Geheimnisse der digitalen Revolution

Sechsteilige Doku-Reihe

Ein Leben ohne Computer? Das kann sich heute kaum noch jemand vorstellen. Egal ob Smartphone, Tablet oder ein schnöder Fahrkartenautomat - die kleinen Elektrogehirne haben einen wahren Siegeszug mitten in unseren Alltag hinter sich. Doch wer hat den Computer erfunden? Und was ist eigentlich zwischen visionären Garagen-Tüfteleien im Silicon Valley, schrillen Lan-Partys in den 90er-Jahren und unserem heutigen Internet-Zeitalter geschehen? In sechs Teilen beantworten Memo Jeftic und  Sebastian Nuss in "Geheimnisse der digitalen Revolution" alle Fragen rund um die Rechenmaschinen.

  • ZDF info, 11.09.2016, 20.00 Uhr

    Texte

    ZDFinfo-Sendetermine & Stab

    Montag, 3. Oktober 2016, 14.15 Uhr

    Teil 1: Der Traum von der klugen Maschine

     

    Montag, 3. Oktober 2016, 15.00 Uhr

    Teil 2: Siegeszug der Rechenmonster

     

    Montag, 3. Oktober 2016, 15.45 Uhr

    Teil 3: PC's erobern die Welt

     

    Montag, 3. Oktober 2016, 16.30 Uhr

    Teil 4: Spieler, Hacker, Nerds

     

    Montag, 3. Oktober 2016, 17.15 Uhr

    Teil 5: Multimedia und Internet

     

    Montag, 3. Oktober 2016, 18.00 Uhr

    Teil 6: Freiheitskämpfer und Verbrecher

     

     

    Stab

    Buch:Memo Jeftic, Sebastian Nuß  
    Produktion:k22film&entertainment
    Redaktion:Michael Gries, Antje Böhning-Nüsse
    Länge:jeweils ca. 44 Minuten

    "Eine Doku-Reihe, die Nerds und Normalos fesseln wird"
    Vorwort von Redakteur Dr. Michael Gries

    Heute ist die Benutzung eines Computers – oder von Alltagsgeräten wie Smartphones und Navis, in denen sich ganz unauffällig werkelnde Hochleistungsrechner verbergen – etwas völlig  Selbstverständliches. So selbstverständlich, dass viele sich kaum noch vorstellen können, dass es eine Zeit gab, in der die Rechenmaschinen als bedrohlich, fremd, unbeherrschbar oder unnütz galten. Wer heute zwischen Vierzig und Sechzig ist,  hat diese historische Phase der kritischen Betrachtung aber sicher noch in Erinnerung. Und unter den Groß- und Urgroßeltern gibt es sogar noch einige, die sich an ein Leben ganz ohne Computer entsinnen oder "diesen Dingern" bis heute noch keinen Platz in ihrem Alltag eingeräumt haben.  Dabei stellt die digitale Revolution die wohl heftigste Umwälzung der Menschheit seit der Industrialisierung dar.

    Es wird also Zeit, den Ignoranten einmal zu zeigen, was da in den letzten Jahrzehnten Großartiges und Erschreckendes geschehen ist, den Skeptikern zu verdeutlichen, wie sehr sich Computer von Werkzeugen der Macht zum politischen und Wissens-Instrument gewandelt haben, und die digital natives einmal an die Ursprünge und Motive der Schöpfer ihrer schönen App-Welt zu erinnern.  Kein geringer Anspruch für eine Dokumentationsreihe, auch wenn sie sich 6 mal 45 Minuten Zeit nehmen darf. Und keine geringe Aufgabe für die Autoren Sebastian Nuß und Memo Jeftic, selbst wenn die beiden durch jahrelange Erfahrungen als Macher von Fernsehfilmen rund um Computer, Spiele und digitale Medien nur so übersprudeln vor Fachwissen. Dass sie es am Ende doch geschafft haben, eine Doku-Reihe zu machen, die sowohl Nerds als auch Normalos fesseln wird, ist nicht nur ihrer großen Ausdauer zu verdanken, monatelang mit hochkarätigen Insidern Interviews zu führen, Bildmaterial aus den unterschiedlichsten Quellen auszugraben und treffende Erklär-Animationen zu entwickeln. Es bedurfte auch der Geduld, mit meiner Redaktionskollegin Antje Böhning-Nüsse und mir ausführlich um die richtige Balance zwischen Informationsgehalt und Allgemeinverständlichkeit zu ringen. Nicht selten zeigte sich dabei, wie persönlich und unterschiedlich jede/r von uns die digitale Revolution selbst erlebt hat. Was für den einen tatsächlich ein "Geheimnis" ist, mag ein anderer längst wissen. Aber wir sind zuversichtlich, dass es sogar für eingefleischte Geeks noch Neues zu entdecken gibt.

