Stunde des Bösen

Vierteilige Thriller-Reihe

Die ZDF-Nachwuchsredaktion Das kleine Fernsehspiel präsentiert in der „Stunde des Bösen“ vier Thriller als TV-Premieren. Sie entstanden im Rahmen einer gezielten Suche nach jungen Talenten, die das Thriller-Genre lieben und für ihr Filmdebüt ausloten wollten. Die Redaktion gab Drehbuchautoren und Regisseuren Gelegenheit, zusammen mit Kamera-, Musik-, Produktions- und Schauspiel-Talenten ihre eigene Spielart des Genres zu entwickeln. Herausgekommen sind vier sehr unterschiedliche Psychothriller, die von Duellen auf Leben und Tod erzählen und ihre Protagonisten in einen Abgrund von Angst und Bedrohung stürzen.

  • ZDF, Ab Montag, 3. März 2014, 23.50 Uhr
  • ZDF Mediathek, Ab Freitag, 7. März 2014, 22.00 Uhr

Texte

Mit den größten Ängsten konfrontiert
Die Redaktion Das kleine Fernsehspiel über die Thriller-Reihe

Das kleine Fernsehspiel ist bei seinen fiktionalen Produktionen vor allem bekannt durch milieunahe, gesellschaftlich relevante und stilistisch ungewöhnliche Dramen. In den letzten Jahren gewann mit der neuen Generation von Filmtalenten auch der Genre-Film an Bedeutung. Die Nachwuchsredaktion förderte mehr Komödien, Gangster-Filme, Melodramen und Science-Fiction-Filme. Und nun hat sie eine Gruppe junger Regisseure dazu angeregt, sich mit dem gerade auch im Fernsehen populären Genre des Thrillers auseinander zu setzen.

Thriller bewegen sich in dunklen Regionen unseres Daseins. Sie finden starke Bilder für existenzielle und gesellschaftliche Ängste, erschaffen eine klaustrophobische Welt um einen schutzlosen Protagonisten und spielen mit Tabus. In den vier Filmen der Reihe „Stunde des Bösen“ geraten Männer in tödliche Gefahr und werden mit ihren größten Ängsten konfrontiert: Ohnmacht, Kontrollverlust und Überforderung, Versagen im Beruf, Abhängigkeit in einer zerstörerischen Liebesbeziehung, Aufflammen von Kindheitstraumata, Verlust von Identität und dem Platz im Leben. Für alle geht es letztlich um die Konfrontation mit dem Bösen, auch in sich selbst.

Die jungen Filmemacher haben die Möglichkeit des Thriller-Genres genutzt, aus der subjektiven Perspektive einer bedrohten Hauptfigur eigenwillig und emotional zu erzählen. Sie zeigen großen Stilwillen, handwerkliches Können und prägnante Handschriften. Zwei von ihnen haben damit als Studenten an den Filmhochschulen in Berlin und Potsdam-Babelsberg ihren Abschluss gemacht. Alle Filme wurden zu renommierten Filmfestivals eingeladen und zum Teil schon mit Preisen ausgezeichnet.

Wir hoffen, auch Sie haben manchmal Lust an der Angst, zumindest im Fernsehen. Das kleine Fernsehspiel wünscht Ihnen jedenfalls intensive und spannende Unterhaltung bei unserer „Stunde des Bösen“!

Claudia Tronnier, Leiterin der Redaktion Das kleine Fernsehspiel, und Christian Cloos, verantwortlicher Redakteur der Reihe

Der zweite Mann

Mysterythriller, Deutschland 2013

Montag, 3. März 2014, 23.50 Uhr

Stab

Buch und Regie      Christopher Lenke und Philip Nauck
KameraBenjamin Raeder
HerstellungsleitungAnja Grünewald
ProduktionsleitungPaul Dehn
CastingSilke Koch
KostümbildRiccarda Merten-Eicher
SzenenbildFloprian Kaposi
MusikBoris Bojadzhiev
Maskenbild und SFXStefanie Lewandowski
SoundsupervisorGregor Bonse
MontageChristopher Lenke
Visuelle EffekteStefan Jürgens
ProducerMiriam Klein
ProduzentenFrank Kaminski und Ulrich Stiehm
ProduktionEine Kaminski.Stiehm.Film Produktion mit ZDF/Das kleine Fernsehspiel und Hochschule für Film und Fernsehen
Konrad Wolf, gefördert durch Medienboard Berlin Brandenburg
RedaktionJörg Schneider
Längeca. 65 Minuten

Die Rollen und ihre Darsteller

Adrian Davids      Max Riemelt
Rebecca MartensAnna Drijver
Antoine de CrassieRichard Sammel
Peter ThiesFabian Busch
Eva SandersFranziska Weisz
Klaus PadbergThorsten Merten

 Nach seiner Beförderung gerät ein junger Wirtschaftsprüfer auf den verhängnisvollen Schicksalsweg seines Vorgängers.

Der junge, zurückhaltende Wirtschaftsprüfer Adrian wird aufgrund der Kündigung seines Vorgängers überraschend befördert und übernimmt die jährliche Buchprüfung einer privaten Investmentbank. Doch die Freude über den beruflichen Aufstieg währt nur kurz.

