Collien Ulmen Fernandes in "Familien allein zu Haus 2 - Was bleibt?"
Collien Ulmen Fernandes in "Familien allein zu Haus 2 - Was bleibt?"

Familien allein zu Haus 2 - Was bleibt?

ZDFneo-Social Factual mit Collien Ulmen-Fernandes

Moderatorin Collien Ulmen-Fernandes fragt nach: Wie haben Familien die Zeit erlebt, als die Corona-Pandemie sie an den Rand ihrer Existenz gebracht hat?

  • ZDF neo, Samstag, 18. Juli 2020, 19.30 Uhr
  • ZDF Mediathek, Ab Samstag, 18. Juli 2020, 10.00 Uhr

Texte

Stab

Produktion: Fabiola GmbH im Auftrag von ZDFneo

Produzentin und Produzent: Ina Eck, Oliver Fuchs

Autorin: Babette Urban

Realisatorin: Alia Barwig

Kamera: Florian Brückner

Schnitt:  Thorsten Schwarz, Rafaela Qarout

Herstellungsleitung: Jennifer Neus

Producerin: Nina Leidiger

Produktion ZDFneo: Katrin Lachmann

Redaktion ZDF: Brigitte Duczek, Klaus Heckenhahn

Koordination ZDFneo: Fabian Strauß

Länge: 45 Minuten

Inhalt

Wie haben Familien den radikalen Lockdown während der Corona-Zeit erlebt? Wie war es, als die Kinder unterschiedlichen Alters noch nicht einmal die Wohnungen verlassen konnten, um sich auf dem Spielplatz auszutoben oder ihre Freunde zu treffen?

Wie sehr hat es an den Nerven aller gezehrt, dass das Familienbudget dramatisch knapp wurde und die Familien nicht wussten, wie sie es auffüllen können? Was mussten die Mütter stemmen, damit die Kinder zu ihrem Recht kamen? Wie haben sich die Väter in dieser Zeit eingebracht? Und bedeutet Schule doch mehr als Alphabet und Algebra? 

Drei Familien dokumentieren ihr abgeschottetes Leben während der Hochphase der Corona-Zeit mit eigenen Video-Aufnahmen. Darüber hinaus nehmen installierte Kameras ihren neuen Alltag auf. In einem persönlichen Videotagebuch halten Eltern wie Kinder ihre Eindrücke des Tages fest und teilen ihre Gedanken über Finanzen, Freizeit, Freunde und Familie – und manchmal auch ihren Ärger. Dadurch wird ein authentisches Bild möglich, wie Familienleben in Corona-Zeiten funktioniert und an welche Grenzen es stößt.

Was kann die Gesellschaft, also jeder einzelne, tun, um eine Phase zu überbrücken, die Familien an den Abgrund geführt hat? Welche Lehren zogen die Familien aus dem Shutdown der Corona-Zeit? Haben Sie Erfahrungen gesammelt, die ihnen für die Zukunft sogar helfen können?

Die Familien

Die alleinerziehende Mutter

"Also, man hat sich aufgeschmissen gefühlt. Wir hatten sechs oder sieben Listen. Und zum Schluss haben wir gerade mal zwei geschafft. Das ist ein Wochenplan. Das müssen die Kinder alles in einer Woche schaffen. Plus die ganzen Arbeitsblätter, die sie noch zusätzlich übers Internet per E-Mail geschickt kriegen. Für mich mit wenig Geld und keinen Drucker zuhause wird das zu einer ganz teuren Angelegenheit."

Die 28-jährige Charmaine wohnt mit ihren beiden Töchtern, die sie allein aufzieht, in der Uckermark. Sie hat früh ihre Kinder bekommen. Mit 22 Jahren war sie bereits zweifache Mutter. Dieses Jahr wollte sie ein neues Kapitel in ihrem Leben aufschlagen und eine Ausbildung zur Altenpflegerin beginnen, um finanziell auf eigenen Füßen zu stehen. Der Shutdown hat es verhindert. Nach wie vor ist sie auf staatliche Unterstützung angewiesen.

 

Die Schausteller-Familie

"Ich denke, dass wir jetzt vielleicht auf dem Stand von dreißig Prozent sind, von dem, was wir sonst haben. Wir hatten die Winterpause. Wir haben im Dezember das letzte Geld gehabt. Wir bilden Rücklagen, damit können wir schon umgehen, weil es im März so langsam wieder losgeht. Je nachdem, wie Ostern fällt. Dieses Jahr war es dann so, dass gar nichts mehr reinkam. Man konnte sich so ein bisschen über Wasser halten, aber viel ist es nicht. Im Moment ist es schwierig."

Charmaine (34) und Benjamin (38) führen eine lange Familientradition fort: Sie sind Schausteller, die auf Großveranstaltungen und Rummelplätzen mit ihren Ständen Geld verdienen, und kennen das Geschäft: Es gibt in jedem Jahr gute und schlechte Zeiten. Im Frühjahr, Sommer und Herbst kommt Geld herein. Nach den Weihnachtsmärkten ist Schluss. Dann muss die Familie von ihren Rücklagen leben. Der Lockdown hat sie kalt erwischt und an den Rand ihrer Existenz gebracht. Hart für die gesamte Familie, zu der eine Tochter, ein Sohn und die Großeltern zählen.

