Königliche Dynastien

3-teilige Dokumentationsreihe über die Wittelsbacher, Osmanen und Bourbonen

 

Die Geschichten und Geheimnisse großer Dynastien, die über Jahrhunderte Könige, Kaiser und Sultane stellten, faszinieren seit jeher. Nach den erfolgreichen Reihen „Majestät“, „Königskinder“, „Königliche Hochzeit“ und „Königliche Affären“ der Redaktion Zeitgeschichte wirft diese Doku-Reihe den Blick auf die Geschichte der großen Dynastien Europas.

Die aktuelle Staffel porträtiert das Königshaus der Bourbonen, das Adelsgeschlecht der Wittelsbacher und das  Reich der Osmanen. Sie zeigt, wie die mächtigen, auch schillernden Figuren dieser Dynastien ganze Zeitalter prägten.

 

 

  • ZDF, samstags, 11. Juli 2015, 19:25 Uhr, 18. Juli 2015, 19:25 Uhr, 25. Juli 2015, 19:25 Uhr

Texte

Geschichten und Geheimisse

Vorwort von Stefan Brauburger

Die Geschichten und Geheimnisse der großen Dynastien, die über Jahrhunderte Könige, Kaiser und Sultane stellten, faszinieren seit jeher die Zeitgenossen. Einst rangen sie mit ihrem einflussreichen Namen, mit ererbten Privilegien und Würden, mit Hilfe von Diplomatie und Heiratspolitik, Intrigen und Waffengewalt um die Macht. Auch heute sind einige der Nachkommen gekrönte Staatsoberhäupter, wenn auch parlamentarischer Monarchien. Die Familien ohne Thron haben ihre neue Rolle in der modernen Gesellschaft längst gefunden. Die Nachfahren der einst mächtigen Ahnen präsentieren sich eher zurückhaltend, bis auf schillernde Ausnahmen.

Die zweite Staffel der Doku-Reihe "Königliche Dynastien" gewährt einen einzigartigen Blick auf das Königshaus der Bourbonen, das Adelsgeschlecht der Wittelsbacher und entführt die Zuschauer in das faszinierende wie machtvolle Reich der Osmanen.

"Königliche Dynastien" blickt auf die Licht- und Schattenseiten der Familiengeschichten. Eine jede hat beeindruckende und umstrittene Charaktere hervorgebracht: Kluge Strategen und rücksichtslose Draufgänger, aufgeklärte Geister und machtgierige Despoten, gewinnbringende Sympathieträger und hochnäsige Egomanen, weltfremde Träumer und pragmatische Macher. Es sind persönliche Schicksale und Talente der großen Herrscherhäuser, die mit den Geschicken ihrer Völker verbunden sind. So wird europäische Geschichte als Familienepos begreifbar – zwischen Leidenschaft und Willkür, Mut und Resignation, Aufstieg und Niedergang.

Die Reihe zeigt, wie die mächtigen, auch schillernden Figuren dieser Dynastien ganze Zeitalter prägten, welche Fehler und Verdienste ihnen zugerechnet werden – es ist aber auch die Geschichte von Aufstieg, Niedergang, Vermächtnis und Erbe großer Monarchien und Reiche, die im 20. Jahrhundert zu Ende gingen.

Stefan Brauburger, Leiter der Redaktion Zeitgeschichte

Sendetermine

Samstag, 11. Juli 2015, 19.25 Uhr, Königliche Dynastien - Die Wittelsbacher

Samstag, 18. Juli 2015, 19.25 Uhr, Königliche Dynastien - Die Osmanen

Samstag, 25. Juli 2015, 19.25 Uhr, Königliche Dynastien - Die Bourbonen

Stab: Königliche Dynastien - Die Wittelsbacher

Buch und Regie     Annette von der Heyde
Regie/SzeneOliver Halmburger
KameraRalph Zeilinger und Marcus Becker
Kamera/SzeneTobias Corts
SchnittChristoph Schuhmacher
SprecherKlaus-Dieter Klebsch
ProduktionsleitungCaroline Marinoff
RedaktionUrsula Nellessen
LeitungStefan Brauburger