Die Geschäftsfrau Rebecca stößt ihn auf das dunkle Geheimnis der Bank: Die Bücher sind manipuliert und die Finanzen bis zum Kern verrottet. Adrian begreift, dass er die Stellung nur bekommen hat, weil man ihn für schwach und beeinflussbar hielt. Er soll lediglich die halbseidenen Geschäfte der Bank durchwinken. Aber Adrian setzt sich zur Wehr: Um die Bilanzmanipulationen zu beweisen, überschreitet er die Grenzen der Legalität und verschafft sich die Unterlagen, die man ihm vorenthielt.

Damit tappt Adrian in eine Falle. Er wurde benutzt – genau wie zuvor sein Vorgänger. Je mehr Adrian über ihn erfährt, desto klarer scheint es, dass er auf dessen Schicksalsweg geraten ist: Unbewusst hat er sich in dieselbe Frau verliebt, die gleiche Kleidung gekauft und in demselben Geflecht aus Bilanzmanipulation und Insiderhandel verfangen, das seinen Vorgänger das Leben kostete. Adrian begreift, dass er es von nun an anders – besser – machen muss, um zu überleben ...

Preise und Festivals

Studio Hamburg Nachwuchspreis 2013 - Nominierung Bestes Drehbuch

Hofer Filmtage 2013

Biografien

Christopher Lenke (Buch & Regie) und Philip Nauck (Buch & Regie) wurden 1981 in der Kleinstadt Alsfeld in Hessen geboren. Sie sind seit der Grundschule befreundet und teilten früh die Liebe zum Genre-Kino. 2004 entstand mit Unterstützung der Hessischen Filmförderung die Kurzfilmkomödie „Der Schaumreiniger“, die in der Folgezeit erfolgreich auf zahlreichen Festivals lief. Philip Nauck studierte von 2007 bis 2013 Regie an der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“. Christopher Lenke arbeitete in der Zeit als freier Kameramann und Editor. Trotzdem setzten beide ihre Zusammenarbeit konsequent fort. Der 20-minütige Thriller „Der Doppelgänger“ (2010) und weitere Kurzfilme entstanden so in Doppelregie. Mit „Der Zweite Mann“ entstand ihr erster Fernsehfilm, der zugleich Philip Naucks Abschlussfilm an der Filmhochschule ist.

Max Riemelt (Darsteller) wird 1984 in Berlin geboren. Schon mit elf Jahren spielt er in der Kindertheatergruppe seiner Schule. Sein Filmdebüt feiert er 1997 in einer Nebenrolle des TV-Zweiteilers "Eine Familie zum Küssen". Mit Kinoproduktionen wie "Mädchen Mädchen!" (2000), "Napola - Elite für den Führer" (2003) oder "Die Welle" (2007) wird er einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Für seine Arbeit bei „Der rote Kakadu“ (2004) erhält er 2005 den Bayerischen Filmpreis als Bester Nachwuchsdarsteller. Riemelt lebt in Berlin.

Getrieben von der Gier nach Geld

Christopher Lenke und Philip Nauck über ihren Film

Genrefilme waren immer unsere Leidenschaft und maßgeblich dafür verantwortlich, dass wir selber anfingen, Filme zu drehen. Ob Thriller, Horror oder Science Fiction, für uns liegt der große Reiz eines Genrefilms darin, dass er hinter seinem offensichtlichen Unterhaltungswert Themen der Zeit aufgreift. Durch seine Konventionen gelingt es ihm, auch schwierige Themen für das Publikum zugänglich zu machen.

Wie kaum ein anderes Thema beeinflusst im Moment die Finanzwirtschaft unsere Gesellschaft und ihre Zukunft. Vollkommen entfesselt und von jedem moralischen Rückgrat befreit, wird in einem gigantischen Maße spekuliert. Um Regulierungen zu umgehen, werden Finanzprodukte erfunden, die so kompliziert sind, dass sie selbst Profis nicht durchschauen. Von dieser Welt erzählen wir in einem mysteriösen Film-Noir. Ein Genre, das für die Undurchdringlichkeit und Unüberschaubarkeit der Welt steht. Ein Genre, in dem es keine Guten gibt und in dem alle Opfer und Täter zugleich sind - moralisch verkommen und getrieben von der Gier nach Geld.

So wie diese Gier von Menschen in der Finanzwelt Besitz ergreift und sie langsam korrumpiert, legt sich der Schatten des Vorgängers auf unseren Protagonisten. Seine Spuren beginnen ihn zu beeinflussen und zu formen, sein Leben zu bestimmen und ihn schließlich in den Abgrund zu treiben.

 In der Überzahl

Spielfilm, Deutschland 2013

Deutsch und dänisch mit deutschen Untertiteln

Montag, 10. März 2014, 0.15 Uhr

Stab

BuchCarsten Ludwig (nach einer Idee von Ludwig und Glaser)
RegieCarsten Ludwig
KameraStefan Ciupek
SchnittDan Loghin
MusikDirk Dresselhaus
TonBernd von Bassewitz
CastingCharlotte Roustang
AusstattungPetra Albert
KostümAnne-Gret Oehma
ProduzentenKatja Kuhlmann, Jörg Schulze
Produktioncine plus im Auftrag von ZDF/Das kleine Fernsehspiel
RedaktionBurkhard Althoff
Längeca. 67 Minuten

Die Rollen und ihre Darsteller

Fahrer   Ulrich Thomsen
Junge         Max Mauff
Tramperin Selina Maluche
Älterer Herr    Peter Pauli
Polizist  Henning Bormann

Eine einstündige Autofahrt mit einem Amokläufer, eine nervenzerreißende Begegnung mit dem Bösen.

