600 PS für zwei

Komödie

Herbert Knaup und Walter Sittler in einer Geschichte über zufällige Begegnungen, männliche Eitelkeiten, Freundschaft und vieles mehr. Regisseurin Sophie Allet-Coche inszenierte die Komödie als Road-Movie nach dem Drehbuch von Daniel Scotti-Rosin.

  • ZDF, Donnerstag, 22. Oktober, 20.15 Uhr

Texte

Eine Geschichte über Freundschaft

Ein zynischer Personalchef nimmt versehentlich den Mann als Anhalter mit, der seinetwegen vor fünf Jahren den Job verloren hatte … Was auch Thriller oder Tragödie sein könnte, ist hier der Beginn einer wunderbaren Buddy-Komödie, die im Gewand des Road-Movies zwei Männer auf dem Weg von Berlin zum Tegernsee aneinander kettet, die unterschiedlicher nicht sein können: Der eine ist entlassen worden, hat das aus Scham seiner Ex-Frau verschwiegen und versucht seit Jahren, durch Gelegen­heitsjobs das Privatinternat der Tochter zu finanzieren. Und das in einem Alter, in dem man keinen Job findet, weil man nicht mal mehr ein Vorstellungsgespräch bekommt. Den anderen Endfünf­ziger hat seine Arbeit als Personalchef zynisch und der aus ano­nymen Massenentlassungen resultierende Erfolg einsam werden lassen. Und er ist schuld am Schicksal des einen …

Walter Sittler und Herbert Knaup, die hier übrigens zum ersten Mal gemeinsam vor der Kamera standen, spielen unter der sen­siblen und temporeichen Regie von Sophie Allet-Coche nach dem Buch von Daniel Scotti-Rosin in Höchstform und werden von Lilli Meinhardt, Sabine Vitua und anderen flankiert. Sittler und Knaup im Fahrersitz in ihren Figuren zu folgen, die sich nicht mögen und verbal duellieren, aber voneinander abhängig sind und mehr ge­meinsam haben als sie ahnen, ist an sich schon ein Vergnügen. "600 PS für zwei" ist aber noch ein bisschen mehr. Es ist eine Geschichte über das Älter- und Aussortiertwerden, über Scham, Größe und das Eingestehen von Lebenslügen, über vermeintliche Statussymbole, getauschte Hosen und das, worum es wirklich geht. Eine Geschichte über männliche Eitelkeiten, Familie und andere Dinge, derer man(n) nicht Herr wird – und schließlich eine Geschichte über Freundschaft.

Etwas zu viel? Mit diesen beiden Herren am Steuer auf gar kei­nen Fall, denn "Leben ist, was man daraus macht" – und das bes­ser spät als nie!

Axel Laustroer
Redaktion Fernsehfilm / Serie II

Stab, Besetzung, Inhalt

Buch          Daniel Scotti-Rosin, nach Motiven des französischen Fernsehfilms "Une Ferrari pour deux"
Regie         Sophie Allet-Coche
Kamera       Christian Paschmann
Schnitt       Hedy Altschiller
Musik              Andreas Lonardoni, Michael Klaukien
Szenenbild              Olaf Schiefner
Kostüm           Ivana Milos
Produktionsleitung             Madeleine Remy
Produzenten                            Quirin Berg, Max Wiedemann, Peter Fröhlich
Produktion        Wiedemann & Berg Television GmbH
Redaktion          Axel Laustroer
Länge              ca. 88 Min.