Inhalt: Königliche Dynastien - Die Wittelsbacher

Ein Film von Annette von der Heyde

Was wäre Bayern ohne Schloss Neuschwanstein, München ohne Oktoberfest und Ludwigstraße? Die Dynastie der Wittelsbacher, eines der ältesten europäischen Adelshäuser, hat Bayern geprägt und deutsche Geschichte geschrieben. Ihre Könige beflügeln noch heute die Phantasie der Menschen: Der kulturbeflissene König Ludwig I., der aus München eine prächtige Residenzstadt machte und wegen seiner dramatischen Affäre mit der Hochstaplerin Lola Montez den Thron verlor. Märchenkönig Ludwig II., der seine Traumbauten in die entlegensten Winkel der bayerischen Bergwelt setzte und dessen Tod im Starnberger See noch heute Fragen aufwirft. Bürgerkönig Ludwig III., von seinen Zeitgenossen "Milchbauer" genannt, der die Festkultur zum Höhepunkt brachte und im Strudel des Ersten Weltkriegs doch zum Totengräber der bayerischen Monarchie wurde.

In der Dokumentation porträtiert Annette von der Heyde die wohl schillerndsten Herrschertypen der Dynastie, spricht mit Nachfahren wie Franz Herzog von Bayern, seit 1996 Chef des Hauses Wittelsbach, über das Leben der Familie heute und den Umgang mit ihrer wechselvollen Geschichte.

Wäre Bayern noch eine Monarchie, dann wäre Franz heute König, denn auf ihre Thronrechte haben die Wittelsbacher nie verzichtet. Der Kunstliebhaber und Mäzen erlebte als Elfjähriger während des Dritten Reichs Gewalt und Todesangst in den Konzentrationslagern Sachsenhausen, Flossenbürg und Dachau, wohin die Nazis ihn und seine Familie verschleppten. 2014 war der Wittelsbacher, der in direkter Linie auch von den Stuarts abstammt, als King Francis II. im Gespräch - als Anwärter auf den schottischen Thron. Als "charmantes historisches Kuriosum", lehnte Herzog Franz dieses Ansinnen freundlich ab.

Der ehemalige Rennfahrer Leopold Prinz von Bayern, genannt "Poldi", betont im Interview die anhaltende Beliebtheit seines Hauses in Bayern - einer Dynastie ohne Skandale, ohne Dünkel, wie er sagt. Vertreter der jüngeren Generation wie Ludwig Prinz von Bayern und seine Schwester, die Verhaltensforscherin Auguste zur Lippe, geborene von Bayern, leben in der Tradition, engagieren sich auf sozialen und wissenschaftlichen Gebieten. Prinz Ludwig ist Initiator und Förderer von ehrgeizigen Entwicklungsprogrammen in Kenia, wo er sich oft monatelang aufhält. Prinzessin Auguste setzt sich für ein Naturkundemuseum in Schloss Nymphenburg in München ein.

Anhand ausgewählter Biografien reflektiert der Film die Geschichte der Wittelsbacher – vor allem im 19. und 20. Jahrhundert. Familienmitglieder gewähren persönliche Einblicke hinter die historischen Kulissen, Historiker beleuchten Höhen und Tiefen der noch immer von vielen Mythen umrankten Vergangenheit des Adelshauses.

Stab: Königliche Dynastien - Die Osmanen

BuchOliver Halmburger und  Ricarda Schlosshan
RegieOliver Halmburger
Kamera Tobias Corts und Richard Koburg
Kamera / SzeneTobias Corts und Richard Koburg
SchnittGeorg Michael Fischer
SprecherKlaus-Dieter Klebsch
MitarbeitKai Schäfer
ProduktionsleitungCaroline Marinoff (ZDF), Katharina Kremer (loopfilm)
RedaktionUrsula Nellessen
LeitungStefan Brauburger
Produzent Oliver Halmburger
Eine Produktion der Loopfilm GmbH im Auftrag des ZDF

Inhalt: Königliche Dynastien - Die Osmanen

Ein Film von Oliver Halmburger und Ricarda Schlosshan

600 Jahre lang, vom Mittelalter bis zur Neuzeit, herrschten die Osmanen über eines der mächtigsten Weltreiche der Geschichte. Der Glanz, die Kultur und der moderne Machtapparat am Hof der Sultane versetzten die Europäer in Staunen. Einen der bedeutendsten Herrscher, Süleyman, nannte man im Westen den "Prächtigen". Der exotische Orient, besonders der geheimnisvolle Harem im Topkapi-Palast, bewegte die Phantasien. Sogar heute noch dient Süleymans abgöttische Liebe zu einer Sklavin als Vorlage für eine TV-Serie, die bisher in mehr als 40 Ländern ausgestrahlt wurde.