Inhalt

Der 47-jährige Geschäftsmann Stig Soerensen ist mit dem Auto auf dem Weg von Niedersachen nach Hause in seine dänische Heimat. Als er in einer norddeutschen Kleinstadt im Verkehr stecken bleibt, springt ein junger Mann in seinen Wagen und hält ihm eine geladene Pistole an den Kopf. Handstreichartig gerät Stigs geordnetes Leben aus den Fugen. Die sich anschließende Autofahrt in der Gewalt eines unberechenbaren Jugendlichen wird für Stig zu einer Tour de Force, in der sich schon bald herauskristallisiert, dass er Gefahr läuft, mehr als nur seinen Glauben an ein „normales Leben“ zu verlieren. Eine junge Tramperin, die Michael - so nennt sich der Mitfahrer – aus einer perversen Laune heraus mitnimmt, lässt die bizarre Konstellation dieser Gruppe zum Moment der Wahrheit werden. Stig erfährt von ihr, dass Michael etliche Mitschüler in einem brutalen Amoklauf hingerichtet hat. Stig beginnt nun Strategien zu entwickeln, sein Leben – und vielleicht das Leben anderer - zu retten.

Preise

Bester Dartsteller Max Mauff, Festival Max – Ophüls – Preis 2013

Festivals (Auswahl)

Festival Max-Ophüls-Preis 2013 (Premiere)

International Crime and Punishment Film Festival 2013, Istanbul

23. Filmfestival Cottbus 2013

Filmz – Festival des deutschen Kinos 2013

Biografien

Carsten Ludwig (Buch und Regie) ist Absolvent der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin und realisierte zusammen mit Jan-Christoph Glaser u.a. den Film „Detroit“(2003) mit Christoph Bach in der Hauptrolle und für Das kleine Fernsehspiel den preisgekrönten Film „66/67 – Fairplay war gestern“(2009). „In der Überzahl“ ist seine erste Einzelregie.

Der dänische Schauspieler Ulrich Thomsen (Darsteller Stig Soerensen) gehört spätestens seit seiner Hauptrolle in Thomas Vinterbergs Film „Das Fest“ (1998) zu einem der renommiertesten und auch international gefragtesten Schauspieler seines Landes. Zuletzt spielte er in der amerikanischen Fernsehserie „Banshee – Small Town. Big Secrets“ (2013).

Max Mauff (Darsteller Junge) erhielt für seine Leistung in „In der Überzahl“ den Preis als Bester Nachwuchsdarsteller auf dem Festival Max-Ophüls-Preis 2013. Er ist eines der interessantesten jungen Schauspieltalente in Deutschland. Er spielt u.a. auch die Hauptrolle in der gerade fertiggestellten Kino-Koproduktion Des kleinen Fernsehspiels „Patong Girl“ (2014) von Susanna Salonen.

Das Herz der Finsternis erahnen
Carsten Ludwig über seinen Film

Als ich im März 2009 die Berichterstattung des Amoklaufs von Winnenden mitverfolgte, ertappte ich mich bei dem Gedanken, dass die Autofahrt zwischen den beiden Amokläufen ein großartiger Stoff für einen Spielfilm ist. Was ist in den zwei Stunden passiert, nachdem der Täter in den Wagen gestiegen war und sich scheinbar ziellos durch die Gegend fahren ließ? Diese Frage sollte mich nicht mehr loslassen ... Gleichzeitig ärgerte ich mich damals – nicht zum ersten Mal – über die entsetzliche, sensationsheischende Berichterstattung auf den diversen Nachrichtenkanälen. Die Flut von Schaltungen nach Winnenden ins Verhältnis gesetzt zu den mageren Erkenntnissen des Tages, erschien mir als ein empörend absurder Vorgang. Angetrieben von dem Widerspruch, sich selbst eine Neugierde eingestehen zu müssen, die wenig mit Anteilnahme und Mitleid für Opfer und Angehörige zu tun hat, sowie der generellen Ablehnung der pietätlosen Berichterstattung, stand ich vor der Frage, wie mit diesem Phänomen umzugehen sei. Nein, wie ich mit diesem Phänomen umzugehen hätte.

Die Antwort war, einen Film zu machen, der diesen Widerspruch in sich vereint. Den fraglos spannenden, thrillerartigen Vorgang als solchen zu Grunde zu legen, aber jeden reißerischen Umgang damit zu vermeiden. Zugleich den Beweis anzutreten, dass eine puristische Herangehensweise bei diesem Sachverhalt in Wahrheit die interessanteste und aufschlussreichste ist. Ein Film, der seinen Zuschauern jenseits von Medienhysterie und politischer Besserwisserei einen Ablauf präsentiert, den jeder einzelne Zuschauer für sich aushalten und verarbeiten muss - und zwar ohne die Hilfestellung vorgefertigter Erklärungsansätze. Denn darum geht es ja vor allem: Sich trotz aller Vermutungen und allem Hinterfragen einzugestehen, dass da ein Rest bleibt, ein blinder Fleck oder eine Leerstelle, die wir nicht füllen können. Die uns unbefriedigt und – schlimmer noch – zutiefst besorgt zurücklässt. Aber diese Erkenntnis ist zumindest ein ehrlicher Umgang mit der Angst, die alle Phänomene bei uns auslösen, die wir uns nicht hinreichend erklären können.

