Mein Land, Dein Land

Achtteilige Reportage-Reihe

Auf dem Sendeplatz von "ML mona lisa" samstags um 18.00 Uhr ist im Juli und August die neue achtteilige Reportage-Reihe "Mein Land, Dein Land" zu sehen. Sie erkundet Stadtviertel in Deutschland, die von Zuwanderung geprägt wurden und werden. Die Reportagen gehen der Frage nach, warum Menschen einer Nationalität bevorzugt in einem Viertel zusammenleben. Was sagt das über das multikulturelle Deutschland und seine 16,4 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund aus? Die Reihe nimmt auch sommerliche Hotspots wie die EM-Fanmeile in Berlin oder Schwimmbäder und Schrebergärten in den Blick, an denen sich zeigt: "Mein Land, Dein Land".

  • ZDF, Ab 2. Juli 2016, samstags 18.00 Uhr

    Texte

    Sendetermine

    Samstag, 2. Juli 2016, 18.00 Uhr, ZDF

    Mein Land, Dein Land
    Die leisen Musterschüler – Little Hanoi in Berlin

    Film von Joanna Michna

     

    Samstag, 9. Juli 2016, 18.00 Uhr, ZDF

    Mein Land, Dein Land
    Tore, Party, Emotionen – Sommer auf der Berliner Fanmeile

    Film von Armin Hauser und Detlef Schwarzer

     

    Samstag, 16. Juli 2016, 18.00 Uhr, ZDF

    Mein Land, Dein Land
    Zwischen Abkehr und Minztee – Klein-Marokko am Rhein

    Film von Kadriye Acar

     

    Samstag, 23. Juli 2016, 18.00 Uhr, ZDF

    Mein Land, Dein Land
    Der Klang der Heimat – Leipzigs russische Seele

    Film von Detlev Konnerth

     

    Samstag, 30. Juli 2016, 18.00 Uhr, ZDF

    Mein Land, Dein Land
    Zwischen Äppelwoi und Döner – Türkische Lebensart in Offenbach

    Film von Utta Seidenspinner 

     

    Samstag, 6. August 2016, 18.00 Uhr, ZDF

    Mein Land, Dein Land
    Bikini trifft Burkini – Wo der Ruhrpott baden geht

    Film von Enrico Demurray und Saara von Alten

     

    Samstag, 20. August 2016, 18.00 Uhr, ZDF

    Mein Land, Dein Land
    Ali und der Gartenzwerg – Multikulti im Schrebergarten

    Film von Broka Herrmann

     

    Samstag, 27. August 2016, 18.00 Uhr, ZDF

    Mein Land, Dein Land
    Sommer von oben
    – Zwischen Campingstuhl und Extraschicht

    Film von Norbert Lübbers und Anja Jeschonnek

    Mein Land, Dein Land – Acht Reportagen aus der deutschen Wirklichkeit

    Deutschland ist Multikulti: 16,4 Millionen Menschen besitzen einen Migrationshintergrund – das ist jeder fünfte Bewohner. Doch wie gut funktioniert Multikulti? Viele Zugewanderte haben ihr Leben mitten unter den Deutschen eingerichtet. Aber es gibt auch Viertel, die mehrheitlich von einer ethnischen Bevölkerungsgruppe bewohnt werden. Sind das Parallelgesellschaften? Woran liegt es, dass Menschen einer Nationalität in einem Viertel zusammenleben? Ist es Heimatersatz oder Rückzug in eine eigene Welt, weil sie sich nicht integrieren wollen? Diesen Fragen geht die achtteilige Reportage-Reihe "Mein Land, Dein Land" nach.

