Copyright: ZDF / Jo Voets
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Der Tod und das Mädchen - Van Leeuvens dritter Fall

Der Fernsehfilm der Woche

Vor 30 Jahren wurde die damals neunjährige Vicky brutal vergewaltigt. Bruno van Leeuwen, der schon vor drei Jahrzehnten in dem Fall ermittelte, hält dank neuester DNA-Technik endlich einen Beweis in Händen. Mit diesem Beweis kann der Nachbar Piet Martens als der Vergewaltiger überführt werden. Doch Martens wird trotz der neuen Beweislage nicht vor Gericht gestellt, da die Tat knapp verjährt ist. Martens verlässt das Polizeipräsidium als freier Mann.

  • ZDF, Montag, 17. September 2018, 20:15 Uhr

Texte

Stab

Buch: Nicole Armbruster, frei nach der gleichnamigen Romanreihe von Claus C. Fischer                    

Regie: Hans Steinbichler

Kamera: Bella Halben 

Kostüm: Monika Gebauer       

Ton: Wim Fressen

Szenenbild: Anke Osterloh           

Schnitt: Christian Lonk, Jörg Kroschel

Musik: Sebastian Pille

Maske: Anette Keiser            

Casting: Sandra Köppe

Produktion: Network Movie Film- und Fernsehproduktion GmbH & Co. KG

Produzenten; Bettina Wente, Wolfgang Cimera

Co-Produzenten: A Private View, Dries Phlypo, Jean-Claude van Rijckeghem, Helen Perquy

Herstellungsleitung: Andreas Breyer, Grietje Lammertyn           

Redaktion: ZDF: Daniel Blum, ARTE: Olaf Grunert

Länge: 89 Minuten

Rollen / Darsteller

Bruno van Leeuwen: Peter Haber

Anton Gallo: Marcel Hensema

Tess: Laura de Boer

Vicky Jacobs: Katharina Lorenz

Maria Jacobs: Barbara Auer

Ruben Jacobs: Jörg Schüttauf

Piet Martens: Bruno Cathomas

Fleur Martens: Susanne Wuest

Nils Martens: Mats Thiersch

Dr. Nistelrooy: Wiebke Puls

Leitender Polizeidirektor: Peter Harting

Junger Polizist: Michiel de Meyer

Richter: Dirk Ossig

Vrouw Blom: Tanja Schleiff

Vicky (jung):Katharina Kron

Ruben (jung): Laurenz Laufenberg

Maria (jung): Tatjana Kästel

und andere

Inhalt

Vor 30 Jahren wurde die zu dieser Zeit neunjährige Vicky brutal vergewaltigt. Bruno van Leeuwen, der schon damals in dem Fall ermittelte, hält nun dank neuester DNA-Technik endlich einen Beweis in Händen. Mit diesem Beweis kann ein Nachbar als der Vergewaltiger überführt werden. Doch dieser, Piet Martens, wird trotz der neuen Beweislage nicht vor Gericht gestellt, da die Tat knapp verjährt ist. Martens verlässt das Polizeipräsidium als freier Mann. Aus ihrer Ohnmacht heraus stürzt sich Vicky auf Martens und schlägt mit einer Flasche auf ihn ein. Die Polizei trennt die beiden, und Martens' Anwältin zeigt Vicky wegen gefährlicher Körperverletzung an. Sie wird verurteilt und ist nun vorbestraft. Vickys Eltern sind außer sich. Ihre Tochter hat Jahre gebraucht, um sich nicht mehr als Opfer zu fühlen. Nun fürchten sie, dass ihr Martyrium von vorn beginnt. Doch an Vicky scheint all das vorbei zu rauschen. Sie stählt ihren Körper und scheint selbst das durch die Vorstrafe bedingte Ende ihrer Lehrerinnenkarriere wegzustecken. Dass diese Ruhe trügerisch ist, begreift Bruno van Leeuwen erst, als Piet Martens spurlos verschwindet. Dessen Sohn sieht in Vicky die Täterin. Als dann auch der Junge verschwindet, fürchtet van Leeuwen, dass sich die schrecklichen Ereignisse von damals wiederholen könnten.

