Copyright: ZDF/Arvid Uhling
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Shooting Stars

Junges Kino im Zweiten

Das ZDF zeigt die Reihe "Shooting Stars – Junges Kino im Zweiten" in diesem Jahr innerhalb einer Woche im ZDF-Programm und auch in der ZDFmediathek. Den Auftakt bildet am Dienstag, 17. Juli 2018, 23.15 Uhr, die satirische Komödie "Outside the Box" von Philip Koch mit Volker Bruch, Vicky Krieps, Stefan Konarske, Sascha Alexander Geršak, Lavinia Wilson, Samuel Finzi, Hanns Zischler und anderen.

  • ZDF, ab Dienstag, 17. Juli 2018, 23.15 Uhr
  • ZDF Mediathek, ab Montag, 16. Juli 2018

Texte

Statement von Redaktionsleiterin Claudia Tronnier

In diesem Jahr präsentieren wir die Reihe "Shooting Stars – Junges Kino im Zweiten" kompakt in einer Woche im ZDF-Programm und natürlich auch in der ZDFmediathek. Die vier ZDF-Erstausstrahlungen unserer Nachwuchsredaktion Das kleine Fernsehspiel beleben den Sommer mit einer Vielfalt an Genres – von der Satire über die anarchistische Komödie bis hin zum Sozialdrama. Die Themen sind aktuell, realitätsnah und aus der Erfahrung und intensiven Recherche ihrer Autorinnen und Autoren geschöpft, die immer auch selbst Regie geführt haben.

Sei es die Welt der Unternehmensberater in dem Ensemblefilm "Outside the Box", die prekäre Situation von Kleinbauern angesichts der Massentierhaltung in "Die letzte Sau", sexueller Missbrauch in der Familie, der auch Jungen als Opfer trifft, in "Die Hände meiner Mutter" oder der Umgang mit verhaltensauffälligen Jugendlichen in "Somewhere in Tonga" – immer haben die jungen Kinomacher einen besonderen Dreh und Zugang gefunden, ihre lebensnahen und doch unglaublichen Geschichten überraschend, mutig und an ungewöhnlichen Drehorten zu erzählen. So eröffnet sich dem Publikum eine Gesellschaftsbeobachtung und -kritik aus Sicht der neuen deutschen Kinotalente. Alle vier Filme sind erstklassig mit sowohl renommierten wie auch mit neuen Darstellerinnen und Darstellern besetzt, die für Nachwuchspreise nominiert und ausgezeichnet wurden, wie Luis Pintsch für seine erste Rolle überhaupt in "Somewhere in Tonga". Und so sorgen die "Shooting Stars" wieder für jede Menge neue Entdeckungen und Überraschungen.

Claudia Tronnier, Redaktionsleiterin ZDF/Das kleine Fernsehspiel

Die Sendetermine und -titel

Dienstag 17. Juli 2018, 23.15 Uhr
Outside the Box

Mittwoch, 18. Juli 2018, 23.45 Uhr
Die letzte Sau

Donnerstag, 19. Juli 2018, 23.00 Uhr
Die Hände meiner Mutter

Montag, 23. Juli 2018, 0.15 Uhr
Somewhere in Tonga

Outside the Box

Dienstag 17. Juli 2018, 23.15 Uhr

Outside the Box

Satirische Komödie, Deutschland 2015

Stab

Buch Philip Koch, Anna Katrin Schneider
Regie Philip Koch
KameraMarkus Eckert
Schnitt Max Fey
Musik Jessica Moss und Sophie Trudeau
Ton Gunnar Voigt
SzenenbildKatharina Wöppermann
Kostümbild Lotte Sawatzki
Producer Christine Günther
Produzenten Tobias Walker, Philipp Worm
Produktion Walker & Worm
Redaktion Milena Seyberth, Lucas Schmidt
Länge ca. 78 Minuten

Die Rollen und ihre Darsteller

Frederick Schopner Volker Bruch
Michel GrandierStefan Konarske
Yvonne von Geseke Vicky Krieps
Marco Kretsch Sascha Alexander Geršak
Vanessa KramerLavinia Wilson
Peter Kraußmann Samuel Finzi
Bruno BicksteinHanns Zischler
Leo Locatelli Stefano Cassetti
Vicky Rossi Giorgia Sinicorni
Sergeant Mallach Richard Sammel
und andere

Inhalt

Satire über ein außer Kontrolle geratenes Bootcamp für Unternehmensberater.

Schluss mit Bückling: Frederick Schopner hat die Nase voll davon, dass seine sogenannten Teamkollegen die Lorbeeren für seine Ideen einheimsen. Beim anstehenden Outdoor-Firmenevent kann er endlich den drei abgehobenen Egomanen eine Lektion in Sachen "High Performance" erteilen. Doch Teamoptimierung im Hochseilgarten war gestern. PR-Managerin Vanessa Kramer möchte einen Presse-Coup landen und setzt auf ungewöhnliche Methoden: Sie lässt eine Geiselnahme inszenieren – allerdings von abgehalfterten Schauspielern. Für die beiden Spaghetti-Western-Darsteller liegt nichts näher, als ihre Gage mit echtem Lösegeld und echten Waffen aufzubessern. Während Vanessa alles daran setzt, die Panne vor ihrem Chef und den anwesenden Medienvertretern zu vertuschen, haben die unerfahrenen Geiselnehmer mit ganz anderen Problemen zu kämpfen: Wie sollen sie den erfolgshungrigen Managern klar machen, dass sie sich nicht länger in einem ausgeklügelten Rollenspiel befinden?

