wurden filmisch und grafisch in die 90-minütige Dokumentation eingefügt. Schauplätze auf den Fotografien werden mit Orten der Gedenk-Anlage heute abgeglichen, der Weg durch den Tag vor Ort wird rekonstruiert, in den geschichtlichen Kontext gestellt und durch Zeitzeugen und Historiker gedeutet.

    Das Angebot in der ZDFmediathek und auf Online-Plattformen

    Neben Film und Dokus in der ZDFmediathek gibt es eine Vielzahl vertiefender Online-Angebote zum Thema Wannsee-Konferenz, die eigens für die ZDFmediathek produziert wurden: Sechs kurze Beiträge von maximal 10 Minuten Länge, die einzelne Themen des Films erklären und einordnen, sowie zwei längere Formate mit Diskussionsbeiträgen und Reportageteilen. Grafische Komponenten erleichtern das Verständnis. Die Videos sind auch für den Einsatz im Schulunterricht konzipiert.

    Präsentiert werden die Beiträge von Mirko Drotschmann, der vor allem dem jüngeren Publikum als "MrWissen2goGeschichte" bekannt ist. Er moderiert dabei nicht nur die Videos, sondern trifft Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, Experten und Expertinnen, führt die Zuschauer an historische Schauplätze und stellt für sie die zentralen Fragen zum Thema.

    Die insgesamt acht Online-Beiträge gliedern sich wie folgt:

    1.    Die Zeit

    2.    Die Nürnberger Gesetze

    3.    Das Massaker von Babyn Jar

    4.    Die Täter

    5.    Das Protokoll

    6.    Die Opfer

    7.    Die Aufarbeitung

    8.    Das Gedenken

    Neben den acht Mediatheksbeiträgen werden für die YouTube-Kanäle des ZDF"Terra X" sowie "MrWissen2goGeschichte" weitere Videos produziert, die sich mit der Wannsee-Konferenz beschäftigen.

    Alle Online-Angebote zur Wannsee-Konferenz sind in eigenen Bereichen in der ZDFmediathek verfügbar. Hier können neben den Online-Videos etwa auch Kurzbiographien der Konferenzteilnehmer abgerufen werden.

    Die flankierende Online-Begleitung der TV-Formate will vor allem Jüngere für das Thema gewinnen, die sich heute überwiegend im Internet informieren. Die Videos sollen sowohl für Schülerinnen und Schüler als auch für Lehrer und Lehrerinnen im Unterricht nutzbar sein. Hierzu arbeitet die ZDF-Redaktion Zeitgeschichte eng mit dem Verband der Geschichtslehrerinnen und -lehrer Deutschlandse.V. zusammen und entwickelt ein umfangreiches Unterrichtsangebot, das als Download kostenfrei über die ZDFmediathek abrufbar ist.

    Aus Grafiken und Animationen werden sogenannte "Creative Commons" zum Thema hergestellt, die das ZDF zur freien Nutzung allen Interessierten im Netz zur Verfügung stellt. Die unter CC lizensierten Clips können beispielsweise von Lehrerinnen und Lehrern im Unterricht, von Schülerinnen und Schülern für Referate genutzt werden.

    Virtual Reality-Angebot

    Ab Donnerstag, 20. Januar 2022
    "ZDF-Entdeckungstour – Wannsee-Konferenz".
    Entdecken, Erleben, Erinnern. Ein digitales Bildungsangebot des ZDFin Kooperation mit der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz

    Historische Ereignisse werden verständlicher, wenn man sich an ihre Schauplätze begibt. Gedenkstätten, wie das Haus der Wannsee-Konferenz in Berlin, konfrontieren ihre Besucher mit dem scheinbar Unbegreiflichen: Eine Villa in friedvoller Umgebung, in der hochrangige NS-Beamte am 20. Januar 1942 dem unfassbaren Menschheitsverbrechen den bürokratischen Boden bereiteten: die Ermordung der gesamten jüdischen Bevölkerung Europas.

    Die "ZDF-Entdeckungstour – Wannsee-Konferenz" erlaubt es, virtuell durch die historischen Räume der Villa zu gehen. Der Besucher wird in einer von Mirko Drotschmann moderierten Tour mit ergänzenden Videos durch die Ausstellung geführt. Dem Nutzer eröffnet sich damit ein neuer, digitaler, bildungsorientierter Erfahrungsraum, den er jederzeit, orts- und zeitunabhängig betreten kann.

    Die Anwendung kann beim Einsatz im Unterrichtskontext jederzeit für Erläuterungen und Fragen unterbrochen und anschließend fortgesetzt werden.

    Das Projekt wird in Kooperation zwischen dem ZDF und der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz umgesetzt.