                          

Die Rollen und ihre Darsteller

Hartmut Sprenger       Walter Sittler
Lorenz Hoffmann        Herbert Knaup
Katrin Sprenger           Sabine Vitua
Olivia        Lilli Meinhardt
Margot         Martina Eitner-Acheampong
Direktorin            Heike Hanold-Lynch
Marie        Dagny Dewath
Kombifahrer         Martin Neuhaus
Polizistin           Sybille J. Schedwill

und andere

Inhalt

Vor fünf Jahren wurde der hochdotierte Marketingchef Hartmut Sprenger von dem neuen Personalchef Lorenz Hoffmann gefeuert – fristlos, anonym, ohne persönliches Gespräch. Doch heute – Hartmut ist Gelegenheitsjobber und verbittert, Lorenz in der Mitte der Midlife-Crisis und kurz vor dem Burnout – führt das Schicksal die beiden Männer zusammen und schickt sie auf eine turbulente Fahrt durch Deutschland.

Lorenz überführt für seinen Konzern einen Luxuswagen – das Geburtstagsgeschenk für einen prominenten Werbeträger – und nimmt Hartmut als Anhalter mit – und hat so plötzlich einen Bei­fahrer, mit dem ihn mehr verbindet als beide ahnen. In einem Sportwagen, der keinem von ihnen gehört. Zwar gelingt es ihm zunächst, seine wahre Identität geheimzuhalten, doch als sich den beiden auch noch Hartmuts pubertierende Tochter Olivia an­schließt und sich Lorenz bei einem Zwischenstopp in Hartmuts charmante Ex-Frau verliebt, die beide keine Ahnung von Hartmuts Arbeitslosigkeit haben – ihnen spielt er immer noch den Marke­tingchef vor –, überschlagen sich die Ereignisse und die gemein­same Fahrt der beiden Männer geht auf waghalsigen Schlinger­kurs.

Ein Road-Movie par excellence

Statement von Produzent Peter Fröhlich

Manchmal braucht es nur eine einzige Autofahrt, um ein ganzes Leben zu verändern. Dies gilt auch für unsere beiden Protagonisten Hartmut und Lorenz, deren turbulenter Deutschlandtrip sie von Berlin über Mitteldeutschland nach München und bis ins Voralpenland führt – ein Road-Movie par excellence. Wie fast alle Vertreter dieses Genres lebt auch "600 PS für zwei" vom Aufbruch aus dem Alltag, in die Sackgasse geratenen Leben, von ständig wechselnden Landschaften, den kleinen und großen Hindernissen auf der Strecke, überraschenden Begegnungen, unerwarteten Stopps – und bietet uns damit den Rahmen, zwei Männerfiguren mit verzwickter gemeinsamer Vergangenheit aufeinanderprallen und gemeinsam neue Wege in ihrem Leben finden zu lassen. Neben der pointierten Drehbuchvorlage von Daniel Scotti-Rosin und einer timingstarken Regie von Sophie Allet-Coche sind für diesen komödiantisch turbulenten Clash der Charaktere die beiden Schauspieler Voraussetzung: Walter Sittler und Herbert Knaup. Als kongeniales Duo lassen sie mit einer unbändigen Spielfreude, Differenziertheit, Tempo und dem richtigen Gespür sowohl für Slapstick aber auch die ernsten Momente die Geschichte zu einem äußerst kurzweiligen Fahr(t)erlebnis werden. Bereits während der Dreharbeiten war es ein wahrer Genuss, diese beiden großen Schauspieler erstmalig gemeinsam vor der Kamera agieren zu sehen und nun – im fertigen Film – tragen sie "600 PS für zwei" mit derartigem Charme und Bravour, dass man auch über die 90 Minuten Spieldauer hinaus ihr Beifahrer bleiben möchte. Uns bleibt zu hoffen, dass dieser gemeinsame Ausflug von Herbert Knaup und Walter Sittler kein Einzelfall bleiben wird.

"Arbeiten auf einem sehr hohen Niveau"

Drei Fragen an Regisseurin Sophie Allet-Coche

Einen Film mit Walter Sittler und Herbert Knaup zu inszenieren, war sicher etwas Besonderes?

