Copyright: ZDF / Hardy Spitz
Copyright: ZDF / Hardy Spitz

Spreewaldkrimi – Zwischen Tod und Leben

Der Fernsehfilm der Woche

Im zehnten Spreewaldkrimi geht Kommissar Krügers (Christian Redl) Wohnwagen in Flammen auf und er selbst wird schwer verletzt. Was zunächst wie ein Unfall aussieht, entpuppt sich für den ermittelnden Fichte (Thorsten Merten) als geplantes Attentat. Auch der Jubiläumskrimi dieser renommierten Reihe spielt mit Zeit- und Wahrnehmungsebenen: zwischen Leben und Tod begegnet Krüger sogar Personen aus früheren Krimifolgen.

  • ZDF, Montag, 13. November 2017, 20.15 Uhr

Texte

Die Summe der Teile –  Zwischen Magie und Realität / Der X. Spreewaldkrimi
Von Redakteur Pit Rampelt

Der Autor Thomas Kirchner und der Produzent Wolfgang Esser sind zwei Garanten für den anhaltenden Erfolg der Spreewaldkrimi-Reihe und das kontinuierlich seit dem ersten Film. Den hat Regisseur Kai Wessel 2005 unter dem Titel "Das Geheimnis im Moor" inszeniert. Aufgrund des Erfolges bei Publikum, Presse und Preis-Nominierungen entstand aus dem ursprünglich als Einzelstück geplanten Film eine Reihe, in der Kai Wessel dann 2013 beim sechsten Film wieder Regie führte. "Mörderische Hitze" erhielt nicht nur viele Nominierungen, sondern gewann auch Preise, u.a. beim Fernsehpreis der Deutschen Akademie für Fernsehen insgesamt gleich sechs, darunter für die beste Regie. Auch als Redakteur freut man sich über "Außenseitersiege", wie in diesem Fall, besonders, denn bei der Entstehung und auch nach der Fertigstellung des ersten Spreewaldkrimis überwog intern Skepsis.

Die Verdienste von Kai Wessel bei dieser ambitionierten Reihe im Auge, aber auch im Bewusstsein seiner inszenatorischen Stärken wie empathische Figurenzeichnung, haben Produzent Wolfgang Esser und die ZDF-Redaktion in Absprache mit Autor Thomas Kirchner für den Jubiläumsfilm, den zehnten der Reihe, wieder Kai Wessel die Regie angeboten. Und so hat er seinen dritten Spreewaldkrimi inszeniert, der sich von den ersten beiden nicht nur in der Tonalität unterscheidet. Dabei hat wiederum der wandlungsfähige, dramaturgisch komponierende Ralf Wienrich die Musik beigesteuert, zum Teil eingespielt mit dem Deutschen Filmorchester Babelsberg.

Magie und Mystik, Melancholie und Legenden sowie mäandernde Zeitebenen dieser Zauberlandschaft sind spezifische Charakteristika, für die der Spreewaldkrimi steht. In jedem dieser "Crime-and-Nature"-Krimis wird immer auch ein gesellschaftspolitisches Thema aufgegriffen, das die Realität der Region spiegelt und meistens noch mit der DDR verbunden ist. Nach Republikflucht, polnischen Pelztierjägern, umweltzerstörerischen Hotelplänen, Immobilien-Spekulation, großspurigen Projekten wie die Cargolifter AG, Niedriglohnjobs wie z.B. Paketzusteller und Kahnbauer oder zuletzt ostdeutsche Kriegsheimkehrer aus Afghanistan mit PTBS steht dieses Mal Profitgier der Energiekonzerne im Fokus der raffiniert verschachtelten Geschichte.

Markante Sätze zu diesem unterbelichteten Thema hat Thomas Kirchner Kommissar Krüger, kongenial und konzentriert von Christian Redl dargestellt, und Christian Grashof als Gregor Liebig in den Mund gelegt, der schon im ersten Film eine nicht unwichtige Rolle spielte. Beide machen aus einer kleinen unscheinbaren Szene auf einer Sitzbank vor einer Mauer ein Kabinettstückchen. Spektakulär und einprägsam haben Kai Wessel und sein Kameramann Nicolay Gutscher nicht nur die Explosion von Krügers Wohnwagen und Fichtes Rettungsaktion in Szene gesetzt. Thorsten Merten als Fichte ist ohnehin längst nicht mehr aus dem Spreewaldkrimi wegzudenken.

