Parvati (Pegah Ferydoni) und Suri. Fotocredit: ZDF/Simon Grohe
Parvati (Pegah Ferydoni) und Suri. Fotocredit: ZDF/Simon Grohe

Fluss des Lebens – Geboren am Ganges

mit Gaby Dohm, Janek Rieke, Pegah Ferydoni und Heinz Hoenig

Robert reist nach Indien, um bei Leihmutter Parvati das Kind seiner tödlich verunglückten Schwester abzuholen. Doch kaum in angekommen, erfährt er, dass das kleine Mädchen entführt wurde ...

 

 

Unter dem Menü-Punkt Video finden sich folgende Inhalte: EPK (3:30 Minuten Laufzeit) sowie Einzelinterviews mit Gaby Dohm (ab Minute 3:50), Janek Rieke (ab Minute 11:00), Pegah Ferydoni (ab Minute 22:34), Heinz Hoenig (ab Minute 30:42)

  • ZDF, Sonntag, 5. Februar 2017, 20.15 Uhr

Texte

Vorwort von Redakteur Sebastian Hünerfeld

Varanasi, Benares, Stadt des Lichts, Stadt am heiligen Ganges. Menschen kommen hierher, um sich von ihren Sünden zu reinigen. Sie kommen hierher, um zu sterben. Denn nur so können sie aus dem ewigen Kreislauf der Wiedergeburt ausbrechen. Der Tod hat hier eine völlig andere Bedeutung – und somit auch das Leben.

Für Robert geht es auch um Leben und Tod. Den Unfalltod seiner Schwester hat er noch nicht verwunden. Er sieht die Schuld bei sich. Kann sich nicht verzeihen. Und dann kommt das Wunder eines Kindes. Vollkommen unerwartet stößt er darauf, dass seine Schwester sich eine Leihmutter in Indien engagiert hat. Robert beschäftigen dabei in keinem Moment ethische Fragen, die eine Leihmutterschaft aufwirft. Er hinterfragt das Tun seiner Schwester nicht. Er sieht nur seine Chance, Schuld abzuarbeiten. Abschied zu nehmen. Die Verpflichtung, seiner Nichte ein Leben zu ermöglichen, das ihr Indien nie bieten können würde. Er muss seine Nichte retten. Aber muss er das tatsächlich?

Für Parvati ist der Tod nicht das Ende von etwas: Ankes Tod hat ihr ein Kind verschafft. Ein Kind, das sie als Leihmutter ausgetragen hat und das eben doch ihr Kind ist. Ein Kind, das ihr durch seine offensichtliche Andersartigkeit ständig Probleme bereit. Ein Kind für das sie ihr bisheriges Leben aufgegeben hat. Ihr Kind?

Es sind diese Fragen, die „Geboren am Ganges“ beschäftigen. Was bedeutet Tod? Was bedeutet Leben? Fragen, die unter der Folie einer Liebesgeschichte behandelt werden. Fragen, auf die es keine eindeutigen Antworten gibt. Mit einer Geschichte, die uns am Ende mit Hoffnung entlässt.

„Geboren am Ganges“ kann so prototypisch für die „Fluss des Lebens“-Reihe stehen. Wir alle verbinden etwas mit den Flüssen dieser Welt. Sie sind eng verbunden mit der Kultur der Menschen, die an, mit und von diesen Flüssen leben. Wir versuchen, uns mit unseren Geschichten diesen Menschen auf Augenhöhe zu nähern. Etwas von ihnen zu lernen, uns mit ihnen auseinanderzusetzen. Neugierig in die Welt zu schauen, in der es so viel zu entdecken gibt. Von der wir so viel lernen können. Und was gibt es Wichtigeres in einer Zeit, in der wir mit Veränderungen und ständigem Wandel konfrontiert sind? In der es so reizvoll erscheint, sich schützend einzuigeln. Gerade jetzt gilt es, sich in die Welt aufzumachen, voller Spannung was diese Welt mit einem macht. Wie sie mich verändern wird. Denn wenn alles im Wandel ist, ist es dann nicht umso wichtiger, sich selbst beweglich zu halten? Denn Bewegung heißt Reibung. Und nur mit Reibung können wir Spuren hinterlassen. Und was zeigt dies eindrücklicher als die Flüsse dieser Welt, die mit steter Kraft ihr Bett graben, Leben bringen und die Menschen prägen.

Stab und Besetzung

Stab

Buch                  Gernot Gricksch
Regie Michael Karen
Szenenbild Jörg Prinz
Kostüm  Tatjana Brecht-Bergen
Maske Julia Baumann, Erica Chadha
Schnitt     Ronny Mattas
Musik  Siggi Mueller, Jörg Magnus Pfeil
Kamera Stefan Ciupek
Ton Magnus Pflüger
Producer Simon Grohe 
Produktion Schiwago Film 
Produzenten Martin Lehwald, Marcos Kantis, Michal Pokorny
Redaktion  Sebastian Hünerfeld
Länge     ca. 89 Minuten

 

Die Rollen und ihre Darsteller

Robert Hansen         Janek Rieke
ParvatiPegah Ferydoni
Elvira HansenGaby Dohm
FluppeHeinz Hoenig
Ganesh    Amit Shrivastava
Dr. Rohani   Swarupa Ghosh
Suri    Margarita Novopavlovskaya
und andere

Inhalt

Gemeinsam mit seiner Mutter Elvira reist Robert Hansen nach Indien, um dort seine mittlerweile zweijährige Nichte Suri bei deren Leihmutter abzuholen. Während Elvira der Gedanke, bald Oma zu sein, begeistert, handelt der pragmatische Robert eher aus einem Pflichtgefühl heraus. Von der Existenz des Mädchens hat er erst vor kurzem erfahren, als er die Unterlagen seiner tödlich verunglückten Schwester Anke sortierte. Nun glaubt er, Ankes letztem Wunsch gerecht werden zu müssen: Er will Suri nach Deutschland bringen und für sie sorgen.

Nach ihrer Ankunft in der heiligen Stadt Varanasi erfahren sie, dass das kleine Mädchen plötzlich verschwunden ist: Ganesh, der Ex-Mann von Leihmutter Parvati, hat das Kind entführt. Angeblich weil er Parvati, die einer niederen Kaste angehört und in ärmlichen Verhältnissen lebt, schützen will. Denn als Mutter eines blonden und hellhäutigen Mädchens, wird sie von ihrem Umfeld geächtet.

Nur widerwillig begibt sich der vorsichtige Robert auf die Suche nach dem entführten Kind. Doch als er Suri, das Ebenbild seiner verstorbenen Schwester, zum ersten Mal sieht, gibt es für ihn keinen Zweifel mehr: Er muss seine Nichte retten. Gemeinsam mit Parvati nimmt er die Verfolgung auf – quer über den Ganges. Von Roberts abenteuerlicher Reise weiß seine Mutter jedoch nichts. In der Sorge um ihren Sohn, findet sie bei dem deutschen Aussteiger Fluppe Trost.

„Berührend fand ich vor allem die Schicksale, die sich dort abspielen“
Interview mit Pegah Ferydoni

Im Mittelpunkt des Films stehen Sie als indische Leihmutter Pavarti, die das Kind einer Deutschen ausgetragen hat. Leihmutterschaft ist in Deutschland aus ethischen Gründen per Gesetz verboten. Genau deswegen suchen Paare Hilfe im Ausland. Haben Sie für diesen „Trend“ Verständnis?

