Heiner Lauterbach, Anna Loos, Robert Stadlober, Alexander Held, Henriette Confurius, Jonas Nay, Martina Gedeck (Copyright: ZDF / Mathias Bothor)
Heiner Lauterbach, Anna Loos, Robert Stadlober, Alexander Held, Henriette Confurius, Jonas Nay, Martina Gedeck (Copyright: ZDF / Mathias Bothor)

TANNBACH - Schicksal eines Dorfes

Die Fortsetzung des historischen Dreiteilers

Die Fortsetzung des historischen Mehrteilers erzählt vom Dorf Tannbach, das seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Ost und West geteilt ist. Der Kalte Krieg ist in den 1960er-Jahren auf sei­nem Höhepunkt, die Gegner stehen sich bis an die Zähne bewaff­net gegenüber: Kollektivierung auf der einen, Wirtschaftswunder auf der anderen Seite. Atomares Wettrüsten, NATO-Geheimar­meen, Sabotage, Mauerbau und Prager Frühling bestimmen das Schicksal der Familien von Striesow, Erler und Schober in einer bewegten, dramatischen Zeit.

  • ZDF, Montag, 8. Januar 2018, Mittwoch, 10. Januar 2018 und Donnerstag, 11. Januar 2018, jeweils 20.15 Uhr
  • ZDF Mediathek, Ab 8. Januar 2018, 10.00 Uhr (alle Teile)

Texte

"Historie wie im Brennglas" - Vorwort von ZDF-Programmdirektor Dr. Norbert Himmler

Ein kleines Dorf, martialische Grenzanlagen, die mitten hindurch führen, entlang eines Baches, in einem entzweiten Land. Ein Ort, in dem sich Historie wie im Brennglas abspielt, in dem Menschen, die sich bislang selbstverständlich begegneten, willkürlich ausei­nander gerissen werden, durch einen bedrohlichen "Eisernen Vorhang", der nicht nur Städte, sondern Länder, Kontinente, ja die Welt in zwei Hälften teilt. Manches aus der Zeit des Kalten Krieges klingt heute wie ein Roman, fast wie eine ferne Sage, einige Begebenheiten an der innerdeutschen Grenze muten in der Rückschau unglaublich an: wie dieses kleine unscheinbare Dorf, durch eine massive Mauer und Stacheldraht geteilt.

Welch ein Stoff für ein TV-Movie: Aber eben einer, der nicht reiner Fantasie entspringt, sondern auf realen Ereignissen und Erfahrungen beruht, die noch immer nachwirken. Heute sind nur noch Mauerreste zu besichtigen. Sie dienen in Berlin, aber auch im Ort Mödlareuth, der für unsere "TANNBACH"-Filme als Vorlage diente, der Erinnerung.

Mehr als ein Vierteljahrhundert nach der Wiedervereinigung Deutschlands hat eine ganze Generation den Alltag der Teilung nicht mehr erlebt, auch nicht mehr Stacheldraht, Todesstreifen oder jene trennenden Betonwälle in Augenschein nehmen kön­nen, welche die deutsch-deutsche Wirklichkeit bestimmten.

Deshalb machen wir Programme wie "TANNBACH", schaffen da­mit eine filmische Metapher für das, was die Spaltung für uns Deutsche bedeutete. Berichteten die ersten drei Folgen vom Kriegsende und den ersten Jahren der deutschen Teilung, stehen die neuen Folgen im Zeichen des Mauerbaus, der auch Tannbach trifft, als "kleines Berlin" sozusagen, mit ebenso fatalen Folgen des Auseinanderlebens und der Entfremdung wie in der gespalte­nen Metropole. Die Hoffnung, den trennenden Betonwall eines Tages zu überwinden, verbindet die Menschen auf beiden Seiten, doch erschien das wie eine Utopie vor dem Hintergrund des Kalten Krieges und des nuklearen Wettrüstens. Tannbach, an der Nahtstelle der Blöcke, wäre sicher eines der ersten Opfer einer militärischen Eskalation geworden. Mit diesem Gefühl galt es zu leben. Das zeigen auch die Figuren im Film.

Die Folgen der Teilung wirken bis heute nach, so tief reichte die Spaltung, dass ihre Überwindung mehr braucht als die Anstren­gungen einer Generation. Fiktionale Filme, die dem realen histo­rischen Geschehen Ausdruck verleihen, können dabei helfen, die Zusammenhänge besser zu verstehen. Wir wünschen es uns.

"Ein Kapitel Zeitgeschichte" - Vowort von Caroline von Senden und Solveig Cornelisen

Die innerdeutsche Grenze hat das Leben von Millionen von Men­schen bestimmt. Sie zieht sich auch einmal quer durch das Dorf Tannbach, trennt Nachbarn und Eltern von Kindern. Den Familien gelingt es nur in kleinen Schritten, ein heimliches Kom­munikationsnetz über die Grenze hinweg zu knüpfen. Doch alle zwischenmenschlichen Beziehungen werden durchdrungen von der Logik des Kalten Krieges. In den 60er Jahren gibt es für Tannbach kein ideologiefreies Leben. Haben die Tannbacher zum Ende des Zweiten Weltkriegs auf beiden Seiten der Grenze noch den Aufbruch in eine neue Zeit gewagt, sind sie jetzt Anfang der Sechziger in den Mühlen des Alltags gefangen. Im Wettbewerb zwischen Ost und West darum, wer die überzeugendere und machtvollere Zukunft entwirft, ist jedes Mittel recht, und Tannbach wird zum Kristallisationspunkt der militärischen wie emotionalen Aufrüstung. Im Westen überstrahlt das Wirtschaftswunder den autoritären Geist, der auch in der Bundesrepublik immer noch weht. Freiheit wird hier als wirtschaftliche und männliche Macht codiert. Im Osten führen die Enteignung der Bauern sowie die schlechte Versorgungslage zu Ungerechtigkeit und Zweifeln an der Staatsdoktrin. Und gegenseitig belauern sich beide Staaten und bereiten sich auf eine mögliche kriegerische Auseinanderset­zung vor.