Und genau das ist die Situation, in die der Fahrer des Wagens geraten ist: Es bestätigen sich, wenn man so will, seine (also unsere) schlimmsten Befürchtungen. Überwältigt vom Einbruch des Bösen, das in Gestalt eines Jugendlichen plötzlich im nicht länger geschützten Innenraum seines Wagens sitzt und ihn dazu zwingt, um sein Leben zu kämpfen. Er hat nur noch einen Wunsch: Zumindest körperlich unbeschadet aus dieser Situation herauszukommen. Diese Perspektive nimmt der Film ein. Wir sehen Stig Soerensen, den Fahrer. Und das, was er zu sehen bekommt. Durch seine Blicke kommen wir dem Täter näher. Es entsteht eine trügerische Nähe, die uns keine Erklärungen liefert für das Unfassbare - und auch nicht liefern kann. Aber sie bringt uns in Kontakt mit etwas, das uns hinter einer monströsen Fassade, gekoppelt mit der Schlichtheit und Trivialität eines Heranwachsenden, das „Herz der Finsternis“ erahnen lässt.

Und es ist auch die Geschichte eines Helden, dem alle Insignien des Heroischen fehlen. Stig Soerensen ist kein Abziehbild des todesverachtenden Protagonisten im amerikanischen Mainstreamfilm, sondern ein realer Jedermann, den die Ohnmacht seiner Situation und die damit verbundenen Demütigungen nicht aufstecken, sondern wachsen lassen. Soweit, dass es ihm gelingt, die Varianten von Unterwerfung und Widerspruch bis fast hin zu einer seltsamen Vertrautheit im letzten Drittel des Films durchzuspielen, ohne seine persönliche Integrität zu verlieren. Diese Reise ist auch eine in sein Innerstes selbst, die sich zu einem Credo verdichtet, welches lauten könnte: „Wer spricht von siegen, überstehen ist alles“.

Für den Amokläufer geht es darum nicht mehr; in gewisser Weise hat er bereits alles überstanden - und damit hinter sich. Er ist den Schritt gegangen, der eine Umkehr nicht mehr vorsieht. Vielleicht ist es ihm gerade deshalb möglich, sich in einigen wenigen Momenten zu öffnen. Vielleicht ist diese vermeintliche Vertrautheit aber auch einfach nur der Situation geschuldet und entsteht geradezu zwangsläufig. Wir wissen es nicht. Michaels emphatische Schilderung der Musik eines Films, der ein Videospiel adaptiert, ist so merkwürdig wie nachvollziehbar und – auch das – anrührend (wenn wir es nicht besser wüssten). Dieser Versuch der Nähe, hergestellt über die absurde Isoliertheit eines Videospiels, ist der Türspalt, den der Entführer öffnet. Aber selbst wenn wir mit ihm die tiefe Trauer um den Verlust der Kindheit teilen können, so hilft sie uns doch nicht dabei, etwas an dieser Tat, in deren Mitte wir uns befinden, zu erklären, ja nachvollziehbar zu machen.

Unser Zugang bleibt, zum Glück, begrenzt. Deshalb muss diese Geschichte auch Fragment bleiben und so offen enden, wie sie begonnen hat. Ein zynisches „Fortsetzung folgt“ ersparen wir uns, die Wahrscheinlichkeiten hierfür liegen aber offen auf der Hand. Angelehnt an den Amoklauf von Winnenden wird dem vorgebildeten Publikum ohnehin kein Happy End zugemutet werden können. Wie sollte dies auch aussehen? Aber auch das tatsächliche Fanal am Ende von Winnenden muss hier nicht ausformuliert werden. Darauf kommt es einfach nicht mehr an. Stattdessen bleibt die makabre Erkenntnis, dass das Böse allgegenwärtig und nicht fassbar ist – im Zweifelsfall sitzt es auf der Rückbank deines Autos und kommt in kindlicher Aufmachung daher. Was hat das mit dem Fahrer zu tun? Nichts. Und in dem Augenblick, in dem es geschieht, alles. Diese Erfahrung macht der Fahrer stellvertretend für das Publikum. Wir werden mit einem Ereignis, einer Situation konfrontiert, die uns ansonsten genauso lange erinnerlich ist, wie es die Schlagzeilen der Nachrichten bestimmen. An der Schilderung dieser Fahrt ist nichts auch nur annähernd so spektakulär wie der Eindruck, den wir als Zuschauer mitnehmen sollen. Die Verstörtheit, in die uns „In der Überzahl“ entlässt, soll in diesem Genremix, den man auch als Doku-Thriller bezeichnen könnte, nachhaltig sein.

