Terra X: Große Völker

Dreiteilige Dokumentationsreihe

Demokratie, Gesetze, Wissenschaft, Literatur, Theater, Olympische Spiele, Wasserversorgung, Straßennetze, Fernhandel, Überquerung der Weltmeere, Globalisierung – die Liste der Errungenschaften, die das Europa von heute kennzeichnen, ließe sich endlos fortführen. Doch ausnahmslos alles, was unser heutiges Leben prägt, basiert auf über 2000 Jahre alten Ideen und Erfindungen. Die neue "Terra X"-Reihe "Große Völker" versteht sich als Zeitreise zu den Wurzeln Europas und den Nationen, die den Weg in die Moderne geebnet haben. In drei Folgen werden die Pionierleistungen der Griechen, Römer und Wikinger vorgestellt.

  • ZDF, ab 9. März 2014, sonntags, 19.30 Uhr

Texte

Kulturelle Errungenschaften noch heute sichtbar

Vorwort von "Terra X"-Redaktionsleiter Georg Graffe

Historische Dokumentationen laufen in der Regel nach einem bewährten Muster ab: Im Mittelpunkt stehen große Herrscher oder ähnlich prominente Figuren der Weltgeschichte, die ihr Reich mit unglaublichem Ehrgeiz, geschickter Strategie und Wagemut zu einzigartiger Blüte geführt haben. Durch sie erfahren wir Wissenswertes über bestimmte Zeithorizonte und decken bislang unbekannte Zusammenhänge ihrer Regentschaft auf. Dem ruhmreichen Aufbau eines Staates folgt fast immer der Niedergang, meistens verursacht durch einen mächtigen Feind von außen. Blutige Schlachten und andere schicksalhafte Großereignisse bringen vermeintliche Helden hervor, die selbst nach Jahrtausenden unsere Gemüter bewegen und Wissenschaftler zu immer neuen Sichtweisen herausfordern.

Mit der neuen "Terra X"-Reihe "Große Völker" haben wir einen anderen Weg eingeschlagen. In den drei Folgen über Griechen, Römer und Wikinger geht es darum, die kulturellen Errungenschaften von Völkern vorzustellen, die mit fortschrittlichen Erfindungen und bahnbrechenden Entdeckungen den Grundstein für das moderne Europa gelegt haben. Jede Folge erzählt in fünf bis sechs Kapiteln, welche Leistungen den antiken Nationen zuzuschreiben sind. Dabei werden überraschende Zusammenhänge ans Licht gebracht. Nicht zuletzt bildeten die unterschiedlichen Lebenswelten der Völker – angefangen von der Politik über die Mythologie bis hin zum Lifestyle – den Nährboden für die geistigen Hinterlassenschaften an die Nachwelt. Auch filmisch haben wir uns – zumindest teilweise – auf neues Terrain begeben. Neben dokumentarischen Aufnahmen, Experteninterviews und Spielszenen bringen kleine Comics bestimmte Lebensbereiche der Griechen, Römer und Wikinger leichtfüßig auf den Punkt. Dazu gehören unter anderem die schillernden Götter des Olymp, Odins Jenseitswelt Walhall und Hel oder auch der Alltag römischer Gladiatoren. Die Erklärgrafiken sind dieses Mal keine Hightech-Animationen, sondern ausdrucksstarke Zeichnungen im Stil antiker Vorbilder. Sie fassen die neuesten Erkenntnisse der Wissenschaft kurz zusammen – gemäß der Devise "news to use". Mit dem andersartigen Ansatz wollen wir kompakt und linear aufzeigen, woher die geistigen Strömungen und gesellschaftlichen Einflüsse kommen, die auch noch in der europäischen Kultur des 21. Jahrhunderts nachwirken.