Mitten im Zentrum liegt Tannbach – hier leben die Menschen, die wir schon in der ersten Staffel von "TANNBACH – Schicksal eines Dorfes" kennen gelernt haben. Aus Nachbarn sind jetzt Klassen­feinde geworden. Doch manche führt die Suche nach dem richti­gen Leben auf unerwartete Weise wieder zusammen.

Die zweite Staffel von "TANNBACH" erzählt ein Kapitel unserer Zeitgeschichte, das die deutsche Teilung für die nächsten drei Jahrzehnte zementierte.

"Deutsch-deutsche Lebensgeschichten" - Statement der Produzentin Gabriela Sperl

Nach dem nationalen und internationalen Publikumserfolg und den vielen Preisen gehen wir mit unserem geteilten Dorf zwischen Bayern und Thüringen, "TANNBACH – Schicksal eines Dorfes", weiter in die 60er Jahre. Statt um Kalten Krieg und Atomspreng­köpfe geht es in unserem Dorf um das kleine Glück, um familiäre Erziehungsdramen. In West-Tannbach regieren bürgerliche Spie­ßigkeit, Ordnung und Wohlstand. Der Osten ringt um den Aufbau der Neuen Zeit und zwingt die letzten freien Bauern in die Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG). Auf der einen Seite die Frau am Herd: Kinder, Küche, Kirche, auf der anderen die arbeitende Frau, der der Staat die Kinderversorgung abnimmt.

Unsere Figuren, mit ihrer Freude und ihrem Leid, haben bei der ersten Staffel generationsübergreifend Menschen gefesselt und berührt. Das, hoffen wir, wird die Fortsetzung auch tun.

Wir glauben, dass die deutsch-deutschen Lebensgeschichten, die Flüchtlingsschicksale und Verfolgungsgeschichten von damals, aber auch die kleinen Heldentaten unserer Protagonisten für un­sere heutige, aus den Fugen geratene Welt wichtiger sind denn je. Sie liefern Identifikation und Orientierung in einer Krise, in der Werte wie Solidarität, Zusammenhalt, ethische Handlungsmaxi­men und demokratische Grundwerte bedroht sind und zeigen: Mauern bringen weder Sicherheit noch Orientierung. Ganz im Gegenteil.

"Geschichte im Kleinen" - Statement der Produzenten Quirin Berg und Max Wiedemann

Die Geschichte um Tannbach geht weiter und damit einmal mehr auch unsere gute und enge Zusammenarbeit mit Produzentin Gabriela Sperl und Regisseur Alexander Dierbach. Besonders freuen wir uns, auch für die Fortsetzung ein fantastisches En­semble der größten deutschen Schauspieler versammeln zu kön­nen. Es ist immer eine Herausforderung, historische Stoffe au­thentisch zu erzählen. Darum gebührt an dieser Stelle der Dank auch dem gesamten Redaktions- und Produktionsteam, ohne die Tannbachs Geschichte nicht weitergehen könnte.

Hinter Tannbach und seinen Familien liegen die Nachkriegsjahre. Der Zweite Weltkrieg ist vorbei, und in der Zwischenzeit wurden in Deutschland zwei divergente, politische Systeme etabliert. Ein Land, ein Dorf und Familien wurden geteilt – durch eine Grenze zwischen West und Ost. Wir erzählen die 60er Jahre der deutsch-deutschen Geschichte im Kleinen, aus der Mitte eines Dorfes heraus, und genau das macht die Filme so kraftvoll. Es geht um persönliche Schicksale, um Familienleben, um die Menschen. Eingebettet, aber nicht überlagert von den großen politischen Diskursen dieser Zeit. Wir hoffen, dass die Zuschauerinnen und Zuschauer auch diesen Zeitabschnitt gemeinsam mit den Menschen Tannbachs beschreiten wollen und genauso zahlreich einschalten wie vor zwei Jahren.

Stab und Besetzung

Buch     Silke Zertz nach einer Drehbuchvorlage (Folge "Schatten des Krieges") von Josephin und Robert von Thayenthal, Idee und Konzeption: Josephin und Robert von Thayenthal
RegieAlexander Dierbach
KameraIan Blumers
Schnitt   Simon Blasi
Musik  Fabian Römer
SzenenbildKnut Loewe
Kostümbild  Esther Amuser
MaskenbildJeanette Latzelsberger, Gregor Eckstein
Ton Albrecht Harms
Herstellungsleitung Rolf Wappenschmitt, Maren Landvogt
Produzenten Gabriela Sperl, Quirin Berg, Max Wiedemann
Ausführende roduzentinIlona Schultz
RedaktionCaroline von Senden, Solveig Cornelisen
Länge3 x 90 Minuten

 

Eine Koproduktion des ZDF mit Gabriela Sperl Produktion für Wiedemann & Berg Television und Wilma Film, gefördert vom FilmFernsehFonds Bayern (FFF), dem Filmanreizprogramm des tschechischen Staatlichen Kinematographie Fonds und der Mitteldeutschen Medienförderung (MDM) in Zusammenarbeit mit Beta Film

Die Rollen und ihre Darsteller

Anna Erler   Henriette Confurius
Friedrich ErlerJonas Nay
Georg von StriesowHeiner Lauterbach
Rosemarie Czerni Anna Loos
Hilde Vöckler Martina Gedeck
Horst Vöckler  Robert Stadlober
Franz Schober Alexander Held
Kathi Schober Johanna Bittenbinder
Heinrich SchoberFlorian Brückner
Theresa Schober Eli Wasserscheid
Christa SchoberMercedes Müller
Gustl SchoberMaximilian Brückner
Wolfgang HerderClemens Schick
Robert Leonhardt Rainer Bock
Walter Imhoff Jonathan Berlin
Otto Mader Michael Grimm
Adolph HerrmannPeter Schneider
Rudolf LorenzJürgen Tarrach
Arthur von Striesow Chiron Krase
und andere

Inhalte

Die Fortsetzung des historischen Mehrteilers erzählt vom Dorf Tannbach, das seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Ost und West geteilt ist. Der Kalte Krieg ist in den 1960er Jahren auf sei­nem Höhepunkt, die Gegner stehen sich bis an die Zähne bewaff­net gegenüber: Kollektivierung auf der einen, Wirtschaftswunder auf der anderen Seite. Atomares Wettrüsten, NATO-Geheimar­meen, Sabotage, Mauerbau und Prager Frühling bestimmen das Schicksal der Familien von Striesow, Erler und Schober in einer bewegten, dramatischen Zeit.