Ich denke, diese ethischen Vorbehalte gibt es aus guten Gründen, und sie sind ein Erbe der deutschen Geschichte. Es gibt zwar auch andere Industrieländer, in denen man auf  legalem Weg eine Leihmutter finden kann. Aber wie so oft entscheidet sich die Geldbörse für die billigste Variante. Ehrlich gesagt, habe ich genauso wenig Verständnis dafür wie für Prostitution, Sextourismus oder Menschenhandel.

Für viele Frauen in Indien stellt sich die Leihmutterschaft als einzig realer Weg dar, dem Elend zu entfliehen. Die gesundheitlichen und sozialen Folgen sind hoch riskant. Das ist kein fairer Deal. Man möchte meinen, wir leben in aufgeklärten Zeiten, jedoch überwiegt bei manchen der Wunsch nach genetischer Fortpflanzung das Wissen um übervolle deutsche Kinderheime.

Der Film ist kein Road-, sondern ein „River Movie“, in dem der Ganges nicht nur das Element für eine Reise darstellt, sondern auch zum Symbol der Veränderung derer wird, die auf ihm unterwegs sind - allen voran Robert und Pavarti. Wie sehr hat Sie die Kraft dieses heiligen Stroms berührt?

Berührend fand ich vor allem die Schicksale, die sich dort abspielen. Die Gedanken und Wünsche, die Gebete der Menschen, die Klänge und Rituale am Wasser. Der Ganges ist ja nicht nur heilig, sondern auch sehr real.

Anfangs war ich eher damit beschäftigt, dieses Boot mit seinem hoffnungslos kaputten Motor zu meistern. Den Blick immer aufs Wasser gerichtet, jederzeit mit der Strömung, mit Sandbänken, mit treibenden Wasserleichen rechnend. Je mehr mir das gelang und je länger wir Zeit auf dem Wasser verbrachten, desto mehr hat mich die Schönheit der Landschaft gepackt. Ich hätte noch viele Wochen dort verbringen können.

Der Film scheut sich nicht, auch soziale und moralische Aspekte anzusprechen. Wählen Sie Ihre Projekte danach aus, dass sie nicht nur unterhalten, sondern auch Tiefgang haben?

Wir Schauspieler können ja nur aus dem wählen, was uns zugetragen wird. Wir sind da leider sehr von anderen abhängig. Aber ja, es stimmt, meine Projekte der letzten Jahre waren eher kräftezehrend, schlafraubend und politisch. Es ist ein Segen, sich mit relevanten Themen auseinandersetzen zu müssen, oder Themen, die einem nicht unbedingt vor der eigenen Haustür begegnen. Allerdings hätte ich auch gern mal wieder etwas „Leichteres“ im Angebot. Sehe ich mich selbst doch eher als Komödiantin.

Im Film sprechen Sie ziemlich perfekt Hindi. Haben Ihre persischen Wurzeln Ihnen dabei geholfen?

Perfekt? Ich weiß nicht! Zwar ist Hindi auch entfernt mit dem Deutschen verwandt, aber es gibt etwa 53 Laute, von denen auch einige aus dem Persischen stammen. Und diese Laute werden im Mund an etwa sechs oder sieben verschiedenen Stellen geformt. Man kann sich vorstellen, dass ich in ernsthaften Schwierigkeiten war. Allerdings hatte ich auch einen sehr ambitionierten Coach, der mich fast jeden Tag zwei Stunden lang in Schrift und Aussprache unterrichtete, obwohl ich nur wenige Sätze sprechen musste.

Sie haben während der Produktionszeit ein Drehtagebuch geführt: Was nehmen Sie mit von der Zeit in Indien? Betrachten Sie manche Dinge nun anders als vorher?

Varanasi ist in vielerlei Hinsicht extrem. Farben, Gerüche, Gestank, Unrat, Schönheit, Elend, Opulenz und Lärm, Leben und Tod. Alles nebeneinander. Eine Essenz aus dem, was vielleicht Indien ist. Anregend und auf eine seltsame Art befriedigend.

Mein Leben hat sich dadurch nicht verändert, aber klar: Es ist schließlich ein Unterschied zu wissen, dass es zum Beispiel um die Rechte der Frauen schlecht bestellt ist, oder anwesend zu sein, wenn ein lebendiges junges Mädchen unter Tränen ihr Dorf verlässt, um verheiratet zu werden, oder ein totes junges Mädchen am Ufer des Ganges von Hunden gefressen wird. Auch bleibt für mich der Tod kein Abstraktum mehr, haben wir doch täglich Tote in allen Stadien und Zuständen gesehen. Manchmal waren die Eindrücke während unseres kurzen Aufenthalts überwältigend und schwer zu verarbeiten. Ich würde gerne das Land bereisen und noch mehr davon sehen.

Die Fragen stellte Manuela Waberski

„Die Geschichte kann es nur geben, weil in Deutschland die Gesetze beim Thema künstliche Befruchtung übertrieben streng sind“
Interview mit Janek Rieke

Hand aufs Herz: Welches Gefühl überwog vor dem Drehbeginn in Indien - Abenteuerlust oder eher banger Respekt vor diesem Land? Haben sich diese Gedanken und Gefühle im Nachhinein bestätigt oder nicht?

Ich habe überhaupt kein Fernweh. Ich bin sehr, sehr gern zu Hause. In Europa. In Deutschland. Hamburg! Am liebsten in meinem Bett. Indien? Indien ist voll mit Schlangen und die Menschen sind angemalt. Eine Reise nach Indien zu überleben ist unwahrscheinlich - so habe ich gedacht. Und so bin ich dann auch losgefahren. Vor der Abreise wollte ich eigentlich noch ein Testament schreiben. Im Ernst. Ich hab's dann vergessen, weil wieder so viel los war.

Indien ist wirklich ziemlich angemalt. In meiner Erinnerung ist da sehr viel orange. Zum Glück habe ich nur eine Schlange gesehen und die gehörte quasi zur Crew. Eine Stunt-Schlange ohne Zähne.
Nach Varanasi, wo wir gedreht haben, kommen viele Menschen zum Sterben. Hier werden Leichen verbrannt. Öffentlich. Die Überreste werden im Ganges versenkt, was oft nicht klappt, weil zu wenig Holz vorhanden ist und die Leichen nur zum Teil verbrennen und nach dem Versenken wieder auftauchen. Ich habe einige tote Menschen gesehen. Einmal musste ich von einem Boot an Land springen und bin dann direkt über ein Skelett gestolpert. Ich dachte, ich müsste sehr schockiert sein, aber ich war traurig.

Mit Indien verbinde ich Melancholie. Indien finde ich nicht schockierend, sondern sehr traurig. So viele leidende Menschen und so viele Tiere in Not. Mir wurde gesagt, dass ich mit Varanasi allerdings auch einen der morbidesten Orte Asiens erwischt habe.

Als Hauptfigur Robert nehmen Sie eine ganze Menge auf sich, um das Kind Ihrer verstorbenen Schwester ausfindig zu machen. Können Sie diese Entschlossenheit und diesen Mut nachvollziehen?

Ja. Und es käme mir heute auch wie Verrat vor, wenn ich sagen würde, dass ich Robert da zu extrem finde. Er kommt spät drauf, dass er das Kind vielleicht besser in Indien lassen sollte, aber ich komme auch oft erst spät auf den richtigen Weg, auf die richtige Lösung. Robert bleibt nicht viel Zeit zum Denken. Plötzlich ist das Kind weg und – zack – sitzt er schon neben einer sehr schönen Frau auf einem sehr kleinen Boot auf einem riesigen Fluss und jagt dem entführten Kind hinterher!

Was kann der Zuschauer – außer gut unterhalten zu werden – mitnehmen aus einem Film wie diesem, der die Augen nicht vor den negativen Seiten eines Landes verschließt?

