Ein Sommer in ...

15. und 16. Film der Herzkino-Reihe

Christina Große spielt in "Ein Sommer in Masuren" eine Frau mit Asperger-Syndrom, die es auf einen Bauernhof in Polen verschlägt. Sabine Postel sprengt in "Ein Sommer in Barcelona" als Alt-68erin die Pläne ihrer Enkelin (Sinja Dieks), die in den spanischen Bank-Adel einheiraten will.

  • ZDF, Sonntag, 25. Oktober 2015, 20.15 Uhr und Sonntag, 15. November 2015, 20.15 Uhr

Texte

Ein Sommer in ... steht für Sonne, Sehnsucht, Leichtigkeit

Seitdem in "Ein Sommer in Long Island" (2009) das erste Mal eine junge Frau die deutschen Grenzen hinter sich gelassen hat, um an den kilometerlangen Stränden der New Yorker Insel ihr Glück zu finden, ist die ZDF-Reihe ein fester Bestandteil des Herzkinos geworden. Die Filme spielen an den faszinierendsten Orten dieser Welt. Pulsierende Metropolen wie Paris, Kapstadt oder Marrakesch und wildromantische Landschaften wie die Küste von Amalfi, Island oder auch die bayerischen Voralpen bil­den eine großartige Bühne für bewegende Geschichten.

In diesem Herbst werden die Protagonistinnen und die Zuschauer mit dem fünfzehnten und sechzehnten Film in die polnischen Ma­suren und nach Barcelona entführt. Die beiden Filme spiegeln in einem besonderen Maße das große Spektrum der Reihe wieder. Wieder sind es Frauen, die ihr gewohntes Umfeld verlassen, um abseits ihres Alltags Neuem zu begegnen. Sie lassen sich auf eine andere Welt ein, ohne ihre Vergangenheit über Bord zu werfen. Dabei prallen unterschiedliche Weltansichten, Dispositio­nen und Themen aufeinander und Konflikte werden meist auf hu­morvolle Weise ausgetragen. Neue Möglichkeiten und Freund­schaften wachsen, neue Wege werden beschritten, die sich oft nur träumen lassen – so auch der Traum von der großen Liebe.

In "Ein Sommer in Masuren" begibt sich die Hauptfigur, gespielt von Christina Große, in die unendlichen Weiten der masurischen Seenlandschaft und lernt dort, was es heißt, endlich so gesehen und akzeptiert zu werden, wie man wirklich ist. In "Ein Sommer in Barcelona" taucht die junge Protagonistin Sinja Dieks tief in die spanische Gesellschaft ein und folgt zunächst den religiösen wie gesellschaftlichen Traditionen einer ehrwürdigen spanischen Bankerfamilie. Bis ihre Alt-68er-Großmutter, gespielt von Sabine Postel, ihren eingeschlagenen Lebensweg durchkreuzt. Auch in diesen beiden Filmen wieder authentische und lebensnahe Prota­gonistinnen mit Ecken und Kanten, existenziellen Problemen und nachvollziehbaren Biografien, denen der Zuschauer zu seinen Traumzielen folgen mag. Vor Außer- und Ungewöhnlichem ist er nicht gefeit, und es bleibt spannend, auf welch' individuelle Art und Weise die weiblichen Hauptfiguren ihre persönlichen Her­ausforderungen meistern.

Humor und Leichtigkeit des Seins sind in sommerlichen Gefilden gefragt – ein Lächeln wird überall verstanden! Am Ende der Reise hat sich der Blick auf die Welt, das Leben und die Liebe ein wenig verändert – und manch ein Sommer dauert sogar ewig.

Rita Nasser
Hauptredaktion Fernsehfilm / Serie II

"Orte der Selbsterkenntnis"
Statement von Ariane Krampe (Reihen-Idee)

Die "Ein Sommer in ... "-Idee hat sich von Anfang an zum Ziel gesetzt, in filmisch hochwertigen Bildern die lebensverändernde Reise einer Protagonistin zu erzählen, in der sich jeder Zu­schauer immer auch ein Stück weit selber entdecken kann. Im Mittelpunkt der Geschichten stehen Menschen, die ausziehen, das Lieben zu lernen –komisch, tragisch, anrührend, aber immer authentisch.

