Copyright: ZDF / Arnim Thomass
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Spreewaldkrimi – Totentanz

Fernsehfilm der Woche

Ein junger Blogger aus Frankfurt kehrt zur Fastnachtszeit zurück in den Spreewald, seine alte Heimat. Am Morgen nach der großen Fastnachtsparty wird er nackt und tot auf einem Acker gefunden. Ist es ein unglücklicher Unfall, wurde er ermordet oder war es Selbstmord? Digitale und reale Spuren vermischen sich. Doch Kommissar Krüger (Christian Redl) ermittelt traditionell.

  • ZDF, Montag, 8. Februar 2021, 20.15 Uhr
  • ZDF Mediathek, Ab Montag, 1. Februar 2021, 10.00 Uhr

Texte

Fastnacht als melancholische Meditation
Vorbemerkung von Redakteur Pit Rampelt

Alle guten Dinge sind mindestens vier und 13 ist keine Unglückszahl: Der Regisseur Kai Wessel inszeniert mit "Totentanz" seinen vierten Spreewaldkrimi und der Autor Thomas Kirchner hat bisher jedes, also auch dieses dreizehnte Drehbuch der Reihe geschrieben.

Magie, Mystik und Märchen sowie mäandernde Zeitebenen dieser zauberhaft verwunschenen Landschaft sind Charakteristika der Spreewaldkrimi-Reihe. In jedem Film gibt es zudem ein für die Region spezifisches Thema. Dieses Mal geht es um die "Zapust", die wendische Fastnacht, und das damit verbundene "Zampern", bei dem die Bewohner mit Masken und Kostümen verkleidet durch das Dorf ziehen und um den Kontrast und die Verschränkung von alter Tradition und moderner Internet-Welt.

Gedreht wurde dieser Film Anfang 2020 kurz vor Ausbruch der Coronapandemie, die dann bei der Postproduktion neue Herausforderungen stellte. Herausgekommen ist ein intensives Stimmungsbild des Spreewaldes zur fünften Jahreszeit. Aus "Tödliche Fastnacht" – so der Arbeitstitel – wurde "Totentanz", eine melancholische Meditation über die Verlorenheit in einer verwaisten Provinz, die mit der beklemmenden Atmosphäre nun fast wie eine unheimliche Vorwegnahme des uns alle beherrschenden Ernstfalls wirkt.

Kai Wessel hat bei diesem Film zwar mit einem neuen Kameramann, Moritz Schultheiß, zusammen gearbeitet, aber ansonsten wieder sein Kreativ-Team hinter der Kamera versammelt: Szenenbildner Thilo Mengler, Kostümbildnerin Petra Fichtner waren schon bei mehreren Spreewaldkrimis dabei und die Editorin Tina Freitag hat die besondere Ästhetik dieser Reihe mehrfach und schon beim ersten Film mit ihrer Schnittweise mitgestaltet, genauso wie der Komponist Ralf Wienrich, der es sogar unter Coronabedingungen geschafft hat, hierfür einige Tracks mit dem Deutschen Filmorchester Babelsberg aufzunehmen.

Vor der Kamera agiert das prägende Ermittlertrio, Christian Redl als alternder Kommissar Krüger, Thorsten Merten als abwanderungswilliger Ordnungspolizist Fichte und die kranke Gerichtsmedizinerin Marlene. Bei der reifen Generation hat noch Thomas Bading als ehemaliger Lehrer einen bewegenden Auftritt. Ansonsten spielen Jugendliche die Hauptrollen. Matti Schmidt-Schaller kennt man schon von anderen Fernsehfilmen. An seiner Seite empfiehlt sich eine ganze Riege talentierter Jungschauspieler in vorderster Reihe: Marlene Tanczik, Luzia Oppermann, Karl Schaper, Enno Trebs, Ron Helbig, Kjell Brutscheidt und andere.

