außendienst XXL: Des Mannes bestes Stück

Wie geht die Welt mit dem kleinen Unterschied um?

Zum Vatertag rückt des Mannes bestes Stück in den Fokus. ZDF-Reporter Andreas Stamm begibt sich im "außendienst XXL" auf eine Reise entlang der Gürtellinie. Er schaut nach, wie die Welt mit dem kleinen Unterschied umgeht und wieso der Penis noch immer kein Organ ist unter vielen anderen, stattdessen als Objekt der Anbetung und der Freude, aber auch des Ekels und des Frusts gehandhabt wird. Im Gepäck hat der Reporter die Fragestellung: Was sagt uns das Verhältnis zu des Mannes bestem Stück über die Kulturen der Welt?

  • ZDF, Donnerstag, 14. Mai 2015, 22.00 Uhr

    Texte

    außendienst XXL: Des Mannes bestes Stück 

    Im Durchschnitt ist der Penis, je nach Zustand, zwischen 8 und 15 Zentimeter groß. Rund 3,5 Milliarden Menschen haben einen und er ist es, der den Mann scheinbar zum Mann macht.

    Der Penis ist weltweit ein Objekt der Anbetung, Komik, Freude, Bewunderung, des Stolzes, Ekels und der Frustration. Vor allem Männer machen seit Jahrtausenden reichlich Aufhebens um das Ding an sich.

    Steinzeitliche Papuas steckten ihn in einen aus Kürbis gefertigten Köcher, Aborigines frisierten ihn durch Aufschlitzen, Römer und Ägypter verehrten ihn kultisch. Seine Darstellungen im antiken Griechenland oder der hinduistischen Kunst sind zahlreich und vielfältig. Und Raketenbauer und Architekten ließen sich von ihm inspirieren – zumindest wenn man Freud Glauben schenkt. Und heute?

    Fest steht: Der Penis ist noch immer kein Organ unter vielen anderen. Er ist das sichtbarste Zeichen männlicher Identität, das Symbol für Fruchtbarkeit und Stärke, in der Architektur für Macht und Finanzkraft. Aber steht er auch immer noch für Herrschaftswillen oder doch nur für die Problemzone des modernen Manns?

    Während weibliche Nacktheit allgegenwärtig ist, sorgt ein nackter Penis immer für Aufregung. Er hat in jeder Sprache Hunderte von Namen, aber überall wird verschämt gekichert oder zotig gelacht, wenn diese fallen. Das männliche Geschlecht scheint eines der letzten gesellschaftlichen Tabus.

    Der Umgang mit dem Penis sagt viel über die Vorstellung von Männlichkeit, über Versagensängste, über die Erwartungen der Gesellschaft an ihre Männer. Grund genug, am Vatertag zu fragen: Wie geht die Welt mit dem besten Stück des Mannes um? Welche Unterschiede gibt es beim kleinen Unterschied? Und was macht den Mann zum Mann?

    "außendienst"-Reporter Andreas Stamm begibt sich auf eine Spurensuche rund um den Globus, im Gepäck die Fragestellung: Was sagt uns das Verhältnis zu des Mannes bestem Stück über die Kulturen der Welt? Er lässt sich in Los Angeles in die Kunst des Jiu Jiu Shen Gong einweisen, einer Art Gewichtheben mit dem Gemächt und dem asiatischen Geheimrezept gegen sexuelle Unlust und Haarausfall, und er ist bei einer Penisverlängerung in Deutschland dabei, dem Land der Verlängerungsweltmeister. Andreas Stamm kocht in Peking und lernt, warum Potenz dort durch den Magen geht, und nimmt in Bhutan an Ritualen wie der "Penis-Einweihung" von Neubauten teil. Er probiert alte Traditionen und neue Modetrends in Kroatien und findet in Israel heraus, wie man das Handwerk des Beschneiders erlernt. Der "außendienst XXL" zum Vatertag ist eine Reise entlang der Gürtellinie auf der Suche nach Manneskraft, Mythen und Männlichkeit.

    Eine Reise entlang der Gürtellinie
    Interview mit Autor Andreas Stamm und "auslandsjournal"-Redaktionsleiter Markus Wenniges

    Warum lohnt es, den Penis weltweit auf seine kulturelle Relevanz hin abzuklopfen?

    Andreas Stamm: Er ist ein Allerweltsthema und doch wieder keines, eines, bei dem viele erst einmal zusammenzucken, manche kichern, andere den Kopf schütteln. Der Penis ist ein Thema, das die Hälfte der Weltbevölkerung unmittelbar und die andere Hälfte mittelbar betrifft. Und es gibt einen Fundus guter Geschichten rund um dieses Objekt, die verloren gehen, wenn man nicht mal genauer hinschaut. Wir haben nun weltweit genauer hingeschaut und interessante Erkenntnisse gewonnen.

