Exekution jüdischer Menschen in Polen, September 1939 / (c) ZDF/Yad Vashem
Exekution jüdischer Menschen in Polen, September 1939 / (c) ZDF/Yad Vashem

70. Jahrestag der Auschwitz-Befreiung

Live-Übertragungen und Dokumentationen in ZDF und ZDFinfo

Das Konzentrationslager Auschwitz gilt als Inbegriff für die Vernichtung der europäischen Juden – die Befreiung am 27. Januar 1945 als Ereignis mit besonders eindringlichem Erinnerungswert. Zum 70. Jahrestag beleuchten ZDF und ZDFinfo in mehreren Sendungen den historischen Völkermord. Neben zahlreichen Dokumentationen zum Thema überträgt das ZDF auch die Gedenk-Feierlichkeiten am 27. Januar.

  • ZDF, Montag, 26. Januar 2015, 14.00 Uhr
  • ZDF info, Sonntag, 25. Januar 2015, 19.30 Uhr

Texte

Sendetermine

ZDFinfo: Freitag, 23. Januar 2015, 11.15 Uhr
Die Wahrheit über den Holocaust
Folge 5: Deportation
Folge 6: Untergang

ZDF: Sonntag, 25. Januar 2015, 9.30 Uhr
Katholischer Gottesdienst
Aus der Pfarrkirche Ebensee in Oberösterreich/Salzkammergut
Mit Monsignore Alois Rockenschaub

ZDFinfo: Sonntag, 25. Januar 2015, 19.30 Uhr
Die letzten Zeuginnen - Vom Überleben in Auschwitz
Film von Sibylle Bassler

ZDFinfo: Sonntag, 25. Januar 2015, 20.15 Uhr
Die Gerechten unter den Völkern - Retter und Helfer im Nationalsozialismus
Film von Andrea Morgenthaler

ZDFinfo: Sonntag, 25. Januar 2015, 21.00 Uhr
Tomys letzte Reise - Kinderflucht aus Hitlers Reich
Film von Ulrich Stoll und James Pastouna
siehe presseportal.zdf.de/pm/tomys-letzte-reise-kinderflucht-aus-hitlers-reich/

ZDFinfo: Sonntag, 25. Januar 2015, 1.30 Uhr
Die zwei Gesichter von Auschwitz - Die wiederentdeckten Fotoalben
Film von William Karel

ZDF: Montag, 26. Januar 2015, 14.00 Uhr
70. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz
Gedenkstunde aus der Berliner "Urania"

Kommentator: Micha Wagenbach

ZDFinfo: Montag, 26. Januar 2015, 18.45 Uhr
Bomberpiloten im KZ - Kriegsgefangene in Buchenwald
Film von Mike Dorsey

ZDFinfo: Montag, 26. Januar 2015, 19.30 Uhr
Die Geschichte der Juden - Vom Schtetl in die Stadt
Film von Tim Kirby

ZDF: Dienstag, 27. Januar 2015, 9.00 Uhr
Heute im Parlament
Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus

Übertragung aus dem Deutschen Bundestag
Moderation: Ines Trams

ZDF: Dienstag, 27. Januar 2015, 15.05 Uhr
ZDF spezial
Auschwitz-Gedenken - 70. Jahrestag der Befreiung

Moderation: Matthias Fornoff

ZDF: Dienstag, 27. Januar 2015, 20.15 Uhr
Mit dem Mut der Verzweiflung
70 Jahre nach Auschwitz
siehe presseportal.zdf.de/pm/mit-dem-mut-der-verzweiflung/

ZDF: Dienstag, 27. Januar 2015, 23.35 Uhr
Markus Lanz
Monothematische Gesprächssendung zum 70. Jahrestag der Auschwitz-Befreiung

Die Live-Übertragungen der Gedenkveranstaltungen

Das ZDF berichtet zum 70. Jahrestag der Auschwitz-Befreiung am Dienstag, 27. Januar 2015, live von den Gedenkveranstaltungen in Auschwitz-Birkenau und Berlin. Die Zuschauer des Zweiten können bereits ab 9.00 Uhr mitverfolgen, wie der Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus im Deutschen Bundestag gewürdigt wird. Ab 15.05 Uhr begrüßt dann Moderator Matthias Fornoff zum "ZDF spezial: Auschwitz-Gedenken – 70. Jahrestag der Befreiung".

Das ZDF überträgt am 27. Januar live die Gedenkveranstaltung aus Auschwitz-Birkenau. Der 70. Jahrestag wird eine der letzten Gelegenheiten sein, noch einmal die Stimme der Überlebenden zu hören, die in der Veranstaltung ausführlich zu Wort kommen. Als Gäste im Studio begrüßt Matthias Fornoff die Auschwitz-Überlebende Eva Schloss, Stiefschwester von Anne Frank, sowie den Historiker Sönke Neitzel.

In Auschwitz werden mehrere tausend Menschen erwartet, darunter auch zahlreiche internationale Delegationen: unter anderem Bundespräsident Joachim Gauck, Frankreichs Präsident Francois Hollande, König Willem-Alexander der Niederlande und Königin Maxima, Kronprinzessin Viktoria von Schweden und Kronprinz Haakon von Norwegen.

Bereits am Tag zuvor, am Montag, 26. Januar 2015, 14.00 Uhr überträgt das ZDF die Gedenkstunde aus der Berliner "Urania", die das Internationale Auschwitz-Komitee veranstaltet. Zu den Rednern gehören Überlebende von Auschwitz sowie Bundeskanzlerin Angela Merkel. ZDF-Reporter Micha Wagenbach ist Kommentator der Live-Übertragung.