    Die Geschichte von den ersten Ideen für programmierbare Rechenmaschinen bis zur vernetzten Gesellschaft, von visionären Außenseitern bis zu Whistleblowern und Web-Milliardären ist, gemessen am Zeitraum, keine besonders lange. Und doch ist in diesem Zeitraum so vieles passiert, was man beim Publikum nicht als bekannt voraussetzen kann, dass die Dokumentationen allerhand Technisches zu erklären und chronologisch ins Zeitgeschehen einzuordnen haben. Waren es in der Frühzeit der Industrialisierung noch die Ingenieure, die das größte Interesse an besseren Rechenmaschinen hatten, kamen seit Anfang des 20. Jahrhunderts immer mehr militärische Interessen ins Spiel. Es ging um leistungsfähigere Waffen, aber auch sichere Ver- und Entschlüsselung von Information, schließlich sogar um die völlig neuartige Kernphysik.

    Ins Leben "normaler" Menschen drangen Computer erst vor, als Buchhaltung, Bankenwesen und Behörden ihren Nutzen erkannten und gigantische Rechenmonster kauften. Doch bis jeder einen "persönlichen" Computer, den PC, sein Eigen nennt, ist es da noch ein langer Weg, auf dem schillernde Persönlichkeiten wie Bill Gates und Steve Jobs eine Rolle spielen und eine Region in Kalifornien als "Silicon Valley" zum Inbegriff einer Milliardenindustrie wird. Nicht zu vergessen: die deutsche Perspektive. Immerhin hat der Deutsche Konrad Zuse den ersten funktionierenden Digitalcomputer der Welt gebaut, der Informatiker Heinz Nixdorf ein weltweit erfolgreiches Unternehmen gegründet, von dem noch immer etliche Bankautomaten stammen, und der Chaos Computer Club die deutsche Sprache um den Begriff des Hackers bereichert und immer wieder für öffentlichen Wirbel gesorgt. Angesichts der Vorratsdatenspeicherung  und des unbedarften Umgangs der "Generation Smartphone" mit persönlichen Daten lohnt es sich, an die Ursprünge der so genannten Rasterfahndung zu erinnern.

    "Die Geheimnisse der digitalen Revolution" ist weder eine Technik- noch eine Geschichts- Doku-Reihe, sondern die einzelnen Teile schildern mit unterschiedlich starker Gewichtung auf gesellschaftliche und technologische Aspekte, wie sich politische, ökonomische und kulturelle Verhältnisse und technischer Fortschritt gegenseitig bedingen. Vom viktorianischen Gründerzeitalter, in dem Charles Babbage und Ada Lovelace geniale Erfindungen machten, bis ins 21. Jahrhundert, in dem jeder über Nacht zum Youtube-Star werden kann.

    Teil 1: Der Traum von der klugen Maschine

    Computer gehören heute zum Alltag. Doch was ist ein Computer überhaupt? Um diese Frage zu beantworten, unternimmt die erste Folge der Reihe "Geheimnisse der digitalen Revolution" eine Reise in die Vergangenheit. Zu erleben ist, wie Charles Babbage und Ada Lovelace bereits im 19. Jahrhundert die visionären Grundlagen für den Computer von heute legten. Ebenfalls schauen die Zuschauer Konrad Zuse über die Schulter, der in den Wirren des Zweiten Weltkriegs den ersten Computer baute. Von den handlichen Geräten, die wir heute nutzen, sind diese ersten elektronischen "Meisterleistungen" rein äußerlich noch weit entfernt, aber die Gemeinsamkeiten sind größer als man denkt.

    Interviewpartner in dieser Folge sind unter anderen: George Dyson, Historiker und Buchautor; Horst Zuse, Informatiker und Sohn von Konrad Zuse; Jochen Viehoff, Direktor "Heinz Nixdorf MuseumsForum"; Paul Ceruzzi, Historiker, "Smithosnian National Air and Space Museum".

    Teil 2: Siegeszug der Rechenmonster

    Noch kann man sie nicht im Laden kaufen, doch in den 50er Jahren erblüht ein rasant wachsender Computer-Markt. In der zweiten Folge der Reihe "Geheimnisse der digitalen Revolution" sind die Elektronengehirne nicht mehr nur Rechenwerkzeuge von Wissenschaftlern, sie übernehmen Aufgaben in der Wirtschaft. Eine Firma, die bisher auf Lochkarten und Bürosysteme spezialisiert war, erobert den neuen Markt im Sturm: IBM.

