Terra X: Die Magie der Farben

Zweiteilige Dokumentation

  • ZDF, Sonntag, 18. und 25. Oktober 2015, 19.30 Uhr
  • ZDF neo, Samstag, 17. und 24. Oktober 2015, 16.30 Uhr

    Texte

    1. Von Höhlenrot und Göttergelb

    Samstag, 17. Oktober 2015, 16.30 Uhr, ZDFneo
    Sonntag, 18. Oktober 2015, 19.30 Uhr, ZDF
    Terra X: Die Magie der Farben
    1. Von Höhlenrot und Göttergelb

    Buch: Christian Schidlowski
    Regie: Sigrun Laste
    Produktion: Storyhouse, Berlin
    Redaktion: Uta von Borries

    Ob Ocker, Rot, Gelb, Grün oder Blau: Hinter jedem Farbton verbergen sich Geschichten und erstaunliche Fakten. Warum haben sie seit jeher eine so große Bedeutung für den Menschen? Nur wer erkennt, ob eine Frucht reif oder giftig ist, kann überleben. Alle Farben in der Natur dienen einem biologischen Zweck und jedes Lebewesen hat seine Wahrnehmung darauf spezialisiert. Aber allein der Mensch stellt Farben her und verleiht ihnen Symbolkraft. "Terra X" taucht ein in die Geschichte unserer Farbcodes von den Anfängen bis in die Gegenwart. Kulturgeschichten und Naturphänomene werden miteinander verwoben und führen zu verblüffenden Erkenntnissen. Inwieweit steuern Farben noch heute unser Verhalten, ohne dass wir es merken? Wie funktioniert dieser evolutionäre Code?

    Diesem Rätsel sind Wissenschaftler seit Jahrhunderten auf der Spur. Die erste wegweisende Entdeckung macht Isaac Newton 1730 und schockiert damals die Welt. In seinem Versuch mit einem Glasprisma und Licht entdeckt er, dass es Farben gar nicht wirklich gibt. Eine unfassbare Erkenntnis. Denn bereits vor 100.000 Jahren unternahmen Menschen große Anstrengungen, um Farbe in ihre Leben zu holen. Das entdecken Archäologen 2008 in der Blombos Höhle an der Küste Südafrikas. Sie finden Ockerstücke und Muscheln, die Steinzeitmenschen in der Höhle versteckt haben. Es ist die älteste Farbwerkstatt der Menschheit. Plötzlich gab es eine Möglichkeit, sein Äußeres zu verändern, mit Farbe ein individuelles Kennzeichen zu setzen. Ein Meilenstein in unserer Geschichte! Bis heute heben sich viele Naturvölker mit Körperbemalung von anderen ab, von den Massai in Afrika bis zu den Aborigines in Australien. Und wir machen etwas ganz Ähnliches fast täglich wenn wir uns schminken, bunt kleiden oder die Haare färben. Mit Farben individualisieren wir uns oder zeigen an, zu welcher Gruppe wir gehören.

    Wie kamen die Farbe überhaupt in die Welt? Erst vor 200 Millionen Jahren entsteht die erste Farbe: Das Grün der Pflanzen. Weil sie die älteste und lange die wichtigste Farbe für alle Lebewesen war, können Menschen bis heute im Grün die meisten Farbnuancen erkennen. Für den Siegeszug des Homo sapiens war allerdings eine anderer Farbe entscheidend: vor rund 35 Millionen Jahren entsteht das magische Rot. Der amerikanische Neurowissenschaftler Jay Neitz fand heraus, dass die Fähigkeit, Rot zu sehen zur Schlüsselkompetenz wurde. Seine Experimente mit bizarren Artverwandten, den Totenkopfäffchen, erlauben verblüffende Einblicke in die evolutionäre Entwicklung. Bis heute wirkt Rot als Signal- und Alarmfarbe, weil unsere Augen sich zu Rotspezialisten weiterentwickelt haben und wir Rot am schnellsten von allen Farben wahrnehmen können.

    Lange war das Blau des Himmels und des Meeres für den Menschen nicht greifbar, bis um 8000 vor Christus Bergarbeiter im Hindukush einen leuchtenden Stein finden: Lapislazuli, wörtlich das Blau des Himmels. Schnell wird er in der ganzen Welt begehrt und forciert die beginnende Globalisierung. Die Ägypter versuchen vergeblich, aus Lapiz auch ein Malpigment herzustellen und entdecken durch Zufall ihren eigenen Farbstoff - der Startschuss zu einer bunten Epoche. Und immer größer werden die Anstrengungen, die Menschen unternehmen, um leuchtende Farben zu gewinnen.

