Copyright: ZDF / Johannes Hano
Copyright: ZDF / Johannes Hano

Arctic Blue – Machtpoker im schmelzenden Eis

Zweiteilige Reportage von Johannes Hano

Das Eis der Arktis schmilzt. Schneller als im Rest der Welt schreitet dort der Klimawandel voran, und er rückt die Arktis in den Fokus der globalen Politik. Im Zentrum ihres Interesses: der Zugang zu Bodenschätzen und neue Schifffahrtswege.
In zwei Folgen berichtet das ZDF wie der Klimawandel die Arktis verändert und das Leben der Menschen beeinflusst, die dort beheimatet sind. Was es konkret bedeutet, in dieser unwirtlichen Region den Kräften der Natur ausgeliefert zu sein, erfährt das Team dabei am eigenen Leib und nimmt die Zuschauer mit auf eine abenteuerliche Reise.

  • ZDF, Mittwoch, 5. Januar 2022, 22.10 Uhr, und Donnerstag, 6. Januar 2022, 22.15 Uhr
  • ZDF Mediathek, Ab Donnerstag, 30. Dezember 2021, 15.00 Uhr, für zwei Jahre

Texte

Stab

ZDF: Mittwoch, 5. Januar 2022, 22.10 Uhr, und Donnerstag, 6. Januar 2022, 22.15 Uhr
ZDFmediathek: Ab Donnerstag, 30. Dezember 2021, 15.00 Uhr, für zwei Jahre
Arctic Blue – Machtpoker im schmelzenden Eis
Zweiteilige Reportage von Johannes Hano

Buch_____Johannes Hano
Kamera_____Brian Dentz, Toby Marshall
Schnitt_____Leonhard Lierzer
Produzent_____Spiegel TV Media GmbH
Redakteurin_____Hilde Buder-Monath
Redakteur_____Markus Wenniges

Inhalt

Das Eis der Arktis schmilzt. Schneller als im Rest der Welt schreitet der Klimawandel voran, und er rückt die Arktis in den Fokus der globalen Politik. Anrainerstaaten und Weltmächte kämpfen um Einfluss. Im Zentrum ihres Interesses: der Zugang zu Bodenschätzen und neue Verkehrswege, denn das schmelzende Eis gibt neue, kürzere Schifffahrtswege frei. Droht ein neuer Konflikt am Nordpol?

Und wie erleben die Menschen im äußersten Norden die Veränderung ihrer Umwelt? ZDF-Reporter Johannes Hano und sein Team reisen durch den Norden der USA, durch Kanada, Grönland, Norwegen und Russland. Sie erleben den Zauber einer magischen Natur, treffen Menschen, die seit Jahrhunderten gelernt haben, in einer unwirtlichen Region zu überleben. Doch nun erfahren sie, wie der Kampf um Macht und Einfluss die Arktis aus ihrem Dornröschenschlaf holt. In Alaska trifft Johannes Hano Fischer, die von russischen Kampfflugzeugen und Kriegsschiffen aus amerikanischen Fanggründen nahe der Beringstraße vertrieben wurden. Die Fischer fordern von der eigenen Regierung eine größere Militärpräsenz in der Region, um ihre Interessen zu schützen.

An Bord einer norwegischen Fregatte vor Spitzbergen beobachtet Hano, wie sich die NATO durch Beobachtungsmissionen und mehr Präsenz auf das russische Engagement einstellt. Es gibt Überlegungen, nach dem Ende des Kalten Krieges stillgelegte U-Boot-Bunker wieder in Betrieb zu nehmen, zum Beispiel Olavsvern bei Tromsö. Vizeadmiral Nils Andreas Stensönes, Norwegens Geheimdienstchef, erklärt, dass man in den letzten Jahren ein aggressiveres militärisches Auftreten Russlands in der Arktis beobachte. Russland wolle klar machen, dass es die Arktis dominieren kann, darauf müsse man sich einstellen. Tatsächlich hat Russland die Arktis nach dem Ende des Kalten Krieges als wichtige Einflusssphäre ausgemacht, besonders im Hinblick auf die Nordost-Passage. Alexej Tschekunkow, Russlands Minister für die Entwicklung der Arktis, erklärt den Grund: "Die nördliche Schifffahrtsroute über Sibirien und Skandinavien ist von China aus um vierzig Prozent kürzer als der Weg über den Indischen Ozean, den Suezkanal und das Mittelmeer." Der Klimawandel bedeute eine Chance für Russland. Wie aber die benötigte Energie in den Norden Sibiriens bringen? Im Hafen von Pewek, der nördlichsten Stadt Russlands, liegt die "Akademik Lomonossow", ein schwimmendes Atomkraftwerk, vor Anker. Es kann 100.000 Haushalte mit Energie versorgen. Die Region um Pewek, die bislang gerade einige Bergwerkarbeiter und Rentierzüchter beherbergte, ist nur einer von mehreren Ausgangspunkten für Russlands Griff nach Norden.

