Lebe lieber italienisch!

Herzkino

Typisch deutsch oder typisch italienisch? Den Clash of Cultures nach 20 Jahren deutsch-italienischer Ehe erzählt die "Herzkino"-Komödie, in der Paolo Sanseviero mit seiner Frau Martina nach dieser langen Zeit erstmals wieder in seine Heimat reist, wo nichts mehr so ist wie früher. Olaf Kreinsen inszenierte die Koproduktion für das ZDF und RAI Fiction mit Tanja Wedhorn und Alessandro Preziosi in den Hauptrollen.

  • ZDF, Sonntag, 8. Juni 2014, 20.15 Uhr

Texte

Eine Prise "Dolce Vita"

Typisch deutsch oder typisch italienisch? Zwei Wochen nach der Wahl zum EU-Parlament werden unsere Zuschauer eine "Herzkino"-Komödie um einen Italiener erleben können – einen Clash of Cultures im europäischen Haus der Kulturen, der im Kleinen durchaus Ähnlichkeiten hat mit jenen Herausforderun­gen, vor denen Europa auch im Jahre 48 nach den passender­weise sogenannten Römischen Verträgen noch steht.

Sie ticken eben anders, die Uhren südlich der Alpen, und die Köpfe nicht minder, wie der seit 20 Jahren in Deutschland le­bende Paolo Sanseviero, hervorragend gespielt von dem italieni­schen Film- und Fernsehschauspieler Alessandro Preziosi, nach seiner Rückkehr in seinen apulischen Geburtsort feststellt. Der akribische Roboteringenieur benimmt sich deutscher als die Deutschen, was seine italienische Verwandtschaft ebenso amü­siert wie befremdet beobachtet. Aber auch Paolos deutsche Frau Martina, wunderbar verkörpert von Tanja Wedhorn, guckt kritisch auf ihren zum Workaholic verkommenen Ehemann. Die Sonne des Südens öffnet ihr endlich die Augen für das, was ihr wirklich fehlt: neben Wärme und Zuwendung auch Aufrichtigkeit und ge­genseitiges Vertrauen.

Die beiden Autorinnen Anna Samueli und Cecilia Calvi haben sehr genau hingeschaut bei der Entwicklung ihrer Figuren. Letzt­lich, so ihr Credo, kann keiner seine Wurzeln verleugnen und so lassen sie ihre Figuren auch agieren: Während Martina somit, "typisch deutsch", Werte wie Wahrhaftigkeit und gegenseitige Verantwortung nach vorne stellt und dabei fast ihre Ehe opfert, ist für die Italienerin Gina, Paolos Ex, das Gefühl im Hier und Jetzt das einzige, was zählt. Paolo wiederum streift nach und nach ei­nen Teil seiner fremden "deutschen" Tugenden wieder ab und entdeckt sich neu als Mensch, der auch mal im Affekt agiert.

Diese durch und durch deutsch-italienische Koproduktion von ZDF und Rai mit Beta Film und Rowboat trägt in ihrem Kern den Gedanken, dass in der Verbindung zweier nationaler Sicht- und Erzählweisen etwas Neues und Eigenes zu entstehen vermag. Clash of Cultures meint hier nicht, dass Kulturen einfach nur auf­einanderprallen, sondern dass sie miteinander interferieren und sich dadurch das Neue ergibt. Regisseur Olaf Kreinsen hat dies mit leichter Hand und hoher Sensibilität für beide Seiten insze­niert, so dass auch für das Herzkino einstweilen die Erkenntnis bleibt, wie wohltuend sich eine Prise "Dolce Vita" beizeiten aus­wirken kann.

Paolo und Martina jedenfalls wissen am Ende ihrer Reise, dass sie lieber etwas italienischer leben. Im heimischen Italien.

Alexander Bickel und Beate Bramstedt
Hauptredaktion Fernsehfilm/Serie II

Lebe lieber italienisch! - Stab, Besetzung, Inhalt

Sonntag, 8. Juni 2014, 20.15 Uhr
Herzkino

Regie      Olaf Kreinsen
Buch        Cecilia Calvi, Anna Samueli
Kamera        Patrizio Patrizi
Musik        Fabrizio Tentoni
Szenenbild        Francesca Passadore
Produzent        Sam Davis
Redaktion        Beate Bramstedt, Alexander Bickel
Länge        87 Min.

