10. Jahrestag der Fukushima-Katastrophe

Dokus von "planet e.", "ZDFzeit" und ZDFinfo

Am 11. März 2021 jährt sich zum zehnten Mal die Tsunami- und Atomkatastrophe von Japan, die bis zu 20.000 Menschen das Leben und rund 160.000 Japanern ihre Heimat kostete. Der Super-GAU traf das fortschritts- und technologiegläubige Land bis ins Mark. Und die Folgen der drei Kernschmelzen in den Reaktorblöcken des Atomkraftwerks von Fukushima Daiichi sind auch noch zehn Jahre danach erkennbar. Mit drei Dokumentationen und dem Filmdrama "Grüße aus Fukushima" beleuchten ZDF und ZDFinfo die Langzeitfolgen der Kraftwerkskatastrophe.

  • ZDF, Dienstag, 9. März 2021, 20.15 Uhr
  • ZDF info, bereits verfügbar
  • ZDF Mediathek, bereits verfügbar

    Texte

    Sendetermine zum 10. Jahrestag der Fukushima-Katastrophe

    Sonntag, 28. Februar 2021, 16.30 Uhr, ZDF
    Mittwoch, 10. März 2021, 0.45 Uhr, ZDF
    Ab Freitag, 26. Februar 2021, 10.00 Uhr in der ZDFmediathek

    planet e.: Strahlende Zukunft? – Fukushima zehn Jahre danach

    Film von Reinhart Brüning

    Produktion: Schulz TV
    Redaktion: Michael Wiedemann
    Länge: ca. 28 Minuten

     

    Donnerstag, 4. März 2021, 20.15 Uhr, ZDFinfo
    Freitag, 12. März 2021, 9.15 Uhr, ZDFinfo
    Ab Mittwoch, 3. März 2021, 10.00 Uhr in der ZDFmediathek

    Das Fukushima-Drama – Tsunami, Störfall, Langzeitfolgen

    Film von Reinhart Brüning

    Produktion: Schulz TV
    Redaktion: Michael Scheuch
    Länge: ca. 43 Minuten

     

    Dienstag, 9. März 2021, 20.15 Uhr, ZDF
    Mittwoch, 10. März 2021, 1.15 Uhr, ZDF
    Ab Dienstag, 9. März 2021, 9.00 Uhr in der ZDFmediathek

    ZDFzeit: Der ewige GAU? 10 Jahre Fukushima

    Film von Michael Mueller

    Produktion: Zeitpunkt Pictures
    Redaktion: Carl-Ludwig Paeschke
    Länge: ca. 43 Minuten

     

    Dienstag, 9. März 2021, 0.15 Uhr, ZDF

    Grüße aus Fukushima

    Film von Doris Dörrie

    Buch und Regie: Doris Dörrie
    Kamera: Hanno Lentz
    Schnitt: Frank Müller
    Ton: Michael Vetter
    Musik: Ulrike Haage
    Kostüme: Katharina Ost
    Szenenbild: Gabi Pohl
    Produktion: Olga Film GmbH, München
    Co-Produzent: Rolize GmbH & Co. KG / Constantin Film Produktion
    Producer: Ruth Stadler, Ewerhard Engels
    Redaktion: Caroline von Senden
    Länge: ca. 103 Minuten

    planet e.: Strahlende Zukunft? – Fukushima zehn Jahre danach

    Alles im Griff, möchte Japans Regierung zeigen. Keineswegs: erstarrte radioaktive Lava in der Tiefe, 1000 Tanks mit radioaktivem Wasser. Die Reaktorkatastrophe von Fukushima ist nicht zu Ende.

    Die japanische Regierung nutzt den 11. März als Jahrestag der Reaktorkatastrophe. Vielerorts sei es wieder sicher und die erhöhte Strahlung beseitigt. Ein Signal an die Bevölkerung. Denn Atomkraft wird in Japan wieder ausgebaut.

    Und ein Signal an die Welt. Denn 2021 soll der Fackellauf mit dem Olympischen Feuer im dekontaminierten ehemaligen Sperrgebiet beginnen.

