ZDFzoom: Fass mich an ...

Warum Berührung so wichtig ist

Überstunden statt Umarmung, Karriere statt Kuscheln? Ist unsere Gesellschaft unterkuschelt? Streichen alle nur noch übers Smartphone, aber keiner streichelt mehr? Gibt es ein Mangel an Berührungen, der zu Kontaktstörungen führt? Wie wichtig ist der Körperkontakt fürs Wohlbefinden? "ZDFzoom" begibt sich auf eine ungewöhnliche Reise durch die Welt der Berührung und des Kuschelns.

  • ZDF, Mittwoch, 13. Juli 2016, 22.45 Uhr

Texte

Sendetermin und Stab

Mittwoch, 13. Juli 2016, 22.45 Uhr, ZDF

ZDFzoom
Fass mich an ...
Warum Berührung so wichtig ist

Film von Paul Amberg und Halim Hosny

Kamera: Maxi Wied
Produktion: ZDF
Redaktion: Nicolai Piechota, Claudia Ruete
Länge: ca. 30 Minuten

Fass mich an ... Warum Berührung so wichtig ist 

Wir streichen übers Smartphone, aber streicheln uns nicht mehr: Überstunden statt Umarmung, Karriere statt Kuscheln. Wissenschaftler mahnen: Unsere Gesellschaft ist unterkuschelt.

Körperkontakt ist lebensnotwendig, so wichtig wie die Luft zum Atmen. Erwachsenen hilft es bei Stress, Babys beim Wachsen. "ZDFzoom" zeigt, warum der Mangel an Berührung in jungen Jahren zu Kontaktstörungen führen kann und warum Umarmung so wichtig fürs Wohlbefinden ist.

Jeder Dritte in Deutschland würde gern öfter in den Arm genommen werden, wollen Meinungsforscher herausgefunden haben. Doch Berührung und Nähe sind nicht mehr selbstverständlich. Das Defizit an Wärme und Geborgenheit erleben viele Menschen und suchen Ausgleich auf sogenannten Kuschelpartys. Für ein paar Stunden liegen sich fremde Menschen in den Armen.

In der "ZDFzoom"-Dokumentation erklärt Deutschlands führender Tastsinnforscher Dr. Martin Grunwald, was sich bei Berührungen biochemisch im Körper abspielt. Der Leiter des Haptik-Forschungslabors in Leipzig zeigt, dass die Entspannung nach einer Massage sogar gemessen werden kann.

Der Leiter der Schreiambulanz für Babys in Bremen, Thomas Harms, demonstriert, wie es Eltern gelingen kann, mit ihren Kindern durch Berührung in besseren Kontakt zu kommen. Guter Körperkontakt hilft den Kleinen und den Großen, die verlorene Balance wiederzufinden.

In Miami erleben die Autoren Paul Amberg und Halim Hosny, wie die renommierte Psychologin und Direktorin des Touch Research Institute, Dr. Tiffany Field, zu früh geborenen Babys mit Massage und Berührung bei der körperlichen Entwicklung hilft. Ihre Studien zeigen, dass regelmäßiger Körperkontakt kein Luxus ist, sondern wichtig für die körperliche Gesundheit.

Berührung virtuell auf große Distanz erleben – noch ist das Zukunft. Doch forschen Wissenschaftler in den USA auch daran. Die "ZDFzoom"-Autoren erleben im Labor, wie elektronisch aufgezeichnete Berührung in die Hand des Reporters übertragen wird.

"ZDFzoom" mit einer ungewöhnlichen Reise durch die Welt der Berührung und des Kuschelns. Und gleich im Anschluss an die Dokumentation sendet das ZDF um 23.15 Uhr eine neue Folge "MAKE LOVE – Liebe machen kann man lernen".

Umfrage-Ergebnisse zum Thema "Wellness und Körperkontakt"

"ZDFzoom" wollte wissen: Gibt einen Zusammenhang zwischen dem Bedürfnis nach Berührung und dem Wunsch nach einer Massage oder Wellness-Anwendung? An insgesamt 14 Wellness-Einrichtungen in ganz Deutschland verschickte die ZDF-Redaktion Fragebögen. Das Haptik-Labor der Universität Leipzig hat die Antworten der insgesamt 770 Wellness-Kunden ausgewertet. Hier die Ergebnisse der Stichproben, zusammengestellt von Dr. Stephanie Müller, Universität Leipzig:

Eine Frage des Alters

An der Umfrage nahmen Personen im Alter von 12 bis 85 Jahren teil. Personen jeden Alters empfinden Massagen grundsätzlich als angenehm. Alle erwarten und genießen die daraus resultierende Entspannung und gesteigertes Wohlbefinden.

