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Mainzer Stadtschreiber 2017 - Abbas Khider

Der Mainzer Stadtschreiber 2017, Abbas Khider, wird am Dienstag, 7. März 2017 feierlich in sein Amt eingeführt. Khider, 1973 in Bagdad geboren und wohnhaft in Berlin, ist der 33. Träger des von ZDF, 3sat und der Stadt Mainz gestifteten Literaturpreises.

  • ZDF, Dienstag, 7. März 2017, 15.30 Uhr

Texte

Die Mainzer Stadtschreiber 2017: Abbas Khider
Biografie und Bibliografie

Abbas Khider, Jahrgang 1973, wuchs in Bagdads Viertel Saddam-City als Sohn eines Dattelhändlers auf. Als Abiturient wurde er wegen politischer Aktivitäten gegen das Regime Saddam Husseins verhaftet und von 1993 bis 1995 inhaftiert und gefoltert. Nach seiner Flucht aus dem Irak ersuchte er im Jahr 2000 um Asyl in Deutschland. Von 2005 bis 2010 studierte er in München und Potsdam Literatur und Philosophie. Seit 2007 ist Khider deutscher Staatsbürger.

In seinem Romandebüt "Der falsche Inder" (2008) verarbeitete er seine jahrelange Odyssee als Flüchtling. 2011 folgte der Roman "Die Orangen des Präsidenten", in dem Khider ein erschütterndes Bild des Irak zwischen Gefängnishölle und behüteter Kindheitsidylle zeichnete. Mit "Brief in die Auberginenrepublik" (2013) entwarf Khider ein vielstimmiges Panorama arabischer Fluchten, Zustände und Stimmen, von Libyen bis Irak. 2014 leitete Khider eine Schreibwerkstatt in Kairo, nachdem er schon 2011 in der ägyptischen Kapitale recherchiert hatte und sich an den Protesten gegen das Mubarak-Regime beteiligte. 2016 erschien sein aktueller Roman "Ohrfeige", der abermals sofort auf große Aufmerksamkeit bei Kritik und Lesern stieß. Khider schildert mit Sinn für Melancholie und Groteske, wie eine Gruppe von Asylbewerbern Anfang der 2000er Jahre in das Räderwerk einer absurden deutschen Bürokratie gerät.

Ausgezeichnet wurde Abbas Khider bereits unter anderem mit dem Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis (2010), dem Hilde-Domin-Preis für Literatur im Exil (2013), dem Nelly-Sachs-Preis der Stadt Dortmund (2013), dem Spycher Literaturpreis Leuk 2016, der Heinrich-Heine-Gastdozentur 2016 und dem Adelbert-von Chamisso-Preis 2017.

Bibliografie-Auswahl

Der falsche Inder. Roman. Edition Nautilus, 2008

Die Orangen des Präsidenten. Roman. Edition Nautilus, 2011

Brief in die Auberginenrepublik. Roman. Edition Nautilus, 2013

Ohrfeige. Roman. Carl Hanser Verlag, 2016

Rede von ZDF-Kulturchef Prof. Peter Arens zur Verleihung des Mainzer Stadtschreiber-Literaturpreises 2017 an Abbas Khider

– Es gilt das gesprochene Wort –

Als Mitglied der Stadtschreiber-Jury war ich selten glücklicher mit der Wahl des Preisträgers als in diesem Jahr, als mit Ihnen, Herr Khider. Wir ehren mit Ihnen einen Schriftsteller, der sich durch seinen Werdegang von der Mehrzahl seiner Vorgängerinnen und Vorgänger im Amt des Mainzer Stadtschreibers unterscheidet. Sie sind nicht mit der Muttersprache Deutsch geboren. Das haben Sie gemein mit Feridun Zaimoglu, Stadtschreiber 2015 und schließlich mit Ilija Trojanow, Stadtschreiber 2007.

Sie mussten sich nach langer Flucht diese unsere ja nicht ganz unkomplizierte Sprache draufschaffen. Die Tatsache, dass Sie Deutsch von Anfang an, seit Sie in Deutschland durch die Asylaufnahmemühle gehen mussten, als Ihre Schriftstellersprache ausgewählt haben, finde ich bewundernswert. Noch beeindruckender jedoch ist, was Sie aus der Sprache herausgeholt haben. Wie kunstvoll Sie aus dem eigentlich ja mal fremden Deutsch diese berührenden, bittersüßen und raffiniert konstruierten Romane schreiben.

In der Süddeutschen Zeitung haben Sie mal gesagt: "Mit der Zeit wurde die deutsche Sprache mein Exil. Sie erlaubt mir, zu sein, wie ich bin, zu schreiben, was ich will. Ich kann auch unverschämt sein und genieße es! Ich habe mir in der deutschen Sprache eine Heimat erfunden und lebe darin."

Damit formulieren Sie die klassische Erfahrung aller Exilanten, die sich in der Fremde buchstäblich neu finden mussten. Flüchtlinge aus einer anderen Zeit, Thomas Mann oder Bertolt Brecht, haben allerdings ihre Sprache in die Fremde mitgenommen. Das ist ein großer Unterschied.

Lieber Herr Khider, als ich Ihre "Ohrfeige" las, war erstaunlich, wie mir unablässig immer wieder neue Gedanken durch den Kopf schossen. Das ist mir bei aktueller deutschsprachiger Literatur schon lange nicht mehr passiert. Ich glaube, es hat damit zu tun, wie tief und facettenreich Sie das Motiv der Fremdheit ausleuchten, das wohl wichtigste sozialpsychologische und politische Motiv unserer Gegenwart. Meine Lieblingspassage aus der Ohrfeige ist, wie der irakische Flüchtling Karim nach langer Reise endlich in Deutschland ankommt, frühmorgens aus dem heimlichen Schlepperbus ausgespuckt wird und plötzlich allein in der Fremde steht. Er wähnt sich in Paris, ist aber in Bayern gelandet (der arme Kerl). Seine Mutter hat ihm eingeschärft, sich in Europa gut zu kleiden, denn danach würden Menschen beurteilt.