 Die Frau hinter der Wand

Psychothriller, Deutschland 2013

Montag, 17. März 2014, 0.05 Uhr

 Stab

Regie     Grzegorz Muskala
Buch  Grzegorz Muskala, Robby Dannenberg
Kamera     Phillip Kaminiak
Szenenbild     Theresia Ficus
KostümbildLea Sövsö
Ton Magnus Pflüger
Schnitt Vincent Assmann
Musik       Conrad Oleak
SounddesignMartin Frühmorgen
Producer    David Keitsch
Produzenten    Sol Bondy, Jamila Wenske
Produktion One Two Films in Koproduktion mit ZDF / Das kleine Fernsehspiel und Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb),
gefördert vom Medienboard Berlin-Brandenburg
RedaktionChristian Cloos
Längeca. 89 Minuten

Die Rollen und ihre Darsteller

Martin      Vincent Redetzki
SimoneKatharina Heyer
SebastianFlorian Panzner
Hausmeister Horn  Ronald Nitschke

Ein scheuer Jurastudent verfällt seiner geheimnisvollen Vermieterin und verliert sich in einer Welt aus dunkler Sexualität und Gewalt.

Inhalt

Voller Hoffnung kommt der junge Martin aus der Provinz zum Jurastudium nach Berlin. In einem düsteren, skurrilen Mietshaus findet er eine winzige, heruntergekommene Wohnung, deren Vormieter Robert spurlos verschwunden ist. Während der scheue Martin in der Uni keinen Anschluss findet, weckt die aufregende Vermieterin Simone sein Verlangen. Sie wohnt direkt in der Wohnung nebenan, nur durch eine dünne Wand von ihm getrennt. Auf den Spuren des verschwundenen Roberts belauscht Martin die geheimnisvolle Simone. Sie lockt ihn in ihre Wohnung und verführt ihn. Martin verliebt sich, sucht ihre Nähe. Gleichzeitig ist er getrieben davon, herauszufinden, was seinem Vorgänger Robert zugestoßen ist. Eine ältere Nachbarin warnt ihn vor dem Bösen im Haus, Simones gewalttätiger Freund Sebastian bedroht ihn. Kann Martin Simone vertrauen? Haben sie eine Chance miteinander? Martin verliert sich in dem düsteren Haus und einer verstörenden Welt aus Sexualität und Gewalt.

Der obsessive Psychothriller erzählt konsequent aus der Perspektive seiner Hauptfigur Martin. Regisseur Grzegorz Muskala zieht sämtliche Genre-Register und besticht durch eine präzise Inszenierung, Stilwillen, eindringliche Bilder und Humor. Nach seinen vielfach preisgekrönten Kurzfilmen ist „Die Frau hinter der Wand“ der erste Langfilm von Grzegorz Muskala und sein Abschlussfilm an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb).

Preise

Preis für die beste Filmmusik an Conrad Oleak, Kinofest Lünen 2013

Festivals

Internationales Filmfest Oldenburg 2013

Kinofest Lünen 2013

43. Rotterdam International Film Festival 2014, Sektion Bright Feature

Biografien

Grzegorz Muskala (Buch und Regie), geboren 1978 in Gliwice - Polen. Aufgewachsen in Deutschland. Studium der Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft in Köln, Studium der Regie an der staatlichen Hochschule für Film, Fernsehen und Theater in Lodz. Seit 2004 Studium der Regie an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb). Seine Kurzfilme „Mein Vater schläft“ (2007), „Das Mädchen mit den gelben Strümpfen“ (2008) und „Long Distance Call“ (2011) liefen auf über 250 internationalen Festivals und gewannen zahlreiche Preise (u.a. Deutscher Kurzfilmpreis in Gold). „Die Frau hinter der Wand“ ist sein erster Langfilm und sein Diplomfilm an der dffb. Grzegorz Muskala lebt und arbeitet in Berlin.

„Die Schrecken des Mannwerdens“
Grzegorz Muskala über seinen Film

"Die Frau hinter der Wand“ ist ein erotischer Psychothriller mit durchaus schrägen und komischen Elementen.

Ich hatte große Lust, bei diesem Film mit dem Genre und der Angstlust des Zuschauers zu spielen. Lust, den Zuschauer zu verführen, sich mit einer gewissen Freude am Fürchten gemeinsam mit Martin auf diesen immer wahnsinnigeren Trip in die Untiefen dieses Hauses und die Untiefen dieser Frau zu begeben. Mein Ziel war es, den Zuschauer schleichend von verspielter Angstlust zu echtem Entsetzen und Horror zu geleiten. 

 Wobei mir bei meinen Filmen auch immer wichtig ist, die subtilen, versteckten Emotionen und die Sensibilität und Verletzlichkeit meiner Figuren sichtbar werden zu lassen. Für mich ist „Die Frau hinter der Wand“ so vor allem auch die in grellen Farben gemalte Seelenlandschaft eines Jungen, der auf der Suche nach Nähe und Liebe die Schrecken des Mannwerdens erlebt. Das Genre erlaubte mir, dieses Thema auf spekulative, überzeichnete Art und Weise mit drastischeren Gestaltungsmitteln als üblich anzugehen. 