Als Gegner waren die Osmanen allerdings gefürchtet. Mehrfach belagerten sie Wien und versetzten damit das christliche Abendland in Angst und Schrecken. Sie schrieben sich den Islam auf die Fahnen, begegneten Andersgläubigen aber jahrhundertlang mit Toleranz. Konvertierten Christen – einst als Knaben zwangsweise rekrutiert - stand eine steile Karriere als Kämpfer in der Eliteeinheit der osmanischen Armee oder in der Politik offen. Im 19. Jahrhundert begann der Niedergang der Osmanen. Während Großbritannien, Frankreich, Russland und das Deutsche Reich zu Großmächten aufstiegen, verpassten die Sultane den Anschluss an die Moderne. Die Dynastie wurde als "kranker Mann am Bosporus" verspottet.

Im Ersten Weltkrieg waren die osmanischen Herrscher Verbündete des Wilhelminischen Reiches und zählten am Ende zu den Verlierern. 1923 rief Atatürk die Republik aus, der letzte Sultan, Mehmed VI. musste ins Exil. Seit einigen Jahren rückt das osmanische Erbe wieder mehr in den Vordergrund, als Zeitalter imperialer und kultureller Größe. "Ich wäre gerne in einem Palast aufgewachsen, weil meine Familie Bildung sehr hoch gehalten hat", findet Orhan Osmanoglu, ein Nachfahre Abdülhamids II., "aber Sultan wollte ich heute nicht mehr sein: Wir haben die Republik verinnerlicht."

Die Dokumentation "Königliche Dynastien – Die Osmanen" lädt den Zuschauer ein zu einer spannenden Zeitreise durch die ereignisreiche Geschichte der Osmanen. Eindrucksvolle Aufnahmen von Palästen und Moscheen in Istanbul rekonstruieren eine längst vergangene Welt. CGIs und Reenactments lassen die wichtigsten historischen Schlüsselmomente der einstigen Weltmacht am Scheideweg zwischen Europa und Asien wieder lebendig werden. Interviews mit den Nachfahren der osmanischen Herrscher, Experten und Historikern spiegeln die wechselvolle Familiengeschichte wider - am Beispiel herausragender Biografien.

Stab: Königliche Dynastien - Die Bourbonen

Buch und RegieJulia Melchior
Regie/SzeneOliver Halmburger
Kamera Anthony Miller, Michael Habermehl und  Christian Baumann
Kamera/SzeneTobias Corts und Richard Koburg
Schnitt Walter Freund
SprecherKlaus-Dieter Klebsch
ProduktionsleitungCaroline Marinoff
RedaktionUrsula Nellessen
Leitung Stefan Brauburger

Inhalt: Königliche Dynastien - Die Bourbonen

Ein Film von Julia Melchior

Seit mehr als dreihundert Jahren herrschen die Bourbonen in Spanien. Ein mächtiges Adelsgeschlecht, dessen Wurzeln in Frankreich liegen. Der berühmteste Vertreter des Hauses Bourbon: Frankreichs Sonnenkönig Ludwig XIV. Mit Waffengewalt etablierte er seinen Enkel Philippe als König Felipe V. auf dem Thron von Madrid. Die große Ära der französischen Bourbonen ging mit der Revolution von 1789 zu Ende. Die Monarchie der spanischen Bourbonen wurde in den vergangenen Jahrzehnten wiederbelebt.

"Ich stehe für eine erneuerte Monarchie in einer neuen Zeit." Mit diesen Worten trat König Felipe VI. im Juni 2014 sein Amt an – als elfter Bourbone an der Spitze Spaniens. Er versprach Integrität, Ehrlichkeit und Transparenz - und hielt Wort. Felipe räumte auf in seinem Königshaus und verschaffte sich Autorität. "Zu führen heißt, zu dienen. Es wird keinen Tag geben, an dem ich mich nicht daran erinnere", sagte er unlängst in einer landesweit übertragenen Ansprache.

70 Prozent der Bevölkerung fühlen sich durch ihren neuen König gut vertreten. Kein Spanier genießt höheres Ansehen als er, gefolgt von seiner Frau Letizia. Innerhalb eines Jahres hat das junge Königspaar die Bande zum Volk wieder neu geknüpft. Juan Carlos I. hatte seinem Sohn Felipe ein schweres Erbe hinterlassen. Skandale hatten das Königshaus in Misskredit gebracht. In der Bevölkerung sank der Rückhalt für die Monarchie auf ein Rekordtief.