    Die Reportage-Reihe beginnt mit den Vietnamesen, die bevorzugt im Berliner Bezirk Lichtenberg leben. Eine Woche später sucht die zweite "Mein Land, Dein Land"-Reportage nach den kulturellen Besonderheiten im Rahmen der Fußballbegeisterung auf der Partymeile in Berlin. Und in den weiteren Folgen werden Araber in Düsseldorf, Türken in Offenbach und Russen in Leipzig vorgestellt, die in ihren Stadtvierteln Spuren hinterlassen. Doch "Mein Land, Dein Land" sucht das multikulturelle Deutschland auch an sommerlichen Hotspots auf: im Gruga-Bad in Essen wie im Schrebergarten oder auch mal in einer Begutachtung des deutschen Sommers von oben.

    Die leisen Musterschüler – Little Hanoi in Berlin

    "Mein Land, Dein Land" beginnt mit Little Hanoi. Das liegt mitten in Berlin – im Stadtteil Lichtenberg. Und das Dong Xuan Center ist der zentrale Marktplatz für die vietnamesischen Einwanderer. Mehr als 200 Händler bieten dort ihre Waren und Dienstleistungen an. Hinzu kommen Hunderte von vietnamesischen Angestellten und Mitarbeitern. Fast 2000 Menschen arbeiten in den acht Hallen.

    Tuan Anh Nguyen ist in Lichtenberg aufgewachsen und hat schon auf dem Gelände des Centers gespielt, als dort noch kein einziger Stand war. Tuan kümmert sich um alles. Zu ihm kommt man, wenn man Hilfe bei einem Behördengang oder bei einem Arztbesuch braucht. Er weiß Rat, wenn man Fracht aus Vietnam importieren möchte und diese am Ende im Zoll feststeckt.

    Die vietnamesischen Einwanderer bilden eine "Erfolgsstory im Verborgenen", denn sie gelten als verschlossen und geben wenig über sich preis. Im Berliner Bezirk Lichtenberg wohnen fast 4700 von ihnen und stellen damit die größte ausländische Bevölkerungsgruppe.

    Besonders die Nordvietnamesen haben dort eine Community gegründet, die diesen Stadtteil in Klein-Asien verwandelt hat. Viele kamen als Vertragsarbeiter in die DDR, um als günstige Arbeiter aus "sozialistischen Bruderländern" die ostdeutsche Planwirtschaft zu stützen.

    Nach der Wende bot die Regierung rund 60.000 Vertragsarbeitern Rückflüge in deren Heimatland an. Doch viele Vietnamesen entschieden sich, in Deutschland zu bleiben, da sie hier für ihre Kinder bessere Chancen sahen. Eine andere Gruppe der Vietnamesen trifft man dagegen in Berlin kaum an: diejenigen, die in den 80er Jahren als Flüchtlinge in die Bundesrepublik gekommen waren, die sogenannten Boatpeople.

    Heute leben rund 150 000 Vietnamesen in Deutschland, zirka 40 000 haben die deutsche Staatsbürgerschaft. Sie gelten im Allgemeinen als fleißig, lerneifrig, strebsam und unauffällig: Sie sind quasi die stillen Integrationsmusterschüler und die größte ostasiatische Ethnie hierzulande – noch vor den Chinesen.

    Im Vergleich zu anderen Migranten ist bei ihnen die Bildungsquote höher, die Arbeitslosen- und die Kriminalitätsrate niedriger. Die Eltern gelten als autoritär, die Erziehung als besonders streng. Vietnamesen glauben nicht, dass Kinder unterschiedlich intelligent sind, sondern nur unterschiedlich fleißig. Fast 60 Prozent der vietnamesischen Schüler besuchen ein Gymnasium. Einer von ihnen hat es bis zum Vizekanzler gebracht: Philipp Rösler, ehemaliger Bundesgesundheits- und später Bundeswirtschaftsminister, der als vietnamesisches Waisenkind von einer Familie aus Niedersachsen adoptiert wurde.

    Das Ehepaar Le Anh Duc und Le Khuyen steht geradezu mustergültig für seine Landsleute. Die beiden arbeiten rund zwölf Stunden täglich in ihrem Handyladen – sieben Tage in der Woche. Ihre drei Kinder sehen sie erst abends um 20.30 Uhr.