    Im "außendienst" gehen Reporter an die Grenze, ohne die Grenzen des guten Geschmacks zu überschreiten. Bestand diesmal die Gefahr dazu?

    Markus Wenniges: Auf einer Reise entlang der Gürtellinie kann man auch schon mal darunter landen, aber man muss ja am Ende nicht alles von der Reise zeigen. Da das Thema aber weiterhin ein großes Tabu darstellt und die Diskussion darum gerne auch von gehemmten Kichern oder der Flucht in medizinische Fachbegriffe begleitet wird, geht unser Reporter Andreas Stamm jetzt mal an die Grenze dessen, was zum besten Stück des Mannes zu erzählen ist.

    Welche Geschichte rund um das beste Stück des Mannes erwies sich denn als besonders skurril?

    Andreas Stamm: In einem Raum mit einem Dutzend jüngerer und älterer Männer zu stehen, die sich alle ein Gewicht an ihr bestes Stück gehängt haben und damit Übungen machen, ist durchaus ein Moment von großer Eigenwilligkeit. Und wenn man dann erlebt, dass ein Mann, der 60 Kilo wiegt, aus den Beinen heraus 94 Kilo hebt, die an seinem besten Stück hängen, dann ist das eine echte Herausforderung für den Selbstversuch.

    Wo haben Sie bei diesem "außendienst" die Grenze in Sachen Mitmachfaktor gezogen?

    Andreas Stamm: Ich hätte mich dafür nicht beschneiden lassen oder mich einer Penisverlängerung unterzogen – beide Themen greifen wir in dem Film auf.

    Wird das Thema Beschneidung mehr im medizinischen oder stärker im religiösen Kontext dargestellt?

    Markus Wenniges: Wir greifen das Thema Beschneidungen am Beispiel Israel auf. Dort werden muslimische Söhne am siebten und jüdische Söhne am achten Tag beschnitten. Insgesamt wird so der Penis in einem komplett anderen Kontext dargestellt. Uns erklärt zum Beispiel ein Rabbi, dass die Beschneidung den jüdischen Mann daran erinnern soll, dass der Penis als ein besonderes Körperteil gilt und man im Zusammenhang mit diesem eine besondere Verantwortung hat. Der Religionsgelehrte erwähnt Bill Clinton als Beispiel dafür, wie schnell man Ärger aufgrund dieses Körperteils bekommen kann. Der normale Umgang mit dem besten Stück des Mannes ist jedenfalls ein weltumspannendes Thema.

    Und in welcher Weltregion geht man besonders entspannt mit diesem Thema um?

    Andreas Stamm: Das haben wir zum Beispiel durch Umfragen herauszufinden versucht. Welche Kosenamen verwenden die Menschen in den verschiedenen Ländern für den Penis? In den USA mögen die Leuten bei den Befragungen auf der Straße generell entspannter reagieren als zum Beispiel in Kroatien oder China. Doch gänzlich ohne Tabu und Hemmungen – das gab es auf unserer Reise definitiv nicht. Auch in Bhutan etwa, wo Priester mit Penissen die Menschen segnen und es einen sowohl traditionell als auch religiös motivierten Peniskult gibt, waren nicht alle total entspannt – auch da gibt es weiterhin Tabus.

    Ist es erst in Zeiten des Postfeminismus möglich, den Penis in den Mittelpunkt einer Dokumentation zu stellen – schließlich war er ja früher ein Kampfbegriff in der Emanzipationsdebatte?

    Markus Wenniges: Man hätte sicher auch früher schon einen Film dazu machen können. Aber es ist spürbar, dass man das Thema heute leichter angehen kann – ob das auf eine postfeministische Ära hinweist, sei mal dahingestellt. Man kann auf jeden Fall unverkrampfter über das beste Stück des Mannes reden und dies auch deutlich entfernt vom altbekannten Stammtisch-Niveau.

    Mit diesem "außendienst XXL" feiert die Rubrik zugleich ihren vierten Jahrestag. Können Sie eine Erfolgsbilanz ziehen?