Der Produzent Wolfgang Esser und der Autor Thomas Kirchner sind zwei Garanten für den langjährigen Erfolg der Spreewaldkrimis im ZDF. Thomas Kirchner – ziemlich einmalig im deutschen Fernsehen 15 Jahre lang der alleinige Autor einer 90-minütigen Reihe – hört als Autor dieser Reihe auf. Er will nach dreizehn Drehbüchern nunmehr Geschichten ohne Spreewald schreiben. Rückkehr in der Zukunft nicht ausgeschlossen.

Aber die Spreewaldkrimi-Reihe im ZDF geht weiter. Produzent Wolfgang Esser plant bereits die Dreharbeiten zum 14. Film für das Frühjahr 2021.

Pit Rampelt ist Redakteur in der ZDF-Redaktion Fernsehfilm I.

Stab, Besetzung, Inhalt

Montag, 8. Februar 2021, 20.15 Uhr
Fernsehfilm der Woche
Spreewaldkrimi – Totentanz

Regie_____Kai Wessel
Buch_____Thomas Kirchner
Kamera_____Moritz Schultheiß
Szenenbild_____Thilo Mengler
Kostüm_____Petra Fichtner
Schnitt_____Tina Freitag
Musik_____Ralf Wienrich
Music Supervision_____Hansjörg Kohli
Casting_____Karimah El-Giamal
Produktionsleitung______Hartmut Damberg
Producerin_____Julia Lamp
Produzent_____Wolfgang Esser
Produktion_____Aspekt Telefilm
Redaktion_____Pit Rampelt
Länge_____cirka 88 Minuten

Die Rollen und ihre Darsteller
Thorsten Krüger_____Christian Redl
Fichte_____Thorsten Merten
Marlene Seefeldt_____Claudia Geisler-Bading
Anton Phillipp_____Ron Helbig
Lukas Fiebow_____Matti Schmidt-Schaller
Nina Doebel_____Marlene Tanczik
Otto Landmann_____Enno Trebs
Felix "Glubschi" Rösch_____Kjell Brutscheidt
Vicki Konzack_____Luiza Oppermann
Paul Konzack_____Karl Schaper
Georg Schmolka_____Thomas Bading
Frau Doebel_____Carina Wiese
Gastwirt_____Robert Mika
und andere

Inhalt:
Der Frankfurter Blogger Lukas kehrt zur Fastnachtszeit zurück in den Spreewald, seine alte Heimat. Am Morgen nach der großen Fastnachtsparty wird er nackt und tot auf einem Acker gefunden. Er feierte zusammen mit seiner alten Jugendclique in Masken und Kostümen und kommentierte alles für seine Follower im Internet, kritisch und dystopisch. Alkohol und Drogen waren im Spiel. Ist sein Tod ein unglücklicher Unfall, wurde er ermordet, oder war es Selbstmord?

Digitale und reale Spuren vermischen sich. Fichte versucht, sich mithilfe eines jungen IT-Spezialisten einen Zugang zur Welt des toten Bloggers zu verschaffen. Krüger ermittelt traditionell und hofft, dass seine Intuition im echten Leben wieder funktioniert. Beide hadern damit, welchen negativen Einfluss Social Media auf das soziale Zusammenleben haben kann und wie das Bewusstsein schwindet, für das eigene Handeln Verantwortung zu übernehmen. In dieser melancholischen Meditation über das Verlorensein in einer verwaisten Provinz versucht Krüger, sich ins Private zurückzuziehen und der Pathologin Marlene bei einer schweren Krankheit beizustehen.

Fragen an den Spreewaldkrimi-Autor Thomas Kirchner

Wie sind Sie darauf gekommen für "Totentanz", die beiden Themen Fastnacht und Social Media miteinander zu verweben? Was hat Sie an dieser Kombination gereizt?