 

Die Krankenschwester im Schichtdienst

"Natürlich hat man sich dann auch mal aneinander gerieben, das bleibt ja nicht aus, wenn man 24 Stunden aneinanderklebt und eigentlich nicht rausgehen darf. Die Situation ist ja so gestaut und geballt, dass man manchmal einfach gar nicht aus seiner Haut raus kann, weil man kein Ventil hat. Ich dulde keine Gewalt, das habe ich klar gesagt, es gibt hier Regeln. Ich haue auch nicht zu, wenn mir etwas nicht passt."

Die 39-jährige Angelika aus Berlin arbeitet seit 15 Jahren als Krankenschwester auf einer Lungenstation. Ihr Beruf gilt als systemrelevant. Trotz des großen Arbeitsaufkommens, bedingt durch Corona, steht sie finanziell da wie immer – ihr Budget ist knapp. Da sie alleinerziehend ist, muss sie sich noch mehr darum kümmern, wer die drei Kinder im Alter von sechs bis 14 Jahren betreuen kann. Sie arbeitet im Schichtdienst, und jeder Tag ist eine neue Herausforderung.

Die Moderatorin

Collien Ulmen-Fernandes

Moderatorin, Schauspielerin, Kolumnistin, Buchautorin und Mutter einer Tochter im Grundschulalter.

In einer regelmäßigen Tageszeitungskolumne über Erziehungsfragen hat sie erfrischende Lösungen aus einem immer überraschenden Blickwinkel. 

Für ZDFneo hat Collien sich in Social Factuals mit Gender-Fragen "No More Boys and Girls" und dem Zeitphänomen der "Generation Helikopter-Eltern?" auseinandergesetzt.

Die Expertinnen und Experten

Prof. Jutta Allmendinger, Ph.D.

Professorin für Bildungssoziologie und Arbeitsmarktforschung und Leiterin des Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung. Ihre Themen sind Bildung, Arbeit und die Rolle des Staats und wie sie den Lebenslauf eines Menschen beeinflussen können.

"Das ist für Elternteile nicht einfach, zu sagen: 'Tut mir leid, aber in Mathematik kann ich Dir nicht helfen'. Es ist auch eine Entwürdigung der Eltern gegenüber ihren Kindern, die ja immer das Beste für die Kinder wollen. Und jetzt müssen sie sagen 'sorry', und gleichermaßen sehen sie, dass andere Kinder diese Hilfen von ihren Eltern bekommen. Das ist traumatisch für Eltern und Kinder."

 

Thilo Hartmann

Der Psychologe ist seit zehn Jahren in der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe tätig. Er beschäftigt sich u. a. in seiner therapeutischen Arbeit mit Systemsprengern und hoch dysfunktionalen Familiensystemen.

"Kinder können selbst sehr gut mit Veränderung klarkommen. Sie sind sehr resilient für ihre eigenen Bereiche. Aber wenn sie merken, die Umwelt kommt in Stress, das Familiensystem ist im Stress, dann ist das die eigentliche Gefahr für Kinder. Sie merken, die Eltern reagieren anders, und die Kinder können das nicht einschätzen."

 

Dr. Margot Käßmann

Theologin, ehemalige Bischöfin der Landeskirche Hannover und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD), Sachbuchautorin, Publizistin, vierfache Mutter und siebenfache Großmutter.

"Ich denke, dass es für Kinder ungeheuer bitter ist, wenn sie ausgegrenzt werden, weil sie nicht mithalten können. Mir ist wichtig, dass wir klarmachen: Niemand muss sich für Armut schämen in diesem Land. Das kann passieren, das kann jedem passieren. Und wenn wir drüber sprechen – auch in den Kitas, auch in den Schulen, die Kinder nicht ausgrenzen, sondern weiter einladen. Redet doch darüber, was die Situation ist als Eltern in den Kitas und Schulen, redet mit den Kindern ganz offen. Bitte schämt euch nicht."

 

Dr. med. Jakob Maske

Kinder- und Jugendarzt mit eigener Praxis in Berlin-Schöneberg, Vorstandsmitglied im Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte, vierfacher Vater.

"Was wir jetzt schon sehen, ist, dass viele Kinder ganz viel Bildungsaufschub haben und viele Dinge nicht gelernt haben. Die sozial schwachen Kinder haben natürlich nicht die Unterstützung im Homeschooling durch ihre Eltern. Es ist so, dass häufig auch die Geräte fehlen, um überhaupt am Homeschooling teilzunehmen. Die nehmen unter Umständen die ganze Zeit kaum an der Bildung teil. Das macht uns sehr große Sorgen, weil es natürlich für die Zukunft bedeutet, dass Kinder häufiger die Schule abbrechen, häufiger keinen Schulabschluss haben, dann auch keine Berufsausbildung machen. Und das wird alles zusätzliche Probleme geben, die schwer aufzuholen sind."

 

Katrin Reinhardt

Lehrerin für Deutsch und Englisch. Leiterin der "Schule am Fliederbusch" in Berlin, die als sogenannte Brennpunktschule gilt.

 "Wir wissen jetzt, dass viele Eltern dankbar sind, dass es Lehrerinnen und Lehrer gibt. Die Eltern sollten es nicht vergessen und nicht nur einen ökonomischen Beruf und eine Service-Leistung in uns zu sehen, sondern Menschen, die mit ihrem Kind arbeiten und ihm weiterhelfen wollen."

Bildhinweis

Fotos sind erhältlich über ZDF Presse und Information, Telefon: 06131 – 70-16100, und über https://presseportal.zdf.de/presse/familienalleinzuhaus

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