Aktenzeichen XY-Spezial: Vorsicht, Betrug!

Fahndung – Ermittlung – Vorbeugung. Das sind seit nunmehr fast 50 Jahren die drei Kernaufgaben der Sendung "Aktenzeichen XY … ungelöst". Als Spin-off davon widmet das ZDF jetzt dem Aspekt Prävention erstmals eine eigene 90-minütige Live-Sendung.

  • ZDF, Mittwoch, 26. Oktober 2016, 20.15 Uhr

Texte

Betrugsmaschen auf der Spur

Fahndung – Ermittlung – Vorbeugung. Das sind seit nunmehr fast 50 Jahren die drei Kernaufgaben der Sendung "Aktenzeichen XY … ungelöst". Seitdem verlassen sich die Fernsehzuschauer darauf, in der Sendung zu erfahren, was sich im Bereich Kriminalität in Deutschland Neues tut. Konstant sind die Zuschauer bereit, bei der Aufklärung von Verbrechen zu helfen. Die Aufklärungsquote von über 40 Prozent steht für den Erfolg der Sendung und führt dazu, dass die Programmmarke aktuell zu den erfolgreichsten regelmäßigen Informationsformaten im deutschen Fernsehen gehört.

Die Kriminalprävention nimmt seit jeher einen hohen Stellenwert in "Aktenzeichen XY…ungelöst" ein. Kripobeamte und Experten, zum Beispiel der Polizeilichen Kriminalprävention, geben immer wieder Vorbeugetipps zu gezeigten Fällen. In Zusammenhang mit der Vorbeugung wurde im Jahr 2002 sogar ein eigener Preis für Zivilcourage ins Leben gerufen: Der "XY-Preis – Gemeinsam gegen das Verbrechen". Die Auszeichnung ehrt in diesem Jahr bereits zum 15. Mal Mitbürger, die sich couragiert, aber besonnen im Kampf gegen Kriminalität für ihre Mitmenschen eingesetzt haben. Nachahmenswertes Verhalten soll so öffentlich gemacht und gefördert werden. Der "XY-Preis" leistet damit als fester Bestandteil der Programmmarke "Aktenzeichen XY…ungelöst" einen wichtigen Beitrag zur Kriminalprävention und setzt ein Zeichen für Zivilcourage.

Als Spin-off von "Aktenzeichen XY…ungelöst" widmet das ZDF dem Aspekt Prävention nun erstmals eine eigene 90-minütige Live-Sendung. Aktuell, authentisch, und lehrreich. Dass Bedarf besteht, zeigt die aktuelle Kriminalstatistik: Fast eine Million angezeigte Betrugsfälle gab es im Jahr 2015, das sind 2647 Fälle pro Tag. Die Dunkelziffer liegt vermutlich noch weitaus höher. Im Sinne des öffentlich-rechtlichen Auftrags warnt "Aktenzeichen XY-Spezial: Vorsicht, Betrug!" vor aktuellen Betrugsmaschen und liefert nützliche Vorbeugetipps gegen die immer raffinierter werdenden Handlungsweisen der Täter. In der Spezialsendung erzählen echte Opfer, wie sie von Betrügern reingelegt wurden, und machen deutlich, dass jeder ahnungslos in die Falle tappen kann.

Mit hochkarätigen Experten erklärt Rudi Cerne im Studio die aktuellen Tricks und deren zahlreiche Varianten, wie man sie erkennen und sich rechtzeitig davor schützen kann.

So liefert auch das Neuformat "Aktenzeichen XY-Spezial: Vorsicht, Betrug!" einen relevanten und wichtigen Beitrag zur Verbrechensbekämpfung.

