Copyright: ZDF / Conny Klein
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Der namenlose Tag

Krimi nach dem gleichnamigen Roman von Friedrich Ani

Im Film von Oscarpreisträger Volker Schlöndorff spielt Thomas Thieme den pensionierten Kriminalhauptkommissar Jakob Franck, eine Figur des Bestseller-Autors Friedrich Ani.
Franck ist spezialisiert auf das Überbringen von Todesnachrichten und folgt bei Ermittlungen einer eigenen Methode, der "Gedankenfühligkeit". Im Ruhestand glaubt er, ein Leben jenseits der Toten beginnen zu können – doch die lassen ihn nicht ruhen.

  • ZDF, Montag, 5. Februar 2018, 20.15 Uhr

Texte

"Ein Coup für das ZDF"
Von Redakteurin Elke Müller

Oscarpreisträger Volker Schlöndorff ist bekannt für seine Literaturverfilmungen. Man denke nur an "Die Blechtrommel" nach Günter Grass oder "Homo Faber" nach Max Frisch.
Wenn solch ein Regisseur und Drehbuchautor sich eines preisgekrönten Krimis von Bestseller-Autor Friedrich Ani annimmt, dann verspricht das Qualität und Unterhaltung at its best! "Der namenlose Tag" ist ein Coup für das ZDF – zumal mit Schauspielern wie Thomas Thieme, Devid Striesow und Ursina Lardi. Produzent Jens C. Susa hat das möglich gemacht.

Stab, Besetzung, Inhalt

Montag, 5. Februar 2018, 20.15 Uhr
Der Fernsehfilm der Woche
Der namenlose Tag
Krimi nach dem gleichnamigen Roman von Friedrich Ani

Drehbuch und Regie_____Volker Schlöndorff
Kamera_____Tomas Erhart
Ton_____Gunnar Voigt
Szenenbild_____Susanne Hopf
Schnitt_____Julia Oehring
Produktionsleitung_____Peter Hartwig
Produzent_____Jens C. Susa, Martin Choroba
Produktion_____Provobis
Redaktion_____Elke Müller, Wolfgang Witt
Länge_____89 Min.

Rollen / Darsteller
Jakob Franck_____Thomas Thieme
Ludwig Winther_____Devid Striesow
Doris Winther und
Inge Nemetzki_____Ursina Lardi
Esther Winther_____Stephanie Amarell
Jan Roland_____Thomas Prenn
Kommissar André Block_____Christian Kuchenbuch
Marion Siedler_____Tina Engel
Sandra Horn_____Jochanah Mahnke
Sigrid Horn_____Anja Schiffel
Dr. Jordan_____Jan Messutat
Patrick Jordan_____Otto Bigalke
und andere

Der pensionierte Kriminalhauptkommissar Jakob Franck, der oft als "Todesbote" Angehörige informieren musste, hofft jetzt ein Leben jenseits der Toten führen zu können. Doch die Vergangenheit holt ihn ein, als sich ein verzweifelter Mann an ihn wendet. Es ist Ludwig Winther, dessen Ehefrau Doris sich gerade selbst erhängt hat. Er gibt dem Kommissar eine Mitschuld an ihrem Tod.
Franck erinnert sich: Vor zwei Jahren hatte er Doris Winther die Nachricht vom Tod der 17-jährigen Tochter Esther überbringen müssen und ihr dann sieben Stunden, ohne ein Wort zu sprechen, beigestanden. Das war selbst für ihn, der besonders einfühlsam mit Hinterbliebenen umgehen kann, sehr ungewöhnlich. Laut polizeilichem Untersuchungsergebnis war die Todesursache der Tochter Selbstmord durch Erhängen. Der Vater hielt das schon damals für falsch und glaubt nach wie vor, dass Esther ermordet wurde. Er wünscht sich Klarheit.
Ex-Kommissar Jakob Franck fühlt sich verpflichtet und macht sich daran, "einen toten Fall zum Leben zu erwecken" und mithilfe seiner eigenen Methode, der "Gedankenfühligkeit", die näheren Umstände von Esthers Tod aufzuklären.