Opfer und Täter - Statement der Produzentin Bettina Wente

Mit diesem, dem dritten Film mit dem wunderbaren Peter Haber als Kommissar Bruno van Leeuwen tanzt Regisseur Hans Steinbichler aus der Reihe und erweitert sie damit aufs Beste. Er fokussiert das dunkle Seelenleben einer jungen Frau statt die schönen Ansichten Amsterdams und macht die Stadt zu ihrem Resonanzboden, bringt sie zum Klingen. Weil ihn das Drehbuch von Nicole Armbruster hingerissen hat. Darin dreht sich alles um die Frage, ob man ein Trauma verwinden kann, wenn es einem als Kind zugefügt wurde. Hans Steinbichler wollte erkunden, wie es in der heute erwachsenen Frau aussieht. Einer Frau, die sich gepanzert hat, die kein Opfer mehr sein will. Und die sich plötzlich fragen muss, ob die einzige Alternative zum Opfersein darin besteht, selbst zur Täterin zu werden. Hans Steinbichler hat sich mit Haut und Haaren in diesen Film gestürzt, als hinge alles von ihm ab. Mich hat seine Rigorosität und Strenge, auch sich selbst gegenüber, sehr beeindruckt – und ich habe ihn von ganzem Herzen bei dieser Arbeit unterstützt. Ob der Film dem Zuschauer möglicherweise zu viel abverlangt, wird das Publikum entscheiden. Ich bin sehr froh, dass das ZDF und ARTE – allen voran Daniel Blum und Olaf Grunert – diese außergewöhnliche Tour de Force mitgetragen haben und hoffe darauf, dass wir diese vom Geist des Humanismus geprägte Reihe gemeinsam fortsetzen.

Wo ist die Trennlinie? Statement von Regisseur Hans Steinbichler

Beide Frauen, Mutter wie Tochter, müssen tief in die eigene Vergangenheit und gleichzeitig in ein anderes Land reisen, um zum vielleicht wichtigsten Moment menschlichen Daseins zu gelangen: dem Verzeihen. Seit meinem Debüt "Hierankl" beschäftigen mich die immer selben Themen und Begriffe: Freiheit und Determination, Recht und Gerechtigkeit sowie Verantwortung und Schuld. Wie in einer immer wiederkehrenden Versuchsanordnung konjugiere ich diese Zustände unter den Begriff der Familie, als Zentrum und Kristallisation des Menschseins. Der Protagonist Bruno van Leeuwen, wie auch die vorliegende Geschichte, sind nun eine weitere Spielart "meiner" Themen. Nur faszinierend anders gefasst. Wozu dient das Recht, wenn es – vollzogen – Ungerechtigkeit, Unglück und Leid herstellt? Kann ein Mensch den Strafvollzug, den der Staat eigentlich monopolisiert hat, an sich selbst vollziehen? Kann schließlich ein anderer Mensch das vollziehen, was der Staat versäumt hat? Worin unterscheiden sich Recht und Gerechtigkeit? Und wo ist die Trennlinie, die die Verantwortung zu Schuld wandelt? Ich habe mich selten mit so einem faszinierenden Schicksal wie dem unserer Protagonistin Vicky beschäftigen können. Und ich habe mich selten so auf ein Land wie Belgien* gefreut, das in meinem Empfinden das Raue und Harte dieser Geschichte so treffend abbilden kann. Die Möglichkeit, in Belgien zu drehen, ist ein filmisches Versprechen, das ich mit diesem Projekt einlösen will. *gedreht wurde unter anderen in Amsterdam und Antwerpen

Peter Haber über seine Rolle als Bruno van Leeuwen

Er ist ein intelligenter, sehr verschlossener Mensch, der sich nach dem Tod seiner geliebten Frau Simone im ersten Film "Eine Frau verschwindet" noch mehr zurückgezogen hat. Er ist nicht sozial, sondern die meiste Zeit für sich alleine. Er wäre kein Typ, der aus dem Urlaub Ansichtskarten an seine Kollegen schreibt. Für mich als Schauspieler ist es eine große Herausforderung, diesen traurigen, schwermütigen Menschen glaubwürdig darzustellen. Ich hoffe, das ist mir gelungen.

... über Gerechtigkeit für das Opfer. Ich glaube, es ist sehr wichtig, den Täter zu ermitteln, denn nur so kann ein Opfer Gerechtigkeit erfahren. Im Film sagt van Leeuwen: "Wir müssen den Täter finden." Das ist seine Motivation – auch nach 30 Jahren noch. Denn Vicky hat die Vergewaltigung ja nicht vergessen. Sie lebt mit der Tat, auch wenn sie zu van Leeuwen sagt, es sei vorbei, sie habe alles vergessen. Aber das ist nicht wahr. Sie hat nur gelernt, mit dem Trauma zu leben. Van Leeuwen weiß das, deshalb bleibt er hartnäckig – für Vicky. Nicht aus Prinzip, sondern aus Humanismus. Damit Vicky vielleicht Ruhe und auch Frieden finden kann und sie sieht, dass sie nicht allein gelassen wird.