    Das Dekontaminationsprojekt für die Präfektur Fukushima hat gewaltige Dimensionen: Davon zeugen unzählige schwarze Säcke, gefüllt mit radioaktivem Material – insgesamt 14 Millionen Kubikmeter. Eine Fläche von 9000 Quadratkilometern wurde nach und nach dekontaminiert. Dächer und Mauern wurden abgewaschen. In Parks und Feldern wurden die oberen fünf Zentimeter Boden abgetragen und in Säcke verfüllt.

    Im Kraftwerkskomplex Fukushima Daiichi stößt das Reporterteam nicht mehr auf die Ruinen von 2011. Mittlerweile ist es eine Industrieanlage, in der Tag für Tag 4000 Arbeiter beschäftigt sind. Hier wird es gesammelt, das radioaktive Wasser aus der Kühlung, für die immer noch Hitze erzeugenden geschmolzenen Brennelemente. 1000 riesige Auffangtanks zählt das Reporterteam schon jetzt, doch der Platz auf dem Gelände wird knapp, und täglich fällt neues gefährliches Wasser an. Wohin damit? Ins Meer?

    Geschmolzene Brennelemente aus den Reaktoren sind als radioaktive Lava in den Untergrund gelaufen. Ein Bergungskonzept gibt es nicht. Bis jetzt ist noch nicht einmal bekannt, wo genau sich dieses hoch radioaktive Material befindet.

    Autor und Regisseur Reinhart Brüning stellt sich den Herausforderungen: Um überhaupt nach Japan einreisen zu dürfen, musste das Team vorweg zwei Wochen in Quarantäne. Für den Dreh auf dem Kraftwerksgelände ist eine volle Schutzausrüstung Pflicht. Besonders für Kameramann Sven Döffinger eine Tortur.

    Innerhalb von zehn Jahren lässt sich eine Reaktorkatastrophe mit mehrfacher Kernschmelze nicht ungeschehen machen. Egal, wie gigantisch der Aufwand auch sein mag.

    Die "planet e."-Dokumentation enthüllt die Wahrheit hinter der offiziellen Erfolgsgeschichte.

    Das Fukushima-Drama – Tsunami, Störfall, Langzeitfolgen

    Noch vor den Olympischen Spielen hat Japan die Verwüstungen des Jahrtausend-Erdbebens und -Tsunamis beseitigt. Reporter gehen der Frage nach, wie es um die Folgen des Reaktorunfalls steht.

    Das Team macht sich ein Bild von der Lage auf dem zerstörten Kraftwerksgelände und trifft Menschen, die in die ehemalige Sperrzone zurückgekehrt sind. Japans erklärtes Ziel, so viel Land wie möglich wieder bewohnbar zu machen, ist nur mit gigantischem Aufwand möglich.

    Auch der Ort Namie, sieben Kilometer vom Reaktor entfernt, wurde dekontaminiert. Ein Teil der ehemaligen Bewohner ist wieder zurückgekehrt – jedoch fast ausschließlich die ältere Generation. Die Familie Konno ist mit ihren drei Generationen eine große Ausnahme. Mutter Mayumi Konno musste während des Erdbebens nicht nur sich selbst in Sicherheit bringen, sondern hatte auch noch einen Säugling auf den Bauch gebunden und die dreijährige Tochter auf den Rücken geschnallt. Einen Notvorrat an Windeln warf sie noch aus dem Fenster, bevor sie nach draußen flüchtete.

    Großvater Eishige Konno ist Landwirt und war 2011 als Leiter der Freiwilligen Feuerwehr dafür zuständig, die Menschen vor dem Tsunami zu warnen. Doch im Chaos des Erdbebens war das eine schier unlösbare Aufgabe. In Namie riss die Flutwelle 180 Menschen in den Tod. Japan musste insgesamt über 22.000 Todesopfer beklagen. Und nach dem Tsunami kam der GAU: eine Kernschmelze, eine Wasserstoffexplosion und immer mehr Strahlung, die freigesetzt wurde. Namie musste vollständig evakuiert werden. Niemand ahnte damals, dass es ein Abschied für Jahre war. Die Familie Konno flüchtete in eine Nachbarstadt und wurde dort in einer Turnhalle untergebracht. Besonders für die demente Urgroßmutter der Konnos war das ein traumatisches Erlebnis.