Martin kommt in die fremde Welt der Großstadt. Aus dem Vertrauten, dem behüteten Schoß der Familie. Angetrieben von einer jugendlichen Neugierde, aber auch dem persönlichen Druck, bei diesem Schritt ins erwachsene Leben alles richtig machen zu wollen, fehlt Martin vor allem die Fähigkeit, sich abzugrenzen. Ich fand es aufregend, diese große Welt stellvertretend auf den Mikrokosmos dieses düsteren, schrägen Hauses, in das er gerät, zu verdichten. Martin wird von den Bewohnern des Hauses, allen voran Simone, vereinnahmt und lässt sich immer tiefer in die Verstrickungen des Hauses hineinziehen, bis er darin verloren geht. Diese Welt und ihre Bewohner sind unheimlich und verstörend. Die Kamera zieht den Zuschauer in Martins Wahrnehmung der Details hinein. Wie Martin muss sich der Zuschauer aus den beobachteten und belauschten Fragmenten eine Wirklichkeit zusammensetzen. Es geht um Projektionen. Simone, die Frau hinter der Wand, wird für Martin zur Verkörperung des Fremden, Geheimnisvollen, Verführerischen, Erotischen und Gefährlichen: des "Anderen" eben. Zu dem wir uns immer hingezogen fühlen - mit allen Hoffnungen, Versprechen, aber vor allem auch Gefahren, welche dieser Kontakt bergen kann. 

 „Die Frau hinter der Wand“ ist mein Abschlussfilm an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb) und meine erste lange Regiearbeit. Der Schauplatz des Films ist bis auf wenige Szenen das alte Mietshaus, in welches Martin zieht. Diese örtliche Konzentration erlaubte uns, unter fast studioähnlichen Bedingungen mit Sorgfalt die feuchte, dunkle und sehr klaustrophobische Atmosphäre dieses Nachtstücks zu erzeugen und die Abgründe der Geschichte und der Charaktere auszuloten.

 Der Sieger in Dir

Psychothriller, Deutschland 2012

Montag, 31. März 2014, 0.10 Uhr

Stab

Buch und Regie      Jan Bolender
Kamera David Rankenhohn
SchnittAnna Nekarda
MusikJonas Gervink
TonTorsten Többen, Christoph Köpf, Daniel de Homont
SounddesignMatthias Münster
SzenenbildZora Neumann
AusstattungDorothea Niwinski
KostümPauline Hüners
ProducerJulia Nemitz
ProduzentinIlona Schultz
ProduktionFortune Cookie Filmproduction GbR in Koproduktion mit ZDF Das Kleine Fernsehspiel,
gefördert durch Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein
HerstellungsleitungBjörn Eggert
ProduktionsleitungTim Körbelin
AufnahmeleitungJürgen Janoczek
Regieassistenz  Jan Filkorn
Script/ Continuity Bente Zippel
Requisite Alexandra Eck
MaskeRuth Ute Wagner
RedaktionKatharina Dufner
Längeca. 60 Minuten

Die Rollen und ihre Darsteller

Michael Heidel    Christoph Tomanek
Vera Lehmann  Janna Striebeck
Niko BeckmannFelix Knopp
Volker Fechtner Stephan Schad
Kim Röder   Sarah Alles
Tamara Meinhart Lena Liberta
Polizeibeamter Luca Maric

Michael glaubt sein Leben fest im Griff zu haben, bis er zufällig seinen alten Schultyrannen Niko trifft, der Michaels altes Trauma erneut entflammen lässt.

Inhalt

Michael führt mit seiner Freundin Vera ein bescheidenes und normales Leben.

Eines Tages erkennt er in einem Obdachlosen seinen alten Schulkameraden Niko wieder. Er nimmt ihn zu Hause auf und besorgt ihm ein Praktikum in seiner Versicherung.

Als sich Niko bei einer Betriebsfeier vor dem kompletten Kollegenkreis über Michael lustig macht und dieser zu Hause mit ansehen muss, dass Niko und Vera sich immer sympathischer werden, holt ihn sein Trauma wieder ein. Einblicke in ein Tagebuch aus Schulzeiten verdeutlichen, dass Niko Michaels schlimmster Albtraum war - er schikanierte und demütigte ihn. Als Michael mit Niko darüber sprechen will, reagiert dieser emotional und entschuldigt sich. Die beiden durchzechen die Nacht und einer Freundschaft scheint nichts mehr im Wege zu stehen.

Von da an jedoch beginnt Michaels Leben in sich zusammenzubrechen: Niko zieht ihn in eine kriminelle Aktion hinein und scheint ihn danach mit einem Beweisvideo zu erpressen. Im Versicherungsbüro wird Niko immer beliebter, Michael hingegen isolierter. Selbst im Tischtennisverein läuft Niko seinem Retter den Rang ab.

Als er dann auch noch herausfindet, dass ihn Vera offensichtlich mit Niko betrügt, wird Michael von den Panikattacken seiner Jugend wieder eingeholt. Michael ist am Ende und wir erfahren durch sein altes Tagebuch, dass er als zwölfjähriger Junge, von Niko bis aufs Blut gedemütigt, versucht hat, sich das Leben zu nehmen.