"Die Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit"
Gespräch mit Regisseur Philip Koch

Eine Geschichte über ein Management-Training, das völlig aus dem Ruder läuft. Wie ist die Idee dazu entstanden?

Meine Co-Autorin Anna Katrin Schneider hat über Jahre hinweg im Beratungsmilieu und in Sachen Leistungsgesellschaft recherchiert. Irgendwann sind wir dann darauf gestoßen, was für zum Teil absurde Team-Events veranstaltet werden. Die Geschichte beruht, auch wenn man's kaum glauben mag, auf wahren Begebenheiten. 2001 hat die Firma Ericsson, vor ihrem Zusammenschluss mit Sony, einige ihrer besten Mitarbeiter auf eine Busreise nach Griechenland geschickt. Die Verantwortlichen dachten damals, dass es eine Superidee sei, den Bus von einem Vermummten mit Schrotflinte stürmen zu lassen. Nur der Teamleader war eingeweiht und sollte als Vermittler in der Geiselnahme fungieren. In dieser Extremsituation sollten die Teilnehmer dann ihre "Leadership Qualities" beweisen. Allerdings hatte man die Rechnung ohne den Wirt gemacht, weil andere Autofahrer auf der Autobahn auf den Typen mit Gewehr aufmerksam wurden. Das Ganze endete auf dem Polizeirevier. Der fiktionalisierte Kniff bei "Outside the Box" ist, dass die Entführer, die abgehalftert und pleite sind, auf die Idee kommen, die Entführung selbst umzusetzen und daraufhin die Verwechslungs-Domino-Katastrophe beginnt.

Wie bist du auf diese absurde Ericsson-Geschichte gestoßen, ging das damals durch die Presse?

Es war nur eine kleine Meldung, weil, wie in meinem Film, auch in der Wirklichkeit sehr viele Abteilungen am Vertuschen des Vorfalls gearbeitet haben. Ich bin durch eine Internetseite darauf gestoßen, die die fünf Team-Events listet, die am meisten eskaliert sind. Eins z.B. in den USA, wo ein Mitarbeiter bei einer solchen Gelegenheit Opfer von Waterboarding wurde.

Hast du umfangreiche Recherchen angestellt?

Ich habe mit meiner Co-Autorin Anna Katrin Schneider ausgiebig recherchiert und selbst ein Survival-Training in der Wildnis mitgemacht. Solche Teamspiele bei Outdoor-Events sind ja Realität. Bootcamps kennt man, der Drill-Sergeant ist nur die Spitze des Eisbergs. Das unterirdische Labyrinth im Film, kameraüberwacht, aus dem man den Ausgang finden muss und dass man in Trillerpfeifen blasen muss, ehe man sprechen darf, gibt es genauso in Hamburg – und wird beispielsweise auch in dem bemerkenswerten deutschen Dokumentarfilm "Work Hard – Play Hard" gezeigt. Ganze Firmen werden dort in Hochseilgärten geschickt. Der "See der Entscheidung", wie er bei uns heißt, heißt dort "See der Erkenntnis". Von wegen absurde Geschichten, wie sie sich nur ein Drehbuchautor ausdenken kann! Noch viel drastischer sind solche Events in England oder in den USA, beispielsweise mit Paint-Guns. Ein Münchener Unternehmen hatte einmal geplant, nach Ägypten zu fliegen und als Rollenspiel die Entführung von Touristen in der Wüste nachzuspielen. Wurde aus Kostengründen abgesagt.

Solche Extrem-Events scheinen aus einer anderen Zeit zu kommen, heute sollen Mitarbeiter großer Firmen beispielsweise am Feierabend nicht mehr ihre E-Mails checken. Hat sich in der Arbeitswelt inzwischen etwas verändert, ist das Bewusstsein ein anderes geworden?

In den europäischen Medien liegt der Fokus zurzeit ganz klar woanders. Aber das Elitedenken ist immer noch extrem, daran hat sich nichts geändert. Es ist etwas subtiler geworden und perfider – nicht mehr ein offenkundig proklamiertes "Survival of the Fittest", bei dem auf andere eingeknüppelt wird. Stattdessen läuft der Wettkampf unter dem Deckmantel von vermeintlich arbeitnehmerfreundlichen Work-Life-Balance-Strategien ab, bei dem der "menschliche Wert" des Mitarbeiters herausgestellt werden soll. Damit kann man es positiver ausdrücken, aber ich finde, das ist nur ein anderes lächelndes Gesicht des Teufels. Die Motivation eines hermetischen Systems, das sich Konzern oder Firma nennt, ein Maximum an Leistung aus den Mitarbeitern herauszupressen und sie zu binden, ist im Ursprung eine totalitäre, faschistische.

"Bickstein Experience Center" – das ist ein Synonym für Brainwash-Aktionen, wie sie beispielsweise die US-Firma Amway betreibt, die in Puchheim eine Niederlassung hat. Es ist immer noch die gleiche Intention, die auf die äußerste Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter zielt, aber man macht das nicht mehr mit so brutalen Methoden, sondern freundlicher. Die Strukturen dahinter sind die gleichen geblieben. Dem System ist es aber gelungen, dass wir diese Denke inzwischen verinnerlicht haben und uns nun selbst diesen Leistungsdruck machen. Und uns krank machen.