"Ein Sommer in ..." erzählt romantische Komödien über das Auf­einanderprallen von Lebenshaltungen und -Auffassungen, gegen Klischees und Konventionen. Wahrhaftige Charaktere führen uns an Orte, die mehr sind als Erzählfolie, die Orte der Selbster­kenntnis sind und die den Lebensalltag des jeweiligen Landes zeitgemäß abbilden und auch ernstnehmen.

Ob Krise in Griechenland, Glaubensfragen in Marrakech, Umwelt­schutz auf Lanzarote oder die geheimnisvolle, mystische Welt in Island – immer erfährt man auch spannende Dinge über die je­weilige Destination.

Pointierte Dialoge und amüsante Situationskomik, gepaart mit einem realistischen Ton, lassen uns leichtfüßig und charmant miterleben, wie ein Sommer öffnen kann für neue Menschen und Kulturen, eine neue Liebe und manchmal auch ein neues Leben. Alles an Orten, von denen jeder träumt, und an welchen der er­lebte Sommer zur Geschichte eines Lebens wird.

Ein Sommer in Masuren - Stab, Besetzung und Inhalt

Sonntag, 25. Oktober 2015, 20.15 Uhr

15. Film der Herzkino-Reihe

 

BuchClaudia Leins
RegieKarola Meeder
KameraEnzo Brander
Musik Dominik Giesriegl
SchnittGünter Heinzel
ProduzentinBernadette Schugg
ProduktionMoviepool GmbH
RedaktionRita Nasser, Bastian Wagner
Längeca. 89 Min.

Die Rollen und ihre Darsteller

 

Sabine WaldmannChristina Große
Marek KowalskiStefan Murr
Dorota KowalskiAnna von Berg
Marta KowalskiIrene Rindje
Pola PiotrowskiMarlene Morreis
Jakub WozniakDietrich Hollinderbäumer
Dr. Dariusz WrobelRainer Piwek
und andere

                                    

Inhalt

Sabine Waldmann ist ein besonderer Mensch. Ihre Welt sieht an­ders aus, als die Welt der meisten Menschen, denn sie hat das Asperger-Syndrom. Zahlen und feste Strukturen geben ihr Si­cherheit und in Sachen Gedächtnisleistung kann ihr niemand et­was vormachen. Der persönliche Umgang mit anderen Menschen bereitet ihr hingegen Probleme, denn sie kann Mimik und Gestik ihres Gegenübers nicht deuten und erkennt keine Ironie. Um Sabine näher zu kommen, muss man sich in ihre Welt begeben – und es gibt wenige Menschen, die das können. Ihre Mutter hat es verstanden, sie zu begleiten, ihr Vater ist kläglich gescheitert, und die Beziehung zwischen den beiden ist nach dem Tod der Mutter zerbrochen.

Beruflich läuft es bei Sabine gerade gar nicht gut, denn ihre be­sondere Art hat sie mal wieder den Job gekostet. Sie ist pleite. Die Besitzurkunde eines Grundstücks in Polen, das sie von ihrem kürzlich verstorbenen Vater geerbt hat, kommt da gerade recht. Das Dokument führt Sabine auf einen Bauernhof in den Masuren und zu Vaters polnischer Pflegekraft Dorota, deren Bru­der Marek und Mutter Marta. Auch den Kowalskis wird sofort klar, dass Sabine anders tickt. Ihre direkte Art und vor allem ihr We­senszug, die Kommentare ihre Mitmenschen stets wörtlich zu nehmen, führen zu ernsten Missverständnissen. Aber auch immer wieder zu urkomischen Situationen – vor allem für Marek, der sich von Beginn an in Sabine einzufühlen scheint.

Die Stimmung kippt jedoch, als Marek erfährt, dass Sabine das geerbte Grundstück unter allen Umständen verkaufen möchte. Marek und Dorota sind fassungslos. Sie haben das Grundstück Sabines Vater nur als symbolisches Dankeschön überschrieben, da er in ihren Hof investiert hat. Dass das See-Grundstück einmal verkauft werden könnte, haben sie nicht für möglich gehalten. Und Sabine manövriert sich noch weiter ins Aus, als sie ihren Verdacht äußert, dass Dorota ihren Vater ausgenommen hat. Schließlich trägt die Pflegekraft die Kette ihrer verstorbenen Mutter! Marek setzt Sabine daraufhin kurzerhand vor die Tür. Nur der alte Seefahrer Jakub nimmt sich Sabine an und klärt Marek und Dorota über das Asperger-Syndrom auf.

