Copyright: ZDF / Markus Strobel
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Hannes Jaenicke: Im Einsatz für Vögel

Neue Folge der preisgekrönten Tierdoku-Reihe

Nach Löwen, Elefanten, Haien, Delfinen und Geparden ist der prominente Tierschützer nun "Im Einsatz für Vögel" (Foto unten mit einer Mönchsgrasmücke auf der Hand).

  • ZDF, Donnerstag, 15. August 2019, 22.35 Uhr
  • ZDF Mediathek, Ab Donnerstag, 15. August 2019, 8.00 Uhr

Texte

Inhalt

Es ist still geworden in Deutschland. Das ist nicht nur ein Gefühl, sondern erschreckende Realität – wie neue Zahlen zum Vogelsterben zeigen. Heute hat es sich vielerorts ausgezwitschert, unsere heimischen Vogelbestände befinden sich in dramatischem Sinkflug. Für die neue Folge der mehrfach preisgekrönten ZDF-Reihe „Hannes Jaenicke: Im Einsatz für“ sucht der Schauspieler und Umweltschützer nach Antworten.

Hannes Jaenicke: "Als ich ein kleiner Junge war, waren unsere Wiesen und Gärten noch voller Vögel. Überall wurde gesungen." Warum müssen jetzt Vögel bei uns ums Überleben kämpfen? Wie konnte es soweit kommen? Der prominente Tierschützer trifft sich mit Deutschlands renommiertesten Vogelforscher Professor Peter Berthold am Bodensee. Der Wissenschaftler zeichnet ein beunruhigendes Bild: "Wenn man es auf einen menschlichen Patienten überträgt, dann leiden Vögel an einer lebensbedrohlichen Erkrankung."

Zu einer alarmierenden Risikogruppe gehört in Deutschland zum Beispiel die Familie der Feldvögel. Ihr Bestand ist in den letzten Jahren teilweise um 90 Prozent zurückgegangen. Der Grund: Auf modernen Ackerflächen finden sie keinen geeigneten Lebensraum mehr. Aber nicht nur der verschwindet, durch die intensive Landwirtschaft fehlt auch das Nahrungsangebot. Monokulturen sind anfällig für Schädlinge, diesen werden mit massivem Gifteinsatz ausradiert. Die Folge: ein massives Insektensterben. Das hat auch Konsequenzen für die Menschen. Vogelforscher Professor Berthold erklärt: "Den Vögeln fehlt das Futter. Uns fehlen demnächst die Insekten für die Bestäubung. Und insofern ist das der Beginn einer ökologischen Katastrophe." Hannes Jaenicke will herausfinden, wie das Insektensterben gestoppt werden kann.

Doch nicht nur die Agrarindustrie ist gefordert. Jeder Einzelne kann einen Beitrag leisten. Die Gestaltung unserer Innenhöfe, Grünstreifen, Balkone, Gärten und Hausfassaden spielt eine große Rolle beim Vogelschutz. Genauso wie unser Konsumverhalten bei Lebensmitteln. Hannes Jaenicke befragt dazu verschiedene Experten und zeigt, wie vielversprechende Lösungsansätze aussehen können.

Bei seinem Einsatz für Vögel besucht Hannes Jaenicke auch die Mauerseglerklinik in Frankfurt am Main - eine europaweit einmalige Einrichtung. Klinikleiterin Dr. Christiane Haupt und ihr Team sind im Dauereinsatz für ihre gefiederten Patienten. Manche hatten Unfälle an Häusern, mit Autos oder Stromleitungen. Oder wurden Opfer von Katzen. Die Mauerseglerklinik kümmert sich um jede Verletzung, operiert Brüche, behandelt Schockzustände und transplantiert sogar Federn. Jeder Vogel bekommt eine Chance.

Auch in der Republik Zypern wird um jeden einzelnen Vogel gekämpft: Der südliche Teil der Insel ist ein wichtiger Rastplatz für Zugvögel, gleichzeitig auch einer der europäischen Hotspots der illegalen Vogeljagd. Hannes Jaenicke ist dort mit Vogelschützern der deutschen Stiftung "Pro Artenvielfalt" und dem "Komitee gegen Vogelmord" unterwegs. Das Team kämpft bereits seit vielen Jahren gegen die illegale Vogel-Wilderei. Über zwei Millionen Vögel verenden in der Republik Zypern jährlich in Fangnetzen und klebrigen Fallen wie Leimruten. Aus Profitgier. Auf Zypern gelten Vögel als Delikatesse. Mit ihnen lässt sich auf dem Schwarzmarkt viel Geld verdienen. Hannes Jaenicke begleitet die Vogelschützer bei den gefährlichen Einsätzen. Ihre Mission: Vogelfallen aufspüren, diese abbauen und noch lebende Vögel befreien. Initiator Roland Tischbier von "Pro Artenvielfalt": "Wir haben enorm Druck. Die Wilderer werden immer aggressiver. Es ist ganz klar, es ist ein Kampfplatz. Es ist nicht lustig und erfordert eine Menge an Zivilcourage und Stehvermögen."