Zur Genese des Films
Von Produzent Jens C. Susa

Es gibt Autoren, die lassen einen nicht los – Friedrich Ani gehört für mich dazu. Vor Jahren hatten wir schon bei den ZDF-TV-Reihen "Kommissar Süden" und "Franziska Luginsland" miteinander gearbeitet. Als ich 2015 erfuhr, dass Ani einen Krimi über einen pensionierten Kommissar schreibt, wollte ich schnell mehr darüber wissen. Er gab mir seinen ersten Jakob-Franck-Roman. An einem Tag war ich mit dem Lesen durch und habe bei der Kommissarfigur sofort an Thomas Thieme gedacht.
Thieme und ich sind beide aus Weimar. Wir kennen und schätzen uns seit den ZDF-Produktionen "Rosa Roth" und "Krupp – Eine deutsche Familie". Friedrich Ani fand die Idee auch sehr gut. So trafen wir uns zu dritt im Biergarten in München. Wir spürten: Thieme ist die richtige Besetzung – Thieme muss den "Todesboten" spielen.
Volker Schlöndorff erzählte ich davon und schickte ihm den Roman nach New York. Nach 24 Stunden lautete seine Antwort: "You made my day". So kam es innerhalb weniger Tage zur Zusammenarbeit mit Ani, Schlöndorff und Thieme. Und das ZDF gab uns sehr schnell grünes Licht für das gesamte Paket. Anis Roman wurde ein Bestseller, bekam den Deutschen Krimipreis 2016. Volker Schlöndorff schrieb das Drehbuch.
Für mich war die Arbeit – vor allem mit Volker Schlöndorff – eine sehr besondere und lehrreiche Erfahrung. Es macht einen ungeheuren Spaß, mit einem Autor und Regisseur wie Volker Schlöndorff einen Film zu produzieren und von einem Meister zu lernen. Selten habe ich einen Regisseur getroffen, der so präzise weiß, was er will, der neugierig auf die Meinungen der Teammitglieder reagiert, der ans Set kommt und den Film förmlich mit Haut und Haaren atmet und – ganz wichtig für eine Teamarbeit – auch ausatmet. Ein Regisseur, der seine Schauspieler zu Höchstleistungen führt. Und ich finde, das sieht man dem Ergebnis an.

Fragen an Romanautor Friedrich Ani

Was ist Ihnen durch den Kopf gegangen, als Sie hörten, dass Volker Schlöndorff die Regie zu "Der namenlose Tag" übernimmt?

Als mir der Produzent Jens Susa mitteilte, er habe Volker Schlöndorff als Regisseur gewonnen, hatte ich kurz einen inneren Erdrutsch zu bewältigen. Ich hätte mir nie vorstellen können, dass der große Romanverfilmer Schlöndorff sich jemals mit einem meiner Bücher beschäftigen würde. Das war ein Moment des Glücks und der Ermutigung und auch der Vorfreude, den von mir über so viele Jahre hoch verehrten Regisseur persönlich treffen zu können.

Schlöndorff führte nicht nur Regie, sondern schrieb auch das Drehbuch. Wie ging es Ihnen damit, ihr "Baby" aus der Hand zu geben, und wie sah die Zusammenarbeit aus?

Schlöndorff schickte mir die erste Fassung seines Drehbuchs und stellte immer wieder Fragen zum Buch. Da ich von Anfang an erklärt hatte, dass ich das Drehbuch für eine mögliche Verfilmung nicht selbst schreiben würde, war ich sehr entspannt und vollkommen offen für alles, was Schlöndorff ändern würde.

Gab es Veränderungen, die Sie überrascht haben?

Die stärkste Veränderung war die Verlegung des Spielorts von München nach Erfurt. Ich habe diese Idee sofort unterstützt, mein Roman ist nicht ortsgebunden.

Wer oder was hat Sie eigentlich zu der Figur des Kommissar Franck inspiriert?