    Dinesh Chenchanna, Leiterin der Stabsstelle Digitale Partnerschaften:
    "Im kommenden Jahr jährt sich die Besprechung am Wannsee zum 80. Mal – und das Erinnern daran darf nicht aufhören. Das ZDF kann durch seine digitalen Möglichkeiten dazu beitragen, möglichst vielen Menschen – und vor allem Lehrenden und Schüler*innen – gemeinsam mit der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz einen virtuellen Besuch des historischen Ortes zu ermöglichen."

    O-Töne aus "Die Wannseekonferenz. Die Dokumentation"

    Margot Friedländer, gebürtige Berlinerin und Holocaust-Überlebende, Jahrgang 1921:

    "'Einladung zu einer Besprechung über die Endlösung der Judenfrage mit anschließendem Frühstück am 20. Januar 1942 um 12 Uhr' (…) Ich kann es und werde es nie verstehen, wie es möglich war, dass so etwas stattfinden konnte, dass Menschen, die für meine Begriffe keine Menschen waren, ihre Hände dazu gegeben haben, so etwas zu tun."

    "Die Transporte gingen weg (…) und da wusste ich, dass ich meine Mutter und meinen Bruder nicht wiedersehen werde."

    "Nachdem ich 64 Jahre in Amerika gelebt habe, bin ich zurückgekommen, um mit Euch zu sprechen, Euch die Hand zu reichen, aber Euch zu bitten, dass ihr die Zeitzeugen werdet, die wir nicht mehr lange sein können. Es ist für Euch. Was war, war, können wir nicht mehr ändern. Es darf nur nie wieder jemals geschehen. Für Euch! Für Eure Kinder, für Eure Nachkommen."

     

    Prof. Peter Klein, Historiker, Touro College Berlin

    "Die Konferenz beweist, dass es möglich ist, in modernen arbeitsteiligen Gesellschaften dafür zu sorgen, dass, wenn sich verschiedene exekutive Organisationen und ihre Vertreter in den barbarischsten Methoden und in den Zielen einig sind, (…) sie solche barbarischen Strategien auch Realität werden lassen."

    "Ohne Hitlers ausdrücklichen Wunsch hätte der Massenmord an den europäischen Juden nicht stattgefunden. Er ist also schon die zentrale Figur, auch wenn wir bei der genauen Rekonstruktion immer wieder sehen, dass es sozusagen nicht aus seinem Hirn allein geboren ist, sondern dass er viele Initiativen in sich aufnimmt, sehr viele Informationen verarbeitet, die ihm zugetragen werden und er dann auf Grundlage dieser Information mit großer Sicherheit im Dezember 1941 diesen Entschluss seinen unmittelbar engsten und ältesten NS-Mitkämpfern, die nun alle miteinander in Reichs- und Gauleiter-Positionen sind, mitteilt."

    "Eichmann äußert sich ja zwei, drei Mal sehr deutlich über die allgemeine Atmosphäre der Konferenz und erinnert sich, dass ganz offen von Töten gesprochen wurde und man überhaupt kein Problem damit hatte, über den Massenmord zu reden. Was im Umkehrschluss bedeutet, dass Menschen für sie in diesem Moment bei dieser Konferenz überhaupt keine lebenswerten Wesen mehr gewesen sind, sondern nur noch Zahlen, Figuren, Anordnungen von Feinden oder ähnliches."

     

    Prof. Robert Gerwarth, Historiker, University College, Dublin

    "Viele der Haupttäter des Dritten Reiches kommen aus mittelständischen Familien, sind in aller Regel kultiviert, haben einen höheren Bildungsgrad als der Durchschnittsdeutsche zu dieser Zeit. Insofern vermag es nicht zu verwundern, dass eine Person wie Heydrich unterschiedliche Aspekte vereint, auf der einen Seite ein an Kultur interessierter Mensch ist, auf der anderen Seite aber eben auch fähig ist zur Organisation und Planung von Massenmorden."

     

    Prof. Götz Aly, Historiker

    "Der moderne Antisemitismus unterscheidet sich von dem kirchlichen, dem religiösen Antisemitismus der Jahrhunderte zuvor in ganz deutlicher Weise. Da geht es nämlich um die soziale Konkurrenz, um den schnelleren sozialen Aufstieg der Juden überall dort, wo sie Emanzipationschancen haben. Bildung, das war auch vertreibungs- und verfolgungsgeschichtlich für die Juden wichtig, das war ein transportables Gut. Das konnte man ihnen nicht wegnehmen. Also ist der Bildungswille dieser unterdrückten Minderheit sehr viel stärker ausgeprägt als die der Christen. Zehnmal so oft studieren sie wie christliche Kinder, proportional."

    "Ohne diese unglaublich brutale und massenmörderische Kriegsführung, jetzt nicht nur gegen Juden, sondern gegen alle in Osteuropa im Zweiten Weltkrieg, wäre der Holocaust nicht möglich gewesen. Also der Krieg selbst, sozusagen als Hülle, als Möglichkeit, ist für die Ermordung der europäischen Juden mindestens genauso wichtig wie der überall verbreitete Antisemitismus."