Auch die Häufigkeit, mit der Berührung im Alltag vermisst wird oder es an Berührung mangelt, ist in allen Altersgruppen gleich. Ausnahme von der Regel bilden die ältesten Teilnehmer: In der Gruppe der 70 bis 85-Jährigen gaben 32 Prozent der Beteiligten an, häufig körperliche Berührung zu vermissen – doppelt so viele Personen wie in den jüngeren Gruppen.

Vermissen von körperlicher Berührung

Personen, die häufig Berührung vermissen, werden in ihrem Alltag seltener umarmt oder geknuddelt und haben dadurch offenbar häufiger das Bedürfnis nach Wellness-Anwendungen.

Personen, die häufig Berührung vermissen, sind häufiger Single und genießen vor allem die Berührung bei Wellness-Anwendungen – mehr als Personen, die Berührung nicht vermissen. Wer Berührung nicht vermisst, genießt eher die Entspannung, die aus Wellness-Anwendungen resultiert.

Insgesamt gab es in den Umfrageergebnissen keine Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Männer und Frauen nahmen gleich häufig Wellness-Anwendungen wahr und zeigten ein ähnliches Bedürfnis nach Berührung.

Situation der Singles

Singles vermissen körperliche Berührung tendenziell etwas häufiger als Personen in einer Beziehung und erleben tendenziell seltener Umarmungen und körperliche Nähe. Dennoch erleben Singles und Nicht-Singles Massagen gleich: Alle genießen vor allem die Entspannung und das gesteigerte Wohlbefinden.

Fragebogenentwicklung und Datenanalyse durch das Haptik-Labor der Uni Leipzig am Paul-Flechsig-Institut für Hirnforschung.

Warum wir uns so wenig berühren und wie Berührung eigentlich funktioniert
Interview mit dem Psychologen Dr. Martin Grunwald

Dr. Martin Grunwald ist Leiter des Haptik-Forschungslabors an der Universität Leipzig.

Leben wir in einer unterberührten Gesellschaft?

Zumindest kann man als Wissenschaftler die entsprechende Hypothese aufstellen. Für die Hypothese spricht das Auftreten von Phänomenen wie zum Beispiel Kuschelpartys oder die boomende Wellness-Industrie. Ich denke, es gibt einen größeren Bedarf von nicht sexuellen Köperberührungen, als sie im Alltag befriedigt werden.

Laufen nur Singles Gefahr unterberührt zu sein oder auch Paare?

Jede Partnerschaft läuft Gefahr sich im Alltag in gewisser Weise auch körperlich zu verschleißen. Auch viele Paare müssen erst lernen, dass zur Nähe eben auch das Beieinandersein gehört und dass Nähe nicht unmittelbar und immer an sexuelle Aktivitäten gebunden ist.Um Verschleißerscheinungen in Partnerschaften und der Entkörperlichung im Alltag entgegenzuwirken, erscheint es mir sinnvoll, wenn Paare versuchen mindestens fünf bis zehn Minuten Körperkontakt pro Tag einzurichten. Körperkontakt und Körperberührungen transportieren Botschaften zwischen Menschen über nichtsprachliche Kanäle, auf die wir insbesondere in einer digitalisierten Umwelt keinesfalls verzichten sollten. Und zudem hat auch jeder schon erfahren, dass kleinere oder größere Beziehungskrisen durch wertschätzende Berührungen, Umarmungen oder generell durch Nähe einfacher bewältigt werden können als durch endlosen Debatten.

Wie kommt es denn, dass wir uns nicht so viel berühren?

Wenn der Berührungsmangel von jemandem beklagt wird, dann folgt in der Regel auch gleich die Begründung: der allgemeine und besondere Zeitmangel. Mehr oder weniger wird dieser Faktor im Begründungsdiskurs vieler sozialer Mängel, die wir erleben und beklagen, verantwortlich gemacht. Der beklagte Zeitmangel wiederum wird häufig mit einem erhöhten Maß an Arbeitsbeanspruchung in Zusammenhang gebracht. Weniger wird reflektiert, dass wir im Alltag und auch im häuslichen Umfeld heute sehr viel Zeit mit digitalen Technologien verbringen. Wer zu Hause den technischen und psychischen Online-Modus nicht ausschalten kann, wird auch kaum Ressourcen für reale Nähe-Zeiten zu anderen Menschen bereitstellen können. Nähe zu anderen Menschen – in welcher analogen Form auch immer – bedarf Zeit und Aufmerksamkeit.