Über Recherchen zu einem anderen Thema traf ich auf eine Kommissarin, die viele Jahre die Aufgabe übernommen hatte, Angehörigen Todesnachrichten zu überbringen. Ich führte weitere Gespräche zu diesem Thema, las Sachbücher und hatte plötzlich die Idee zu einer neuen Kommissarfigur. Das war sehr ungewöhnlich. Normalerweise entsteht erst eine Figur, und dann entwickelt sich allmählich ein Thema.

Wie geht es Ihnen als Schriftsteller, wenn Sie einen ihrer Romane visualisiert als Film erleben?

Ich kann das gut trennen. Ein Roman kann mäandern, er darf voller Abschweifungen sein und eine eigene Dramaturgie verfolgen. Ein TV-Film dauert 88 Minuten, da muss man sich ranhalten, was die Ausschmückung der Figuren und der Geschichte angeht. Bisher war ich immer sehr glücklich mit den Verfilmungen meiner Romane.

Inwieweit haben Sie Ihre Romanfiguren und die Stimmung von "Der namenlose Tag" in der Schlöndorff-Verfilmung wiedererkannt?

Alles, was im Roman ist, ist auch im Film, und darüber hinaus haben Schlöndorff und Thieme der Figur des Kommissars Jakob Franck weitere Facetten verliehen, was mich ebenso überrascht wie beglückt hat.

Was genau hat Sie überrascht oder beglückt?

Überrascht war ich von der Tatsache, dass Schlöndorff, der noch nie einen Kriminalfilm inszeniert hat, von der ersten Drehbuchfassung an das Genre perfekt bedient hat, ohne sich eingefahrenen Regeln zu unterwerfen. Und beglückt hat mich die Besetzung: bis in die Nebenrollen hinein so fantastische Schauspielerinnen und Schauspieler!

Und wie gefällt Ihnen der Schlöndorff-Film?

Der Film ist ein Ereignis – visuell, stilistisch, erzählerisch. Schlöndorff hat einen Kriminalfilm der besonderen Art geschaffen, und Thomas Thieme als Jakob Franck stellt alles in den Schatten, was ich in den letzten Jahren in der Darstellung von Kriminalkommissaren gesehen habe.

Die Fragen stellten Birgit-Nicole Krebs und Mirja Bauer

Fragen an Drehbuch-Autor und Regisseur Volker Schlöndorff

Sie waren gerade in New York, als Ihnen Produzent Jens C. Susa von den Filmplänen für "Der namenlose Tag" erzählte und Ihnen Friedrich Anis Roman schickte. Was hat Sie an diesem Filmprojekt gereizt?

Mir als Leser hat der Roman in seiner stillen Art gefallen. Ani erfindet nicht, er beobachtet, das spürt man seinen Figuren an. Nachdem ich den Roman gelesen hatte, habe ich sofort für das Projekt zugesagt.

Was waren die Herausforderungen beim Drehbuchschreiben?
Ich war mir nicht sicher, ob genug Spannung für einen Film aufkommen würde, denn genau genommen "passiert" ja nichts, kein Schusswechsel, keine Verfolgungsjagd oder Ähnliches. Auch war ich nicht sicher, ob ich so etwas überhaupt könnte: einen Primetime-Krimi für ein breites Publikum. Deshalb habe ich mich hingesetzt und einfach, sozusagen als Test, einen Drehbuchentwurf geschrieben. Es gelang so mühelos, dass ich zusagte. Als dann der Auftrag für das Drehbuch kam, war es schon fertig.

Über was haben Sie sich mit dem Roman-Autor Friedrich Ani ausgetauscht?

Bei unserer ersten Begegnung in Potsdam habe ich ihm viele Fragen gestellt, zum Beispiel: Gibt es so etwas wie den Todesnachrichtenüberbringer? Kennt er einen? Glaubt er an die Geister der Toten, die den Kommissar heimsuchen? Kennt er Jugendliche, die mit Todesgedanken spielen?

Anis Buch spielt in München, ihr Film nicht. Warum nicht?

Ich musste beim Lesen einfach immer an eine Kleinstadt denken, nie an München, das einerseits zu schick und reich klingt, andererseits zu bayrisch.

Stimmt es, dass Sie durch Thomas Thieme, der die Hauptrolle des Kommissar Franck verkörpert, auf den Spielort Erfurt gekommen sind?