Eines macht Hoffnung: Vögel haben zahlreiche engagierte Unterstützer. Hannes Jaenicke: "Bei vielen Tierarten ist der Kampf gegen ihr Aussterben faktisch aussichtslos. Das ist bei Vögeln erfreulicherweise anders. Da kann wirklich jeder von uns etwas beitragen." Und dann wird vielleicht wieder etwas lautes Gezwitscher am Himmel erklingen.

Stab

Buch & Regie: Judith Adlhoch, Eva-Maria Gfirtner
Kamera: Markus Strobel, Stephan Schulz, Daniel Ritter, Jo Binder, Christoph Schimmelpfennig, Mitch Jany
Schnitt & Sounddesign: Jan-Philipp Stahl
Technischer Support: Florian Tust
Musik: Egon Riedel
Grafik: Magnet FX, Mladen Pozeg
Ton & Flugaufnahmen: Harley Dietrich, Joschka Heinisch, Niko Kalmar
Sprecher: Hannes Jaenicke, Judith Adlhoch
Mischung: Alexander Catarinelli
Produktionsleitung Tango Film GmbH: Janna Sperling
Produktionsleitung ZDF: Cora Szielasko-Schulz, Petra Ziegler
Redaktionelle Mitarbeit: Pinar Aydin, Leonie Sobottka
Redaktion: Susanne Hillmann
Executive Producer: Markus Strobel, Hannes Jaenicke

Eine Produktion der Tango Film GmbH & Pelorus Jack Filmprods LLC im Auftrag des ZDF

Zitate von Hannes Jaenicke aus der Doku

 

"Als ich ein kleiner Junge war, waren unsere Wiesen und Gärten voller Vögel… Überall hat es gezwitschert, überall wurde gesungen… Heute hört sich Deutschland anders an. Es ist still geworden. Totenstill. Wir verlieren unsere Vögel, und zwar rapide…"

"Die intensive Landwirtschaft bedroht allerdings nicht nur die Bade-, Brut- und Wohnzimmer von Feldvögeln. Auch ihr Nahrungsangebot schwindet. Um wirtschaftlich zu sein, müssen Bauern ihre Äcker immer weiter optimieren. Das macht sie zu grünen Wüsten für Vögel."

"Früher waren Blühstreifen an Feldrändern ganz normal. Aber Landwirte müssen immer billiger produzieren, weil Lebensmittel ja möglichst wenig kosten sollen. Das wird meistens mit Monokultur erreicht. Und die macht Felder anfällig für Schädlinge und Krankheiten. Auf mehr als 90 Prozent der konventionellen Ackerflächen in Deutschland werden Pestizide versprüht. Dieser massive Einsatz von Gift hat Folgen."

"Eigentlich ist das doch die pure Ironie: Insekten sterben millionenfach, damit unsere ´Nutz-Pflanzen´ nach Maß und Plan wachsen. Dass es sich lohnt, für Insekten zu kämpfen, zeigt das Volksbegehren in Bayern. Am Ende sind vor allem wir als Konsumenten gefragt. Warum sind uns unsere Lebensmittel nichts mehr wert? Wenn wir bereit wären, etwas höhere Preise für Getreide, Obst und Gemüse zu bezahlen, dann könnte unsere Landwirtschaft wieder weniger intensiv sein. Mit Anbaupausen, ungenutzten Flächen, mehr Wildpflanzen. Nur so können wir es schaffen, das große Insektensterben noch aufzuhalten."

"Unerwünschtes Leben in Form von vermeintlichen Schädlingen oder Unkraut wird bekämpft, oft mit der Chemie-Keule. In deutschen Privatgärten werden pro Jahr rund 5.000 Tonnen Pestizide versprüht. 90 Tonnen davon enthalten das besonders umstrittene Glyphosat. Andere wiederum die bienenschädlichen Neonikotinoide."

"Angeboten werden diese zum Teil hochgiftigen Unkraut- und Schädlings-Vernichter zum Beispiel in Baumärkten oder im Fachhandel. Das deutsche Pflanzenschutz-Gesetz besagt, dass ein Kunde ohne Fachberatung keine Mittel kaufen darf, die der Natur oder dem Menschen schaden. Das bedeutet in der Praxis: Nicht alle Mittel stehen im Regal. Die giftigsten Produkte gibt es in der Pflanzenapotheke. Sie dürfen nur nach einem Beratungsgespräch verkauft werden."