    Das lässt einen ehrgeizigen deutschen Ingenieur nicht ruhen: Heinz Nixdorf stampft in den 50ern eine deutsche Computer-Branche aus dem Boden, die vorher gar nicht existierte. In den USA unterdessen wird dank des zahlungskräftigen Verteidigungsministeriums ein wahre Forschungslawine losgetreten, aus der neben dem Computer-Chip noch eine revolutionäre Entwicklung hervorgeht: vernetzte Computer, die die Grundlage für das Internet von heute bilden. Das alles hat sogar geografische Auswirkungen, denn die Pfirsichhaine um Palo Alto weichen immer mehr Büros und Entwicklungslaboren. So geht schließlich eine ganze Region als "Silicon Valley" in die Computergeschichte ein.

    Gesprächspartner sind in dieser Folge unter anderen: Jochen Viehoff, Direktor "Heinz Nixdorf MuseumsForum"; Paul Ceruzzi, Historiker, Kurator "Smithosnian National Air and Space Museum"; Christian Berg, Biograf Heinz Nixdorf, Heinz Nixdorf MuseumsForum; George Dyson, Historiker und Buchautor; James MCNiven, Inhaber von "Buck's of Woodside" im Silicon Valley.

    Teil 3: PC's erobern die Welt

    Ein Computer steht heute in jedem Büro und jeder Wohnung. Zu verdanken ist das allerdings nicht den, sondern einer bunten Mischung aus Hippies, Hobbybastlern, Außenseitern, Nerds und Verrückten. Denn Ende der 60er, inmitten der Hippie- und Protestbewegung an der Westküste der USA, formierte sich eine Keimzelle, die den Computer aus den Forschungsinstituten und Banken befreite. Es sind die Legenden der Computergeschichte wie Steve Wozniak, Bill Gates und Steve Jobs, deren Visionen den Computer zu dem gemacht haben, was er heute ist.

    In der dritten Folge "Geheimnisse der digitalen Revolution" sind die Zuschauer hautnah dabei, wenn der vergessene dritte Apple-Gründer von der nicht ganz so einfachen Herausbildung eines Weltkonzerns erzählt. Und auch die fortschrittlichen Experimente von Doug Engelbart, die 1968 einem Science-Fiction-Film hätten entstammen können, verblüffen. Zudem bietet Lee Felsenstein, der Vorsitzende des legendären Homebrew Computer Clubs, an dem kein Computernerd in den 70ern vorbeikam, amüsante Anekdoten.

    Gesprächspartner in dieser Folge sind unter anderem: Lee Felsenstein, Vorsitzender "Hombrew Computer Club"; Daniel Ichbiah, französischer Journalist und Publizist; Butler Lampson, Ingenieur, Xerox Parc; George Dyson, Historiker und Buchautor; Trevor Pinch; Musikhistoriker, Corenll University; Ron Wayne, Apple-Gründer; John Romero, Spielentwickler "Doom"; Tiemo Eddiks, Direktor "Oldenburger Computermuseum". 

    Teil 4: Spieler, Hacker, Nerds

    Eine Kindheit in den 80ern: Die Hobbys sind Lesen, Malen und Fahrrad fahren. Zu Weihnachten gibt es kratzige Pullis, Hörspielkassetten und mit etwas Glück vielleicht auch einen C64! Die 64-Kilobyte-Speicher des vielleicht erfolgreichsten Heimcomputers der Geschichte machen zwar so einiges möglich, trotzdem werden auf dem Commodore 64 fast ausschließlich Spiele gezockt. Die Computerspiele-Journalisten von Rocket Beans TV aus Hamburg erzählen mit leuchtenden Augen, wie es damals war, als die Rechner heilig waren. Doch auch in der Erwachsenenwelt ereignet sich in den 80er-Jahren Revolutionäres: Steve Jobs und Bill Gates ringen um die grafische Benutzeroberfläche, die sie beide gar nicht erfunden haben - ein Drama in mehreren Akten. Doch am Ende bekommen die Computer endlich ein Gesicht. Gesprächspartner: Gregor Kartsios, Computerspiele-Journalist, Rocket Beans TV; Etienne Gardé, Computerspiele-Journalist, Rocket Beans TV; Nils Bomhoff, Computerspiele-Journalist, Rocket Beans TV; Paul Ceruzzi, Kurator, Smithsonian's National Air and Space Museum; Klaus Schleisiek, Mitbegründer des Chaos Computer Club; Steffen Wernéry, Chaos Computer Club; Jürgen Reents, Politiker Bündnis 90/Die Grünen; Daniel Ichbiah, französischer Journalist und Publizist; Wolfgang Tress, Science-Fiction-Experte der Buchhandlung Otherland; Simon Weinert, Science-Fiction-Experte der Buchhandlung Otherland; Klaus Schleisiek, Mitbegründer des Chaos Computer Club.