Ja, bei unserem ersten Treffen erwähnte er, dass er aus Weimar stammt. Ich fragte ihn, ob er sich dort einen solchen Kommissar vorstellen könnte. "Eher nebenan in Erfurt", sagte er. Das machte mich stutzig, erinnerte mich sofort an den Schüler-Amokläufer. In Anis Roman geht es ja um einen Schülerselbstmord – ein erschreckendes Thema, nur allzu aktuell.


Warum ist Thomas Thieme genau der richtige Schauspieler für die Figur des Jakob Franck?

Thieme war der Vorschlag der Produktion. Ich habe mich mit ihm getroffen, und er hat mich auf Anhieb überzeugt. Einerseits strahlt Thieme die Ruhe und Empathie aus, die er als "Todesbote" braucht, andererseits wirkt er nicht wie ein abgebrühter Kommissar, sondern wie einer, dessen Haut immer dünner geworden ist, ein Melancholiker. Franck erhebt sich nicht über die Menschen, auch nicht über Täter, sondern sieht sich selbst als einer von ihnen.

Wie kam es zu der Idee, die Zwillingsschwestern Doris und Inge als Doppelrolle anzulegen, die von Ursina Lardi gespielt wird?

Der Kommissar trifft ja die eine der Schwestern, nachdem die andere, mit der er eine ganz besondere Beziehung hatte, bereits tot ist. Es sollte wie eine Begegnung mit einer Wiedergängerin sein. Emotional lässt sich das nur mit der gleichen Darstellerin herstellen. Deshalb habe ich sie zu Zwillingen gemacht und sofort an Ursina Lardi für diese Doppelrolle gedacht. Sie hat mich dazu inspiriert. Ich habe Ursina Lardi oft im Theater gesehen, sie ist eine völlig unkonventionelle Schauspielerin. Wir haben dann gemeinsam Zwillingsschwestern im Alter ihrer Rolle getroffen, faszinierende Frauen. Ursina hat sie sehr genau beobachtet. Sie waren sich tatsächlich zum Verwechseln ähnlich, und doch haben wir feine Unterschiede bemerkt. Das hat Ursina geholfen, sie als zwei Ungleiche zu spielen.

Was war Ihnen bei dieser Regiearbeit besonders wichtig?

Die Arbeit mit Schauspielern ist für mich immer das Wichtigste, und in diesem Fall waren es nicht nur die drei Hauptrollen, Thieme, Striesow, Lardi, sondern auch die Jugendlichen wie Stephanie Amarell oder Jochanah Mahnke, die ja noch auf die Schauspielschule gehen und in jeder Beziehung noch "unfertig" sind. Mit ihnen hat es mir besonders Spaß gemacht, und ich konnte auch viel improvisieren.
Und dann das Visuelle: Es sollte wirken wie ein Film aus der deutschen Stummfilmzeit, mit viel Stimmung, Hell-Dunkel-Kontrast, mit "Geistern" und einer sehr einfachen, klaren Kameraführung. Tom Erhart hat das wunderbar umgesetzt.
Und der Einsatz der Musik geht auch in diese Richtung: einfach und klar, keine Spannungsmusik, eher Lyrisches, immerhin von Hans-Werner Henze und Max Richter. Es sind Musikstücke, die zum Teil für frühere Filme von mir komponiert wurden und die hier als Zitate Auferstehung feiern. Das muss der Zuschauer nicht im Einzelnen wissen, aber er spürt, hoffe ich, eine besondere, ungewohnte Atmosphäre.

Die Fragen stellten Birgit-Nicole Krebs und Mirja Bauer

Statements von Thomas Thieme, Devid Striesow und Ursina Lardi

Thomas Thieme über seine Figur Kommissar Jakob Franck:

Jakob Franck war einmal ein strenger Kommissar. Seine Sensibilität prädestinierte ihn dafür, Angehörigen von Opfern die schrecklichen Nachrichten zu überbringen. Die Arbeit war alles für ihn, darunter litt alles andere. Nun ist er ein einsamer alter Mann und kann das Ermitteln nicht lassen. Mit der von ihm kreierten Methode der "Gedankenfühligkeit" bewegt er sich in der realen und in seiner Phantasiewelt. Damit kommt er Dingen auf die Spur, die sich der Wahrnehmung anderer entziehen. Zugleich gibt es bei ihm eine große Sehnsucht nach Wärme, nach Liebe. Von dieser Sehnsucht und seiner Mission getrieben, streift er rastlos herum.