Was passiert denn eigentlich bei einer Berührung?

Das sind sehr komplexe Prozesse, die im Einzelnen noch nicht gut untersucht sind. Der Grundmechanismus ist jedoch folgender: Überall im menschlichen Körper befinden sich rund eine Milliarde Rezeptoren, die auf Berührungs- und Bewegungsreize reagieren. In der Haut, in den Bindegeweben, den Organen, der Muskulatur, den Gelenken und in den Sehnen. Und wenn jetzt durch großflächige Deformation der Haut – zum Beispiel im Rahmen einer Umarmung – ein Teil dieser Rezeptoren erregt werden, dann erreicht ein sehr umfangreicher, biochemischer und bioelektrischer Impulsstrom das Gehirn. Durch diese Impulsfolge werden im Gehirn verschiedene Neurotransmitter und Hormone freigesetzt. Diese verändern sowohl die Gehirnaktivität selbst als auch den physiologischen Status des Körpers, weil insbesondere die Hormone über den Blutkreislauf in den Körper gelangen. Diese Wirksubstanzen führen im Organismus dazu, dass sich zum Beispiel die Herzfrequenz reduziert, die Blutgefäße erweitern, die Muskulatur entspannt, und sich der Cortisol-Spiegel positiv verändert. Sofern es sich um eine wertschätzende Umarmung handelt, führen Berührungsreize demnach zu neuronalen und körperlichen Veränderungen die mit der Entstehung von positiven Emotionen einhergehen. Aufgrund der hohen Reaktionsgeschwindigkeit der Tastsinnesrezeptoren und ihrer großen Anzahl können selbst kurze Berührungsreize den neurophysiologischen und den physischen Status eines Menschen sehr schnell und maßgeblich verändern.

Und warum ist Berührung trotzdem verpönt?

Philosophische und religiöse Perspektiven der vergangenen zweitausend Jahre und die modernen gesellschaftlichen und medizinischen Diskurse haben das Thema der zwischenmenschlichen Körperkontakte beinahe vollständig sexualisiert oder als Ansteckungsgefahr gebrandmarkt. Und auch heute interpretieren wir fast jede Berührung – insbesondere bei nicht verwandten Menschen – als Element einer potentiell sexuellen Handlung oder als Infektionsmöglichkeit. Die Übersexualisierung unserer Gesellschaft vermittelt subjektiv den Eindruck, dass jeder und jede permanent mit erwünschten, optimierbaren oder verhinderten sexuellen Handlungen beschäftigt ist. Und getrieben vom Wunsch nach einer immer besseren Gesundheit werden heute durchaus auch zwischenmenschliche Körperkontakte daraufhin bewertet, ob sie im mikrobiologischen Sinne schädlich sein könnten. Insofern ist es durchaus verständlich, wenn Körperkontakte auf diese Ebenen reduziert und in gewisser Weise auch furchtsam abgewertet werden. Doch grundsätzlich sollten wir anerkennen, dass Berührungskommunikation zwischen Menschen immer auch unabhängig von sexuell intendierten Handlungen existiert und dass wir dieser Kommunikationsform auch in Zukunft bedürfen, wenn wir nicht unmenschlich werden wollen. Insbesondere in unserem direkten sozialen und familiären Umfeld sollten wir die natürlichen Bedürfnisse nach Nähe und Körperkommunikation erkennen und adäquat damit umgehen.

Das Interview führte Paul Amberg.

"Berührung ist das Zentralmedium in den ersten drei Jahren"
Interview mit Thomas Harms, Leiter der Schreiambulanz in Bremen

Mit welchen Problemen kommen Eltern zu Ihnen in die Schreiambulanz?

Eltern kommen in der Regel zu uns, wenn sie mit ihrem Baby an einen Punkt angelangt sind, an dem sie die Mitteilung, die Körpersprache, die Verhaltenssprache ihres Kindes nicht mehr verstehen. Da kann es sein, dass das Baby viele Stunden am Tag weint, schreit, quengelt. Es kann sein, dass das Baby nicht mehr schläft und nicht mehr schlafen mag, also nur noch ganz kurze Power-Naps macht. Die Eltern kommen meist in großer Not und Verzweiflung. Sie stehen wirklich ratlos vor ihrem Baby.

Wann werden denn aus schreienden Babys Schreibabys?