Natürlich, es ist ein Traum. Die beiden sind so erfahren in ihrem Job, dass sie von sich aus schon viel mit- und in die Rolle einbringen. Mich motiviert dann umso mehr, Facetten aus beiden herauszukitzeln, die der Zuschauer so noch nicht oft oder noch gar nicht bei ihnen gesehen hat. Es macht aber natürlich Spaß, zu sehen, was im gemeinsamen Spiel der beiden entsteht, und das dann zu lenken, zu optimieren und in gewisse Richtungen zu pushen. Das ist Arbeiten auf einem sehr hohen Niveau – toll für die Regie.

Haben die beiden eigene Ideen eingebracht, um Szenen und Dialoge witzig zu gestalten?

Die beiden haben auch privat einen großartigen Humor. Wenn sie Ideen und Vorschläge einbringen, was sie natürlich in (Lese-) Proben und Gesprächen tun, dann führt das manchmal dazu, dass eine Szene noch lustiger wird. Aber natürlich geht es auch Ihnen nicht nur darum, einen Film noch witziger zu machen, sondern darum, das Beste aus ihrer Figur, in all deren Facetten, herauszuholen, und ihr Spiel und damit den Film noch authentischer hinzubekommen. Hier das richtige Gleichgewicht zu halten, ist meine Aufgabe.

Ein Road-Movie quer durch die Republik –das schafft besondere Drehbedingungen …

Die Fahrszenen mit Walter Sittler und Herbert Knaup wurden hauptsächlich im Studio mit einem speziellen Aufnahmeverfahren gedreht – einer modernisierten Variante der Rückprojektion. Das Auto steht im Studio. Die Illusion der Fahrt entsteht durch Leinwände oder Bildschirme, die nahe an den Fenstern des Fahrzeuges angebracht sind und auf denen vorab gedrehte Fahrtaufnahmen von Landschaften etc. eingespielt werden. Eine besondere Herausforderung für unseren Kameramann Christian Paschmann, der diese sehr überzeugend gemeistert hat.

Die Fragen stellte Annette Rogge

"Phasen, in denen ich nicht wusste, wie es weitergeht, hatte ich nie"

Interview mit Schauspieler Walter Sittler

Hartmut Sprenger verheimlicht mit einigem Kraftaufwand sei­ner Tochter und seiner Ex-Frau, dass er seinen Job verloren hat. Haben Sie für dieses Verhalten Verständnis?

Das kann ich gut verstehen. Hartmut Sprenger hat Angst davor, die Liebe, Zuneigung und auch Bewunderung seiner Familie, die er so sehr zu brauchen glaubt, zu verlieren. Auf Dauer geht das nicht gut. Irgendwann muss der echte Mensch zum Vorschein kommen, wenn man glücklich leben will – und wer wollte das nicht.

Der Schauspiel-Beruf ist per se keine Profession mit durch­gängiger Beschäftigung. Kannten auch Sie Durststrecken in Ihrer Karriere?

Mein Beruf hat mir sehr viel Glück in dieser Beziehung gebracht. Ich hatte nie Phasen, in denen ich nicht wusste, wie es weitergeht Aber in meiner engsten Umgebung habe ich durchaus mitbekom­men, wie es Menschen in irritierend unsicheren Verhältnissen geht. Daran konnte ich mich orientieren.

Der Film markiert Ihre erste Zusammenarbeit mit Ihrem Kolle­gen Herbert Knaup – mit dem Sie ein "Odd couple" bilden…

…Es war ein großes Vergnügen, mit Herbert spielen zu dürfen. Ein wunderbarer Kollege, und es würde mir gefallen, wenn es ein oder mehrere künftige Projekte zusammen gäbe. Er ist ein richti­ger Könner.

Im Laufe der gemeinsamen Spritztour durch Deutschland wachsen Hartmut und Lorenz als Freunde zusammen. Haben Freunde für Sie privat einen ebenso hohen Stellenwert wie die Familie?