ZDF und ZDFinfo bieten über die Live-Übertragungen hinaus eine Vielzahl von Dokumentationen zu der Geschichte des Konzentrationslagers, das als Inbegriff für die Vernichtung der europäischen Juden gilt. Am Dienstag, 27. Januar 2015, 22.15 Uhr schildert der Film "Mit dem Mut der Verzweiflung" das Schicksal von Menschen, die trotz ständiger Todesgefahr in der Hölle der Mordmaschinerie Mut bewiesen, ihre Menschlichkeit bewahrten und sich für andere opferten. Bereits am Sonntag, 25. Januar 2015, 19.30 Uhr zeigt ZDFinfo in Erstausstrahlung den Film von Sibylle Bassler über die Schwestern Renate Lasker-Harpprecht und Anita Lasker-Wallfisch: "Die letzten Zeuginnen – Vom Überleben in Auschwitz". Und ab 21.00 Uhr schildert "Frontal 21"-Autor Ulrich Stoll und Filmemacher James Pastouna "Tomys letzte Reise – Kinderflucht aus Hitlers Reich". Auch am Montag, 26. Januar 2015, 18.45 Uhr gibt es mit dem Film "Bomberpiloten im KZ – Kriegsgefangene in Buchenwald" sowie mit "Die Geschichte der Juden – Vom Schtetl in die Stadt" weitere Erstausstrahlungen. Zudem hat ZDFinfo zum 70. Jahrestag der Auschwitz-Befreiung bereits die achtteilige Reihe "Die Wahrheit über den Holocaust" präsentiert, die auf verschiedenen Sendeplätzen wiederholt wird.

Markus Lanz: Monothematische Gesprächssendung am 70. Jahrestag der Auschwitz-Befreiung

In direkter Anknüpfung an die ZDF-Dokumentation "Mit dem Mut der Verzweiflung" spricht Markus Lanz mit folgenden Gästen über das Gedenken an die Auschwitz-Befreiung: Fernsehmoderator Hugo Egon Balder, dessen jüdische Mutter die Lagerhaft überlebte und der die ZDF-Zuschauer durch die Dokumentation "Mit dem Mut der Verzweiflung" führt. Erna de Vries, Überlebende des Holocaust, die seit fast 20 Jahren in Schulen und Bildungseinrichtungen von ihrem Schicksal berichtet. Sarah Hüttenberend, Gründerin und 1. Vorsitzende des Vereins "Heimatsucher", der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Geschichten und Erzählungen von Überlebenden aus der Zeit des Nationalsozialismus in die Welt zu tragen. Adriana Altaras, Schauspielerin, Regisseurin und Autorin, deren aktuelles Buch "Doitscha - Eine jüdische Mutter packt aus" ihre Familiengeschichte weitererzählt, die sie 2011 in dem Bestseller "Titos Brille - Die Geschichte meiner strapaziösen Familie" zu erzählen begonnen hatte. Aaron Altaras, Schauspieler und Sohn von Adriana Altaras, der in den Büchern seiner Mutter eine wesentliche Rolle einnimmt.

ZDF-Webspecial zum 70 Jahrestag der Auschwitz-Befreiung

Das multimediale Webspecial "Das Auschwitz-Album" erzählt die Geschichte der Auschwitz-Überlebenden Lili Jacob, die bei ihrer Befreiung im Jahr 1945 ein außergewöhnliches Fotoalbum findet. Lilis Schicksal steht stellvertretend für Millionen andere, die den Holocaust erlebt haben. Ihr Fotoalbum ist das umfangreichste fotografische Zeugnis der Selektionsprozesse in Auschwitz-Birkenau. Es zeigt unter anderem die Ankunft ungarischer Juden im Lager – ahnungslos in die Kamera schauend, nur wenige Stunden vor ihrem Tod. Auch Lili selbst ist auf den Fotos zu sehen.

"Ich werde euch bald wiedersehen", ruft Lili ihrer Familie noch zu, als sie getrennt werden. Tatsächlich aber ist sie die einzige aus ihrer Familie, die überlebt. Ihre Eltern, ihre kleinen Geschwister und ihre Großeltern sterben in der Mordfabrik Auschwitz. Auch ihre Gesichter erkennt sie später auf den Fotos des Auschwitz-Albums wieder.

Mit Hilfe von Texten, Originalbildern aus dem Album, Videos, Animationen, Karten und Infografiken können die Nutzer unter webstory.zdf.de/auschwitz/  die Geschichte des Auschwitz-Albums und seiner Besitzerin erleben. Ihre Gedanken und Erlebnisse sollen gerade einer jüngeren Generation das Grauen von Auschwitz näherbringen: Wie war das Lager aufgebaut und organisiert? Wer wurde nach Auschwitz deportiert und dort umgebracht? Unter welchen Umständen lebten die Menschen im Lager? Was passierte mit Auschwitz-Überlebenden nach der Befreiung und wie ging es für die Hüterin des Auschwitz-Albums, Lili Jacob, weiter? 

Das Online-Angebot ist sowohl in der Desktop-Variante als auch auf Tablets und Smartphones verfügbar – ab 27. Januar 2015 unter webstory.zdf.de/auschwitz/ .

Katholischer Gottesdienst aus der Pfarrkirche Ebensee in Oberösterreich/Salzkammergut

Was ist das Reich Gottes? Das Leben in Fülle! Und dieses Leben in Fülle ist greifbar nahe, sagt Jesus im Evangelium zum dritten Sonntag im Jahreskreis, der am 25. Januar begangen wird, seinen Jüngern. Zugleich mahnt Jesus sie zur Umkehr.