Schreiende Babys werden in der Regel zu Schreibabys, also untröstlich schreienden Babys, wenn es ihnen nicht mehr gelingt aus einem Spannungszustand herauszukommen. Das Schreien ist normalerweise auch ein Versuch, eine Spannung wieder aufzulösen. Die Eltern reagieren, nehmen das Kind hoch und im besten Falle gibt es eine Lösung und Entspannung. Das können Schreibabys in aller Regel nicht mehr. Wir sprechen von sogenannten disregulierten Säuglingen, das heißt, das Schreien ist nicht mehr unmittelbar gekoppelt an bestimmte äußere Anlässe. Eine kleine Irritation löst bei Schreibabys einen regelrechten Erregungssturm aus. Ein extremes Schreien. Und aus dem kommen sie dann alleine, und auch mit Hilfe von Körperberührung, nicht mehr raus.

Woher kommt dieser Sturm?

Das ist ein Mix aus verschiedenen Ursachen. Eine Sache können immer wiederkehrende Fehlschritte im Beziehungstanz von Mutter und Kind eine Rolle spielen. Der Säugling erlebt dies unlustvoll und häuft dabei immer mehr Spannungen an. Aber oftmals ist es auch so, dass anhaltender oder überwältigender Stress schon in den ersten Entwicklungszeit erfahren wurde – zum Beispiel ein sehr anhaltender, langer Stress, den die Mutter vielleicht schon mit dem Baby in der Schwangerschaft erlebt hat. Oder überwältigende Schmerzen, überwältigende Angstzustände während der Geburt.

Welche Bedeutung hat Berührung in den ersten drei Lebensjahren eines Menschen?

Die Berührung ist das Zentralmedium. Ein Baby bekommt nur über die Berührung das Gefühl: Meiner Mama geht es gut, meine Mama fühlt sich sicher. Sie hat mich gut im Arm, ich kann mich hier beruhigen. Das heißt, die Berührungserfahrung gibt dem Baby sehr früh einen Hinweis darauf: Hier ist die Welt okay, du kannst dich verlassen, du kannst dich fallen lassen. Aber es kann genauso gut die Botschaft sein: Die Mama ist hart, fest, angespannt. Auch das wird über den Körper vermittelt. Und das Baby lernt sehr früh, wenn ich in Not bin, ist der Körper der Mutter kein Ort, an dem ich gerne sein möchte. Babys lernen also das Gute wie das Schlechte durch Berührungen.

Was heißt das für das spätere Leben, wenn der Kontakt von den Eltern zum Baby nicht stimmt?

Säuglinge waren vielleicht damit konfrontiert, dass sie sich gerade in Notsituationen immer wieder mutterseelenallein fühlten – zum Beispiel Babys, die viel schreien und Eltern an ihrer Seite haben, die nicht in der Lage sind, sie feinfühlig zu begleiten. Einfach deshalb, weil sie selber in totaler Not sind, in extremer Angst – und das über Wochen und Monate hinweg. Da könnte die Folge sein, dass dieser kleine Mensch, später, wenn er selbst erwachsen ist, immer dann, wenn er in Not kommt, das Gefühl hat, da ist nichts bei mir. Ich bin ganz alleine, ich bin total isoliert. Und die Auslöser können ganz banal sein – zum Beispiel eine herausfordernde Prüfungssituation. Und in diesem Moment können sich Unsicherheit und Angst regelrecht auftürmen für diesen Menschen, weil er aufgrund dieser frühen Erfahrungen nie gelernt hat, mit seinen Gefühlen sicher und haltgebend umzugehen. Dann können Emotionen sehr schnell als bedrängend, überflutend und gefahrvoll erlebt werden. Diese Menschen ziehen sich dann eher zurück. Und die Folge ist häufig, dass sie jede Art von Engstellung, jede Art von Gefahr und Spannungssituation, vermeiden.

Wenn wir auf die vergangenen 30 bis 40 Jahre zurückblicken: Was hat sich verändert in der Art und Weise, wie wir mit Kindern umgehen?

Das Faszinierende ist: Wir leben heute in einer Zeit, in der noch nie so viel Wissen um die Bedürfnisse, die Belange eines neugeborenen Kindes bestanden hat. Auf der anderen Seite ist die gesellschaftliche Wirklichkeit bestimmt durch immer mehr Beschleunigung, durch eine ganz schnelle Taktung von Aufgaben, die Menschen zu erfüllen haben. Es gibt immer weniger Raum für Gelassenheit, immer weniger freie Zeiträume. Auch wenn Eltern heute oftmals wissen, was Babys brauchen, haben sie gleichzeitig immer weniger die innere Ruhe und Gelassenheit im Umgang mit ihren Kindern. Wir leben heute in einer sehr beschleunigten Zeit, die nicht das Tempo der Babys ist. Es ist ein Paradoxon. Wir wissen immer mehr, aber wir haben zeitgleich immer mehr Schwierigkeiten den intuitiven Zugang zur Nähe mit unseren Kindern zu finden.

