Copyright: ZDF/Privat /Deichmann
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Deutschlands große Clans: Die Deichmann-Story

ZDFzeit-Doku-Reihe über große deutsche Familienunternehmen

Heinz-Horst Deichmann machte aus dem kleinen Schusterladen seines Vaters die größte Schuh-Handelskette Europas. Mit dem Slogan "modische Schuhe zu kleinen Preisen" eroberte er den Weltmarkt. Die Produktion in Billigländern wird zur Gretchenfrage, denn die Inhaberfamilie wollte stets christlichen Grundsätzen treu bleiben. Im Film von Birgit Tanner schlagen Sohn und Nachfolger Heinrich Deichmann und langjährige Weggefährten des Vaters bislang kaum bekannte Kapitel der Firmengeschichte auf und kommentieren noch unveröffentlichte Filmaufnahmen und Dokumente aus dem Familienarchiv.

  • ZDF, Dienstag, 28. Juli 2020, 20.15 Uhr

    Texte

    Erfolgsmodell auf dem Prüfstand – Familienunternehmen
    Von Stefan Brauburger, Leiter der Redaktion Zeitgeschichte

    Familienunternehmen gelten als Rückgrat, Stabilitätsanker und Jobmotor in Deutschland. Wie in kaum einem anderen Staat stellen sie das Grundmuster unseres Wirtschaftsgefüges dar. Die Mehrheit der Arbeitnehmer hierzulande ist in den Hunderttausenden kleineren und mittleren Betrieben, aber auch in den zahlreichen großen Konzernen beschäftigt. Etwa zwei Billionen Euro Umsatz erwirtschafteten alleine die 1.000 größten der von Familien geführten oder gelenkten Unternehmen im Jahr 2018. Einige davon existieren schon seit mehr als anderthalb Jahrhunderten.

    Die ZDF-Redaktion Zeitgeschichte widmet sich auch in ihrer neuen Staffel über "Deutschlands große Clans" besonders herausragenden und bekannten Namen. Nachdem es unseren Autoren schon gelungen ist, hinter die Kulissen von Henkel, Aldi, Bahlsen, Lidl, C&A, Tchibo, Haribo und Volkswagen zu blicken, stehen nun die Marken JOOP!, Deichmann und 4711 im Fokus der Filme.
    Einmal mehr geht es darum, Gründergestalten, Entstehungsmythen, Höhen und Tiefen sowie Konflikte in den jeweiligen Unternehmenshistorien vor Augen zu führen. Es geht aber auch um die Vielfalt der Erfahrungen in einem der stärksten Wachstumsräume weltweit, die sich wie Puzzleteile zu einem Bild unserer Wirtschaftsgeschichte zusammenfügen. Dabei zeigen sich die Stärken, aber auch die Schwächen des "Familienmodells", das zum einen für besondere Nachhaltigkeit und Kontinuität stehen mag, aber auch anfällig ist für menschliche Zerwürfnisse unter führenden Clan-Mitgliedern.