    Nguyen Thanh Luan ist Kung-Fu-Meister und Inhaber der erfolgreichsten Kung-Fu-Schule in Berlin. Ihm ist wichtig, nicht nur vietnamesische, sondern auch deutsche Schüler zu unterrichten und so eine Brücke zwischen den Kulturen zu schlagen.

    Die andere Seite des Alltags in Lichtenberg erlebt die Sozialarbeiterin Thuy Tran, die sich um diejenigen kümmert, die dem Erfolgsdruck nicht mehr gewachsen sind. Dann folgt bei vielen Vietnamesen etappenweise der Zusammenbruch.

    Die Reportage bietet eine Reise in eine andere Welt – direkt vor der Haustür und doch meilenweit vom deutschen Alltag entfernt.

    Tore, Party, Emotionen – Sommer auf der Berliner Fanmeile

    Riesenparty auf der Berliner Fanmeile – und das gleich tagelang. 80 Quadratmeter groß ist die Videoleinwand am Brandenburger Tor. Hunderttausende Fußballbegeisterte aus allen Nationen feiern während der Fußball-EM in diesem Sommer dort gemeinsam die schönste Nebensache der Welt. Die Fanmeile ist 1,2 Kilometer lang.

    Bier, Würstchen, Talkshows, Musik-Live-Acts – alles wird geboten. Es ist für alles gesorgt, um die Fans auf die Spiele der deutschen Nationalmannschaft am Abend einzustimmen. Mit jedem Sieg steigt das Fußballfieber. Doch mittlerweile strömen auch tausende Fans anderer Nationen, die in Berlin leben, auf die Meile und sorgen für eine ausgelassene Stimmung und internationales Flair.

    Für die Veranstalter ist die Meile eine immense logistische Herausforderung. Der Film wirft ungewohnte Blicke hinter die Kulissen. Der Nachschub für die zahllosen Stände mit kulinarischen Köstlichkeiten muss gesichert sein, die Sanitätsdienste bereiten sich auf alle Eventualitäten vor. Das Sicherheitskonzept muss so ausgeklügelt sein, dass es die Feierlaune nicht verdirbt.

    Die ZDF-Reporter begleiten vier Fußballbegeisterte aus verschiedenen Nationen durch den Sommertraum – vom Ehepaar, das sich von Spiel zu Spiel immer mehr von dem Fußballfieber anstecken lässt bis zum italienischen Fußballtrainer, der eine zusammengewürfelte Mannschaft verschiedener Nationalitäten coacht. Alle haben ihre eigene Geschichte. Alle haben ihren eigenen Kiez, in dem die Fußballfieber-Kurve stetig steigt. Und doch finden sie sich auf der Fanmeile zusammen, um gemeinsam das Sommermärchen zu feiern.

    Die Reporter zeigen die Arbeit der DRK-Rettungssanitäter, die vom Hitzekollaps bis zu den Folgen übermäßigen Alkoholgenusses alles behandeln müssen. Und sie gehen der Frage nach, wie es Polizei und Sicherheitsdienste schaffen, den Spaß am Fußball so wenig wie möglich einzuschränken und so für einen reibungslosen Ablauf zu sorgen.

    Zwischen Abkehr und Minztee – Klein-Marokko am Rhein

    "Nur deutsch sein kann ich nicht, nur marokkanisch kann ich aber auch nicht sein", sagt Inneneinrichter El Ourdane Aberkane aus Düsseldorf. "Beides muss im Gleichgewicht sein." Der Besitzer des marokkanischen Einrichtungshauses "Tisir" lebt mit seiner Familie in zweiter Generation in Deutschland. Seine Kundschaft kommt aus der ganzen Republik. Herr Aberkane will den Marokkanern "ein Stück Heimat" in die Wohnzimmer bringen.

    Denn die Ellerstraße in Düsseldorf–Oberbilk und die dazugehörigen Seitenstraßen bilden das so genannte maghrebinische Viertel. Dort finden sich marokkanische Bäcker, Konditoreien, Supermärkte, Shisha-Bars und Möbelläden. "Ein Stück Heimat eben", fasst El Ourdane Aberkane vom marokkanischen Einrichtungshaus Tisir zusammen.