Devid Striesow über den Reiz seiner Rolle Ludwig Winther und die Arbeit mit Volker Schlöndorff:

Besonders hat mich die Vorstellung gereizt, einen Mann zu spielen, der die Realität nicht wahrhaben und mit aller Macht seine Wahrheit durchsetzen will. Die Konstellation der Familie, die Trost- und Sprachlosigkeit des Milieus: Das funktioniert im Drehbuch kolossal gut und war für mich eine Herausforderung.
Die Chance, das mit Volker Schlöndorff umzusetzen, habe ich genutzt und bin einem unglaublich sensiblen, scharfsinnigen Menschen begegnet, der die Situationen ganz feinfühlig in Szene setzt und einem als Schauspieler immer das Gefühl geben kann, dass man diese Arbeit gemeinsam bewältigt – mit großer Freude und Spaß am Beruf.

Ursina Lardi über ihre Herangehensweise an die Doppelrolle der Zwillingsschwestern Doris Winther und Inge Nemetzki:

Meine Herangehensweise ist immer über den Text. Was sage ich zu wem? Das muss ich wissen, der Rest entsteht auf der Probe. Ich überlege mir nicht so sehr im stillen Kämmerlein: Wie ist jetzt diese Schwester, und wie ist die andere? Wenn die Dialoge gut geschrieben sind, muss man sie nur sagen, sie spielen, man muss sich in die Situation hineinbegeben, dann entstehen die zwei Figuren fast von selbst.
Volker Schlöndorff und ich hatten nach einem Treffen mit eineiigen Zwillingen entschieden, dass wir die Schwestern optisch wenig voneinander unterscheiden werden. Zu Beginn hatten wir ja noch mit Perücken und Brillen und so weiter hantiert. Dann haben wir gemerkt, nein, das braucht es alles nicht, die Veränderung und Unterscheidung ist im Wesentlichen keine von außen, sondern eine von innen. Im Zusammenspiel mit Devid Striesow und Thomas Thieme entstanden dann Schritt für Schritt, Szene für Szene die beiden Schwestern Doris und Inge.

Audiodatei mit O-Tönen von Volker Schlöndorff

Hier finden Sie die >Audiodatei

 

Volker Schlöndorff über die ersten Schritte zum Drehbuch von "Der verlorene Tag":
"Ich war im Urlaub auf Long Island und habe diese Fahnen bekommen. Das ist ja nicht so üblich, da hatte ich schon Respekt. Ich habe das gelesen und habe gleich gesagt: ‚Aber das ist ein Krimi, ich weiß gar nicht, wie das geht. Das ist nicht mein Genre.‘ Ich wusste aber auch, dass für mich die einzige Art, das herauszufinden war, dass ich mich einmal hinsetze und versuche hinzuschreiben, was ein mögliches Drehbuch wäre. Das habe ich in drei Wochen gemacht und habe das für mich sechs Monate lang als Verschlusssache gehalten, weil der kluge Produzent mir gesagt hatte, dass wir erst einmal einen Auftrag für ein Drehbuch haben müssen." (0:40)