    Die Wahl fiel 2020 auf drei sehr unterschiedliche Clan-Storys: Mit JOOP! (Sendetermin: 10.3.2020) widmen wir uns einer Marke, die gleich in mehrfacher Hinsicht von sich reden macht: Durch die dezidierte Personalisierung des Labels wurde der Modeschöpfer selbst zur Stilikone. Seine Tochter Jette trat in seine Fußstapfen, baute aber ihre eigene Marke auf. Spannungen zwischen Vater und Tochter belasten immer wieder die Familie. Zudem ist die Biografie des Designers auch eine erstaunliche deutsch-deutsche Geschichte.
    Mit Deichmann steht ein Konzern im Vordergrund, der von Beginn an mit einem hohen ethischen Anspruch geführt wurde, der den christlichen Grundsätzen der Inhaberfamilie stets treu bleiben sollte. An diesen Maßstäben muss Europas größter Schuhvermarkter sich messen lassen und erlebt in Zeiten schwieriger politischer und wirtschaftlicher Herausforderungen immer wieder Anfechtungen.
    Die Zahlen "4711" stehen nicht nur für eine wandlungsfähige Duftmarke mit einer Geschichte von über 200 Jahren, sondern auch für eine ansehnliche Schar prominenter Nutzer. Ob der russische Zar und der König von Schweden oder Goethe und Wagner – sie wussten angeblich die Möglichkeiten der inneren und äußeren Anwendung zu schätzen. In der Wirtschaftswunder-Ära wurde 4711 zu einem Inbegriff von "Made in Germany". Zwei Cousins der Familie Mülhens, die sich nicht riechen konnten, führten das Familienunternehmen jedoch fast in den Ruin, machten es zum Übernahmekandidaten für Groß-Konzerne.
    Nachdrückliche Recherchen und intensive Gespräche der Autoren mit wichtigen Protagonisten bieten ein breites Fundament für die Dokumentationen. Wolfgang Joop konnte für ein ausführliches Interview gewonnen werden, auch sein Ehemann Edwin Lemberg und seine Ex-Ehefrau Karin Joop-Metz. Heinrich Deichmann und langjährige Weggefährten seines Vaters, des früheren Clan-Chefs Heinz-Horst Deichmann, schlagen bislang kaum bekannte Kapitel der Firmengeschichte auf und kommentieren noch unveröffentlichte Filmaufnahmen und Dokumente aus dem Familien-Archiv. Auch die Autoren der "4711-Story" haben erstmals Zugang zu Familiendokumenten erhalten. Sie enthüllen die wahren Gründe für das Zerwürfnis, das zur Spaltung der Familie und schließlich zum Verkauf der Firma führte. Einige Beteiligte geben in dem Film erstmals ein Interview. So zeigt auch die vierte Staffel von "Deutschlands große Clans", wie sehr der Erfolg der Familienunternehmen auch von den Beziehungen der "Clan"-Mitglieder untereinander abhängt.

    Die Deichmann-Story: Stab und Besetzung (Neuer Sendetermin)

    Dienstag, 28. Juli 2020, 20.15 Uhr
    Deutschlands große Clans – Die Deichmann-Story
    ZDFzeit-Dokumentation

    Buch/Regie_____Birgit Tanner
    Kamera _____André Götzmann, Jürgen Staiger, Patrick Brandt
    Ton______ Falko Hackebeil
    Schnitt_____Uwe Klimmeck
    Grafik_____Zornshot
    Szenenbild_____Jost Brand-Hübner
    Produktionsleitung_____Jan Holtz
    Produzent_____Thomas Schuhbauer
    Redaktion_____Annette Koehler
    Leitung_____Stefan Brauburger

    Die Rollen und ihre Darsteller
    Heinz-Horst Deichmann (jung)_____Adrian Topol
    Heinz-Horst Deichmann (alt)_____Tobias Hoesl
    Ruth Deichmann_____Julia Becker
    Julie Deichmann_____Katharina Hoffmann
    Hannelore Deichmann_____Henrike von Kuick
    Heinrich Deichmann_____Uwe Stranz
    Fabrikantenvertreter_____     Roman Kanonik
    Freund_____Joachim Schönfeld
    u.a.

    Die Deichmann-Story: Inhalt

    Kurzinhalt

    Heinz-Horst Deichmann machte aus dem kleinen Schusterladen seines Vaters die größte Schuh-Handelskette Europas. Mit dem Slogan "modische Schuhe zu kleinen Preisen" eroberte er den Weltmarkt. Die Produktion in Billigländern wird zur Gretchenfrage, denn die Inhaberfamilie wollte stets christlichen Grundsätzen treu bleiben.
    Im Film von Birgit Tanner schlagen Sohn und Nachfolger Heinrich Deichmann und langjährige Weggefährten des Vaters bislang kaum bekannte Kapitel der Firmengeschichte auf und kommentieren noch unveröffentlichte Filmaufnahmen und Dokumente aus dem Familienarchiv.

    Inhalt (Langfassung)

    Schuhe für den kleinen Geldbeutel – mit diesem Credo wächst Heinz-Horst Deichmann auf. Sein Vater Heinrich Deichmann betreibt seit 1913 eine kleine Schusterei im Arbeiterviertel Borbeck bei Essen. Die meisten Kunden sind arme Bergleute und ihre Familien. Als fromme Christen und Mitglieder einer evangelischen Freikirche sehen es die Deichmanns als ihre Pflicht, auch den Ärmsten der Armen zu ordentlichen Schuhen zu verhelfen. Da Heinrich als erster Schuster in der Gegend die Schuhe mit Maschinen repariert, ist er wesentlich produktiver und günstiger als die Konkurrenz. Die Masse macht's! Nach seinem frühen Tod im Jahr 1940 führt Ehefrau Julie das Geschäft allein mit den drei Töchtern und dem 13-jährigen Heinz-Horst weiter.

