Ärger mit Telekom & Co. / Kartelle auf Kosten der Kunden

Zwei "WISO"-Dokumentationen

Zwei "WISO"-Dokumentationen über "Ärger mit Telekom & Co." und "Kartelle auf Kosten der Kunden". Die Doku "Kein Anschluss unter dieser Nummer" stellt unter anderem dar, was Verbraucher tun können, wenn das Telefon tot ist, der Internetanschluss nicht funktioniert und die Hotline nicht weiterhilft. Die zweite Dokumentation geht unter dem Titel "Abzocke in Deutschland" der Frage nach, ob und wie Firmenmanager Preise ihrer Produkte absprechen.

  • ZDF, Montag, 10. und 17. August 2015, 19.25 Uhr

    Texte

    Sendetermine

    Montag, 10. August 2015, 19.25 Uhr, ZDF

    "WISO"-Dokumentation
    Kein Anschluss unter dieser Nummer – Ärger mit Telekom & Co.

    Film von Oliver Koytek und Jochen Schulze
    Redaktion: Martin Leutke, Marcus Niehaves

     

    Montag, 17. August 2015, 19.25 Uhr, ZDF

    "WISO"-Dokumentation
    Abzocke in Deutschland – Kartelle auf Kosten der Kunden

    Film von Andreas Baum
    Redaktion: Martin Leutke, Marcus Niehaves

    "Die Relevanz für den Verbraucher steht bei den Dokumentationen im Vordergrund"
    Drei Fragen an den stellvertretenden "WISO"-Redaktionsleiter Marcus Niehaves

    "WISO" berichtet immer montags um 19.25 Uhr über eine Vielzahl von Verbraucher- und Servicethemen. Was müssen diese inhaltlich mitbringen, damit sie in einer 45-minütigen "WISO"-Dokumentation aufgegriffen werden können: einen komplexen Sachverhalt oder vor allem Relevanz für die Verbraucher?

    Die Relevanz für den Verbraucher steht im Vordergrund. Aber klar: Oft sind gerade diese Themen sehr komplex. Wir haben uns in diesem Jahr für zwei sehr spannende Themen entschieden, die nicht einfach und für den Verbraucher von großer Bedeutung sind. Zum einen geht es um den Ärger um unsere Telefonanschlüsse und die Verträge, die dahinterstehen. Zum anderen fragen wir uns, warum es eigentlich so viele Preisabsprachen in Deutschland gibt. Kartelle gibt es in fast jedem Bereich und der Verlierer ist der Verbraucher – ein typisches "WISO"-Thema, das aufklären und aufrütteln soll. 

    Was macht den "Telefon-Ärger" in diesem Sommer zu einem Dokumentationsthema. Ist dieser in jüngster Zeit merklich angewachsen? Oder passt es vor allem so gar nicht in die Welt der digitalen Kommunikation, wenn es doch immer mal wieder heißt: "Kein Anschluss unter dieser Nummer"?

    Der Ärger um Telefonanschlüsse ist ein echter Klassiker, der viele Menschen beschäftigt, ihnen Zeit und Geld raubt. Da lag es auf der Hand, eine ganze Doku darüber zu machen. "WISO" bekommt zu keinem anderen Thema so viele Briefe und Hilferufe von Zuschauerinnen und Zuschauern wie zu Telekom und Co. Das geht vom mühsamen Telefonanbieterwechsel über undurchsichtige Verträge bis zu lahmen Leitungen. Und genau diese Themen greifen wir auf und zeigen, wie Familien und Unternehmen monatelang auf ihren Anschluss warten müssen. Wir haben uns natürlich gefragt, wie das in einem so hochentwickeltem Land, wie Deutschland sein kann. Spannend dabei die Kritik der Experten, die nämlich sagen, Deutschland sei immer noch ein von der Industrie geprägtes Land, in dem man mehr an die Auto- und Maschinenbauer denke und weniger an die Notwendigkeit, neue Wege zu gehen. 

    Die zweite Dokumentation über die "Kartelle auf Kosten der Kunden" verlangt nach starker investigativer Recherche. Welche neuen Erkenntnisse sind dabei zusammengekommen, wie Preisabsprachen in Deutschland unter der Hand auf den Weg gebracht werden?