Nun ist Michael genau am gleichen Punkt wie damals. Doch dieses Mal wehrt er sich und schafft es, Niko aus dem Büro zu mobben. Dieser geht danach auf Michael los und konfrontiert ihn so lange mit der Armseligkeit seines Lebens, bis die ganze aufgestaute Verzweiflung, die Wut und der Hass auf Niko aus Michael herausbrechen und sich in einem tödlichen Schlag entladen. Schockiert über seine Tat will sich Michael nun doch noch umbringen. Doch er scheitert erneut und stellt sich schließlich der Tatsache, dass er einen endgültigen Sieg über seine Angst errungen, dabei jedoch seine Seele getötet hat. 

Festivals

Festival des Deutschen Films 2013, Ludwigshafen, Wettbewerb

Biografien

Jan Bolender (Buch & Regie), geb. 06.08.1978, studierte an der Fachhochschule in Mainz Kommunikationsdesign und sammelte erste filmische Erfahrungen bei experimentellen Videoprojekten. 2005 schloss er das Studium mit seinem Film „7“ ab.

2008 wurde er in den Masterstudiengang Film- und Fernsehregie an der Hamburg Media School aufgenommen. Sein Abschlussfilm „Freigänger“ hatte seine Premiere im Kurzfilmwettbewerb des Filmfestivals Max-Ophüls-Preis.

2012 drehte er im Rahmen des Kleinen Fernsehspiels für das ZDF den Psychothriller „Der Sieger in Dir“.

Filme (Auswahl)

2012: "Der Sieger in Dir" (ZDF, 60 min), 2010: "Freigänger" (HMS, 22 min), 2009: "Weiter laufen" (HMS, 35mm), 2009: "Gefunden" (HMS, 5 min), 2008: "else" (15 min), 2007: 7 (FH Mainz, 30 min), 2005: "Der letzte Soldat" (FH Mainz, 11 min), 2004: "Nachbarn" (FH Mainz, 10 min)

Christoph Tomanek (Darsteller), 1969 in Hannover geboren, besuchte von 1992-1996 die Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin. Sein erstes Theaterengagement führte ihn 1996 an das Bremer Theater. 1998 wechselte er an das damals von Jürgen Flimm geleitete Thalia Theater Hamburg. Bis heute ist er dem Haus verbunden und arbeitet seit dem Jahr 2000 als regelmäßiger Gast-Schauspieler dort. Parallel begann er seine Arbeit als Filmschauspieler und wirkte in über 60 Produktionen mit, unter anderem in den TV-Krimireihen „Morden im Norden“ und „Tatort“ (div. Regisseure). Sein letzter Kinoauftritt war 2011 im Film „Schilf“ unter der Regie von Claudia Lehrmann.

Felix Knopp (Darsteller), 1975 in Gelsenkirchen geboren, studierte an der Westfälischen Schauspielschule Bochum. Er spielte am Schauspielhaus Bochum und an den Vereinigten Bühnen Graz. Seit 2001 ist er festes Ensemblemitglied am Thalia Theater Hamburg. Felix Knopp wurde von „Theater heute“ als Nachwuchsschauspieler des Jahres 2003 ausgezeichnet. Er war in den Kinofilmen „Über uns das All“ (2010, R: Jan Schomburg), „Nichts als Gespenster“ (2006, R: Martin Gypkens) und „Late Show“ (1998, Regie: Helmut Dietl) zu sehen. Dem Fernsehpublikum ist er aus Margarethe von Trottas Verfilmung von Uwe Johnsons „Jahrestage“ aus dem Jahr 1999 bekannt.

Die Lust zu beherrschen, zu demütigen und sich zu rächen
Jan Bolender über seinen Film

Ganz am Anfang war da die Idee, dass zwei sich treffen, die früher mal ein schwieriges Verhältnis zueinander hatten. Wo der eine dem anderen in gewisser Weise sehr unterlegen war und sich vielleicht insgeheim gewünscht hat, so furchtlos und dominant zu sein wie der andere. Der Schwächling und das Alphatier, um es mal überspitzt zu sagen. Ich habe mich dann gefragt, was wohl passiert, wenn dieser eher weiche, schüchterne Mensch nun in einer Situation auf seinen alten Bekannten trifft, in der sich das Kräfteverhältnis ins Gegenteil verkehrt hat. Im Verlauf der Drehbucharbeit verschärfte sich das zu einer regelrechten Mobbing-­‐Erfahrung der Hauptfigur Micha. Dadurch kam zusätzlich die Frage auf, was das mit einem Menschen macht, wenn er schon als Kind das Grundvertrauen in seine Mitmenschen verliert. Ich finde das gleichermaßen erschreckend wie faszinierend, dass es diese Verhaltensweisen gibt, nämlich ein Mitglied einer Gruppe zu erniedrigen, die man unter Kindern in der Grundschule exakt genauso beobachten kann wie zwischen Kollegen am Arbeitsplatz. Mobbing ist unglaublich kindisch. Aber brutal in seinen Auswirkungen. Trotzdem kann ich nicht behaupten, den Spaß daran, gemeinsam jemanden zu piesacken, nicht zu kennen. Ich denke, dass fast jeder diese Erfahrungen gemacht hat – im gesündesten Fall sowohl auf der einen wie auf der anderen Seite. Ich persönlich habe daraus im Älterwerden die Konsequenz gezogen, dass ich keine Lust habe, mich wie das Alphamännchen einer Affenbande zu benehmen. Und mir unter lautem Gebrüll auf die Brust zu trommeln, um mir Respekt zu verschaffen. Die Typen, die das im übertragenen Sinne auch heute noch tun, sind mir schon immer furchtbar auf die Nerven gegangen. Ohne da jetzt zu sehr abschweifen zu wollen: dass Menschen in Machtpositionen oft ganz bestimmte charakterliche Merkmale aufweisen, die am Ende möglicherweise ausschlaggebender für ihre Karriere waren als ihre fachliche Kompetenz, ist wohl vielen von uns schon mal aufgefallen. Aber genauso wird der ein oder andere vielleicht diese Erfahrung mit mir teilen: manchmal ist da diese Stimme in meinem Hinterkopf, die mir zuflüstert: eigentlich beneidest du die doch, um ihr Selbstvertrauen, ihren Erfolg und den Respekt, mit dem man sie behandelt – ist es vielleicht nur deine Angst, die dich von ihnen unterscheidet?

