Kohlestaub und Zukunftsträume in der Lausitz am Tag der Deutschen Einheit im ZDF. Foto: Cornelia Schiemenz
Kohlestaub und Zukunftsträume in der Lausitz am Tag der Deutschen Einheit im ZDF. Foto: Cornelia Schiemenz

Tag der Deutschen Einheit im ZDF

Dokus und Live-Übertragung

Zwei Dokus über Magdeburg, Halle und die Lausitz, eine Live-Übertragung des Festaktes und ein Dokumentarfilm zu "Uferfrauen" das ZDF berichtet am Tag der Deutschen Einheit aus Sachsen-Anhalt, Sachsen und Brandenburg. Das Land Sachsen-Anhalt, das in diesem Jahr den Vorsitz im Bundesrat hat, richtet am 31. Tag der Deutschen Einheit die Feierlichkeiten von Bund und Ländern zum Jubiläum aus. ZDFinfo erinnert drei Tage vor dem Tag der Deutschen Einheit mit einem neuen Doku-Dreiteiler an die "Jugend in der DDR".

  • ZDF, Sonntag, 3. Oktober 2021, 11.20 Uhr, 18.10 Uhr / Montag, 4. Oktober 2021, 0.30 Uhr
  • ZDF info, Donnertag, 30. September 2021, 20.15 bis 22.30 Uhr
  • ZDF Mediathek, Mittwoch, 29. September 2021, 18.00 Uhr

Texte

Sendetermine: Tag der Deutschen Einheit im ZDF

Sonntag, 3. Oktober 2021, 11.20 Uhr, ZDF
ab Mittwoch, 29. September, 18.00 Uhr, in der ZDFmediathek

Ewige Rivalinnen – Geschichten aus Magdeburg und Halle

Film von Andreas Weise

Kamera: Markus Müller-Engelke
Produktion: ZDF
Redaktion: Andrea Schreiber
Leitung der Sendung: Markus Wenniges
Länge: ca. 28 Minuten

 

Sonntag, 3. Oktober 2021, 11.50 Uhr, ZDF
ab Sonntag, 3. Oktober 2021, 11.50 Uhr, in der ZDFmediathek

Festakt zum Tag der Deutschen Einheit

Übertragung aus Halle

Moderation: Andreas Klinner

Produktion: ZDF
Redaktion: Wolfgang Zimmermann
Länge: ca. 81 Minuten

 

Sonntag, 3. Oktober 2021, 18.10 Uhr, ZDF
ab Samstag, 2. Oktober 2021, 9.00 Uhr, in der ZDFmediathek

Lausitz – Kohlestaub und Zukunftsträume

Film von Nicola Albrecht und Cornelia Schiemenz

Kamera: Jeljko Pehar, Markus Zergiebel
Produktion: ZDF
Redaktion: Andrea Gries
Leitung der Sendung: Markus Wenniges
Länge: ca. 43 Minuten

 

Montag, 4. Oktober 2021, 0.30 Uhr, ZDF
ab Sonntag, 3. Oktober 2021, 10.00 Uhr in der ZDFmediathek (bis 10. Oktober 2021, 23.59)

Das kleine Fernsehspiel
Uferfrauen 

Dokumentarfilm

Buch und Regie: Barbara Wallbraun
Kamera: Anne Misselwitz, Julia Hönemann
Schnitt: Jana Teuchert
Musik: Martin Kohlstedt
Produzent: Volker Zobelt, René Frotscher, Thomas Jeschner
Produktion: Sunday Filmproduktion, Halle in Koproduktion mit ZDF/Das kleine Fernsehspiel, gefördert von der Mitteldeutschen Medienförderung (MDM), der Kulturellen Filmförderung des Freistaats Thüringen, der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld
Redaktion: Claudia Tronnier (ZDF/Das kleine Fernsehspiel), Stefanie von Heydwolff (ZDF)
Länge: ca. 114 Minuten

Ewige Rivalinnen – Geschichten aus Magdeburg und Halle

Sie sind die größten Städte in Sachsen-Anhalt: Halle, die unterschätzte Schöne, und die Landeshauptstadt Magdeburg mit eher rauem Charme. Beide verbindet eine jahrhundertelange Rivalität.