    Düsseldorf hat die zweitgrößte marokkanische Community in Deutschland. Eine kleine Gemeinde von rund 5000 Menschen, die selbst oder deren Vorfahren vorwiegend aus Nord-Marokka, aus Nador, stammen. Sie wurden als Gastarbeiter für die deutsche Industrie angeworben und sind geblieben, wie so viele andere Gastarbeiter auch.

    Wären nicht die Übergriffe in der Silvesternacht von Köln gewesen und das "Projekt Casablanca" der Düsseldorfer Polizei – die marokkanische Gemeinde hätte ihr Leben abseits der Öffentlichkeit weiterführen können. Aber seither lebt das Viertel im Scheinwerferlicht – und dagegen wehren sich seine Bewohner. Den Medien misstraut man, "weil sie die Kriminellen mit den Alteingesessenen in einen Topf geschmissen haben", sagt Nadia Bouazzi Ouldaly von Nadias Pflegedienst. Und doch gibt es auch die, die bereit sind, ihr Viertel mit den Facetten zu zeigen, die es für sie lebens- und liebenswert macht.

    Zwischen Äppelwoi und Döner – Türkische Lebensart in Offenbach

    Offenbach liegt direkt neben Frankfurt, nur der Main scheint die beiden Städte voneinander zu trennen. Doch zwischen ihnen liegen Welten: Während die eine Stadt Synonym für den glitzernden Glamour des Geldes ist, gilt die andere als sozialer Brennpunkt. Die Fabriken, die einst Gastarbeiter anlockten, sind verschwunden – stattdessen wurden in den vergangenen Jahren viele Menschen in Offenbach arbeitslos. Die Arbeitslosenquote beträgt 11,3 Prozent, mehr als das Doppelte von Hessen. Wer es sich leisten kann, zieht weg. Wer nicht, wohnt in einer der vielen Hochhaussiedlungen.

    Von rund 130.000 Einwohnern haben fast 60 Prozent einen Migrationshintergrund, 14.000 einen türkischen. Viele behaupten, die Ausländer seien das Problem – natürlich vor allem die anderen Ausländer: Die Türken klagen über die Araber, die Kurden über die Kroaten. Und gemeinsam schimpfen sie über die Bulgaren und Rumänen.

    Rund um den Marktplatz hat sich das Türkenviertel gebildet. Dort findet man alles, was man braucht: Obstläden, Restaurants, Cafes, Modeboutiquen, Friseure, Moscheen. Auf den Straßen sieht man kaum Deutsche, dafür viele Frauen mit Kopftüchern, junge Männer, die einfach nur abhängen, ältere Männer, die Tee trinken – das Klischee eines Ghettos.

    Wie leben Türken der ersten, zweiten und dritten Generation in Deutschland? Sind sie integriert? Wollen sie sich integrieren? Und was bedeutet eigentlich 'integriert'?

    Muhsin Senol lebt seit 1980 in Offenbach. Er ist erfolgreicher Steuerberater, sein Vater kam in den 70er Jahren als Gastarbeiter nach Deutschland und gilt als eine Autoritätsfigur in der muslimischen Gemeinde. Die Familie repräsentiert drei Generationen deutscher Türken.

    Der 18-jährige Onur ist Azubi im Supermarkt und träumt von einer Karriere im Fußball. Doch beim Kreisligaspiel des Türk SC Offenbach machen ihm sein Temperament und ein türkischer Gegenspieler einen Strich durch die Rechnung

    Das Modegeschäft Gigi ist der Traum jeder Türkin: Hochzeitskleider, Ballkleider, Schuhe und Handtaschen ohne Ende. Dorthin kommen die Bräute mit ihren Großfamilien, um sich Roben für die Versprechung, die Verlobung, die Hennanacht und natürlich die Hochzeit zu kaufen. In der türkischen Tradition geht die Braut mit den engsten weiblichen Vertretern beider Familien zum Kleiderkauf.