Marek überzeugt Sabine, noch ein paar Tage auf dem Hof zu bleiben, versucht, sie für seine Büffelzucht zu begeistern und ihr die Schönheit der masurischen Landschaft näher zu bringen. Da­bei kommt es immer wieder zu Missverständnissen und unter­schiedlichen Ansichten. Gleichzeitig gelingt es Marek aber, weiter in Sabines Welt vorzudringen, Sabine gewinnt Vertrauen, lernt, Gefühle besser zu erkennen und vielleicht sogar zu lieben – so gut es eben geht!

      "Ein sehr spezielles Abenteuer"
       Statement von Regisseurin Karola Meeder

Meine dritte Regiearbeit für die ZDF-Reihe "Ein Sommer in..." hat mich diesmal in die Masuren nach Polen geführt. Was für ein be­sonderes, ursprüngliches Land! Wir alle waren berührt von der Direktheit, der Herzlichkeit und Ursprünglichkeit, die Land und Leute uns offenbarten. Das ist das Besondere an dieser Herzkino-Reihe, dass wir ganz großartige Erlebnisse haben, die den jewei­ligen Film auf magische Weise mit beeinflussen.

In allen drei Filmen, die ich für das ZDF realisieren durfte, hatte ich wunderbare Darstellerinnen als Hauptfiguren und herrlich passende Männer dazu. Die Frauenfiguren meiner drei Filme "Ein Sommer in…" konnten unterschiedlicher nicht sein, und das macht auch den Reiz dieser Reihe aus.

Jetzt bin ich Christina Große beim Dreh in Masuren begegnet. Eine sehr tolle, präzise und liebenswerte Schauspieler-Kollegin. Christina und ich haben Massen an Literatur zu Asperger gele­sen, wir haben uns Dokus von betroffenen Menschen angesehen. Und ich habe einen Experten auf diesem Gebiet, der selbst ein "Aspi" ist, kennen gelernt und mich mit ihm oft beraten, was die Figurenführung von Sabine angeht. Christina konnte eine ganz andere Frauenfigur spielen – eine große Herausforderung, die sie super gemeistert hat. Ich hatte mit Enzo Brandner aus Wien einen wunderbaren Kollegen an meiner Seite, einen sehr ideenreichen und schnellen Kameramann, der herrliche Bilder von einer sehr poetischen und starken Kraft kreiert hat – die uns regelrecht ver­zaubert haben.

Ich drehe "Ein Sommer in..." wirklich gerne, weil sehr individuelle Geschichten erzählt werden, modern und heutig, dennoch mit ei­ner Prise Romantik, die hier und da in unserer Fernsehlandschaft gut tut – ein sehr spezielles Abenteuer, in einem neuen Land, ei­ner neuen Stadt, mit tollen Darstellern, auf das ich mich als Re­gisseurin immer wieder gerne einlasse.

      "Eine Reise in eine neue Welt"
       Interview mit Schauspielerin Christina Große

Sie spielen "Sabine Waldmann", die das Asperger-Syndrom hat. Wie haben Sie sich auf diese Rolle vorbereitet und wie war es, sie zu spielen?

Die Vorbereitung auf die Rolle und jeder Drehtag waren für mich wie eine Reise in eine neue Welt. Obwohl ich in meinem ersten Beruf als Psychiatriediakonin verschiedenen Autisten begegnet war und auch Menschen mit Asperger im Freundeskreis habe, gab es über diese direkten Begegnungen hinaus viel Neues zu entdecken. Ich habe faszinierende autobiografische Bücher gele­sen, Dokumentationen, Interviews und Filme gesehen. Es gab einen regen Austausch mit einem Spezialisten für Asperger, wel­cher auch selber Asperger ist. Mit ihm überprüften wir alle Sze­nen des Drehbuchs und konnten viele Fragen klären. Selten hatte ich das Gefühl, so viel zu einer Rolle recherchieren zu können und trotzdem nur einen Bruchteil von dem, was möglich ist, zu wissen und in der Komplexität nachempfinden zu können. Trotz­dem machte es großen Spaß und war sehr intensiv, all das "Ge­sammelte" gemeinsam mit der Regisseurin Karola Meeder in un­sere Geschichte einarbeiten zu können und sich so Sabine Waldmann zu nähern.