    Wie konspirativ die Treffen vonstatten gehen, dass Preisabsprachen in nahezu allen Bereichen stattfinden, dass die Strafen für diese illegalen Absprachen gering sind und dass den Schaden am Ende die Verbraucher tragen – das alles sind für die meisten Zuschauer sicher neue Erkenntnisse. Die Recherchen haben zudem gezeigt, dass sich Unternehmen nicht nur absprechen, sondern auch gehörigen Druck ausüben auf Firmen, die bei den Absprachen nicht mitmachen wollen. Der Film zeigt, wie Firmen auf Kosten ihrer Kunden die Preise festlegen und wie schwer es ist, dem Treiben der Kartelle wirklich Herr zu werden. 

    Mit Marcus Niehaves sprach Thomas Hagedorn.

    "WISO"-Dokumentation: Kein Anschluss unter dieser Nummer 

    Tote Telefone, kein Internet, überforderte Mitarbeiter. "WISO" zeigt, was Verbraucher tun können, wenn es wieder mal heißt: Kein Anschluss unter dieser Nummer.

    Frustrierte Kunden erzählen "WISO" ihre Geschichte. Die Dokumentation belegt, wie schwer es in Deutschland ist, den Telefonanbieter zu wechseln und konfrontiert die Anbieter mit den abenteuerlichen Erlebnissen ihrer Kunden.

    Für Stefanie Maul aus Düsseldorf wurde der Wechsel des Telefonanbieters zum Albtraum, der inzwischen ihre berufliche Existenz bedroht. Im Sommer 2014 wechselte die selbstständige Frisörin von Unitymedia zur Telekom. Der Grund: Ihr Festnetzanschluss hatte immer mal wieder Störungen, deshalb wollte sie nun "das beste Netz". Doch mit dem Wechsel werden die Probleme nur noch schlimmer: Frau Maul kann raus telefonieren, doch Anrufer von draußen kommen nicht durch. Stattdessen hören die Kunden: "Dieser Anschluss ist vorübergehend nicht zu erreichen". Anrufe bei der Service-Hotline führen zu nichts. Drei Techniker können nicht klären, woher die Störungen kommen. Weil Stefanie Mauls Salon monatelang nicht übers Festnetz zu erreichen ist, können Kunden keine Termine bei ihr machen. Viele habe sie deshalb verloren, sagt sie.

    Wenn der Unternehmer Andreas Fischer eine SMS verschicken will, geht er auf den Balkon. Mit Glück und gutem Wetter bekommt er dort den einen Balken, der auf seinem Handy eine minimale Netzverbindung signalisiert. Sein Firmensitz ist im Nordschwarzwald, in Forbach-Hundsbach, mitten im Wald, in 760 Metern Höhe. "Hier ist Mobilfunk Luxus", sagt der Geschäftsführer der G+F Verlags- und Beratungs-GmbH. Der Unternehmer behilft sich mit einer Internetverbindung via Satellit und erreicht damit manchmal eine Übertragungsrate von 10 Megabit pro Sekunde. Allerdings funktioniert die nur bei gutem Wetter. Der Mittelständler hofft auf die flächendeckende Breitbandversorgung mit 50 Megabit/Sekunde, die die Bundesregierung in ihrer Digitalen Agenda bis 2018 versprochen hat. Doch die Netzbetreiber mauern, weil sich für sie der massive Ausbau auf dem Land nicht lohnt.

    Nur zwei Geschichten, die für die großen Baustellen auf deutschen Datenautobahnen stehen. Insgesamt haben sich im vergangenen Jahr zirka 130 000 Kunden bei der Bundesnetz-Agentur über ihren Ärger im Bereich Telekommunikation beschwert – das sind über 350 Fälle pro Tag (inklusive Sonn- und Feiertage). Die tatsächliche Zahl der Menschen, die Ärger mit Telekom und Co. haben, ist um ein Vielfaches höher.

    "Der Kunde ist mit seinem Ärger nicht alleine"
    Interview mit Filmautor Oliver Koytek

    Gibt es derzeit so viele Kunden, die von den Telekommunikationsanbietern frustriert sind, dass es für eine 45-minütige "WISO"-Dokumentation trägt?

    Tatsächlich hat "WISO" eine massive Zahl von Zuschauerbeschwerden zu diesem Thema erhalten. Der Ärger mit der Telekommunikation ist aus Verbrauchersicht ein echter Schwerpunkt.