Trotz fast gleich hoher Einwohnerzahl sind sie doch wie ungleiche Schwestern. Halle punktet mit einem schönen Stadtbild und viel Kultur – Magdeburg, im Zweiten Weltkrieg schwer zerstört, mit dem Sitz der Landesregierung und vieler Institutionen.

In Magdeburg an der Elbe werden die Geschicke des Bundeslandes bestimmt. Die Einwohner blicken auf mehr als 1000 Jahre Geschichte zurück, mit dem Dom und dem ersten deutschen Kaiser Otto. Eine sehr grüne Stadt, in der einstige Arbeiterviertel wie Buckau heute hippe Künstlergegenden sind, mit Craftbier-Brauereien und Freiluftklubs.

Zwar richtete in Halle an der Saale die Vernachlässigung der Bausubstanz zu DDR-Zeiten schwere Schäden an, doch nach der Wende wurde die Altstadt liebevoll restauriert. Auch Halle blickt auf gut 1000 Jahre Geschichte zurück und ist geprägt von der Salzgewinnung, die diese Gegend einst wohlhabend machte. Die Stadt ist Sitz einer der ältesten Universitäten Deutschlands und der Nationalen Akademie der Wissenschaften, Leopoldina

Dass Magdeburg im Jahr 1990 die Landeshauptstadt wurde, haben die Hallenser bis heute nicht so richtig verwunden. Schließlich war die Saale-Stadt von 1946 bis 1952 Regierungssitz des Landes Sachsen-Anhalt. Doch nach der Wende verbündeten sich die Magdeburger mit den Dessauern und überstimmten so die Hallenser, erinnert sich der ehemalige Magdeburger Oberbürgermeister Willi Polte.

Für die Moderatorin und eingefleischte Hallenserin Sissy Metzschke ist das zwar nicht nachvollziehbar, aber verschmerzbar. Schließlich sei Halle einfach viel schöner und habe kulturell deutlich mehr zu bieten. Nach einem Studium in San Diego zog es sie zurück in ihre Heimatstadt, die sie für keine andere Stadt der Welt mehr eintauschen will.

Autor Andreas Weise trifft sie und andere auf seiner Reise durch die beiden größten Städte Sachsen-Anhalts.

Festakt zum Tag der Deutschen Einheit

Sachsen-Anhalt hat dieses Jahr den Vorsitz im Bundesrat inne und richtet deshalb den Festakt zum Tag der Deutschen Einheit aus.

In der Georg-Friedrich-Händel-Halle in Halle an der Saale hält Bundeskanzlerin Angela Merkel die Festrede. Musikalisch umrahmt wird das Programm von der Staatskapelle Halle.

Lausitz – Kohlestaub und Zukunftsträume

Die Lausitz, in Brandenburg und Sachsen gelegen, ist landschaftlich reizvoll, politisch aber eine Region mit Sprengkraft. Die Folgen der Wende von 1989 sind überall spürbar.

Damals verloren Zehntausende Bergarbeiter ihre Arbeit. Die Jungen gingen in den Westen, die Älteren blieben resigniert zurück. Jetzt aber siedeln sich immer mehr Menschen wieder in der alten Heimat an. Und für das Lausitzer Seenland gibt es große Pläne.

Durch das Fluten des Braunkohlereviers soll hier Europas größte künstliche Wasserlandschaft entstehen: Wo sich früher gigantische Bagger durch das Erdreich wühlten, stechen heute Urlauber in See, und ehemalige Bergarbeiter sind jetzt Touristenführer.

Stephanie Auras-Lehmann hat lange in Berlin und New York gelebt, sich dann aber entschieden, nach Finsterwalde zurückzukehren, wo sie aufgewachsen ist. Den Begriff "Heimat" dürfe man nicht den falschen Leuten überlassen, sagt sie: "Ich bin hierher zurückgekehrt, weil ich nicht wollte, dass hier alles ausstirbt." Damit das klappt, hat sie eine Beratungsstelle für Rückkehrwillige gegründet; denn wer zurückkommt, der braucht Wohnung, Job und die Kinder einen Platz im Kindergarten oder in der Schule.