Alle Menschen sind gerufen, am Aufbau des Reiches Gottes, des Lebens in Fülle mitzuwirken. Was aber passiert, wenn das Leben in Fülle für alle in Gefahr ist - wie es in der Stadt Ninive der Fall war, über die die erste Lesung an diesem Sonntag berichtet?

Auch heute, 70 Jahre nach Ende der Herrschaft der Nationalsozialisten, ist das noch immer eine brennende Frage. In Ebensee gab es in der Zeit der Naziherrschaft ein Außenlager des Konzentrationslagers Mauthausen. Das Vortragekreuz der Pfarrkirche ist aus Holz- und Eisenstücken aus der Gedenkstätte Mauthausen hergestellt. Zwei Tage vor dem offiziellen Gedenken zum 70. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau am 27. Januar wird im Gottesdienst der Ereignisse von damals gedacht.

Die musikalische Gestaltung übernehmen der Kirchenchor und das Orchester der Pfarrei Ebensee.

Nach dem Gottesdienst ist ein Zuschauertelefon geschaltet. Hier ist der Auslandstarif von Österreich zu beachten. Weitere Informationen gibt es auf www.zdf.fernsehgottesdienst.de

Die letzten Zeuginnen - Vom Überleben in Auschwitz

Die Schwestern Renate Lasker-Harpprecht und Anita Lasker-Wallfisch überlebten Auschwitz und Bergen-Belsen: Als junge Mädchen waren sie zunächst in die Hölle von Auschwitz deportiert worden und mussten danach ins Lager Bergen-Belsen. Anita war damals 17, ihre Schwester Renate 19 Jahre alt. Anita entging knapp der Gaskammer, weil sie als Cellistin im "Mädchen-Orchester" dringend gebraucht wurde. Renate Lasker-Harpprecht ist eine der wenigen noch lebenden Zeitzeuginnen der Judenverfolgung durch die Nationalsozialisten.

Die Dokumentation von "ML mona lisa"-Redaktionsleiterin Sibylle Bassler zeichnet den Weg der beiden Schwestern nach.

Die Gerechten unter den Völkern - Retter und Helfer im Nationalsozialismus

Der Film von Andrea Morgenthaler führt die Zuschauer auf eine Spurensuche nach Menschen, die jüdischen Mitbürgern halfen, die nicht wegschauten, sondern human handelten. Manche retteten viele Leben, andere bezahlten für ihren Mut mit dem eigenen Leben. Yad Vashem, die Holocaust-Gedenkstätte in Jerusalem, ehrt diese mutigen Menschen als Gerechte unter den Völkern. Wie unterschiedlich ihre Motive waren, zeigt dieser Film - mit drei exemplarischen Geschichten aus Polen, den Niederlanden und aus Deutschland.

Die zwei Gesichter von Auschwitz - Die wiederentdeckten Fotoalben 

Die Dokumentation von William Karel erzählt die Geschichte des KZ Auschwitz auf ungewöhnliche Weise. Gegenübergestellt werden zwei kürzlich gefundene Fotoalben. Das eine stammt von SS-Offizier Höcker. Auf seinen Bildern entsteht der Eindruck eines entspannten Lebens im Konzentrationslager. Ganz anders auf den Bildern der KZ-Überlebenden Lili Jacob. Sie dokumentiert die Ankunft einer Gruppe ungarischer Juden in Auschwitz, für die meisten von ihnen der Gang in den sicheren Tod. Die Aufnahmen entstanden alle im Mai 1944 und zeigen die zwei schrecklichen Gesichter von Auschwitz.

Bomberpiloten im KZ - Kriegsgefangene in Buchenwald 

Im Sommer 1944 wurden 168 abgeschossene Flieger der Alliierten in Paris von der Gestapo gefangen genommen und in das KZ Buchenwald gebracht. Als Terroristen und Saboteure angeklagt, kämpften die Piloten in einem Wettlauf mit der Zeit verzweifelt gegen ihre Exekution. Die Dokumentation von Mike Dorsey schildert die quälende Geschichte dieser Männer, sieben Überlebende von ihnen kommen in Interviews zu Wort, darunter ihr Kommandant.

Die Geschichte der Juden - Vom Schtetl in die Stadt

Der Film führt die Zuschauer auf eine Spurensuche nach Menschen, die jüdischen Mitbürgern halfen, die nicht wegschauten, sondern human handelten. Manche retteten viele Leben, andere bezahlten für ihren Mut mit dem eigenen Leben. Yad Vashem, die Holocaust-Gedenkstätte in Jerusalem, ehrt diese mutigen Menschen als Gerechte unter den Völkern. Wie unterschiedlich ihre Motive waren, zeigt dieser Film - mit drei exemplarischen Geschichten aus Polen, den Niederlanden und aus Deutschland.

Die Wahrheit über den Holocaust

Am 27. Januar 2015 jährt es sich zum siebzigsten Mal, dass das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau befreit wurde. Bis heute gilt Auschwitz als Synonym für den planmäßigen Genozid der Nationalsozialisten an den europäischen Juden. Zur Erinnerung an das Unfassbare zeigt ZDFinfo ab dem 19. Dezember 2014 die achtteilige Dokumentation "Die Wahrheit über den Holocaust" in Erstausstrahlung. Die Reihe erzählt die Geschichte der Juden Europas bis in die heutige Zeit. Durch neue Einblicke und noch nicht verwendetes Bildmaterial erhalten die Zuschauer frische Erkenntnisse, wie das Verbrechen überhaupt möglich wurde.