"Ich stand also in einer ländlichen Gegend hinter einem Baum und zog mich um. Für einen kurzen Moment sah ich mich von außen. Wie ich irgendwo auf diesem Planeten in Unterhosen im Schnee stehe, ohne zu wissen, wo ich bin. Ich kam mir unter diesem wirklich schönen Baum mit einem Mal mutterseelenallein vor. So allein wie noch nie zuvor in meinem Leben".

Karim wird schnell von Polizisten aufgegriffen und brutal verhört. Erst später ist eine junge Polizistin etwas freundlicher zu ihm. Der Leser lernt daraufhin so einiges über das tägliche Leben von Asylsuchenden. Es wimmelt im Roman von Menschen und sie alle werden liebevoll und fein gezeichnet. Wir begegnen Träumern und Schleppern, Spitzeln und Betrügern, armen Toren und reichen Tätern, Verliebten, Betrogenen, Verfolgten – von Bagdad, über Istanbul bis in die bayerische Provinz. Die Heime sind getrennt nach albanischem Gebiet, afghanischem Raum, weißrussischer Stube, und dem mesopotamischen Flur (mit den Irakern). Man beachte: Mesopotamien, Zweistromland, die früheste Hochkultur der Menschheitsgeschichte, als hier in Deutschland noch Bären, Wölfe und Wisente unter sich waren.

Der neugierige Leser kriegt so manche Flüchtlings-Insider-Tipps: Wenn Karim sich im Bahnhof vor Polizisten tarnen will, hält er sich die Süddeutsche Zeitung vors Gesicht – denn hinter anspruchsvollen Zeitungen vermuten die Polizisten einfach keine Flüchtlinge. Wobei Karim die BILD lieber liest, sie ist einfacher. In einer Passage dachte ich mir allerdings, gar nicht so weit weg zu sein von Karim. Was er kaum erträgt, ist: "Die boshafte europäische Eiseskälte! Ich hatte so ein Wetter noch nicht erlebt. Es schneite die ganze Zeit. War mir ein Rätsel, wie ich vernünftig im Schnee gehen sollte." Lieber Karim, mit diesem "eisigen Elend" geht es mir ganz genauso, und es wird immer schlimmer.

Wir lernen bei Ihnen, lieber Herr Khider, wie sich Flucht und Fremde anfühlen, wie die Menschen empfinden, was sie durchmachen. Und ich bin auch deshalb so begeistert von dem Buch, weil es eben nicht schwarz-weiß malt. Natürlich ist da Behördenwillkür, von herzlosen und überforderten Beamten, aber es gibt auch Einheimische, die helfen, wie die beflissenen Mitarbeiter der Caritas. Natürlich gibt es eine entseelte Rechtsprechung, aber die Iraker wissen auch, dass es den Homosexuellen hier besser geht als in ihrer Heimat. Was bisweilen zu kleinen Schummeleien über ihre sexuelle Ausrichtung führt. Oder sie schwingen an langweiligen Heimabenden revolutionäre Reden gegen Saddam Hussein, und bekommen Kontra von anderen Landsleuten, weil sie doch im Irak zu feige waren. Tage- und nächtelang brüten sie über erfundenen Geschichten, um strenge deutsche Richter von ihrer Asyldringlichkeit zu überzeugen.

Das alles wird so schnörkellos, so authentisch erzählt, dass man dem Roman aufs Wort glaubt. Die Asylbewerber sind Boten des Unglücks, wie Bertolt Brecht – selber Asylant – einmal in einem Gedicht geschrieben hat. Sie bringen den Krieg und das Trauma mit aus ihren Herkunftsländern ins Aufnahmeland, dessen Einheimische sich in ihrer Komfortzone bedrängt fühlen und daher auf Abstand gehen. Man ahnt, dass dort in der Ferne große Konflikte wüten, die näher kommen werden. Da hilft nur, diese Boten des Unglücks verstehen zu lernen, ihre Schicksale kennen zu lernen. Nur dann entsteht, und das ist uralte, aber nicht immer beherzigte Erkenntnis, Toleranz und Partnerschaft.

Ich kenne offen gestanden nicht viele Romane wie Ihren, die Abbau von Fremdheit anhand von Geschichten so scheinbar einfach darlegen und vorantreiben. Sie, lieber Herr Khider, bedienen sich einer überwältigend schlüssigen und klaren Sprache, die den Leser packen soll. Ihre Sprache trieft nicht vor Autorenstolz, die den Leser in fruchtlose Ehrfurcht versetzen soll. Sondern Ihr Storytelling ist, in meinen Augen, einer konkreten Absicht, einer Haltung verpflichtet. Im festen Glauben, mit Literatur wirklich die Welt besser zu begreifen. Im festen Glauben, dass ein ästhetisches Verhältnis zur Welt ein erkennendes Verhältnis ist. Das geht nur dann, wenn man so schreiben kann, wie Sie. Wie viel Begabung, wie viel Disziplin, wie viel Können ist wohl vonnöten, in einer fremden Sprache so  weit zu kommen. Ich weiß es nicht.