    Teil 5: Multimedia und Internet

    In den 90ern wird nächtelang wild gezockt: Ausgestattet mit Pizza, Cola und natürlich dem PC geht es zur LAN-Party in die Dorfturnhalle. Computerspiele sind komplexe Unterhaltungsprodukte und fordern nicht nur die Hardware kontinuierlich. Unterdessen werkelt im Kernforschungszentrum CERN Physiker Tim Berners Lee an einem Projekt, das den nächsten Schritt der Computerrevolution einleiten wird. Er nennt es "ein System um Forschungsdaten zugänglicher zu machen" - heute bekannt als "World Wide Web". Doch wie viel mehr muss ein Rechner in den Neunzigern leisten, um für das fähig zu sein, was als Schlagwort eine ganze Dekade prägt? Für Multimedia. Über die Bildschirme zucken animierte Gifs. Laut, schrill und bunt sind die frühen WWW-Tage. Genauso wie das Werkzeug, mit dem man in den 90ern durchs neue Netz saust: Microsoft bringt Windows 95 auf den Markt, das den Heim-PC zur Multimedia-Station macht. Mit dabei ist der Browser Internet Explorer. Für die Entwickler des Konkurrenz-Browsers Netscape Grund genug zu klagen. Der "Browser War" entbrennt. Am Ende versinkt Netscape im Strudel der Geschichte und der Internet Explorer wird zum meistgenutzten Browser der Welt. Trotzdem wird das WWW noch immer von vielen Freiwilligen entwickelt, die den Spirit der 70er hochhalten. Einer ihrer Vordenker: Richard Stallman. Und auch Steve Jobs betritt wieder das Parkett, indem er die Computer von ihrer Hässlichkeit befreit und mit seinem Erzfeind einen Friedenspakt schließt.

    Gesprächspartner in dieser Folge sind unter anderen: Michael Rotert, Internetpionier und Empfänger der ersten E-Mail in Deutschland, Mitchell Baker, Vorsitzende der Mozilla Foundation, John Romero, Spielentwickler von "Doom", Alvy Ray Smith, Mitbegründer von PIXAR, Nils Jacobsen, Tech-Reporter und Blogger, Christian Stöcker, Ressortleiter Netzwelt bei Spiegel Online

    Teil 6: Freiheitskämpfer und Verbrecher

    Die Welt ist nur einen Wischer entfernt. Smartphones und ein jederzeit verfügbares Netz vermitteln das Gefühl, in Verbindung mit der gesamten Erde und ihrem Wissen zu stehen. Das ist eine Entwicklung, die in den Nuller Jahren ihren Anfang findet.

    Dabei war der Start ins neue Millenium alles andere als reibungslos: Der Millenium-Bug hat damals für etliche Weltuntergangsszenarien gesorgt. Der Zusammenbruch der DotCom-Blase ein Jahr später machte es auch nicht besser und die Musikindustrie fürchtete durch Musik-Tauschbörsen sogar um ihre Existenz. Wie die Computergeschichte den Kopf aus der Schlinge ziehen konnte, zeigt die letzte Folge der Reise durch die "Geheimnisse der digitalen Revolution". Zu Wort kommen Raubkopierer, die Gescheiterten der ersten Internetrevolution und die Whistleblower.

    Gesprächspartner sind unter anderen: Karlheinz Brandenburg, Erfinder der MP3; Etienne Gardé, Game-Journalist, Rocket Beans TV; Nils Bomhoff, Game-Journalist, Rocket Beans TV; Christian Stöcker; Spiegel Online; Tom Herman, Entrepreneur; Jamis McNiven, Buck’s of Woodside; Jimmy Wales, Wikipedia-Gründer; Mounira Latrache, Leiterin Youtube Berlin; Markus Beckedahl, Chefredakteur netzpolitik.org; Daniel Domscheit-Berg, ehemaliger Sprecher von Wikileaks

    "Ein paar junge Menschen haben die Welt im Sturm erobert"
    Interview mit Autor Memo Jeftic

    Welcher Tüftler hat der digitalen Revolution Ihrer Meinung nach am meisten auf die Sprünge geholfen?