Die Geschichte kann es nur geben, weil in Deutschland die Gesetze beim Thema künstliche Befruchtung, meiner Meinung nach, übertrieben streng sind. Und weil in Indien viele Menschen so arm sind, dass sie sich bereit erklären, als Leihmutter Geld zu verdienen. Der Film ist kein lauter Schrei nach mehr Gerechtigkeit auf der Welt, aber er thematisiert diese Probleme und das finde ich gut.

Zur Filmcrew gehörten zahlreiche indische Mitglieder: Konnte man untereinander Brücken schlagen und erhielt einen persönlicheren Einblick in eine uns sehr fremde Lebenswirklichkeit?

Ich genieße Dreharbeiten immer sehr. Viele Crewmitglieder sind wache, witzige, sehr kreative Menschen. Das habe ich in Deutschland, in Israel, in Kenia, in Südafrika und in Varanasi so erlebt. Ich glaube, dass die Filmcrews oft privilegiert sind, dass sie besser ausgebildet werden als ein Großteil der Gesellschaft. Ich habe in Indien eine gute Zeit gehabt, sehr liebenswürdige, witzige Menschen getroffen, aber einen sehr tiefen Einblick in das normale indische Leben habe ich nicht bekommen.

Im Film entfaltet sich die Geschichte am heiligen Ganges, an dem Menschen bestattet werden. Als Robert tauchen Sie tatsächlich in den Ganges ein – ein Augenblick, bei dem uns Europäern der Atem stockt. Haben Sie diese „Taufe“ gut überstanden?

Die Szene im Wasser musste wiederholt werden. Beim ersten Mal war ich sehr aufgeregt. Ich sollte in der Szene richtig ausflippen und laut schimpfend in den Fluss rennen. Ich hatte aber Angst, viel von dem dreckigen Wasser zu schlucken. Regisseur Michael Karen hat sich die Szene dann abends im Hotel nochmal angesehen und fand mein Spiel viel zu reserviert.

Eine Woche später bekam ich eine zweite Chance. Diesmal rannt ich in den Ganges, schlug in die Wellen und brüllte wie bekloppt, ich hatte sofort einen halben Liter verschluckt. Mir war's inzwischen egal. Ich hatte eh schon Verdauungsprobleme. Ich stand dann im Wasser und habe mir minutenlang Michaels neue Ideen angehört, habe gewartet bis die Kamera wieder auf Position war, während neben mir Wasserleichen vorbeitrieben. Okay ... es trieben keine Leichen vorbei, aber ganz sicher war ich nicht. Was ist das da im Schlick neben meinem Fuß? Ein indischer Arm? Ein Schädel aus Mumbai? Egal. Der Film muss gut werden.

In diesem Film standen Sie bereits zum vierten Mal für Regisseur Michael Karen vor der Kamera, den Sie sehr schätzen. Was macht die Zusammenarbeit mit ihm so besonders?

Michael und ich haben einen ähnlichen Humor, wir lachen gern mit- und übereinander. Er hört sich gern Ideen an. Michael freut sich wirklich über Vorschläge und er baut viele von denen dann tatsächlich auch in seine Filme ein. Er ermutigt mich immer mitzudenken, immer Angebote zu machen, manchmal sogar zu Szenen, in denen ich gar nicht selber mitspiele. 

Als Schauspieler fühle ich mich bei Michael wie ein echter Mitarbeiter, nicht wie eine Marionette.  Michael geht oft den anstrengenden Weg und ich glaube, dass man daran gute Regisseure erkennt. Manchmal dachte ich: "Puh zum Glück, morgen nur eine kleine Dialogszene!" Aber dann durfte die Szene nicht auf einer Parkbank am Ganges spielen, sondern bei Michael muss das Gespräch während einer Rikschafahrt durchs Zentrum von Varanasi stattfinden. Was im fertigen Film sehr viel spektakulärer aussieht, was aber beim Drehen alle in den Wahnsinn treibt (bis auf Micha).

Wenn man sich vorstellt, was passiert, wenn man in Hamburg oder Berlin den Verkehr mit einer Filmcrew lahmlegt, dann ist das nichts gegen das Chaos, was man in Varanasi anrichtet. Für den Film nimmt Michael stundenlanges Angehupt und Beschimpft werden in Kauf. Und wenn die Szene dann nur mittelgut wird, weil die Sonne schon zu tief stand, dann wird am nächsten Tag eben alles nochmal gedreht. Anstrengend ... und super!

Die Fragen stellte Manuela Waberski

„In Indien wird viel mehr improvisiert beim Dreh”
Interview mit Heinz Hoenig

Beide Städte liegen an Flüssen, aber ob man in Varanasi dreht oder in Hamburg, ist dann doch ein ziemlicher Unterschied. Und wo zwei so unterschiedliche Kulturen aufeinanderprallen, bleibt es nicht frei von komischen Momenten, oder?

Absolut! In Indien wird viel mehr improvisiert beim Dreh. Unvorstellbar in Deutschland, wo jeder Drehort praktisch hermetisch abgeriegelt wird. Hier erleben wir, wie mitten im Dreh eine Kuh – weiß-schwarz gescheckt, wahrscheinlich aus Schleswig-Holstein (lacht) – vor die Kamera spaziert. Alle bleiben ruhig, lachen und warten ab – denn die Kuh hat Vorfahrt.

In Ihrer Rolle als deutscher Aussteiger „Fluppe“ helfen Sie Ihrem Landsmann Robert nicht nur einmal aus der Patsche. Scheitert Robert an seinem allzu europäischen Blick auf die fremdländische Realität?

Genau so ist es. Mit den typisch deutschen Eigenschaften wie Pünktlichkeit und Organisationstalent kommt Robert hier nicht weiter. Hier herrschen andere Sitten und Gesetze, die er erst nicht wahrhaben möchte. Er beharrt erst mal stur auf seiner eigenen Weltanschauung und eckt damit natürlich gewaltig an und bringt sich auch in Gefahr. Er wird erfahren, dass er seine Einstellungen ändern und loslassen muss – damit konfrontiere ich ihn, als Gewürzhändler Fluppe, in den unterschiedlichsten Situationen.

Sie waren für den Film erstmalig in Indien und haben erzählt, dass Sie während der Dreharbeiten „viel gelernt“ hätten. Was genau meinen Sie damit?

Wie schön und sauber wir es hier in Deutschland haben. Was mich beeindruckt hat, ist der Gewürzreichtum und der Umgang mit Gewürzen.

Die Fragen stellte Manuela Waberski

„Dieses Land hat mich bis zur letzten Sekunde gefordert, gebeutelt und verblüfft“
Statement von Produzent Martin Lehwald

„In Deutschland, da wirst du einfach nur verwaltet, aber Indien ist anders. Indien spürt man …”, sagt der Auswanderer Fluppe (gespielt von Heinz Hoenig) in unserem Film. 

So intensiv, so wuchtig, so andersartig, so aufrüttelnd wie es begann in Indien, so blieb es die gesamten drei Monate lang, bis zur letzten Fahrt zum Flughafen. Obwohl ich schon vor 15 Jahren einmal dort war, hat mich dieses Land bis zur letzten Sekunde gefordert, gebeutelt und verblüfft.
War es damals die unerschütterliche Lebensfreude, das Lächeln und die Drucklosigkeit im Gesicht der Ärmsten und Elendesten dieses Landes, die mich staunen machte, so kam diesmal eine Komponente dazu, die dies Land und diese Gesellschaft inzwischen in der Weltwirtschaft nach vorne katapultiert hat : der Ehrgeiz!