Ein Jahr nach dem Thronwechsel in Madrid porträtiert die Dokumentation Spaniens neues Königspaar, taucht ein in die bewegte wie bewegende Geschichte des Hauses Bourbon. Anhand ausgesuchter Biografien erkundet der Film die 300-jährige Herrschaft der spanischen Bourbonen und schlägt den Bogen von Schloss Versailles unter Sonnenkönig Ludwig XIV. zum Königspalast in Madrid, unter Felipe VI.. Filmemacherin und Königshaus-Expertin Julia Melchior begleitete das neue Königspaar über Monate. Eindrucksvolle Bilder gewähren seltene Einblicke in den Alltag des spanischen Königshauses.

Nachkommen, Biografen und Historiker über: Die Wittelsbacher

Hans-Michael Körner, Historiker: Die Dynastie der Wittelsbacher ist eine erstaunlich bedeutende Dynastie mit einer ganz unglaublichen Kontinuität der Herrschaftsgeschichte. Sie beginnt 1180 und endet mit der Revolution von 1918. Das ändert nichts daran, dass die Familie heute noch eine hohe gesellschaftliche  - und in Grenzen auch politische – Präsenz im Freistaat Bayern hat.

Herzog Franz von Bayern, Chef des Hauses Wittelsbach: Es kann mir nicht egal sein, was in und mit Bayern passiert. Das klingt nach großen Worten, aber es stimmt. Es geht mir auch darum, dass die Menschen in Bayern wissen, dass es uns gibt und dass sie uns jederzeit ansprechen können, wenn sie Fragen haben oder wenn sie meinen, dass wir helfen können.

Die Geschichte der Wittelsbacher begleitet mich, seit ich mich erinnern kann. Der Umgang mit ihr ist für mich eine Selbstverständlichkeit, aber auch eine Verpflichtung.

Herzog Franz von Bayern, Urenkel des letzten bayerischen Königs: Die Kommerzialisierung von König Ludwig II. geht mir manchmal zu weit. Auf der anderen Seite respektiere ich die Liebe der Menschen zu ihm.

Prinz Ludwig von Bayern, Ururenkel des letzten bayerischen Königs: Die Monarchie in Deutschland wurde vor fast 100 Jahren abgeschafft, aber das Haus Wittelsbach ist sehr viel älter. Die Wittelsbacher waren auf vielen europäischen Thronen und in vielen Funktionen in ganz Europa aktiv, natürlich mit einem Schwerpunkt in Bayern und der Pfalz.

Wenn ich die Familie vertrete, dann werde ich oft mit "Königliche Hoheit" angesprochen. Da sind erstaunlich viele Menschen, die noch den Bezug zur Tradition des Königshauses sehen. Ich denke, das Haus Wittelsbach wird es auch in Zukunft geben. Wichtig für uns ist, dass wir als Teil der Gesellschaft einen Sinn finden. Und da sind wir auf einem guten Weg.

Ludwig II. hat sich in eine emotionale Traumwelt geflüchtet, weil er die Realitäten nicht mehr wahrnehmen wollte. Ich kann sein Leiden schon nachvollziehen. Bayern ohne König Ludwig II. wäre ein anderes Bayern. Er ist ein großer Bestandteil der Pop-Kultur geworden. Heute in den Schlössern von Ludwig II. zu wohnen, wäre eher unpraktisch. Es sind wirklich Traumbauten, es gibt noch nicht einmal Gästezimmer.

Prinz Leopold von Bayern, genannt "Poldi": König Ludwig ll. war nicht verrückt. Er war ein Visionär, ein Technikfreak, seiner Zeit voraus. Was wäre Bayern ohne seine Königschlösser? Um eine große Attraktivität ärmer.

Die Osmanen

Prinz Osman Bayazid Osmanoğlu, Familienoberhaupt, lebt in New York: Ob ich ein Sultan sein wollte? Wirklich nicht. Das bedeutet zu viel Verantwortung. Ich wollte nie zurückgehen in die Türkei. Ich sagte meiner Mutter, ich gebe doch meine hart verdienten amerikanischen Dollar nicht in einem Land aus, dass uns hinausgeworfen hat. Da sagte sie: Du musst hinfahren und das Land mit meinen Augen sehen. Das habe ich getan – und ich liebe die Türkei, wirklich. Das Osmanische Reich existiert nicht mehr, die Türkei ist Republik. Und das ist auch gut so.