Nadja Grünewald-Kalkofen
Redaktion ZDF
HR Fernsehfilm / Serie I Reihen und Serie I

Ina-Maria Reize-Wildemann
Chefredakteurin Redaktion Eduard Zimmermann –
Deutsche Kriminalfachredaktion GmbH

Stab und Sendungskonzept

Live-Regie:      Utz Weber
Regie Einspielfilme:        Rudi Schweiger
Produktion:       Securitel Film + Fernsehproduktions- und Verlagsgesellschaft m.b.H.
Produzent:      Martin Groß
Chefredakteurin:      Ina-Maria Reize-Wildemann (Redaktion Eduard Zimmermann – DKF Deutsche Kriminalfachredaktion GmbH)
Redaktion ZDF:     Nadja Grünewald-Kalkofen
Moderator:     Rudi Cerne
Länge:        ca. 88 Minuten

Sendungskonzept

Kriminelle lassen sich immer neue Maschen einfallen, um unschuldigen Bürgern das Geld aus der Tasche zu ziehen – und das oftmals leider mit Erfolg. Die Polizei verzeichnete 2015 fast 20.000 betrügerische Straftaten – pro Woche! Wie kann man sich davor schützen? Mit Wissen! Denn wer die Maschen kennt, bei dem haben die Betrüger wenig Chancen. "Aktenzeichen XY-Spezial: Vorsicht, Betrug!" zeigt die neuesten Vorgehensweisen der Betrüger und gibt Tipps, wie man sich wirksam schützen kann. Rudi Cerne empfängt neben Experten auch Opfer live im Studio.

Die Fälle

Falscher BKA-Beamter

Während der "Enkeltrick" seit Jahren in aller Munde ist, haben – von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt – Betrugstaten durch organisierte Callcenter die Zahl der Enkeltrick-Opfer längst überholt. Die Beutesummen steigen seit Jahren, ebenso die Anzahl der betrogenen Opfer. Das BKA spricht von gut einer Million Geschädigter und einer Beute von mindestens 120 Mio. Euro. Dennoch sind die unterschiedlichen Phänomene der Callcenter-Betrügereien häufig unbekannt.

Eine betagte, alleinlebende Dame gerät ins Visier einer gut organisierten Bande, die zum Großteil von der Türkei aus agiert. Die Männer, die sich per Telefon melden, geben vor, Bundeskriminalbeamte zu sein. Am Display der Dame taucht auch tatsächlich eine deutsche Festnetznummer auf. Die Rentnerin soll bei verdeckten Ermittlungen mithelfen. Mit einer komplexen Legende von Tätern, vor denen es die alte Dame zu schützen gelte, und in oft stundenlangen Telefonaten entlocken die Betrüger ihrem Opfer nach und nach ihr gesamtes Vermögen. In dem Glauben, die Arbeit der Polizei aufrichtig unterstützen zu können, verliert die Rentnerin dabei nahezu alles, was sie und ihr verstorbener Mann im Laufe ihres Lebens erwirtschaftet haben. Zurück bleibt eine zutiefst verunsicherte Frau, die zudem jetzt ohne finanzielle Altersabsicherung dasteht.

Vorausgegangen ist in den meisten Fällen ein manchmal Jahre zurückliegendes Gewinnversprechen, bei dem das Opfer bereits schon einmal erfolgreich zu Zahlungen veranlasst worden war. Damit werden die Geschädigten oftmals für Folgetaten missbraucht.

 

"Romance Scamming" oder der moderne Heiratsschwindler

Beim sogenannten Romance Scam wird den Opfern mit gefälschten persönlichen Online-Profilen in Singlebörsen die große Liebe vorgespielt, um finanzielle Zuwendungen zu erschleichen – ohne ein einziges Treffen. Auf eine romantische Mail am Morgen folgt ein kurzes Telefonat am Mittag, nach Feierabend wird gechattet oder stundenlang telefoniert. Bei den Gesprächen geht es zu Beginn keineswegs um Geld, sondern um den Beruf, die Familie sowie um Liebe und eine gemeinsame Zukunft. Wenn die Scammer nicht schon dort sind, dann müssen sie oft plötzlich geschäftlich oder aus familiären Gründen ins Ausland, oftmals nach Westafrika. Dabei versprechen die Betrüger, dass sie ihre neue Liebe im Anschluss besuchen werden. Doch meist kurz nachdem das Ticket nach Deutschland gebucht wurde, gibt es Schwierigkeiten – wie Überfälle, gestohlene oder konfiszierte Pässe oder ein Krankenhausaufenthalt nach einem Autounfall. Die Opfer werden gebeten, per Bargeldtransfer Geld zu senden. Die Liebe wird in solchen Bettelmails immer stark hervorgehoben. Nach und nach wird noch mehr Druck auf das Opfer ausgeübt, nur um an das Geld zu kommen.

