Copyright: ZDF/Helen Sloan
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Die Kinder von Windermere

Fernsehfilm und Begleit-Dokumentation

Anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz, des Internationalen Tages des Gedenkens an die Opfer des Holocausts und des deutschen Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus, zeigt das ZDF den Fernsehfilm "Die Kinder von Windermere", eine Koproduktion mit der BBC. Im Anschluss folgt "Die Kinder von Windermere – die Dokumentation".

  • ZDF, Montag, 27. Januar 2020, 22.15 Uhr
  • ZDF Mediathek, Ab Montag, 27. Januar 2020, 22.00 Uhr, bis Samstag, 25. Juli 2020

Texte

Windermere war der Grundstein für eine Zukunft in Freiheit

Nach ihrer Befreiung aus den Konzentrationslagern wurden 1945, am Ende des Zweiten Weltkrieges, 300 jüdische Kinder an den Lake Windermere gebracht. Der deutsche Psychologe Oscar Friedmann betreute die Kinder dort einen Sommer lang, und sie lernten, mit ihren grauenhaften Erfahrungen umzugehen. Dort wurde ihnen Hoffnung auf ein neues Leben gegeben.

"Die Kinder von Windermere" ist ein packendes Drama nach dieser wahren Begebenheit und wurde von BBC und ZDF anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau produziert. Der Film wird am Montag, 27. Januar 2020, zeitgleich in beiden Sendern ausgestrahlt. Außerdem wird an diesem Tag ein Screening des Films in der Bayrischen Vertretung in Brüssel vor Abgeordneten des Europäischen Parlaments stattfinden.

Der Film ist ein Zeichen der Hoffnung nach dem finstersten Kapitel deutscher Geschichte. Im Mittelpunkt stehen die Jugendlichen Arek Hershlikovicz, Ben Helfgott, Ike Alterman, Sala Feiermann, Salek Falinower und Sam Laskier. Die jungen Darsteller wurden in ganz Europa gecastet und hatten keine Schauspielerfahrung. Sala und Arek sind auch im wahren Leben ein Paar. Vor dem Dreh erhielten die Jugendlichen eine geballte Ladung Geschichtsunterricht, um sie so besser an ihre Rollen heranzuführen. Fußball ist eine tragende Storyline im Film. Leider konnten alle Jungen zu gut Fußball spielen. Das war ein Problem, denn vor der Kamera sollten sie bewusst schlecht performen, um dem englischen Gegner eine Chance zu geben. Am Set hat das für viele Lacher gesorgt.

Die Stärke dieser Kinder, ihr Mut und ihr Lebenswille zeichnen diesen Film aus und lassen ihn zum Erlebnis werden. In einer geschützten Umgebung wird den traumatisierten Kindern nach Jahren unmenschlicher Gräuel und permanenter Todesangst wieder ein angstfreier und lebensbejahender Alltag ermöglicht. Die Kinder lernen, was es heißt, genug zu essen zu haben und allein in einem Zimmer zu schlafen. Außerdem lernen sie Englisch und bereiten sich mithilfe des einfühlsamen Trainers Jock Lawrence (gespielt von Iain Glen) auf ein Fußballspiel mit den Einwohnern des Dorfes vor. Doch die Vergangenheit bleibt präsent, und viele bekommen erst in England Gewissheit, dass ihre Familien ausgelöscht wurden. Doch in Windermere werden sie in ihrem Schmerz und Kummer nicht alleingelassen.

Zentrale Figur und Ansprechpartner für die Kinder ist der Psychologe Oscar Friedmann, im Film gespielt von Thomas Kretschmann, der eine Art Vaterfigur für viele der Jugendlichen wird und dessen Ziel es ist, den jungen Heranwachsenden beim Bewältigen ihrer Erfahrungen zu helfen.

Das hoch emotionale Drehbuch von Simon Block beleuchtet ein bisher noch nicht erzähltes Kapitel aus dem Umfeld des Holocausts. Die Freundschaft der Kinder von Windermere war der Grundstein für eine Zukunft in Freiheit, und der Zusammenhalt ihrer Nachkommen ist ihr Vermächtnis.

Der Film erzählt die Geschichte eines Neuanfangs voller Hoffnung und Zuversicht, und er zeigt, was es bedarf, damit ein Neuanfang nach dem Grauen überhaupt möglich ist.