ZDF-Chefredakteur Peter Frey: "'Die Wahrheit über den Holocaust' ist ein Statement gegen jene, die bis heute die Vernichtung der europäischen Juden verdrängen, relativieren oder gar leugnen. Die achtteilige Serie anlässlich des 70. Jahrestages der Befreiung von Auschwitz ist ein Angebot für diejenigen, die wissen wollen, wie es wirklich war, vom Terror der Anfangsjahre über den nationalsozialistischen Massenmord bis zur Aufarbeitung nach dem Zweiten Weltkrieg. Wir wollen, dass die jüngere Generation nicht bei den Scharlatanen und Geschichtsverdrehern landet."

In der Doku-Reihe "Die Wahrheit über den Holocaust"kommen über 60 international renommierte Historiker, Autoren, Journalisten und Künstler aus den USA, Israel und Europa zu Wort – vom Londoner Geschichtsprofessor Ian Kershaw bis zum amerikanischen Historiker Michael Berenbaum.

Mit dieser Geschichtsreihe tritt ZDFinfo zum ersten Mal als Koproduzent im großen Rahmen auf. Das leistet der Digitalsender in einer internationalen Gemeinschaft unter anderem mit Sendern aus Frankreich und Israel. Es macht die Kompetenz von ZDFinfo im Dokumentarfilmbereich deutlich – ein Leuchtturmprojekt für den jungen öffentlich-rechtlichen Erfolgssender.

Die Reihe schildert nicht nur den Mord an den europäischen Juden, sondern zeigt auch die Aufarbeitung nach dem Zweiten Weltkrieg, die lange und schwierige Vergangenheitsbewältigung in Deutschland, Europa und Israel.

Das Wissen über die Judenverfolgung durch die Nazis ist in vielen europäischen Ländern und in den USA immer weiter zurückgegangen. Auch das hat die Macher von "Die Wahrheit über den Holocaust" bewogen, die Geschichte für das heutige Publikum neu zu erzählen.

Die "Wahrheit über den Holocaust" wurde von der französischen Produktionsfirma Zadig (Produzenten Pawel Rozenberg und Celine Nusse) entwickelt. Als Co-Produzenten zeichnen die deutsche LOOKS-Film (Produzent Gunnar Dedio) und die israelische Set-Films verantwortlich. Zu den weiteren Projektpartnern zählen unter anderem die Shoa Foundation, das US Holocaust Memorial Museum, das Museum of Jewish Heritage und Yad Vashem. Die Europäische Union förderte die Realisierung der Reihe mit dem Programm "Creative Europe".

Stabliste "Die Wahrheit über den Holocaust" 

Stabliste:

Film von William Karel und Blanche Finger

Deutsche Version: Florian Dedio

Producer: Regina Bouchehri (LOOKS)

Schnitt: Markus Thüne

Mischung: Tobias Fritzsch

Produzenten: Pawel Rozenberg, Celine Nusse, Gunnar Dedio

Redaktion ZDF: Susanne Krause-Klinck, Christian Deick

Eine Koproduktion von Zadig Productions und LOOKS
In Zusammenarbeit mit France Television, Toute l'Histoire, TV5 Monde, RTBF, UKTV
und ZDFinfo

Anlass und Ausgestaltung der Holocaust-Reihe

Das Konzentrationslager Auschwitz gilt als Inbegriff für die Vernichtung der europäischen Juden – die Befreiung am 27. Januar 1945 entsprechend als Ereignis mit besonders eindringlichem Erinnerungswert. 70 Jahre danach wollen allerdings viele Menschen aus Deutschland, Frankreich und Israel nichts mehr von damals hören. Ein Großteil der jungen Leute weiß heute nicht mehr Bescheid über die historischen Hintergründe des Völkermords an den Juden. Dies ist die Herausforderung, eine neue globale Geschichte zu erzählen – mit internationalen Perspektiven.

Die letzten Zeitzeugen sterben, bald bleiben nur noch Denkmäler, Gedenktage und Stolpersteine: Dann könnte der Holocaust zum Ritual erstarren, das pflichtschuldig erledigt wird. An diesem Punkt setzt die achtteilige Reihe „Die Wahrheit über den Holocaust“ an. Dabei geht es weniger um das Warum als um das Wie. Wie konnte es passieren, dass sechs Millionen Juden vor den Augen der Welt ermordet wurden?

Das Wie lenkt den Blick auf die Abläufe. Die Chronologie, der Apparat wird sichtbar, der die Vernichtung ermöglichte. Auch die Mitarbeiter des Apparats, die Täter, rücken in den Blick. Ein Muster wird deutlich, das mit der Verhöhnung und Bedrohung von Juden beginnt und weiter über Diskriminierung und Ausgrenzung zur systematischen Ausplünderung führt, bis es mit Verfolgung, Inhaftierung und Mord endet. Eine wahnsinnige Idee, die mit Kalkül propagiert wird, trifft auf eine Bürokratie, die sie ohne jeden Skrupel bis ins Detail umsetzt.