    Er ist es schließlich, der das Unternehmen in eine neue Dimension führt. In der Mangelwirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg macht Not erfinderisch. Heinz-Horst Deichmann fällt im Garten eines Freundes Bäume und lässt aus dem Holz und alten Fallschirmriemen einfache Sandalen fertigen – immerhin 50.000 Paar. Er tauscht bei Fabrikanten Kohle aus dem Ruhrgebiet gegen Schuhe aus der Pfalz. So hält er mit seiner Mutter und den Schwestern den Laden am Laufen. Die Währungsreform mit der Einführung der D-Mark im Jahr 1948 bringt die Wende für das Deichmann-Unternehmen. Endlich können sich die Deutschen wieder etwas leisten – auch Schuhe. Eine erste Filiale wird in Düsseldorf gegründet, doch das lastet den jungen Mann offenbar nicht aus. Seine Leidenschaft ist eine andere. Missionsarzt will er werden und etwas an die Menschen zurückgeben. Sein Antrieb kommt nicht nur aus seinem tiefen Glauben, sondern auch aus einem Erlebnis, das sich tief in ihm eingebrannt hat: Als Flakhelfer wird er schwer verwundet. Ein Granatsplitter trifft ihn, verfehlt seine Halsschlagader nur knapp. In seiner Todesangst betet er und verspricht: Wenn er das überlebt, will er den Menschen dienen.

    Neben seiner Arbeit im Schuhladen beginnt Heinz-Horst Deichmann ein Theologie- und Medizinstudium. Nach seiner Promotion arbeitet er als Orthopäde im Krankenhaus. Doch Mitte der 50er-Jahre muss er sich entscheiden: entweder als Missionsarzt zu wirken oder sich um die Expansion des inzwischen florierenden Unternehmens zu kümmern.

    Er wählt das Schuhgeschäft und will dennoch an seinem Versprechen festhalten, wenn auch nicht "hauptberuflich". Messias aus dem Ruhrpott wird er später genannt, weil er mit seinem hohen sozialen Engagement den Armen in Indien, Tansania, Moldawien, Griechenland und auch in Deutschland von seinem Reichtum etwas abgibt. Nicht die Anzahl der verkauften Schuhe zähle, sondern der Dienst am Menschen, bekundet er immer wieder. Dem unkonventionellen Unternehmer, dessen impulsive Wutausbrüche allerdings legendär sind, liegen auch die Mitarbeiter am Herzen. So gewährt er ihnen großzügige Betriebsrenten, Gesundheitswochen und eine Unterstützungskasse für Notfälle.

    "Betriebswirtschaftler" hingegen haben bei ihm keine guten Karten, denn die seien nur auf schnelle Gewinne aus. Allerdings zeigt sich der Milliardär gegenüber seinen Zulieferern als knallharter Geschäftsmann: Für günstige Preise legt er sich mit Lieferanten, Verbandschefs und der kompletten Konkurrenz an. Auf Vorschriften pfeift er. Dass ihn die Branche als "Schuh-Aldi" beschimpft, tangiert ihn nicht. Die Billigschuhe ziehen bei den Kunden. Doch auch das hat seinen Preis, manchmal gibt es doch Qualitätsunterschiede zu den teureren Marken – und: Auch Deichmann lässt in Niedriglohnländern wie China, Indien, Kambodscha, Rumänien und Mazedonien produzieren. Hin und wieder ist strittig, ob der Lohn wirklich zur Existenzsicherung ausreicht, wie das Unternehmen angibt. So mancher Kritiker fragt sich, wie sich das mit dem christlichen Ethos vertrage. Die Vorwürfe, sein Konzern lasse Schuhe zu menschenunwürdigen Bedingungen nähen, konnte Deichmann letztendlich entkräften.

    Die Produktion in Billigländern ist aber nicht der einzige Grund für den Erfolg, er ist auch offen für Innovationen: Er ist der erste Schuhhändler, bei dem sich die Kunden – damals eine Revolution – selbst aus den Regalen bedienen. Deichmann ist der erste Schuhhändler, der TV-Werbespots schaltet und der erste mit eigenem Internetauftritt.