Georg Graffe
Redaktionsleiter "Terra X"

Folge 1: "Die Griechen"

Sonntag, 9. März 2014, 19.30 Uhr

Terra X: Große Völker

Stab

Idee: Uwe Kersken
Regie: Cristina Trebbi
Buch: Susanne Utzt, Cristina Trebbi
Inszenierungen: Carsten Gutschmidt
Kamera: Jens Boeck, Dieter Stürmer
Ton: Axel Schmidt
Schnitt: Fabian Wienk
Animationen: xkopp, polloq
Karten: Sebastian Martinez
Produktionsleitung: Nadine Klemens, Gruppe 5
Ausführender Produzent: Uwe Kersken
Redaktion: Claudia Moroni
Leitung der Sendung: Georg Graffe
Länge: ca. 43 Minuten

Eine Produktion der Gruppe 5 Filmproduktion GmbH im Auftrag des ZDF in Zusammenarbeit mit ZDF Enterprises.

Fachberater

Prof. Dr. Werner Dahlheim, emeritierter Professor für Alte Geschichte an der Technischen Universität Berlin 

Experten

Prof. Dr. Hans-Joachim Gehrke, Fachbereich Alte Geschichte, Universität Freiburg
Dr. Florian Knauß, Direktor der Staatlichen Antikensammlungen und Glyptothek München
Dr. Athanasia Psalti, Direktorin Archäologisches Museum Delph
Dr. Stamatis Lymperopoulos, Fachbereich Geschichte und Archäologie, Universität Athen
Prof. Dr. Kostas Bouraselis, Fachbereich Geschichte und Archäologie, Universität Athen
Dr. Athanasios Themos, Leiter Epigraphisches Museum Athen
Alfons Neubauer, Leiter der Restaurierungswerkstatt, Staatliche Antikensammlungen und Glyptothek München
Prof. Dr. Vassilis Lambrinoudakis, Fachbereich Geschichte und Archäologie, Universität Athen
Prof. Dr. John Mourjopoulos, Fachbereich Audio- und Akustiktechnologie, Universität Patras

Inhalt

Die moderne Welt hat den alten Griechen eine Menge zu verdanken: die tragischsten Dramen und unterhaltsamsten Komödien, leider aber auch den Mathematikunterricht. Auch dass wir joggen oder Marathon laufen, ist den Griechen geschuldet – ebenso wie die Olympischen Spiele, die Menschen unterschiedlichster Herkunft friedlich miteinander vereinen sollen. Und nicht zuletzt ist die Demokratie das Erbe berühmter Vordenker aus Athen. Vielleicht haben es die meisten schon vergessen, aber Griechenland gilt als die Wiege Europas.

Der Blick zurück in die Geschichte der Griechen beginnt nach den "dunklen Jahrhunderten" um etwa 750 vor Christus. Damals entstehen an den zerklüfteten Küsten des östlichen Mittelmeers unabhängige Stadtstaaten, die untereinander im Dauerclinch liegen. Nur die Vorstellung von einer illustren wie ebenso intriganten Götterwelt, die vom Olymp aus alle Bereiche des irdischen Lebens beherrschen, verbindet sie. Kein Krieg, keine Hochzeit, keine sonstigen Handlungen werden geplant, ohne den Rat der himmlischen Helden einzuholen. Während die einen einer Welt aus Mythen und Mysterien nachhängen, wagen sich ein paar wenige Universalgelehrte an andere Modelle der Welterklärung. Die Philosophen beobachten die Natur, suchen nach Zusammenhängen zwischen Ursache und Wirkung und glauben fest an Erkenntnisgewinne durch logisches Denken. Sie sind die Begründer der Wissenschaft und bahnbrechender Errungenschaften – angefangen von der ersten Dampfmaschine über die Entdeckung der Erde als Kugel bis hin zum schusssicheren Brustpanzer.