In Masuren begegnet Sabine Marek und die beiden verlieben sich. Wie erlebt und empfindet Sabine diese Romanze?

Sabine kommt in die Masuren, um die Hinterlassenschaften ihres Vaters zu ordnen und um ihr Erbe antreten zu können. Diese Reise ist für sie als Asperger eine Extremsituation, eine Reise ins absolut Ungewisse, es gibt keine ihr so wichtige Sicherheit durch Gewohntes und Vertrautes. Aber sie hat ihre Arbeit verloren und braucht Geld. Sie kommt, um zu gehen. Maximal drei Tage hat sie dafür eingeplant. Sie ist sehr festgelegt in ihrem Vorhaben als auch in ihren Überzeugungen. Sie weiß, sie ist anders, aber sie hat sich mit diesem Anderssein in ihrem Leben so gut es geht "eingerichtet". Sie weiß, dass es ihr nicht möglich ist, eine Bezie­hung zu leben. So realisiert sie viel später als Marek, was ihr da eigentlich gerade passiert und schützt sich erst recht vor der ent­stehenden Nähe. Wobei sie durch ihre direkte, ehrliche Art als auch dem tiefen Bedürfnis heraus ihr Gegenüber verstehen zu wollen, diese Nähe möglich macht und beginnt sie zu akzeptieren. Letztendlich wird sie jedoch bestätigt in ihrer Überzeugung, dass sie nicht lieben kann und beziehungsunfähig ist. Diese Erkenntnis empfindet sie sogar in gewissem Sinne beruhigend und doch ist es mit Marek anders.

Der Drehort Mikolajki gilt als der schönste Ferienort Masurens. Waren Sie zum ersten Mal in Polen? Wie ist Ihr Eindruck von Land und Leuten?

Nein, ich war schon oft in Polen und als Kind bzw. Jugendliche auch in den Masuren. Ich wusste also, dass mich wunderbare Menschen als auch eine traumhafte Landschaft erwarten. Ge­spannt und neugierig war ich trotz alledem, zumal ich das letzte Mal 1988 in diesem Teil Polens war. Es hat sich viel verändert, aber was die Menschen als auch das Land angeht, war es ge­nauso beeindruckend wie damals. Der Himmel scheint wirklich größer als anderswo. Die Weite und Schönheit der Landschaft dehnt die Zeit und verzaubert. Unsere 85 Jahre alte Motivgeberin feiert jeden Samstag in ihrer Scheune mit den anderen Bewoh­nern des Dorfes und sie treffen sich reihum auf den anderen Hö­fen. Es wird gesungen, getanzt, man sitzt fröhlich beisammen. Für mich war der schönste Drehtag die Geburtstagsfeier des On­kels, wir saßen mit den polnischen Komparsen beisammen und hatten großen Spaß. Obwohl ich zu meinem großen Bedauern nicht Polnisch spreche, verstanden wir uns alle wunderbar.

      "Marek muss sich in Sabines Welt begeben"
       Interview mit Schauspieler Stefan Murr

"Ein Sommer in Masuren" ist Ihre erste Zusammenarbeit mit Karola Meeder und Christina Große. Wie waren die Dreharbei­ten?

Die Dreharbeiten waren ein Geschenk! Mit einer Kollegin und ei­ner Regisseurin zusammen zu arbeiten, die für ein Projekt derart brennen und sich engagieren, sowohl in der Vorbereitung, der Recherche zum Thema Asperger, aber auch am Set, ist einfach wunderbar. Nicht zu vergessen aber auch unser Kameramann, Enzo Brandner, der wirklich wunderschöne Bilder gemacht hat!

Sie haben mal gesagt, dass sie am liebsten Rollen spielen, die "ein großes Problem haben". Außerdem doubeln Sie seit einigen Jahren auf dem Münchner Nockherberg Politiker. Was hat Sie am "Masuren"-Drehbuch und der Rolle "Marek Ko­walski" gereizt?

Mareks Probleme. Erstens läuft der Hof nicht wirklich profitabel. Ohne die Hilfe seiner Schwester wäre es wohl schon lange aus mit dem Hof. Marek hat Visionen, tolle Ideen und arbeitet mit Hin­gabe und voller Kraft dafür. Aber er ist einfach ein Chaot und Träumer. Sein zweites großes Problem sind die Frauen. Pola, die eigentlich perfekt für ihn scheint, hat ihn betrogen. Und die an­dere Frau, die in sein Leben tritt, Sabine Waldmann, weiß nicht was Liebe ist.