    Das 100-jährige Firmenjubiläum überlebt Heinz-Horst Deichmann nur um ein Jahr. Die Leitung des Schuh-Imperiums hat er da schon längst an seinen Sohn Heinrich übergeben, der das Unternehmen heute ganz nach dem Vorbild seines Vaters führt. Der Firmenerbe selbst und einige langjährige Weggefährten des legendären Gründers geben mit ihren Interviews seltene Einblicke in die Familien- und Firmengeschichte. Bislang unveröffentlichte Filmaufnahmen aus dem Deichmann-Archiv dokumentieren den Weg einer Essener Schuhmacherfamilie zu einer weltbekannten Industriellen-Dynastie.

    Die Deichmann-Story: Zitate

    Hermann Gröhe, MdB und Freund der Familie, über die Bedeutung von Reichtum für die Familie Deichmann:
    "Es wäre falsch zu sagen, Geld spielt keine Rolle. Aber es ist eben nur ein Werkzeug. Es ist kein Wert an sich, Geld auf Geld zu häufen für den Dagobert-Duck'schen Dukatenspeicher, sondern zu sagen: Das Geld ist ein Instrument für unternehmerisches Wachstum, aber auch für die damit einhergehende soziale Verpflichtung."

    Peter May, Experte für Familienunternehmen, über das Alleinstellungsmerkmal von Deichmann:
    "Sie haben den Markt der Schuhmode aldisiert. Sie haben etwas geschaffen, Mode für Millionen, was wir vorher so nicht hatten."

    Heinrich Deichmann, Firmenchef von Deichmann, über die Unternehmensphilosophie seines Vaters Heinz-Horst:
    "Er wollte, dass sich jeder seine Schuhe leisten konnte. Er wollte, dass sich Familien mit Kindern die Schuhe leisten konnten. Und das bedeutete, dass die Preise niedrig bleiben mussten."

    Heinrich Deichmann über die Idee, aus Pappelholz Schuhe zu fertigen kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs:
    "Man muss erstmal auf den Gedanken kommen, dass man aus Fallschirmgurten und Pappelholz Schuhe machen kann. Da gehört schon eine gewisse Innovationskraft und ein Ideenreichtum zu, das sich überhaupt zu erdenken."

    Heinrich Deichmann über seinen Vater Heinz-Horst Deichmann:
    "Mein Vater ist immer seinen eigenen Weg gegangen. Er hat sich nie angepasst an irgendwelche Strömungen, sondern er hat das getan, wovon er überzeugt war."

    Heinrich Deichmann über die Anfänge des sozialen Engagements von Heinz-Horst Deichmann in Indien:
    "Er stand vor 500 Leprakranken und hat dann auf einmal gespürt, dass es nur zwei Alternativen für ihn gibt. Die erste war: Ich laufe schnell weg, weil ich diesen Anblick nicht ertragen kann. Und die zweite Variante war: Ich bleibe und helfe mit, dass es den Menschen besser geht. Er hat sich für die zweite Variante entschieden."

    Die 4711-Story: Stab, Besetzung, Kurzinhalt (Neuer Sendetermin)

    Dienstag,16. Juni 2020, 20.15 Uhr
    Deutschlands große Clans – Die 4711-Story
    ZDFzeit-Dokumentation

    Buch/Regie (Dokumentation)_____Heike Nelsen
    Buch (Szene)_____Heike Nelsen, Claudius Hagemeister
    Regie (Szene)_____Matthias Zirzow
    Kamera (Dokumentation)_____Till Vielrose
    Kamera (Szene)_____Benedict Sicheneder
    Schnitt_____Robert Handrick
    Grafik_____Zornshot, Björn Otto
    Herstellungsleitung____Sascha Lienert
    Produktionsleitung_____Jonatan Geller-Hartung (Februar Film), Carola Ulrich, Philipp Müller (ZDF)

    Producer_____Stephen Maier, Anna Wening, Katharina Schulz
    Produzent_____Florian Hartung
    Redaktion_____Annette Koehler
    Leitung_____Stefan Brauburger