In der Filmreihe schildern über 60 Historiker, Autoren und Zeitzeugen, wie der Holocaust heute wahrgenommen wird. Ian Kershaw, Serge Klarsfeld, Saul Friedländer, Daniel Mendelsohn, Christopher Browning, Ben Ferencz, Yoram Kaniuk Susanne Heim, Aharon Appelfeld, Tom Segev, Amos Oz, David Grossman, Georg Stephan Troller, David Cesarani, Dina Porat, Susanne Heim, Jan T. Gross und andere geben ihre Einschätzung. In einem vielstimmigen Chor wird so ein ergreifender geschichtlicher Bogen über fast 100 Jahre bis ins Heute geschlagen. Dabei werden etablierte Meinungen hinterfragt, wenn erklärt wird, dass es eben nicht die „Banalität des Bösen“ von gehorchenden Bürokraten war, die Hannah Arendt im Eichmann-Prozess zu erkennen glaubte, sondern ein hochkomplexes System mit zahllosen Initiatoren, Tätern und Mitwissern.

Die internationale Koproduktion erzählt die Geschichte der Vernichtung der Juden in Europa entsprechend umfassend und multiperspektivisch. Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs bieten die erst dadurch zugänglichen osteuropäischen Archive neue Erkenntnisse der Forschung wie auch bisher unveröffentlichte Bildquellen. Filme und Fotos auch aus unveröffentlichten, privaten Quellen kommen hinzu, ebenso wie dienstliche und private Dokumente aus der Zeit. Ergänzt werden diese Materialien durch weltweite Neudrehs an den zurückgelassenen Orten der Vernichtung, an den Orten eines neuen Lebens und des Umgangs mit der Geschichte – von Museen bis zu Demonstrationen KZ-Überlebender in Israel für die Anerkennung einer Rente.

Die Inhalte der acht Folgen "Die Wahrheit über den Holocaust"

„Von Auschwitz zu erzählen ist unmöglich. Unser Kopf weigert sich. Wir können den Tod eines Kindes nicht fassen. Wie also sollen wir den Tod von Millionen begreifen? Sechs Millionen Tote?“
(Aharon Appelfeld, israelischer Schriftsteller)

Folge 1: Terror

„Das Land der Kultur, das Land der Intellektuellen, das Land von Literatur, Musik, Philosophie und Kunst, das Land von Goethe und Schiller wird zum Land von Hitler, Goebbels und Göring.“
(Michael Berenbaum, amerikanischer Historiker)

 Am 30. Januar 1933 wird Adolf Hitler deutscher Reichkanzler. Er will das Deutsche Reich zum mächtigsten Land der Welt machen. Sein Feind dabei: die Juden, die es mit allen Mitteln zu bekämpfen gilt. Antisemitismus wird zur offiziellen Politik.

Um seine Machtposition zu stärken, lässt der Führer alle demokratischen Strukturen abschaffen. Wer Widerstand leistet, wird aus dem Weg geräumt. Eine zentrale Rolle spielt dabei die SS, die Schutzstaffel, unter Leitung von Heinrich Himmler und Reinhard Heydrich.

Die Juden werden an den Rand der Gesellschaft gedrängt, zunächst in Deutschland, dann, nach dem Anschluss, auch in Österreich. Sie sollen zur Ausreise gezwungen werden – und dazu ist jedes Mittel Recht. Schritt für Schritt nimmt der Staat ihnen alles. Sie werden registriert, ihre Pässe mit einem „J“ markiert. Viele Berufe, wie Anwalt oder Arzt, Lehrer oder Apotheker, dürfen sie nicht mehr ausüben. Eheschließungen mit nichtjüdischen Deutschen werden im Rahmen der Nürnberger Rassegesetze verboten.

Der amerikanische Präsident ist einer der wenigen, die sich über das das Schicksal der deutschen Juden empört. Er ruft zu einer internationalen Konferenz auf, doch bei der Zusammenkunft im französischen Evian zeigt sich letztlich kein Land der Welt bereit, Juden aus Deutschland aufzunehmen.

„Sie wussten nicht wohin. Niemand wollte Juden aufnehmen. Kanada hat gesagt: ‚Einer ist einer zu viel.‘ Die Schweiz hat gesagt: ‚Keiner ist schon einer zu viel.‘ Die Australier sagten: ‚Wir verabscheuen den Antisemitismus, deswegen lassen wir keine Juden ins Land. Wir wollen schließlich den Antisemitismus nicht in unser Land lassen.‘"
(Amos Oz, israelischer Schriftsteller)  

Das führt zu einem fatalen Dilemma: Während immer mehr Juden nur noch aus Deutschland fliehen wollen, gibt es immer weniger Zufluchtsorte für sie.

 

Folge 2: Ghetto

Am 7. November 1938 erschießt der jüdische Emigrant Herschel Grynszpan in Paris einen deutschen Diplomaten. Grynszpan ist verzweifelt, weil seiner in Deutschland lebenden Familie alles genommen wurde und sie ins Niemandsland zwischen Deutschland und Polen abgeschoben wurden.

Die Nazis nutzen dieses Attentat, um Deutschland mit einer nie dagewesenen Welle von Pogromen zu überziehen.

„Es ist schon interessant, dass die SA es für nötig hielt in den kleineren Orten nicht die Leute aus dem Ort selber die Synagogen plündern und anstecken zu lassen, sondern sie aus anderen Orten herbeizukarren und sie am besten noch vorher mit Alkohol abzufüllen, damit sie das machen, weil man sich nicht darauf verlassen hat, dass die Leute das gegen ihre eigenen Nachbarn machen.“
(Susanne Heim, deutsche Historikerin)

Ihren Höhepunkt findet diese Gewaltwelle am 9. November in der Reichspogromnacht: In ganz Deutschland und Österreich werden hunderte Synagogen sowie über 7.500 jüdische Läden und Geschäfte verwüstet, geplündert und in Brand gesteckt. Mindestens 400 Juden werden ermordet oder begehen aus Verzweiflung Selbstmord.