In Indien, das bis heute vom hinduistischen Kastensystem dominiert wird, haben Technisierung und Globalisierung dazu geführt, dass auch Angehörige niedriger Kasten in einflussreiche Positionen geraten sind, Quotenforderungen und Liberalisierungen haben zur Aufweichungen der Restriktionen geführt. Vieles, in diesem knallbunten, oft so gegensätzlichen und alle Religionen dieser Welt beherbergenden Land, ist in Bewegung, auch wenn es andererseits vollkommen archaisch, extrem und rau erscheint.

Wenn man also, wie unsere Hauptfigur Robert, nach Varanasi kommt und sich einbildet, längst zu wissen, wie dieses Land tickt, wie sich sein Puls anfühlt, wie sein Herzschlag klingt, wird man tagtäglich überrascht und eines Besseren belehrt. Erwarte nichts, stelle dich auf alles Denkbare und Undenkbare ein – und du wirst nicht überrascht werden, dich dem Rhythmus dieses Landes hingeben. Nur so hab ich auch die Dreharbeiten mit einem unglaublich professionellen, riesengroßen, zu 80% indischen Team unter der Ägide unseres in beiden Kulturkreisen heimischen Serviceproduzenten in diesem Ameisenhaufen Varanasi ausgehalten: tagtäglich bereit, für immer neue Wunder, die bis zur letzten Busfahrt nicht abrissen, einen immer neu in Atem hielten, einen nie gleichgültig ließen …

Ein Stück weit, waren wir alle wie Robert, haben seine Krisen und seine Metamorphose selbst erlebt. Wir wurden konfrontiert mit Schicksalen und Katastrophen, die unser eigenes Handeln keineswegs bagatellisieren, aber an manchen Stellen Maßstäbe zurechtgerückt haben. Keiner von uns wird, trotz zwischenzeitlicher Verzweiflung, Schwäche oder sogar Krankheit, die Erfahrung dieses aufregenden Drehs missen mögen. Wir hoffen sehr, dass sich unsere Neugier auf den Zuschauer überträgt, der sich mit Robert auf die Suche nach dem Kind des Ganges begibt.

Infos zur Reihe „Fluss des Lebens“

Die Reihe „Fluss des Lebens“, die sich durch hochkarätige Besetzungen auszeichnet, führt die Zuschauer an die bekannten Flüsse und Ströme dieser Erde. In den Geschichten finden sich die Protagonisten in existenziellen Situationen wieder, die ihnen neue Perspektiven auf ihr Leben, die Liebe und andere Kulturen ermöglichen.

Der dritte Film der Herzkino-Reihe „Fluss des Lebens“ taucht ein in die faszinierende Welt Indiens: „Geboren am Ganges“ erzählt von Wünschen und Sehnsüchten und ist zugleich auch die Geschichte einer unmöglichen Liebe. Denn die Begegnung mit der schönen Inderin Parvati, die Robert mit ihrem Wesen und ihrer Andersartigkeit verzaubert, öffnet dem pragmatischen Deutschen das Herz für eine neue Liebe.

Aus der Reihe „Fluss des Lebens“ zeigte das ZDF im Jahr 2013 den ersten Teil „Verloren am Amazonas”, ein Jahr später folgte „Wiedersehen an der Donau“.

Die Video-Interviews im Wortlaut

Interview mit Gaby Dohm an ihrem ersten Drehtag

Was hat Sie an Indien besonders gereizt?

Ich fand es spannend, dass man einen Film am Ganges macht, der das Thema Leihmutterschaft hat. Weil das ein Thema ist, über das man eigentlich viel zu wenig erfährt. Mittlerweile gibt es das ja kaum mehr, aber die Vorstellung, dass man mit einem männlichen Samen von Hamburg nach Varanasi fährt, damit dort eine junge Frau das Kind austrägt, ist für mich fast unvorstellbar. Weil natürlich jede Mutter, sobald sie ein Kind neun Monate getragen hat, dieses Kind nicht wieder hergeben möchte. Ich fand, es ist eben keine nur blumige Erzählung, sondern ein wirkliches Problem.

Das andere Faszinierende ist, dass diese Mutter und ihr Film-Sohn Robert erst nach dem Tod der Tochter beziehungsweise Schwester erfahren, dass hier ein Kind existiert. Ich habe mich immer gefragt: Wie nimmt man das an? Im Text ist ein paar Mal die Rede davon, dass Elvira sich freut und sagt, sie bekommt eine Enkeltochter. Ich glaube, dazu wird man gar nicht so fähig sein. Man kann das gar nicht kapieren, dass hier vor zwei Jahren ein Kind geboren wurde. Elvira sieht es nie, aber es ist ja auch noch blond. Wie man plötzlich sagen kann: „Ich bin Großmutter und ich nehme es mit nach Deutschland!“ – das ist natürlich eine gewisse Naivität.

Aber das Schöne ist, dass diese Frau im Laufe des Films kapiert, dass sie eine völlig falsche Vorstellung von Indien hat. Von einer Heiligkeit und von einer Gläubigkeit – sofort sagen wir „Namaste“ und machen alles so mit. Aber die wirklichen Probleme kapieren wir nicht. Und ich finde es schön, dass man das im Film zeigt.

Eine Szene im Drehbuch, die für Sie ein Schlüsselmoment war?

Wenn sie (Elvira) es schön findet, die Kinder aus einer gewissen Naivität heraus zu fotografieren und zu sagen: „Ja, ich bekomme ein Enkelkind und das wird vielleicht auch so. Und ich kann ihr in Deutschland beibringen, dass man den Männern ganz anders begegnet.“ Und plötzlich merkt sie: „Was mache ich hier eigentlich?“ Gott sei Dank hat sie eine Scheu, die Kinder dann zu fotografieren. Auf der anderen Seite merkt sie, dass die Kinder diese Scheu nicht haben. Die Kinder winken und sind vergnügt und wollen auch mit auf das Foto.

Aber sie hat ja immer noch den Gedanken, dass die Tochter gerade erst gestorben ist. Es ist also schon eine traurige Geschichte: Man geht auf den Spuren der Tochter, die nie erzählt hat, dass sie sich in Indien eine Leihmutter geholt hat. Man fühlt sich als Mutter vielleicht auch ein wenig schuldig, dass man nicht so vertrauenserweckend war, dass eine Tochter einem erzählt, warum sie das Ganze gemacht hat.

Was erwarten oder erhoffen Sie sich von Ihren indischen Kollegen?

Die Hoffnung ist, dass man, dadurch dass man mit einem indischen Team zusammen arbeitet, diese Welt hier mehr begreift, viel erzählt bekommt und eben auch einen Austausch hat. Viel mehr, als man es in einer anderen Geschichte hätte. Ich finde es besonders schön, dass wir nicht so glamouröse Texte haben. Es ist eben nicht „schöne Ferien.“ Es sind Probleme, besonders in einer Stadt wie Varanasi. Ich bin sehr gespannt auf die indischen Kollegen, das sind sicherlich alles wunderbare Schauspieler. Es würde mich interessieren zu erfahren, wie sie es finden, wie wir drehen. Aber auch zu erleben, wie sie spielen.

Wie empfinden Sie die Spiritualität am Ganges?

Wir haben ja eine andere Vorstellung von der Spiritualität. Wir werden immer gleich heilig und wir werden immer gleich andachtsvoll. Es ist faszinierend zu sehen, wie das ganze Leben der Inder einfach spirituell ist. Darum hat es nicht dieses übermäßig Verklärte, es hat diese große Selbstverständlichkeit, die man so nicht erwartet. Man denkt, es ist die Stadt des Todes, es ist dunkel, es ist finster, aber es ist unerhört fröhlich. Es ist fröhliche Musik, es ist eine Heiterkeit, dazwischen sieht man dann wieder einzelne Menschen, die sich konzentrieren und die sich mit Wasser besprühen. Ich finde es sehr besonders, dass wir hier drehen.