"TANNBACH" nimmt die Erzählbögen der ersten Staffel wieder auf und spannt sie vor dem Hintergrund des Kalten Kriegs neu.

Die erste Staffel von "TANNBACH – Schicksal eines Dorfes" wird am Freitag, 5. Januar 2018, ab 20.15 Uhr (alle drei Folgen) auf 3sat wiederholt.

 

TANNBACH – Schicksal eines Dorfes: Schatten des Krieges

Montag, 8. Januar 2018, 20.15 Uhr

Winter 1960: Beim Spielen im Wald finden die Kinder von Heinrich und Theresa Schober eine Granate. Das älteste der Schober-Kinder kommt dabei ums Leben. Niemand ahnt, dass es sich bei dem Fund um ein verstecktes Waffenlager einer Ge­heimarmee der NATO handelt, der auch Georg von Striesow an­gehört. Nur der alte Franz Schober erkennt sofort den Unter­schied zwischen alten Wehrmachtsgranaten und neuen amerika­nischen. Als sein Sohn Gustl, mittlerweile Journalist in Franken, darüber offen schreibt, gerät er in Lebensgefahr.

Horst Vöckler, der ehemalige SS-Unteroffizier, ist inzwischen BND-Agent und leitet die geheimen militärischen Operationen, um für den Fall einer feindlichen Invasion der Roten Armee abwehr­bereit zu sein. Georg von Striesow kann nicht akzeptieren, dass ausgerechnet der Mörder seiner Frau sein Verbindungsoffizier wird.

Anna und Friedrich Erler haben in Ost-Tannbach alle Hände voll zu tun, die letzten freien Altbauern zum Beitritt in die LPGs zu überreden. Wenn es nicht anders geht, dann mit Gewalt. Die Bauern sträuben sich, vor allem der Großbauer Mader. Unter dem Druck Adolph Herrmanns entzweien sich auch Friedrich und Anna über die Methoden, die der Sozialismus anwenden darf.

Georg von Striesow lernt in einer Westberliner Bar Rosemarie Czerni kennen. Die beiden verlieben sich. Sie, die Ostpflanze, folgt ihm nach Little Berlin. Rosemarie, gelernte Kauffrau, findet durch Georgs Kontakte Arbeit in einem Versandhaus, aber nur unter einer Bedingung: Sie braucht dazu einen Ehemann. Sie ist empört. Wird Georg sie heiraten?

Der schwelende Streit mit dem Großbauern Mader spitzt sich zu. Er wird seinen Hof nicht kampflos dem Feind übergeben. Wäh­rend seine Familie in den Westen flieht, geht der Maderhof in Flammen auf. Verzweifelt versucht Friedrich, Mader zu retten.

 

TANNBACH – Schicksal eines Dorfes:  Frieden aus Stein

Mittwoch, 10. Januar 2018, 20.15 Uhr

Sommer 1961: Anna Erler trauert um ihren Mann Friedrich und versucht, ihr Leben mit den drei Kindern allein anzugehen. Sie findet Trost im Glauben und seelische Unterstützung beim Pfarrer Wolfgang Herder. Die beiden kommen sich näher, was insbeson­dere Annas Kollege aus der LPG, Adolph Herrmann, eifersüchtig beobachtet. Auch die Partei sieht Annas Engagement in der Kir­che kritisch. Ist ihr Glaube mit ihrer leitenden Position in der LPG vereinbar? Damit nicht genug, kämpft Anna in der LPG gegen die Mangelwirtschaft, kann aber nicht verhindern, dass immer mehr Menschen die DDR in Richtung Westen verlassen. Sie glaubt, dass ein "antifaschistischer Schutzwall" endlich die Sicherheit und Stabilität böte, damit sich eine gerechtere Welt aufbauen lässt.

Nach der Hochzeit mit Georg arbeitet Rosemarie erfolgreich als Einkäuferin im Versandhaus von Georgs Freund Rudolf Lorenz. Um einen Großauftrag mit einem DDR-Textilkombinat zu verhan­deln, fährt sie nach Ost-Berlin. Es ist eine dieser Reisen in die "Zone", die Georg äußerst kritisch sieht und die ihre Ehe vor eine Zerreißprobe stellen wird. Es bleibt nicht der einzige Streitpunkt: Rosemarie erfährt über Gustl Schober von Georgs Rolle in der NATO-Geheimarmee. Sie stellt ihn zur Rede, doch er hält dage­gen: Warum hat sie ihm nie von ihrem Bruder erzählt, der für zehn Jahre im DDR-Gefängnis sitzt? Das Misstrauen zwischen den beiden wächst.

Im Ost-Berliner Textilkombinat begegnet Rosemarie der kranken Hilde Vöckler, die dort als einfache Näherin arbeitet. Hilde bittet Rosemarie, ihren Sohn Horst zu finden. Sie will sich mit ihm aussprechen. Da stocken plötzlich die Webmaschinen. Hilde gerät unter Sabotageverdacht. Als sie kurz darauf tatsächlich ihren Sohn Horst trifft, wächst das Interesse von Stasi-Major Robert Leonhardt an Hilde, denn er weiß, dass Horst inzwischen für den BND arbeitet. Leonhardt kann nicht verhindern, dass Hilde nach einem erneuten Sabotageakt festgenommen wird. Aber er ist von dieser Frau beeindruckt und versucht, ihr ein letztes Treffen mit ihrem Sohn zu ermöglichen. Rosemarie gerät ebenfalls unter Sabotageverdacht und landet in U-Haft. Georg versucht alles, um seine Frau aus dem Ost-Gefängnis zu holen. Für beide Frauen beginnt ein Rennen gegen die Zeit, da in derselben Nacht der Bau der Mauer beginnt.