Jetzt sind Sie deutscher Staatsbürger, ein deutscher Schriftsteller mit Familie in Berlin, Ihr Zuhause seit vielen Jahren. Zu unserem Glück sind Sie hier heimisch geworden. Angesichts des Abschottungswahnsinns und nationaler Egoismen könnte man derzeit zynisch werden und verzweifeln. Stimmen wie Ihre sind jetzt noch wichtiger als zuvor. Hier im Mainzer Rathaus muss ich heute niemanden von Ihnen davon überzeugen, dass Literatur, dass Bücher, Zeitungen, aber auch unsere öffentlich-rechtlichen Medien für eine offene, selbstreflektierende Gesellschaft wie der, in der wir leben dürfen, unverzichtbar sind. Wir feiern heute die Literatur und ihre Wirkmächtigkeit. Sie, lieber Herr Khider, sind zwar nicht der "Flüchtling vom Dienst", aber natürlich sind Sie auch kämpferisch und treten für universelle Werte ein, wie Menschenwürde und Respekt vor jedem einzelnen Individuum. Sie kritisieren deutlich die Asylpolitik Deutschlands. Aber vor allem ist Ihnen eines wichtig: "Ich schreibe darüber", sagten Sie im Tagesspiegel, "wie einfache Menschen die Welt sehen". Punkt!

Angeblich waren Ihre ersten drei Worte auf Deutsch: "Hitler, Scheiße und Lufthansa". Ich erwähne das, weil es lustig ist, und weil sich Ihr Wortschatz inzwischen wesentlich ausdifferenziert hat. Sonst würden Sie diesen schönen und wichtigen Mainzer Stadtschreiberpreis ja auch nicht bekommen. Ich gratuliere Ihnen im Namen des ZDF sehr herzlich und heiße Sie oben auf dem Lerchenberg willkommen! Lassen Sie uns zusammen einen schönen Film produzieren, der ist ja ein wesentlicher Teil des Preises.

Lieber Herr Khider, Sie haben viel erlebt, und Sie verstehen sich aufs Erzählen. Helfen Sie uns, mit Ihren Erfahrungen und Ihrer Ästhetik, das Fremde besser zu verstehen. Erzählen Sie davon den wissbegierigen und freiheitsliebenden Mainzern. Sie werden kaum bessere Zuhörer und Verwerter finden als den formidablen homo moguntia, der auch nach der Fastnacht ein höchst geselliger Mensch bleibt. Ich freue mich sehr auf Sie, auf den Autor und Mensch Abbas Khider, das kann gemeinsam eine tolle Geschichte werden.

Alles Gute und vielen Dank! 

Rede des Mainzer Oberbürgermeisters, Michael Ebling,
zur Verleihung des Mainzer Stadtschreiber-Literaturpreises 2017 an Abbas Khider

– Es gilt das gesprochene Wort –

"Stumm und starr vor Angst hockt sie in ihrem Drehstuhl, als hätte die Ohrfeige sie betäubt."

Gleich der erste Satz von Abbas Khiders jüngstem Roman "Ohrfeige" haut richtig rein – und steht dabei doch in größtem Kontrast zur eigentlichen Absicht des Protagonisten, einem irakischen Asylbewerber in Deutschland. Der will sich nämlich "einfach mal mit Ihnen von Mensch zu Mensch in aller Ruhe unterhalten". Zugegeben: ein vielleicht etwas seltsames Verständnis von "ruhiger Gesprächsatmosphäre", aber letztlich symptomatisch für das, was uns auf den folgenden 200 Seiten erwartet: ein Wechselbad der Gefühle, ein permanentes Schwanken zwischen den Extremen, ein Alptraum und ein großes Lese-Vergnügen zugleich!

Was Khider beschreibt, ist dabei nur scheinbar weit weg von uns. Tatsächlich ist das Aufeinanderprallen von Kulturen und diametral entgegengesetzten Lebensumständen ein gutes Stück deutsche Realität. Diese Realität klingt bei Khider einerseits deprimierend – "Was bedeutet es für mich, wenn ich weder in der Heimat noch in der Fremde leben darf?" – und andererseits zum Verzweifeln komisch:

"Hier will ich nicht bleiben, ich soll weiter nach Paris. – Mach bitte keine Dummheiten! Deine Fingerabdrücke wurden abgenommen und an andere europäische Länder weitergeleitet. Du kannst nirgendwo anders Asyl beantragen. […] Dein Paris heißt jetzt Zirndorf."

Ganz so hart trifft es Abbas Khider zum Glück nicht – sein Paris heißt ab jetzt immerhin Mainz und dazu beglückwünsche ich unseren Ehrengast sehr herzlich (und selbstverständlich völlig ironiefrei). Die Jury des Mainzer Stadtschreiberpreises hat mit ihrem Votum für Abbas Khider eine hervorragende Wahl getroffen: Sie hat sich für einen Schriftsteller entschieden, der zwar keineswegs neu auf der literarischen Bühne ist – auch seine Vorgänger-Romane "Der falsche Inder", "Die Orangen des Präsidenten" und "Brief in die Auberginenrepublik" waren bereits vielbeachtete Werke –, der aber eine so ungestüme Fabulierfreude mitbringt, wie sie nicht oft zwischen zwei Buchdeckeln zu finden ist. Zumindest nicht in deutscher Sprache.

Im Deutschen unterscheiden wir ja bekanntlich gerne zwischen ernsthafter und Unterhaltungsliteratur. Was heißt unterscheiden – Ernst und Spaß stehen sich bei uns oft gegenüber wie feindliche Staaten! Da braucht es jemanden von außen, der die Gräben scheinbar spielerisch überwindet. Der mit geradezu kindlichem Vergnügen von humoristischen Szenen zu poetischen Passagen, zu knallhartem Realismus wechselt. Jemanden wie Abbas Khider.