Hanna Westphal (Anm. d. Red.: Name geändert) aus Köln ist früh Witwe geworden. Mit nur 45 Jahren ist sie alleinerziehend und mit der Bewältigung von Beruf und Alltag voll auf beschäftigt. Da bleibt keine Zeit, einen neuen Partner kennenzulernen. Nach fünf Jahren Einsamkeit sehnt sie sich nach einer neuen Liebe und wendet sich an ein Internetportal. Hanna macht online die Bekanntschaft des amerikanischen Soldaten James, Vater und ebenfalls alleinerziehend. Die beiden verstehen sich auf Anhieb und werden bald immer vertrauter, auch wenn der Kontakt ausschließlich über das Internet oder telefonisch besteht. Hanna lebt wieder richtig auf. Endlich kann sie sich mit jemandem austauschen und auch Hilfe in Erziehungsfragen einholen. Doch dann bekommt der Soldat einen Einzugsbefehl nach Afghanistan. Die Kommunikation zwischen den beiden wird schwieriger – auch aus Sicherheitsgründen, wie der Soldat Hanna glaubhaft erklärt. Dann tauchen erste Probleme auf: James erzählt Hanna, er habe Gold in Afghanistan beschlagnahmt und müsse es auf Befehl seiner Vorgesetzten zur Sicherheit nach Deutschland schicken. Er bittet Hanna, die wertvolle Fracht für ihn entgegenzunehmen, bis er selbst nach Deutschland kommen könne. Doch das ist erst der Anfang: Die erbetenen Gefälligkeiten nehmen zu. Jetzt spielen auch immer häufiger Geldforderungen eine Rolle. Hanna möchte nicht verlieren, was sie endlich in James gefunden zu haben glaubt. Inzwischen ist sie bereits ein mittleres Vermögen los – immer im Glauben, ihren geliebten Freund aus einem vorübergehenden Engpass zu helfen. Am Ende hat Hanna nicht nur ihr Geld, sondern auch ihr Vertrauen in die Menschen verloren.

 

Immobilienbetrug

Geldanlage ist schwierig in diesen Zeiten niedriger Zinsen. Viele setzen daher auf "Betongold" – dem Kauf einer Immobilie. Doch Vorsicht vor schwarzen Schafen: Die Polizei warnt vor Betrügern, die Hunderttausende Euro Schaden anrichten.

Oliver Neuhaus führt mit seiner Frau und dem 8-jährigen Sohn ein beschauliches Leben in finanziell geordneten Bahnen – bis zum Januar 2010. Damals wird der Außendienstmitarbeiter aufgefordert, an einem Gewinnspiel teilzunehmen. Und er gewinnt. 5.000 € als Anzahlung für einen Immobilienkauf. Die Wohnungen, die Oliver angeboten werden, sind neu renoviert und bestens in Schuss. Oliver ist begeistert. Er unterschreibt den Kaufvertrag für zwei Eigentumswohnungen, gut vermietet und geeignet als Altersvorsorge. Gesehen hat er die Wohnungen nicht. Nur eine beeindruckende Musterwohnung, in die er am liebsten selbst einziehen möchte. Er vertraut der Immobilienfirma, die sich auch um den nötigen Kredit für ihn kümmert und erhält sogar 300 Euro Mieteinnahmen monatlich. Doch plötzlich bleiben die Zahlungen aus. Als sich Oliver an die Immobilienfirma wendet, ändert sich die Stimmung: Statt netter Gespräche wie bisher, lassen sich die Mitarbeiter plötzlich verleugnen. Oliver fühlt sich geradezu verhöhnt. Erst jetzt wird ihm klar, dass etwas nicht stimmt. Er besteht darauf, seine Wohnungen zu sehen und ist erschüttert: Statt neu renoviert, nur Schrott und absolut unbewohnbar. Die Immobilien kann er so nicht wieder verkaufen. Aus den abgeschlossenen Verträgen kommt Oliver Neuhaus nicht raus – er ist finanziell am Ende.

 

Autoverkauf im Internet

Millionen Gebrauchtfahrzeuge werden täglich über Kfz-Verkaufsportale im Internet angeboten. Die Anzeigen enthalten oft persönliche Daten wie Name, Adresse und Telefonnummer. Genau auf diese Informationen haben es Betrüger aus dem Libanon abgesehen. Aus einer harmlosen Kfz-Anzeige wird ein Bangen ums eigene Leben.