Zu Beginn des Films halten die Kowalskis Sabines Verhalten für mehr als seltsam. Den ersten Konflikten folgt aber schnell ein Zugang zur ihr. Wie und warum verändert sich das Ver­hältnis?

Ihr Verhalten ist ja auf den ersten Blick auch mehr als seltsam. Fern von dem, was man gewohnt ist und als "normal" bezeichnen würde. Völlig emotionslos, humorlos. Sie ist die Einzige, die sich nicht sofort für die Idee des Hofes begeistert. Aber ab dem Mo­ment, in dem die Familie erfährt, dass sie das Asperger-Syndrom hat, wird manches verständlich. Und gewisse Reaktionen werden nachvollziehbarer. Marek versteht, dass er sich in ihre Welt be­geben muss, um hier nahe sein zu können.

Marek steht zwischen zwei Frauen: Seine Ex-Freundin Pola, die ihn betrogen hat, will ihn zurückgewinnen. Doch er ver­liebt sich in die Frau mit dem Asperger-Syndrom. Warum?

Ihre fast kindliche Naivität und ihre Freude am Leben lassen Ma­reks "Abneigung" sehr schnell schmelzen. Und dann natürlich Sabines bedingungslose Ehrlichkeit. Das haut Marek endgültig um. Gerade nach der Geschichte mit Pola. Sabine kann nicht lü­gen und ist nicht berechnend! Aber ein kleiner Rest an Unbere­chenbarkeit, wo die Liebe hinfällt, bleibt auch noch.

Sie haben in "Ein Sommer im Elsass" einen Automechaniker gespielt – wie würden Sie das Besondere an der Reihe "Ein Sommer in ..." beschreiben?

Ganz besonders an der Reihe "Ein Sommer in ..." ist natürlich die jeweilige Landschaft. Es entsteht alleine durch das Land, die Orte und die Menschen so eine tolle Atmosphäre, von der man bei den Dreharbeiten richtig getragen wird. Das spürt man, denke ich, dann auch, wenn man die Filme anschaut. Und in dieser wunder­baren Kulisse darf man Geschichten erzählen, die viel mit der jeweiligen Kultur und den Menschen zu tun hat. Somit wird man als Schauspieler und dann auch als Zuschauer auf eine beson­dere Reise mitgenommen.

Die Interviews führte Isabella Scholz

Ein Sommer in Barcelona - Stab, Besetzung und Inhalt

Sonntag, 15. November 2015, 20.15 Uhr

16. Film der Herzkino-Reihe

 

BuchJens Urban
Regie Dirk Regel
KameraVladimir Subotic
MusikJessica De Roij
SchnittRonny Mattas
ProduzentinAriane Krampe
ProduktionZeitsprung Pictures, München
RedaktionRita Nasser
Längeca. 89 Min.

 

Die Rollen und ihre Darsteller

 

Ingeborg HellmannSabine Postel
Lisa HellmannSinja Dieks
EmilioNahuel Häfliger
Pablo BascouAlejandro Munoz
Hector de AlvaradoJulio Tejela
Alexandra de AlvaradoPrado Rivera
und andere

Inhalt

Lisa Hellmann ist in einer Patchworkfamilie mit Vater, wechseln­den Müttern und der Großmutter aufgewachsen. Kein Wunder, dass sie den ausgeprägten Wunsch nach einer heilen Familie hat.

Als Fremdsprachenkorrespondentin ist Lisa nach Barcelona ge­zogen und hat dort den smarten, reichen Emilio kennen und lie­ben gelernt. Sie wähnt sich in ihren Träumen und wird bald in die altehrwürdige Familie de Alvarado, spanischer Bank-Adel, einhei­raten. Die Tradition verlangt, dass Lisa getauft wird, bevor die große katholische Hochzeit mit allen Verwandten stattfinden kann.