Abbas Khider versprüht trotz der Schwere seiner Themen und der Traumata seiner Protagonisten einen geradezu mitreißenden Optimismus und eine Leichtigkeit, die ansteckend ist. Vielleicht weil er aus seiner eigenen Biographie weiß, dass sich das Schwere mit Humor einfach leichter tragen lässt, ja, dass es sich vielleicht überhaupt nur so ertragen lässt? Oder um es mit einem sehr ernsthaften deutschen Philosophen, mit Immanuel Kant, zu sagen: "Nur wer das Leben ernst, bitter ernst nimmt, hat auch wirklich Humor."

Genau das aber ist es, was viele Leserinnen und Leser an Abbas Khiders Romanen so bewegt und berührt: Die Ernsthaftigkeit und Empathie, mit der er auf die Not und das Leid von Flüchtlingen, auf ihre Flucht- und Gewalterfahrungen, aufmerksam macht. Auf Menschen also, wie sie zu Tausenden unter uns leben. Abbas Khider gibt diesen verzweifelten, entwurzelten, suchenden Menschen eine Stimme. Und er weiß genau, wovon er spricht, denn seine eigene Biographie ist die Biographie eines Verfolgten und Geflüchteten.

Geboren in Bagdad wurde er mit 19 Jahren wegen seiner politischen Aktivitäten verhaftet und fast zwei Jahre lang in Gefängnissen interniert. Nach seiner Entlassung floh er 1996 aus dem Irak und kam nach einer langen Odyssee durch arabische und europäische Länder schließlich in Deutschland an. Und angekommen ist er hier in der Tat – nicht nur in einer neuen Heimat, sondern auch in einer neuen Sprache:

"Die deutsche Sprache war wie ein Zufluchtsort für mich. Ein Ort, an dem ich träumen, Freiheit und Distanz zu meinen Schmerzen und der Vergangenheit haben konnte."

Abbas Khider, meine Damen und Herren, ist angekommen. Im Gepäck dabei aber hat er Erfahrungen und Erlebnisse, die gleich für mehrere Leben reichen könnten, und die heute das Fundament seines literarischen Schaffens darstellen.

Das Amt des Mainzer Stadtschreibers blickt auf eine lange Tradition zurück: 1984 wurde der gemeinsame Preis von ZDF, 3sat und der Landeshauptstadt Mainz erstmals verliehen, und zwar an Gabriele Wohmann. Seither konnten wir viele weitere namhafte Autorinnen und Autoren für unsere Stadt und dieses Amt gewinnen. Sie alle haben es auf sehr persönliche Art geprägt und bereichert – ich nenne hier nur aus der jüngsten Vergangenheit Feridun Zaimoglu, Judith Schalansky, Peter Stamm, Kathrin Röggla, Ingo Schulze, Josef Haslinger, Monika Maron, Michael Kleeberg und natürlich Ilja Trojanow, mit dem es heute ja noch ein Wiedersehen gibt.

Die Amtszeit des direkten Vorgängers als Mainzer Stadtschreiber, von Clemens Meyer, endet heute, und ich nutze die Gelegenheit gerne, ihm im Namen der Bürgerinnen und Bürger von Mainz zu danken. Mit Abbas Khider freuen wir uns jetzt auf einen Autor, der sich zwar explizit nicht als Sprachrohr der Flüchtlinge oder gar als ihr Repräsentant verstanden wissen will, der uns aber dennoch wie kaum ein Zweiter mit den Träumen und Sehnsüchten, den Ängsten und Sorgen dieser Menschen, unserer Mitmenschen, vertraut macht.

"Stellen Sie sich vor", so hat Abbas Khider in einem Interview einmal gesagt, "Sie sitzen in einem Auto und fahren in einem dichtbewachsenen Wald. Dann geht Ihr Auto kaputt, aber Sie müssen weiter, weil Leute hinter Ihnen her sind. Umkehren können Sie nicht. Laufen Sie nach links, rechts oder geradeaus? Wohin führen die Wege? Hinter jedem Baum könnte eine Gefahr stecken. Sie müssen ständig auf der Hut sein und immer weitergehen, in der Hoffnung, irgendwo anzukommen, wo es sicher ist. Diesen Ort zu finden, ist der Traum des Flüchtlings."

Vertreibung, Flucht, Exil, Fremde – das sind die Themen von Abbas Khider. Und das sind zugleich die Themen, die unsere Gegenwart (und gerade in Deutschland auch unsere Vergangenheit) prägen. Themen, die die Lektüre von Khiders Romanen so fesselnd und zugleich nachdenkenswert machen.

Mit der Vergabe des Mainzer Stadtschreiberpreises erinnern wir alljährlich auch an das Erbe Johannes Gutenbergs. Und dieses Erbe ist lebendiger denn je. Zwar sind dem Buch seit den Tagen Gutenbergs mächtige Konkurrenten erwachsen, doch von einem Ende des Schreibens kann auch im digitalen Zeitalter keine Rede sein. Zu unserem großen Glück finden sich immer wieder Menschen, die die Mühen des Schreibens auf sich nehmen und ihre Leserinnen und Leser entführen – in fremde, ferne Welten, manchmal aber auch einfach in unsere unmittelbare Nachbarschaft: zum Beispiel in eine der vielen Flüchtlingsunterkünfte in unserem Land.

Lieber Abbas Khider, wir sind gespannt, in welch ferne Welten und unmittelbare Nachbarschaften Sie uns entführen werden in Ihrem Jahr als Mainzer Stadtschreiber. Tausendundeine Nacht lang dauert dieses Amt zwar – leider – nicht, aber auf immerhin 365 Tage mit Ihnen dürfen wir uns ab heute freuen. Schön, dass Sie heute bei uns sind, lieber Abbas Khider, und herzlich willkommen in Mainz!