    Welches Beispiel für diesen Ärger fällt Ihnen als erstes ein?

    Das Beispiel der Friseurin aus Düsseldorf, die einen eigenen Salon betreibt und für die Terminvereinbarung mit ihren Kunden auf das Telefon angewiesen ist. Sie wechselte im August des vergangenen Jahres von Unitymedia zur Telekom – doch ihre Telekommunikationsprobleme wurden nur noch schlimmer: Raustelefonieren ging noch, nur sie selbst konnte die Anrufe ihrer Kunden nicht mehr dauerhaft empfangen, die wiederum hörten: "Dieser Anschluss ist vorübergehend nicht zu erreichen." So etwas ist für den Betrieb eines Friseurgeschäfts natürlich existenzgefährdend.

    Was ist denn das häufigste Telekommunikations-Problem, an dem die Bürger in Deutschland verzweifeln?

    Laut der Bundesnetzagentur resultieren die häufigsten Fälle von Verbraucherärger aus Anbieterwechseln und Rufnummernmitnahmen. Im Jahr 2014 wurden für diesen Bereich 28.000 Beschwerdefälle verzeichnet. Und wenn man annimmt, dass nicht jeder gleich diesen Beschwerdeweg wählt, dürfte die Zahl der Verärgerten noch deutlich höher liegen. Die nächstgrößte Problematik, auf die wir in unserer Dokumentation aber nicht weiter eingehen können: der Rufnummernmissbrauch und die unerlaubte Telefonwerbung. Der drittgrößte Beschwerdekomplex, den wir wiederum in unserem Film ausführlich darstellen: das Nicht-Einhalten von Verkaufsversprechen, das Nicht-Erbringen der Leistungsfähigkeiten, also: High-Speed-Internetanschluss wurde vereinbart, aber nur lahme Leitungen können genutzt werden.

    Dabei sollen nach der Digitalen Agenda der Bundesregierung 2018 alle Haushalte über einen Internetanschluss mit einer Downloadgeschwindigkeit von mindestens 50 Megabit pro Sekunde verfügen: Wird dann das Thema "Kein Anschluss unter dieser Nummer" endlich zurück in die analoge Steinzeit der Telekommunikation verwiesen werden? Oder bleibt es uns erhalten?

    Das Thema wird uns noch eine ganze Weile begleiten. Dass gemäß der digitalen Agenda 2018 überall Breitband den schnellen Internetzugang sichert, halte ich für wenig realistisch. In unserem Film sagt ein Technologieforscher, Deutschland hinke bei der Informationstechnologie vielen Entwicklungen hinterher, weil es sich zu lange als Industrienation verstanden habe und deshalb die IT-Förderung zu kurz gekommen sei. Das wird zum Beispiel bereits am Thema Bezahlung anschaulich: IT-Experten verdienen in den USA weitaus mehr, entsprechend wandern viele kompetente Fachkräfte dorthin ab.

    Blicken wir noch mal auf die Telekommunikationsanbieter selbst: Warum setzen die nicht zuvörderst alles daran, zufriedene Kunden zu haben?

    Deren Maßstab ist zunächst die Gewinnmaximierung. Wenn man sich anschaut, dass etwa die Telekom 2014 für Probleme ihrer Kunden beim Anbieterwechsel 75.000 Euro Ordnungsgelder an die Bundesnetzagentur zahlen musste, aber für das vergangene Jahr über viereinhalb Milliarden Euro Gewinn ausweist, liegt es nahe, dass sie diesen Ärger finanziell verschmerzen kann. Zumal das Basisgeschäft in den meisten Fällen funktioniert. Was überhaupt nicht funktioniert, ist das Problemhandling, wenn die Kunden Service oder technischen Support benötigen. Dann landen diese in Call-Centern und drehen dort Schleifen, bis die Nerven ruiniert sind.

    Und was empfehlen Sie, um dann die Nerven zu beruhigen?

    Wenn der Ärger überhandnimmt, sollten die Kunden an die Bundesnetzagentur schreiben. Auf deren Internetseiten gibt es zudem ein Beschwerdeformular zum Thema Anbieterwechsel.

    Also auf den Punkt gebracht: Was erfährt der Zuschauer in Ihrer Dokumentation?