    Selbst die Pflege der Alten betreibt in Offenbach ein türkischer Pflegedienst. Denn Muslime brauchen Halal-Essen, Hilfe beim täglichen Gebet und Gespräche auf Türkisch. Dies sind nur einige von vielen Beispielen türkischen Lebens, das man in der hessischen Stadt komplett unter seinesgleichen führen kann. Vom Lebensmitteleinkauf bis zur Shisha Bar, vom Beschneidungsritual bis zum Freitagsgebet zeigt die ZDF-Reportage einen Ausschnitt der Einwanderungskultur in Deutschland.

    Der Klang der Heimat – Leipzigs russische Seele

    Wenn Konstantin Kozakevich seinen Chor dirigiert, wenn er ihn gestenreich anfeuert, dann wieder zu leiseren Tönen bremst, um zwischendurch selbst zum Solisten zu werden und mit seinem Tenor den Saal füllt, dann leuchten seine Augen, dann ist er daheim – in seiner ganz eigenen Heimat, der Musik. Ansonsten tut sich der 36-jährige Musiker aus Moskau mit dem Begriff Heimat eher schwer. Er ist Russe, seine Frau ist Ukrainerin, und sie leben seit elf Jahren in Leipzig. "Ich will dazu beitragen", so sagt er,  "dass die Russen und Russland nicht nur als aggressiv wahrgenommen wird. Wir sind auch das Land von Tolstoi, von Pasternak und Tschaikowski." Wenn er "wir" sagt, meint er alle – die Russen, die Ukrainer, Kasachen, Usbeken oder Kirgisen.

    Leipzig hat 543.000 Einwohner. Knapp zehn Prozent haben einen Migrationshintergrund. Die größte ausländische Gruppe bilden die Einwanderer aus der Russischen Föderation mit über 7.000 Menschen. Zählt man die Zuwanderer aus den Satellitenstaaten der ehemaligen Sowjetunion dazu, sind es fast 13.000. Die russische Community in Leipzig ist sehr heterogen. Man differenziert zwischen Russen, Russland-Deutschen, orthodoxen Russen und russischen Juden. In Leipzig trifft man auf die Vertreter aller russischen Seelen: Die Gläubigen, die Kulturschaffenden, die Sportler, die Arbeiter, die Akademiker. Die Reportage nimmt die unterschiedlichen Facetten des russischen Lebens in den Blick und beschreibt die Möglichkeiten, aber auch die Grenzen der Integration.

    "Was uns alle eint ist die gemeinsame Sprache und Kultur, unsere Wurzeln", sagt Alina Gonscharenko. Sie ist Jüdin, kam 2001 aus der Ukraine und leitet den Tanzverein Joker, mit dem sie auch international erfolgreich ist. Wenn sie ihren deutschen Pass zeigt, verdrückt sie sich immer noch ein paar Tränen. Sie ist stolz, Deutsche zu sein, auch wenn ihre Seele, so sagt sie, "immer noch ukrainisch ist".

    Lilli Schumann ist Geschäftsfrau und leitet den "Lenta-Supermarkt" in Leipzig-Paunsdorf. Dort gibt es alles zu kaufen, was in der alten Heimat lieb und teuer war: von wild gemusterten Tischdecken und achtzehnkarätigen Eheringen bis zu Pelmeni, eingelegten Teigtaschen, und dem Lieblingsgetränk aller Russen, dem Wodka. Ihre Kunden reden russisch, sie selbst spricht deutsch mit Akzent – einem sächsischen. Lilli Schumann wurde 1986 in Kasachstan geboren und kam als fünfjähriges Mädchen in die neue, die deutsche Heimat.

    Integration stand für die russischsprachigen Leipziger nie auf dem Stundenplan – die Willkommenskultur hielt sich in Grenzen. Trotzdem haben die meisten den Sprung in die deutsche Gesellschaft geschafft: Sie sind in Leipzig angekommen.