„Am Morgen bin ich dann zurück in unsere Wohnung. Es waren natürlich überall Glasscherben usw. Und ich hörte zum ersten Mal den Ausdruck Kristallnacht.“
(Stefan Georg Troller, Historiker und Zeitzeuge)

Selbst diese Gewaltorgie aber scheint harmlos im Vergleich zu dem, was deutsche Besatzungstruppen nach Kriegsbeginn am 1. September 1939 den Juden in Polen antun. Die Erniedrigungen sind unfassbar: Deutsche Soldaten verbrennen die heiligen jüdischen Schriften – und zwingen die Juden, übers Feuer zu springen, zu singen und zu tanzen. Doch das Lieblingsspiel der Nazis ist das sogenannte Bartspiel: Sie reißen den Juden ihre Bärte ab oder stecken sie in Brand. Über 600 Juden werden erschossen.

Die Juden, die nicht aus dem von Deutschland besetzten Teil Polens fliehen können, werden gezwungen, in Ghettos zu ziehen, die in allen größeren Städten eingerichtet werden. Hier sollen sie leben – auf viel zu engem Raum, ohne ausreichende Lebensmittel, ohne medizinische Versorgung – bis die Deutschen einen Plan entwickeln, was mit ihnen geschehen soll.

 

Folge 3: Menschenjagd

„Im Jahr 1940 gibt es keinen Plan für die Ausrottung der Juden, für ihre physische Vernichtung. Der einzige Plan ist die Ausweisung. Das Außenministerium hat die geniale Idee, die französische Insel Madagaskar als eine Art Kolonie für die Juden zu verwenden.“
(David Cesarani, britischer Historiker)

Nach dem siegreichen Krieg in Polen marschiert die deutsche Armee in Frankreich ein, das ebenfalls innerhalb weniger Wochen fällt. Jetzt werden auch die in Frankreich lebenden Juden Opfer von Ausgrenzung, Diskriminierung und Gewalt. Nach und nach entsteht ein neuer Plan: Vernichtung statt Vertreibung.

Der Massenmord an den Juden beginnt mit dem Angriff auf die Sowjetunion am 22. Juni 1942. Sondereinheiten der SS werden beauftragt, kommunistische Funktionäre und Juden standrechtlich zu erschießen. In den ersten Tagen nach dem Einmarsch fallen ihnen noch vergleichsweise wenige Menschen – allesamt Männer – zum Opfer. Innerhalb weniger Wochen jedoch verüben die Einsatzgruppen bereits unvorstellbare Massaker. Am 29. und 30. September 1941 werden in der Schlucht Babi Jar bei Kiew 33.771 jüdische Männer, Frauen und Kinder erschossen:

„Ab diesem Moment erleben wir eine vollständige Vernichtung. In Vilnius, in Babi Yar beginnt die totale Vernichtung der Juden, ohne Unterscheidung zwischen Männern, Frauen und Kindern.“ 
(Yitzak Arad, israelischer Historiker)

Die deutsche Propaganda schürt unterdessen immer mehr das Bild des Juden als Krankheitsüberträger und Schmarotzer. So soll im Nachhinein die Vernichtung der Juden gerechtfertigt werden.

 

Folge 4: Mordfabriken

„Die Männer der Einsatzgruppen wurden nicht anhand ihrer Mordlust ausgewählt oder aufgrund ihrer Erfahrung. Es sind Männer, die 19, 20 Jahre alt sind, mehr nicht. Diese Menschen waren, bevor sie den Einsatzgruppen zugeordnet wurden, keine geborenen Mörder. Es sind Menschen, die bei ihrem ersten Einsatz im Erschießungskommando nicht wissen, was sie tun sollen. Manchen wird sogar schlecht dabei.“
(Christian Ingrao, belgischer Historiker)

Die SS-Einsatzgruppen ermorden innerhalb weniger Monate mehr als eine Million Menschen im besetzten Teil Russlands. Dieses maschinelle Töten ist nur möglich, weil die Einsatzgruppen vor Ort Hilfspersonal rekrutieren können, das bereitwillig den Massenmord an ihren ehemaligen Nachbarn durchführt.

Trotz der unvorstellbar großen Zahl der ermordeten Juden geht der Nazi-Führung dieser Prozess nicht schnell genug – und belastet zudem die ausführenden Einheiten zu sehr.

Daher muss ein „schonenderer“ Weg des Mordens gefunden werden. In Deutschland wurden bereits zuvor Behinderte und Geisteskranke im Rahmen des Euthanasieprogramms, der sogenannten Aktion T4, mit Kohlenmonoxid getötet. Die Spezialisten für diese Verfahren werden nun an die Front geholt.

Chelmno, das erste Vernichtungslager der Nazis, führt Massentötungen mit Hilfe von Gaswagen durch. Doch weil auch diese Tötungsmethode nicht schnell genug ist, werden die folgenden Lager mit fest installierten Gaskammern ausgestattet.

„Das Lager von Belzec sollte eine Art Versuchslabor sein. Alle Methoden sollten getestet werden, um die effizienteste Methode der Vernichtung auszuprobieren. Die ersten Gaskammern des Lagers befanden sich in einem Gebäude aus Holz, in dem man 700 Menschen gleichzeitig töten konnte.“
(Robert Kuwalek, polnischer Historiker)

Ihre perfide Perfektion erreicht die industrielle Tötungsmaschinerie der Nazis schließlich in den mit Zyklon B gespeisten Gaskammern von Auschwitz-Birkenau.