Freunde sind für mich eine weitere wichtige Zutat für ein erfülltes Leben, ebenso wie die Familie, aber auf andere Weise. Ein Leben ohne Freunde, zum Beispiel wenn man vertrieben wird, stelle ich mir sehr einsam vor.

Über weite Strecken spielt der Film im Inneren eines – wenn auch luxuriösen – PKW. War das eine Einschränkung beim Schauspielen?

Nein, dann spielt man eben auf einem kleinen Spielfeld und nutzt die Einschränkungen, die der Raum vorgibt.Das ist vergnüglich.

Haben Sie persönlich eine Schwäche für Autos?

Letztlich fahren für mich alle Autos vorwärts und rückwärts. Ich fahre gerne schöne, gut ausgestattete Kraftwagen, aber ein klei­nerer tut's auch. Sagen wir so: Ich brauche es nicht für mein Selbstwertgefühl, aber schön ist es.

Mit Sophie Allet-Coche als Regisseurin sieht man hier den weiblichen Blick auf zwei Herren in der Midlife-Crisis. Glau­ben Sie, der Film wäre deutlich anders ausgefallen, wenn ein Mann auf dem Regiestuhl Platz genommen hätte?

Ganz sicher wäre der Film anders ausgefallen, deutlich weiß ich nicht, aber das ist immer so, weil jede Regisseurin und jeder Re­gisseur eine eigene Handschrift und Sicht auf die Dinge haben.

Das Interview führte Manuela Waberski

"Liebe ist für alle die beste Kur"

Interview mit Schauspieler Herbert Knaup

In "600 PS für zwei" präsentieren Sie sich zunächst als ziemlich ungenießbarer Personalchef. Macht es als Schauspieler mehr Spaß, den Fiesling zu geben als den Sympathieträger?

Jede Rolle verlangt den vollen schauspielerischen Einsatz, ob Fiesling oder Gutmensch. Das Interessante am Spielen ist ja, die Gegensätze und Abgründe innerhalb eines Charakters auszuloten und zu verkörpern.

Der Film führt Ihre Figur und den arbeitslosen Marketingfachmann Hartmut Sprenger als Beifahrer auf einem irren Road-Trip von Berlin über Gera zum Tegernsee. Bei einer schnellen Autofahrt im schnittigen Luxusschlitten werden doch Männer-Träume wahr, oder?

Ja klar, meine Träume schon. Ich liebe rasantes und doch kontrolliertes Autofahren. Natürlich nur, wenn der Verkehr es erlaubt.

Wie war Ihre erste Zusammenarbeit mit Walter Sittler?

In Walter Sittler fand ich einen wirklich sehr angenehmen Kollegen. Menschlich wie schauspielerisch eine Freude. Viel Erfahrung, große Neugier und Mut zum Risiko durfte ich im Zusammenspiel erleben.

Lorenz entwickelt schließlich Gefühle für die Ex-Frau von Hartmut, gespielt von Sabine Vitua. Ist die Liebe die beste Kur gegen den Burn-out?

Liebe ist für alles die beste Kur. Letztendlich ist sie der Schlüssel, den Sinn des Lebens verstehen zu lernen.

Lorenz und Hartmut werden nach einigen Hürden zu Freunden. Ist Freundschaft das Beste, was es gibt auf der Welt?

Freundschaft kann die Basis einer vertrauten Geborgenheit werden. Ein Geschenk, das es zu pflegen gilt. Einen Menschen an seiner Seite zu wissen, mit dem du über alles sprechen kannst, ist wahres Glück. 

Am Ende kommt der Karriere-Mensch Hofmann ziemlich ins Grübeln und äußert sogar, dass er lieber Holzfäller hätten werden sollen. Haben Sie persönlich auch schon mal von einem Aussteiger-Leben geträumt?

Ich persönlich bin nach wie vor mit meiner Berufswahl im Einklang und kann mir nichts Schöneres vorstellen.

Das Interview führte Manuela Waberski

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