Was war deine Motivation für diesen Film? Wolltest du die Abgründe der Arbeitswelt aufzeigen oder einfach mal eine Satire machen?

Als Geschichtenerzähler braucht man immer eine persönliche Motivation – es reicht nicht, nur die Gesellschaft zu beobachten. Die Filmindustrie ist auch kein Zuckerschlecken, und da habe ich meine Erfahrungen gemacht. Eine Aufarbeitung meiner eigenen Geschichte geht sicher teilweise in den Film ein. Es ist die Auseinandersetzung mit unserer Arbeitswelt, aber viel universeller. Der Konkurrenzdruck trifft nicht nur auf Wirtschaftseliten oder Eliten zu, er führt auch zu einem Kampf um den Arbeitsplatz, bei dem man dann absurde Dinge akzeptiert. Zwei Pole befeuern diesen Kampf: Existenzangst bzw. die Angst zu versagen und die Gier nach mehr. Die Figuren der italienischen Entführer Leo und Vicky sowie die des Paul, die Frederick Lau spielt, spiegeln die erste Facette wider. Auf der anderen Seite stehen die Firmenvertreter, die alles tun, um das Image zu retten. Hinter beidem steht der sozialdarwinistische "Survival of the Fittest"-Gedanke. Die Idee des permanenten Wachstums scheint in unserer Natur zu liegen. Wenn alle das wollen, wird oben die Luft eng, bleibt die große Masse auf der Strecke. Das merkte man auch bei den letzten Wahlen: Die Existenzängste werden größer und die Geschütze, die man auffährt, auch.

Ist das Ende eigentlich ein Happy-End?

Darüber kann man streiten. Es gibt am Ende zwar ein irgendwie beschwingtes Gefühl von Sieg, aber es ist ambivalent. Jeder muss sich fragen, wie er dazu steht. Die Chance, auszusteigen und ein guter Mensch zu werden, ist vertan. Emotional ist es als Happy-End erzählt, auf einer intellektuelleren Ebene, von außen betrachtet, ist es zumindest moralisch ein tragisches Ende.

Der Film erzählt das ironisch. Der Illusion, dass die neuen CEOs etwas anders machen werden, gibt man sich nicht lange hin.

Der satirische Blick fragt, wie weit sie gehen, wie groß wohl die eigene Gier ist. Der Gedanke: "Wir werden hier getestet", sagt viel aus. Nicht nur über die Businessberater. Es ist Teil des Games, die Realität und die Vorstellung der Realität zu verweben. Auch die Berater sind im Performance-Wahn, das ist der narrative Twist – sie sind Angestellte, die die Rolle spielen, für die sie bezahlt werden. Und dass es so lange dauert, bis die vier erkennen, dass sie sich nicht mehr in einem Spiel befinden, sondern im bitteren Ernst, liegt daran, dass sie in ihrem ganzen Sozialverhalten darauf getrimmt sind, immer zu punkten und sich auch jenseits der Beobachtungssituation zu beweisen. Ego-Maximierung. Das System ist auf ihre Persönlichkeit übergegangen, ihren Charakter, ihr Mensch-Sein. Es hat sich verselbstständigt – und verliert die Kontrolle. Wie der Kapitalismus selbst.

Wie hart wolltest du mit den gesellschaftlichen Gegebenheiten ins Gericht gehen?

Film ist immer ein Spiegel der Zeitgeschichte. Trotzdem sehe ich mich nicht als rein politischen Filmemacher. Mir geht es um die menschliche Wahrheit dahinter, sei es in "Picco", "Operation Zucker" und auch in dem Teenie-Horror "Unfriend", wo es um ein Phänomen geht, das für viele Jugendliche relevant ist, dahinter aber um eine tiefere Wahrheit. Wie ein Januskopf, der die Medaille von zwei Seiten beleuchtet – politische Realität, aber auf der Suche nach einer größeren, "ekstatischen Wahrheit", wie (Werner, d. Red.) Herzog sagen würde. Und eine solche emotional packende Erfahrung muss Kino leisten.

Du bist auch der Autor deiner Filme – geschieht die filmische Umsetzung schon beim Schreiben?

Größtenteils. Das hängt sehr von den Szenen ab. Bei Szenen, die primär über Dialoge laufen, kommt das regiemäßig Visuelle ein bisschen später. Wichtige Bilder im Kopf, die strukturieren, sind dagegen schon sehr früh da. Wie wichtig war dir der satirische Ansatz? Was hat dich daran gereizt? Ich will mich nicht auf ein Genre festlegen lassen. Die Geschichte ist für mich total spannend als Spiel der Zeitgeschichte, das zeigt, wie weit wir als Menschheit gekommen sind. Das Genre Satire kann das richtig erzählen. Ich wollte die Überhöhung feiern, wie in der Szene mit dem Hund … Für mich ist es aber eher ein Business-Western, mit Zitaten aus Spaghetti-Western. Der Western ist im Wesenskern Konkurrenzkampf. Wie die Realität, wenn du beim Tengelmann an der Kasse arbeitest. Da ist die Angst noch größer, und das betrifft alle. Die Leistungsgesellschaft hat uns so geprägt, dass wir unser Selbstwertgefühl nicht mehr aus dem beziehen, was wir sind, sondern aus dem, was wir leisten. Das ist eine der größten Entgleisungen der Menschheit überhaupt.