Eine der revolutionärsten Ideen der Griechen aber ist die Demokratie. Kaum zu glauben, aber sie ist ein Produkt der ständigen Kriege untereinander, vor allem aber gegen die übermächtigen Perser. Jeder Mann im Staat wird im Kampf gegen den Feind von außen gebraucht, im Gegenzug fordert das Volk umfassende Mitspracherechte. In Athen erkennen die Verantwortlichen früh, dass sie Zugeständnisse an die Bürger machen müssen. Nach und nach führen sie Reformen ein, bis eine völlig neue Verfassung entsteht. Sie soll den Griechen eine Herrschaftsform garantieren, die maßgeblich vom Volk ausgeht. Politisches Stimmrecht besitzen alle männlichen Griechen über 18 Jahre. Sklaven, Frauen und Kinder sind von der Meinungsbildung ausgeschlossen. Grundsätzlich fallen die Entscheidungen nach dem Mehrheitsprinzip. In der Praxis sieht es aber so aus, dass zumeist die Reichen die große Linie vorgeben, denn sie sind die einzigen, die mit ihrem Privatvermögen haften können. Und das ist damals für jeden Spitzenpolitiker Pflicht. In späteren Zeiten wird die Volksherrschaft über Jahrhunderte erfolgreich vermieden. Erst mit der Französischen Revolution ändert sich das wieder. Inzwischen existieren weltweit 115 freiheitlich geführte Regierungen, die mehr oder weniger die Rechte des Einzelnen in ihrem Staatsvertrag verankert haben. Auch die Europäische Union beruft sich in ihrem Gründungspapier auf das politische Konzept aus dem alten Griechenland.

Neben Politik und Wissenschaft haben noch zwei weitere Errungenschaften ihren Anfang in der Antiken Welt genommen. Zum einen ist das die Entstehung des Theaters, das damals vor allem dazu diente, den Bürgern über das Spiel auf der Bühne ihre Welt zu erklären. Der Zeit weit voraus ist dabei die Vorstellung, dass bei der Vorführung der Tragödien und Komödien die Seele des Menschen eine Wandlung vollzieht, wenn nicht sogar einen Heilungsprozess durchläuft. Jedes dramatische Werk folgt seither denselben Gestaltungsmustern, die von den großen Autoren Griechenlands entwickelt wurden. Die Einführung der Olympischen Spiele ist die zweite herausragende Pionierleistung. Das Ereignis findet alle vier Jahre statt. Eine Woche lang messen sich Freund und Feind in unterschiedlichen sportlichen Disziplinen. Während der gesamten Dauer des Spektakels, so verlangen es die Regeln, herrscht Frieden. Im 5. Jahrhundert nach Christus wird das Praktizieren des "heidnischen Kultes" auf Erlass des christlichen Kaisers Theodosios verboten. Erst 1896 finden in Athen – nach 1500 Jahren Unterbrechung – die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit statt. Wie bei den alten Griechen stehen sie ganz im Zeichen der Völkerverständigung. Das ist bis heute so geblieben.

Folge 2: "Die Römer"

Sonntag, 16. März 2014, 19.30 Uhr

Terra X: Große Völker

Stab

Idee: Uwe Kersken
Regie: Cristina Trebbi
Buch: Susanne Utzt, Cristina Trebbi
Inszenierungen: Carsten Gutschmidt
Kamera: Jens Boeck, Dieter Stürmer
Ton: Axel Schmidt
Schnitt: Fabian Wienke
Animationen: xkopp, polloq
Karten: Sebastian Martinez
Produktionsleitung: Nadine Klemens, Gruppe 5
Ausführender Produzent: Uwe Kersken
Redaktion: Claudia Moroni
Leitung der Sendung: Georg Graffe
Länge: ca. 43 Minuten

Eine Produktion der Gruppe 5 Filmproduktion GmbH im Auftrag des ZDF in Zusammenarbeit mit ZDF Enterprises.

Fachberater

Prof. Dr. Werner Dahlheim, emeritierter Professor für Alte Geschichte an der Technischen Universität Berlin

Experten

Prof. Dr. Hans-Joachim Gehrke, Fachbereich Alte Geschichte, Universität Freiburg
Dr. Alexandra Busch, Deutsches Archäologisches Institut Rom
Dr. Salvatore Roccaforte, Villa Romana del Casale, Sizilien
Prof. Dr. José Remesal Rodríguez, Fachbereich Alte Geschichte, Universität Barcelona
Prof. Dr. Elena Tassi, Fachbereich Römisches Recht, Universität La Sapienza, Rom