Bereitet Ihnen etwas Sorgen vor dem Dreh?

Dass man womöglich wirklich Magen-Geschichten kriegt und sich bei der Hitze nicht genügend konzentrieren kann. Und die Lautstärke natürlich! Es ist wahnsinnig laut hier. Aber ich bin auch sehr gespannt auf diese Menschen, die einen – wie die Kollegen erzählt haben – umringen und alle zuschauen. Das ist ja das Erlebnis an Indien: die Menschenmengen, die sind wir ja gar nicht gewohnt.

Man ist immer etwas aufgeregt, man hat immer ein bisschen Lampenfieber. Ich habe noch nie mit Herrn Hoenig gespielt, freue mich sehr darauf. Mit meinem „Sohn“ Robert hab ich gespielt, also mit Janek. Ich bin ja erst einen Tag da, aber ich fühle mich sehr selbstverständlich aufgenommen.

Wie passt für Sie so eine Story in die „Herzkino“-Reihe?

Ich finde, diese Themen gehören in die Unterhaltung und ich finde darin auch eine Chance, dass man das am Sonntagabend sagt. Aber ich glaube auch, dass die Zuschauer wirklich daran interessiert sind. Das habe ich an dem Film über Demenzkranke („Marie räumt auf“) gesehen. Da würde man ja auch meinen, Sonntagabend schaltet keiner ein. Aber sie haben eingeschaltet und das Thema Leihmutterschaft ist einfach ein dolles Thema, finde ich.

Jede Frau wird sich fragen: „Wie ist das? Würde ich das fertig bringen?“ Einer Frau zu sagen: „Trag das Kind aus“ und ihr es dann nach neun Monaten wegzunehmen. Ich glaube, jede Mutter wird sagen, es ist nicht möglich. Deswegen finde ich es interessant, sich in diesem Film mal über dieses Thema Gedanken zu machen.

 

Interview mit Janek Rieke

Warum haben Sie sich für diesen Film entschieden?

Meine erste Berührung mit diesem Projekt, war als Michael Karen mich anrief und sagte, er hätte einen Film in Indien und mich fragte, ob ich Lust hätte, mitzukommen. Da Michael Karen und ich uns so gut verstehen – das ist unser vierter gemeinsamer Film – und es für mich eine einmalige Art ist, zu arbeiten, hat er von mir innerlich sofort grünes Licht bekommen.

Aber dann kam bei mir die Angst. Denn ich bin doch ein Beton-Junkie: Ich habe es gern rechteckig und perfekt. Indien ist so ziemlich das Gegenteil davon. Es kamen Zweifel, ob ich das wirklich machen sollte. Da kannte ich das Drehbuch ja noch nicht, aber ich hatte eigentlich schon zugesagt, dass ich mit nach Indien fahren würde. Als ich dann aber die Geschichte las – das ist ja ein ganz klassischer Plot, in dem jemand verloren geht und wieder eingefangen werden muss – und wie sie geschrieben war, das hat mir natürlich sehr gefallen. Die Abenteuerlust, die ist das beinhaltet, wenn man nach Indien fährt, war auch nicht ganz hinüber. Es war eine Mischung: ein gutes Buch und der Respekt vor Indien, aber dann auch die größere Lust, das zu wagen und das mit Michael zu machen.

Was hat sie an dieser Geschichte besonders gereizt?

Ich finde es wichtig, dass man in so ein Land reist und einen Film dreht und dabei auch die düsteren und schrecklichen Seiten zeigt. Und eben nicht nur das schöne und das pittoreske oder skurrile Indien. Ich finde es ganz toll, dass eben auch schreckliche Themen angesprochen werden. Ich glaube, dass man vor so einem Hintergrund vielleicht auf eine merkwürdige, schräge Art die Romantik fast besser verträgt, weil man sich danach sehnt. Man sollte zumindest darüber nachdenken, ob immer nur in den Krimis die sozialen Missstände aufgezeigt werden oder ob man nicht auch in einer romantischen Komödie durchaus Themen ansprechen kann, die einen zum Nachdenken bringen.

In unserem Film ist das zum Beispiel dieser Moment, in dem erklärt wird, dass Suri eventuell verkauft werden soll. Ein Kind, das verkauft werden soll, was ohnehin schon jenseits unserer deutschen Vorstellung ist, und dann eben auch womöglich noch in die Prostitution abgegeben wird. Dass es so etwas gibt – ich glaube, das ist uns Deutschen völlig fremd. Ich glaube, dass den Leuten noch nicht einmal klar ist, was Prostitution überhaupt ist. Aber dass ein Kind zur Prostitution gezwungen wird ...

Dass man das in so einem Film anspricht – auch wenn es relativ wenig Zeit des Films in Anspruch nimmt –aber dass es auftaucht, finde ich ganz, ganz toll. Es ist tatsächlich auch schon mehrfach ein Motor gewesen in den Szenen, in denen ich mich gefragt habe: „Warum renne ich jetzt so? Warum will ich dem Kind sofort helfen?“ Es wird eben nicht nur vom Onkel verschleppt, sondern dem Kind droht wirklich ein schlimmes Schicksal. Das war ein Moment, der erst mal nur auf dem Papier stand, der sich beim Arbeiten am Set dann wirklich als hilfreich erwiesen hat.

Wie haben Sie die Unterschiede zwischen Indien und Deutschland wahrgenommen?

Ich hab schon im letzten Jahr in Südafrika gedreht und zehn Jahre zuvor in Kenia. Man sieht dann immer, dass es ganz, ganz andere Modelle von Leben gibt, dass es ganz andere Lebenswege gibt, ganz andere soziale Bedingungen, unter denen Menschen leben ...

Ich bin zum Beispiel einmal hier im Hotel in das Gym gegangen und da waren noch Betten aufgebaut. Man weiß, die Bediensteten schlafen hier. Und ich komme morgens zu früh hier rein – da war keiner mehr – aber wo ist meine Freizeit verbringe, schlafen Menschen. So etwas wirkt länger nach. Auch umgekehrt: Ich nehme ja aus Deutschland Sachen mit hierher und denke darüber nach, dass wir gerade wieder so ein teures Auto gekauft haben. Was hätte man mit diesem Geld machen können? Wenn man sich überlegt, wie man Auto-Kataloge durchblättert und dann noch gern das und dies und das hätte. Und auf einmal sieht man die Menschen hier. Da wird einem schon klar, dass das, was wir in Deutschland leben, auch Wahnsinn ist. Ziemlich abgehoben jedenfalls.

Auf welche Szene freuen Sie sich besonders?

Es gibt immer Szenen, vor denen ich wahnsinnig Angst habe. Alles was mit Musik ist – also immer wenn ich tanzen muss oder singen muss, davor habe ich großen Respekt. Das habe ich schon hinter mich gebracht. Ich habe schon getanzt. Wir hatten zum Glück sehr, sehr liebevolle und nachsichtige Choreografen. Witzigerweise habe ich mich, als ich die Choreografie einigermaßen drauf hatte, richtig auf die Szene gefreut. Und ich glaube, dass es eine tolle Szene geworden ist. Da freue ich mich auf das Endergebnis.

Wie war es, auf dem Ganges zu drehen?

Wenn man in einem Drehbuch liest, dass etwas auf einem Schiff stattfindet, dann ignoriert man es als Schauspieler eigentlich, weil man sich dafür interessiert, wie die Figuren miteinander umgehen. Wenn man dann wirklich am Drehort steht, ist das Boot, das Wasser, das Wetter, zwar nicht entscheidend, aber es hat einen wahnsinnigen Einfluss auf alles.