    Dass er mit seinem persönlichen Ärger nicht alleine ist. Er bekommt Tipps, wie er bei Ärger mit der Telekommunikation vorgehen sollte, und erfährt, warum manche Experten fürchten, Deutschland könne im Vergleich zu anderen Ländern zu einem digitalen Bangladesch werden.

    Mit Oliver Koytek sprach Thomas Hagedorn.

    "WISO"-Dokumentation: Abzocke in Deutschland 

    Sie treffen sich in Hotelzimmern, an Flughäfen oder auch in der Sauna, alles streng geheim. Manager großer deutscher Firmen sprechen sich ab, wenn es um die Preise ihrer Produkte geht.

    Schokoriegel, Matratzen oder Bier, Verbraucher müssen für viele Produkte mehr zahlen, als eigentlich nötig. Was nur die wenigsten wissen: In so gut wie allen Branchen gibt es illegale Kartelle, die konspirativ Preise absprechen, um mehr Profit zu machen.

    Die investigative Dokumentation zeigt auf, wie zahlreiche große und mittelständische Unternehmen in vielen Bereichen des täglichen Lebens unzulässige Kartelle bilden und so ihre Kunden massiv abzocken, meist durch illegale Preisabsprachen untereinander und verbotenen Druck auf die Verkäufer. Die Hersteller und Großhändler diktieren hier die Preise, nicht der Wettbewerb. Die überteuerte Zeche zahlen die Verbraucher, weil es nach den Absprachen keinen funktionierenden Wettbewerb mehr gibt. Und Verkäufer, die nicht mitmachen wollen, werden oft bedroht, schikaniert und geschäftlich ruiniert.

    Beispiel Matratzenbranche. Adam Szpyt hat sich schon vor Jahren mit Internetläden selbständig gemacht. Der "Preis-Rebell" hat dort Matratzen von bekannten Herstellern günstig angeboten – zu günstig, aus deren Sicht. Denn Szpyt habe sich nicht an detaillierten, hohen Preisvorgaben dieser Hersteller gehalten und so deren Zorn auf sich gezogen. Er wurde deshalb von Verkaufsleitern bedroht, in öffentlichen Hetzkampagnen diffamiert und mit Lieferblockaden und Prozessen überzogen, wie er sagt. "Wir werden Sie geschäftlich vernichten", sei ihm ganz unverhohlen angekündigt worden.

    Szpyt hat deshalb zur Selbsthilfe gegriffen und versucht, die großen Hersteller auszutricksen. Jetzt hat er selbst eine kostengünstige "Anti-Kartell-Matratze" auf den Markt gebracht, wie er sie provokant nennt. Erneut ein rotes Tuch für die Matratzenhersteller, die ihm die Werbung für seine "Anti-Kartell-Matratze" gerichtlich verbieten lassen wollen.

    Die Dokumentation zeigt das Phänomen anhand verschiedener Fälle und Stichproben mit versteckten Kameras auf. Sie lässt Ermittler, Insider, Informanten und Betroffene ebenso zu Wort kommen wie Juristen und Verbraucherschützer.

    "Preisabsprachen kommen überall vor"
    Interview mit Filmautor Andreas Baum

    Zuletzt hatten Preisabsprachen in der Welt der Supermärkte mal wieder Aufmerksamkeit erregt – das Bundeskartellamt erteilte Bußgelder an Aldi, Edeka, Rewe & Co. Sind denn eigentlich in jeder Wirtschaftsbranche solche Wettbewerbsabreden zu entdecken?

    Kartellrechtswidrige Absprachen können in allen Branchen vorkommen und es gibt zahlreiche Kartelle zu Lasten der Kunden in allen möglichen Bereichen, die bereits nachgewiesen wurden. Die Preisabsprachen sind ja das eine, es gibt aber auch noch andere Abreden, die den Preis beeinflussen, zum Beispiel die Gebietsaufteilung. Wenn nur wenige Anbieter auf einem Markt aktiv sind, verlockt es, sich abzusprechen: Du machst den Norden, ich den Süden, er den Westen, sie den Osten. Und dann gibt es noch die Absprachen zwischen Firmen, wer jeweils wie bei den Aufträgen bietet, die beispielsweise die Öffentliche Hand vergibt. Da geben die einen bei den Ausschreibungen bewusst höhere Angebote ab und der jeweils "Auserwählte" das auf dem Papier günstigste und beim nächsten Mal läuft es dann anders herum, so dass jeder der Kartellanten mal zum Zuge kommt – natürlich immer mit überhöhten Preisen.