Das Zusammenspiel von Altem und Neuem. Die Fastnacht ist ein uralter Brauch und geht auf heidnische Feste der Wintervertreibung zurück, als unser Leben noch vom Wetter und dem verlässlichen Wechsel der Jahreszeiten abhing. Das Gedicht am Anfang des Films ist von Kito Lorenc (sorbisch-deutscher Lyriker, 1938–2017). Zitiert wird dieses Gedicht von einem jungen Mann – er spricht es in sein Smartphone, für seine Follower. Für ihn hängt das Leben nicht mehr vom Wetter, sondern von seiner Wahrnehmung im Netz ab. Dort formuliert er seine Gedanken. Was bleibt vom alten Brauch? Was zählt? Nur Party und Besäufnis? Oder leuchtet dort auch eine tieferliegende Sehnsucht nach Tradition auf, nach Bewahrung und direktem Erleben in einer sich zunehmend marginalisierenden, im Digitalen auflösenden Welt? Mich reizte eine alte Kulturlandschaft und Tradition in einer neuen medialen Durchdringung. Und das Neue, das Sozial-Mediale, fördert wieder das Alte zutage, zuweilen auch archaisch Unsoziales: Gefühle von Verlust und Ohnmacht, Erniedrigung und Rache.

"Spreewaldkrimi – Totentanz" hat eine besondere Tiefe, aber zugleich eine Schwere. Warum wollten Sie das so? Ist das darin begründet, dass es Ihr letzter Spreewaldkrimi ist und Sie auch so etwas wie Abschiedsschmerz spüren?

Als ich das Drehbuch schrieb, wusste ich noch nicht, dass es mein letzter Spreewaldkrimi sein würde. Klar hingegen war, dass dieser Film ein Etappenziel formuliert. Der Sender hatte seine legitimen Wünsche, wie es mit der Reihe weitergehen soll, der Produzent ebenso. So ist dieser Film auch ein bzw. mein Resümee der bisherigen Filme. Deshalb ist "Totentanz" auf der einen Seite schwer und von Abschied geprägt. Auf der anderen Seite waren noch nie so viele junge Leute in einem Spreewaldkrimi zu sehen. Dass die ihrerseits nicht ganz unbeschwert sind, liegt im generell eher nachdenklich-mystischen Naturell der Reihe.

Sie sind der Autor der Spreewaldkrimis und haben alle 13 Drehbücher geschrieben. Warum hören Sie jetzt auf?

Weil nach diesen 13 Filmen ein Ziel erreicht ist, von dem aus neu aufgebrochen werden soll. Meine Reise hingegen ist an dieser Stelle zu Ende. Sie war 15 Jahre lang ziemlich einzigartig, und dafür möchte ich allen Mitstreitern herzlich danken und ihnen weiterhin viel Erfolg und geheimnisvolle und besondere Filme wünschen.

Die Fragen stellte Manuela Mehnert.

Über filmische Herausforderungen beim 13. Spreewaldkrimi
Statement von Produzent Wolfgang Esser

Auch im 13. Spreewaldkrimi stellte uns das Drehbuch von Thomas Kirchner vor die große Herausforderung, die Besonderheit dieser Geschichte filmisch adäquat zu visualisieren. Nachdem wir im 12. Spreewaldkrimi, "Zeit der Wölfe", ein gestalterisches Mittel finden mussten, Kommissar Krüger ins "Nichts" schauen zu lassen, galt es für "Totentanz" eine visuelle Umsetzung dafür zu finden, dass die Social Media Welt einerseits noch separiert von der realen Welt betrachtet wird, beide jedoch durch ihre wechselseitige Beeinflussung längst derart miteinander verschmolzen sind, dass sie sich gemeinsamen verheerend auf unser Leben auswirken können.