Claus Wunn, ZDF-Hauptredaktion Internationale Fiktion

Die Kinder von Windermere
Stab, Besetzung, Inhalt

Montag, 27. Januar 2020, 22.15 Uhr, ZDF
Ab Montag, 27. Januar 2020, 22.00 Uhr, bis Samstag, 25. Juli 2020, ZDFmediathek

Die Kinder von Windermere
Drama, Großbritannien 2019

Montagskino im ZDF

Free-TV-Premiere

Stab

BuchSimon Block
Regie Michael Samuels
Kamera Wojciech Szepel
Musik Alex Baranowski
SchnittVictoria Boydell
Szenenbild Ashleigh Jeffers
Produzent Warner Bros.
Redaktion Claus Wunn, Wolfgang Feindt
Länge ca. 90 Minuten

 

Die Rollen und ihre Darstellerinnen und Darsteller

Oscar Friedmann Thomas Kretschmann
Marie Paneth Romola Garai
Jock LawrenceIain Glen
Leonard MontefioreTim McInnerny
Rabbi WeissKonstantin Frank
Berish Lerner Marcel Sabat
George LauerPhilipp Christopher
Edith Lauer Anna Schumacher
Ben Helfgott Pascal Fischer
Sam Laskier Marek Wroblewski
Sala FeiermannAnna Maciejewska
Arek Hershlikovicz Tomasz Studzinski
Ike Alterman Jakub Sprenger
Chaim OlmerKacper Swietek
Salek Falinower Jakub Jankiewicz
Juliusz Lukasz Zieba
und andere

 

Inhalt

In dem Drama "Die Kinder von Windermere" wird die berührende Geschichte von rund 300 Kindern und Jugendlichen erzählt, die nach ihrer Befreiung aus den Konzentrationslagern während der Endphase des Zweiten Weltkrieges nach England gebracht werden. In der geschützten Umgebung am Lake Windermere sollen sie einen Sommer lang unter der Betreuung des deutschen Psychologen Oscar Friedmann lernen, mit ihren grausamen Erlebnissen während des Holocausts umzugehen.

Der Film rückt eine kleine Gruppe traumatisierter 13- bis 17-Jähriger in den Mittelpunkt, die, nach Jahren des Schreckens, wieder einen normalen, angstfreien und lebensbejahenden Alltag erleben können. Am Lake Windermere lernen sie wieder, was es heißt, zu leben. Hier legen sie den Grundstein für eine bessere Zukunft – auch, wenn viele der Kinder erst dort erfahren, dass es keine Hoffnung auf ein Wiedersehen mit ihren Familien gibt.

Interview mit Thomas Kretschmann

Herr Kretschmann, was hat Sie gereizt, die Figur des Psychologen Oscar Friedmann in "Die Kinder von Windermere" zu spielen?

Mich hat die Geschichte sehr berührt. Schon in der Vorbereitung auf den Film haben mich die überlebenden Kinder und Jugendlichen, die aus den Konzentrationslagern nach England gebracht wurden, fast mehr interessiert als die Rolle des Oscar Friedmann, den ich in dem Film spiele. Ich verstand meine Figur als Beobachter, als jemand, der nur eines tun kann: reagieren auf diese jungen Leute in einer fremden Umgebung, in der sie nun ein neues Leben beginnen sollten. Im Konzentrationslager hatten sie Dinge gesehen und erlebt, die man sich gar nicht vorstellen kann, und die sie nun, angekommen am Lake Windermere, nicht nur nachts in ihren Träumen verfolgten. Oscar Friedmanns Aufgabe bestand darin, diese jungen Menschen zu stärken, damit sie sich wieder dem Leben zuwenden konnten.

Beim Lesen des Drehbuchs fühlte ich mich ein bisschen an das Gefühl erinnert, das ich bei "Der Pianist" von Roman Polanski hatte, in dem ich auch mitwirkte. Ich habe schon viele Figuren verkörpert, die es wirklich gab, und weiß um meine Verantwortung diesen Personen gegenüber. Mein Ziel als Schauspieler ist es, den Figuren, die ich spiele, möglichst gerecht zu werden.

Wie haben Sie sich Ihrer Figur angenähert, wie haben Sie sie interpretiert?