Laudatio von Ilija Trojanow auf den Mainzer Stadtschreiber 2017, Abbas Khider

– Es gilt das gesprochene Wort –

Sie müssen nicht zuhören, Sie möchten es. Zumindest anfänglich. Sie sind aus freien Stücken hergekommen. Niemand hat Sie gezwungen. Manche von Ihnen haben sich sogar freigenommen und sind über eine oder mehrere Autobahnen gefahren, um zuhören zu können. Ich bin diesbezüglich in einer bevorzugten Situation. Sie wollen mir zuhören und ich habe das Bedürfnis zu reden. Das ist das professionelle Privileg von Schriftstellern.

Wie ergeht es aber jenen, denen kaum jemand je zuhören will? Die folglich keine Stimme haben, auch wenn sie diese erheben. Zumal sie – selbst wenn sie Gehör finden – in der gängigen und gültigen Sprachwährung nur einige abgenutzte Münzen zusammenkratzen können. Sie bleiben lautstark unverständlich. So wie sie auffällig unsichtbar sind. In der Öffentlichkeit werden sie schief angeschaut oder misstrauisch beäugt, meistens aber nicht gesehen, weil sie einkaserniert sind, in Zirndorf etwa oder in Niederhofen.

Wie lange hält ein Mensch diese Quarantäne aus? Wie lange reißt er sich am Riemen, wie lange beißt er die Zähne zusammen und kaut an seinem Grimm? Wie lange dauert es, bis seine Sicherungen durchbrennen oder seine Pferde mit ihm durchgehen? Bis dieser Mensch, nennen wir ihn aus literarischem Anlass Karim Mensy, in das Amt seiner regelmäßigen Erniedrigungen hineinstürzt, die zuständige Sachbearbeiterin an einen Stuhl fesselt, sich eine Zigarette anzündet und zu reden beginnt. Wie ein Wasserfall oder wie ein Flüchtling, der das Wort ergreift. Auf Arabisch, denn er will die Fragmente seiner Existenz zusammenkleben, er will einmal wieder vollständig sein. Er redet und redet und redet und aus einem Impuls der Selbstverteidigung entsteht vor unseren Ohren Selbstermächtigung. Der Flüchtling wird wieder Mensch.

Das ist mutig, seitens der Figur wie auch des Autors, denn ein Bittsteller hat gemeinhin nicht zu widersprechen. Er sollte dankbar sein. Er sollte sich unauffällig verhalten, um die Vorurteile nicht zu schüren, er sei ein Agent der Unterwanderung, ein Dämon der Zerstörung. "Solange man den Schein wahrt und den Erwartungen der Menschen entspricht, ist man absolut sicher.", heißt es an einer Stelle in dem Roman "Ohrfeige".

Natürlich redet Karim Mensy nicht nur auf die gefesselte Verwaltungsangestellte Frau Schulz ein, sondern ebenso auf die deutsche Öffentlichkeit, die sich seit Jahren intensiv und exzessiv und manchmal hysterisch mit der sogenannten Flüchtlingskrise beschäftigt, und dabei auffallend selten die vermeintlichen Verursacher dieser Krise zu Wort kommen lässt. Der Mensch auf der Flucht ist mal eine Zahl, mal ein Objekt. Und wer mitfühlt, sieht ihn als Opfer der Verhältnisse.

Aber er bleibt stets ein Opfer. Karim Mensy hingegen wird zu einem Handelnden, indem er selbst erzählt. Zu einem Widerständigen. Und während wir seine Geschichte hören, während er in seiner individuellen Komplexität sichtbar wird, spüren wir allmählich, dass er eigentlich niemanden bedroht, auch wenn er Frau Schulz (Besoldungsgruppe E 6) gefesselt hat.

Das ist wichtig, denn der Flüchtling an sich, diese Chiffre der ultimativen Bedrohung, wirkt inzwischen aufgrund der Zuschreibungen anderer wie eine jener merkwürdigen Gestalten, die am ganzen Körper tätowiert sind, in seinem Fall mit Tätowierungen, die er sich nicht selbst ausgesucht hat. Wäre der Flüchtling weniger Objekt, weniger Zahl, weniger Opfer, weniger stumm und weniger allgegenwärtig unsichtbar, er erschiene uns weniger bedrohlich – das ist die Essenz von "Ohrfeige".

Übrigens ist Niederhofen laut herrschender Kartografie eine Ortsgemeinde im Landkreis Neuwied im Norden von Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbundsgemeinde Puderbach im Landkreis Neuwied an. Auf der literarischen Landkarte liegt Niederhofen irgendwo im Bayrischen, eine kurze Zugfahrt von München entfernt. Die Züge fahren pünktlich, auf die Polizeikontrollen ist Verlass, weswegen jene, die nicht auffallen dürfen, Strategien der Instant-Assimilierung entwerfen. "Mit der Süddeutschen Zeitung in der Hand trägt man als Illegaler in Bayern gewissermaßen Tarnfarbe." Humor ist bekanntlich die schärfste Waffe der Ohnmächtigen.

Wenn eine ganze Gesellschaft sich eines Themas annimmt, verselbstständigen sich die diskursiven Wahrheiten. Es dominieren Weltanschauungsfakten und gefühlige Argumente. Wer dem entkommen will, könnte Zuflucht finden in den Gegenwelten von Romanen. Karim Mensys schildert seine gelebte, erfahrene Wahrheit als Häftling des Stillstands, als ein den Stürmen der Unsicherheit ausgesetzter Schiffbrüchiger. Er ist weder dort, wo er herkommt, noch hier, wo er angekommen ist, willkommen. Er lebt in ständiger existentieller Angst.