Inhalt

Es gibt zwar nicht viel, was nicht zuvor schon von den Ägyptern, Griechen oder Karthagern erfunden worden wäre, doch es gibt noch weniger, was die Römer nicht von ihnen übernommen, verbessert oder gar perfektioniert hätten. Die alten Römer sind ein Volk der Superlative, ihre Geschichte beginnt allerdings wenig spektakulär. Als Rom gegründet wird, ist die spätere Hauptstadt nicht mehr als eine Malaria verseuchte Siedlung in einer sumpfigen Senke am Tiber. Doch nur wenige Jahrhunderte später schlägt dort das Herz eines Imperiums, in dem zu Spitzenzeiten über 55 Millionen Menschen leben. Fast 1000 Jahre hält die römische Herrschaft, bevor sie allmählich zerbröckelt.

Besonders beeindruckend ist die Dynamik, mit der die anfangs keineswegs überlegene Republik zur Vormacht im gesamten Mittelmeerraum aufsteigt. Die Römer beweisen sich dabei nicht nur als Meister der Kriegsführung, sondern auch als Garanten anhaltenden Friedens. Geschickt schwören sie die eroberten Territorien auf die "Sache Roms" ein. Die neuen Bundesgenossen erhalten ein hohes Maß an Selbstbestimmung und eine Verfassung, die ihnen wie jedem römischen Bürger auch die Gleichheit vor Recht und Gesetz zusichert. Und jeder – auch Sklaven und Besiegte – kann damals sein Bürgerrecht einfordern. Die Herren vom Tiber bieten aber noch mehr Annehmlichkeiten: Quer durchs Reich bauen sie Straßen und Aquädukte, bis in die entferntesten Winkel des Imperiums exportieren sie ihren Lebensstil und ihre Ideen zur Architektur öffentlicher Gebäude und Plätze. Mit den umfassenden Maßnahmen verfolgten die Regenten nur ein Ziel: einen Staat ohne Grenzen zu schaffen. Ein Plan, der nur einmal mehr beweist, wie sehr das antike Gedankengut in die heutige Welt übergegangen ist. Von einem barrierefreien Europa mit gleichen Rechten für alle träumen auch die Verantwortlichen in Brüssel.

Wie schwer es ist, Völker aus unterschiedlichen Kulturkreisen zusammenzuhalten, haben auch schon die alten Römer gewusst. Als Kontrollorgan setzen sie deshalb ein Heer aus Legionären ein. Berufssoldat zu sein ist damals ein begehrter Job. Er bietet ein festes Einkommen, Aufstiegschancen und eine sichere Altersversorgung. Nach 25 Jahren erhält ein Legionär 14 Jahresgehälter und manchmal sogar noch ein Stück Land. Die soziale Sicherheit hat jedoch ihren Preis. Die meisten Männer leben bis zur Pensionierung dauerhaft fernab der Heimat. Viele Städte, die wir heute kennen, sind aus kleinen römischen Feldlagern entstanden.

Die Manager des Großreichs residieren in Rom. Eine extrem schlanke Zentralverwaltung bildet das Rückgrat des Imperiums. Nur ein paar hundert Männer herrschen über ein Fünftel der Menschheit. Dafür entwickeln die Römer einen straff organisierten Beamtenapparat mit fein abgestuften Hierarchien und Zuständigkeiten, aber auch mit ständig wachsenden Aktenbergen. Durch kluge Investitionen in das Sozialwesen und in imposante Spektakel gelingt es den Politikern langfristig, das Volk bei Laune zu halten. "Brot und Spiele" lautet die magische Formel. Jeder hat das Recht auf kostenloses Getreide und extravagante Unterhaltung. Highlight sind natürlich die Gladiatorenkämpfe im Kolosseum, die schon einmal vier Monate dauern können.