    Das hängt immer davon ab, von welcher digitalen Revolution man spricht: der für die Rüstungsindustrie oder der für die Wirtschaft. Für uns Privatanwender würde ich jedoch mit Steve Wozniak und Steve Jobs von Apple antworten. Sie waren neben den Entwicklern des Commodore die ersten, die in den 70ern Computer für Normalos gebaut haben. Waren Computer - insbesondere durch ihre Größe - zuvor großen Forschungsinstituten oder der Wirtschaft vorbehalten, war es plötzlich möglich als Privatanwender in ein Geschäft zu gehen und für einen bezahlbaren Preis einen komplett funktionsfähigen Computer, der auf einen Schreibtisch passt, mit nach Hause zu nehmen. Ohne Verfügbarkeit und Erschwinglichkeit von Computern hätte die digitale Revolution nicht stattgefunden. 

    An welchem Punkt war der Siegeszug der Rechner nicht mehr zu stoppen?

    In den 70er-Jahren, als sich der Markt für Personal Computer auftat. Die Tatsache, dass man sich einen Computer für den Privatgebrauch kaufen konnte ist von immenser Bedeutung. Was man vorher eventuell aus Science-Fiction-Filmen kannte, war nun für jeden möglich.

    An der Erfolgsgeschichte des Computers waren deutsche Pioniere maßgeblich beteiligt. Heute spielt Deutschland in der IT-Branche kaum mehr eine Rolle. Woran liegt das?

    Das ist eine Frage, die wir unseren Interviewpartnern in den USA sehr oft gestellt haben und ebenso oft auf Verwunderung stießen. Die US-Amerikaner sehen in Deutschland immer noch einen fruchtbaren Hort für brillante Ingenieursleistungen und sind umso verwunderter darüber, warum aus Deutschland in Sachen IT so wenig Output kommt. Klar, es gibt einzelne Leistungen wie die Erfindung der mp3 oder die Datenbankverwaltung SAP, die der Stoff von Erfolgslegenden sind, aber der große Wurf gelingt Deutschland nicht. Das liegt sicherlich auch daran, dass die Computerindustrie ein Risikogeschäft ist und Investoren in Deutschland lieber auf Nummer sicher gehen. Zum anderen aber auch daran, dass junge Talente in den USA schon sehr früh bereits im Studium rekrutiert werden. Die Elitenförderung in den USA ist immens – und dadurch ein beständiger Fluss an hervorragendem Nachwuchs garantiert. 

    Inwiefern hat die digitale Revolution die Menschen positiv verändert?

    Diese Fragen kann jeder für sich beantworten, indem er einfach mal mitzählt, wie oft man am Tag er einen Computer oder ein computerähnliches Gerät benutzt. Das beginnt beim komfortablen Kauf eines Tickets am Fahrscheinautomat, beim Checken des Wetters oder der neusten Nachrichten auf dem Smartphone, beim Nachschlagen von Infos auf Wikipedia, bei der Steuererklärung oder bei der Online-Buchung unseres Urlaubs. Die digitale Revolution hat uns eine Autonomie und Unabhängigkeit gegeben, die in der Menschheitsgeschichte einmalig ist. 

    Wie kann man den negativen Phänomenen entgegensteuern?

    Alles was der Mensch erfindet, wird einen Makel haben – wie eben auch der Mensch selbst. Autos bauen Unfälle. Teller zerbrechen. Gebäude stürzen ein. Für jede Lösung die wir finden, tauchen zig neue Probleme auf. Mit der digitalen Revolution ist es nicht anders. Nehmen wir als Beispiel nur das aktuell große Thema Hatespeech, also Beleidigung und Diffamierung im Internet. Großkonzerne wie Facebook sind hier von der deutschen Politik zum Handeln aufgefordert. Facebook aber ist ein amerikanisches Unternehmen mit anderen Wertvorstellungen in Sachen Meinungsfreiheit als wir sie hier in Deutschland haben.

    Mit der digitalen Revolution ist sicher noch nicht Schluss. Wie wird sich die Welt in Zukunft verändern?

    Das ist aus der Perspektive der Gegenwart immer eine schwierige Frage, auf die wir ganz bewusst in der Doku-Reihe verzichtet haben. Gerade sind virtuelle Realität oder Quantencomputer in aller Munde, was aber auch an der PR großer Konzerne und der medialen Berichterstattung liegt. Ob und wie sich diese Technologien aber tatsächlich durchsetzen werden, steht in den Sternen. Was die digitale Revolution so spannend macht ist das Unvorhergesehene. Es ist gut möglich, dass in fünf Jahren zwei College-Studentinnen eine Idee haben werden, die den Kurs der digitalen Revolution komplett verändern wird. So war es mit Google, so war es mit Facebook. Das waren keine großen Konzerne, sondern ein paar junge Menschen und eine tolle Idee, die die Welt im Sturm erobert hat. 