Der engere Kreis der Alvarados hat sich gerade zur Taufe in der Kathedrale versammelt als Lisas Großmutter Ingeborg die Veran­staltung sprengt. Die Alt-68erin kann es nicht fassen, dass die Enkelin für ihren Traum von einer Bilderbuchfamilie offensichtlich die Vergangenheit und die Werte ihrer eigenen Familie hinter sich lassen will. Oma Ingeborg wägt natürlich, dass man zu Reichtum nur kommen kann, wenn die Geschäfte nicht ganz "sauber" lau­fen. Erst Recht, wenn man zu Francos Zeiten eine Bank über­nommen hat! Und jetzt soll sich die Enkelin auch noch der katho­lischen Kirche unterwerfen? Aber die noch wichtiger Frage lautet: Liebt Lisa ihren Emilio wirklich?

Lisa möchte all das nicht hören und Ingeborg reist unter den Um­ständen auch gerne wieder ab. Allerdings haben die beiden nicht mit Patriarchin Alexandra de Alvarado gerechnet. Sie möchte Lisas Familie etwas näher kennen lernen, ist sie doch nicht ganz so zufrieden mit der Wahl ihres einzigen Sohnes. Ingeborg nimmt die Einladung gerne an.

Während sich Ingeborg mit Alexandra misst, sucht Pablo, Emilios baskischer Cousin, Lisa auf und bittet um ihre Hilfe. Er klagt für seine Klienten gegen die mächtige Bank Alvarado, die unlautere Kredite vergeben hatte. Als Lisa darüber mehr von Emilio wissen will, wird der smarte Banker ungewöhnlich ungehalten.

Der schöne Schein der Familie de Alvarado bröckelt weiter, als Ingeborg die historischen Unterlagen zur Übernahme der Bank unter Francos Regime findet und Emilio Lisas Fragen nach dem Familiengeheimnis um Pablos Mutter nicht beantwortet. Der Streit zwischen den Familien eskaliert – es kommt zum Showdown zwi­schen Ingeborg und Alexandra. Lisa ist zutiefst verunsichert und zieht sich von allen zurück.Trost findet sie in der nahegelegenen Kapelle. Erst Alexandras herrischer Auftritt in ihrer kleinen Woh­nung über den Dächern Barcelonas katapultiert die junge Frau zurück in die Realität. Lisa macht sich auf, um Pablo und seinen Klienten beizustehen.

Am Ende findet Lisa ihren eigenen Weg zusammen mit Pablo. Diesmal geht es dabei nur um sie selbst – nicht um einen Mann und auch nicht um eine Familie.

      "Ich habe das große Los gezogen"
       Interview mit Schauspielerin Sabine Postel

Was zeichnet die Figur Ingeborg aus?

Ingeborg war zwar in den Achtundsechzigern noch ziemlich jung, wurde aber durchaus geprägt von dieser Zeit. Sie hat sich ihre nonkonformistische Denkweise bewahrt und findet jeder solle nach seiner Façon glücklich werden.

Ingeborg fällt es schwer, sich mit der konservativen Familie des Verlobten ihrer Enkelin anzufreunden. Woran liegt das?

Der Kapitalismus ist für sie als "Alt-68erin" immer noch ein rotes Tuch, aber viel wichtiger ist ihr, dass ihre Enkelin, die sie ja groß­gezogen hat, den für sie richtigen Weg findet und sich nicht von vermeintlichen Sicherheiten blenden lässt. So versucht sie ihr mit ihrer unangepassten Art die Augen zu öffnen und tappt dabei na­türlich gewollt oder ungewollt von einem Fettnäpfchen ins nächste.

Wie waren die Dreharbeiten in Barcelona?

Ich glaube, ich habe mit dem Drehort Barcelona das ganz große Los gezogen. Diese Stadt ist einfach beflügelnd und sie hat alles, was eine Großstadt braucht: Kultur, tolle Architektur, eine sehr lebendige Musikszene, die großartige katalanische Küche und den Strand vor der Tür – was will man mehr?!

Hat sich Ihr Eindruck von Land und Leuten geändert?

Ich war vor unseren Dreharbeiten schon mehrfach in Barcelona, aber immer nur für‘s verlängerte Wochenende und da lernt man so eine vielfältige Stadt natürlich nicht wirklich kennen... und lie­ben! Was unter anderem auch den Reiz unserer Dreharbeiten ausmachte, war, dass wir zweisprachig – in Deutsch und Spanisch – gedreht haben. So konnten die spanischen Schau­spieler ihr Tempo und ihren Charme ausspielen, ohne über Voka­beln und Aussprache nachdenken zu müssen. Auch unser Team war international besetzt. Neben Deutschen und Griechen hatten wir sehr viele spanische Kollegen, sodass man problemlos in die Mentalität der Menschen und der Stadt eintauchen konnte. Selten habe ich so liebenswerte, humorvolle und gleichzeitig professio­nelle Kollegen erlebt. Das Drehen hat großen Spaß gemacht und ich glaube das sieht man dem Film auch an.