"Ich bin damit groß geworden, dass alle sagen, der Osten sei braun. Aber ehrlich, das stört mich nicht. Es sind auch meine Werte. Deutsch sein, stolzer Ostdeutscher sein. Wer mein T-Shirt nicht mag, kann ja weggucken", sagt Brian. "Division Brandenburg" steht auf dem T-Shirt – der Name einer Spezialeinheit der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg. Er lebt in Sachsendorf, einem Stadtteil von Cottbus. Einen Job hat der 26-Jährige nicht, auch keine Ziele. Sven Feldner ist Sozialarbeiter in Sachsendorf und kennt viele junge Leute wie Brian. Er will ihnen eine Perspektive geben, kämpft für ein besseres Image des Stadtteils, und er weiß, was hier notwendig ist: "Natürlich brauchen wir hier Jobs, damit schaffen wir positive Perspektiven. Nur dann kann sich die ganze Region weiterentwickeln."

Waldemar Locke ist richtig sauer. Er ist Bürgermeister im sächsischen Mühlrose, dem letzten von mehr als 100 Dörfern, das dem Braunkohleabbau weichen muss. Die Abrissbagger sind gerade dabei, die ehemalige Dorfkneipe dem Erdboden gleichzumachen. Locke befürchtet, dass nichts von den 40 Milliarden Euro, die für den Strukturwandel in die Lausitz fließen, bei seinen Leuten ankommt. Monatelang hat er Projektanträge geschrieben, sie wurden alle abgelehnt. Die Stimmung im Dorf ist explosiv. Viele der Alten hier wollen lieber in Mühlrose sterben, als sich umsiedeln zu lassen. Auch für Waldemar Locke ist Mühlrose der Ort, von dem er nie mehr weggehen wollte – seine Heimat.

Die Lausitz ist Siedlungsgebiet der Sorben. Rund 60 000 Angehörige dieser nationalen Minderheit leben in Brandenburg und Sachsen, mit eigener Sprache, eigener Kultur und eigenem Selbstbewusstsein. Wichtiges Bindeglied der Sorben ist der katholische Glaube; religiöse Feiertage sind die Höhepunkte des Jahres.

Franziska Bobke ist 15 Jahre alt. Für sie steht fest, dass sie die sorbischen Traditionen fortsetzen wird. Am Tag ihrer Firmung steht sie schon morgens um 5.00 Uhr im Wohnzimmer ihres Elternhauses, einem alten Gutshof in Crostwitz. Fast zwei Stunden dauert es, bis die sorbische Festtagstracht angezogen ist, mithilfe einer Ankleidefrau. Das ganze Dorf ist auf den Beinen. Die Trachtenschneiderin steckt noch die letzte Falte fest, die Pferdewirtin putzt die Kutsche und schmückt die Pferde. Die Männer reiten dem Bischof entgegen, um ihn gebührend im Dorf zu empfangen.

Für sie alle hier ist klar: Die Lausitz ist und bleibt ihre Heimat.

Uferfrauen – Dokumentarfilm

"Uferfrauen" porträtiert einfühlsam sechs lesbische Frauen, die in der DDR gelebt haben. Sie erzählen auf offene und ehrliche Art und Weise ihre Lebensgeschichten.

Christiane, Carola, Pat, Elke sowie Langzeit-Paar Sabine und Gisela berichten von ihrem Lebensalltag in einem sozialistischen Staat, ihrem Kampf um Selbstbestimmung, der ersten Liebe, unkonventioneller Familienplanung sowie Konflikten mit der SED und dem Gesetz.

So wird ergründet, wie das lesbische Sein unter den Bedingungen des DDR-Regimes und seiner Gesellschaft bis heute nachwirkt. Die porträtierten Frauen blieben sich selbst treu, richteten sich damit jedoch gegen die staatlichen Dogmen und waren deshalb Repressionen ausgesetzt.

"Uferfrauen" vermittelt das omnipräsente Gefühl von der Einsamkeit als Außenseiterin, der gesellschaftlichen Tabuisierung von Homosexualität, dem Zwang nach Konformität und der Anpassung in einem repressiven Staat – ein Leben am (privaten) Rand der Gesellschaft, immer im persönlichen Zwiespalt, ins kalte Wasser zu springen oder am sicheren Ufer zu bleiben.

Dabei verfolgten die Protagonistinnen in ihrer Verschiedenheit doch das gleiche Ziel: die Suche nach dem persönlichen (Liebes-)Glück.

"Uferfrauen" rückt die Homosexualität unter Frauen in der DDR in den Fokus und lässt ein Stück unerzählter ostdeutscher Geschichte lebendig werden.