Auf der anderen Seite des arktischen Ozeans, in einem nahezu unbewohnten Gebiet, das so groß ist wie die USA, verteidigt Kanada seine Souveränität. "Wir müssen einfach mal zeigen: Wir sind hier, das ist unser Hinterhof", sagt Sergeant Andrew Lowry von der kanadischen Marine. Er zeigt auf karge Felsenlandschaften in der Nähe von Pond Inlet, einem kleinen Hafen in der kanadischen Arktis. Im Sommer sei die Passage vom Atlantik zum Pazifik hier fast völlig eisfrei geworden. Kaum vorstellbar, dass sie einmal als unbezwingbar galt.

Wem die Gewässer gehören, darüber gibt es Streit. Für die USA ist die Nordwest-Passage internationales Gewässer, Kanada betrachtet sie als nationales Hoheitsgebiet. Um seinen Anspruch durchzusetzen, schickt Kanada Patrouillenboote in die Arktis. Die "Harry DeWolfe" steht unter dem Kommando von Gleason Corey. Man wolle schließlich wissen, wer sich hier in den schier endlosen Weiten des kanadischen Nordens über und unter Wasser herumtreibe, sagt der Kommandeur. Präsenz zeigen und die lokalen Ranger der Inuit unterstützen – so sieht Sergeant Andrew Lowry seine Mission. Als Geste des Zusammenhalts mit den Inuit, rohe Seehundleber zu verspeisen, gehört dazu.

Wissenschaftler sind sich sicher: In wenigen Jahrzehnten wird die Arktis im Sommer eisfrei sein. Wo sich viele um die Folgen für das weltweite Klima sorgen, sehen andere große Chancen im Hinblick auf neue Handelswege, Bodenschätze und Tourismus. Russland, die USA, aber auch China und Kanada investieren Milliarden im Poker um die neuentdeckte Arktis. In zwei Folgen berichtet das ZDF über eine Weltregion, die sich durch den Klimawandel dramatisch verändert und das Leben der Menschen beeinflusst, die in der Arktis beheimatet sind. Was es konkret bedeutet, in dieser unwirtlichen Region den Kräften der Natur ausgeliefert zu sein, erfährt das Team dabei am eigenen Leib und nimmt die Zuschauer mit auf eine abenteuerliche Reise.

Imersten Teil "Vorzeichen des Wandels" geht es im Tiefflug durch die faszinierende Eislandschaft Grönlands, durch Fjorde, über Gletscher und den mächtigen Eispanzer an die einsamsten Orte dieser Welt. Auf Grönland, auf den Aleuten in Alaska und in der kanadischen Arktis spürt das ZDF-Team den Herausforderungen in einer Region nach, die bis vor Kurzem noch als unbezwingbar galt.

Im zweiten Teil "Wem gehört der Norden?" macht sich das ZDF-Team im Scoresby Sund an der ostgrönländischen Küste mit einer Inuit-Familie zu einer Reise auf, die es in der Geschichte der Inuit so noch nicht gegeben hat. Auf einer norwegischen Fregatte im Isfjord auf Spitzbergen und in Pewek, der nördlichsten Stadt Russlands, erfährt das ZDF-Team, wie sich in der Arktis ein neuer geopolitischer Konflikt zusammenbraut.

Fragen an ZDF-Reporter Johannes Hano

Was waren die besonderen Herausforderungen bei Recherche, Organisation und Dreh? Und wie lange waren Sie für die Reportage unterwegs?