Wie kam die Besetzung zustande? War Volker Bruch von Anfang an gesetzt?

Ich habe wie schon bei "Picco" wieder mit der exzellenten Casterin Simone Bär zusammen gearbeitet, und Volker war einer der ersten Vorschläge von ihr. Er ist fantastisch. Ich wollte nicht jemanden, der das Beraterklischee so distanziert verkörpert, dass man ihn von Anfang an hasst, sondern einen, der das glaubhaft rüberbringen kann. Gleichzeitig hat er so eine leicht trottelig-naive Liebenswürdigkeit, und der Vater-Sohn-Aspekt erklärt den emotionalen Unterbau. Volker verkörpert alle diese Ebenen. Beim ganzen Ensemble hat Simone ein goldenes Händchen bewiesen, alles tolle Schauspieler, Hanns Zischler und Samuel Finzi fügten sich hervorragend ein, auch Frederick Lau mit seiner sympathischen Rolle, die für die Geschichte von Bedeutung ist.

Biografie von Autor Regisseur Philip Koch

Während seines Regiestudiums an der Hochschule für Fernsehen und Film München arbeitete Philip Koch als Filmkritiker. Von 2009 bis 2010 nahm er an der Werkstatt Bavaria (Nachwuchsförderprogramm der Bavaria Film) teil. Sein Langfilmdebüt "Picco" gewann 2010 mehrere deutsche und internationale Preise und sorgte bei seiner Premiere bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes für kontroverse Diskussionen. Für den vielfach (z.B. mit dem Deutschen Fernsehpreis) ausgezeichneten Fernsehfilm "Operation Zucker" (2013) und den internationalen Kinospielfilm "Unfriend" (2014) schrieb Philip Koch die Drehbücher.

Festivals und Preise – eine Auswahl

Filmfest München 2015, Neues Deutsches Kino (Weltpremiere)
Zurich Film Festival (Internationale Premiere)
Filmfest Lünen (Preis für die Beste Filmmusik)
Internationales Film Festival Braunschweig
Black Nights Film Festival, Tallinn
Film Festival Bozen

Die letzte Sau

Mittwoch, 18. Juli 2018, 23.45 Uhr

Die letzte Sau
Tragikomödie, Deutschland 2016

Stab

RegieAron Lehmann
Buch Aron Lehmann, Carlos V. Irmscher
Kamera Cristian Pirjol
SchnittDavid Hartmann
Musik Boris Bojadzhiev
Ton Kai N. Theißen
Sounddesign Tina Laschke
Mischung Ben Rosenkind
Szenenbild Martina Brünner
KostümClaudia Gonzalez
Maske Valentina Schwez
Herstellungsleitung Ulrich Stiehm
ProduktionsleitungHolger Härtl
ProduzentinMiriam Klein
ProduktionProduktion a little.film production in Koproduktion mit Pantaleon Films, Arri Media und ZDF/Das kleine Fernsehspiel in Zusammenarbeit mit ARTE, mit Unterstützung vom FFF Bayern, Medienboard Berlin-Brandenburg, DFFF und FFA
RedaktionJörg Schneider (ZDF/Das kleine Fernsehspiel), Olaf Grunert (ZDF/ARTE), Andreas Schreitmüller (ARTE)
Länge ca. 79 Minuten

Die Rollen und ihre Darsteller

Huber Golo Euler
Birgit Rosalie Thomass
Imker Meier Thorsten Merten
Franz Kramer Bernd Stegemann
Willi Heinz-Josef Braun
Erzähler Herbert Knaup
WernerChristoph Maria Herbst
Gernot Daniel Zillmann
Gudrun Eva Bay
Ulf Matthias Ransberger
HoppeMaximilian Schafroth
TheissenHeiko Pinkowski
und andere

Inhalt

Die letzte Sau ist eine Don Quijote-Geschichte, ein anarchisches Märchen und ein Road-Movie über Freiheit und Unabhängigkeit.

Es sind schwarze Tage für den Schweinebauern Huber. Sein Hof ist pleite. Die kleine Landwirtschaft ist nicht länger gegenüber den Agrarfabriken konkurrenzfähig. Und als schließlich ein Meteorit vom Himmel fällt und Hubers Hof in Schutt und Asche legt, hat er nichts mehr – außer einer letzten Sau. Zusammen mit diesem Schwein verlässt Huber die Ruine, welche einmal sein Hof war, und beginnt ein Leben als Heimatloser, als Vagabund und Indianer. Er findet Gefallen an diesem Leben. Er ist jetzt ein Rebell und begegnet auf seiner Reise Menschen, denen es ähnlich erging wie ihm. "Kleine", die von den "Großen" kaputt gemacht wurden. Für diese Kleinen erhebt sich Huber zum Widerstand und wird zum Symbol für Unruhe und Freiheit. Huber tut, was er für richtig hält. Denn in einer Welt, in der ein gesunder, fleißiger und ehrlicher Mensch nicht mehr in der Lage ist, für sich selbst zu sorgen, kann etwas nicht stimmen. Seine Botschaft: So geht's nicht weiter! Andere folgen ihm.