Erstaunlich, wie diese Realität für etwa die Hälfte der Bevölkerung in diesem Land auf den Kopf gestellt ist. Die wahren Leidtragenden sind dieser Auffassung nach die Einheimischen, geschädigt von den Fremden, von den Einmarschierenden. Gegenwehr ist angebracht, gerechtfertigt. Laut offiziellen Zahlen des Innenministeriums gab es letztes Jahr 3.533 Angriffe auf Asylheime, 2.545 auf einzelne Flüchtlinge. Dabei wurden 560 Menschen verletzt, darunter 43 Kinder. Die Stimmung ist so aufgeheizt, dass viele Medien auf ihren Webseiten bei Artikeln zu diesem Thema die Forumsfunktion ausschalten. "Leider erreichen uns zum Thema Flüchtlinge so viele unangemessene, beleidigende oder justiziable Forumsbeiträge, dass eine gewissenhafte Moderation nach den Regeln unserer Netiquette kaum mehr möglich ist." Man wünscht sich, ein jeder Hassdampf-in-allen-Gassen müsste Karim Mansy zuhören.

Alle Romane von Abbas Khider handeln von der Flucht. Das ist verständlich, denn die Flucht lässt einen nie mehr los. Sie ist der große Bruch im Leben, selbst wenn ein Geflüchteter erfolgreich und arriviert ist, selbst wenn es ihm gelungen sein mag, zu studieren oder gar Bücher zu schreiben, die Ehrungen erhalten, er ist sich stets bewusst, dass sein Leben einen anderen Verlauf hätte nehmen können. Ein Fehler hier, etwas Pech dort, und er könnte tot sein, oder verloren, unbehütet, ein ewiger Flüchtling wie viele seiner Figuren. Ankunft, das erfahren wir bei Abbas Khider, ist die Utopie der Flüchtenden.

Angesichts der ungewissen Gegenwart, in der sie mehr schlecht als recht überleben, reisen sie in die eigene Vergangenheit. Ohne nostalgische Schwelgerei, voller Trauer um das untergegangene Land der eigenen Erinnerung. Denn im Gegensatz zu den Einheimischen, sind bei Geflüchteten Kindheit und Jugend, die Jahre vermessener Träume nicht nur zeitlich entrückt, sondern unwiederbringlich verloren, weil das Gedächtnis in Isolationshaft ausharrt. Umgeben von fremden Anblicken, Klängen, Gerüchen können die Erinnerungen nie lebendig vergegenwärtigt werden.

Es ist wie mit den Tauben, die Mahdi, der gepeinigte Held aus "Die Orangen des Präsidenten", auf dem Dach züchtet. Eines Tages sind sie verschwunden oder massakriert, auf jeden Fall fliegen sie nicht mehr auf. Das Taubenhaus der eigenen Kindheit und Jugend ist leer. Niemand kann bezeugen, was einst geschah. Briefe an die eigene Vergangenheit können nicht abgeschickt werden. Sie müssen gegen Zahlung von 200 Dollar über alle Grenzen geschmuggelt werden. Die eigene Biografie steht zwar geschrieben, aber in einem Alphabet, das keiner entziffern kann, außer einem, dem schreibenden Exilanten.

Oder in den Worten des chinesischen Exilanten Liao Yiwu: "Sie kann ihr eigenes Nest nicht verrücken … Sie hat sich von einem Vogel in einen Baum verwandelt, ihre Federn werden weiß und schrumpfen. Aber als Baum singt sie weiterhin die Lieder der Vögel."

Die Erfahrungen des Exils sind voller Widersprüchlichkeiten. "Im Exil leben unzählige Kreaturen, die an nichts anderes als an Geschäfte denken. Ohne diese Leute wäre das Exil eine Hölle. Diese Figuren aber sind die Fachmänner der Hölle. Ohne solche Geschöpfe kommt ein Exilant nicht aus. Manchmal braucht man sie, die Geldgeilen des Friedhofs, die einem das Leben im Grab erleichtern können." Erkenntnis entsteht aus genauer Kenntnis.

Diese Weltkenntnis kann man nicht simulieren. Als Leser mit eigener Fluchtgeschichte (inklusive sechs Monaten in Zirndorf), als Kollege mit eigenen ausgiebigen Recherchen über Gewalt und Unterdrückung, bestaune und bewundere ich die exemplarische Präzision von Abbas Khiders Wahrnehmung. Als etwa die US-Streitkräfte während des Ersten Golfkriegs in den Irak eindringen, beginnen die Gefängniswärter sich bei den Gefangenen zu entschuldigen, um sich vor der drohenden Rache zu schützen. "Wir sind nur kleine Beamte", sagen sie, "kleine Ameisen." Selbst in einer Diktatur sind Machtverhältnisse brüchiger als man meint, ruht Herrschaft auf wackligem Fundament. Denkt daran, beschworen Wärter in den Kerkern des Ostblocks nach der Ungarischen Revolution 1956 die bis vor kurzem gefolterten Häftlinge, wir haben euch meist gut behandelt, und wenn nicht, dann haben wir nur Befehle ausgeführt.

Abbas Khider schreibt schlanke Bücher. Sie sind entschlackt. Reduziert auf das Wesentliche. Kein Nippes, kein Schnickschnack, so wie das Gepäck eines Menschen, der auf der Flucht ist. Beim Lesen dieser Romane erfahre ich eine verstörende Mischung aus Amnesie und Déjà-vu. Ich habe all dies, denke ich, schon einmal vergessen. Zu Unrecht.