 

TANNBACH – Schicksal eines Dorfes: Traum von Frühling

Donnerstag, 11. Januar 2018, 20.15 Uhr

Sommer 1968: Tannbach hat sich hinter einer hohen Mauer ein­gerichtet. Der Osten wie der Westen. Der Prager Frühling wirkt da wie eine Befreiung. Doch Annas ältester Sohn Felix ist Soldat bei der NVA und ahnt, was kommen wird. Er taucht nachts in Tannbach auf und sucht Schutz bei Pfarrer Herder. Er ist nicht bereit, in Prag einzumarschieren. Anna ist außer sich. Felix kann nicht rüber, und er kann nicht bleiben. Als Deserteur drohen ihm bis zu zehn Jahre Haft. Wie kann er sich und der Familie das antun? Um Schlimmeres zu verhindern, meldet sie Felix sofort bei der Kommandantur. Doch jetzt gerät sie selbst ins Visier der Partei. Weil sie sich nicht von ihrem Sohn distanziert, verliert sie ihren leitenden Posten in der LPG und muss fortan Schrauben sortieren. Als am 21. August 1968 die Rote Armee mit Panzern in Prag einmarschiert, um den Prager Frühling blutig niederzuschlagen, erwartet die Partei auch von Anna ein klares Bekenntnis zur Parteilinie. Dass Felix trotzdem für ein Jahr inhaftiert wird, kann Anna nicht verstehen.

Georgs Ehe mit Rosemarie liegt in Scherben, als sie ihm endlich gesteht, eine Affäre mit Gustl Schober zu haben. Als sie ihm zu­dem noch offenbart, dass die Stasi sie erpresst hat, ihn all die Jahre auszuspionieren, bricht seine Welt zusammen. Dass sie ihn aber auch immer geliebt hat, kann und will Georg nicht hören. Wie soll Rosemarie als schuldig Geschiedene in Tannbach wei­terleben? Wie abhängig sie von ihrem Ehemann tatsächlich ist, erfährt Rosemarie jetzt mit aller Deutlichkeit. Erst als Georgs Sohn Arthur auf den Streit der Eltern mit einem Selbstmordver­such reagiert, überwinden Georg und Rosemarie ihre Sprachlo­sigkeit.

Horst Vöckler kehrt nach Tannbach zurück. Er bietet dem Stasi-Major Robert Leonhardt Informationen zu geheimen Waffendepots an der Grenze. Als Gegenleistung soll seine Mutter Hilde in den Westen freigelassen werden. Ein riskantes Tauschmanöver be­ginnt.

Rollenprofile und Statements der Schauspieler

Anna Erler (Henriette Confurius)

Ihr Leben ist voller Brüche. Annas adlige Herkunft kann sie nicht verleugnen, ebenso wenig ihren Glauben an Gott. Trotzdem ist aus Georg von Striesows einziger Tochter eine überzeugte Sozia­listin geworden. Als leitende Funktionärin der LPG sind die Plan­erfüllung und die Kollektivierung der heimischen Landwirtschaft ihre Ziele. Sie scheut dabei keine Auseinandersetzung, nicht mit den widerspenstigen Bauern und auch nicht mit ihrem Mann Friedrich, den sie leidenschaftlich liebt. Erst schicksalhafte Ereig­nisse lassen sie an ihrem Weg zweifeln.

Henriette Confurius über Anna Erler

Die Rolle der Anna weiterzuspielen, war ein sehr spannender Weg. Eine Frau zu spielen, die schon so viel erlebt hat, Kinder hat, so viel älter ist, als ich es bin. Anna trägt eine enorme Last auf ihren Schultern und hält dabei aber an ihrem Glauben fest, versucht, aufrecht stehen zu bleiben. Das war eine interessante Herausforderung.

 

Friedrich Erler (Jonas Nay)

Ein innerlich zerrissener junger Mann. Tiefe Zweifel plagen ihn, denn anders als Anna sieht er die Webfehler im sozialistischen Wirtschaftssystem. Es schmerzt ihn, dass die Menschen in Scha­ren das Land verlassen. Die brachiale Zwangskollektivierung der Tannbacher Bauern hält er für einen Fehler. Darüber gerät er in Konflikte mit seinem Arbeitgeber und mit Anna. Der alte Schmerz wegen seines an der Grenze getöteten Bruders kehrt zurück. Kein Zweifel, Friedrich hat seinen inneren Kompass verloren.

Jonas Nay über Friedrich Erler

Die Geschichte von Friedrich Erler in "TANNBACH" weiterzuer-zählen, war mir eine Herzensangelegenheit, und es ist eine wunderbare Aufgabe gewesen, wieder eine Zeitreise, diesmal in die 60er Jahre, zu unternehmen. Das ist eines der von mir geschätzten Privilegien als Schauspieler. Auch das Wiedersehen mit dem Team, vor allem mit meiner Filmpartnerin Henriette Confurius, war sehr schön. Wir konnten spielerisch dort anknüp­fen, wo wir das letzte Mal auseinander gegangen waren, und gleichzeitig die Beziehung von Anna und Friedrich nun auf einer neuen, gereifteren Ebene erzählen.

Friedrich Erler ist eine interessante, vielschichtige Figur. Er hat Ideale, die er zielstrebig verfolgt, bewahrt Haltung auch in tragi­schen Momenten und ist mutig genug, nicht mit der Masse zu schwimmen. Das sind viele Charaktereigenschaften, die heute viel zu selten in der Öffentlichkeit vorgelebt werden. "Aus der Ge­schichte lernen" heißt es doch so schön. Für mich steht fest – wäre die DDR damals nur von Menschen wie Friedrich aufgebaut worden, hätte der real existierende Sozialismus auch eine real existierende Chance gehabt.

Wie wir alle wissen, sollte die deutsch-deutsche Nachkriegsge­schichte jedoch einen anderen Weg nehmen. Dies wird in "TANN­BACH" seinen gesellschaftlichen Spiegel im Kleinen finden, und so muss Friedrich als Visionär und Gutmensch einen großen Preis für seinen Mut bezahlen.