    Die Rollen und ihre Darsteller
    Wilhelm Mülhens_____Jonas Lauenstein
    Catharina Mülhens_____Ella Zirzow
    Gereon Farina (Mönch)____Tom Keune
    Verkäuferin Clara_____Monika Oschek
    Reisende_____Greta Galisch de Palma
    Peter Paul Mülhens_____Pascal Lalo
    Parfumeur_____Christian Intorp
    Luise Streve-Mülhens_____Birgit Stauber
    Chauffeur_____Ben Posener
    Dieter Streve-Mülhens_____Finnlay Berger
    Rudi Mehl_____Mike Maas

    Kurzinhalt

    4711 steht für eine wandlungsfähige Duftmarke mit einer Geschichte von über 200 Jahren. In der Wirtschaftswunder-Ära wurde 4711 zu einem Inbegriff von "Made in Germany". Zwei Cousins, die sich nicht riechen konnten, führten das Familienunternehmen beinah in den Ruin, machten es zum Übernahmekandidaten für Groß-Konzerne.
    Der Film von Heike Nelsen lüftet den Schleier aus Rätseln und Mythen, an dem die Eigentümerfamilie Mülhens selbst tatkräftig gewoben hat. Und das nicht ohne Grund, denn hinter der Erfolgsgeschichte von 4711 steht auch ein früher Fall von Produktpiraterie.

    "Die Joop-Story": Stab, Besetzung, Kurzinhalt (schon im März gesendet)

    Dienstag, 10. März 2020, 20.15 Uhr
    Deutschlands große Clans – Die Joop-Story
    ZDFzeit-Dokumentation

    Buch/Regie (Doku) _____Annebeth Jacobsen, Manfred Oldenburg
    Kamera (Doku)_____Sebastian Woithe, Reiner Bauer, Jörg Adams
    Regie (Szene)_____Saskia Weisheit
    Kamera (Szene)_____Torbjörn Karvang, Peter Trinks
    Schnitt_____Dirk Hergenhahn
    Grafik_____Zornshot
    Szenenbild_____Stefanie Probst
    Ausstattung_____Ines Wüllner, Karsten Hochmut
    Kostüm_____Lena Wolf
    Maske_____Elisa Flehmer, Stefanie Dimitrow
    Herstellungsleitung_____Bettina Kluge
    Produktionsleitung_____Karoline Noth (Broadview TV), Katrin Thomas, Tilo Gläßer (Sinn Filmproduktion), Carola Ulrich, Philipp Müller (ZDF)
    Producerin_____Kirby Welcker
    Archivrecherche____Britta Luckas
    Produzent_____Leopold Hoesch
    Redaktion_____Annette Koehler
    Leitung_____Stefan Brauburger

    Die Rollen und ihre Darsteller
    Wolfgang Joop (jung)_____Emil Alexander Braun
    Wolfgang Joop (erwachsen)_____Marcus Schinkel
    Charlotte Joop_____Nadine Warmuth
    Frau Friederitzky_____Béatrice Bergner
    Dr. Haupt_____Hans Brückner
    DDR-Agent Frank_____Matthias Wagner

    Kurzinhalt

    In der Welt der Mode und des Lifestyles hat es die Marke JOOP! zu Weltruhm gebracht. Ihr Schöpfer, Wolfgang Joop, zählt zu Deutschlands bedeutendsten Designern. Auch mit 75 Jahren denkt er noch lange nicht ans Aufhören. Dabei feiert auch Tochter Jette als Modedesignerin Erfolge und verschafft dem Familiennamen Geltung. Doch geraten die beiden privat immer wieder aneinander.
    Die Filmautoren Annebeth Jacobsen und Manfred Oldenburg zeichnen das Porträt der Designer-Dynastie. Neben Wolfgang Joop kommen enge Wegbegleiter zu Wort, die nur selten Einblicke in das Leben der Familie gewähren, wie Wolfgang Joops Ehemann Edwin Lemberg und seine Ex-Ehefrau Karin Joop-Metz. Werbe-Experten erklären den anhaltenden Marketing-Erfolg.