Peter Müller (Anm. d. Red.: Name geändert) steht mit seiner Familie kurz vor dem Umzug nach Norddeutschland. Um die Umzugskasse etwas aufzubessern beschließt der gelernte Koch, seinen zehn Jahre alten Chevrolet über ein Gebrauchtwagenportal im Internet zu verkaufen. Alle wichtigen Informationen schreibt der Familienvater in die Anzeige. Tatsächlich meldet sich schon kurze Zeit später ein Interessent. Nach einer Probefahrt einigen sich Verkäufer und Käufer sehr schnell. 6.500 Euro in bar bekommt Peter Müller für das Liebhaberstück. Er ist erleichtert und froh, dass er nun unbesorgt den Umzug finanzieren kann. Drei Wochen später kommt plötzlich ein überraschender Anruf. Der unbekannte Mann, der behauptet, der Käufer des Chevys zu sein, beschimpft Peter Müller wüst und behauptet, der Wagen hätte mehrere Schäden, die ihm beim Kauf verschwiegen worden seien. Sofort solle Müller ihm die 6.500 Euro zurückzahlen. Andersfalls würden ihm seine gewalttätigen Brüder einen Besuch abstatten. Peter Müller ist irritiert und möchte die Sache klären. Er schlägt vor, den Wagen zurück zu nehmen und das Geld bar auszuhändigen. Doch der erboste Anrufer lässt sich auf das Angebot nicht ein. Seine Beschimpfungen werden immer drastischer. Schließlich droht er Peter Müller und seiner Familie mit dem Tod. Zum Glück wendet sich Müller umgehend an die Polizei. Dort klärt man ihn auf, Opfer einer bekannten Betrugsmasche geworden zu sein: Gewalttätige Brüder gäbe es genau so wenig, wie zusätzliche Schäden an dem gepflegten Oldtimer. Die Drohanrufe sind Teil eines ausgeklügelten Betrugssystems. Die Anrufer sitzen meist weit weg im Ausland und der Schaden dieser Masche geht inzwischen in die Millionen.

 

Finanzagent: Vorsicht, Geldwäsche

Beste Verdienstmöglichkeiten mit wenig Arbeit – mit solchen Angeboten locken Kriminelle ihre Opfer an. In Jobbörsen, übers Internet oder per E-Mail geben sie sich als Vertreter scheinbar seriöser "Finanzmanagementunternehmen" oder Ähnlichem aus, um ahnungslose Kontoinhaber für eine Tätigkeit als sogenannte Finanzagenten zu gewinnen. Diese sollen ihr Girokonto für Überweisungen zur Verfügung stellen und dürfen dafür zwischen fünf und zwanzig Prozent einbehalten. Dahinter steckt der kriminelle Versuch, Geldwäsche zu betreiben. Und auf dem Konto des Finanzagenten landet Geld von Personen, die selbst Opfer betrügerischer Machenschaften geworden sind.

Thorsten Kohlmann (Anm. d. Red.: Name geändert) wird bald zum ersten Mal Vater. Doch jetzt verliert er seinen Job. Es findet sich zum Glück zwar schnell ein neuer, doch die Bezahlung ist deutlich geringer als bei seiner früheren Arbeitsstelle. Er muss sich etwas einfallen lassen. Im Internet stößt Thorsten Kohlmann auf eine Anzeige, die ihm ohne großen Aufwand ein gutes Zusatzeinkommen verspricht – als Finanzagent. Schnell bewirbt er sich und nur wenige Tage später meldet sich der neue Arbeitgeber. Thorsten hat den Job und bald kann es losgehen. Doch dann die erste Irritation. Seine Bank meldet sich. Von einer hohen Einzahlung ist die Rede, die sich nicht zuordnen ließe. Thorsten Kohlmann ist verwundert. Die Bank wittert bereits etwas und sperrt Thorstens Konto. Der Geldwäsche-Beauftragte der Bank wird involviert. Und dann steht auch noch die Polizei vor Thorstens Tür – es ergeht ein Strafbefehl gegen den jungen Vater.

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