 

Folge 5: Deportation

Im Laufe des Jahres 1942 stellen die Nazis ihre Vernichtungslager fertig. Chelmno, Belzec, Sobibor, Treblinka, Majdanek – und Auschwitz. Dort sollen die fast drei Millionen polnischer Juden ausgerottet werden – zusammen mit allen Juden Westeuropas, derer die Nazis habhaft werden können.

Gleichzeitig mit den Vernichtungslagern entsteht im besetzten Polen eine ganze Industrie, die nur darauf ausgelegt ist, das Hab und Gut der Ermordeten zu Geld zu machen. Mit diesem Geld wird unter anderem die Maschinerie des Holocaust selbst gespeist. Konkret bedeutet das: die Juden werden gezwungen, ihre eigene Ermordung  zu finanzieren.

„In Lublin war ein Bankkonto eingerichtet worden, das zur Bezahlung der Transporte in die Vernichtungslager diente. Es gab dort ein Sonderkonto "Operation Reinhard". Das Geld, das auf dem Konto einging, kam von den Opfern. Damit wurde die deutsche Bahn bezahlt, die die Opfer in die Vernichtungslager transportierte. Es gab ein spezielles Tarifsystem. Erwachsene kosteten soundsoviel, aber für Kinder zwischen fünf und 14 Jahren gab es Rabatt. Und für Kinder unter fünf Jahren war der Transport in diesen Zügen gratis.“
(Robert Kuwalek, polnischer Historiker)

Die Ermordung selbst ist gekennzeichnet von unbeschreiblicher Grausamkeit. Während die Gefangenen in die Umkleideräume und dann in die Gaskammern gebracht wurden, mussten alle, die nicht bis zu den Gaskammern laufen konnten, auf der Laderampe warten. Dann, nachdem die meisten bereits in den Gaskammern getötet worden waren, wurden sie an die Verbrennungsgruben gezerrt, wo sie erschossen wurden. Getötet wurden die Schwächsten. Kranke und Verletzte, Alte, Bewusstlose, Kinder, die ihre Eltern verloren hatten.

Wie effizient die Tötungsmaschinerie funktioniert, sieht man daran, wie wenige Juden die Vernichtungslager der Nazis überlebt haben. In Belzec wurden bis zu 500.000 Juden vergast – nur sieben Menschen konnten fliehen. Nur zwei Überlebende des Vernichtungslagers Chelmno sind bekannt – mindestens 152.000 Menschen starben dort. 52 Menschen überlebten das Vernichtungslager Sobibor, 250.000 starben dort. In Treblinka starben über 900.000 Menschen – knapp 100 haben überlebt.

 

Folge 6: Untergang

Die Tötungsmaschinerie war so ausgelegt, dass es keinen Widerstand geben konnte. Als die Juden begriffen, was ihnen bevorstand, war es meist schon zu spät, um noch Widerstand zu leisten. Dennoch lassen sie nichts unversucht. Es kommt zu Aufständen in den Vernichtungslagern und im Warschauer Ghetto.

„Da sie nichts mehr zu verlieren hatten, sagten sie sich: Lasst uns kämpfen. Lasst uns kämpfen, anstatt in den Gaskammern zu sterben.“
(Yitzak Arad, israelischer Historiker und Zeitzeuge)

Die Revolten werden von den Nazis blutig niedergeschlagen, der Vernichtungsprozess weiter beschleunigt. Trotz aller Versuche der Geheimhaltung durch die Nazis sickern aber immer mehr Informationen über den Massenmord an den Juden durch – und kommen auch nach London und New York. Doch die alliierten Regierungen – Churchill, De Gaulle und Roosevelt gleichermaßen – tun nichts, um den Juden zu helfen. Die perfide Begründung: Man wollte keine Racheaktionen der Deutschen provozieren.

Als eine Niederlage Deutschlands im Krieg immer wahrscheinlicher wird, beginnen die Deutschen damit, die Spuren des Massenmordes an den Juden zu verwischen. Die meisten Vernichtungslager haben ihren tödlichen Zweck erfüllt und werden dem Erdboden gleichgemacht. Massengräber werden wieder geöffnet und die Leichen von Millionen Ermordeten werden verbrannt, ihre Asche verstreut. Dennoch geht das Töten weiter, mit allen Mitteln. Bis zuletzt soll die Mordmaschinerie am Laufen gehalten werden – auch auf Kosten des Weltkrieges. Hitlers Krieg gegen die Juden ist zum eigentlichen Krieg geworden.

„Hitler führte zwei Kriege. Einen Weltkrieg und einen Rassenkrieg, gegen die Juden. Als er eine Wahl treffen musste zwischen diesen beiden Kriegen, hat er sich entschieden, all seine Kapazitäten in den Krieg gegen die Juden zu stecken – das war ihm wichtiger, als den Weltkrieg zu gewinnen.“
(Michael Berenbaum, amerikanischer Historiker)

Auschwitz wird am 27. Januar 1945 von der sowjetischen Armee befreit. Der Krieg endet am 8. Mai 1945 mit Deutschlands bedingungsloser Kapitulation.