Mit dem Film "Uferfrauen" liefert die ZDF-Redaktion "Das kleine Fernsehspiel" ein wichtiges Zeitdokument, das anlässlich des Tages der Deutschen Einheit ausgestrahlt wird.

Das ZDF in Frankfurt (Oder)

Grenzort zur Republik Polen, heute viertgrößte Stadt im Bundesland Brandenburg, durch die Neugründung der Europa-Universität Viadrina vor 30 Jahren zudem wieder Universitätsstadt: Frankfurt (Oder) weist eine wechselvolle Geschichte auf. Wie stellt sich heute das tägliche Leben dar zwischen Helenensee und Kleist-Museum, zwischen der Oder als östlicher Stadtgrenze und der Marienkirche im Zentrum – sowie in enger Nachbarschaft zum polnischen Slubice? SeitMontag, 30. August 2021, sind Reporterin Antje Klingbeil und Kameramann Bernhard Sehne vier Wochen lang für das ZDF in Frankfurt (Oder) präsent und nehmen am Stadtleben teil: "ZDF in Frankfurt (Oder)". 

Das "ZDF in …"-Reporterteam erstellt informative Beiträge für "drehscheibe", "Volle Kanne – Service täglich", "Länderspiegel", "ZDF-Morgenmagazin", "ZDF-Mittagsmagazin" sowie für die Sendungen der "heute"-Familie und für das Online-Nachrichtenangebot ZDFheute. Themenanregungen für die Berichterstattung aus Frankfurt (Oder) können per E-Mail an zdfin@zdf.de mitgeteilt werden. 

"ZDF in Frankfurt (Oder)" ist die 17. Auflage des ZDF-Bürgerprojekts. Zuletzt war ein ZDF-Team im Juni/Juli 2021 für vier Wochen in Naumburg. Zuvor waren ZDF-Teams bereits jeweils einen Monat lang kontinuierlich in der Rureifel (Mai/Juni 2021), in Homburg (Oktober 2020), in Hamburg-Finkenwerder (August/September 2020), in Rüdesheim (Juli 2020), in Kulmbach (Mai 2020), in Husum (März/April 2020), in Greifswald (Januar/Februar 2020), in Kaiserslautern (November/Dezember 2019), in Altenburg (September/Oktober 2019), in Wilhelmshaven (April/Mai 2019), in Weißwasser (März/April 2019), in Stendal (Februar/März 2019), in Bottrop (November/Dezember 2018), in Mannheim (September/Oktober 2018) und in Cottbus (Mai/Juni 2018) präsent. 

Antje Klingbeil, Jahrgang 1972, ist seit 2006 als Reporterin im ZDF-Landesstudio Brandenburg in Potsdam tätig. Nach ihrem Studium der Publizistik und Geschichtswissenschaft in Frankreich und Berlin war sie zunächst als freie Reporterin für den rbb und den MDR in Leipzig im Einsatz. 2002 wechselte sie zum ZDF und arbeitete zunächst als Redakteurin und Reporterin in der Redaktion "hallo Deutschland". 

Bernhard Sehne, Jahrgang 1963, ist als Kameramann und Cutter im ZDF-Landesstudio Brandenburg in Potsdam tätig. Er war bereits in Osteuropa, Afrika, Asien und im Nahen Osten im Einsatz – und auch schon für das ZDF-Bürgerprojekt "ZDF in …": 2019 war er mit Reporter Jan Frische in Weißwasser. 

ZDFinfo-Dokus zum Tag der Deutschen Einheit

ZDFinfo erinnert drei Tage vor dem Tag der Deutschen Einheit mit einem neuen Doku-Dreiteiler an "Jugend in der DDR"

Am Tag der Deutschen Einheit, am Sonntag, 3. Oktober 2021, bietet ZDFinfo von morgens bis Mitternacht ein Wiedersehen mit der Nostalgie-Reihe "Das war dann mal weg", die an Dinge erinnert, die in den Jahrzehnten des Ost-West-Gegensatzes das Alltagsleben geprägt haben: Um 21.45 Uhr geht es zum Beispiel um "Ostmark, Westsandmann & Transitstrecke", um 22.30 Uhr um "Westpaket, Intershop und Kaderakte".