 

Georg von Striesow (Heiner Lauterbach)

Auch die 60er Jahre bringen dem Grafen keine Erlösung. Er ist ein erfolgreicher Unternehmer, ein Profiteur des Wirtschaftswun­ders. Doch seine Enteignung durch die Russen ist auch nach Jah­ren nicht verschmerzt. Das ihm widerfahrene Unrecht hat Georg zu einem Kalten Krieger werden lassen, er hasst das junge Staatswesen DDR leidenschaftlich, das sich in seiner unmittelba­ren Nachbarschaft gebildet hat. Und das ihm nicht nur seinen Be­sitz, sondern auch seine Tochter Anna genommen hat.

Heiner Lauterbach über Georg von Striesow

Die 60er Jahre stellen Georg von Striesow vor neue Herausforderungen, inmitten derer er eine neue Liebe findet – er trifft Rosemarie. Er verzweifelt fast an dem tiefen Graben, den die zwei Staaten zwischen ihn und seine Tochter Anna gerissen ha­ben, und rächt sich auf seine Weise. Am Beispiel der Familie von Striesow zeigt sich die tiefe Spaltung, die die Teilung Deutsch­lands in die Köpfe und Herzen von Familien gerissen hat – so tief, dass Verwandte zu Fremden werden. Die Dreharbeiten waren wie beim ersten Mal intensiv und spannend. Mit großartigen Kollegen und einem tollen Team entstand hier ein Stück Fernsehgeschichte, die ihresgleichen sucht.

 

Rosemarie Czerni (Anna Loos)

Der Krieg verschont niemanden, auch nicht die lebensfrohe Rosemarie. Das Familiengeheimnis, das sie verletzbar macht, offenbart sie niemandem. Sie hat Ehrgeiz, Talent und große Pläne, einmal beruflich erfolgreich zu werden, schlägt sich aber nur als Kellnerin durch. Sie ist moderner als ihre Zeit, mit dem Frauenbild der BRD in den Sechzigern kann sie sich nicht identi­fizieren. Rosemarie hat Charme und Chuzpe, und das öffnet ihr viele Türen. Und das eine oder andere Herz.

Anna Loos über Rosemarie Czerni

Als neue Figur in die Fortsetzung dieses wunderbaren Dreiteilers einzusteigen, war für mich eine große Freude. Rosemarie ist eine sehr spannende Figur, sie ist für ihre Zeit fast rebellisch. Rosemarie steht dafür, dass das Frauenbild der 60er Jahre zu bröckeln begann. Sie ist, was das angeht, ein Pionier ihrer Zeit, eine selbstbewusste und nach Selbstständigkeit strebende Frau. Sie hat Leidenschaft und einen starken Willen und bringt frischen Wind in das Haus der von Striesows. Hier eckt sie immer wieder mit dem konservativen Frauenbild ihres Ehemannes an. Rosemarie hat es mit den Geheimnissen um ihre Figur nicht leicht, in der Welt, in der sie gelandet ist, anzukommen. Das war für mich eine aufregende Herausforderung. Außerdem war es eine Bereicherung, in dieses hochklassige Schauspielensemble einzutauchen. Mein Sahnehäubchen bei der Produktion waren die Dreharbeiten in Prag, einfach eine wunderschöne Stadt. "TANNBACH" erzählt ein Stück jüngere Geschichte unseres Lan­des und ist für mich durch die authentische Art, wie das gemacht wird, und die Themen, die wie beiläufig in die Figuren eingespon­nen sind, eine wichtige Arbeit.

 

Hilde Vöckler (Martina Gedeck)

Tapfer hat Hilde alle Schicksalsschläge ertragen und sich ein neues Leben aufgebaut. Nach Jahren der Zwangsarbeit hat ihre Gesundheit gelitten, sie hat ihre Heimat verloren und den Kontakt zu ihrem einzigen Sohn Horst. In Berlin lebt sie jetzt das Leben einer einfachen Textilarbeiterin. Sie hat nichts zu verlieren und bleibt aufrecht, auch noch, als die Vergangenheit in ihr Leben einbricht und einen weiteren Schicksalsschlag bereithält.

Martina Gedeck über Hilde Vöckler

Hilde Vöckler hat sich in der jungen DDR eingerichtet, sie lebt allein und arbeitet als Näherin in einer Textilfabrik in Berlin. Sie hat sich ihre Unabhängigkeit bewahrt, ist aber auch vorsichtig anderen Menschen und misstrauisch dem System gegenüber ge­blieben. Sie möchte ruhig leben und nicht in Beziehung zu ande­ren treten. Einzig ihren Sohn will sie wiedersehen und sich mit ihm aussöhnen. Ohne es zu wollen, gerät sie in die Fänge der Stasi und sieht sich am Ende ihrer Freiheit beraubt. Im entschei­denden Moment aber bleibt sie sich treu und lässt sich nicht den Mund verbieten. Ihre innere Freiheit verteidigt sie bis zuletzt und bewahrt sie sich. Wieder muss sie ihre Heimat verlassen, verletzt, aber nicht gebrochen.

 

Franz Schober (Alexander Held)

Er ist ganz der Alte geblieben. Was ihn antreibt, ist der Hass auf die Kommunisten nebenan, die "Roten" und die "Sozen", denen er, wo er kann, zu schaden versucht. Mehr als diese hasst Franz Schober nur noch seinen Erzfeind Georg von Striesow – und Widerworte in seiner Familie, insbesondere die seiner illegitimen Enkelin Christa. Franz Schober will ihr Anstand beibringen.  

Alexander Held über Franz Schober

Auch für einen Franz Schober bleibt die Zeit nicht stehen. Wie sagt man so gern im Volksmund? "Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit." Der Schober Franz aber ist geblieben, über alle Zeiten hinweg. Älter ist er geworden, aber nicht minder bösartig und gerissen, und wie gehabt weiß er die Veränderungen der Zeit zu seinem Vorteil zu nutzen. Das bliebe gewiss auch zukünftig so, wäre da nicht dieser gewaltige Schuss vor den Bug gewesen, der ihn, aus heiterem Himmel sozusagen, urplötzlich ins Ausgeliefert­sein versenkt. Fast könnte er einem leidtun, der Sauhund. Zahlt er doch die Rechnung für eine Bestellung, die er gar nicht aufge­geben hat. Und seine Frau hat auch schon längst Adieu gesagt. Aber für Nachwuchs ist ja gesorgt. Bis hinein in die heutige Zeit.

