Sascha Lobo - Copyright: ZDF / Svea Pietschmann
Sascha Lobo - Copyright: ZDF / Svea Pietschmann

Radikalisiert – Mit Sascha Lobo

Social Factual

Autor, Blogger und Internet-Vordenker Sascha Lobo geht der Frage nach, ob die sozialen Medien und die unreglementierte und ungeprüfte Verbreitung von Informationen im Netz eine Gefahr für die liberalen Demokratien der westlichen Welt darstellen.

Das unten stehende Video zeigt Sascha Lobo im Interview mit der Produzentin Michaela Hummel.

  • ZDF neo, Am Donnerstag, 24. Oktober 2019, 23.00 Uhr
  • ZDF Mediathek, Am Donnerstag, 24. Oktober 2019, 10.00 Uhr

Texte

Stab

Produktion               Doclights GmbH
Produzentin        Michaela Hummel
Moderator / Co-Autor    Sascha Lobo
Producer             Caroline Pellmann
Autoren               Caroline Pellmann, Melvina Kotios
Bildregie             Axel Ludewig
Kamera Maik Behres
Licht      Mario Klapper
Schnitt  Rainer Ahlschwedt, Frank Böckmann
Postproduktion  Jil Heiser, Renee Sudmeyer
Produktionsleitung Doclights       Sven Heiligenstein
Aufnahmeleitung             Jana Gebhard, Denise Kluge
Produktion ZDFneo Katrin Lachmann
Redaktion ZDF   Roman Beuler, Bernd Klapproth
Koordination ZDFneo Fabian Strauß
Länge    1 x 60 min

Inhalt

Sascha Lobos These: Viele soziale Medien, beziehungsweise das von ihren Algorithmen beeinflusste Kommunikationsverhalten der User, fördern eine Abkehr von der demokratischen Kultur und ihren Grundlagen (Rechtsstaat, Minderheitenschutz, Kompromiss in der politischen Entscheidung) hin zu autokratischen Staatsformen und einer ab- und ausgrenzenden politischen Auseinandersetzung. Deren Zweck ist nicht mehr, wie in einer liberalen Demokratie, die Suche nach der besten Lösung für alle, sondern die Durchsetzung des Rechts des Stärkeren. Es ist ein Tummelplatz für Autoritäre und Populisten.

Aber wie radikalisieren sich Menschen? Mit seinem Publikum sowie Expertinnen und Experten taucht Sascha Lobo ein in die Welt der Verschwörungstheorien und der Hass-Kommentare im Internet, in dem viele nicht mehr unterscheiden können, was wahr und was unwahr ist. Sascha Lobo analysiert, wie schnell sich Menschen radikalisieren und wie empfänglich und anfällig wir alle für Täuschungen sind. Im Gespräch mit dem freien Journalisten und Webvideoproduzenten Rayk Anders, der sich in die Welt der Verschwörungen und Halbwahrheiten in den sozialen Medien begibt, geht Sascha Lobo zunächst Vorurteilen und Verschwörungstheorien im Netz auf den Grund, die oft die Basis für eine Radikalisierung bilden. Mit der Sozialpsychologin und Soziologin Dr. Catarina Katzer und Günter Bressau von der Landeskoordinierungsstelle Demokratiezentrum Baden-Württemberg zeigt Sascha Lobo die Dynamiken von Shitstorms und Hasskommentaren und wie diese Hetze Menschen weiter anstachelt. Dr. Catarina Katzer erklärt, was Menschen zu einer hasserfüllten Kommunikation im Netz bewegt und wie eine fehlende digitale Empathie unsere moralische Mentalität verändert – online und offline.

Hier setzt die Arbeit von Günter Bressau an, der sich bei seiner Arbeit an der deutschlandweit einzigen Meldestelle für Hass im Netz mit der rechtlichen Einordnung von Hasskommentaren beschäftigt. "Radikalisiert – Mit Sascha Lobo" macht das zum Beispiel mit einem Videoclip von Youtuber Rezo, der seine krassesten Hasskommentare zitiert, greifbar und persönlich.

Darüber hinaus erklärt Sascha Lobo, wie schnell diese Online-Hetze in die Offline- Welt überspringt und wie Mechanismen der Radikalisierung funktionieren: Dazu interviewt er Stepanie Wittschier, eine Aussteigerin der Verschwörungsszene.

An Beispielen, wie dem Attentat in Christchurch, zeigt er, wie gefährlich und ansteckend Radikalisierung ist und dass Verschwörungstheorien ein Weltbild konstruieren, das oft die Grundlage für Gewalt darstellt.

Am Ende der Sendung entwickelt Sascha Lobo mit den Experten und dem Auditorium Lösungsvorschläge.

Interview mit Sascha Lobo

Warum hast Du Dir für Deinen zweiten Film bei ZDFneo das Thema Radikalisierung vorgenommen?

"Aus meiner Sicht gibt es gerade ein bestimmendes Überthema, außerhalb von solchen Dingen wie Klimawandel, nämlich, wie sich die Menschheit insgesamt weiterentwickelt, was Radikalisierung, rechtsextreme Radikalisierung, islamistische Radikalisierung angeht. Und ich glaube, dass das deswegen so wichtig und so groß geworden ist, weil sich das Internet ziemlich gut eignet für Radikalisierung. Also habe ich mir angeschaut, wie das im Detail funktioniert, und versuche, einen Beitrag zu leisten, wie man Radikalisierung erst verstehen und ihr dann begegnen kann."

 

Warum denkst Du, fällt es liberalen Demokratien so schwer, die richtige Antwort zu finden?

"Gerüchteweise habe ich gehört, dass es Radikalisierung auch schon vor dem Internet gegeben haben soll, und Demokratien, liberale Demokratien, sind von Anfang an gar nicht so einfach im Umgang mit Radikalen gewesen. Das fiel ihnen selten leicht. Wir haben eine Vielzahl von Demokratien, die wieder in sich zusammengefallen sind. Da muss man glaube ich in Deutschland gar nicht lange suchen. Ich glaube, dass die liberale Demokratie ihre eigene Stärke wieder neu finden muss, die Zivilgesellschaft. Und das ist insbesondere bei der digitalen Vernetzung und der Kommunikation, die damit möglich ist, umso schwerer geworden. Ich glaube, das ist eine große Herausforderung."

 

Kann man Verschwörungstheoretikerinnen und Verschwörungstheoretiker überhaupt vom Wert der Wissenschaft und von gesicherten Fakten überzeugen?

"Verschwörungstheorien sind schon sehr alt, und sie funktionieren deshalb so gut, weil sie auf psychologische Mechanismen aufsetzen. Verschwörungstheoretiker fangen an, diese Verschwörungstheorie als Teil ihrer Persönlichkeit zu begreifen. Und deshalb ist es auch so schwierig, ihnen mit Fakten zu begegnen. Man kann sie nur noch ganz schwer davon überzeugen, weil sie sich persönlich angegriffen fühlen."

 

                                                                                                                                                                      Die Fragen stellte Produzentin Michaela Hummel

Bildhinweis

Fotos sind erhältlich über ZDF Presse und Information, Telefon: 06131 – 70-16100, und über https://presseportal.zdf.de/presse/radikalisiert

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