Lange haben Historiker gerätselt, warum das Römische Imperium mitten im schönsten Frieden dennoch kollabiert ist. Eine Vermutung lautet, dass allein die vielzitierte Dekadenz der Oberschicht schuld daran sei. Doch viele Forscher glauben inzwischen, dass die Barbaren den Untergang der Großmacht verursacht haben. Im 4. Jahrhundert nach Christus setzt die Völkerwanderung ein, und zigtausende Menschen drängen auf der Suche nach neuem Lebensraum ins Reich. Das Imperium gerät in vielerlei Hinsicht in Not und ist nicht mehr zu retten. Das Vermächtnis des Imperiums an die Nachwelt aber hat überlebt. Die Römer haben das Fundament für eine zivilisierte Welt gelegt und die Ausbreitung des Christentums maßgeblich befördert.

Folge 3: "Die Wikinger"

Sonntag, 23. März 2014, 19.30 Uhr

Terra X: Große Völker

Stab

Idee: Uwe Kersken
Regie: Cristina Trebbi
Buch: Susanne Utzt, Cristina Trebbi
Inszenierungen: Stephan Koester, Christian Twente
Kamera: Roland Breitschuh, Dieter Stürmer, Torbjörn Karvang
Ton: Axel Schmidt, Ralf Gromann
Ausstattung: Eva Bertlings
Kostümbild: Anna Brandt
Maske: Bettina Stähle, Claudia Lemmer
Schnitt: Fabian Wienke
Animationen: xkopp, polloq
Karten: Sebastian Martinez
Produktionsleitung: Nadine Klemens, Gruppe 5
Ausführender Produzent: Uwe Kersken
Redaktion: Claudia Moroni
Leitung der Sendung: Georg Graffe
Länge: ca. 43 Minuten

Eine Produktion der Gruppe 5 Filmproduktion GmbH im Auftrag des ZDF in Zusammenarbeit mit ZDF Enterprises.

Fachberater

Prof. Dr. Rudolf Simek, Fachbereich Skandinavische Sprachen und Literaturen, Universität Bonn

Experte

Dr. Alan Macniven, Fachbereich Scandinavian Studies, Universität Edinburgh
Prof. Dr. Rudolf Simek, Fachbereich Skandinavische Sprachen und Literaturen, Universität Bonn
Anders Brendstrup, The Viking Ship Museum, Roskilde
Søren Rasmussen, The Viking Ship Museum, Roskilde

Inhalt

Als wilde Horde aus dem Norden machen die Wikinger 739 nach Christus zum ersten Mal von sich reden. Der Blitzangriff auf das nordenglische Kloster Lindisfarne ist der Auftakt einer Reihe von Plünderungen, die Europa dauerhaft in Angst und Schrecken versetzen. Mancher Regent bezahlt den "Seekriegern" sogar eine Art Schutzgeld, nur damit sie nicht wiederkommen. Ihr Ruf als mordlüsterne Barbaren hält sich über viele Jahrhunderte. Dabei sind ihre Leistungen als mutige Entdecker, visionäre Händler und Begründer von Städten und Königreichen in Vergessenheit geraten. Doch es sind die Wikinger, die durch ihr Wirken den Verlauf der europäischen Geschichte im Mittelalter maßgeblich beeinflusst haben.

Die ursprüngliche Heimat der Wikinger ist Skandinavien, genauer gesagt Dänemark, Norwegen und Schweden. In erster Linie leben die Nordmänner von der Landwirtschaft und der Fischerei. Ihre Höfe liegen weit voneinander entfernt, Städte gibt es anfangs nicht. Auf Raubzug gehen die Wikinger zunächst nur in den Sommermonaten, den Rest des Jahres verbringen sie mit ihren Sippen am heimischen Herd. Die Gründe für die saisonalen Kaperfahrten sind nicht ganz eindeutig. Aber vieles deutet darauf hin, dass sich die Versorgungslage wegen der stetig steigenden Bevölkerungszahlen zunehmend verschlechtert hat. Deshalb sind die Raubzüge ein willkommener Nebenerwerb. Sie haben aber auch dazu gedient, neuen Siedlungsraum aufzutun. Ob aus Not oder purer Beutelust – als unerschrockene Entdecker stellen die Wikinger ihre Fähigkeiten unter Beweis. Und überall hinterlassen sie ihren historischen Fußabdruck.