In einem Thriller geht es für mich immer um ein Aufeinandertreffen von Gut und Böse. Und in einem packenden Thriller ist das Böse am Ende noch viel monströser als zunächst befürchtet oder es lauert irgendwo, wo man es nie vermutet hätte. Deshalb passte für mich die Geschichte des als Kind gedemütigten Micha, der durch seinen alten Peiniger aus der Reserve seines spießigen Sicherheitslebens gelockt wird, hervorragend zum Genre. Mir liegt aber nicht an einer allgemeingültigen Beweisführung, wie das Opfer am Ende selbst zum Täter wird. In der Hinsicht ist das ein persönlicher Film, der meine subjektive Haltung spiegelt: ich glaube, dass Menschen sich ändern. In alle Richtungen. Und ich bin überzeugt, dass in jedem von uns die Lust schlummert, zu beherrschen, zu demütigen, sich zu rächen. Und vermutlich wäre es gesünder, diese Seite an sich einfach zu akzeptieren und das Ventil auch ab und zu mal aufzudrehen.

„Der Sieger in Dir“ ist der Film über einen, der sich mit seiner vermeintlichen Schwäche arrangiert hat. Doch seine Angst, dem Leben nicht gewachsen zu sein, liegt unter ganz dünnem Eis verborgen. Und so genügen kleine Provokationen, um die alten Wunden aufzubrechen und plötzlich sieht sich dieser gutmütige Mensch vor die Entscheidung gestellt, an seiner Angst zugrunde zu gehen oder sich endlich zu wehren. Und wehren bedeutet hier, selbst die Mittel anzuwenden, die sonst nur die anderen benutzen. Ich will nicht das Bild einer schlechten Welt zeichnen. Ein Thriller ist für mich am Ende ein Film über irgendetwas schrecklich Dunkles – und über einen Menschen, der dagegen ankämpft. Ob und wer da am Ende siegt, das liegt im Auge des Betrachters.

#regietweet - Der direkte Draht zu den Filmemachern

Während der Ausstrahlung der vier Filme twittern die Macher der Filme mit den Zuschauern. Sie übernehmen dafür einen Abend lang den Account des Kleinen Fernsehspiels @zdf_dkf auf Twitter und stehen parallel zur Sendung  live für Fragen und Antworten, für Lob und Kritik zu Verfügung.

Nachdem bereits in der Vergangenheit zu einzelnen Filmen des Kleinen Fernsehspiels unter dem Hashtag #regietweet getwittert wurde, stehen nun zum ersten Mal bei allen vier Filmen der Reihe die Macher für ein Live Q&A zur Verfügung:

Christopher Lenke und Philip Nauck – Buch & Regie „Der zweite Mann“

Carsten Ludwig – Buch & Regie „In der Überzahl“

Sol Bondy - Produzent „Die Frau hinter der Wand“

Jan Bolender – Buch & Regie „Der Sieger in Dir“

Folgen Sie uns auf Twitter unter @zdf_dkf und twittern Sie am Abend der Sendung mit den Filmemachern unter #regietweet

Hintergrund der Aktion: Das kleine Fernsehspiel weiß, dass es ein sehr filmaffines Publikum hat, Menschen, die auf Filmfestivals gehen und den Dialog mit den Regisseuren suchen und schätzen. Diese Zielgruppe ist auch über die sozialen Netzwerke mit der Redaktion verbunden und diese freut sich, wenn sie über den Twitterkanal einen direkten Draht zwischen Regisseuren und Publikum herstellen kann. 

Distribution gehört heute mehr denn je zum kreativen Schaffensprozess dazu, nicht nur die Herstellung eines Films erfordert Handwerk, sondern auch die Bewerbung. Das kleine Fernsehspiel geht von Anfang an kritisch, aber experimentierfreudig mit den Möglichkeiten der neuen Medien um, und ermutigt in der Zusammenarbeit mit jungen Filmemachern dazu, crossmediale Erzählweisen und SecondScreen-Angebote auszuprobieren und sinnvoll zu nutzen.

Die Erfahrungen mit dem filmsynchronen Twitter-Angebot bisher sind unterschiedlich: Während sich manche Zuschauer ungestörten Filmkonsum wünschen, nehmen andere die Möglichkeit dankbar und rege an, Fragen, Lob aber auch Kritik gleich direkt beim Macher des Films loszuwerden.

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