Copyright: ZDF / Sven Kiesche
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Alles ist im Fluss - Wolfgang Niedecken zum 70.

Dokumentation

Wolfgang Niedecken feiert am 30. März seinen 70. Geburtstag – Anlass für ein Porträt des Künstlers und Menschen, der die Musik, die Kultur und die Gesellschaft viele Jahrzehnte nachhaltig geprägt hat. Die Dokumentation erzählt die wesentlichen Lebensstationen und Themen von Niedecken und seiner Band BAP. Filmemacher Heinrich Billstein begleitet ihn auf einer Schiffsfahrt auf dem Rhein und zu besonderen Plätzen seines Lebens.

  • ZDF, Sonntag, 28. März 2021, 23.45 Uhr
  • ZDF Mediathek, Ab Freitag, 26. März 2021 weitere Angebote zum Thema bei ZDFkultur
  • 3sat, Samstag, 29. Mai 2021, 22.30 Uhr

    Texte

    "Als Mensch nahbar, als Musiker unerreicht"
    Von Daniel Fiedler, Leiter der Redaktion Kultur Berlin

    Klar verortet und politisch weltoffen zugleich. Wolfgang Niedecken hat die persönlichen Themen ebenso in seine Songs gelassen wie die weltumspannenden. Hat Mundart musikalisch chartfähig gemacht, aber immer dazu aufgefordert, über den eigenen Tellerrand herauszublicken. Hat nie ein Blatt vor den Mund genommen, wenn es darum ging, Stellung zu beziehen und Haltung zu zeigen. Auf der Bühne und im realen Leben. Als Mensch nahbar, als Musiker unerreicht. Ein Leben, in dem sich Zeit- und Kulturgeschichte eines ganzen Landes und mehrerer Generationen spiegeln.

    Stab und Inhalt

    Sonntag, 28. März 2021, 23.45 Uhr
    Alles ist im Fluss - Wolfgang Niedecken zum 70.
    Dokumentation

    Buch und Regie_____Heinrich Billstein
    Kamera_____Sven Kiesche, Ole von Öhsen
    Ton_____Ole Schmidt, Julian Kiesche
    Schnitt_____Sven Voss
    Produktion_____Jan Holtz, Nele Joka (ECO Media), Christiane Alsfasser (ZDF)
    Produzent_____Thomas Schuhbauer (ECO Media)
    Redaktion_____Daniel Fiedler (ZDF)
    Sendelänge_____45 Minuten
    Eine Produktion von ECO Media im Auftrag des ZDF

    Inhalt
    Die Dokumentation erzählt verschiedene Stationen einer besonderen Reise – der Lebensreise von Wolfgang Niedecken. Im Herbst 2020 erschien das 20. Studioalbum der Kölner Band BAP, die neben den Toten Hosen und den Ärzten zu den drei ganz großen Rockbands der Bundesrepublik gehört. Doch die Jubiläumstour musste genauso verschoben werden wie das für Frühjahr 2021 geplante Konzert zum 70. Geburtstag von Wolfgang Niedecken. Und so begann für Niedecken eine stille Zeit, die er genutzt hat für einen besonderen Lebenstraum: Einmal mitzufahren auf einem Rheinfrachter, der ihn an einigen wichtigen Stationen seines Wirkens vorbeifahren und eine andere Perspektive auf sein Leben einnehmen lässt. Die Dokumentation erzählt von verschiedenen Stationen dieser Reise – emotional, thematisch, biographisch. Es geht um Heimat, um Musik, um Verantwortung für die Gesellschaft. Aber auch um Frohsinn und Lebenslust.

    Der katholisch erzogene Junge aus der Südstadt, der zum Bob Dylan von Köln wurde. Sein Vater als lebenslange Bezugsperson. Der Ausbruch aus der Enge als Maler und Bildender Künstler. Der schwierige Beginn der Band BAP, der Durchbruch 1982 und die Trennung der Band. Der Homo Politicus Niedecken, das legendäre Treffen mit dem Schriftsteller Heinrich Böll 1984, der Kampf gegen Atomkraft und für Abrüstung, die Hilfe für Afrika, der Kampf gegen Rechts. Und der unbedingte Wille, sich nicht vereinnahmen zu lassen – wie etwa bei der abgesagten DDR-Tournee 1984.