Ein Filmprojekt in der Arktis ist immer eine besondere Herausforderung, körperlich, mental, logistisch, aber auch für Equipment und den Cutter oder die Cutterin später im Schnitt, wenn alles gut gegangen ist. Die Bilder sind so einzigartig, dass man oft nicht weiß, welche man auswählen und welche aussortieren soll. Diesmal aber waren die Herausforderungen vor allem an Logistik und Recherche besonders groß. In Zeiten von Covid und den – je nach Land – sehr unterschiedlichen Einreisebestimmungen rund um die Arktis zu reisen, hat uns oft den letzten Nerv geraubt. Eigentlich sollte der Dreh im April beginnen. Für die meisten Regionen galten jedoch entweder ein völliger Einreisestopp oder sehr lange Quarantänezeiten, die eine Produktion wirtschaftlich unvertretbar gemacht hätten. Immer wieder mussten wir umorganisieren, wurden fertig recherchierte Geschichten, die fest vereinbart waren, abgesagt. Immer wieder galt es, mit der Recherche von vorne anzufangen.
Wir alle waren selbstverständlich vollständig geimpft: die Crew und der Pilot, der uns mit seiner Maschine nach Grönland und Nordnorwegen brachte. Trotzdem gab es immer Probleme bei der Einreise, selbst als die Bestimmungen ab August langsam etwas gelockert wurden. In jedem Land galten andere Regeln, manchmal sogar innerhalb eines Landes, zum Beispiel in Norwegen. In Grönland wurde der US-amerikanische PCR-Test nicht akzeptiert. In Kanada gelten unterschiedliche Anmeldeverfahren auf Landes- und Provinzebene. Hinzu kam, dass sich die Regeln permanent geändert haben. Da noch den Überblick zu behalten war fast unmöglich. Oft waren wir kurz davor, aufzugeben und alles hinzuwerfen. Aber aufgeben kam für uns nicht in Frage, solange es noch einen Funken Hoffnung gab: aus und über eine Region zu berichten, die so faszinierend ist, und in der sich wohl die Zukunft der Menschheit entscheiden wird.
Zu den logistischen Herausforderungen gehörte aber auch das Wetter. Das begann mit der Frage, welche Schuhe, welche Jacken und Hosen man mitnimmt, wie dick der Schlafsack sein muss. Wir haben bei Temperaturen von +15 Grad bis -25 Grad gedreht und mussten uns auf Temperaturen von unter -30 Grad vorbereiten. Schnee- und Regenstürme mussten einkalkuliert werden, auf nassen Schlamm und tiefen Schnee mussten wir uns vorbereiten. Das Wetter kann im Norden jederzeit umschlagen. In Grönland ging die Temperatur innerhalb weniger Stunden von -15 Grad auf +7 Grad hoch und dann wieder auf -10 Grad runter. Dazu gab es einen starken Sturm. Wegen des unberechenbaren Wetters muss man darauf vorbereitet sein, irgendwo zu stranden und auszuharren. Im Scoresby Sund fuhren wir bei fast spiegelglatter See mehr als 200 Kilometer in einen Fjord hinein, dessen Fläche etwa so groß ist wie NRW. Auf dem Rückweg gerieten wir mit unserem sechs Meter langen, offenen Motorboot in einen starken Schneesturm. Wellen zwischen zwei und fünf Meter hoch, die sich wie Berge vor uns auftürmten, Wasser schwappte ins Boot und gefror im selben Augenblick. Unsere Hände waren taub, und wir alle hatte Angst, über Bord zu gehen, mitten in der Arktis und etwa 1000 Kilometer entfernt vom nächsten Rettungshubschrauber. Das waren Stunden, in denen wir uns alle gefragt haben: Was, zum Teufel, machen wir hier?

In welcher Deutlichkeit haben Sie den Klimawandel in der Arktis auf Ihrer Reise wahrgenommen?

Alle, die wir getroffen haben und die Ihr Leben in und mit der Arktis verbringen, von den Inuit-Jägern in Grönland bis zum norwegischen Geheimdienstchef, von amerikanischen Fischern in der Beringsee, dem kanadischen Navy Kapitän in der Nordwestpassage bis zum Russischen Arktisminister – alle haben uns gesagt, dass der Klimawandel nicht nur real ist, sondern sich auch in einer atemberaubenden Geschwindigkeit vollzieht. Fjorde und Wasserstraßen sind immer länger eisfrei. Fische, Wale und Krebse wandern in den sich erwärmenden Ozeanen immer weiter gen Norden. Wir haben in Grönland mit Inuits, die wir vor knapp drei Jahren schon einmal besucht hatten, ein Experiment gemacht, das noch nie zuvor versucht wurde, obwohl die Menschen hier seit vielen Generationen leben. Das Ergebnis wird in die überlieferte Geschichte der Inuit von Ittorqqorttormiit eingehen. Sie haben etwas geschafft, was niemand, der hier lebt vor ihnen geschafft hat und was deutlich macht, dass der Klimawandel sehr real ist und das Leben verändern wird.