    Doch es gibt auch Verlierer: Drogen, Kriminalität, sozialer Absturz sind eine weitere Realität. Die Sozialarbeiterin Katja Kessler, selbst Spätaussiedlerin, begleitet russischsprachige Drogenabhängige auf ihrem Weg in die deutsche Gesellschaft, in der sie nie Fuß fassen konnten.

    Bikini trifft Burkini – Wo der Ruhrpott baden geht

    Die unangefochtenen Chefs im Grugabad – dem größten Sommerbad in Essen – sind die Schwimmmeister. Dominik Waap, zwei Meter groß, 34 Jahre alt, beherrscht von seinem Turm aus das Bad: "Manche Jungs wollen es halt immer mal wissen, das ist so in dem Alter", bestätigt sein Kollege Thomas Schulte. Beide müssen die Regeln durchsetzen – auch, wenn zum Beispiel eine vollverschleierte Frau sich mit all ihren Kleidern ins Becken begeben will. Denn das ist aus hygienischen Gründen verboten. Inzwischen gibt es dafür den "Burkini", einen Ganzkörper-Badeanzug für Frauen, damit sie ordentlich bedeckt ins Wasser springen können. 

    Der Tag beginnt für die Bademeister früh. Um 5.45 Uhr warten schon die ersten Frühschwimmer vor dem Tor. Später kommen die Familien mit den Kleinkindern. Um 15.00 Uhr tauscht sich dann das ganze Publikum aus. Dann steht die Jugend an den Kassenschaltern. Die Halligalli-Zeit geht los, und die Bademeister beobachten aufmerksam die Szene. Manche Besucher machen Party, Jungs gucken nach Mädchen, Mädchen gucken nach Jungs, vor dem Zehn-Meter-Turm staut es sich. 

    Aber auch im Nichtschwimmer-Becken geht die Post ab, vor allem bei den Rutschen besteht immer Verletzungsgefahr. Und wenn im zweiten Schwimmerbecken die Wellenmaschine angeworfen wird, dann müssen die Rettungsschwimmer höchste Konzentration walten lassen, denn ungeübte Schwimmer können bei Seegang schnell untergehen. 

    Die Gefahr, dass jemand ertrinkt, ist in diesem Sommer wohl besonders hoch: Mehrere tausend Flüchtlinge leben derzeit in Essen. Viele dieser Neuankömmlinge kommen jetzt regelmäßig ins Schwimmbad. Darunter viele junge Männer aus dem Iran, Syrien und Afghanistan. Doch nicht alle von ihnen können so gut schwimmen wie sie meinen, viele überschätzen ihre Fähigkeiten. Die Stadt Essen hat deshalb 6000 Schwimmflügel angeschafft. Doch welcher Erwachsene zieht sich freiwillig solche Schwimmhilfen an? Besser ist es da, schwimmen zu lernen. Einige der Geflüchteten unterstützen jetzt die anderen dabei. Doch das ist schwieriger als gedacht.

    Zum Team des Grugabad-Teams gehören auch zwölf Security-Männer. Der Sicherheitsdienst wurde von der Stadt Essen vor zwei Jahren aufgestockt, als am Einlass ein Angestellter niedergeschlagen wurde. Dabei sind die Regeln klar: Wer stänkert, wird aus dem Bad geworfen. Regelmäßig aus dem Bad flog früher auch die Essener Lokalgröße Sinan G.. Er hat daraufhin einen Rap-Song über das Grugabad veröffentlicht: "Ich fick den Bademeister." Waap und Schulte nehmen das mit Humor und haben ihn sogar ein Musik-Video im Bad drehen lassen. 

    Im Mikrokosmos Grugabad treffen Besucher unterschiedlichster Herkunft aufeinander. Deutsche, Türken, Syrer, Iraner verbringen – Handtuch an Handtuch – den Tag. Immer wieder muss austariert werden, wie man am besten miteinander klarkommt. Ganz ohne Reibung ist das nicht möglich.