"Ein leidenschaftlicher und emotionaler Film über Ausbruch, Freiheit und Unabhängigkeit"
Statement von Autor und Regisseur Aron Lehmann

Wir sind womöglich die letzte Generation, die noch zum Bäcker um die Ecke marschiert, weil es dort – und zwar nur dort – die besten Brezn gibt, und weil man Lust hat auf einen kleinen Plausch mit guten Bekannten. Das ist auch Kapital. Das Kapital des Glücks. Aber da sich Glück nicht in Zahlen ausdrücken lässt, gilt Glück nicht mehr als Erfolg und wurde gestrichen. Freiheit wird uns nur noch als Konsum verkauft. Freiheit besteht aus einem neuen Handy, einem günstigen Urlaub, jeden Mittag Fleisch und abends Bier und Fernsehen. Geringer Preis ist gleichbedeutend mit großer Freiheit. Für diesen Traum, alles besitzen zu können und nicht mehr zu fragen, wo etwas herkommt und wie es produziert wurde, sind wir bereit uns selbst zu opfern. Wir jammern, dass der Lieblingsmetzger schließt, und kaufen die Salami an drei von vier Tagen im Discounter.

"Die letzte Sau" ist keine theoretische Auseinandersetzung zum Thema "Wie sollen wir leben", sondern ein leidenschaftlicher und emotionaler Film über Ausbruch, Freiheit und Unabhängigkeit mit viel Raum für Fantasie, Humor und Tränen. Unsere Hauptfigur Huber folgt keiner politischen Motivation, sondern dem gesunden Menschenverstand.

Wer von uns Lösungen erwartet, wird enttäuscht. Wer aber den Mut sucht, andere Wege zu gehen, der wird diesen bei uns finden.

Biografie von Autor und Regisseur Aron Lehmann

Aron Lehmann wurde 1981 in Wuppertal geboren. Aufgewachsen ist er im "Nördlinger Ries" (bayrisches Nordschwaben). Nach dem Abitur zog er nach Berlin und arbeitete dort von 2003 bis 2005 für verschiedene Filmproduktionen im Bereich Set-Aufnahmeleitung, bevor er an der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" in Potsdam-Babelsberg sein Regiestudium unter der Leitung von Andreas Kleinert absolvierte. Mit seinem ersten Langfilm "Kohlhaas oder die Verhältnismäßigkeit der Mittel" eröffnete Aron Lehmann die Reihe "Neues Deutsches Kino" auf dem Filmfest München 2012 und gewann zahlreiche Preise. Ende 2015 startete die Komödie "Highway to Hellas" in den Kinos. Nach "Die letzte Sau" 2016 drehte Aron Lehmann den Film "Das schönste Mädchen der Welt", der im September 2018 ins Kino kommt. Aron Lehmann lebt in München.

Festivals und Preise – eine Auswahl

Filmfest München, 2016
Filmfest Braunschweig, 2016
Vorauswahl zum Deutschen Filmpreis, 2017
Ahrenshooper Filmnächte, 2016
Filmz Mainz, 2016

Die Hände meiner Mutter

Donnerstag, 19. Juli 2018, 23.00 Uhr

Die Hände meiner Mutter
Drama, Deutschland 2016

Stab

Buch und RegieFlorian Eichinger
KameraTimo Schwarz
SchnittJan Gerold
MusikAndré Feldhaus
Ton Urs Krüger
ProducerMatthias Greving, Cord Lappe
Produzenten Mike Beilfuß, Florian Eichinger, Matthias Greving, Cord Lappe
ProduktionKinescope Film GmbH  in Zusammenarbeit mit Bergfilm Produktion in Koproduktion mit ZDF/Das kleine Fernsehspiel mit Unterstützung von Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein, nordmedia Fonds GmbH in Niedersachsen und Bremen, Deutscher Filmförderfonds
RedaktionLucia Haslauer (ZDF/Das kleine Fernsehspiel)
Länge 106 Minuten

Die Rollen und ihre Darsteller

Markus Andreas Döhler
Monika Jessica Schwarz
RenateKarin Pollitt
GerhardHeiko Pinkowski
JohannesSebastian Fräsdorf
SabineKatharina Behrens
Tante JördisTatja Seibt
Onkel Georg Peter Maertens
Tante GretaKarin Neuhäuser
LasseRasmus Dahlstedt
und andere

Inhalt

Komplexes Familiendrama, in dem die Erinnerung an den sexuellen Missbrauch durch die eigene Mutter für einen Familienvater zur Zerreißprobe wird.

Als sein vierjähriger Sohn Adam nach einem Toilettengang mit der Großmutter Renate eine kleine Schnittwunde hat, erinnert sich Markus zum ersten Mal daran, was seine Mutter ihm angetan hat, als er selbst noch ein Kind war. Markus vertraut sich seiner Frau Monika an, die zuerst irritiert reagiert, ihn aber dann dabei unterstützt, sich seinem Trauma zu stellen. Markus sucht die Konfrontation mit seiner Mutter und beginnt eine Therapie. Sein offener Umgang damit fördert in seiner Familie noch einige Geheimnisse zutage. Obwohl er versucht, alles richtig zu machen, merkt Markus, wie sein Leben und seine Beziehung langsam auseinanderfallen.