Ich bin so froh, Pegah steuert das Boot als hätte sie ihr Leben lang nichts anderes gemacht. Michael, der Regisseur, sagt: „Du musst da bei dem Stein landen.“ Und ich bin schon froh, wenn ich das Ufer treffen würde, weil dieser Motor so schwer zu steuern ist. Pegah hat das irgendwie drauf, ich weiß nicht warum. Jedenfalls trifft sie den Stein und bremst auch noch vorher rechtzeitig ab, so dass ich an Land springen und das Boot festmachen kann. Das sieht vielleicht spektakulärer aus, aber die eigentliche Arbeit hat sie. Alles, was sie mit dem Motor macht, ist sensationell. Und dann gibt es die Strömung, die einen auch völlig verrückt machen kann. Pegah nicht, warum auch?

Produktionstechnisch ist es natürlich Wahnsinn, weil man so viele Motivwechsel hat, immer wieder irgendwo neu ankommt und ablegt. Auch das Ablegen – ich bin jetzt über die Bootskante gesprungen und habe mir zum ersten Mal die Füße nass gemacht. Ich bin also schon im Ganges gewesen. Ich freue mich trotzdem immer wieder darauf, wenn ich auf der Dispo sehe, dass heute wieder in irgendeiner Form Boot gefahren wird.

Wir haben ja Kneipenszenen, Szenen in Dörfern und so, aber die Szenen auf dem Boot machen viel Spaß. Vor allen Dingen mit Pegah. Wir sitzen oft da und unterhalten uns.  Wir plaudern, reden über das Leben, sortieren das Leben, planen für Hamburg, für Berlin,  die nächsten Projekte. Das sind dann schöne meditative Momente, wo wir einfach über den Ganges treiben.

Wie empfinden Sie die Spiritualität in Varanasi?
Ich hatte heute zum ersten Mal die Sehnsucht, tatsächlich in den Ganges zu steigen. Weil wir hier mit dem Boot so schön angekommen sind, da war das Wasser klar und schön. Denn wenn man direkt am Ufer ist, ist das natürlich ein bisschen eingesaut. Man tendiert vielleicht dazu, das als Atheist ein bisschen zu belächeln. Und es packt mich hier nicht so die Faszination, für die allgegenwärtige Religiosität. Da bin ich einfach anders erzogen und groß geworden. Für mich ist das eher Hokuspokus.

Und ich bin einmal auch ziemlich muffig an den Gads entlang gegangen und dachte: „Ja gut, ein Krematorium, na und? Überall ist ein bisschen was hingemalt,  ich darf mit meinen Turnschuhen da nicht drauf, gut! Ich respektiere das, aber für mich ist das in meinen Augen Hokuspokus.“ Wenn ich dann aber ehrlich bin, gibt es Momente, in denen ich denke: „Wenn du den Wecker jetzt mit der rechten Hand aus machst, wird das ein ganz schlimmer Drehtag.“ Oder es gibt den Moment, in dem ich denke:  „Entweder du isst jetzt auf oder der Fahrer fährt heute gegen den Baum.“ Also es gibt dieses völlig Irrationale, Abergläubische, Mystische, was genauso in mir lebt. Wo ich genau das, was hier zum Teil gelebt wird, kenne und mir überlegen muss, wie gehe ich damit um oder wie bändige ich das? Kann ich mir das auch eine Kraft geben?

Also wenn ich zum Beispiel den Wecker mit der richtigen Hand ausmache, taucht in mir irgendeine komische Form von Hoffnung auf oder es ist zumindest eine Form von Beruhigung da, dass der Drehtag wahrscheinlich gut laufen wird. Dass Robert, der in Indien ankommt und sagt, dass das alles Quatsch ist, da hinkommt, dass er am Ende ins Wasser steigt, und darauf hofft, dass ihm das irgendwie weiterhilft – das finde ich spannend. Wenn ich ehrlich bin, dann gibt es diese Seite auch in mir. Obwohl ich gerne zu den klaren, rationalen Menschen gehören möchte, die das weit von sich weisen.

Welche Erkenntnis aus Indien möchten Sie mit nach Deutschland nehmen?
In unserem Beruf weiß man ja nie, wie lange es gut geht wie lange man gemocht wird, gewollt wird. Ob man in 20 Jahren immer noch so viel spielen kann. Ob man zu den 70-jährigen Opis gehört, die dann noch gebucht werden. Oder ob man dann aus dem Beruf rausgedrängt wird. Was eventuell ja auch mit einem sozialen Abstieg verbunden wäre. Wenn man sieht, unter welchen Bedingungen hier Leute glücklich sind oder zumindest klarkommen ­– und zum Teil scheinbar auch gut klarkommen – und improvisieren, das wäre vielleicht etwas, was man sich wünschen oder was man vielleicht mit nach Hause nehmen könnte. Oft verpufft das ja. Aber es ist natürlich auch ein Erlebnis. Das lebt vielleicht in einem weiter, dass man gesehen hat, wie man auch ohne wahnsinnig viel Geld über die Runden kommt.

 

Interview mit Pegah Ferydoni

Was hat Sie an dieser Geschichte besonders gereizt?

Für mich ist es ein ganz wichtiger Punkt, dass wenn ich einen Film mache, er nicht nur reine Unterhaltung ist, sondern dass er auch einen gewissen Tiefgang hat. Oder ein Thema, das mich berührt. Dass er vielleicht auf schwierige gesellschaftliche Dinge hinweist, dass er bestenfalls den Zuschauer berührt und den geneigten Zuschauer aktiviert, Missstände zu bekämpfen.

Das Thema Leihmutterschaft hat mich extrem berührt. Auch das Schicksal dieser Frauen, die aus ärmlichsten Verhältnissen kommen und dadurch dass sie dann reichen Paaren, meistens aus dem Westen – es gibt aber allerdings auch indische Paare, die das machen – als Leihmutter dienen und dadurch Geld verdienen,  um sich und ihre Familie durchzubringen. Das war für mich ein ganz, ganz wichtiger Punkt, um bei dieser Geschichte mitzumachen.

Wie haben Sie sich auf die Rolle der Leihmutter „Parvati“ vorbereitet?

Wenn ich mir die Geschichte von Parvati ansehe, ist sie eine Frau, die auf den ersten Blick gesehen vielleicht gar nicht so weit weg ist von mir. Es gibt viele Dinge, die uns verbinden. Aber ich kann nur von Glück reden, nicht in ihrer Situation zu sein, dass ich ein sehr, sehr privilegiertes, geregeltes Leben habe, dass ich in Deutschland lebe und wirklich keine Ahnung habe, was das bedeutet, so arm zu sein, dass man als junge Frau seinen Körper hergibt und ein Kind austrägt, das man dann weggeben muss.

Es interessiert mich, warum Frauen in diesem Land es trotzdem machen und was sie dabei empfinden. Es ist ja in Indien sozusagen nicht verboten. Allerdings ist es, finde ich, immer eine extreme Grauzone, wenn Frauen ihren Körper, sei es zur Prostitution als auch zur Leihmutterschaft, hergeben oder verkaufen. Das ist eine Sache, für die ich einfach Bewusstsein schaffen möchte. Es sind ja schließlich wir Europäer, wir Westler, die mit unseren Vorstellungen von Familiengestaltung und Familienplanung herkomme. Mit unserem Geld. Und die Frauen mehr oder weniger dazu bringen, das für uns zu tun. Da ist etwas, wovon ich mich einfach nicht entkoppeln kann. Ich habe das Gefühl, das hat auch viel mit unserem Leben zu tun.