    Ali und der Gartenzwerg – Multikulti im Schrebergarten

    Der Schrebergarten ist das private Fleckchen Grün in der Großstadt. Gartenarbeit ist aber nicht typisch deutsch. Bestes Beispiel dafür ist die Remscheider Anlage "Auf Honsberge". Dort werkeln 160 Kleingärtner aus mehr als 15 Nationen Zaun an Zaun. Nicht immer ganz geräuschlos und auch nicht immer ohne Streit: Aber: "Im Großen und Ganzen pflegen wir das Motto: Leben und leben lassen", sagt der Vorsitzende, Herr Bruns.

    Die ausländischen Kleingärtner kommen aus Italien, Spanien, Portugal, Russland, Polen, Indien und Syrien. Die Türken sind jedoch die stärkste Gruppe. Die Unterschiede zwischen den Kulturen sind groß. "Über Religion spricht man am besten nicht, das ist ein Pulverfass", sagt Schriftführer Stephan.

    Nicht immer werden die deutschen Regeln eingehalten. Eine Parzelle sollte aus einem Drittel Rasen, einem Drittel Anbaugebiet für Obst und Gemüse und einem Drittel Laube bestehen – so sieht es zumindest die Kleingartenordnung vor. Meist kann man am Garten sehen, welche Nationalität der Pächter hat. Viele Türken nutzen das Grundstück fast ausschließlich als Ackerfläche für den Gemüseanbau, um ihre Großfamilien zu versorgen. Die Terrassen vor den Lauben sind meistens viel zu groß. Große Familie brauchen aber nun mal große Terrassen.

    Und dann sind da noch die Steinöfen nach anatolischem Brauch: Die produzieren zu viel Qualm, und erlaubt sind die eigentlich auch nicht. Wenn dann noch Ahdems Hühner durch die Anlage jagen, ist das Gezeter bei den Nachbar groß. Für Ahmed und seine Familie ermöglicht die Parzelle Erholung, die Pflege türkischen Brauchtums und den Anbau von Lebensmitteln. "Rasen? Wozu? Kann man nicht essen."

    Zur Vereinsarbeit gehören auch Gemeinschaftsstunden: Die Kleingärtner verpflichten sich zum Heckenschneiden und zur Pflege der öffentlichen Wege. Zehn Stunden pro Jahr. Wer nicht mitmacht, kann sich freikaufen. Für 120 Euro pro Stunde. Aber das funktioniert meist nicht, weil Honsbergs Kleingärtner oft arbeitslos und auf Hartz IV angewiesen sind. "Was willst du da machen?", fragt der Vorstand resigniert. Und trotzdem lebt das bunte Völkchen irgendwie ganz naturwüchsig zusammen.

    Ganz anders verhält es sich im reichen Frankfurt am Main. Die Kleingartenanlage Eckenheim wurde für ihre vorbildliche Integration von Migranten ausgezeichnet. Der schärfste Verfechter deutscher Regeln und Gesetze im Kleingarten ist ein Türke. Necati lebt schon seit 30 Jahren in Deutschland. Sein Garten blüht und gedeiht, und seine Laube gleicht einem gehobenen Ferienhaus. 500 Menschen aus über 20 Nationen teilen sich die Parzellen. Alljährlich feiern sie gemeinsam ein Sommerfest, das mit kulinarischen Köstlichkeiten aus allen Weltregionen bestückt ist. Der deutsche Imker aus Anlage zwölf bringt den eigenen Honig mit.

    Necati kümmert sich um alle, die Fragen haben. Es ist seine Gemeinde, obwohl er weder im Vorstand noch als Obmann tätig ist: "Es ist selbstverständlich für mich, zu helfen". Zum Beispiel seiner 99-jährigen deutschen Nachbarin. Daheim pflegt er seine Mutter, die seit einem Schlaganfall im Bett liegt. Er wacht die halbe Nacht an ihrem Bett, bis der Bruder ihn ablöst. "Wir schicken niemanden ins Heim wie die Deutschen."