... über die Zusammenarbeit mit Hans Steinbichler. Es war meine erste Zusammenarbeit mit Hans Steinbichler, und natürlich war sie ganz anders als die mit Matti Geschonneck, mit dem ich die ersten beiden Filme der Reihe gedreht habe. Die beiden arbeiten sehr unterschiedlich. Hans Steinbichler hat den Film nicht chronologisch gedreht, manchmal dachten wir, was machen wir jetzt? Das ist dann so, als würde man rückwärts spielen. Aber es war eine fantastische Zeit und sehr schön, mit Hans Steinbichler zu arbeiten.

.... über die Zuschauer.  Ich hoffe sehr, dass der Film viele Zuschauer erreicht und sich das Publikum auf diese harte, schwere Geschichte einlassen und sich öffnen kann. Denn für einen deutschen Film ist der Stoff ungewöhnlich dunkel. Unsere Schwedenkrimis sind ja immer sehr finster, wir haben aber auch keine Angst davor, wir leben ja schließlich die meiste Zeit im Jahr im Dunklen.

Katharina Lorenz

… über die Annäherung an die Figur Vicky. Die Annäherung fand vor allem während der Dreharbeiten und im ständigen Austausch mit dem Regisseur Hans Steinbichler statt. Bevor es damit allerdings losging, habe ich körperlich viel trainiert. Ich wollte damit der Figur Vicky einen Panzer verschaffen, hinter dem alles verschlossen ist, was sie als neunjähriges Mädchen erleben musste, und der sie gleichzeitig unangreifbar macht.

... über die Dreharbeiten. Die Dreharbeiten waren ein ständiges Suchen. Es gab keine strengen Vorgaben. Im Team mit Hans Steinbichler und der Kamerafrau Bella Halben wussten wir manchmal nicht, wohin uns die Improvisationen führen werden. Das erfordert absolutes Vertrauen aller Beteiligten und ein hohes Maß an Risiko, damit man sich nicht auf konventionelle Weise dem Thema nähert, sondern den Blickwinkel immer wieder wechselt. Das war oft sehr verwirrend und anstrengend, ist für mich aber ein Mindestmaß an Einsatz, einer solchen Figur und dem Thema gerecht zu werden.

... über Gerechtigkeit für ein Opfer nach 30 Jahren. Bringt die Überführung eines Täters nach 30 Sekunden, 30 Minuten oder 30 Tagen Gerechtigkeit? Ich weiß es nicht, und es hängt immer von der Konstitution des Opfers ab, so etwas wie Gerechtigkeit definieren und spüren zu können. Aber viel interessanter ist doch, dass es Verjährungsfristen gab und deshalb Täter nicht mehr ermittelt oder bestraft werden konnten. Diese Fristen darf es nicht geben.

... über die Zusammenarbeit mit Regisseur Hans Steinbichler. Es war eine Tour de Force. Wir sind gemeinsam auf die Suche nach dieser "Vicky" gegangen, mit größtem Respekt voreinander und gegenseitigem Vertrauen. Hans hat einen Wahnsinn, den ich sehr schätze und der für alle eine große Herausforderung bedeutet, aber auch Türen zu unbekanntem Terrain öffnet. Ich liebe diese Radikalität, die ich sonst nur vom Theater kenne.

Bruno Cathomas über seine Figur Piet Martens

Ich habe die Rolle des Vergewaltigers Piet nur spielen können, weil ich die Abgründe der Figur hinter der Liebe zu seinem Sohn verstecken konnte.

Susanne Wuest über ihre Figur Fleur Martens

Fleur hat mich von Anfang an wahnsinnig interessiert. Es ist schwer, über sie zu sprechen, ohne zu viel über die Handlung zu verraten, denn sie hat ein Geheimnis, das sie viele Jahre für sich behält und verdrängt. Zu sehen, was geschieht, wenn es ans Tageslicht kommt – wie sie auseinander fällt – Stück für Stück, das ist brutal und sehr menschlich. Ich habe versucht, dem so nahe wie möglich zu kommen. Was Fleur antreibt, muss jeder von uns für sich beantworten: Wie weit würden wir gehen, um unsere Kinder, unsere Familie zu schützen?

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