Volker Schlöndorff zum Prozess, warum der Film in Erfurt spielt und nicht in München, wie im Roman:
"Das gab es eine Vorgeschichte: Als ich es gelesen habe und meinen ersten Versuch gemacht habe, habe ich es natürlich in München gelassen, da habe ich über 25 Jahre gelebt, das kenne ich gut. Irgendwie wurde mir das langweilig und habe mir gesagt, dass es doch interessant wäre, wenn das in einer Kleinstadt spielen würde, wo die jungen Leute weg wollen und eigentlich auch die Ehefrau weg will. Durch die Begegnung mit Thieme, der aus Thüringen ist, ergab sich das plötzlich, dass es eine ganz andere Kleinstadt gibt, und das ist Erfurt. Dann bin ich hingefahren und habe mir das angeschaut und habe gedacht, dass es eigentlich erstaunlich ist, dass hier noch nicht viel mehr gedreht wird. Das ist sozusagen der Inbegriff einer Kleinstadt, mit einer Altstadt, mit einem Dom und mit ganz vielen Plattenbauten und Einfamilienhäusern rund herum. Also alle Topoi einer deutschen Kleinstadt sind da versammelt." (0:58)

Volker Schlöndorff über die Zusammenarbeit mit Romanautor Friedrich Ani:
"Ich hätte gerne gewollt, dass Friedrich Ani mitarbeitet. Wir haben uns kennengelernt und ich habe ihm das vorgeschlagen und da war er sehr zurückhaltend. Dann habe ich gesagt: ‚Na, mindestens für die Dialoge.‘ Und zum Schluss hat er sogar noch drei Szenen nachgeliefert, die nicht im Roman sind."(0:19)

Volker Schlöndorff zu den Veränderungen, die im Drehbuch nötig waren:
"Die einzige Veränderung war zu Anfang diese Ortsänderung und ganz kurz vorm Drehbeginn: Im Roman liegen nämlich fünfzehn oder fast zwanzig Jahre zwischen dem Fall und dem Wiederaufrollen des Falles. Das heißt, Thieme und auch Ursina Lardi und Devid Striesow hätten alle um zwanzig Jahre gealtert oder verjüngt werden müssen. Und da habe ich gedacht: ‚Müssen wir uns das antun? Das ist wirklich mühsam.‘ Und auch da habe ich wieder den Versuch gemacht, das umzuschreiben, es sind jetzt nur ein, zwei Jahre dazwischen. Und wir hatten sofort den Eindruck, dass es eigentlich spannender ist, es ist noch mehr Druck drauf." (0:43)

Volker Schlöndorff über die Arbeit mit den Schauspielern:
"Ich probe gern vorher mit den Schauspielern. Das heißt, man liest das erst um den Tisch herum und dann steht man auch mal auf und sagt Herr Thieme und Frau Lardi umarmen sie sich mal. Fall ihm mal in den Arm, wie ist das? Er bleibt erst stehen. Wann legt er die Hand um sie? Wo liegt die Hand? Da kann man stundenlang daran basteln, bis es stimmt. Dafür hat man am Drehort nie Zeit. Deshalb ist es gut, wenn die Schauspieler einem vertrauen, weil es ist nicht im Vertrag festgesetzt, dass die außerdem noch eine Woche proben. Da warte ich schon immer erst einmal, was vom Schauspieler kommt." (0:36)

Volker Schlöndorff über seine Arbeit an einem Drehbuch:
"Das ist immer noch die beste Methode, die kleinen Zettel, die sind aber beinah so groß wie Kärtchen, wo man immer die Hauptsequenzen aufschreibt und an einer Pinnwand ein bisschen damit herumspielt. Dann nimmt man sich die Blöcke aus dem Drehbuch heraus, also es ist sehr handwerklich. Das sind erst einmal nur die Bausteine. Und dann merkt man, was zwischen den Episoden fehlt oder ob die lieber wo anders hingehen. Es ist ein handwerklicher Prozess. Ich schreibe noch sehr viel mit der Hand, weil ich mit meinen Wurstfingern zu langsam bin. Und ganz zum Schluss geht es dann erst in den PC. (0:36)

Volker Schlöndorff zum Thema Kritik und gut gemeinte Vorschläge:
"Es gibt Einreden, die sind störend und andere, die einen provozieren. Früher konnte ich es auch am Drehort überhaupt nicht ertragen, wenn mir jemand Vorschläge gemacht hat. Und irgendwann einmal lernt man, dass es nicht schaden kann, zuzuhören." (0:14)

Weitere Informationen

Fotos über: (06131) 70-16100 oder über https://presseportal.zdf.de/presse/dernamenlosetag

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