Professor Marc David Baer, Osmanologe: Man muss daran erinnern, dass das Osmanische Reich nach heutigen Maßstäben ein europäisches Reich war. Vom 14. Jahrhundert an standen die Osmanen in Südosteuropa. Im 16. Jahrhundert rückten sie bis zu den Toren Wiens vor, also nach Mitteleuropa. Im 17. Jahrhundert eroberten sie Südpolen und die Ukraine sowie den Süden des russischen Reichs, den Kaukasus. Deswegen war das Osmanische Reich sowohl ein europäisches als auch ein asiatisch-nahöstliches Reich.

Professor Marc David Baer, Historiker: Vom 16. Jahrhundert an übernahmen die Osmanen ein Thronfolgesystem, das genau dem europäischen System glich: der älteste Sohn wurde zum Herrscher. Aber zuvor - und das zog die Aufmerksamkeit vieler Historiker auf sich - gab es die osmanische Tradition des Brudermords, die tatsächlich auch im osmanischen Gesetz festgeschrieben war. Wenn der Sultan gestorben war, mussten seine Söhne mit ihren jeweiligen Unterstützern auf dem Schlachtfeld um die Nachfolge kämpfen. Derjenige, der zuerst Istanbul erreichte oder derjenige, der seinen Bruder in der Schlacht tötete wurde zum Herrscher. Ein Aspekt dieser Tradition war auch, dass der siegreiche Sohn dann auch seine anderen Brüder tötete.

Ayşe Adile Nami Osmanoğlu Tars, Urenkelin von Sultan Abdulhamid II.: Die Europäer hatten schon immer Angst vor den Osmanen. Sie waren starke Krieger und gut organisiert. Unter ihnen waren große Strategen. Im osmanischen Reich konnten die Menschen ihre Religion frei äußern und danach leben.

Osman I. hat auf einem klitzekleinen Fleck den Grundstein für ein großes Imperium gelegt. Deswegen spielt dieser erste Sultan so eine bedeutende Rolle. Prinz Orhan Osmanoğlu, Enkel 4. Grades von Abdulhamid II.1924, mit der Ausrufung der Republik wurde das Kalifat zunächst auf sechs, acht Monate verkürzt und schließlich die Verbannung der ganzen osmanischen Dynastie beschlossen. Den Männern wurde nur 72 Stunden Zeit gegeben, den Frauen eine Woche. 155 Familienmitglieder wurden verbannt. Und mit Antritt des Exils wurde die Familie enteignet.

Wenn ich durch die Straßen gehe und die Moscheen und Paläste sehe, dann denke ich: Wie schön, dass es meine Großväter gab. Dank meiner Großväter gibt es auf der Welt solche einzigartigen Bauwerke. Mit der Eroberung Istanbuls durch Mehmed II., also erst nachdem Konstantinopel zu Istanbul geworden war, wurde das Osmanische Reich zu einem Imperium. Danach hatte Mehmed II. geplant, auch Rom zu erobern. Das wussten alle. Wir haben ganz Europa zum Schaudern gebracht.

Prinzessin Nilhan Sultan Osmanoğlu, Tochter von Orhan Osmanoğlu: Natürlich bin ich stolz, zu so einer Familie zu gehören. Wenn Sie mich fragen, ob ich gerne im Palast leben würde, dann sage ich: Ja, sehr gerne sogar. Ich bin die Nachkommin in fünfter Generation von Abdülhamid II.; möge sein Platz im Paradies sein. Wenn Sie mich fragen, wie es wäre, eine Sultana zu sein: Also zunächst einmal tragen sie 650 Jahre, ich möchte nicht sagen auf den Schultern, sondern auf dem Haupt. Man trägt Verantwortung.

Die Bourbonen

Paul Ingendaay, Journalist: Was macht ein Franzose auf dem spanischen Thron? Die Bourbonen auf einen Thron zu setzen, wo sie eigentlich gar nicht hingehören, hat das europäische Gleichgewicht empfindlich gestört. Und mit diesem Problem begann die Bourbonenherrschaft. Die Bürgerkriege während der letzten 300 Jahre und das Katalonien-Problem sind letztlich darauf zurückzuführen. Alles begann damit, dass Ludwig XIV. seinen Enkel Philippe auf diesen Thron setzte. Und Philippe glaubte, er müsse den Zentralismus, den er in Frankreich gelernt und den der "Sonnenkönig" ihm vorgebetet hat, einfach nach Spanien exportieren. Er begriff einfach viel zu spät, dass es in Spanien völlig anders lief.