    "Friede ernährt, Unfriede verzehrt"
    Interview mit Prof. Dr. Peter May, Experte für Familienunternehmen

    Herr May, welche Qualitäten sollte ein Unternehmer idealerweise haben?
    Zur besonderen Qualität, die erfolgreiche Unternehmer auszeichnet, gehört in allererster Linie das, was man gemeinhin Unternehmergeist nennt. Das heißt, die Bereitschaft voranzugehen und Risiken einzugehen, die vielleicht nicht jeder auf sich nehmen würde. Auch Durchsetzungsfähigkeit gehört dazu: Unternehmer wollen besser sein als ihre Wettbewerber, sie übertrumpfen. Sie suchen die Herausforderung, gehen nie den Weg des geringsten Widerstandes. Und im Fall von Familienunternehmen muss natürlich auch die Fähigkeit hinzukommen, das Unternehmen erfolgreich an die nächste Generation zu übergeben.

    Zunächst eine grundlegende Frage: Wie entsteht überhaupt ein so großes Familienunternehmen wie diejenigen, die wir in "Deutschlands große Clans" sehen?
    Jedes Unternehmen beginnt mit einer Geschäftsidee. Und jedes große Unternehmen hat einmal klein angefangen, meist indem eine Familie ein kleines Geschäft gründet, oft Mann und Frau beziehungsweise Vater und Mutter gemeinsam. Gerade in der Anfangsphase braucht es eine gewisse Selbstausbeutung der ganzen Familie. Ist die Geschäftsidee gut, muss sich die Logik des Kleinunternehmens dann irgendwann wandeln. Etwa indem nach einigen Jahren ein Familienmitglied sagt: Das, was hier einmal funktioniert, können wir auch 10 Mal, 100 Mal, 1000 Mal machen. Große Unternehmensgeschichten beginnen oft damit, dass eine gute Idee multipliziert wird und ein Produkt in standardisierter Form hergestellt werden kann.

    Warum bleiben die einen Familienunternehmen, und die anderen gehen an die Börse?
    Das ist eine Glaubensfrage, eine Entscheidung darüber, wie man ein Unternehmen führen und was man erreichen möchte. Geht man an den Kapitalmarkt, unterwirft man sich auch dessen Gesetzen – und die lauten: Du musst in kurzer Frist den Wert deines Unternehmens sichtbar steigern, und du musst möglichst hohe Dividenden auszahlen. Diese Logik ist eine kurzfristige. Keine, die für Menschen gemacht ist, sondern für Aktionäre. Und die führt unweigerlich zum angelsächsischen Shareholder-Kapitalismus. Wenn ich als Unternehmer aber langfristig denke und nicht nur die Aktionäre, sondern auch die Interessen meiner Mitarbeiter oder meiner Heimatregion beachten möchte, dann braucht es die Form des Familienunternehmens. Das sind keine schlechteren Unternehmen: Im Idealfall ist ein gut geführtes Familienunternehmen eines, das kapitalmarktfähig ist. Das heißt, dass es so gut ist, dass es jederzeit an den Kapitalmarkt gehen könnte – gleichzeitig aber vom Kapitalmarkt unabhängig bleibt.

    Heißt das, die langfristige Perspektive ist einer der größten Vorteile eines Familienunternehmens gegenüber einer nicht-familiär geführten Firma?
    Ja, die Freiheit, langfristig zu denken, ist die große Stärke von Familienunternehmen. Eine Familie kann entscheiden, sich nicht den kurzfristigen, in Quartalszyklen denkenden Gesetzen des Kapitalmarktes zu unterwerfen, sondern die eigene unternehmerische Idee völlig frei von Einflüssen anderer zu realisieren. Diese Langfristigkeit ist für alle Beteiligten vorteilhaft: für das Unternehmen, für die Mitarbeiter und für die Kunden.