Da es relativ wenig Material zu Oscar Friedmann gibt, konnte ich ihn für mich neu erfinden. Ich habe mich bemüht, ihm eine sozusagen ehrliche Haut zu geben. Mir war es wichtig, die Figur zu unterspielen, sie nicht wortgewaltig, sondern zurückhaltend und so nebensächlich wie möglich darzustellen. Die meiste Zeit während des Films lässt Friedmann die Dinge laufen; er lässt sie sich entwickeln, er schaut zu und reagiert nur, wo es wirklich notwendig ist, wie etwa, als sich die britischen Jungen im Dorf über eine Gruppe dieser Jugendlichen lustig machen. Da setzt sich Friedmann als aktiver Beschützer ein: nicht laut, nicht mit erhobenem Zeigefinger, aber so entschieden, dass die Botschaft bei den britischen Jugendlichen ankommt.

Inwieweit halten Sie diesen Film für wichtig?

Das Bewegende an diesem Film ist, dass er dem Horror des Naziregimes menschliches Handeln entgegensetzt. Für die Kinder, die dank der Initiative des Central British Fund, einer privaten Wohltätigkeitsorganisation, in Windermere aufgenommen und betreut wurden, bedeutete es einen Neuanfang, die Aussicht auf ein nahezu normales Leben, obwohl sie alle ihre Familien verloren hatten. Die Inszenierung des Films wird dem Thema, meiner Meinung nach, absolut gerecht. Das Ensemble war großartig besetzt, vor allem die jungen Darsteller haben stark gespielt. Sie haben mich sehr beeindruckt.

Mit Thomas Kretschmann sprach Gitta Deutz

Statements der Schauspieler

Konstantin Frank (Rabbi Weiss)

Für mich geht es in diesem Film um den absoluten menschlichen Kern, der durch keine Grausamkeit auf der Welt endgültig vernichtet werden kann. Auch fünf Jahre im Konzentrationslager können das Menschliche in uns nicht auslöschen, und es ist nie jemand für immer verloren.

Schon das Drehbuch von Simon Block hat mich sehr beeindruckt – es war präzise und sehr einfühlsam geschrieben. Man begreift sofort, dass jedes dieser Kinder einzigartig ist – trotz ihrer großen gemeinsamen tragischen Erfahrung. Das war für mich das Wichtige an dem Projekt: wie es funktionieren kann, wenn jeder Mensch in seiner Besonderheit und auf Augenhöhe begleitet wird. Michael Samuels hat das sehr klug und liebevoll umgesetzt.

Ich spiele den jungen Rabbi Weiss, der die Kinder mit einer undogmatischen Selbstverständlichkeit begleitet und unterrichtet. Man muss verstehen, dass die meisten dieser Kinder aus Familien mit einem religiösen Weltbild kamen und dieses zusammen mit ihren Familien vernichtet wurde. Der Rabbi unterstützt die Kinder am besten gerade durch seine einfache und verständnisvolle Art. Das ist ein wunderbares Konzept: sich nicht über jemanden stellen, belehren oder irgendwohin führen, sondern einfach da sein, verlässlich und als einer von ihnen. Das hat mich an der Rolle sehr gereizt.

Die Arbeit an dem Film war sehr besonders, weil neben großartigen erwachsenen Kolleginnen und Kollegen, vor allem die jugendlichen Schauspieler und Schauspielerinnen den Film getragen haben. Mit ihnen zu arbeiten, war absolut beeindruckend, wobei man sagen muss, dass es sie verständlicherweise auch emotional sehr mitgenommen hat. Sowohl Michael Samuels als auch Alison Sterling, unsere Produzentin, und wir als Ensemble haben sie bei der Arbeit sehr liebevoll und gewissenhaft unterstützt. Sie konnten richtig aufblühen, und es war eine große Freude, mit ihnen zu arbeiten.

Philipp Christopher (George Lauer)

Bei so einem Projekt fällt es einem Schauspieler leicht, zuzusagen, denn es spricht Themen wie Hilfe und Menschlichkeit sowie das Überwinden von furchtbaren Erfahrungen an. Der Film erzählt von einer Seite des Krieges und des Terrors, die so oft unerwähnt bleibt: die Heilung. Ich war mir über diese "Rettungsaktion" des Central British Fund nicht bewusst und sehr von der Geschichte angetan. Die Rolle des George Lauer basiert auf einer wahren Person, jedoch wies unser Regisseur ausdrücklich darauf hin, niemanden imitieren zu wollen, sondern einen eigenen Charakter zu schaffen. Ich habe mir trotzdem ein Interview mit George Lauer aus den 90er Jahren angeschaut, um einfach mehr über seine Geschichte zu erfahren. Dabei habe ich mir dann doch die ein oder andere Körperlichkeit oder Gestik abgeschaut. Auch habe ich das Buch "The Boys" gelesen, das Grundlage für den Film war.