      "Das Geheimnis liegt in der Vielfalt"
       Interview mit Sinja Dieks

Lisa befindet sich noch in der Selbstfindungsphase. Dann muss sie sich zwischen zwei Männern entscheiden. Können Sie diese Zerrissenheit beschreiben?

Es gibt Scheidewege im Leben, Weggablungen, an denen man das absolute Gefühl hat, jetzt eine bestimmte Richtung in seinem Leben einzuschlagen, das womöglich ganz anders verlaufen würde, würde man den anderen Weg wählen. Das kann beängsti­gend sein und vor allem viele Emotionen, Gedanken und Zweifel lostreten. So geht es Lisa. Kurze Zeit vor ihrer Hochzeit wird sie gezwungen, ihre Gefühle zu überprüfen, was ihr unter Druck na­türlich schwer fällt.

Da sie aus einem 68er geprägten Elternhaus stammt, ist es na­türlich auch eine, bei Lisa unbewusste, Rebellion, einen Banker heiraten zu wollen und sich taufen zu lassen. Gleichzeitig sehnt sie sich nach eben dieser Geborgenheit und Sicherheit, die Emilio ihr gibt.

Was fasziniert Lisa so an Pablo?

Lisa ist sich eigentlich sicher, dass sie Emilio heiraten will. Doch dann trifft sie auf Pablo und merkt, dass sie Gefühle für ihn hat. Pablo vermittelt Lisa neue Werte wie Loyalität, Nächstenliebe und gesellschaftliche Verantwortung. Sie verliebt sich nicht nur in ihn, sondern auch in ein neues Lebensgefühl, das sich natürlich an­fühlt und ihren Wurzeln näher ist.

Was ist wahre Liebe und wie kann man sich jemals sicher sein, sie gefunden zu haben?

Ich denke, dass man sich grundsätzlich seiner Gefühle sicher sein kann, da diese ja keinerlei Vorgaben unterliegen oder falsch sein können. Nur ist es oft schwer, sie zu erkennen, vor allem wenn sie durcheinander gebracht werden. So geht es Lisa, als sie als auf Pablo trifft. Liebe ist nicht einfach nur Liebe, sie definiert sich auch durch die kleinen Dinge im Leben wie ein leckeres Eis am Strand. Das kann einem viel mehr bedeuten als viel Geld und ein großes Haus. Und auch wenn man sich sicher ist, kann es passieren, dass man auf einmal merkt, dass doch nicht alles so toll ist. Man muss einfach auf sein Herz hören – nur so kann man wirklich glücklich werden.

"Ein Sommer in…" ist schon jahrelang eine erfolgreiche Reihe im ZDF – was ist das Geheimnis des Erfolgs?

Ich glaube, das Geheimnis liegt in der Vielfalt, mit der ein Ort dargestellt wird. Es sind nicht nur die schönsten Spots, die dem Zuschauer vorgeführt werden, sondern auch ganz landestypische Züge und Situationen, die eine spezifische Atmosphäre vermitteln und somit neugierig machen. Das kann auch ein Streit zwischen zwei Spaniern sein, der einem das spanische Lebensgefühl ver­mittelt.

Was ist ihnen bei den Dreharbeiten von der Stadt Barcelona besonders in Erinnerung geblieben?

Barcelona erlebt zurzeit einen riesigen Boom im Tourismus – zu Recht. Die Leute kommen in Massen um diese tolle Stadt zu erle­ben, die scheinbar alles bietet: Kunst, Nachtleben, Meer, so dass ein bleibender Eindruck auch die Fülle an Menschen war, beson­ders am Strand, auf den las Ramblas, vor dem Picasso-Museum. Es gibt viele Ecken, an denen es trotz Tourismus einfach nur spanisch ist. Nachts bei 25 Grad lebt die Stadt auf, alles findet in Tapas-Bars und kleinen Restaurants statt... Haben Sie schon mal frittierte Seeigel mit iberischem Schinken probiert? Eine der ty­pisch katalanischen Tapas – super lecker!

Die Interviews führte Nina Vollweiler

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