 

Eine Koproduktion für das ZDF und RAI Fiction von Rowboat Film und Beta Film

 

Die Rollen und ihre Darsteller

Martina Sanseviero Tanja Wedhorn
Paolo SansevieroAlessandro Preziosi
Antonio SansevieroPeppino Mazzotta
Gina RanieriKarin Proia
Angelina Sanseviero Nunzia Schiano
SchumyElmar Gehlen
Florian SansevieroPatrick Mölleken
Zio FefèFranco Paltera
Maria Ranieri Chiara Paoli  
Don Sasà Umberto Sardella
Vito Quaglietta  Nicola Rignanese
Santo PitagoraMichele de Virgilio
Miro Sanseviero  Massimo Salvato

und viele andere

 

Inhalt

Den Clash of Cultures nach 20 Jahren deutsch-italienischer Ehe erzählt die "Herzkino"-Komödie "Lebe lieber italienisch!", in der Paolo Sanseviero mit seiner Frau Martina nach 20 Jahren erstmals wieder in seine Heimat reist, wo nichts mehr so ist wie früher.

Paolo Sanseviero ist Professor an einer deutschen Universität und mittlerweile mehr mit seiner Forschungsarbeit als mit seiner Frau verheiratet: Als er im Begriff ist, die nächste Stufe der Karri­ereleiter zu erklimmen, beschließt Martina, ihn zu verlassen. Ge­nau in diesem Moment erreicht Paolo eine schlimme Nachricht: Sein Bruder Antonio teilt ihm mit, dass ihre Mutter im Sterben liegt. Als Martina das hört, springt sie über ihren Schatten und begleitet ihren Mann nach Italien. Es ist eine schwierige Reise, die die beiden antreten. Denn es war Paolos Mutter, die ihn vor 20 Jahren des Hauses verwiesen hat.

Umso verwirrender die Situation bei der Ankunft in Apulien: "La Mamma" geht es blendend, jedoch droht der Familie der Exis­tenzverlust. Fallende Olivenöl-Preise erzwingen den Verkauf der Plantage, wofür Antonio dringend die Unterschrift seines Bruders braucht. Diese aber verweigert Paolo. Er will den Dingen erst einmal auf den Grund gehen und ist sich sicher, den Familienbe­sitz retten zu können. Dabei kommen sich Paolo und Martina wie­der näher. Aber dann wird Paolo von seiner geheimnisvollen Ver­gangenheit eingeholt. Martina stellt entsetzt fest, wie wenig sie von ihrem Mann wirklich weiß. Enttäuscht beschließt sie, nach Deutschland zurückzukehren – ohne ihn. Eine Ehe ohne eine Vertrauensbasis ist für sie keine Ehe. Paolo setzt alles dran, Martina zu beweisen, dass sich ein Neuanfang mit ihm lohnt.

Allein unter Italienern

Statement von Regisseur Olaf Kreinsen

Die Dreharbeiten zu "Lebe lieber italienisch" bargen für mich eine ganz besondere Herausforderung: der erste Film, den ich mit ei­ner komplett italienischen Crew drehen sollte! Die einzigen Deutschen vor Ort waren unsere drei Schauspieler, meine Frau, die diese als Chefmaskenbildnerin betreute, und ich.

Seit sieben Jahren leben wir den größten Teil des Jahres in Italien. Wir kamen damals dort an, ohne ein Wort italienisch zu sprechen. Mittlerweile sind wir ganz gut im Smalltalk geworden – aber plötzlich sollte ich mich mit Produzenten über Budgets, Drehpläne und Drehbücher unterhalten und streiten, italienischen Starschauspielern Regieanweisungen geben, mich mit ihnen über Emotionen und Motivationen austauschen?

Die dem Drehbuch zugrundeliegende Idee, einen "culture clash" zwischen Italien und Deutschland zu erzählen, kam hinter den Kulissen zu wahrem Leben. Zwei völlig unterschiedliche Systeme von Produktion, Kommunikation, vor allem aber auch von Krisen­management prallten aufeinander. Süditalien ist einfach eine an­dere Welt. Italienisches Denken, Fühlen, Handeln ist weit weg von unseren deutschen strukturierten Herangehensweisen, alles scheint immer unausweichlich im Chaos enden zu wollen, wel­ches dann kurz vor der Katastrophe auf wundersame Weise quasi zwangsläufig in erstaunlich einfachen Lösungen verschwindet.

Als braver Deutscher war ich perfekt vorbereitet, hatte einen ge­nauen Plan, den ich wochenlang mit allen Mitarbeitern besprach – nur um an jedem Drehtag morgens die gleiche Frage gestellt zu bekommen: Was machen wir denn heute? Und – ich habe es ge­nossen. Diese Dreharbeiten waren sozusagen das Beste aus bei­den Welten, auf der Grundlage der Planungen ließ sich herrlich improvisieren, alle zauberten aus dem Nichts hervor, was immer benötigt wurde; eine großartige Crew und großartige Schauspie­ler.