    Was hat Sie bei den Dreharbeiten zu "Geheimnisse der digitalen Revolution“ am meisten beeindruckt?

    In jedem Land und in jedem Interview: Der Mangel an Frauen. Das hat mich doch sehr überrascht und wurde von vielen unserer Interviewpartner mit großem Bedauern bestätigt. Und keiner weiß woran es liegt. Manche sagen, Frauen hätten nicht die notwendige Aggression um ein Start-Up an die Spitze zu treiben. Andere sehen die Gründe dafür bei mangelnder Förderung. Die Antworten für die Gründe sind zahlreich, die Lösungsvorschläge dürftig. Ich denke hier muss auf jeden Fall von den Schulen, von der Politik und von den Konzernen mehr gemacht und investiert werden.

    Mit Memo Jeftic sprach Anja Scherer

    "Jede Revolution hat auch ihre Schattenseiten"
    Interview mit Autor Sebastian Nuß

    Welcher Tüftler hat der digitalen Revolution Ihrer Meinung nach am meisten auf die Sprünge geholfen?

    Auch wenn es vorher bereits Rechner gab, die schon in vielen Privathaushalten genutzt wurden, denke ich, dass die digitale Revolution, die wir heute erleben, die großen Fragen politischer, kultureller und gesellschaftlicher Natur, vor denen wir stehen, erst seit der Verbreitung des World Wide Web eine Rolle spielen. Insofern wäre für mich der Initiator des WWW, Tim Berners-Lee, der wichtigste Tüftler der Reihe.

    An welchem Punkt war der Siegeszug der Rechner nicht mehr zu stoppen?

    Ich denke das war in den 50er Jahren, als ein Markt für Computer im Businessbereich entstanden war. Die Rechner standen nicht mehr nur in Universitäten für wissenschaftliche oder militärische Berechnungen: auch Banken, Versicherungen und sogar mittelständische Unternehmen konnten sich bald so eine Rechenkiste anschaffen. Da schnellere, bessere Computer damals eine Menge Geld einsparten, war es nun wirklich sehr unwahrscheinlich, dass die Nachfrage plötzlich wieder verschwinden würde.

    An der Erfolgsgeschichte des Computers waren deutsche Pioniere maßgeblich beteiligt. Heute spielt Deutschland in der IT-Branche kaum mehr eine Rolle. Woran liegt das?

    Tatsächlich haben wir diese Frage vielen unserer Gesprächspartner im Silicon Valley gestellt. Das Urteil war eindeutig: Auch wenn die Deutschen bekanntermaßen hervorragende Ingenieure seien, die viel zur Theorie und Entwicklung der Computertechnologie beigetragen hätten, würde ihnen doch oft die Fähigkeit fehlen, diese Entwicklungen auch in innovative und bedeutende Produkte umzusetzen. Ein Stück weit teile ich diese Einschätzung unserer Interviewpartner, es ist sicher ein wenig eine Frage des Temperaments. Aber vielleicht ist man, was Innovationsgeist betrifft, ja auch verwöhnt, wenn man im Silicon Valley lebt.

    Inwiefern hat die digitale Revolution die Menschen positiv verändert?

    Die digitale Revolution ist zunächst mal eine Revolution unserer Werkzeuge. Und die machen die Menschen per se nicht besser, sie machen das Leben erst einmal einfacher: Man muss nicht mehr per Hand oder mechanisch rechnen, man kann Maschinen präzise genug steuern, um sie auf den Mond zu schicken, man kann seine gesamte Musiksammlung in der Hosentasche mit sich tragen. 

    Um diese neuen Werkzeuge herum haben sich in den Jahrzehnten viele positive Aspekte unseres Alltags herausgebildet, vor allem durch das World Wide Web: Wir können global zuammenarbeiten. Wir nehmen an fernen Ereignissen nahezu live teil. Eine unendliche Menge an Informationen steht uns rund um die Uhr zur Verfügung. 

    Ich denke, der positivste Aspekt ist der, dass wir über das WWW mit Menschen aus allen Teilen der Erde kommunizieren und an ihrem Leben, an ihrer Sicht der Dinge teilhaben können. Das scheint momentan in der westlichen Welt nicht so recht zu funktionieren: Hass-Postings in sozialen Medien, Ignoranz für die Lage von Flüchtlingen, über die man sich doch jederzeit gut informieren könnte...

    Aber wie gesagt, auch das Internet ist erstmal nicht mehr als ein Werkzeug, dass man auch gewinnbringend benutzen muss.

    Und was sind die negativen Folgen?