Vor allem die zeitenthobene Kahnfahrt im Zwischenreich "Zwischen Tod und Leben" bleibt magisch bilderstark haften. Wie der Fährmann Charon auf dem Fluß Styx in der griechischen Mythologie gleitet der beeindruckende Kai Scheve in einer Weiterführung seiner Rolle der ersten fünf Spreewaldkrimis als Karsten Hellstein mit seinem irritierten Fahrgast Krüger an Szenen und Toten früherer Fälle der Reihe vorbei. Nahtoderfahrung, Wahnzustand, Projektion, Spiegel der Erkenntnis, Jenseits-Erscheinung, Märchen? Dieser phantasievoll umgesetzte Koma-Zustand Krügers ist jedenfalls Klammer und Katalysator der Handlung, die um Wiedergutmachung und Wahrheitsfindung kreist.

Diese gewagte surreale Krimi-Konstruktion fordert einmal mehr quasi interaktiv den Zuschauer auf, nicht unbedingt wie üblich beim Täterrätsel mitzuraten – das nebenbei auch – sondern vielmehr die spielerisch und assoziativ zeitlich versetzten Szenen wie Puzzleteile zu einem komplexen, verständlichen Gesamtbild selbst zusammen zu setzen. Frei nach dem Aphorismus, das Leben sei nur rückwärts verstehbar. "Die Summe der Teile" war der Arbeitstitel, der auf Verbindungslinien verweist sowohl der bisherigen Filme wie der nur scheinbar divergierenden Handlungsstränge dieses Falls.

Das außergewöhnliche Renommee der Reihe dokumentieren auch die Gastauftritte anderer prominenter Schauspieler in diesem 10. Film, zum Beispiel Anna Loos, Anja Kling, Ulrike Krumbiegel, Sebastian Blomberg oder Rolf Hoppe. Zwischen zwei Drehtagen bei anderen Projekten versammelte sich an ihrem freien Tag, einem heißen Sonntag, eine prominente Riege auf dem Friedhof in Lübben, um noch einmal kurz in ihre vor Jahren kreierten Figuren zu schlüpfen. Im Mikrokosmos Spreewald tauchen wie in einem Dorf immer wieder dieselben Einwohner auf. Das passt zu der konzeptionellen Anfangsidee, dass die Landschaft und ihre Menschen im Spreewaldkrimi eine durchgängige Hauptrolle spielen.

Der 10. Spreewaldkrimi hatte Anfang September Premiere auf der Parkinsel in Ludwigshafen beim Festival des deutschen Films. Und: "Zwischen Tod und Leben" wird am 7. November im Staatstheater Cottbus das diesjährige 27. Festival des osteuropäischen Films eröffnen.

Stab, Besetzung, Inhalt

Montag, 13. November 2017, 20.15 Uhr
Spreewaldkrimi – Zwischen Tod und Leben
Fernsehfilm der Woche

Regie_____Kai Wesssel
Buch_____Thomas Kirchner
Kamera_____Nicolay Gutscher
Szenenbild_____Thilo Mengler
Kostüm_____Wibke Kratz
Schnitt_____Tina Freitag
Musik_____Ralf Wienrich
Ton_____Christoph Köpf
Ton-Mischung_____Richard Borowski
Orchester_____Babelsberger Filmorchester
Dirigent_____Sebastian Krahnert
Music Supervision_____Hansjörg Kohli
Casting_____Uljana Havemann
Produktionsleitung    Hartmut Damberg
Herstellungsleitung   Olaf Kalvelage
Produzent_____Wolfgang Esser
Produktion_____ATF, Aspekt Telefilm GmbH
Redaktion_____Pit Rampelt
Länge_____ca. 89 Minuten

Die Rollen und ihre Darsteller
Thorsten Krüger_____Christian Redl
Fichte_____Thorsten Merten
Marlene Seefeldt_____Claudia Geisler
Karsten Hellstein_____Kai Scheve
Knut Hellstein_____Tom Gramenz
Jackie_____Jasna Fritzi Bauer
Bodo Tankmann_____Hermann Beyer
Gregor Liebig_____Christian Grashof
Juliane Bach_____Heike Jonca
Marianne Stein_____Ulrike Krumbiegel

als Gäste:
Anja Kling
Anna Loos
Rolf Hoppe
Sebastian Blomberg
und andere

Inhalt

Knut Hellstein steht vor der Tür von Kommissar Krügers Wohnwagen und bittet ihn um Hilfe. In der Energie-Branche tätig, ist er zwischen Interessensfronten geraten und fürchtet um sein Leben. Krüger, der sich immer noch für den Selbstmord von Knuts Vater ("Spreewaldkrimi-Feuerengel", 2013) mitverantwortlich fühlt, will dem jungen Mann helfen. Bei den Recherchen stößt er auf Machenschaften eines Energie-Kartells, das schon nach der Wende das politische Machtvakuum zu nutzen wusste. Aber er erkennt auch, dass Knut nicht nur Opfer, sondern auch Mittäter ist.