 

Donnerstag, 30. September 2021, 20.15 bis 22.30 Uhr, ZDFinfo
Ab Mittwoch, 29. September 2021, 5.00 Uhr, für sieben Tage in der ZDFmediathek

Jugend in der DDR

20.15 Uhr: Aufbruch und Zwang
21.00 Uhr: Träume hinter Mauern
21.45 Uhr: Vom Stillstand zum Widerstand

Autorin Folge 1: Jana von Rautenberg
Autorin Folge 2: Jeannine Apsel
Autor Folge 3: Johannes Nichelmann

Produktion: Doclights
Redaktion: Lisa Borgemeister, Annette Harlfinger
Länge: 3 x ca. 43 Minuten

Wie war es, im Osten aufzuwachsen? Wo setzte die DDR Grenzen, und wo konnten sich junge Menschen Freiräume erkämpfen? Die dreiteilige Reihe blickt mit Zeitzeugen zurück auf die Jugend in der DDR. Historische Archivaufnahmen, privates Bildmaterial und Historikerinnen wie Historiker aus der DDR und der Schweiz ergänzen die persönlichen Erlebnisse und geben eine Einordnung in den gesellschaftlichen Rahmen dieser Zeit.

 

Jugend in der DDR – Aufbruch und Zwang

Die erste Folge beleuchtet das Leben Jugendlicher in der DDR zwischen dem Ende des Zweiten Weltkrieges bis zum Mauerbau 1961. Eben noch in der Hitlerjugend aktiv, sollten sie die Kampfreserve der sozialistischen Partei (SED) werden.

Manfred Haertel war ein überzeugter FDJler, ließ sich sogar in die FDJ-Leitung wählen. Er möchte etwas verändern, sich demokratisch im neuen Staat einbringen. Doch als er sich weigerte, bei der vormilitärischen Ausbildung mit einer Waffe zu schießen, gefährdete er seinen Studienwunsch, Lehrer zu werden. Er wurde plötzlich zu einem nicht systemkonformen Jugendlichen.

Winfried Glatzeder, heute ein bekannter Schauspieler, war von seiner Mutter in eine Theatergruppe in einem Pionierhaus gesteckt, damit der in ärmlichen Verhältnissen lebende Junge nicht auf die schiefe Bahn geriet. Willig marschierte er als Jugendlicher bei Maidemonstrationen mit und freute sich über Geschenke zur sozialistischen Jugendweihe. Damals ein Mitläufer, wie es so viele gab.

Gabriele Jänig war von den neuen sozialistischen Idealen überzeugt. Sie genoss die selbstverständlich gewordenen Rechte junger Frauen in der DDR, machte ihr Abitur mit einer Berufsausbildung zur Facharbeiterin für technische Kohle und wurde Lehrerin für Physik und Mathematik. Ihre Freizeit verbrachte sie gern nackt und frei in einem Freikörperkultur-Klub vor den Toren Berlins.

Siegfried Buchholz musste als Jugendlicher pendeln. Er lebte im Ostsektor von Berlin, besuchte im Westsektor das Gymnasium. Das führte vor allem nach dem Aufstand am 17. Juni 1953 zu Problemen. Plötzlich benötigte er Passierscheine, um mit dem Fahrrad durch Blockaden, die mitten durch die Stadt verlaufen, zur Schule fahren zu können.

 

Jugend in der DDR – Träume hinter Mauern

Wie war es, im Osten aufzuwachsen? Wo setzte die DDR Grenzen, und wo konnten sich junge Menschen Freiräume erkämpfen? Die Reihe blickt mit Zeitzeugen zurück auf die Jugend in der DDR. Die zweite Folge beleuchtet das Leben Jugendlicher in der DDR nach dem Mauerbau 1961 bis 1976. Die Ost-Jugend liebte denselben Rhythmus, der auch westdeutsche Teenager in die Tanzlokale lockte, war inspiriert vom Sound der 1960er-Jahre.

Jung sein in der DDR – wie fühlte sich das in den 1960er- und 1970er-Jahren an? Wie hat man als Heranwachsender in der Deutschen Demokratischen Republik gelebt? Verhielten sich die Teenager tatsächlich so systemkonform, wie der Arbeiter- und Bauernstaat seine Jugend gern gesehen hätte?