    Archivmaterial spiegelt die Bandgeschichte und die bundesdeutsche Zeitgeschichte wider. Zu Wort kommen Zeitzeugen, die in einem besonderen Verhältnis zu Wolfgang Niedecken stehen: Dieter "Maschine" Birr, Eva und Horst Köhler, Campino (Frontmann der Toten Hosen), Tommy Engel (Ex-Frontmann der Bläck Fööss) und natürlich Bandmitglieder und Wegbegleiter.

    "Alles ist im Fluss" enthält auch eine echte Premiere: das erste Lied, das Niedecken auf Kölsch geschrieben, aber nie aufgenommen hat. "Leev Frau Herrmanns" hat er während der Dreharbeiten wiederentdeckt, erstmals eingespielt und für diesen Film auf einem Dach hoch über der Südstadt präsentiert. Das Lied porträtiert eine 93-jährige Kölnerin, die Niedecken während seines Zivildienstes kennengelernt hatte.

    "Ich neige mein Haupt und ziehe auch meinen Hut"
    Zitate aus der Dokumentation

    Campino (Rockmusiker; Die Toten Hosen) über BAP:
    BAP war Anfang der 80er-Jahre die Band in Deutschland, die deutsche Rockband, die den Takt angegeben hat. Die haben es geschafft mit ihrem Mundart-Gesang das Kölsch hinauszutragen ins ganze Land. Und sie waren Vorbilder für alle, glaube ich, dadurch dass sie auch sehr selbstbestimmt waren, also den Independent-Geist sehr gut gelebt haben. (…) Es ist BAP gelungen, mit dieser Glaubwürdigkeit, mit dieser Aufrichtigkeit, die gesamte Nation einzufangen. (…) Ich wüsste nicht, in welcher Studentenbude deren Platten nicht gelaufen wären? Mit "Kristallnaach", "Verdamp lang her" und so weiter haben sie absolute Ausrufezeichen gesetzt, wirklich Klassiker geschrieben, die auch heute noch eine Relevanz haben, die heute noch berühren.

    Campino (Rockmusiker; Die Toten Hosen) über Wolfgang Niedecken:
    Wolfgang nimmt auch sein Leben mit auf die Bühne. (…) Ich glaube, dass Wolfgang auch immer wieder aus Erlebtem schöpft und diese Sachen in tolle Lieder packen kann. Und deshalb glaube ich, dass er kein Limit vor sich hat.

    Tommy Engel (Freund und Kölsch-Musiker, Bläck-Fööss-Gründer) über Niedecken als Poet:
    Ich sehe Wolfgang immer als wirklich großen Poeten, das ist für mich so. Ich neige mein Haupt und ziehe auch meinen Hut.

    Henning May (Musiker und Sänger, AnnenMayKantereit) über die Zeitlosigkeit seiner Themen:
    Der hat jetzt nicht irgendwelche Themen besetzt, weil er dachte, die wird es noch in 50 Jahren geben. Der hat die Themen besetzt, weil die besetzt werden mussten und hat nicht aufgehört. Und heute sind die immer noch aktuell.

    Henning May (Musiker und Sänger, AnnenMayKantereit) über das Künstlersein:
    Es hört nicht mit 35 auf, und dann muss du in einen anderen Beruf gehen, sondern man kann das schaffen, ein Leben lang Künstler sein. Es geht.

    Eva Köhler (Ehefrau des ehemaligen Bundespräsidenten und Freundin der Familie Niedecken)darüber, was Heimat und Familie für Niedecken bedeuten:
    Ich habe den Eindruck, dass der Rhein und seine Heimat, vor allem, dass seine Familie ihm auch sehr wichtig ist. Das zeigt sich auch in dem Lied, wo er ganz stolz über seine Tochter schreibt … da merkt man auch den liebenden Vater. 

    Horst Köhler (ehemaliger Bundespräsident und Freund) über Niedeckens Werte:
    Wolfgang ist gepolt auf Menschen, mit Menschen in ihrer Lebenswirklichkeit. In der Südstadt in Köln gibt es alles, gibt's große Köpfe, gibt's Arbeiter, die malochen, die nicht wissen, wie sie weiterkommen, da gibt es die Kneipe, so wie das Leben halt ist. Und das hat er, glaube ich, aufgenommen. (…) Ihn leitet auch ein moralischer Kompass aus innerer Überzeugung auf seinem eigenen Lebensweg.