Als erste Konzeptidee zur Darstellung der multimedialen Welt hatten wir ein Multiscreen-Design vorgesehen, um diese Parallelwelt der "realen Welt" gegenüberzustellen. Die ersten Layouts waren sehr vielversprechend, zeigten aber auch, dass Splitscreens mit ihren scharf voneinander getrennten Bildern nicht die Lösung für alles sein konnten. Einerseits machten sie zwar das, was sie sollten, nämlich Parallelwelten darstellen. Andererseits blieben diese Welten aber auf Distanz zueinander, und wir als Betrachter erlebten das auch genauso. Es wurde schnell klar, dass wir auf diesem Weg nicht in allen Sequenzen den inhaltlichen Anforderungen gerecht werden konnten. Insbesondere dann nicht, wenn es ein Verschmelzen der realen Welt mit der Social-Media-Welt auszudrücken galt.
Also brauchte es ein zusätzliches visuelles Mittel, welches ein Ineinanderfließen der Bilderwelten zulässt. Wir haben daraufhin ein neues Design auf Basis von sogenannten Mehrfach-Layern kreiert, welches das VFX-Artist-Team mit großer Liebe zum Detail umgesetzt hat und damit in Kombination mit den eindrucksvoll-verlorenen Bildern unseres Kameramanns Moritz Schultheiß, einem erklärten Tarkowski-Fan, dem Film seine ästhetische Eleganz verlieh.

Thomas Kirchner hat mit seinen dreizehn Spreewaldkrimis jeweils eine einzigartige Vorlage jenseits des Mainstreams geschaffen, auf die man sich – wie immer – einlassen muss und darf. Das erfüllt mich ebenso mit Dank wie die langjährige freundschaftliche Zusammenarbeit mit Thomas.

Und wenn auch die Fußstapfen, in die seine Nachfolger jetzt treten, wahrlich groß sind, werden wir nicht nachlassen, aus guten Geschichten besondere Filme entstehen zu lassen.

Fragen an die Schauspieler Christian Redl, Thorsten Merten und Claudia Geisler

Was hat Sie an "Spreewaldkrimi – Totentanz" gereizt?

Christian Redl: Gereizt hat mich der melancholische Grundton im "Totentanz". Eine Leiche wurde gefunden, und wieder einmal wird Krüger mit dem gewaltsamen Tod eines Menschen konfrontiert. Wieder einmal weiß er, dass, selbst wenn er den Fall lösen kann, das Morden weiter gehen wird. Er schaut zurück auf sein Leben als Kommissar und fragt sich, was seine Arbeit im Laufe der Jahre aus ihm gemacht hat. Eine Frage, die ich mir persönlich übrigens auch gerade stelle.

Claudia Geisler: "Totentanz" ist besonders melancholisch. Ein echter Abschied vom Autor und von meiner Figur.

Was halten Sie von Ihrer Figur Marlene?

Claudia Geisler: Ich fand Marlene immer ein bisschen unterrepräsentiert in den Folgen, sie war eher ein gedanklicher Spiegel des Kommissars. Trotzdem habe ich mit den Jahren ihre zurückhaltende, selbstbewusste Art zu schätzen gelernt. In diesem Film behält sie ja die Fäden in der Hand.

Und was schätzen Sie allgemein an den Spreewaldkrimis?

Claudia Geisler: Mich reizt an den Spreewaldkrimis die Stimmung, die mit diesen Filmen erzeugt wird. Es liegt immer etwas Mystisches in der Luft; es ist oft neblig, undurchdringlich. Im Zentrum stehen schwierige Fälle, die zum Teil schwer zu verstehen sind wegen der  verschiedenen Zeitebenen. Gleichzeitig ist es die Stimmung gepaart mit etwas Humor zwischen Polizist und Kommissar. Den Rahmen bildet das regionale, einfache Leben, das nah an der Natur ist. Es zählt nicht der Fortschritt, sondern das Althergebrachte, das dörfliche Leben, das mit viel Liebe für die Figuren erzählt wird.

Thorsten Merten: Nach vielen Jahren Spreewaldkrimi ist das Drehen dort natürlich Heimatbesuch; Team und Cast sind sowas wie Familie geworden.

Im 13. Spreewaldkrimi vermischen sich die digitale und die reale Welt. Wie ist Ihr eigenes Verhältnis zu den sozialen Medien?