    Warum üben Farben eine solche Faszination auf uns aus? Experimente mit Babies zeigen, dass uns ein Farbprogramm schon in die Wiege gelegt ist. Farben sind eine Sprache der Natur und das größte Kommunikationssystem der Welt.

    2. Von Königspurpur und Jeansblau

    Samstag, 24. Oktober 2015, 16.30 Uhr, ZDFneo
    Sonntag, 25. Oktober 2015, 19.30 Uhr, ZDF
    Terra X: Die Magie der Farben
    1. Von Höhlenrot und Göttergelb

    Buch: Susanne Rostosky
    Regie: Sigrun Laste
    Produktion: Storyhouse, Berlin
    Redaktion: Uta von Borries

    Seit Jahrtausenden bestimmen Farben unser Leben. Folge Zwei fokussiert ihre wechselvolle Geschichte von der Antike bis zur Neuzeit und zeigt wie der Mensch ihnen Symbolkraft und Magie verleiht. Warum haben die Farbcodes so eine große Bedeutung für den Menschen? "Terra X" verknüpft Kulturgeschichte, Wissenschaft und Naturphänomene und kommt zu verblüffenden Antworten.

    Um die Zeitenwende tragen die Farben maßgeblich dazu bei, die Gesellschaften zu ordnen. Seit dem Mittelalter spielen sie eine ungeahnte Rolle bei der Entdeckung der Welt. Welch große Wirkung Farben auf das Leben der Menschen hatten, zeigt sich spätestens, als Goethe und Newton sich intensiv diesem Phänomen von unterschiedlichen Standpunkten her nähern. 1810 veröffentlicht Johann Wolfgang von Goethe seine rund 2000 Seiten umfassende Farbenlehre. Er schrieb den Farbtönen übergeordnete Eigenschaften zu. Ihrer Wirkung können wir uns in keinem Lebensbereich entziehen.

    Umso größer ist das Rätsel, auf das der Archäologiestudent Vinzenz Brinkmann Anfang der 1980er Jahre stößt. Denn im Unterschied zu allen anderen Epochen gilt die griechische Antike lange als weißes Zeitalter, Bauten und Bilder kommen anscheinend ohne Farben aus. Als Brinkman mit den Untersuchungen der antiken Statuen beginnt, ahnt er noch nicht, dass seine Geschichte sich zu einem wahren Krimi entwickeln wird.

    Auch die chinesische Terrakottaarmee war nicht immer Grau in Grau. Aber ihre Farben blättern nach der Ausgrabung der Figuren binnen Sekundenbruchteilen ab. Der Archäologin Catharina Blänsdorf gelingt es trotzdem, ihr Geheimnis zu entschlüsseln. Sie findet heraus, dass die Soldaten nicht nur bunt dekoriert waren, sondern der chinesische Kaiser sein Riesenreich tatsächlich mithilfe von Farben einte.

    Wer welche Farben tragen darf, regeln Kleiderordnungen in vielen Epochen. Sie sollen für gesellschaftliche Stabilität und Frieden sorgen. Im Rom der Kaiserzeit kennzeichnen sich erstmals auch Sportbewegungen und Fangruppen im Kolosseum mit Farben. Der Vorläufer der heutigen Parteienfarben. Warum eignen sich Farben für uns so gut als Ordnungsprinzip? Daran forscht die Psychologin Alexandra Gradison vom Surrey Baby Lab. Mit vier Monate alten Babies kann sie nachweisen, wie tief unsere Verbindung zu Farben verankert ist. Sie untersucht, ob wir sogar schon in Farbkategorien denken, bevor wir überhaupt sprechen lernen. Farben ermöglichen Orientierung in Millisekunden. Diese Erkenntnisse werden erfolgreich genutzt, vor allem dort, wo es sehr schnell gehen muss. Zum Beispiel in der Notaufnahme.

    Farbinformationen verwerten zu können, war überlebenswichtig. Schon zu der Zeit der Einzeller, die nach dem Licht der Sonne - Rot am Morgen, Blau am Tag - ihren Fress- und Ruhe-Rhythmus steuerten. Der Neurowissenschafler Jay Neitz kann mit Fischen zeigen, dass der gleiche Effekt unsere innere Uhr steuert. Die psychologische Wirkung von Farben, die Goethe postuliert, wird wissenschaftlich erklärbar. Warum Rot im Schlafzimmer tatsächlich anregt, und warum wir bei Blau frieren. Und warum die Olympiamannschaft, die Rot trug, häufiger gewann. Selbst dass Essen und Wein mit dem Licht ihren Geschmack ändern, erklärt sich durch die Logik der Natur.

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