"Die DDR war mein Zuhause, aber ich lebte in einem Land, ohne es zu lieben." Wenn die Journalistin und Autorin Regine Sylvester, Jahrgang 1946, auf ihre Kindheit und Jugend zurückblickt, ist das Verhältnis zu ihrer Heimat zwiegespalten. Regine Sylvester war 15 Jahre alt, als mitten in ihrer Geburtsstadt Berlin die Mauer gebaut wurde und das Leben des Teenagers Anfang der 1960er-Jahre komplett auf den Kopf stellte. Die deutliche politische Abgrenzung zum Westen prägte die gesamte DDR-Jugend in nahezu allen Lebensbereichen. Sei es die Schule, die Freizeit, das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben und die erste Liebe.

Diese Folge der Reihe "Jugend in der DDR" beschäftigt sich mit der Generation, die ihre Jugend im Zeitraum zwischen 1961 und 1976 erlebt hat. Sie ist geprägt von der politischen Abgrenzung des kleinen Landes zum Westen, vom Prager Frühling 1968 und von den Versuchen des Staates, mit großen politischen Veranstaltungen und einer zunächst liberalen Jugendpolitik die Mädchen und Jungen für sich zu gewinnen.

Sieben Zeitzeuginnen und Zeitzeugen mit sehr gegensätzlichen Lebensläufen reisen in der historischen Dokumentation zurück in die Jugend – wie zum Beispiel der ehemalige Hippie Harald Hauswald, der "DDR-Vorzeige-Sänger" Hartmut König oder die Oppositionelle Sonja Rachow, die ihre Jugend zum großen Teil hinter Gitter verbringen musste. Sie erzählen, wie sie "ihre DDR", aber auch vor allem sich selbst in diesem totalitären System wahrgenommen haben.

Historische Archivaufnahmen, privates Bildmaterial und Historikerinnen wie Historiker aus der DDR und der Schweiz ergänzen die persönlichen Erlebnisse und geben eine Einordnung in den gesellschaftlichen Rahmen dieser Zeit.

 

Jugend in der DDR – Vom Stillstand zum Widerstand

Der dritte Teil der Reihe "Jugend in der DDR" spürt der Jugendkultur, den Sehnsüchten und Zwängen einer Generation nach, die der veraltete Staatsapparat nicht gewinnen konnte. Die "Freie Deutsche Jugend", die größte Jugendmassenorganisation des Landes, sollte die Heranwachsenden nicht nur zu "Kämpfern für den Frieden" erziehen, sondern vor allem ihre Jugendkultur prägen – mit Musik, Filmen, großen und kleinen Veranstaltungen.

Doch Ende der 1970er-Jahre spürten viele junge Menschen den schleichenden Niedergang in der Deutschen Demokratischen Republik. Schülerinnen und Schüler mussten an der Wehrerziehung teilnehmen, die Jungen später zum Dienst an der Waffe. Wer verweigerte, wurde als sogenannter Bausoldat schikaniert. Nicht jeder bekam den Beruf, den er sich erträumt hatte, aber immerhin eine feste Ausbildung. Viele junge DDR-Bürgerinnen und -Bürger sahen die Unzulänglichkeiten der Planwirtschaft, die Gegensätze zwischen Propaganda und der Realität und vor allem die Enge in einem totalitären Land, das von einer tödlichen Mauer umschlossen war.

Die Dokumentation erzählt die Geschichten von jungen Menschen, die ihren Platz im Leben und in der DDR gesucht haben. Dirk Zöllner, Jahrgang 1962, lebte den Traum vieler Jugendlicher – er wurde zum Rockstar. Margitta Kupler, geboren am Tag, als der Mauerbau im August 1961 begann, hat nach einer verstörenden Begegnung mit der Staatsmacht ihren eigenen Weg gesucht. Ronald Galenza, Jahrgang 1963, wird zum Entsetzen seiner Eltern zum Punk. Die neue Subkultur provoziert nicht nur das Establishment der DDR, sondern auch die immer größer werdende Gruppe der Neonazis.

In den letzten Jahren der DDR wandten sich immer mehr Jugendliche von Sozialismus und SED ab. Manche stellten einen Ausreiseantrag, viele flohen im Sommer 1989 über Ungarn in den Westen. Andere wollten bleiben, in der Hoffnung, das Land von innen heraus verändern zu können.

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