    Sind denn Unterschiede zwischen Big Playern und mittelständischen Unternehmen erkennbar, was die Neigung zu Preisabsprachen betrifft?

    Wenn man sich die Liste der abgeurteilten Preisabsprachen anschaut, sind auf dieser die verschiedensten Firmen vertreten – von groß bis klein. Die kartellrechtswidrigen Absprachen gehen also durch alle Branchen und alle Unternehmensgrößen, sie finden im Konsumgüterbereich ebenso statt wie im Sanitärgroßhandel und könnte bis zu den Eisdielen vor der Haustür reichen. Aber die werden wahrscheinlich sagen: Dass die Eiskugel überall gleich viel kostet, liegt an unserer "Marktbeobachtung" – und nicht an illegalen Preisabsprachen. Ähnlich argumentieren ja auch immer die Tankstellenbetreiber.

    Und welche Beispiele bringen Sie in Ihrer Dokumentation?

    Wir haben unter anderem in der Matratzenbranche recherchiert, zudem im Sanitärhandel, bei der Deutschen Bahn oder bei der Beschaffung von Feuerwehrautos. Dabei haben wir die verschiedenen Kriterien der Preisabsprachen kennengelernt und die unterschiedliche Ausgestaltung – von der horizontalen bis zur vertikalen, bei denen zum Beispiel Hersteller den Händlern überhöhte Preise vorgeben, die diese von den Kunden verlangen müssen. In solchen Fällen ist es meist so, dass Händler, die sich an dieses illegale "Preisdiktat" nicht halten, von den Herstellern beispielsweise nicht mehr beliefert werden, was für die Händler existenzgefährdend sein kann. Auch dazu zeigen wir in unserer Dokumentation Beispielsfälle auf.

    Als Gesprächspartner waren wahrscheinlich leichter diejenigen zu bekommen, die von einem Kartell geschädigt wurden?

    Natürlich sind Betroffene da auskunftsfreudiger. Aber wir haben auch mit Ermittlern, Informanten und Insidern aus dem Bereich der Kartellanten gesprochen.

    Wird auch die politische und kartellrechtliche Dimension des Themas in Ihrem Film dargestellt?

    Wir haben mit Experten aus dem Bundeskartellamt und dem Europäischen Kartellamt sowie mit Verbraucherschützern, Juristen und Politikern über die Frage gesprochen, was geändert werden müsste, damit es weniger Kartellverstöße gibt. Dazu haben wir O-Töne eingeholt, die unter anderem dahingehen, dass die Preisabsprachen beispielsweise auch strafrechtlich relevant sein müssten, das heißt, dass für solche Taten den Verantwortlichen auch Freiheitsstrafen drohen müssten, was in Deutschland bislang nicht der Fall ist. Auch bei den Klagemöglichkeiten der Geschädigten sehen manche Optimierungsbedarf, indem etwa Gruppenklagen zugelassen werden.

    Und wie lautet Ihr Fazit nach den Recherchen zum Thema: Werden Preisabsprachen auch künftig zum Wirtschaftsleben dazugehören?

    Es gab sie schon immer und wird sie sicherlich auch weiterhin geben, aber möglicherweise liegt die Aufklärungsrate künftig höher. Denn heute gibt es vor allem aufgrund der technischen Entwicklungen mehr Möglichkeiten, Kartelle auffliegen zu lassen. Doch das Zitat von Adam Smith, dem Moralphilosophen und Ökonomen aus dem 18. Jahrhundert, hat immer noch Geltung: "Geschäftsleute des gleichen Gewerbes kommen selten zusammen, ohne dass das Gespräch in einer Verschwörung gegen die Öffentlichkeit endet."

    Mit Andreas Baum sprach Thomas Hagedorn.