    Die junge Familie Konno wanderte über mehrere Zwischenetappen nach Thailand aus. Die ältere Generation aber blieb in Japan und durfte nach einiger Zeit zumindest besuchsweise wieder auf ihren Hof.

    Mit Spannung verfolgten sie die Fortschritte des großen Dekontaminationsprojektes für die Präfektur Fukushima. Bis heute zeugen davon unzählige schwarze Säcke: gefüllt mit kontaminierten Blättern, Erde und anderen radioaktiven Materialien – insgesamt 14 Millionen Kubikmeter. Eine Fläche von 9000 Quadratkilometern wurde nach und nach dekontaminiert. Auch der Hof der Konnos kam an die Reihe: Dächer und Mauern wurden abgewaschen, im Garten und auf den Feldern wurden die oberen fünf Zentimeter Boden abgetragen und in Säcke verfüllt. Die alten Leute kehrten danach wieder zurück und begannen mit Landwirtschaft zu Testzwecken. Verkaufen durften sie anfangs noch nichts.

    2019 kehrte dann auch die junge Familie Konno zurück – doch Namie ist heute nicht mehr das, was es vor der Katastrophe war: Die jüngste Tochter Eriko geht auf eine Grundschule mit insgesamt 24 Kindern. In Ihrer Klasse sind sie zu fünft. Spielen im Wald ist tabu, denn Wälder lassen sich nicht dekontaminieren. Mutter Mayumi macht sich Sorgen, dass ihre Kinder zu isoliert aufwachsen, und denkt darüber nach, wieder wegzuziehen.

    Auch im Kraftwerkskomplex Fukushima Daiichi wurden gewaltige Anstrengungen unternommen. Das Reporterteam stößt hier nicht mehr auf die Ruinen von 2011, sondern betritt eine Industrieanlage, auf der Tag für Tag 4000 Arbeiter beschäftigt sind. Derzeit stehen zwei Probleme im Vordergrund: das Wasser und die Kernschmelze.

    In den vergangenen zehn Jahren hat sich die unglaubliche Menge von über einer Million Kubikmeter radioaktiv belasteten Wassers angesammelt. Weit über 1000 riesige Tanks sind überall auf dem Gelände verteilt; und der Platz wird knapp. Der Plan, das Wasser teilweise zu dekontaminieren und danach ins Meer abzulassen, ist umstritten.

    Das schier unlösbare Problem ist jedoch die Kernschmelze: geschmolzene Brennelemente aus den Reaktoren, eine Lava, die irgendwie in die Tiefe gelaufen und dann wieder erstarrt ist. Vom Bergen dieser hoch radioaktiven Schmelze inmitten von Trümmern der Wasserstoffexplosion ist der Betreiber TEPCO noch sehr weit entfernt. Bis jetzt ist noch nicht einmal bekannt, wo genau sich dieses hoch radioaktive Material befindet. Eine Erkundung durch Menschen ist ausgeschlossen, denn die Strahlung ist so hoch, dass sie selbst den Computerchips in Robotern zu schaffen macht.

    Fukushima wirft auch weitergehende Fragen auf: Ist Atomkraft grundsätzlich zu riskant? Soll gerade das erdbebengefährdete Japan daran festhalten? Um das Land bis 2050 klimaneutral zu machen, plant Ministerpräsident Yoshihide Suga sogar einen weiteren Ausbau der Atomkraft.

    Ganz unterschiedliche Zeitzeugen schildern ihre Lehren aus der nuklearen Katastrophe: Naoto Kan, der zur Zeit des Unglücks Ministerpräsident war. Kernphysiker Yoichi Tao, der als Kind Augenzeuge der Atombombe von Hiroshima wurde und mit seiner Familie als Unterstützer ins ehemalige Sperrgebiet von Fukushima gezogen ist. Makoto Sugioka, Shintu-Priester und Kernphysiker, der im Oktober 2020 in Itate (nördliche Region des Sperrgebiets) zum Bürgermeister gewählt wurde. Azby Brown, Hochschullehrer und ehrenamtlicher Mitarbeiter bei Safecast – einem Bürger-Wissenschaftsprojekt, dem es gelungen ist, die detaillierteste radioaktive Belastungskarte Japans zu erstellen.