Für wie brisant halten Sie den Kampf um politischen Einfluss in der Arktis – auch im Hinblick auf die Weltpolitik?

Die Arktis hat seit Beginn des vergangenen Jahrhunderts immer wieder eine große Rolle in der politischen und militärischen Auseinandersetzung der Großmächte und Anrainerstaaten gespielt. Amerikaner, Russen und Deutsche versuchten im Zweiten Weltkrieg, den Norden zu kontrollieren. Denn die Arktis war – genauso wie heute – die Wetterküche der nördlichen Erdhalbkugel. Wer also das Wetter kannte, konnte Flug- und Schiffsrouten und den dafür benötigten Treibstoff planen und ausrechnen, wo ungefähr sich feindliche Konvoys, U-Boote oder Bomberflotten aufhielten. Es gab Kämpfe um Spitzbergen und die Wetterstation auf dem Archipel. Deutsche Soldaten und Wissenschaftler versuchten, an der grönländischen Ostküste heimlich Wetterstationen aufzubauen. Die Amerikaner hingegen bemühten sich, dies zu vereiteln. Im Kalten Krieg bauten Amerikaner, Kanadier und vermutlich auch die Sowjets Radar-Frühwarnstationen in der Arktis, um feindliche Atombomber rechtzeitig zu erkennen. Vor allem die Barentsee wurde zum Tummelplatz von sowjetischen und NATO-U-Booten und Marineverbänden.
Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurde es kurz ruhig in der Arktis. Doch der Konflikt bricht jetzt erneut auf und könnte eine enorme Wucht entfalten. Denn mit dem dramatischen Schmelzen von Eis und Permafrost in der Region ergeben sich plötzlich wirtschaftliche Perspektiven in einer Region, die bis vor Kurzem als praktisch unbezwingbar galt. Riesige Mengen Öl und Gas werden in der Arktis vermutet, aber auch andere Rohstoffe, nach denen die Welt hungert: Seltene Erden, Zink, Kupfer, Eisen, Uran – und vieles mehr. Der Streit darüber, wem welche Teile der Arktis gehören, hat erst begonnen. Amerikaner und Europäer zweifeln einige der Hoheitsansprüche Kanadas in der Arktis an. Aber auch Russen, Amerikaner und Europäer sind sich in vielen Fragen nicht einig. Es gilt der alte Grundsatz: Die Souveränität gehört dem, der sie im Zweifel auch verteidigen kann.
Russland hat vor allem im letzten Jahrzehnt massiv in der Arktis aufgerüstet. Es hat seine Militärbasen erneuert und ausgebaut. Kanada hat dieses Jahr zum ersten Mal ein modernes Kriegsschiff mit Eisbrecherqualitäten durch die Nordwestpassage geschickt, unter anderem, um nichtkanadische U-Boote aufzuspüren. Fünf weitere Schiffe sollen folgen. Norwegen wünscht sich mehr NATO-Unterstützung durch amerikanische Atom-U-Boote in der Region, denn es bewertet das russische Auftreten als zunehmend aggressiv. Vor Kurzem erst übten russische Truppen in einem Manöver unter Extrembedingungen die Einnahme eines arktischen Archipels auf Franz-Joseph-Land, dem Nachbararchipel des norwegischen Spitzbergen/Svalbards.
Und ein neuer Player tritt auf die arktische Bühne: China. China bezeichnet sich als "arktisnahe" Nation mit berechtigtem Interesse an der Region. Denn die Nordostpassage verkürzt den Seeweg von Shanghai nach Europa um 40 Prozent. Ein sich entwickelnder mächtiger Handelsweg, den auch China gern mitkontrollieren würde. Noch versuchen alle beteiligten Nationen im Arktischen Rat ihre Interessen einigermaßen auszugleichen. Aber in den letzten Jahren ist der Ton rauer geworden. Klimawandel, wirtschaftliche Interessen und die zunehmende Aufrüstung in der Arktis – dies alles sind mögliche Zutaten für einen großen Konflikt.

Wie gehen die Menschen vor Ort mit dem Klimawandel und dem Versuch politischer Einflussnahme um?