    Biografische Angaben zu Filmautoren und Redakteur

    Andreas Baum, Jahrgang 1965, arbeitet seit 1988 als Journalist und gründete 1994 die Exit Film- und Fernsehproduktion. Zusammen mit seinem Team hat er seitdem neben Magazinbeiträgen für Sendungen wie "WISO" oder "Frontal 21" zahlreiche Dokumentationen und Reportagen für das ZDF realisiert, etwa für die "ZDFzoom"-Reihe zum Beispiel die Filme "Die Anruffalle" und "Kredit oder Konkurs: Die fragwürdigen Methoden von Schufa & Co.". Er ist zudem Autor des Buches "Die miesen Maschen der Abzocker", das als "WISO-Report" erschienen ist. Andreas Baum, Diplom-Jurist, war schon während seines Studiums als freier Journalist tätig, unter anderem auch für die ZDF-Redaktion Recht und Justiz. In dieser war er dann von 1992 bis 1994 tätig und berichtete als Gerichtsreporter bundesweit von Prozessen für Sendungen wie "heute", "heute-journal" sowie "ZDF-Morgen-" und "ZDF-Mittagsmagazin".

    Oliver Koytek, Jahrgang 1964, gründete 1997 die real & fiction Film- und Fernsehproduktion GmbH in Köln. Als Autor und verantwortlicher Produzent hat er seit 1994 rund 100 Reportagen und Dokumentationen realisiert, davon viele für die ZDF-Sendungen "WISO", "hallo Deutschland", "ZDF.reportage" sowie für den Digitalsender ZDFinfo. Nach einem Publizistikstudium war Oliver Koytek zunächst als Korrespondent für verschiedene TV-Sender tätig, bevor er von 1990 bis 1992 als Studioleiter von Tele 5 in Bonn arbeitete und anschließend die Nachrichtenformat eines privaten TV-Senders konzeptionierte, aufbaute und als Redaktionsleiter der Produktionsfirma umsetzte.

    Marcus Niehaves, Jahrgang 1974, ist seit 2011 stellvertretender Leiter des ZDF-Wirtschafts- und Verbrauchermagazins "WISO". Zuvor hatte er ab 2001 als Reporter im ZDF-Landesstudio Baden-Württemberg gearbeitet. Neben der tagesaktuellen Berichterstattung realisierte Marcus Niehaves bereits zahlreiche Dokumentationen für das ZDF. Der studierte Kommunikationswissenschaftler ist zudem als Moderator von "WISO plus" in ZDFinfo im Einsatz.

    Jochen Schulze, Jahrgang 1971, ist seit 2004 als freier Autor und Korrespondent für diverse TV-Sender tätig und produziert mit Oliver Koytek zusammen die Dokumentation "Kein Anschluss unter dieser Nummer – Immer Ärger mit Telekom und Co." Als Autor realisierte er bereits rund 30 Reportagen, zum Beispiel für "hallo deutschland hautnah" die Reportage über "Gran Canaria – zwischen Badespaß und Urlaubshorror" (Erstsendetermin: 18. Juli 2015 im ZDF). Für die "ZDF.reportage" hat er zuletzt die Filme "SOKO Grenze – Autodieben auf der Spur" sowie "Dealer, Drängler und Vermisste – Einsatz im Polizeihubschrauber" umgesetzt.

    Wissenswertes über "WISO" 

    Das Wirtschafts- und Verbrauchermagazin "WISO" bietet jeden Montag um 19.25 Uhr 45 Minuten Service und Verbraucherinformationen. Das Magazin stellt die Auswirkungen politischer und wirtschaftlicher Entscheidungen für die Verbraucher verständlich dar und gibt konkrete und umsetzbare Tipps. Mit dem Test von Produkten und Dienstleistungen deckt es außerdem regelmäßig Missstände auf. Seit 2011 ist Martin Leutke als Redaktionsleiter und Moderator von "WISO" im Einsatz. Seit 2014 ist zudem Sarah Tacke als "WISO"-Moderatorin aktiv. "WISO startete am 3. Januar 1984 als Nachfolgesendung von "Bilanz" und wird heute live, aber nicht mehr vor Studiopublikum produziert. Eine "WISO"-Sendung kostet zirka 105.000 Euro. Ergänzend zu den Magazin-Ausgaben realisiert die Redaktion auch "WISO"-Dokumentationen.

    Fotohinweis und Impressum

    Fotos sind erhältlich über ZDF Presse und Information, Telefon: 06131/7016100 oder unter http://presseportal.zdf.de/presse/heutexpresshttp://presseportal.zdf.de/presse/donnerstalkhttp://presseportal.zdf.de

    Impressum 

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    Presse und Information
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    Copyright: ZDF 2015 

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    Name: Thomas Hagedorn
    E-Mail: hagedorn.t@zdf.de
    Telefon: 06131/7013802