Die emotionale Bindung zu den Kindern entstand ganz automatisch, da ich selbst einen Sohn habe. Wenn man um die Zerbrechlichkeit, die Abhängigkeit und auch das Bedürfnis nach Liebe eines Kindes weiß, dann ist dieses Thema umso greifbarer. Die Produktion war international besetzt, da neben den deutschen auch Schauspieler aus Polen und Großbritannien dabei waren. Alle zogen am selben Strang, denn sie wollten diese Geschichte erzählen und waren sich insofern ihrer Bedeutung bewusst. Es ist ein Geschenk, ein solches Thema mit so einem grandiosen, respektvollen und internationalen Cast und Produktionsteam filmisch umzusetzen.

Anna Schumacher (Edith Lauer)

In "Die Kinder von Windermere" spiele ich Edith Lauer, eine historische Persönlichkeit. Zusammen mit ihrem Mann, George Lauer, hat sie die Schrecken des Holocausts überlebt. Beide helfen, 300 Waisenkinder nach der Befreiung aus den Konzentrationslagern nach Calgarth Estate in Lake Windermere/England zu bringen, wo diese die Möglichkeit haben, zu genesen. Die ersten drei Monate verbringen sie dort, um den Kindern die schwierige Eingewöhnungszeit zu erleichtern. Edith wird zu einer wichtigen Bezugsperson für die Waisen, denn sie vertrauen ihr. Zudem vermittelt sie zwischen ihnen und den englischen Pädagogen, die sich um die Genesung der Überlebenden kümmern. 

Edith ist selbstlos in ihrem Versuch, den Kindern zu helfen, ein normales Leben zu beginnen. Diese Aufgabe gibt ihrem eigenen Leben Hoffnung und einen neuen Sinn. Als die Waisenkinder Fortschritte machen und sich langsam zwischen ihnen Freundschaften bilden, ist es für Edith und George Zeit, für einen eigenen persönlichen Neuanfang. Später werden sie nach Amerika auswandern und dort eine Familie gründen.

Einen bleibenden Eindruck hat bei mir das Spiel der jungen Schauspieler hinterlassen: wie sie ihre Rollen verinnerlicht und mit welcher Intensität sie gespielt haben. Selten fiel es mir so schwer, Abschied von einer Figur zu nehmen, von der atemberaubend schönen Landschaft in Nordirland, wo wir drehten, und den wundervollen Menschen, mit denen wir gemeinsam an diesem sehr besonderen Film gearbeitet haben. Ich bin sehr dankbar, ein Teil davon gewesen sein zu dürfen. 

Die Kinder von Windermere – Die Dokumentation

Montag, 27. Januar 2020, 23.45 Uhr

Die Kinder von Windermere – Die Dokumentation
Film von Nancy Bornat

RedaktionCarl-Ludwig Paeschke
Längeca. 43 Minuten

 

Inhalt

In der Dokumentation zum Film "Die Kinder von Windermere", über Jugendliche, die bei Kriegsende aus Konzentrationslagern der NS-Zeit nach England gebracht wurden, erzählen Überlebende ihre Geschichte.

"Wir kamen aus der Hölle in den Himmel", erinnert sich Sam Laskier. Er war einer der 300 jungen Juden verschiedenster Nationalitäten, die sich nach der Befreiung der KZs durch die Alliierten im englischen Windermere erholen sollten.

In der idyllischen englischen Landschaft rund um den See von Windermere wurden die Kinder von Familien aufgenommen. Sie fanden dort eine neue Heimat. Mit psychologischer Unterstützung sollten sie lernen, ihre traumatischen Erlebnisse zu verarbeiten. Einige der letzten noch Lebenden des Kindertransportes berichten in sehr persönlichen Statements von ihren Erfahrungen.

Wie andere, die sein Schicksal teilten, schildert Arek Hersh in der Dokumentation, was der Neuanfang für ihn bedeutete: "Ich begann wieder, mich als ein menschliches Wesen zu fühlen." Der therapeutische Umgang mit den traumatisierten Kindern beeinflusste die Entwicklung der Kinderpsychologie weltweit. Auch deshalb ging das "Windermere-Projekt" in die Geschichte ein.

Fotos

Fotos sind erhältlich über ZDF Presse und Information, Telefon: 06131 – 70-16100, und über https://presseportal.zdf.de/presse/windermere

Weitere Informationen

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