Hier in Indien zu sein ist unglaublich. Wir sind quasi am anderen Ende der Welt. So ein Land wie Indien hab ich noch nie erlebt. Es ist ein Kontinent für sich, wenn nicht sogar ein eigener Planet. Die Dinge laufen hier wirklich anders. Und trotzdem gibt es diese Kinder, die hier – ich kann es gar nicht anders sagen – hergestellt werden um dann zu uns nach Deutschland zu kommen, um den Wunsch einer deutschen Familie nach Kindern zu erfüllen. Das ist Wahnsinn, wenn man sich vorstellt, wie die Welt hier so zusammenkommt. Deswegen kann ich mich davon auch gar nicht distanzieren. Ich hab das Gefühl, dass Vieles, was hier läuft, auch mit uns zu Hause zu tun hat.

Auf welche Szene freuen Sie sich besonders?

Ich freue mich wahnsinnig auf jede Szene, die im Boot spielt, auf dem Wasser. Ich darf ja ein Motorboot lenken und ich weiß nicht, wie viele Ausländer oder Touristen jemals in diesen Genuss und in diese Ehre kommen werden, ein Boot über den heiligen Ganges zu steuern. Das ist unfassbar. Ich freue mich auf jede Szene mit meinem Kollegen Janek.

Und wirklich Schiss habe ich vor allen Szenen, in denen ich Hindi sprechen muss und in denen ich tanzen muss. Weil wir teilweise von tausenden von Menschen umstellt sind am Filmset, die den ganzen Tag in einem unglaublichen Langmut da stehen und uns beobachten. Und für die es nichts Schöneres gibt, als eine Abwechslung von ihrem Alltag zu haben und die dann sehen, dass jemand wie ich Hindi sprechen muss. Vor so vielen Augen geprüft zu werden, da bin ich schon sehr nervös.

Wie haben Sie sich auf die Hindi-Dialoge vorbereitet?

Ich hätte in meinen wüstesten Träumen nicht erahnt, dass ich jemals einen Vorteil gegenüber Heinz Hoenig haben werde. Dadurch dass meine Muttersprache Persisch ist, ist sie dem Hindi nicht so ganz fremd. Es ist dieselbe Sprachfamilie und ich verstehe jedes vierte oder fünfte Wort in Hindi. Es wird halt anders ausgesprochen und die Sprachmelodie ist anders, aber ich habe definitiv einen Vorteil und versuche so gut wie möglich mein Hindi ohne iranischen oder persischen Akzent zu intonieren. Wohingegen mein Kollege Heinz Hoenig, glaube ich, Blut und Wasser schwitzt, weil er einen deutschen Aussteiger spielt, der sich hier schon länger aufhält und dann auch ganze geschliffene Sätze auf Hindi von sich geben muss.

Wie fühlt es sich an, am Ganges zu drehen?

Seit der Antike bis zum Mittelalter galt der Ganges als das Ende der Welt. Die Menschen konnten sich eigentlich gar nicht vorstellen, dass es darüber hinaus noch weitergeht. Sie haben sich vorgestellt, der Ganges sei der Grenzfluss zum Paradies. Das hat, glaube ich, in Europa und im Vorderen Orient schon seit hunderten von Jahren die Menschen beflügelt – kulturell, religiös und spirituell. Jetzt hier zu sein, am Ganges, am heiligsten Fluss Indiens, und dann ausgerechnet in Varanasi, der heiligsten Stadt in Indien, der heiligsten Stadt des Hinduismus, die Stadt, in die die Menschen zum Sterben kommen, das ist schon etwas, was mich echt aus den Socken haut.

Etwas, von dem ich auch im Vorfeld nicht wusste, wie ich damit umgehe, wenn ich hierherkomme und dem Leben und dem Sterben in dieser Stadt begegne. Was dieser Ort mit einem macht, ist etwas, das wirklich schwer in Worte zu fassen ist. Ich bin jetzt seit etwa zwei Wochen hier, sodass ich das Gefühl habe, dass ich so langsam ankomme. Aber ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, wie ich mit diesen Gefühlen und dem, was ich hier erlebe, nach Hause gehe. Ob sich dann nicht zu Hause einiges wieder einnordet, was man so vermeintlich als Luxusproblem hat. Da bin ich sehr gespannt drauf.

Ein Erlebnis, das ich hier hatte: Abends gibt es hier an den Gads eine Art Feuerzeremonie. Das Feuer ist ja auch heilig und reinigend und das Licht wird sozusagen ins Wasser gelassen. Das hat mich einfach überwältigt. Ich hierhergekommen und musste weinen, weil ich so voller Emotion und Spiritualität war, die ich aber überhaupt nicht einordnen konnte, weil ich ehrlich gesagt null Ahnung hab von dem, was die Leute hier treiben. Das ist aber etwas, was extrem mitreißend ist. Und der Fluss ist mitreißend und für mich war auch die Geschichte mitreißend: Die Erlebnisse und die Abenteuer, die Robert und Pavarti auf dem Fluss erleben. Von daher war es für mich zwingend notwendig, diesen Film zu machen.

Was werden Sie von Ihrer Zeit in Indien mit nach Deutschland nehmen?

Ich führe tatsächlich zum ersten Mal in meinem Leben eine Art Drehtagebuch, weil die Erlebnisse einen so überwältigen. Hier passiert so viel parallel – ich habe noch nie so viele Menschen auf einem Haufen gesehen. Und ich hab noch nie so viele Dinge auf einmal lernen müssen – sei es tanzen oder Hindi sprechen, eine fremde Sprache lernen, sogar die Schrift zu lernen, ein Motorboot zu steuern und dabei noch halbwegs meinen Text sprechen zu können. Ich hab das Gefühl, dass ich jetzt so einigermaßen angekommen bin und bin wahnsinnig gespannt, was da noch so auf uns zukommt.

 

Interview mit Heinz Hoenig

Was hat Sie am Drehbuch besonders gereizt?

Als ich das gelesen hatte, fiel mir auf, dass mit dem Hauptdarsteller ein Mensch losgeht, der etwas will, und meint, er hätte alle Rechte dafür gepachtet. Er fährt los nach Indien, sucht ein Kind und wird mit einer ganz anderen Wahrheit, einer richtigen Wahrheit, überrascht. Er muss sich dann ein bisschen ergeben, was ihm schwer fällt. Wenn so etwas passiert, finde ich das immer sehr gut: Dass etwas in einem Menschen drin passiert, an dem er nachher einfach nicht mehr dran vorbei gehen kann, weil das nun mal die Wahrheit ist. Auch dass das, was er sich vorher eingebildet oder zurecht gelegt hatte, was für ihn die Wahrheit ist, gebrochen wird. Sowas ist immer sehr gut. Ich helfe da mit, mit meiner kleinen Rolle, mit meinen Auftritten. Ich glaube, die sind auch sehr entscheidend für ihn (Robert).

Wie haben Sie bislang Indien als Drehort wahrgenommen?

Ich weiß, dass Indien ein sehr großes, großes, großes Land ist. Wir sind hier in Varanasi , das ist eine heilige Stadt. Hier passieren Sachen, die wir so als Europäer oder als Deutsche gar nicht nachvollziehen können. Es ist einfach total anders. Ich bin vom Flughafen abgeholt worden und wir sind gleich zum Drehplatz gefahren. Alleine auf dieser Fahrt habe ich nur noch mit den Augen geschlackert - mit den Ohren auch, denn laut ist es ja auch auf der Straße. Aber ich traute wirklich meinen Augen fast nicht: Was da alles los war auf der Straße! Es heißt ja nicht, dass es in ganz Indien so ist, aber das ist, was ich eben erlebt habe. Das hat sich bis heute nicht verändert. Dass hier links gefahren wird, weiß man, aber wenn man hier ist, fährt man eben auch nicht immer links. Es ist hier wirklich ganz anders. Es ist eine total andere Welt und man muss entweder hier geboren werden, um das zu verstehen, oder lange hier sein. Aber ich glaube, ich könnte das nicht.