"Warum habe ich davon nie gehört?"
Interview mit Autor und Regisseur Florian Eichinger

 

"Die Hände meiner Mutter" ist der letzte Teil einer filmischen Trilogie – alle drei Filme setzen sich mit den Verstrickungen von Familiengewalt auseinander. Wie kamen Sie auf diese Thematik? Weshalb haben Sie sich für eine Trilogie entschieden?

Auf die Idee, eine filmische Trilogie zu erzählen, kam ich auf der Festivaltour meines ersten Spielfilms "Bergfest". In den Gesprächen mit dem Publikum fiel mir auf, wie involviert meistens der ganze Saal zu sein schien, obwohl vermutlich nur wenige etwas Ähnliches erlebt hatten wie im Film der Sohn mit seinem Vater und Stiefvater. Mir wurde da wahrscheinlich zum ersten Mal klar, dass es von universellem Interesse ist, wie wir mit unseren inneren Wunden umgehen.

Auch wenn man das Glück hat, weniger drastisch betroffen zu sein als andere, wird es immer wieder Momente geben, in denen man nahestehenden Menschen begegnet, Verwandten, Freunden, dem eigenen Partner, die wegen tiefer Verletzungen auf der einen oder anderen Ebene wie gefangen in sich sind. Was auf ganz unterschiedliche Weise auch das Leben der Menschen um sie herum überschatten kann. Wahrscheinlich kommt das in jeder Familie vor.

Da ich selbst aus einer großen Patchworkfamilie stamme, konnte ich einige solcher Verstrickungen und ihre weitreichenden Folgen und Hintergründe direkt oder aus naher Distanz erleben. Genug, um mehr über diese Dinge erzählen zu wollen als in einen Film passt.

Was vereint die drei Projekte und worin unterscheiden sie sich?

In allen drei Filmen sind die Protagonisten männlich, anders als in den meisten Geschichten, die von Opfern körperlicher oder psychischer Gewalt erzählen. Sie könnten ebenso gut weiblich sein, aber hier von Männern zu erzählen, fand ich unter anderem spannend, weil Männer sich normalerweise weniger mit ihren seelischen Belangen auseinandersetzen und weil die klassischen Rollenbilder es ihnen noch immer schwermachen sich einzugestehen, dass sie vielleicht selbst zu dem geworden sind, was für viele zu den schlimmsten Schimpfwörtern zählt.

In "Bergfest" geht es im Kern um eine Vater-Sohn Beziehung, in "Nordstrand" steht ein Brüderpaar im Mittelpunkt, und in "Die Hände meiner Mutter" liegt der Hauptkonflikt zwischen Sohn und Mutter. Aber wie oben erwähnt, ist oft auch das Umfeld involviert, meist unfreiwillig – in "Bergfest" beispielsweise die Partnerinnen von Vater und Sohn, in "Nordstrand" die Eltern der beiden Brüder und in "Die Hände meiner Mutter" fast die ganze Familie, insbesondere die Frau des Protagonisten.

Wie haben Sie sich auf die Filme vorbereitet, steckt dahinter viel Recherchearbeit?

Der Rechercheaufwand wurde von Film zu Film größer. "Bergfest" hatte noch die meisten autobiografischen Züge, da war am wenigsten Recherche nötig. "Nordstrand" war schon eine viel freiere Interpretation eigener Erlebnisse und bei "Die Hände meiner Mutter" geht es vergleichsweise wohl am wenigsten um mich selbst, wobei die innige Beziehung zu meiner Mutter sicher auch manchmal grenzüberschreitend war – allerdings nicht im körperlichen Sinne.

Bei "Die Hände meiner Mutter" habe ich deshalb in einem Zeitraum von vier Jahren unter anderen mit drei konkret Involvierten und zwei Psychologen viele Tage und Stunden lang gesprochen, um ein möglichst wahrhaftiges Bild der tatsächlichen Erlebnisse und der damit verbundenen Dynamiken zu bekommen und in das Drehbuch einfließen zu lassen.

Wie kamen Sie auf die Geschichte von "Die Hände meiner Mutter"?

Bei den Recherchen zu "Nordstrand" bin ich im Internet zufällig auf einen anonymen Erfahrungsbericht gestoßen, der mich sehr fasziniert hat. Ein paar Klicks später wusste ich, dass der Bundesbeauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs die Zahl der Frauen unter den Tätern auf immerhin zehn bis 20 Prozent beziffert, bei angeblich enorm hoher Dunkelziffer. Meine erste Reaktion war: Warum hab ich davon noch nie gehört?

Auch die meisten Leute aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis waren irritiert, und manchmal kam die Gegenfrage: "Wie soll das überhaupt gehen?" Dass es oft auf ganz andere Art geschieht als man vielleicht denken würde und was das mit sich bringen kann, hat mich gereizt zu ergründen. Gerade in einer Zeit, in der sich stark vereinfachende, stereotype Rollenbilder eher wieder zu verfestigen scheinen und selbst die früher einheitlichen Überraschungseier auch eine rosa Mädchenversion anbieten. 

Jede einzelne Rolle in "Die Hände meiner Mutter" ist perfekt besetzt. War es besonders schwierig, den Cast zu finden?