Bevor Krüger einen wichtigen Informanten trifft, wird auf ihn ein Attentat verübt. Sein Wohnwagen wird eines Nachts angezündet und brennt vollständig aus. Krüger kann zwar gerade noch von Fichte aus den Flammen gerettet werden, muss jedoch ins künstliche Koma versetzt werden. Der Anschlag sieht wie ein Unfall aus, aber Krügers Team glaubt nicht daran und nimmt die Ermittlungen auf. Nur langsam kommen Fichte und Marlene auf die richtige Spur, während Krüger in seinen Koma-Träumen früh 'bewusst' wird, wer ihm nach dem Leben trachtet.
Gelingt es Krügers Team, den Täter zu identifizieren, bevor er sein Werk vollendet – oder erwacht Krüger rechtzeitig aus dem Koma? Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.

Gedanken zum X. Spreewaldkrimi von Produzent Wolfgang Esser

"Welche Spuren hinterlassen wir?", fragt Hellstein Krüger auf seiner Fahrt.
Welche Spuren hinterlässt der zehnten Spreewaldkrimi beim Zuschauer und welche Spuren hinterlässt der Spreewaldkrimi in der deutschen Fernsehlandschaft?

Eindrucksvolle, hoffe ich, und ein bisschen nachhaltige, wünschte ich mir.
Dieses Mal entführen wir die Zuschauer in eine surreale Welt, die dennoch sehr wohl existieren könnte. Es ist die Welt zwischen Tod und Leben. Was erwartet uns da? Wie ist sie, diese Welt? Ist sie Zeit, Wahrnehmung, Raum oder alles zusammen und gleichzeitig? Ist sie einfach bewusstes oder unterbewusstes "Sein"? Und ist sie uns vielleicht deshalb so vertraut? Die Antwort darauf bleibt wohl jedem selbst überlassen. Wahrscheinlich ist sie auch eher ein Gefühl. Bei mir jedenfalls hat der 10. Spreewaldkrimi beeindruckende Spuren hinterlassen. Ich hätte Hellstein und Krüger auf ihrer Fahrt auf dem Acheron noch stundenlang zuschauen können.

Längst können unsere Zuschauer sicher sein, dass sie von jedem Spreewaldkrimi aufs Neue überrascht werden. Ja, ich möchte behaupten, sie erwarten es sogar inzwischen. Deshalb versuchen wir, uns immer wieder neu zu erfinden und jedem Film einen individuellen Charakter zu geben, in dem wir die typischen Merkmale auf immer neue Art und Weise arrangieren und weiterentwickeln. Allen Spreewaldkrimis gemeinsam sind vielschichtige, verwobene Geschichten, fließende Erzählweisen und virtuose Spiele mit Zeit- und Wahrnehmungsebenen. Aus heutiger Sicht mag das vielleicht nur noch in der einzigartigen Kombination außergewöhnlich sein, vor fast dreizehn Jahren aber, als wir den Spreewaldkrimi erfanden, war jedes einzelne dieser Merkmale ein krasser Bruch mit den damals vorherrschenden Erzählweisen und angestammten Sehgewohnheiten.

Die Spreewaldkrimis waren hierzulande die ersten Krimis, die nicht in urbanem Umfeld spielten, die ersten, die keine Ermittlerkrimis in Gestalt klassischer "Who-Done-It" waren, die ersten Krimis, in denen das Setting zum Hauptdarsteller wurde.
Spreewaldkrimis sind bildgewaltige moderne Landschaftskrimis in wahrstem Sinne, sie waren die ersten ihrer Art, und sie erzählen konsequent und immer weiter über das Genre hinaus. Im Grunde könnte man sagen, dass die Spreewaldkrimis gar keine Krimis sind, sondern eher eine Art Sinfonie aus Film, Theater, Oper und Malerei. Und ganz bestimmt sind sie auch ein Stück Fernseh(film)geschichte.

Fragen an Thomas Kirchner, Drehbuchautor aller Spreewaldkrimis

Sie haben mit "Zwischen Tod und Leben" zum zehnten Mal das Drehbuch für einen Spreewaldkrimi geschrieben. War der Druck beim Schreiben des Drehbuchs bei dieser Jubiläumsfolge größer als bei den bisherigen Spreewaldkrimi-Folgen?