Auch wenn die Figur in den drei Teilen nicht so präsent ist wie in den vorangegangenen, und ich frühmorgens der Erste in der Maske war und nach Drehschluss der Letzte, der sie verließ, hatte ich große Freude an dieser Verwandlung bis ins hohe Alter hinein, und so war es für mich aufs Neue eine faszinierende Arbeit mit wundervollen Kolleginnen und Kollegen vor und hinter der Kamera. Bliebe noch zu erwähnen, dass manche aus dem tschechischen Team den Schober Franz kurzerhand "The Big One" nannten.

 

Wolfgang Herder (Clemens Schick)

Als "in der Wolle gewaschener Kapitalist" wird er beschimpft – er, der Pastor, der vom Westen in den Osten übergesiedelt ist. Aus Überzeugung, und aus Gründen, die er nicht nennen möchte. Ein unkonventioneller Gottesmann ist er, einer, der anpackt, der sich nicht von Zweifeln irritieren lässt, der unbequeme Wahrheiten ausspricht und im Grenzland Tannbach eine christliche Gemeinde auferstehen lässt. Er bringt neue Hoffnung in das Dorf, und das gefällt nicht jedem.

Clemens Schick über Wolfgang Herder

Der Pastor Wolfgang Herder bringt eine neue Sichtweise auf die Welt in das Figurenensemble von "TANNBACH" und appelliert im real existierenden Sozialismus an die christlichen Werte in der Gemeinde. Hierbei stößt er nicht nur auf Zuspruch, denn die Existenz der Kirchenhäuser kollidierte mit den Bestrebungen der DDR-Regierung, die Gesellschaft zu einer atheistischen zu machen. Wolfgang Herder ist eine äußerst komplexe Figur, die wie viele andere zu dieser Zeit etwas Dunkles in sich trägt und einen Weg sucht, mit der ganz persönlichen Vergangenheit zu leben.

 

Walter Imhoff (Jonathan Berlin)

Cillys Sohn ist noch auf der Suche nach sich selbst. An seiner Tätigkeit bei den Grenztruppen beginnt er zu zweifeln, die Arbeit im Gasthof ist ihm mehr oder minder zugefallen. Doch was will er eigentlich vom Leben? Eine Frau? Ehe und Familie? Die Erwartungen erfüllen, die sein Umfeld an ihn hat? Walter weiß es nicht. Er weiß nur, dass er anders ist als die anderen.

Jonathan Berlin über Walter Imhoff

Walter ist für mich ein ewig suchender Charakter – verloren, wenn man so will, weil er auf seiner Suche nie seine wahre Identität findet beziehungsweise sie nicht annehmen will. So versucht er stets, sich den politischen Veränderungen und dem System anzupassen und darin eine Aufgabe, vermeintlich eine Erfüllung, für sich zu finden – doch so richtig mag es ihm nicht gelingen. Er irrt ohne Ziel durch den Wandel der Zeit. Als er sich dann verliebt – in einen Mann – und sehr wahrhaftige Gefühle zu spüren scheint, ist er schlicht überfordert, weil er etwas so Inniges noch nicht erlebt hat. Da er es nicht besser weiß, passt er sich einmal mehr an – und flieht vor seiner eigenen Wahrheit. Insofern wird er auf tragische Weise zum Spielball der gesellschaftlich-politischen Veränderungen und Konformitäten.

Diesen Konflikt parallel zu den anderen Familiengeschichten in seiner Widersprüchlichkeit und Zerbrechlichkeit zu knacken, in erster Linie als eine innige Liebesgeschichte zu erzählen, unab­hängig von der sexuellen Orientierung der Figur, war eine Her­ausforderung und besonders in der vertrauensvollen Arbeit mit Regisseur Alexander Dierbach eine Bereicherung.

 

Horst Vöckler (Robert Stadlober)

Hildes Sohn, uneheliches Kind von Franz Schober, taucht in Tannbach auf. Jahrelang war er verschwunden, und darüber hat in dem geteilten Dorf niemand eine Träne vergossen. Doch nun, mitten im Kalten Krieg, scheint Horst eine Verbindung zu ameri­kanischen Geheimdiensten eingegangen zu sein. Nicht nur Georg von Striesow ist darüber besorgt. Horst Vöcklers Rückkehr sorgt auch in seiner Familie für große Unruhe.

 

Kathi Schober (Johanna Bittenbinder)

In der großen Schober-Familie hält Kathi die Fäden zusammen. Sie hat ein großes Herz und zunehmend auch den Mut, sich ge­gen Franz zu stellen, um ihre Kinder und Enkel zu schützen. Mit Humor und weiblicher Schläue setzt sie sich unermüdlich für Ver­söhnung ein, zwischen Alt und Jung, Ost und West. Dabei geht sie durchaus unkonventionelle Wege.

 

Heinrich Schober (Florian Brückner)

Seine Familie und der Hof haben Heinrich gestärkt, sogar dem Vater tritt der einst ungeliebte Sohn nun selbstbewusster gegen­über. Er ist ein erfolgreicher Bauer geworden, Vater von vier Kin­dern, glücklich verheiratet mit Theresa. Ein Unglücksfall jedoch verändert Heinrich, er gerät in die schwerste Krise seines Lebens. Der ehemals so liebenswerte Mann verändert sich, er handelt un­gerecht und grausam. Heinrich wird seinem Vater Franz immer ähnlicher.

 

Theresa Schober (Eli Wasserscheid)

Die 60er Jahre bringen Theresa schwere Zeiten. Der Unglücksfall in der Familie und Heinrichs Veränderung belasten sie schwer. Mit Leidenschaft versucht sie, ihre Familie zusammenzuhalten und ihre Kinder zu schützen – insbesondere ihre uneheliche Tochter Christa. Alles, was in ihrer Macht steht, tut Theresa. Doch sie hat einen schweren Stand gegen Franz und Heinrich.