    Wenn Sie vom angelsächsischen Kapitalismus sprechen: Gibt es auch eine typisch deutsche Ökonomie, vielleicht gerade auch in Bezug auf Familienunternehmen?
    Ich nenne das den Familienkapitalismus. Denn in der Tat haben wir in Deutschland mit dem Familienunternehmen eine besondere Form des Kapitalismus geschaffen. Dieser ist erstens ökonomisch erfolgreich – ohne Erfolg könnte das Unternehmen nicht überleben –, und zweitens ist er sozial verantwortlich. In Familienunternehmen spielt viel mehr der Gedanke eine Rolle: Wir machen das nicht nur für den wirtschaftlichen Erfolg unserer eigenen Familie, sondern auch, um den Mitarbeitern ein gutes Leben zu ermöglichen, der sogenannten Betriebsfamilie. Das ist Teil der Unternehmerverantwortung, so wie sie im Grundgesetz steht: Eigentum berechtigt, es verpflichtet aber auch zum Wohle der Allgemeinheit. Zu guter Letzt haben Familienunternehmen sehr oft auch eine große Bedeutung für ihre Region. Wenn Sie in die Provinz kommen und sehen, dass ein kleiner Ort in Wohlstand lebt, es den Menschen dort gut geht, hängt das oft mit einem dort ansässigen Familienunternehmen zusammen. Denn auch der Unternehmer möchte dort, wo er lebt, gut leben. Deshalb sponsert er den örtlichen Fußballverein oder baut ein Museum. Und das ist keine Einbahnstraße, sondern beruht auf Gegenseitigkeit: Der Unternehmer gibt den Mitarbeitern soziale Sicherheit, die Mitarbeiter wiederum geben dem Unternehmer eine bessere Leistung durch eine höhere Identifikation. So entsteht eine echte Win-Win-Situation, die Verbindung von Eigennutz und Gemeinnutz in ihrer vorbildlichsten Form. Aber wir müssen sehr genau aufpassen, dass dieser Familienkapitalismus im globalen Wettbewerb gegenüber dem angelsächsischen Shareholder-Kapitalismus nicht ins Hintertreffen gerät.

    Wie sieht heute Unternehmensführung in Familienunternehmen aus?
    Das Führungsverständnis hat sich gewandelt, auch in Familienunternehmen. Im postbürgerlichen Zeitalter folgen die Menschen nicht mehr stur einer Autorität, sondern sie suchen nach Sinn und Einbeziehung. Deshalb ist der Teamleader der neue Führungstyp, der in der Wirtschaft erfolgreich ist. Also derjenige, der zwar immer noch führt, dies aber unter Einbeziehung der anderen tut. Die Zeit der Patriarchen ist vorbei.

    Sie haben vorhin die Nachfolgeregelung angesprochen. Diese führt beiFamilienunternehmen immer wieder zu Konflikten. Können Sie dies näher erläutern?
    Neben den Konflikten, die entstehen, wenn ein Unternehmer zu lange an seiner Chefrolle festhält, sind es vor allem die Verteilungskonflikte, die zu Stress führen. Denn in jedem größeren Familienunternehmen gilt es bei der Nachfolge eine Grundsatzentscheidung zu treffen: Verteile ich das Erbe gleichmäßig zwischen meinen Kindern oder bevorzuge ich eines von ihnen?

    Hat sich die Nachfolgeregelung im Lauf der Zeit geändert?
    Früher war es fast immer der älteste Sohn, dem man alles oder zumindest mehr gegeben hat und der für die Führung in Frage kam. Es gab das sogenannte Thronfolgerprinzip. Heute hingegen ist Gleichverteilung üblich. Zudem müssen wir uns die Emanzipationsgeschichte vergegenwärtigen. Vor rund 100 Jahren war es noch weitgehend unüblich, dass Frauen in Familienunternehmen Gesellschaftsanteile erwerben durften, und wenn, dann bekamen sie in jedem Fall weniger Anteile als die Söhne. Selbst Väter, die keine Söhne hatten, dachten bei der Nachfolge weniger an die Töchter als daran, dass sie einen für die Unternehmensführung geeigneten Schwiegersohn beibrachten. Heute dagegen ist es völlig normal, dass die Töchter zum einen die gleichen Anteile erwerben dürfen, und zum anderen genauso für die Unternehmensführung in Frage kommen wie die Söhne. Aber wir müssen bestimmte Verhaltensweisen immer in dem zeitlichen und kulturellen Kontext sehen, in dem sie stattgefunden haben.