Nein, nicht wirklich. Denn auch der 10. Film muss für sich allein stehen, wie alle anderen zuvor, auch wenn ich in dieser Folge mehrere Figuren aus alten Filmen wiederauferstehen lassen konnte, dank des Einsatzes aller Beteiligten.

Was bezweckt der Titel "Zwischen Tod und Leben"?

Der Titel macht den Zuschauer neugierig und gibt eine deutliche Vorstellung, was ihn erwartet. Krüger ist diesmal in einer Art Zwischenwelt gefangen. Die Geschichte wird wieder von hinten erzählt, während sie sich gleichzeitig weiterentwickelt. Am Ende werden Gegenwart und Vergangenheit und Figuren aus früheren Episoden zusammengeführt zur "Summe der Teile". So hieß auch der Arbeitstitel.

Woher haben Sie die Inspiration zu diesem 10. Spreewaldkrimi genommen?

Aus einem Gespräch mit einer befreundeten "Hexe", die mir von Zwischenwelten erzählte, von Menschen, die auch nach ihrem Tod nicht "loslassen" können. Da boten sich Krüger, in seiner Durchlässigkeit, und die Fließe des Spreewaldes als eine Art Acheron geradezu an.

Die Fragen stellte Manuela Mehnert

Fragen an Regisseur Kai Wessel

Sie haben jetzt schon dreimal Regie bei einem Spreewaldkrimi geführt. Was kann und soll der Jubiläumsfilm, der zehnte Film im zehnten Jahr, leisten?

Der Spreewald ist mir vom ersten Moment an ans Herz gewachsen und die Reihe sowieso. Wir wollten zurück schauen, wie auch richtungsweisend nach vorn sehen und dabei einen spannenden abgeschlossenen spreewaldkrimitypischen Film erzählen. Das ist eine hohe Herausforderung, die da an den Autor Thomas Kirchner und die ganze Spreewaldkrimicrew gestellt wurde. Denn eigentlich ist jeder Film schon für sich besonders.
Ich bin froh, dass wir so viele Schauspieler aus der Historie der Reihe für Gastauftritte gewinnen konnten. Viele Hauptdarsteller aus den bisherigen neun Filmen haben gern wieder mitgemacht. Man kann bei diesem Film ernsthaft von einem "Starensemble" sprechen.

Mit welchen Herausforderungen hatten Sie zu kämpfen?

Eine besondere Aufgabe und ein großes Vergnügen war die Koma-Welt, in der sich Christian Redl und Kai Scheve befinden. Hier gibt es unendlich viele Möglichkeiten der Gestaltung. Eine Reise in die griechische Mythologie ist natürlich eine herrliche kreative Herausforderung, die uns Thomas Kirchner da gestellt hat.

Was ist der "Spreewaldkrimi" für Sie?

Ein Spreewaldkrimi ist für mich immer eine archaische Geschichte in einer märchenhaften, mystischen Landschaft. In diesem Film wollten wir außergewöhnliches zusammenbringen: Historie, augenzwinkernder Humor, ein Spiel mit der Mythologie und Phantasie und einen spannenden Krimi. Ich hoffe, es ist uns gelungen.

Die Fragen stellte Manuela Mehnert

Fragen an die Schauspieler Christian Redl, Thorsten Merten, Claudia Geisler und Kai Scheve

Wie lässt sich der mittlerweile zehnjährige Erfolg der Spreewaldkrimis erklären?

Christian Redl: Unsere Geschichten, die im Spreewald spielen, sind dicht verwoben mit dieser einzigartigen Waldlandschaft. Sie sind extrem geprägt von einer geheimnisvollen, mystischen Region, in der sie ihren Ursprung haben und sie sind ganz anders als die Mehrzahl der Krimis, bei denen man nach zwanzig Minuten schon ahnt, wie es weitergehen wird. Sie haben ein Alleinstellungsmerkmal und das macht sie so interessant und wahrscheinlich deswegen auch so erfolgreich.

Worauf dürfen sich die Zuschauer beim 10. Spreewaldkrimi freuen?

Thorsten Merten: Es gibt eine intime Hardcore-Szene zwischen Krüger und Fichte. Der Spreewald wird zum Geisterreich, und da Krüger auf die Lebenden und Toten der bisherigen Folgen trifft, ist dieser Teil von der Stardichte eine große Besetzungsorgie.