    Markus Wenniges: Seit Mai 2011 bringen unsere Reporterinnen und Reporter im "außendienst" den Zuschauern fremde Länder persönlich, unterhaltsam und informativ in bald 150 Einsätzen nahe. Sie sind dabei bereits mit Haien getaucht, haben mit Stieren gekämpft und mit US-Marines trainiert, sie waren als Fensterputzer in New York und als Wäscher in Mumbai oder als Eisfischer in Russland aktiv, haben sich am Wehen-Simulator angeschlossen und im Zwiebel-Wettessen bewährt. Der "außendienst" ist von unseren Zuschauern in den vergangenen vier Jahren sehr gut angenommen worden. Und solange uns die Themen nicht ausgehen, setzen wir das fort und entwickeln das Format weiter. Die XXL-Versionen des "außendienstes" sind ja das beste Beispiel dafür.

    Mit Andreas Stamm und Markus Wenniges sprach Thomas Hagedorn.

    Biografische Angaben zu Filmautor und Redaktionsleiter

    Andreas Stamm, Jahrgang 1976, arbeitet seit 2001 im ZDF, zunächst als Reporter in der Hauptredaktion Außenpolitik und seit 2010 in der damals neu gebildeten Hauptredaktion Politik und Zeitgeschehen. Seit im Mai 2011 die "außendienst"-Rubrik im "auslandsjournal" startete, war er vielfach für das Format unterwegs, etwa mit den Dabbawallas, den Essensausträgern in Mumbai, oder bei den Menschen am kältesten bewohnten Ort der Welt in Sibirien. Er besuchte den "Let’s do it"-Tag, versuchte sich als Mechaniker und vieles mehr. Im vergangenen Sommer ging Andreas Stamm im "außendienst XXL"-Einsatz der Frage nach: "Wie geht die Welt mit ihren Kindern um?"

    Markus Wenniges, Jahrgang 1975, leitet seit dem 1. April 2015 die Redaktion "auslandsjournal". Der gebürtige Dieburger studierte Geschichte, Publizistik und Spanisch in Göttingen, Granada und Groningen. Beim ZDF ist er seit 2003 als Redakteur und Reporter. Im "auslandsjournal" hat er in den vergangenen fünf Jahren als stellvertretender Redaktionsleiter wesentlich an der Formatarbeit mitgewirkt, etwa an der "außendienst"-Rubrik, an den "außendienst XXL"-Sendungen oder an den "auslandsjournal spezial"-Ausgaben.

    Infos zum "auslandsjournal" 

    Das "auslandsjournal" berichtet seit bald 42 Jahren einmal wöchentlich im ZDF über Ereignisse außerhalb Deutschlands. Das Korrespondenten-Magazin liefert nicht nur Hintergrundinformationen zu aktuellen Ereignissen, sondern berichtet in spannenden Reportagen über Länder, Menschen, Abenteuer. Die pointierte Analyse, die persönliche Erzählweise, die stilistisch anspruchsvollen Geschichten und die Vielfalt an unterschiedlichen Beitragsformen von der Reportage bis zum investigativen Stück prägen das "auslandsjournal". Mit dem "außendienst" hat das "auslandsjournal" seit Mai 2011 eine feste wöchentliche Rubrik, in der sich die Reporter auf "Abenteuer" in verschiedenen Ländern einlassen.

    Korrespondentenbeiträge zu wichtigen außenpolitischen Themen, die im "auslandsjournal" in einer Länge von rund sechs Minuten laufen, werden seit 2013 anlassbezogen ergänzt durch "auslandsjournal – die doku", die am späten Abend das Thema in 30 oder 45 Minuten aufbereitet. "Liebe trotz allem – Deutsch-israelische Beziehungsgeschichten" gehört in diese Reihe.

    Zu besonderen Anlässen sendet das "auslandsjournal" zudem viermal im Jahr ein "auslandsjournal spezial", das sich in einer erweiterten Länge von 45 Minuten monothematisch einem Land widmet. Im vergangenen Jahr gab es zum Beispiel ein "auslandsjournal spezial" zu Russland in Zeiten des Ukraine-Konflikts, zu den USA vor den Zwischenwahlen und der Türkei vor den Präsidentschaftswahlen.

    Seit Juli 2014 moderiert Antje Pieper das "auslandsjournal", ihr Vorgänger Theo Koll präsentierte die Sendung von 2009 bis 2014. Erster Moderator des "auslandsjournal" war Rudolf Radke, ihm folgten später unter anderen Ulrich Kienzle, Peter Frey und Dietmar Ossenberg.

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    ZDF Hauptabteilung Kommunikation
    Presse und Information
    Verantwortlich: Alexander Stock

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    Ansprechpartner

    Name: Thomas Hagedorn
    E-Mail: hagedorn.t@zdf.de
    Telefon: 06131/7013802