Christian Redl: Ich persönlich bin weder auf Facebook, noch auf Instagram, noch twittere ich. Diese Art der Kommunikation in den sozialen Medien ist mir ein Graus. Ich wollte nie Teil einer Gemeinde sein, die ständig versucht, sich in inflationärer Betriebsamkeit zu überbieten. Da bin ich – wie Krüger eben auch – ein bisschen aus der Zeit gefallen. Aber damit kann ich gut leben.

Thorsten Merten: Ich nutze SMS, WhatsApp, E-Mail und einen Briefkasten im Hausflur. Da sich nach mir als 56-Jährigem, wenn ich am Strand in Badehose herumlaufe, sowieso keiner mehr umdreht, muss ich auch nicht mit großen Storys auf Instagram auftauchen. Ich weiß, dass junge Schauspieler auch danach besetzt werden, wie viele Follower sie haben. Ich ahne, dass dieser Kelch an mir vorübergehen wird und ich auch ohne die aufwendige Pflege meines Profils die Rente erreiche. Aber natürlich surfe auch ich täglich im Netz und blättere nicht mehr den Videotext im TV durch. Und natürlich kenne ich durch meine ausgewachsenen Kinder alle "Baller-Spiele".

"Spreewaldkrimi – Totentanz" ist das letzte Drehbuch von Thomas Kirchner, der bisher alle Bücher geschrieben hat. Was schätzen Sie besonders an ihm?

Christian Redl: Den "Spreewaldkrimi" und die Rolle des "Krüger" verdanke ich dem Produzenten Wolfgang Esser, dem Regisseur Kai Wessel und ZDF-Redakteur Pit Rampelt. Sie haben gemeinsam mit dem Autor Thomas Kirchner das Format kreiert. An Thomas Kirchner schätze ich die Präzision, mit der er das Umfeld und den Charakter seiner Figuren skizziert. Für mich ist dabei auf wundersame Weise ein eigensinniger Kriminalbeamter herausgekommen, den es so im deutschen Fernsehen noch nicht gab, und der zu einer Lebensrolle für mich geworden ist.

Claudia Geisler: Ich mochte sein Interesse für die "einfachen" Menschen und seine politische Brisanz in den Stoffen. Auch die Verflechtung der Zeitebenen und die gut zu sprechenden Dialoge haben mir immer gefallen. Es fällt kein Wort zu viel. Die Zusammenarbeit empfand ich stets als sehr produktiv und aufs Wesentliche konzentriert.

Thorsten Merten: Das Einzigartige der Kirchner’schen Spreewald-Bücher ist ja oft beschrieben worden. Die mäandernden Zeitebenen. Das Aufgreifen von Sagen und Märchen. Die Herausforderung an die Zuschauer, sich bis zum Glutkern vorzuarbeiten. Die harte Realität hinter der Poesie. Aber eins möchte ich als Thorsten Merten, geboren in Ruhla, noch hervorheben: Thomas Kirchner beschreibt den Osten, dessen Geschichte und "Zukurzgekommenheit", wie es nur wenige so wahrhaftig können. Es würde mich diebisch freuen, wenn ich nochmal ein Drehbuch von ihm auf den Tisch bekäme. Ansonsten, lieber Thomas, wir bleiben als Freunde in Kontakt!

Die Fragen stellte Manuela Mehnert.

Der Drehbuch-Dichter Thomas Kirchner – Würdigung des Autors zu seinem Abschied von der Reihe / Von Redakteur Pit Rampelt

Schon der erste "Spreewaldkrimi" hat die charakteristischen Qualitäten, den besonderen Stil dieser Reihe begründet: die melancholische Zauberlandschaft als Seelenspiegel in einer Hauptrolle, das verblüffend selbstverständliche Spiel mit mäandernden Zeitebenen, in dem sich Legenden, Vergangenheit und Gegenwart gleichzeitig und gleichwertig dramatisch durchdringen, jeweils ein politisches, regional typisches Thema und intensive Schauspielerleistungen. Garant für diese eigenwillige, mehrschichtige Mixtur war und ist in erster Linie der Autor Thomas Kirchner, der – ziemlich einmalig – alle Drehbücher für dreizehn gedrehte Filme dieser Reihe geschrieben hat: 13 Filme, ein Autor!