Carmen Iglesias, Direktorin der Königlichen Akademie für Geschichte und langjährige Mentorin von König Felipe VI.: König Felipe hält das Versprechen, mit dem er angetreten ist. Einen besseren Nachfolger hätten wir uns nicht wünschen können. Er ist klug und seiner Aufgabe mehr als gewachsen. Ein Mann mit großem Einfühlungsvermögen und hohem moralischem Anspruch. Er wird das Lebenswerk seines Vaters aufs Beste fortführen und für die freiheitliche Demokratie und das Wohl des Landes eintreten.

Paul Ingendaay, Journalist: Spanien ist ein Land von schwarz und weiß, ein Land der krassen Gegensätze und der Leidenschaften, die wie auf einer Bühne ausgelebt werden. Und das macht es bis heute so schwierig in der Politik. Die Spanier diskutieren hitzig bis ins kleinste Detail. Sie ertragen die Grautöne schlecht. Juan Carlos aber war der Meister der Grautöne. Er war bereit, selbst grau zu sein, damit dieses Land endlich in seinen Extremen zusammenwächst. Vielen ist das gar nicht klar. Die haben Juan Carlos als Kumpel und Charmeur gesehen, aber die wirkliche mentalitätsgeschichtliche Leistung ist, "das Grau" akzeptabel gemacht zu haben. Grau bedeutet Demokratie und Frieden. Wir haben in Spanien die längste Friedensepoche seit Menschengedenken. Und Juan Carlos ist der Mann, der das vollbracht hat.

Alfredo Urdaci, Ex-Chef von Letizia und Co-Moderator der Nachrichten bei TVE: Letizia war eine leidenschaftliche Journalistin. Sobald eine Nachricht über den Ticker ging, wollte sie an den Ort des Geschehens und berichten. Sie arbeitete sehr gewissenhaft und kannte nur ihren Job. Eine echte Perfektionistin. Man konnte sich auf sie verlassen und es hat Spaß gemacht, mit ihr zu arbeiten. Seit sie Königin ist, kommt diese Seite von ihr erst richtig zur Geltung und die Menschen fangen an, eben diese Eigenschaften an ihrer neuen Königin zu schätzen.

Ich erinnere noch, wie Letizia mich um einen Termin bat. Sie kam in mein Büro und sagte zu mir: "Ich habe mich mit Felipe verlobt." "Sehr schön, gratuliere", antwortete ich ihr, "aber welcher Felipe?". Niemand hatte die leiseste Ahnung von dieser Beziehung. Anfangs fiel es Letizia gewiss nicht leicht, sich an ihr Leben als Prinzessin zu gewöhnen. Sie stand in der zweiten Reihe und hatte auch nicht wirklich eine Aufgabe. Sie musste ihren Eifer regelrecht unterdrücken. Aber jetzt als Königin blüht sie wieder richtig auf.

Mit einem "Wischer" oder "Klick" (ab 8. Juli 2015)

Online-Begleitung zu "Königliche Dynastien"

Wer hat wann in welche Dynastie eingeheiratet? Wie waren die verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen den Herrscherhäusern? Welche politischen Ereignisse oder Erfindungen prägten zeitgleich die Weltgeschichte? Mit einem interaktiven Angebot lädt das ZDF unter der Web-Adresse www.Dynastien.ZDF.de ab dem 8. Juli 2015 ein, Zusammenhänge und Hintergründe zu den Herrscherhäusern aktiv auf unterhaltende Weise zu erforschen und zu verstehen. 

Mit PC oder Tablet kann man in die Geschichte der Herrscherhäuser eintauchen und historische Zusammenhänge bis in die Gegenwart begreifen. In Wort und Bild informiert das Angebot über die mächtigsten und schillerndsten Figuren aus sechs Jahrhunderten. Mit einem "Wischer" oder "Klick" kann der User durch eine Dynastie navigieren. Die wichtigsten Herrscherinnen und Herrscher sind prägnant hervorgehoben, ihre Beziehungen zu Ehepartnern, Mätressen und Verwandten auf einen Blick erkennbar. Wer hat seine Cousine geheiratet und mit ihr Kinder gezeugt? Wie eng sind die Herrscherfamilien miteinander verwandt, die nicht selten Krieg gegeneinander führten?

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