    Autor und Regisseur Reinhart Brüning macht deutlich, dass es für dieses Projekt ganz besondere Herausforderungen gab. Um überhaupt nach Japan einreisen zu dürfen, musste das Team von ZDFinfo vorweg zwei Wochen in Quarantäne. Es ging aber nicht nur um Corona, sondern auch um Strahlung: Auf dem Kraftwerksgelände war volle Schutzausrüstung Pflicht. Besonders für Kameramann Sven Döffinger war es eine Herausforderung, so zu drehen. Strahlenschutztechnisch beraten und mit Dosimetern versorgt wurde das Team vom Forschungszentrum Jülich.

    ZDFzeit: Der ewige GAU? 10 Jahre Fukushima

    Am 11. März 2021 jährt sich zum zehnten Mal die Tsunami- und Atomkatastrophe von Japan, die bis zu 20.000 Menschen das Leben und rund 160.000 Japanern ihre Heimat kostete.

    Die Folgen der drei Kernschmelzen in den Reaktorblöcken des Atomkraftwerks von Fukushima Daiichi sind noch immer nicht beherrschbar. Der Super-GAU traf das fortschritts- und technologiegläubige Land bis ins Mark.

    Noch immer prägt das Trauma das öffentliche Leben in Japan, es wird jedoch von offizieller Seite weitgehend verdrängt. Die Dokumentation zeichnet mit zum Teil exklusivem Material nach, was damals vor Ort tatsächlich geschehen ist und wie knapp die Menschheit einer noch größeren Katastrophe entging.

    Die Autoren ziehen eine Bilanz nach zehn Jahren und fragen, was Japan, aber auch die Welt gelernt hat aus dem größten Nuklearunfall seit Tschernobyl. Denn die Gefahren, dass sich ein solcher GAU wiederholt, sind nicht gebannt.

     Wie ist die Situation heute auf dem Gelände des Kraftwerks, in der Präfektur Fukushima, in dem Land, das nach wie vor auf die Atomkraft setzt – wie so viele andere Staaten? Wie steht es um die Zukunft der Atomenergie weltweit – zehn Jahre nach Fukushima?

    Grüße aus Fukushima

    Autorin und Regisseurin Doris Dörrie erzählt die Geschichte einer jungen Deutschen und einer alten Japanerin, denen es gelingt, die Trauer um ihre sehr unterschiedlichen Verluste gemeinsam zu überwinden und einen Neuanfang zu wagen.

    Marie (Rosalie Thomass) ist eine, die auszieht, das Fürchten zu lernen. Auf der Flucht vor ihren zerplatzten Lebensträumen und dem Verlust ihrer großen Liebe reist sie in die Präfektur Fukushima.

    Zusammen mit dem Clown Moshe (Moshe Cohen) und der Organisation Clowns4Help will sie den überlebenden Opfern der Dreifachkatastrophe von 2011 ein wenig Freude bringen. Auch Jahre danach leben diese noch immer in Notunterkünften.

    Schweres leichter machen – eine Aufgabe, für die Marie, das muss sie sich schon bald eingestehen, überhaupt nicht geeignet ist.

    Doch bevor sie erneut davonläuft, beschließt Marie, ausgerechnet bei der störrischen alten Satomi (Kaori Momoi) zu bleiben, der letzten Geisha Fukushimas, die auf eigene Faust in ihr zerstörtes Haus in der Sperrzone zurückziehen will.

    Zwei Frauen, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, die aber beide – jede auf ihre Art – in der Vergangenheit gefangen sind und lernen müssen, sich von ihren Schuldgefühlen und der Last ihrer Erinnerungen zu befreien.

    Fotohinweis

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