Meine Erfahrung ist, dass sich viele der besten Schauspieler für besonders ungewöhnliche Rollen und komplexe Inhalte interessieren. Trotzdem sind wir bei der Besetzung des Protagonisten Markus auf ein paar Hindernisse gestoßen. Bevor wir den im Filmbereich noch fast unbekannten Theaterschauspieler Andreas Döhler fanden, stand für diese Rolle lange Zeit schon ein anderer, prominenter Schauspieler fest, der aber recht kurz vor Drehbeginn aus privaten Gründen absagte.

Als wir die Rolle dann unter großem Zeitdruck neu casten mussten, merkte ich erst, wie groß die Herausforderung war jemanden zu finden, der in seinem Ausdruck zwei fast widersprüchliche Facetten in sich vereinen musste: Anders als in vielen Opferdarstellungen wollte ich, dass Markus eine sehr maskuline Ausstrahlung hat. Dass er auftritt wie jemand, dem man nicht so schnell widerspricht. Dass er sich durch seine Männlichkeit gewissermaßen auch mit definiert – und so eine möglichst große Kluft entsteht zwischen seinem virilen Selbstbild und dem, woran er sich nach Jahrzehnten zum ersten Mal wieder schmerzlich erinnert.

Zugleich sollte Markus eine genauso überzeugende kindliche, verletzbare, unbedarfte Seite haben. Andreas Döhler, den ich in dem viel zu unbekannten Film "Millionen" gesehen hatte, konnte beides so kraftvoll verkörpern, dass er uns am Set und im Schnitt alle umgehauen hat.

Warum sollte man sich "Die Hände meiner Mutter" unbedingt anschauen?

Vielleicht weil der Film von relevanten Dingen erzählt, die in der Öffentlichkeit noch viel zu unbekannt sind. Aber auch, weil er trotz seines abgründigen Kerns eine, wie ich glaube, im Grunde universelle Familiengeschichte erzählt – von Liebe, Gewalt, Auseinandersetzung und vielleicht auch Hoffnung.

Biografie von Autor und Regisseur Florian Eichinger

Florian Eichinger begann seine berufliche Laufbahn mit der Ausbildung und Arbeit als Fernsehredakteur. In dieser Zeit entstanden auch eigene Kurzfilme, bevor Eichinger sich als Regisseur und Autor selbstständig machte und sich unter anderem in dem siebenmonatigen Nordmedia-Seminar "Talents: Scriptwriting and Directing" fortbildete. Es folgten weitere Kurzfilme (unter anderen "Der letzte Geselle"), Musikvideos (unter anderem für Udo Lindenberg) und zirka 50 TV-Werbespots. Jeweils nach eigenem Drehbuch entstanden die drei programmfüllenden Spielfilme "Bergfest" (2008), "Nordstrand" (2013), der unter anderem für den Max-Ophüls-Preis und den Montblanc-Drehbuchpreis nominiert war und bei den 36. Grenzland-Filmtagen den Hauptpreis gewann, und "Die Hände meiner Mutter" (2016). Der Film wurde beim 34. Filmfest München mit dem hochdotierten Förderpreis Neues Deutsches Kino in den Kategorien Regie und Schauspiel ausgezeichnet und 2017 für den Deutschen Regiepreis (Metropolis) nominiert. Gelegentlich gibt Eichinger auch Seminare an Filmhochschulen und ist in Jurys vertreten (unter anderen Max-Ophüls-Preis, Deutscher Drehbuchpreis).

Festivals und Preise – eine Auswahl

Filmfest München 2016 – Neues deutsches Kino
Filmfest Hamburg, 2016
Filmfest Oldenburg, 2016
Filmfest Talinn, 2016
Gewinner Förderpreis Neues Deutsches Kino, Filmfest München: Beste Regie (Florian Eichinger), Bestes Schauspiel (Andreas Döhler)
FBW-Prädikat "besonderst wertvoll"

Somewhere in Tonga

Montag, 23. Juli 2018, 0.15 Uhr

Somewhere in Tonga
Drama, Deutschland 2017

Stab

Buch Sarah Schill und Florian Schewe (nach dem Tatsachenbericht "Tongan Coffee" von Uwe Gröne)
RegieFlorian Schewe
Kamera Yannick Bonica
SchnittTill Ufer
MusikDaniel Dickmeis
Ton Manja Ebert
SounddesignDominik Avenwedde
Szenenbild Friederike Sell
Kostümbild Suni Hoffmann
Producer Melanie Berke
ProduzentenVolker Heise, Thomas Kufus
Produktion zero one film im Auftrag des ZDF/Das kleine Fernsehspiel in Zusammenarbeit mit ARTE
RedaktionChristian Cloos (ZDF/Das kleine Fernsehspiel), Olaf Grunert (ZDF/ARTE)
Längeca. 97 Minuten

Die Rollen und ihre Darsteller

WolskiSascha Alexander Geršak
Marcel Luis Pintsch
Lole Fuahea Semi
HeaLolohea Lin
TevitaTevita Fukofuka
Jo Wolfgang S. Zechmayer
Frau Passow Mira Partecke
AbbasAbbas Piu
und viele andere

Inhalt

Ein Resozialisierungsprojekt auf einer einsamen Insel am Ende der Welt: für den 16-jährigen Intensivtäter Marcel die letzte Chance, dem Knast zu entgehen, für Sozialarbeiter Wolski Gelegenheit, seinen Lebenstraum zu erfüllen.