Kann man sagen: So wie wir als Kleinkinder berührt wurden, berühren wir später auch als Erwachsene?

Absolut richtig. Man kann sagen, dass die Art und Weise, wie wir berührt wurden, sehr eng verknüpft ist mit den späteren Bindungsmustern, die wir entwickeln. Das bedeutet, dass wir Nähe und Geborgenheit genauso wie die Unsicherheit und Haltlosigkeit über die Körperberührung mit unseren wichtigsten Bindungspartnern inhalieren. Diese Berührungserfahrungen bilden stabile Programme, die dann auch bestimmen, wie wir später andere Menschen – wie etwa unsere eigenen Kinder – berühren. Im wahrsten Sinne des Wortes können wir dann nicht mehr aus unserer Haut. Man ist im Prinzip später so zu den anderen Menschen, wie man das selbst erfahren hat. Das Sprichwort "Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm" bringt das ganz gut auf den Punkt.

Warum ist Berührung so ein heikles Thema?

Berührung ist natürlich einerseits schön, aber Berührung öffnet im Prinzip auch die Kanäle wieder, in denen viel Schmerz abgelagert ist. Wir erleben oft in der Arbeit mit Eltern, dass aufweichende, körperöffnende Berührungen sehr schnell auch den Zugang zu erfahrenen Verletzungen schaffen. Zu Trennungserfahrungen, zu Überwältigungserfahrungen. Berührungen bringen einen auch ein Stück weit wieder an die ungeweinten Tränen heran. Sie bringen uns in Kontakt mit dem Schmerz der frühen Wunden, die wir erfahren haben. Sie sind Teil eines Körpergedächtnisses. Körperliche Berührung, so schön sie sein kann, bringt diese Erinnerungen sehr viel schneller an die Oberfläche, als wenn wir nur sprechen würden. Das wissen die meisten Menschen, und eben auch die meisten Eltern, intuitiv und deshalb machen sie auch einen Bogen um zu viel Nähe und Berührung, die wirklich unter die Haut geht.

Ist Berührung eigentlich der beste Schutz gegen Stress?

Ich würde uneingeschränkt sagen: Ja. Also Berührung in jeder Form. Sie macht Menschen resistenter, widerstandsfähiger. Es schafft ein besseres Selbstwertgefühl. Sie schafft eine bessere Emotionsregulation. Könnte man all das, was Berührung bewirkt, als Medikament verkaufen, so wäre es ein Renner. Und gerade deshalb, weil Körperberührungen so viele positive und stärkende Effekte hat, sollten wir in unserer Gesellschaft alles tun, um allen Menschen diese Art von achtsamer und Nähe spendender Köpererfahrung zur Verfügung zu stellen.

Das Interview führte Paul Amberg.

Infos zu "ZDFzoom"

"ZDFzoom" bietet mittwochs um 22.45 Uhr in der Regel im Anschluss an das "auslandsjournal" investigative Recherchen zu gesellschaftlich relevanten und alltagsnahen innen- und außenpolitischen Themen. Seit dem 11. Mai 2011 bereitet das Dokumentations- und Reportageformat komplexe Sachverhalte mit einer wiedererkennbaren Grafik- und Kameraarbeit verständlich auf. Je nach Länge (30 oder 45 Minuten) schwanken die Kosten der zirka 35 Produktionen pro Jahr zwischen 90.000 Euro und 130.000 Euro pro Ausgabe.

Die "ZDFzoom"-Redaktion leitet Claudia Ruete.

Fotohinweis und Impressum 

Fotos sind erhältlich über ZDF Presse und Information, Telefon: 06131/7016100 oder unter https://presseportal.zdf.de/presse/zdfzoom

Impressum

ZDF Hauptabteilung Kommunikation
Presse und Information
Verantwortlich: Alexander Stock
Copyright: ZDF 2016

Weitere Informationen

Impressum

Ansprechpartner

Name: Thomas Hagedorn
E-Mail: hagedorn.t@zdf.de
Telefon: 06131/7013802
Telefax: 06131/7012413