    Jede Revolution hat natürlich auch ihre Schattenseiten. In der Computergeschichte ist es, denke ich, das Hauptproblem, dass eine digitale Revolution eine analoge Gesellschaft immer unvorbereitet trifft. Denken Sie an das WWW, über dessen gesellschaftliche, juristische und politische Implikationen noch heute gestritten wird. Denken Sie an digitalisierte Medien, deren Kernaspekt der freien Kopierbarkeit heute, wie vor fast 20 Jahren in den Lagern "darf man" und "darf man nicht" diskutiert wird.

    Ein weiteres Problem ist das der Teilhabe. Sobald sich die Gesellschaft einer revolutionären Technologie angenommen hat, kann es passieren, dass sie Alternativen abschafft. Versuchen Sie mal eine elektrische Schreibmaschine zu kaufen. Oder Musikkassetten. Es ist plötzlich Mode, seinen Computer aufzurüsten, um dran zu bleiben. Trotzdem können unsere Enkel sicher nichts mehr mit unseren DVDs, stationären Computern, gedruckten Büchern und Audio-Telefonaten anfangen. Aber das war ja schon immer so.

    Gibt es Möglichkeiten, diesen Phänomenen entgegensteuern?

    Vor allem seit den 80er-Jahren hat der Glaube an eine bessere Welt durch Computer einen Kratzer im Lack. In der vierten Folge der Reihe zeigen wir, wie insbesondere in Deutschland ein sehr gespaltenes Verhältnis zu den "Rechengehirnen" die öffentliche Meinung herausgebildet hat. Diese kritische Haltung ist etwas, auf das wir in meinen Augen auch heute noch in Deutschland stolz sein sollten.

    Und sie ist die einzige Lösung für die Zukunft: eine kritische Haltung gegenüber neuen Technologien. Kritisch im Sinne von aufmerksam, nicht im Sinne von ablehnend.

    Persönlich halte ich nichts davon, sich Computertechnologie zu entziehen. Es hieße auf eine große Menge der kulturellen und gesellschaftlichen Aspekte zu verzichten, die unsere Zeit ausmachen.

    Mit der digitalen Revolution ist sicher noch nicht Schluss. Wie wird sich die Welt in Zukunft verändern?

    Oh je, Zukunftsprognosen sind immer schwierig, gerade wenn es um Computer geht: Wie die Reihe zeigt, sind vor allem die wirklich bedeutenden Entwicklungen oft von unberechenbaren Faktoren bestimmt. Wer hätte gedacht, dass zwei Garagenbastler mit teuren, aber gut gestalteten Computern den Weltkonzern Apple erschaffen? Wer hätte in den 50ern gedacht, dass man nur 20 Jahre später Computer zuhause haben wird? Wer hätte gedacht, dass Microsoft Windows zum meist genutzten Betriebssystem der Welt avanciert, obwohl es in den frühen Versionen ein furchtbares Software-Produkt war?

    Eine Entwicklung wird mittelfristig sicher größeren Einfluss auf unsere Welt haben: Künstliche Intelligenz, ob in Form von autonomen Fahrzeugen oder intelligenten Häusern. Langfristig wird ja auch schon an Quanten- und DNA-Computern geforscht. Ob und wie diese Technologien Realität werden, ist jetzt aber noch nicht abzusehen.

    Was hat Sie bei den Dreharbeiten zu "Geheimnisse der digitalen Revolution“ am meisten beeindruckt?

    Am meisten beeindruckt hat mich die Zeit im Silicon Valley. Und das nicht nur positiv: Dieser Landstrich zieht mittlerweile die besten Ingenieure der Welt an. Der Konkurrenzdruck ist gewaltig, die Mieten mittlerweile unbezahlbar. Man hat die Möglichkeit den Durchbruch zu landen oder in der Masse unterzugehen. Und die, die in diesem Brutkasten der digitalen Zukunft leben, haben uns oft davon berichtet, dass es neben ihrem Job, ihrem Startup oder ihrer Geschäftsidee nur wenig Raum für Anderes gibt. Aber vielleicht hat der Silicon Valley das ja auch mit Hollywood, der Wall Street oder dem Broadway gemeinsam.

    Mit Sebastian Nuß sprach Anja Scherer

    "Apple war Jobs. Wozniak und sein Computer wären ohne ihn wohl nie so weit gekommen"                                 Die wichtigsten O-Ton-Geber im Überblick

    "Wenn du die Wahl hättest zwischen Steve Jobs und einem Eiswürfel - dann geh zum Eiswürfel, um Wärme zu finden!", sagt Ron Wayne, der in Vergessenheit geratene dritte Gründer des Mega-Konzerns Apple. Er ist nur einer von zahlreichen Experten, die den Zuschauer in "Geheimnisse der digitalen Revolution" an ihren Fachkentnissen, aber auch an unterhaltsamen Anekdoten teilhaben lassen.