"Selbst richtig angewendet töten Pestizide nicht nur Pflanzenfeinde, sondern auch nützliche Insekten. Die Chemie sickert außerdem in die Böden, gelangt am Ende sogar ins Grundwasser. Ist das nicht grob fahrlässig? Warum sind Umweltgifte für den Privatgebrauch in Deutschland immer noch erlaubt? Unser Nachbarland Frankreich ist da bereits einen großen Schritt weiter. Seit Januar 2019 ist die Abgabe von Pestiziden an Hobbygärtner und jeglicher private Einsatz verboten. Deutschland tickt da anders. Vor allem im Internet ist alles erhältlich – wo bleibt denn da die Beratung? Als Ersatz gilt die Gebrauchsanweisung."

"Was ich als Laie jetzt gelernt habe: dass man nicht versuchen sollte, die Natur ständig zu kontrollieren oder unter Kontrolle zu kriegen, sondern die Natur einfach mal ein bisschen machen lassen. Es wird bunter, es spart Zeit, es spart Geld, es ist gut für Vögel, für Insekten – eigentlich mal so ein bisschen sich lockermachen als Hobbygärtner."

"Wenn man so einen kleinen Vogel in der Hand hält, ist es noch schwerer zu begreifen, dass diese Tiere auf Zypern sterben müssen, weil sie als Delikatesse gelten … So ein winziges Vögelchen hier mit Leim anzulocken und dann zu pflücken wie Obst, das ist so ekelhaft echt … In den vergangenen Jahrhunderten waren Singvögel für die Landbevölkerung eine wichtige Eiweißquelle. Auch in Deutschland. Es war ein Arme-Leute-Essen. Aber wer braucht heute im reichen Westen noch Singvögel als Proteinlieferanten? Also argumentiert man mit Tradition. Damit lässt sich jeder noch so große Schwachsinn rechtfertigen … Die Jagd auf Wale in Norwegen und Island zum Beispiel. Oder Stierkämpfe in Spanien. Im Gegensatz zur Vogeljagd sind diese Traditionen auch noch völlig legal. Vögel werden übrigens nicht nur auf Zypern, sondern auch auf Malta, in Italien, Griechenland, Spanien und Frankreich gewildert. Diese bösen Vogelmörder! Und wir Deutschen? Wir schlachten jedes Jahr allein 630 Millionen Hühner. Dazu kommen Truthähne, Enten, Puten, Gänse – auch alles Vögel, oft unter grausamen Haltungsbedingungen produziert. Sollten wir die Tradition unseres Fleischkonsums nicht auch mal überdenken?"

"In der Republik Zypern ist es per Gesetz verboten, Singvögel zu fangen und zu essen. In vielen Restaurants der Insel wird das Gericht dennoch verkauft - unter der Hand. Mit der verbotenen Tradition lässt sich viel Geld verdienen. Ein Dutzend Singvögel - das entspricht knapp 150 Gramm Fleisch - kosten rund einhundert Euro…"

"Die deutschen Vogelschützer sind der Vogel Mafia übrigens schon lange ein Dorn im Auge – vor allem, weil sie immer besser werden: Rund 500 Fangplätze haben sie auf der Insel inzwischen erfasst. … Bei jedem Einsatz riskieren die Vogelschützer ihr Leben."

"Irgendwas läuft auf Zypern doch komplett schief. Vogelschützer aus Deutschland machen die Arbeit der einheimischen Polizei? Sorgen dafür, dass gesetzeswidriges Verhalten verhindert und Zugvögeln geholfen wird? Und werden für die Verteidigung von EU-Gesetzen auch noch bedroht? Das lässt doch nur einen Schluss zu: dass Leute mit viel Macht und Einfluss auf Zypern am illegalen Vogelgeschäft und der Ware „Singvogel“ große Summen mitverdienen."

 

Fotohinweis

Fotos über ZDF Presse und Information
Telefon: (06131) 70-16100 oder über https://presseportal.zdf.de/presse/imeinsatzfuer

Weitere Informationen

Website: https://www.zdf.de/dokumentation/dokumentation-sonstige/hannes-jaenicke-im-einsatz-fuer-voegel-102.html

Der Film steht ab Donnerstag, 15. August 2019, 8.00 Uhr, in der ZDFmediathek zur Verfügung.

Zur Dokumentation gibt es auch ein Webvideo, das ab Donnerstag, 15. August, ab 16 Uhr auf dem Youtube-Kanal "Terra X Natur & Geschichte" https://ly.zdf.de/tl1/ veröffentlicht wird. Alle Filme in der ZDFmediathek und bei YouTube sind dann zum Embedding mit Verweis auf "Terra X" für alle Interessierten freigegeben.

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