    Nicht erst seit der großen Flüchtlingswelle fordern Politik und Gesellschaft die Integration der neuen Mitbürger. In den Kleingartenvereinen wird dies längst praktiziert. Toleranz, kulturelle Vielfalt, gemeinschaftliches Miteinander, aber auch Missverständnisse und Kompromisse: Die "ZDF.reportage" taucht ein in die bunte Welt der Kleingärtner.

    Sommer von oben – Zwischen Campingstuhl und Extraschicht

    Während die einen den Sommer genießen, sind die heißen Monate für die anderen die härteste Zeit im Jahr: am Hochofen im Stahlwerk oder in flirrender Hitze auf der Brückenbaustelle zum Beispiel. Die Helden der Sommerarbeit werden von keinem beneidet und bekommen zu wenig Aufmerksamkeit. Dass harte Maloche und pure Entspannung oft direkte Nachbarn sind, zeigt der Blick auf Deutschland aus der Luft.

    Der Film startet aus der Vogelperspektive die Erkundung des Sommers in all seinen Gegensätzen: ein Flug zu weltberühmten Landschaften und Kulturdenkmälern auf der einen Seite und zu Industriestandorten und staubiger Arbeit in der Wärme auf der anderen. Es sind Besuche bei Menschen, für die der Sommer eine ganz besondere Zeit im Jahr ist.

    Der "Sommer von oben" ist Teil der ZDF-Reihe "Mein Land, Dein Land" und erzählt in Episoden Geschichten aus der ganzen Republik. Zum Beispiel vom einsamsten Job der Welt auf einer kleinen Insel im Wattenmeer oder vom größten Gleis-Labyrinth Europas. Von gigantischen Industriemaschinen oder von kleinen Campingkochern. Es sind Geschichten von Waldbrandbekämpfung und dem großen Durstlöschen im Biergarten, vom Ernte einfahren und dem Urlaub in Balkonien. Geschichten von Menschen und Landstrichen, wie sie so nur in dieser Zeit stattfinden – im jährlich wiederkehrenden Phänomen "Deutschland im Sommer".

    Infos zur "ZDF.reportage" und zu "ML mona lisa"

    Die Reportage-Reihe "Mein Land, Dein Land" ist in Zusammenarbeit der Redaktionen "ZDF.reportage" und "ML mona lisa" entstanden.

    ZDF.reportage

    Die "ZDF.reportage" berichtet immer sonntags, 18.00 Uhr, aus der Alltagswirklichkeit der Zuschauer. Sie greift Themen auf, die aktuell und brisant sind und setzt sie spannend und emotional um. Dabei erzählt die "ZDF.reportage" immer aus der Perspektive der Betroffenen, von Menschen, ihren Lebenswegen und Schicksalen, ihren Konflikten, ihren Hoffnungen und Träumen. Die meisten Reportagen spielen in Deutschland, bei Auslandsthemen ist stets ein deutscher Bezug vorhanden.

    Die Redaktion der "ZDF.reportage" wird geleitet von Heike Schnaar.

    ML mona lisa

    Das gesellschaftspolitische Magazin "ML mona lisa" ist seit 1988 im ZDF-Programm präsent und griff zunächst bevorzugt Themen auf, die für Frauen von besonderem Interesse waren und sind. Seit Mai 2011 ist "ML mona lisa" auf dem Sendeplatz samstags um 18.00 Uhr im ZDF zu sehen und tritt dort mit der Ausrichtung an: "Frauen, Männer und mehr". Seit 2011 wird "ML mona lisa" von Barbara Hahlweg moderiert. Als erster männlicher Moderator nach 23 Jahren kam im Februar 2012 Alexander Mazza hinzu: "ML mona lisa" macht in diesem Jahr bis zum 3. September Sommerpause.

    Die "ML mona lisa"-Redaktion wird geleitet von Sibylle Bassler.

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