Wie realitätsnah haben Sie das Drehbuch empfunden?

Wenn man schon hier dreht, eine Geschichte hierher verpflanzt, dann sollte man auch die Umgebung so beschreiben, dass sie "más o menos" gültig ist und keinen dummen Zauber hinlegen. Da würde ich auch nicht mitmachen, nicht gerne jedenfalls. Es ist so: Hier sind die Kasten in Indien, hier ist arm und reich. Ghandi hat viel getan damals. Die Engländer haben vorher noch mehr getan, allerdings viel Mist. Sie haben eine Milliarde Menschen unterdrückt. Das muss man sich mal vorstellen - und das hab ich auch als Text: Eine kleine Hand voll whiskeyverwöhnter Briten unterdrückt eine Milliarde Menschen. Das ist alles hier passiert. Deswegen: Meine Texte sind stimmig. Und wenn nicht, dann haben wir sie stimmig gemacht.

Aber wir haben diese Story um einen Mann und die Begleiterscheinungen, das finde ich sehr interessant. Wir sind hier am Ganges, wo etwas passiert, was man sich in Deutschland fast gar nicht vorstellen kann: Hier werden jeden Abend Leichen verbrannt. Das ist eine Heiligkeit - die Asche wird in den Ganges geschmissen. Ich habe gehört, dass wenn ein Mensch hier von einer Schlange gebissen wird - und das passiert nicht selten - werden Steine an ihm befestigt und er wird den Ganges runtergelassen. Er wird nicht verbrannt. All diese Heiligtümer, von denen wir keine Ahnung haben, die passieren hier. Durch den Inhalt des Films lerne ich hier sehr viel.

Wie ist es, in Indien zu drehen, mit dieser Crew?

Der krasseste Drehtag war gestern. Man muss sich das vorstellen: Ganz, ganz schmale Gassen. Also noch schmaler als jetzt alle denken - und dann noch schmaler. Überall Geschäfte, die alles mögliche verkaufen, meistens Stoffe und Gewürze. Wir drehen in den kleinen Gängen - das war ungefähr das Krasseste, was ich erlebt habe und ich habe einiges erlebt.

Eine Filmcrew, die nicht aufgibt: Mit drei Kameras, richtigen Kamerageschützen, wird hier umgegangen – das kann man gar nicht erklären. Sie können es einfach. Vor allem ist hier noch nie einer ausgeflippt: "Das geht so nicht! Ich mach das nicht mehr mit! Sorg dafür, dass da hinten Ruhe ist!" Das gibt es hier nicht. Da fahren auf einmal ein paar Mopeds quer durch eine kleine, dünne Gasse. Da wird die Kamera kurz mal weg geschoben, das Moped fährt durch und dann geht es weiter. Dann kommt auf einmal die heilige Kuh. Hey, die hat Vorfahrt, überall! Das passiert in einer Szene ungefähr dreimal, wenn du Pech hast.

Gestern habe ich eine Kuh gesehen, die kam glaube ich aus Ostfriesland, die war weiß-schwarz gescheckt - da blickst du nicht durch! Wir lachen alle, wir lassen uns nicht kaputtdonnern von irgendwelchen Geschehnissen. Vor allen Dingen die Kamera und die Crew nicht. Die wissen Bescheid, da geht alles seinen Lauf. Dadurch wird man auch als Spieler ruhiger. Das kann man annehmen und sagen: "Die Jungs und Mädchen haben das hier im Griff. Da mache ich mit." Das hilft einem, weil man sich wirklich stark konzentrieren muss. Den gestrigen Tag werde ich nie vergessen. Was da in den engen Gassen alles passiert ist, da könnte man einen eigenen Film drüber machen. Ich kann jetzt viel reden, man muss es gefühlt und gesehen haben. Ende Banane (lacht).

Wie nehmen Sie die Unterschiede zwischen Deutschland und Indien wahr?

Nach all dem, was ich jetzt gesehen und gefühlt habe, weiß ich, dass das nicht in 20 Jahren veränderbar ist. Denn es gehört schon längere Zeit dazu, hier etwas hinzukriegen, was wir im Alltag in Deutschland als normal empfinden - also uns geht es gut. Ich sage einfach mal, uns geht es gut. Es mag jeder seine Probleme haben. Wenn man keine hätte, dann wäre das Leben langweilig. Es gibt Ungerechtigkeiten überall in der Welt. Du musst dich fit machen, du musst Kräfte haben, nicht nur körperlich, sondern auch Abwehr betreiben in dem Sinne, dass du dich ein bisschen gescheit machst. Aber das ist überall dasselbe.

Nur was ich hier erlebt und gesehen habe - ich weiß nicht, wie ich das reparieren kann. Ich bin auch die falsche Person dafür. Ich habe hier gar nichts zu suchen. Das machen die Leute hier. Noch mal wiederholt: Die Inder lachen gerne, sie haben ihre Götter, das merkt man hier auch immer mehr. Und ich habe auch manchmal gesagt: "Mensch Kinder, wenn ihr solche Götter habt, wo sind sie denn? Warum machen die Götter nichts für euch?" Ich kann jetzt nur fantasieren, aber die sehen das ganz anders. Sie merken das eigentlich auch gar nicht, glaube ich. Es ist ziemlich schwierig: Ich bin fünf Tage in Indien und ich kann mir, glaube ich, nicht erlauben, hier großes Statements loszulassen. Das will ich hiermit auch gar nicht machen.

Wie empfinden Sie die Spiritualität in Varanasi?

Diese Spiritualität und diesen Glauben, die Götter und so, das ist alles normal. Das ist also nicht sozusagen "draufgepapstet" wie beim Vatikan. Nein, man spürt, dass das das ganz normale Leben für sie ist. Ich hab auch gespürt, dass ich Respekt davor habe. Das ist für mich wichtig: Dass ich das spüre, ohne dass ich etwas sage, oder dass sie mich bekehren müssen. Das ist auch schön.

Welche Erinnerung werden sie von diesem Dreh mit nach Deutschland nehmen?

Ich bin positiv erschüttert, sagen wir mal so. Was ich hier erlebe, nimmt kein Ende. Und ich glaube, das hat auch Folgen, Nachwirkungen. Ich weiß nicht wie lange, aber ich glaube, sehr lange. Ich werde mich immer wieder daran erinnern, was ich hier alles gesehen habe – in Sekunden, um die Ecke. Vieles davon hat der Film sicherlich in sich drin - abgesehen von der Story – dass man dieses Begleitmoment Indien erhaschen kann. Man sollte es auch erhaschen.

Ich glaube, dafür sollte man sich Zeit nehmen. Auf alle Fälle werden Überraschungen kommen. Das garantiere ich so wie ich garantieren kann, dass ich morgen wieder etwas erleben werde, das ich jetzt noch nicht weiß. Ich habe das Gefühl, jetzt schon vier Wochen hier gewesen zu sein, obwohl ich insgesamt anderthalb Wochen da war. Aber es sind Geschehnisse, wo ich glücklich bin, dass ich sie erleben darf. Es war und ist auf alle Fälle kein normaler Dreh. Es ist eine ganz andere Kulisse - also dieses Theater gibt es in Deutschland nicht.

Ich wünsche allen viel Spaß, die mit der Geschichte auf die Reise gehen, mit der Geschichte und mit Indien, mit Varanasi. Das ist jetzt keine Werbung von mir, das ist jetzt einfach eine Warnung (lacht).

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