Ohne allerdings ein grundlegendes Verständnis für beide Kulturen zu haben, wäre ich wohl gescheitert. Oder hätte mir die Nerven ruiniert (jedenfalls noch mehr, als ich es ohnehin schon tat). Oder hätte mich mit den Beteiligten zum morgendlichen Duell getroffen (lacht).

So aber kann ich sagen: es war tatsächlich ein großartiges Ver­gnügen voller wunderbarer menschlicher Begegnungen, voller herausragender (Lern) -erfahrungen und mit fantastischen Essen und Trinken. Das eine Resultat ist dieser Film, der die Lust und Liebe aller Beteiligten hoffentlich spüren lässt, das andere Re­sultat sind immer noch drei Kilo zu viel.

"'Fühlt sich an, wie mindestens 14 Jahre verheiratet'"

Interview mit Schauspielerin Tanja Wedhorn

Martina Sanseviero ist eine selbstbewusste und einfühlsame Ehefrau und Mutter, deren Leben in Italien völlig auf den Kopf gestellt wird. Was hat Sie an der Rolle und dem Drehbuch begeistert?

Die Rolle der Martina fand ich spannend, weil sie eher eine zu­rückgenommene, beobachtende Person ist. Sie spricht nicht viel, aber was sie sagt, ist überlegt und auch so gemeint. Insgesamt begeistert hat mich natürlich die Vorstellung mit italienischen Kollegen und einem italienischen Team in Apulien zu arbeiten – was für ein Abenteuer! Und nach der Leseprobe in Rom mit die­sen großartigen italienischen Schauspielern hatte ich zu dem oh­nehin wunderschönen Drehbuch keine Fragen mehr – alles machte Sinn.

Martinas und Paolos Ehe steht auf der Kippe, es kriselt ge­waltig, der Sohn rebelliert. Martina setzt Paolo die Pistole auf die Brust: es muss sich etwas ändern! Können Sie Martinas Handeln nachvollziehen?

Natürlich kann ich Martina verstehen: Sie liebt Paolo, aber er ist seit Jahren in seiner eigenen Welt, macht Versprechungen, hält sie hin. Der Sohn ist groß, sie ist eine unabhängige, berufstätige Frau. Vermutlich würde ich den Schritt auch machen!

Arbeiten, wo andere Urlaub machen. Wie waren die Drehar­beiten im wundervollen Apulien?

Das Arbeiten in Apulien war fantastisch. Ich kannte diese Gegend Italiens nicht und bin absolut begeistert! Hier machen Italiener Urlaub! Es gibt keine Touristenhochburgen, sondern zauberhafte alte Städtchen, Olivenhaine, schroffe Klippen, die ins Meer ab­fallen und den vielleicht besten "Peche crudo" der Welt (zumin­dest wenn man mit dem Star Alessandro Preziosi essen geht)!

Was war das Besondere an den Dreharbeiten mit einem itali­enischen Filmteam?

Die Verabredung war, dass die Set-Sprache Englisch ist. Schon nach der sehr lebhaften und lustigen Leseprobe in Rom war mir klar, dass daraus vermutlich nichts wird. Sobald einer der Italie­ner mal schnell eine kleine Frage auf Italienisch in die bemüht englische Konversation warf, brachen alle Dämme und neun Itali­ener debattierten wild gestikulierend durch die Gegend – zeit­gleich und auf italienisch versteht sich. So war es dann auch am Set! Meine Rettung war unser grandioser Regisseur Olaf Kreinsen, der virtuos alle Bälle in der Luft hielt. Er war mein Bindeglied zur "italienischen Welt", da er sowohl deutsch als auch fließend italienisch spricht.

Alessandro Preziosi zählt zu den bedeutenden Schauspielern Italiens. Wie war die gemeinsame Zusammenarbeit?

Alessandro ist großartig! Er ist ein absolut professioneller Kollege und ein toller, italienischer Mann! Charmant, witzig, klug. Nachdem wir die Anfangsszene, den Ehestreit, gedreht hatten, haben wir uns angegrinst und gesagt: "Joa, fühlt sich an, wie mindestens 14 Jahre verheiratet …"

Mit Patrick Mölleken haben Sie einen sehr kreativen, eigen­sinnigen Filmsohn, hinter dem Sie hundertprozentig stehen. Wie unterstützen Sie Ihre eigenen Söhne in ihrer Kreativität?

Die Kreativität meiner Söhne besteht darin, Fußball zu spielen oder zu gucken – am Liebsten immer und beinahe ausschließlich. Meine Unterstützung besteht darin, ihnen Trikots, Bälle und Stut­zen zu kaufen, sie zum Training zu begleiten und samstags zur Sportschau Pizza zu backen.

Das Interview führte Julia Kainz

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