     

    Daniel Domscheit-Berg: Galt jahrelang als zweiter Kopf hinter der Veröffentlichungsplattform Wikileaks. Gemeinsam mit dem Gründer Julian Assange veröffentlichte er eine Vielzahl an geheimen Dokumenten. Doch immer häufiger kam es zum Streit um die Ausrichtung von Wikileaks. 2010 verließ Domscheit-Berg das Projekt.

    Lee Felsenstein: Einer der Anführer des studentischen Homebrew Computer Clubs, zu dessen Mitgliedern in den 70er-Jahren unter anderem Apple-Gründer Steve Wozniak zählte.

    Daniel Ichbiah: französischer Journalist, der bereits seit den frühen 80er-Jahren Bücher über Steve Jobs und Bill Gates schreibt.

    Rocketbeans: Etienne Gardé, Nils Bomhoff und Gregor Kartsios sind Deutschlands Stars der Geek-Szene. Seit Jahren berichten die Journalisten über das, was in der Nerdkultur vor sich geht. Unter dem Namen "Rocketbeans" produzieren Sie einen 24-Stunden-Online-Sender zu allem, was Deutschlands Geeks interessiert: Internet, Comics und vor allem Games.

    John Romero: Legendärer Spielentwickler, der in den 90er-Jahren mit dem kontroversen Ego-Shooter "Doom" zugleich einen Skandal und Welterfolg gelandet hat.

    Jimmy Wales: Der Kopf hinter Wikipedia, der größten Ansammlung von Wissen in der Geschichte der Menschheit.

    Ron Wayne: Wenn die Geschichte von Steve Jobs und Steve Wozniak die vielleicht erfolgreichste der Computergeschichte ist, ist die von Ron Wayne vielleicht die tragischste: Ronald G. Wayne ist der dritte Gründer von Apple Computer. Doch die Zusammenarbeit mit den beiden jungen Hippies wird ihm bald zu riskant und er verkauft seine Firmenanteile zwei Wochen später für nur 800 Dollar. Heute wäre er Multimillionär. Ron Wayne lebt im Ruhestand in Pahrump, Nevada.

    Steffen Wernéry: Ist eines der Gründungsmitglieder des Chaos Computer Clubs. 1984 gelingt ihm zusammen mit Wau Holland der erste große deutsche Hack: Über das BTX-System der Bundespost heben die Hacker 135.000 DM ab und melden die Sicherheitslücke anschließend. 1988 gerät er als Vorstand des CCC wegen dessen groß angelegten Hack-Aktionen monatelang in französische Haft. Wernéry lebt heute in Hamburg.

    Horst Zuse: Sohn von Konrad Zuse, dem Erfinder des Binärcomputers dessen NULLEN und EINSEN Grundlage eines jeden Computers von heute sind. Horst Zuse kümmert sich heute in Berlin um dem Nachlass seines Vaters.

    Infos zu ZDFinfo

    ZDFinfo setzt seinen Wachstumskurs weiter fort: Im Monat Mai 2016 hatte der Digitalsender einen Marktanteil von 1,2 Prozent bei den Zuschauern gesamt und bei den 14- bis 49-Jährigen. Im Jahr 2015 erreichte ZDFinfo 1,1 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen. 2014 lag der Marktanteil noch bei 0,9 Prozent. Auch bei den Zuschauern gesamt hatte sich der Anteil im vergangenen Jahr erhöht: von 0,9 Prozent (2014) auf 1,0 Prozent (2015).

    Der Digitalsender mit hochwertigen Dokumentationen aus den Themenfeldern Zeitgeschichte, Politik, Wissen und Service hat dabei von seinem stetig wachsenden Programmangebot profitiert. Pro Monat starten etwa 50 neue ZDFinfo-Dokus.

    Robert Bachem, Leiter des Programmbereichs ZDFinfo, Gesellschaft und Leben: "Es freut mich, dass wir mit hochwertigem und anspruchsvollem Doku-Programm jüngere Zuschauergruppen für die ZDF-Programmfamilie zurückgewinnen können. Gerade Menschen, die mitten im Leben stehen, schätzen unser Programmangebot, bei dem man immer etwas lernt. Mit diesem klaren Profil wollen wir weiter erfolgreich sein."Beim Start 2011 hatte ZDFinfo lediglich 0,1 Prozent Marktanteil und ist seitdem kontinuierlich gewachsen.

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