Wer in der Arktis lebt, muss pragmatisch sein. Er oder sie muss einen Weg finden, mit dem umzugehen, was der nächste Tag bringt. Fossile Brennstoffe sind aus der Arktis derzeit nicht wegzudenken. Die Menschen brauchen Benzin und Öl zum Heizen, als Treibstoff für Boote und Schneemobile, ohne die man sich in diesen Weiten nicht fortbewegen kann. Die wenigen Menschen, die hier leben – zum Beispiel in der Kanadischen Arktis: 115.000 Bewohner auf einer Fläche fast so groß wie die USA, Grönland: 58.000 Menschen auf einer Fläche etwa sechsmal so groß wie Deutschland – sind in der Regel sehr mit der Natur verbunden. Viele sind hin- und hergerissen zwischen ihrem traditionellen Leben von und mit der Natur und den Verheißungen einer modernen Welt, mit Internet und anderen technischen Errungenschaften, die das harte Leben leichter machen. Dass es wärmer wird, finden sie – anders als der Rest der Welt – nicht schlimm. Zumindest, solange sie ihr traditionelles Leben mit Jagd und Fischfang weiterleben können. Aber gibt es Unterschiede zwischen Alt und Jung.

Wie haben Sie die Menschen erlebt und wie die Natur?

In vielen Gemeinden, vor allem in Alaska und Kanada, gibt es Probleme mit Drogen und häuslicher Gewalt. Auf dieser Reise aber haben wir davon nichts mitbekommen. Wir wurden immer ausgesprochen freundlich empfangen, egal wo wir hinkamen. Wir haben durchweg freundliche und hilfsbereite Menschen getroffen, die uns gegenüber offen waren und sich meist gefreut haben, dass jemand aus dem Süden vorbeischaut. In der Arktis hält man zusammen. Das haben wir auch auf Spitzbergen erlebt, wo die dort beheimateten Russen und Norweger sehr viel besser miteinander auskommen, als ihre jeweiligen Regierungen. Grundsätzlich gilt in der Arktis: Jeder hilft jedem, denn nur gemeinsam kann man dieses Leben meistern, das einem oft alles abverlangt.

Was waren für Sie die markantesten Erlebnisse und Begegnungen auf dieser Reportagereise?

Am meisten hat mich eine 23-jährige Inuit-Frau, Olena Madsen, beeindruckt. In der absoluten Einsamkeit an der ostgrönländischen Küste in einem 350-Seelen-Dorf aufgewachsen, erzählte sie in fließendem Englisch, das sie sich per Youtube selbst beigebracht hat, ihre Pläne für die Zukunft: Dass Sie Kapitänin auf einem großen Frachter werden und die Welt sehen wolle. Im Januar wird sie ihr Studium in Dänemark beginnen. Warum sie denn Kapitänin werden möchte, fragte ich. Ihre Antwort beschämte mich etwas, da ich hier am Ende der Welt nicht damit gerechnet hatte: Die ganzen Jobs, die für Frauen vorgesehen wären, zum Beispiel Krankenschwester, Kindergärtnerin und dergleichen, das sei doch alles viel zu langweilig. Sie wolle ein Vorbild sein für andere junge Frauen, das zu tun, was sie tun wollten und nicht das, was die Gesellschaft ihnen vorschreibt. Eine Aussage, inmitten von Gletschern und Eisbergen, Eisbären und Moschusochsen, die in ihrer selbstbewussten Klarheit eine Wucht entfaltet, die sie an keinem anderen Ort so hätte.

Sie waren schon einige Male in der Arktis: Erkennen Sie Veränderungen im Vergleich zu Ihren früheren Besuchen?

Dass der Klimawandel keine Erfindung einer geheimen Weltregierung ist, die uns versklaven und für dumm verkaufen möchte, sondern dass er ganz real ist, war mir schon vorher klar. Dass der Klimawandel in der Arktis besonders schnell voranschreitet, habe ich bei meinen Reisen in die Arktis seit 2015 immer wieder erfahren, ob in Alaska, Kanada oder Grönland. Dieses Mal aber ist mir klar geworden, dass wir ihn nicht mehr aufhalten werden. Aber wir müssen Zeit gewinnen, um uns und unser Leben an die sich verändernden Bedingungen anzupassen.

Die Fragen stellte Birgit-Nicole Krebs

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