 

Folge 7: Gerechtigkeit

„Niemand hieß sie willkommen. Niemand wartete auf diese Menschen, die in den Lagern überlebt hatten und von denen theoretisch ja niemand zurückkehren sollte.“
(Robert Kuwalek, polnischer Historiker)

Das Ende des Krieges markiert gleichzeitig auch das Ende des Holocaust. Aber für die Überlebenden geht der Terror weiter. Sie sind Zeugen unbeschreiblicher Gräueltaten, die sie bis an ihr Lebensende verfolgen werden. Sie haben nicht nur all ihr Hab und Gut, sondern auch ihre Heimat verloren. In den Häusern und Wohnungen, wo sie einst gelebt haben, leben inzwischen andere. Viele Juden werden getötet, als sie ihre Häuser zurückfordern. Ihnen bleibt nur die Flucht in die Städte – doch auch hier sind sie nicht willkommen. Im Mai 1946 sterben über 40 Juden – allesamt Holocaust-Überlebende – bei einem Pogrom im polnischen Kielce.

Mit dem Ende des Krieges beginnt auch die Abrechnung der Alliierten mit den Hauptschuldigen. In Nürnberg werden die Hauptkriegsverbrecher verurteilt. Doch Hitler, Himmler und Heydrich – die Hauptverantwortlichen für den Holocaust – müssen sich nicht verantworten. Sie sind bereits tot.

Die deutschen Hauptkriegsverbrecher werden in Nürnberg verurteilt, die meisten von ihnen hingerichtet. Der Holocaust spielt in diesem Prozess allerdings keine besondere Rolle. Nur auf den Wunsch Amerikas werden weitere Prozesse abgehalten, in denen wenigstens ein Teil der für den Holocaust Verantwortlichen verurteilt wird. Andere Täter werden an die Länder ausgeliefert, in denen sie ihre Gräueltaten begangen haben.

Doch viele Täter tauchen unter. Zu groß ist das Chaos zu Kriegsende. Fast alle wichtigen Täter, die nicht 1945 festgenommen werden, leben frei und ungestraft weiter.

Der Beginn des Kalten Krieges ist der Anfang vom Ende der Verfolgung der Verantwortlichen für den Holocaust. Die Alliierten brauchen Westdeutschland als Partner und Verbündeten. Dafür sind sie gewillt, eine Art Schlussstrich unter den Holocaust zu ziehen. Schließlich soll Deutschland fortbestehen und braucht hierfür geeignete Führungskräfte.

„Die Männer, die hierfür geeignet waren, hatten fast alle das gleiche Profil. Sie waren um die 40, Juristen, verfügten bereits über Erfahrung. Und sie alle waren Mitglieder in der Verwaltung des Dritten Reichs gewesen.“
(Edouard Husson, französischer Historiker)

So bleiben viele ehemalige Nazis ungestraft. Mehr noch: Viele von ihnen machen im Nachkriegsdeutschland Karriere.

 

Folge 8: Verdrängung

„Wie soll man mit einem Menschen leben, auf dessen Arm eine Zahl eintätowiert ist? Sie öffnen morgens die Tür, ihr Nachbar kommt heraus und er hat eine Nummer auf dem Arm. Was sagen Sie zu ihm? Wie soll man mit Überlebenden der Shoa leben, wie mit ihnen zur Arbeit gehen, wie mit ihnen lachen, ans Meer fahren, ins Kino gehen. Wie soll man sich in sie verlieben? Wie mit ihnen Kinder zeugen?“
(Tom Segev, israelischer Historiker und Journalist)

Viele Holocaust-Überlebenden wandern nach Kriegsende nach Palästina aus. Doch es ist für sie ein fremdes Land. Sie sind mittellos und beherrschen noch nicht einmal die Sprache. Was für viele noch schlimmer ist: Sie werden beschuldigt, nur auf Kosten anderer überlebt zu haben.

„Wie hatten sie es geschafft, am Leben zu bleiben? Sie hatten das Gefühl, dass man ihnen vorwarf, nicht tot zu sein.“
(Shulamit Volkov, israelische Historikerin)

Unter den Juden Israels ist das Gefühl verbreitet, dass die Überlebenden des Holocaust schlecht waren. Die Guten waren gestorben. So leiden die Opfer im Stillen weiter.

„In Jerusalem hörte man die Leute schreien, nachts, wenn sie Alpträume hatten. Ich kann nicht sagen, was sie schrien, ich verstand es nicht. Aber sie schrien, nachts.“
(David Grossmann, israelischer Schriftsteller)

Auch in Israel beschließt man, einen Schlussstrich unter den Holocaust zu ziehen und nicht mehr darüber zu sprechen. Es wird ein Tabu-Thema.

„Jahrelang galt der Grundsatz: ‚Keine Shoa, keine Shoa, keine Shoa. Keine Vergangenheit. Nur Zukunft.‘ Die Menschen haben das verinnerlicht, die Kinder der Überlebenden der Shoa ebenfalls.“
(Aharon Appelfeld, israelischer Schriftsteller)

Das ändert sich erst, als Adolf Eichmann, einer der Hauptverantwortlichen für den Holocaust, 1960 in Argentinien gefangengenommen und in Israel vor Gericht gestellt wird. Der Eichmann-Prozess ist das erste große Ereignis, das den Holocaust als gesondertes Ereignis jenseits des Zweiten Weltkriegs darstellt. Durch den Eichmann-Prozess entdecken die Menschen Israels die Geschichte des Holocaust wieder. Doch wie soll man mit dieser Geschichte, mit dieser Last umgehen? Diese Frage stellt sich nicht nur in Israel, sondern auch in all jenen Ländern, in denen die Gräueltaten begangen, das jüdische Leben vernichtet wurde. Die Antworten reichen vom „Shoa-Business“ in Polen bis hin zur „Shoa-Müdigkeit“.

„Die Deutschen sagen: „Sollen wir vielleicht bis ans Ende aller Generationen die Schuld von Auschwitz mit uns herumtragen?“
(Dina Porat, israelische Historikerin)

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