"Manchmal werden uns erst die Toten lieb", sagt Krüger. In dieser Folge kämpft er um sein Leben und begegnet vielen alten Bekannten. Wie war das Spielen in dieser Zwischenwelt für Sie?

Christian Redl: Das ist natürlich eine Extremsituation, wie man sie sich als Schauspieler nur wünschen kann. Da ist Phantasie gefragt, denn über diesen sagenumwobenen Zwischen-Zustand gibt es nur sehr seltsame und widersprüchliche Aussagen. Man nähert sich dem Reich der Toten und ist sich selber nicht ganz sicher, ob man noch am Leben ist, oder schon einer von den vielen bereits Verstorbenen. Das war wirklich ungeheuer interessant für mich, mich hineinzuversetzen – zumal ich ja selber nicht mehr der Allerjüngste bin.

Hellstein ist eigentlich im Spreewaldkrimi "Feuerengel"(2013) gestorben. Was hat Sie gereizt, eine Figur aus dem Jenseits zu spielen?

Kai Scheve: Karsten Hellstein bleibt für mich immer eine "Herzensfigur", und schon beim Casting für "Das Geheimnis im Moor" (2005) war mir klar: diesen Hellstein will und muss ich spielen. Und Hellsteins Freitod am Ende vom "Feuerengel" (2013) habe ich nicht so einfach weggesteckt, mit all den Fragen, die sich ein Schauspieler zwangsläufig stellt. Aber das Leben geht ja bekanntlich weiter und einige Jahre später kam der Anruf vom Produzenten Wolfgang Esser, dass es mit mir weitergehe und eine besondere Folge, der zehnte Teil der Reihe, geplant sei. Darin nimmt Hellstein als Fährmann, angelehnt an die Figur Charon aus der griechischen Mythologie, Krüger in die Unterwelt, in die Welt der Toten, mit. Dass die Idee reizvoll klang und die Umsetzung interessant werden würde, muss ich, glaube ich, niemandem erklären. Etwas salopp formuliert: Tote sind im Fernsehen tot und bleiben es meistens auch – aber nicht im Spreewald.

Im zehnten Spreewaldkrimi schwebt Krüger zwischen Leben und Tod und auch Marlene selbst hat eine unklare Krankheitsdiagnose. Was geht in ihr vor?

Claudia Geisler: Ihr langerjähriger Freund Krüger schwebt in akuter Lebensgefahr und ist schon mehr dort als hier. Das wiegt für sie viel schwerer, und sie vergisst fast ihr eigenes ungewisses Schicksal. Noch tun, was man tun kann. Bei ihm sein, Nähe geben und vorlesen, damit er eine vertraute Stimme hört.

Und hofft sie, dass Krüger doch noch einmal zu ihr zurückkommen wird?

Claudia Geisler: Wenn er jemals wieder erwachen sollte, dann wird alles anders sein. Soviel ist ihr klar als Medizinerin. Sie wird für ihn da sein, egal wie es ihm geht, dazu kennen und mögen sie sich zu lange. Ob daraus wieder eine Beziehung wird, daran traut sie sich nicht zu denken in dieser schweren Situation. Aber trotzdem: Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Fichte hasst Krügers Alleingänge. Was bewegt ihn, letztlich immer wieder für seinen Chef einzustehen?

Thorsten Merten: Natürlich hat Fichte einen dicken Hals, wenn Krüger seine Alleingänge startet und Verdachtsmomente für sich behält. Aber Krüger hat die Fähigkeit zur Imagination, den Röntgenblick, er ist ein Tiefenforscher der menschlichen Seele. Das bewundert Fichte, auch wenn er es niemals zugeben würde, wahrscheinlich nicht mal vor sich selbst. Aber der andere große Mitspieler dieser Krimireihe, der Spreewald, zwingt Krüger und Fichte auch zur Zusammenarbeit. In dieser dünnbesiedelten Gegend mit ihrem kleingesparten Polizeipersonal bilden die beiden eine Notgemeinschaft.

Die Fragen stellte Manuela Mehnert

Weitere Informationen

Fotos über: (06131) 70-16100 oder über https://presseportal.zdf.de/presse/spreewaldkrimi

Impressum

ZDF Hauptabteilung Kommunikation
Presse und Information
Verantwortlich: Alexander Stock
E-Mail: pressedesk@zdf.de
© 2017 ZDF

Ansprechpartner

Name: Dr. Birgit-Nicole Krebs
E-Mail: presse.berlin@zdf.de
Telefon: (030) 2099 1096