Wolski ist Sozialpädagoge und hat genug von Deutschland. Seine Ersparnisse hat er in einen Traum gesteckt: ein Projekt für schwer erziehbare Jugendliche auf einer einsamen Insel im Pazifik. Wolskis erster Kandidat ist Marcel, 16 Jahre alt und ganz vorn dabei, wenn es um Drogen und Gewalt geht. Nachdem er einen Sozialarbeiter niedergestochen hat, stellt ihn Wolski vor die Wahl: Knast oder Südsee. Widerwillig geht Marcel mit ans andere Ende der Welt.

Wolskis Planungen sind schiefgelaufen: Außer Strand, Palmen und Meer erwartet die beiden dort nichts. Kein Haus, kein Bett und keine Toilette. Er ist ohne Geld und der Junge ohne Drogen. Während Wolski mit einfachsten Mitteln eine Behausung zusammenhämmert, verweigert sich Marcel erst einmal total. Auf der belebten Hauptinsel gerät er in eine Schlägerei und verletzt seinen Gegner schwer. Die tongaische Gesellschaft ist in Aufruhr. Wolskis Fürsprache und ein milder Richterspruch bewahren Marcel vor der fälligen Gefängnisstrafe, unter der Bedingung, dass er die einsame Insel ein Jahr lang nicht verlassen darf. Für Marcel die Hölle. Als Wolski sich in eine Einheimische verliebt, die ihm eine neue Lebensperspektive bietet, muss er sich entscheiden – für den Jungen oder für sein eigenes Glück.

"Somewhere in Tonga" beruht auf einer wahren Geschichte. Regisseur Florian Schewe erzählt vom Traum, ein neues Leben unter Palmen zu beginnen, von Hoffnung für jung Gescheiterte und der Konfrontation westlicher Werte mit einer traditionell gemeinschaftlich geprägten Kultur. Die realistische Inszenierung seines Spielfilmdebüts gründet auf seiner Erfahrung mit Dokumentarfilmen, unter anderem in Uganda und im Sudan. Der 16-jährige Darsteller Luis Pintsch stand zum ersten Mal vor der Kamera.

Statement von Autor und Regisseur Florian Schewe

Das andere Ende der Welt, 37 Stunden Flug. Tonga. Noch nie wurde dort ein europäischer Spielfilm gedreht, eine Inselwelt voller logistischer Herausforderungen. Alle hatten Bedenken, die Vorstellung hatte einfach etwas Verrücktes. Aber die ursprüngliche Geschichte, die wahren Begebenheiten waren so stark, dass wir an den Originalschauplätzen drehen mussten. Nach einer ausgedehnten Recherche war es offensichtlich, dass wir unsere tongaischen Darsteller gefunden hatten, alles Laien, die noch nie vor einer Kamera standen. Aus dem Dokumentarfilm kommend, ist für mich ein unverstellter Blick auf die Menschen zentral, um eine emotionale Unverfälschtheit der Figuren für den Zuschauer erfahrbar zu machen. Das wurde auch die Maßgabe für unsere Hauptfiguren, und ich bin Sascha Alexander Geršak (Wolski) und Luis Pintsch (Marcel) unendlich dankbar dafür, wie sehr sie sich auf ihre Figuren eingelassen haben. Für uns alle im deutsch­-tongaischen Team wurde es eine Erfahrung, die uns weiter prägen wird. An beiden Enden der Welt.

Biografie von Autor und Regisseur Florian Schewe

Florian Schewe ist Absolvent des Studiengangs Regie an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf. Sein Spielfilm "Lebendkontrolle" gewann den Preis der Perspektive Deutsches Kino auf der Berlinale. Seitdem erfolgten dokumentarische Auftragsarbeiten für das Fernsehen (ARTE/ORF/RBB/SWR) und freie Filmproduktionen. Der in Co-Regie realisierte Dokumentarfilm "Wir waren Rebellen" entstand bereits in Zusammenarbeit mit der Redaktion ZDF/Das kleine Fernsehspiel. Er hatte seine Premiere auf dem DOK.fest München, lief weltweit auf Festivals (unter anderem International Documentary Film Festival Amsterdam, Brooklyn Film Festival, Montreal World Film Festival) und wurde 2015 mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet. Sein Fiction-Debüt "Somewhere in Tonga" (ZDF/ARTE) ist der erste auf Tonga realisierte Spielfilm. Florian Schewe arbeitet als Autor, Regisseur, Produzent und Kameramann in Berlin.

Festivals und Preise – eine Auswahl

Hofer Filmtage 2017, Uraufführung
Kinofest Lünen, 2017
Achtung Berlin, 2018
"Lobende Erwähnung" beim Förderpreis Deutsches Kino 2017 der Hofer Filmtage für das Ensemble
Hauptpreis LÜDIA (Publikumspreis) beim Kinofest Lünen
Schüler-Filmpreis 16+ beim Kinofest Lünen
Nominierung Studio Hamburg Nachwuchspreis 2018, Luis Pintsch als bester Nachwuchsdarsteller
Mailand International Film Festival 2018: "Best Directing", "Best Acting Performance Male" und "Best Supporting Performance Male"

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