    Horst Köhler (ehemaliger Bundespräsident und Freund) über Niedecken als Aufklärer:
    Für mich ist er ein Aufklärer. (…) Der beteiligt sich an dieser modernen Aufklärung über spannende oder politisch wichtige Fragen in der heutigen Zeit mit seinen Texten und seiner Musik, sehr angemessen für die heutige Zeit.

    Christian "Kalau" Keul (BAP-Musiker und BAP-Bandroadie) über Niedeckens Aura:
    Der stellt sich auf die Bühne, hat eine Aura, der braucht gar nichts zu sagen, der unterhält die Leute einfach nur dadurch, dass er steht. Das haben nur ganz, ganz wenige Menschen, so eine Persönlichkeit, die ausstrahlt. Und solche Menschen brauchen auch nicht singen zu können.

    Christian "Kalau" Keul (BAP-Musiker und BAP-Bandroadie) über BAP in den 80ern:
    Da war eine Stimmung in der Gesellschaft, da hat die Band wie Faust aufs Auge gepasst. Ich glaube zehn Jahre vorher oder zehn später Jahre später hätte das nicht funktioniert.

    Christian "Kalau" Keul (BAP-Musiker und BAP-Bandroadie) über "Niedecken = BAP":
    Er war von Anfang an die Gallionsfigur. (…) Die erste Platte, die hieß ja Wolfgang Niedeckens BAP, wie sie heute wieder heißt, und die zweite Platte hieß dann, glaube ich, nur noch BAP. Das hätte man eigentlich schon sein lassen können. BAP war immer er. Er hat diese Truppe ausgemacht.

    Jürgen Zöller (Musiker und 27 Jahre lang BAP-Mitglied) über Niedeckens Bühnenpräsenz:
    Der Major war der Guitar Hero, der da vorne stand. Wolfgang hat das Ganze also zusammengehalten und dabei auch eine Ausstrahlung gehabt, die ich vorher beim deutschen Sänger kaum, kaum kannte.

    Jürgen Zöller (Musiker und 27 Jahre lang BAP-Mitglied) über Niedeckens Gabe zu texten:
    Das Besondere ist seine Gabe, Ereignisse des Lebens so gut beschreiben zu können. Also der sieht irgendetwas und sofort fällt ihm dazu ein Text ein. (…)
    Keiner hat die Gabe gehabt, das so zu schreiben, überhaupt Texte zu schreiben, keiner in der Band.

    Dieter "Maschine" Birr (Sänger und Musiker, Gründungsmitglied der Puhdys) über Niedeckens Wirkung:
    Der wird ernst genommen, und die Leute, denke ich mal, vertrauen ihm.

    Bärbel Maiwurm (langjährige Freundin der Familie und Journalistin) über Niedecken:
    Wolfgang hat eine große Melancholie, die ihn auch so tiefschürfend macht. Er guckt sehr genau hin, er guckt, er kriegt unwahrscheinlich viel mit auf allen Ebenen. Das fließt natürlich auch immer in seine Texte ein. (…) Ich glaube, der macht das alles wahnsinnig gerne.

    Zusatzangebote bei ZDFkultur in der ZDFmediathek

    Ab Freitag, 26. März 2021, ZDFkultur in der ZDFmediathek
    Wolfgang Niedecken und Henning May: Die Geschichten müssen raus!
    Ein Gespräch, 30 Minuten

    Vieles, was Niedecken und BAP ausmacht, ist "vedamp lang her" und hat doch eine Gültigkeit bis heute. Wolfgang Niedecken ist Vorbild und Bezugsperson für viele junge Musiker. Zum Beispiel für Henning May, den 29-jährigen Frontmann der Kölner Band AnnenMayKantereit. Die beiden haben sich zu einem Studiogespräch getroffen und unterhalten sich über deutsche Sprache und Musik, über Heimat, über Vorbilder, über Väter, über die Bedeutung von politischem Engagement und das Verantwortungsgefühl des Musikers in der Gesellschaft.

    Das Gespräch von Niedecken und May spielt auf das berühmte Gespräch zwischen dem Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll und dem damals jungen Wolfgang Niedecken von 1984 an und ist unterlegt mit Einspielern und Konzertmitschnitten.

     

    Weitere Angebote sind bei ZDFkultur geplant und werden in dieser Pressemappe ergänzt: https://zdf.de/kultur

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