Thomas Kirchner hat im archaischen Spreewald, einer abgelegenen Ost-/West-Schnittstelle, eine Fundgrube für substanzielle Geschichten entdeckt. Über den reinen Krimi hinaus mit spannender, konfliktreicher Handlung und starken Charakteren variiert und überhöht er dieses klassische Genre, schreibt episch-komplexe Dramen mit großem Bogen, greift geheimnisumwobene Mysterien und Märchen des Spreewaldes auf, kreiert mit einem eigenen Ton und mit markanten Szenen in dieser Grenzregion eine besondere Welt, dicht dran an der Realität und scheut dabei nicht, eine belebende Prise Pathos hinzuzufügen. Ohne Klischee und Kitsch lässt Thomas Kirchner seine Figuren auch in emotionalen Untiefen frei laufen, und ungehörige, aufrüttelnde Sätze sprechen und so werden sie zu spezifischen Charakteren. Bei ihm geht es immer um etwas. Er spitzt zu. Er duldet keine Banalitäten. Mit seiner DDR-Biografie weiß er immer um die Vielschichtigkeit und Widersprüchlichkeit tiefer liegender Wahrheiten und trifft so den existenziellen Kern.

Einfallsreich findet Thomas Kirchner immer neue Varianten für seinen "spreewäldlerischen Erzählstil": Inhaltlich packt er unterschiedliche Themen an, zum Beispiel die Minderheitenproblematik der Sorben und Wenden sowie der Polen, großspurige Unternehmerträume, Umstellung beim Kahnbau von Holz auf Aluminium, Außenseiterschicksale, Heimat, Tourismus. Dramaturgisch greift er zum Beispiel in "Mörderische Hitze" zu dem höchst originellen Kniff, statt des konventionellen Who-done-it-Schemas dem Zuschauer den Täter gleich am Anfang zu präsentieren und das Krimirätsel umzudrehen: Nicht die Frage, wer der Mörder ist, steht im Mittelpunkt, sondern die Frage, wer das Opfer ist, den der Mörder umgebracht hat.

Mit so einer anderen, emotionalisierenden Wegweisung führt er suggestiv in den faszinierenden Mikrokosmos einer von hellen ebenso wie dunklen Mythen und Mächten durchzogenen Schicksalsgemeinschaft, setzt wuchtige und lyrisch-zarte Zeichen und vermittelt die humane Botschaft, dass selbst im Scheitern Versöhnung gelingen und Größe sich entwickeln kann.

Thomas Kirchner beherrscht die Kunst des Drehbuchschreibens virtuos, tariert ausgewogen zwischen Sicheinlassen und Gestalten, zwischen Recherchieren und Erfinden – nicht nur beim Spreewaldkrimi: für die ARD zum Beispiel bei "Der Turm" und drei "Tatorten", für das ZDF unter anderem bei "Mord am Meer", "Das Wunder von Berlin", "Das Geheimnis in Siebenbürgen". Er beweist, dass Fernsehen in der Königsdisziplin des Fernsehfilms immer noch auch ein künstlerisch anspruchsvolles und forderndes Medium sein kann, dem die Zuschauer auch in der Prime Time folgen. Die Fließe seines Spreewaldes geben dabei ein Zeitlupentempo vor – so wie Filme ja quasi verdichtete Zeit sind. Vergangenes und Gegenwärtiges überlagern sich, Gedankenspiele werden visualisiert. Thomas Kirchner ist ein Fernsehdichter, der in und mit seinen wahrlich magischen Spreewaldfilmen die Zeit auslotet.

Pit Rampelt ist Redakteur in der ZDF-Redaktion Fernsehfilm I und betreut den Spreewaldkrimi von Anfang an. 

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