 

Christa Schober (Mercedes Müller)

Ihre Herkunft trägt sie im Gesicht. Dass sie nicht Heinrichs leibli­che Tochter ist, sondern die Tochter eines französischen Besat­zungssoldaten, ist nicht mehr zu übersehen, nachdem Christa zur jungen Frau herangewachsen ist. Und auch charakterlich fällt der Teenager aus der Reihe. Sie ist lebenslustig und voller Freiheits­drang, gegen das strenge moralische Regiment von Vater und Großvater begehrt sie auf. Ein Machtkampf droht, den Christa nur verlieren kann. An ihr soll ein Exempel statuiert werden.

 

Gustl Schober (Maximilian Brückner)

Franz' Lieblingssohn und Heinrichs älterer Bruder hat eine be­scheidene Karriere gemacht. Und zwar nicht auf dem elterlichen Bauernhof, sondern bei einer Regionalzeitung. Ambitionen hat er, Ehrgeiz auch. Er hat sich ein eigenes Leben aufgebaut und die Versehrungen aus dem Krieg hinter sich gelassen. Doch die Ver­gangenheit holt ihn ein. Als er nach Tannbach zurückkehrt, gerät er in die Fronten des Kalten Krieges.

 

Robert Leonhardt (Rainer Bock)

Er glaubt an den Sozialismus und möchte ihn verteidigen, als im August 1961 die Berliner Mauer gebaut werden soll. Naiv ist er nicht. Robert Leonhardt weiß, dass im Sozialismus auch Fehler gemacht werden. Und doch kann er den Aderlass, der den jungen Staat DDR in die Krise führt, nicht tolerieren. Seine Tätigkeit bei der Staatssicherheit erfordert einen kühlen Kopf und manchmal auch ein kaltes Herz. Um letzteres ist es schlecht bestellt, seit Leonhardt Hilde Vöckler kennen gelernt hat.

 

Adolph Hermann (Peter Schneider)

Ein Betonkopf und Apparatschik ist er, daran hat sich nicht viel geändert. Adolph Hermann setzt strikt die Parteilinie durch, auch gegen die Menschen, die davon betroffen sind. Den widerspensti­gen Tannbacher Bauern gegenüber zeigt er sich unnachgiebig, auch den unbequemen Pastor im Dorf bekämpft er, wo er nur kann. Einzig seine Gefühle für Anna sind in der Lage, Hermann zu irritieren. Er mag sie mehr, als er sich eingesteht.

 

Otto Mader (Michael Grimm)

Sein Land bedeutet ihm alles, über Generationen hat seine Fami­lie die Äcker und Wiesen in Tannbach bewirtschaftet. Fleißig und fachkundig ist er, ein Bauer der alten Schule, und einer, der sich nicht rumkommandieren lassen will von Leuten, die von der Landwirtschaft so viel verstehen wie ein Förster von der Sahara. Die zwangsweise Kollektivierung durch die örtliche LPG nimmt Otto persönlich, und er ist bereit, bis zum Letzten dagegen zu kämpfen.

"Eine Sinfonie mit großem Orchester" - Statement der Drehbuchautorin Silke Zertz

"TANNBACH", das ist eine Sinfonie mit großem Orchester: Eine filmische Erzählung in epischer Breite, deren Herausforderungen für die Drehbuchautorin besonders in ihrer Fülle lagen. Viele Rollen, viele Schauplätze, viele anspruchsvolle Schauspieler mit großen Namen – Lauterbach, Loos, Confurius, Nay, Gedeck, Held, um nur wenige zu nennen. Eine Vielzahl der wunderbarsten Instrumente will orchestriert werden, jedes einzelne soll strahlen dürfen, und doch soll am Ende Musik dabei herauskommen. Ein Luxusproblem, möchte man sagen. Wer hat schon die Besten der Besten am Start, und davon gleich ganze Mannschaften? Doch jede einzelne Rolle braucht Tiefe, Emotion, eine spannende Handlung; Schauspieler brauchen Raum für ihre Kunst, den die Autorin schaffen muss, und doch muss die Summe vieler Einzel­leistungen am Ende ein Ganzes ergeben. Kein Solist darf sich aufdrängen, der Chor nicht zu laut sein, kein Instrument die ande­ren übertönen. Handlungsstränge müssen miteinander verschlun­gen und genau austariert werden, spannend sein und emotional, sie brauchen Humor und überraschende Wendungen, historische Authentizität und große Bilder.

Dreimal neunzig Minuten deutsch-deutsche Geschichte, und die Autorin vor dem weißen Blatt Papier atmet tief durch und fragt sich, wie zum Teufel das gehen soll? Wo fange ich an? Bei der Recherche. Inspiration ist das Ergebnis von harter Arbeit, also lesen, lesen, lesen, Fachberater finden, Experten fragen, Interviews führen, sich berühren lassen von der Welt der Sechziger Jahre. Wieder entsteht Überfülle, diesmal eine von Fakten, die sondiert werden wollen. Welche Geschichten bewegen? Welche Kapitel der deutschen Teilung drängen sich auf, in welchen Jahren haben sich Ereignisse zugespitzt?

Wie auswählen, wenn es doch so vieles gibt, was sich zu erzäh­len lohnt? Bei den Figuren bleiben, auch das ist immer ein guter Rat. Sich einfühlen in den bereits angelegten Figurenhaushalt von "TANNBACH I", aus der Fülle des Materials eine mögliche Fort­führung finden, eine glaubwürdige Entwicklung, emotionale Brü­che, Herausforderungen, Schicksale. Und dann die Gedanken fließen lassen, der Phantasie und Schreiblust freien Lauf, um er­neut eine Fülle zu schaffen. Noch ist alles Papier, Geld spielt keine Rolle. Die pure Freude ist es zuzusehen, wie die Ge­schichte Form annimmt, wie die Figuren lebendig werden. Der Rest ist Arbeit: kürzen, modulieren, umarbeiten, neu ausbalancie­ren, mehr Drama, weniger Drama, kritisch überprüfen, Humor nicht vergessen! Gegenlesen, zuhören, Kritik umsetzen, noch einmal kürzen.