     

    Dr. Martin Cüppers, Historiker, Forschungsstelle Ludwigsburg, Universität Stuttgart

    "Wir sehen in schrecklicher Weise am Beispiel der Nationalsozialisten, dass, wenn Vorurteile, wenn Rassismus, wenn radikaler Judenhass gepredigt wird, propagandistisch verbreitet, dass dann die Tendenz auch naheliegt, dass Propaganda in Praxis umgesetzt wird." 

    Weitere Filme im Rahmen des ZDF-Schwerpunkts "80 Jahre Wannsee-Konferenz"

    Freitag, 14. Januar 2022, 23.15 Uhr
    Persischstunden
    Film von Vadim Perelmann
    123 Min.

    Um dem Tod durch die SS zu entgehen, gibt sich der jüdische Geflüchtete Gilles als Perser aus und erfindet eine Fantasiesprache, als er den Lagerkommandanten Koch unterrichten soll. Als Gilles von Koch neben dem Unterrichten und langen Küchendiensten bald zudem zum Gefangenenprotokollant ernannt wird, gestaltet sich das Aufrechterhalten seiner Scheinidentität immer schwieriger. Zumal ihm ein Aufseher auf die Schliche zu kommen droht.

    Die belarussisch-deutsch-russische Coproduktion "Persischstunden" des in Kanada ausgebildeten ukrainischen Regisseurs Vadim Perelman basiert auf der Erzählung "Erfindung einer Sprache" (1977) von Wolfgang Kohlhaase und feierte 2020 Premiere auf der Berlinale.
    In den Hauptrollen spielen mit dem bereits zuvor im europäischen Kino aktiven, multilingualen Argentinier Nahuel Pérez Biscayart ("Vor der Morgenröte", "120 BPM") und Lars Eidinger ("25 km/h", "Nahschuss") die beiden Wunschschauspieler Perelmans erstmals zusammen. In den Nebenrollen setzt "Persischstunden" mit Schauspieltalenten wie Jonas Nay ("Wir sind jung. Wir sind stark.") oder Leonie Benesch ("Babylon Berlin") verstärkt auf deutsche Nachwuchsdarsteller*innen.

    Ähnlich wie Roberto Benignis Filmklassiker "Das Leben ist schön" (1997) nähert sich "Persischstunden" mit einer einzigartigen Mischung aus einem berührenden Drama und Momenten ins Groteske reichender (Situations-)Komik seinem herausfordernden Handlungsort eines nationalsozialistischen Gefangenenlagers. Dieses wird seitens der Filmschaffenden mit großem Authentizitätsstreben bis hin zu den lokalen Hierarchien nachgezeichnet, wobei dem Film das Konzentrationslager Natzweiler-Struthof im Elsass als Vorlage diente.

     

    Montag, 24. Januar 2022, 0.55Uhr
    Das kleine Fernsehspiel
    Lebenszeichen – Jüdischsein in Berlin (WH)
    Dokumentarfilm von Alexa Karolinski
    2018

    Zwei Generationen nach dem Holocaust mögen die Erinnerungen daran zu verblassen beginnen, aber in kleinen, scheinbar banalen Momenten des täglichen Lebens sind sie noch spürbar. "Lebenszeichen" ist ein vielstimmiges Porträt der deutschen Hauptstadt und seiner jüdischen Geschichte. Regisseurin Alexa Karolinski hat Familienmitglieder, Freunde, Historiker und zufällige Bekannte befragt und ist im heutigen Berlin auf Spurensuche gegangen. Sie folgt den vielgestaltigen Lebenszeichen, Ritualen und Gewohnheiten, um festzuhalten, wie persönliche Erinnerung und kollektive Geschichte, vererbtes Trauma und gelebte Gegenwart zusammenwirken. Nach "Oma & Bella" (2012), Karolinskis berührendem Doppelporträt von ihrer Großmutter und deren bester Freundin, ist "Lebenszeichen - Jüdischsein in Berlin" der zweite Teil einer Trilogie über jüdisches Leben in Deutschland, die das Gestern als notwendige Bedingung für das Heute versteht. "Lebenszeichen" ist nicht nur eine intime Selbst- und Familienerkundung, sondern auch ein vielstimmiges Porträt der deutschen Hauptstadt und seiner jüdischen Geschichte. Die ruhige Erzählung und assoziative Struktur des Films sind dabei eine Einladung an die Zuschauerinnen und Zuschauer, den ganz eigenen Lebenszeichen nachzuspüren. 

    Weitere Informationen

    Fotos über (06131) 70-16100 oder über https://presseportal.zdf.de/presse/diewannseekonferenz

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