    Welchen Anteil hatten Frauen in früheren Zeiten am Erfolg von Familienunternehmen?
    Tatsächlich hatten Frauen schon immer einen maßgeblichen Anteil am Unternehmenserfolg. "Hinter jedem starken Mann steht eine starke Frau", lautet ein oft zitiertes Bonmot. Aber es war eben lange Zeit so, dass die Frauen eher im Hintergrund agierten und ihren Mann unterstützten. Wobei es nicht selten vorkam, dass die Stützende sogar stärker war als derjenige, der gestützt wurde. Das merkte man etwa dann, wenn der Mann unerwartet verstarb und die Frau die Führung des Unternehmens übernahm. Und das oft nicht schlechter gemacht hat als der ohnehin schon erfolgreiche Mann. Früher übernahm die Frau das Geschäft allerdings in der Regel nur solange, bis die Söhne sie ablösten – wie es auch bei Maria Mülhens und 4711 der Fall war oder bei Gertrud Riegel, die 1945 die Leitung von HARIBO übernahm, als ihr Mann früh verstarb und die Söhne Hans und Paul noch im Krieg waren. Heute sind Frauen, die nach dem Tod auch langfristig erfolgreich unternehmerische Verantwortung übernehmen, längst keine "Platzhalter" mehr. Erfolgreiche Unternehmerinnen wie Maria-Elisabeth Schaeffler, Alexandra Schörghuber oder Waltraud Lenhart von LEKI beweisen das.

    Welcher Druck besteht in Familienunternehmen auf die Nachfolgegeneration, das Ruder zu übernehmen?
    Heutzutage werden Kinder und Unternehmenserben in der Regel zu nichts mehr gedrängt. Früher aber war das anders. Da war Nachfolge für Unternehmerkinder in der Regel ein Muss. Mit fatalen Folgen: Das Ergebnis war oft ein Scheitern – entweder als Unternehmer, weil man nicht gut genug war, oder als Mensch, weil man etwas ganz anderes wollte und ein Leben lang unglücklich blieb. Fälle wie der von Arndt von Bohlen und Halbach, der der Tradition folgend Nachfolger und Alleinerbe von Krupp werden sollte und schließlich zum Erbverzicht gedrängt wurde, sind dann medienwirksame Beispiele dafür, was passiert, wenn Kinder von Geburt an in Rollen gepresst werden, die sie nicht ausfüllen können oder wollen. Ein anderes Beispiel ist Rolf Gerling, der den von seinem Vater übernommenen Versicherungskonzern schlussendlich verkaufen musste, weil er für die Unternehmerrolle ungeeignet war. Es ist eben beileibe nicht selbstverständlich, dass sich die Genialität des Unternehmers auf die nächste Generation vererbt. Wie sagt man so schön: "Unter einer großen Eiche wachsen nur Pilze". Und es ist ein Glücksfall, wenn – wie im Falle Deichmann – neben einer großen Eiche eine neue große Eiche gedeihen kann.

    Wie sind Konflikte um die Nachfolge in Unternehmerfamilien einzuordnen?
    Es gibt einen ganz wichtigen Satz für Familienunternehmen, die langfristig bestehen wollen. Dieser Satz findet sich im Büro des Miele-Gründers Carl Miele und lautet: "Friede ernährt, Unfriede verzehrt". Streit gilt als einer der größten Werte-Vernichter im Familienunternehmen; er vernichtet ökonomisches und menschliches Kapital gleichermaßen. Wer genug Demut und Disziplin aufbringt, um auch in Konfliktsituationen wieder zueinander zu finden, hat eine gemeinsame Zukunft. Für die anderen bleibt – wie auch das Beispiel 4711 und Mülhens so traurig belegt – am Ende oft nur der Verkauf. Und damit das Ende des Familienunternehmens.

    Information zum Interview:
    Birgit Tanner ("Die Deichmann-Story") und Heike Nelsen ("Die 4711-Story") haben Prof. Dr. Peter May als Experten für ihre Filme interviewt. Daraus hat Philipp Graf das schriftliche Interview zusammengestellt und mit Prof. May abgestimmt.

    Weitere Informationen

    Fotos über (06131) 70-16100 oder über https://presseportal.zdf.de/presse/zdfzeit

    Zwei Folgen der erfolgreichen Dokureihe „Deutschlands große Clans“ konnten aus aktuellem Anlass im März nicht gesendet werden. Für Juli ist jetzt die Erstaustrahlung von „Die 4711-Story“ und „Die Deichmann-Story“ geplant . 

    Der Film "Die Deichmann-Story“ wird im Hinblick auf die Corona-Ereignisse aktualisiert und zeitnah wieder im Vorführraum stehen.

    Impressum

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    Presse und Information
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    E-Mail: pressedesk@zdf.de
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    Name: Dr. Birgit-Nicole Krebs
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