Und gelegentlich bleibt mir beim Lesen einfach nur die Spucke weg. Das zweite Kapitel von "Die Orangen des Präsidenten" beginnt folgendermaßen: "Am Anfang war nicht das Wort, sondern die Spucke meiner Mutter im Gesicht meines Vaters." Das ist der spuckreife Auftakt wahren Erzählens. Folglich endet der Roman mit dem Wunsch, "… eigentlich will ich nur auf alles spucken. Auf die Heimat. Auf die Baathisten. Auf Amerika. Auf die Araber. Auf die Alliierten. Auf die ganze Menschheit. Und auf Gott, den Faulen, der seinen Hintern nicht hochkriegt." Ja, manchmal muss man auf diese Scheißwelt spucken und manchmal muss man in die Hände klatschen, wenn ihr die Wortstirn so meisterhaft und nachdrücklich geboten wird, wie Abbas Khider es tut.

Die Mainzer Stadtschreiber und ihre TV-Dokumentationen

1985  Gabriele Wohmann (verstorben am 22. Juni 2015)
          "Unterwegs"
           (Sendung: 17. November 1985)

1986  H. C. Artmann (verstorben am 4. Dezember 2000)
          "Den Horizont überschreiten"
           (Sendung: 7. Dezember 1986)

1987  Ludwig Harig
          "Zu ergründen die eigene Heimkehr"
          (Sendung: 6. Dezember 1987)

1988  Sarah Kirsch (verstorben am 5. Mai 2013)
          "Briefe an eine Freundin"
           (Sendung: 4. Dezember 1988)

1989  Horst Bienek (verstorben am 7. Dezember 1990)
          "Die verrinnende Zeit"
           (Sendung: 31. Dezember 1989)

1990  Günter Kunert
          "Artus – ein König wird gesucht"
          (Sendung: 9. Dezember 1990)

1991  Helga Schütz
          "Hinterm Vorhang sieht man einen Schatten"
           (Sendung: 26. April 1992)

1992  Katja Behrens
          "Jerusalem – Berlin. Eine Begegnung"
          Mit Asher Reich und Hans Joachim Schädlich
          (Sendung: 7. März 1993)

1993  Dieter Kühn (verstorben am 25. Juli 2015)
          "Eine Reise nach Surinam"
           (Sendung: 19. Dezember 1993)

1994  Libuse Monîková (verstorben am 12. Januar 1998)
          "Grönland-Tagebuch: Wer nicht liest, kennt die Welt nicht"
          (Sendung: 13. Dezember 1994)

1995  Peter Härtling
          "Schumann in Finnland"
          (Sendung: 21. Dezember 1995)

1996  Peter Bichsel
          "Wir hätten in Spiez umsteigen sollen"
           (Sendung: 12. Dezember 1996)

1997  F.C. Delius
          "Wie weit ist es von einem Mann zu einer Frau?
           24 Stunden mit Tucholsky in Gripsholm"
           (Sendung: 23. November 1997)

1998  Erich Loest (verstorben am 12. September 2013)
          "Karl May reist zu den lieben Haddedihn"
           (Sendung: 6. September 1998)

1999  Tilman Spengler
         
"Bitterer Balkan. Der Krieg ist eine Zerrüttung der Seelen"
           (Sendung: 5. Dezember 1999)

2000  Hanns-Josef Ortheil
         
"Schauplätze meiner Fantasien – Rom, Venedig und Prag"
           (Sendung: 22. Oktober 2000)

2001  Es wurde keine Dokumentation produziert

2002  Katja Lange-Müller
         
"Mein erster Amerikaner. Der Maler Kedron Barrett"

2003  Urs Widmer (verstorben am 2. April 2014)
          "Die Forschungsreise"
           (Sendung: 14. Dezember 2003)

2004  Raoul Schrott
          "Deutschland – Himmel und Hölle"          
           (Sendung: 3. August 2005)

2005  Sten Nadolny
         
Es wurde keine Dokumentation produziert

2006  Patrick Roth
          "In My Life – 12 Places I Remember."
           (Sendung: 26. November 2006)

2007  Ilija Trojanow
          "Vorwärts und nie vergessen! Ballade über bulgarische Helden"
           (Sendung: 16. Dezember 2007)

2008  Michael Kleeberg
          "Europas Heimkehr. Eine Reise in den Libanon"
           (Sendung: 4. Januar 2009)

2009  Monika Maron
          "Rückkehr nach Bitterfeld"
           (Sendung: 30. Oktober 2009)

2010  Josef Haslinger
          "Nachtasyl – Die Heimat der Heimatlosen"
           (Sendung: 16. Dezember 2010)

2011  Ingo Schulze
          "Rettung aus dem Regenwald? Die Wiederentdeckung der Terra Preta"
           (Sendung: 11. November 2011)

2012  Kathrin Röggla
          "Die bewegliche Zukunft – Eine Reise ins Risikomanage­ment"
           (Sendung: 18. November 2012)

2013  Peter Stamm
         
"Fordlandia – Das verlorene Paradies?"
           (Sendung: 1. Juni 2014)

2014  Judith Schalansky
          
Es wurde keine Dokumentation produziert

2015  Feridun Zaimoglu
         
"Istanbul von vorne. Eine Recherche"
           (Sendung: 25. Oktober 2015)

2016   Clemens Meyer
          
"Nicht jedes Los gewinnt – Erzählungen vom Rummelplatz"
           (Sendung: 9. Dezember 2016) 

Die Jury

Der Jury des Mainzer Stadtschreiber-Literaturpreises 2017 gehörten an:

Die Schriftstellerinnen und Schriftsteller:

Prof. Dr. Josef Haslinger

Katja Lange-Müller

Dr. Tilman Spengler

Ilija Trojanow

und als amtierender Stadtschreiber Clemens Meyer

 

Für die Landeshauptstadt Mainz:

Kulturdezernentin Marianne Grosse

 

Für das ZDF:

Programmdirektor Dr. Norbert Himmler

Hauptredaktionsleiter Kultur, Geschichte und Wissenschaft Prof. Peter Arens

Jury-Vorsitzender Werner von Bergen, Zentralredaktion Kultur Geschichte und Wissenschaft

Koordinatorin 3sat Dinesh Kumari Chenchanna

Literaturredakteur 3sat Dr. Michael Schmitt

Richtlinien für die Verleihung des Stadtschreiber-Literaturpreises des ZDF, 3sat
und der Landeshauptstadt Mainz

Wir möchten den Reichtum unserer Sprache bewahren und för­dern. Durch Bildungsdefizite und mangelnde Kommunikation droht unsere Gesellschaft sprachloser zu werden. Darum wollen wir auch mit den Mitteln des Fernsehens zur Bereicherung und Weiterentwicklung unserer bedrohten Sprache beitragen. In einer sich ständig verändernden Medienwelt muss es zu den vor­nehmsten Aufgaben des öffentlich-rechtlichen Fernsehens gehö­ren, auf die Einmaligkeit unserer Sprache als unverzichtbares Medium hinzuweisen.

Wir wollen daher unseren Teil dazu beitragen, das höchste Kul­turgut, das wir besitzen, lebendig zu halten und zugleich einen Beitrag zur Leseförderung leisten – auch im Gedenken an Johan­nes Gutenberg, an seine epochale Erfindung und den dadurch in Mainz ausgelösten medialen Umbruch.

§1

Das ZDF verleiht gemeinsam mit der Landeshauptstadt Mainz nachfolgend benannten Preis: "Mainzer Stadtschreiber-Literaturpreis des ZDF, 3sat und der Landeshauptstadt Mainz".

§2

Mit diesem Preis sollen Schriftstellerinnen und Schriftsteller deut­scher Sprache geehrt werden, die unsere Literatur mit ihren Wer­ken beeinflussen oder prägen und die sich darüber hinaus um das Zusammenwirken von Literatur und Fernsehen bemühen.

Dieser Literaturpreis gilt dem Gesamtwerk des Schriftstellers.

§3

Der Titel "Mainzer Stadtschreiber" wird jeweils für die Dauer eines Jahres verliehen.

§4

Die Wahl trifft eine vom ZDF, 3sat und der Landeshauptstadt Mainz benannte Jury, die sich wie folgt zusammensetzt:

der amtierende Stadtschreiber,
der Kulturdezernent der Landeshauptstadt Mainz,
der Programmdirektor des ZDF,
der Direktor Europäische Satellitenprogramme bzw. der Koordi­nator 3sat,
der Leiter der ZDF-Hauptredaktion Kultur, Geschichte und Wissenschaft,
der verantwortliche Redakteur des Bereichs "Literatur und Kunst",
der den Stadtschreiber betreuende Redakteur für 3sat,
sowie vier Schriftstellerinnen und Schriftsteller deutscher Spra­che, die vom ZDF im Einvernehmen mit der Stadt Mainz benannt werden.

§5

Jedes Jurymitglied kann bis zu drei Kandidaten zur Wahl vor­schlagen. Diese Wahlvorschläge allein bilden die Basis für die Abstimmung zur Wahl des Stadtschreibers. Die Wahl erfolgt nach dem Mehrheitsprinzip.

§6

Mit der Verleihung des Titels ist ein Preis in Höhe von 12 500 Euro verbunden.

§7

Die Stadt Mainz stellt für die Dauer eines Jahres dem gewählten Stadtschreiber kostenlos eine Wohnung zur Verfügung, inklusive Nebenkosten.

§8

Von dem gewählten Stadtschreiber wird erwartet, dass er für ZDF und 3sat eine Dokumentation herstellt: das "Elektronische Tage­buch". Das Thema wird in Abstimmung und mit redaktioneller Unterstützung der ZDF-Hauptredaktion Kultur, Geschichte und Wissenschaft erarbeitet und mit einem Kamerateam und einer Cutterin bzw. Cutter des ZDF umgesetzt. Die Dokumentation wird gemäß den im ZDF gültigen Honorarbedingungen gesondert honoriert.

§9

Der gewählte Stadtschreiber verpflichtet sich, für eine weitere Sendung von 3sat zur Verfügung zu stehen. Diese Sendung be­gleitet den Stadtschreiber durch sein Amtsjahr und stellt zudem sein Werk vor.

§10

Der gewählte Stadtschreiber steht in seinem Amtsjahr auch ande­ren Redaktionen des ZDF und 3sat zur Beratung und zu Gesprä­chen zur Verfügung.

Der Stadtschreiber steht zu öffentlichen Lesungen für die Bürge­rinnen und Bürger der Landeshauptstadt Mainz zur Verfügung, sowie zu gesonderten literarischen Gesprächen mit Studierenden, Schülern, Seniorengruppen, auch im Rahmen des Volkshoch­schulprogramms.

Die städtischen Aktivitäten des Stadtschreibers werden mit dem Kulturdezernenten der Landeshauptstadt Mainz abgesprochen.

Es wird erwartet, dass der Stadtschreiber für einige Zeit die Stadtschreiberwohnung im Gutenbergmuseum in Mainz bezieht.

Bildhinweis

Fotos sind erhältlich über ZDF Presse und Information, Telefon: 06131 -70-16100, oder über

https://presseportal.zdf.de/presse/mainzerstadtschreiber

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