Der Film ist kein Papier mehr, jetzt spielt Geld eine Rolle. Ver­schlanken, kreative Lösungen finden, Rollen rausschreiben, rein­schreiben, verfeinern, schärfen, kürzen, nochmal und nochmal und nochmal.

Und dann, wenn das behütete Kind den heimischen Rechner ver­lässt und ans Set wechselt, loslassen. Am Ende entspannen, mit der Fernbedienung in der Hand.

"Erzählenswert, spannend und herausfordernd" - Statement des Regisseurs Alexander Dierbach

Die Entscheidung des ZDF, "TANNBACH" fortzusetzen, war für mich, neben der großen Freude darüber, auch mit einer gehöri­gen Portion Respekt verbunden. Ein Figurenensemble nach den erzählten 40er und 50er Jahren nun in die Zeit der vollendeten Teilung Deutschlands und in die Zeit des Kalten Krieges zu füh­ren, erwies sich hierbei für mich als besonders erzählenswert, spannend und herausfordernd. Alternde Figuren auf ihrer Reise durch ein geteiltes Deutschland zu begleiten, ihre emotionalen Konflikte und Veränderungen zu beobachten und dabei eine en­semblegetreue Perspektive einzunehmen, war für mich der große Reiz, erneut in den Kosmos "TANNBACH" einzutauchen.

Die handwerklichen Komponenten, also Altersmaske, andere Zeitebene, Figuren reifen zu lassen, ist für die Regiearbeit ein intensiver und spannender Prozess. "TANNBACH" gestalterisch zu erweitern, beziehungsweise die Zeitreise weiterzuführen, hat auch mit mir etwas gemacht. Es hat mich noch mehr an meine eigene Familiengeschichte herangeführt. Die fiktive Ebene ver­mischte sich gerade im zweiten Teil viel stärker mit meiner per­sönlichen Ebene als im ersten. Auch meine Familie stammt zum Teil aus dem ehemals geteilten Deutschland, und umso mehr be­rührte mich das "TANNBACH"-Ensemble Tag für Tag erneut, denn letztlich erzählt "TANNBACH" die Geschichte von "geteilten Familien".

Gerade in einer Zeit, in der es nicht nur um UNSERE vergangene "historische Mauer" geht, sondern um neu entstehende Mauern in den Köpfen und global gesehen auch neue "Ziegelsteine" – genau in dieser Zeit ist es noch wichtiger, Filme inhaltlich genau mit diesem Thema aufzugreifen und sie filmisch zugänglich zu machen. "TANNBACH II" erzählt für mich noch intensiver, wie sehr sich Ideologien, Manipulationen und wirtschaftliche Interessen auf individuelle Gefühlswelten auswirken und ein Zusammensein verhindern können.

Als Regisseur von "TANNBACH I/II" wünsche ich mir sehr, dass wir gemeinsam mit dem ZDF auch "TANNBACH III" realisieren werden. Den Fall der Mauer, die Zusammenführung unserer En­semblefiguren, im nicht ganz fiktiven Ort Tannbach.

Dorfgeschichten als Weltgeschichte - Statement des Historikers Stefan Wolle

Nach dem Mauerbau vom 13. August 1961 wird auch in Tannbach die Grenze nahezu undurchdringlich. Auf beiden Seiten wird mili­tärisch und moralisch aufgerüstet. Die politische Propaganda bei­der Seiten überschlägt sich in Hass und Hetze. Wer im Osten nach einer Verbesserung des Sozialismus strebt, ist in den Augen der Staatsmacht ein Feind. Wer im Westen über den Wandel durch Annäherung nachdenkt, ist im günstigen Fall ein Traumtän­zer. Und doch bleiben Ost und West aufeinander bezogen und miteinander verflochten.

In der Geschichtswissenschaft findet diese Gemeinsamkeit durch Konfrontation bisher kaum Beachtung. Was in den Jahrzehnten der Trennung die Deutschen voneinander dachten, wie sie die Gegenseite wahrnahmen, was sie befürchteten und erhofften, ist vielleicht für die Wissenschaft zu wenig greifbar. Umso wichtiger ist es, dass sich ein Film dieser Geschichte des Fernrückens und Nahebleibens annimmt. Das fiktive Dorf Tannbach wird zum La­boratorium einer gesamtdeutschen Kultur- und Mentalitätsge­schichte.

An einem solchen Film mitzuarbeiten, ist für den Historiker spannend und lehrreich. Geht es doch nicht allein um die Genau­igkeit im Detail, obwohl auch diese nicht gering zu schätzen ist. Es geht vor allem darum, durch die Darstellung der Geschichte brisante und aktuelle Fragen aufzuwerfen. In den letzten Jahren waren es sehr oft Filme, die den öffentlichen Diskurs über die Geschichte bestimmten. Man darf also auf die Reaktion der Zu­schauer gespannt sein.

Online-Begleitung

Auf tannbach.zdf.de gewinnt der Zuschauer einen Überblick über Handlung und Entwicklungen von "TANNBACH". Darüber hinaus laden vielfältige Extras dazu ein, die Filmerfahrung zu vertiefen: Neben Hintergrundinformationen zu den Figuren und ihren Schicksalen gewährt ein Making-off einen exklusiven Blick hinter die Kulissen.

Das Online-Angebot ist ab Anfang November 2017 verfügbar und wird bis zur Ausstrahlung sukzessive mit weiteren Inhalten wie zum Beispiel einer detailgetreuen Karte des Dorfes befüllt.

"TANNBACH – Schicksal eines Dorfes" steht mit allen Teilen vom 8. Januar 2018, 10.00 Uhr, an in der ZDFmediathek und über tannbach.zdf.de zur Verfügung.

 

 

Weitere Informationen

Impressum

Fotos über ZDF Presse und Information

Telefon: (06131) 70-16100 oder über https://presseportal.zdf.de/presse/tannbachII

ZDF Hauptabteilung Kommunikation
Presse und Information
Verantwortlich: Alexander Stock

E-Mail: pressedesk@zdf.de

© 2017 ZDF

Ansprechpartner

Name: Christiane Diezemann
E-Mail: presse.hamburg@zdf.de
Telefon: (040) 66985 171