Dazu gehören unter anderem Gebiete im heutigen Irland, England, in Frankreich oder auch in Deutschland. Doch schon früh steuern die Nordmänner immer weiter nordwärts. So erreichen sie Island. Obwohl die eisige Insel nur in den Ebenen und Tälern fruchtbaren Boden bietet, setzt schon bald eine große Einwanderungswelle ein. Auch Erik der Rote befindet sich unter den Emigranten. Als er aus Jähzorn zwei Morde begeht, wird er von der Insel verbannt. Die Zeit nutzt er, um im Atlantischen Ozean nach einer neuen Heimat zu suchen. Er findet sie auf Grönland – Grünland – wie Erik die Insel nennt. Sie bleibt bis Anfang des 15. Jahrhunderts fest in Wikingerhand. Die historisch spektakulärste Entdeckung aber macht Eriks Sohn Leif. Bereits 500 Jahre vor Christoph Kolumbus betritt er als erster Europäer im Norden Neufundlands amerikanischen Boden. Viel ist über den Namen Vinland – Weinland – gerätselt worden, den die Wikinger ihrer Entdeckung gaben. Weinreben haben die Männer dort nachweislich nicht gefunden, sondern Wiesen und Weiden. Trotz günstiger Bedingungen können sich die Wikinger dort nicht halten, die Eingeborenen schlagen sie irgendwann in die Flucht.

Ohne ihre Schiffe wäre die Geschichte der Wikinger ganz anders verlaufen. Sie sind legendär und haben dem Volk sogar ihren Namen gegeben: "Vikingr" bedeutet soviel wie "Krieger, die zur See fahren". Berühmtberüchtigt sind die Drachenschiffe, hochwandige Segler aus Eichenholz mit grellbunten Rahsegeln, spitz zulaufendem Bug und Heck sowie einem flachen Kiel. Sie kommen immer dann zum Einsatz, wenn die Berserker in kriegerischer Absicht über die Meere fahren. Für den Handel entwerfen die Wikinger die "Knorr". Sie ist zwar weniger schnell und wendig, kann dafür aber große Lasten transportieren. Der Schiffstyp wird noch Jahrhunderte nachgebaut – auch als die Wikinger als eigenständiges Volk schon nicht mehr existierten. Als Kaufleute machen sich die "Wilden aus dem Norden" rasch einen Namen. Vom Norden aus erschließen sie völlig neue Routen, die bis ins heutige Russland und in den Vorderen Orient führen. Mit Fellen, Bernstein, Waffen und vor allem Sklaven werden die Wikinger reich. Aus ihren Siedlungen werden blühende Städte, Geschäftspartner aus aller Herren Länder kommen ins Land. Eine der bekanntesten Handelsplätze ist Haithabu. Die Metropole gilt als erste mittelalterliche Stadt in Nordeuropa.

Die Gründe für das Ende der Wikingerzeit sind vielseitig. Einen erheblichen Beitrag leistet die Christianisierung in Skandinavien. Viele Heiden lassen sich bekehren. Denn anders als in ihrem Volksglauben verspricht die neue Religion jedem Menschen das Paradies. Die Missionierung führt zu einem Wandel der gesellschaftlichen wie politischen Struktur. Es gibt Könige und Staaten, die Krieger werden sesshaft und gehen nicht mehr auf Beutezug. Auch machen sich andere Völker die Kenntnisse der Wikinger zunutze und ihnen das Handelsmonopol abspenstig. Die Wikinger passen sich den neuen Verhältnissen in Europa an, gehen in anderen Völkern auf. So auch in der Normandie, die der dänische Wikingeranführer Rollo vom französischen König als Lehen erhält. Sein direkter Nachfahre, Wilhelm der Eroberer, ist es, der 1066 in der Schlacht bei Hastings die Engländer besiegt. So wird ein normannischer Wikinger König von England. Seine sozialen, politischen und rechtlichen Veränderungen bilden bis heute den Grundstein der britischen Monarchie.

Von der Pupille bis zur Unterhose neue Welten entstehen lassen

Interview mit xkopp creative, verantwortlich für die Comics in dem "Terra X"-Dreiteiler "Große Völker"

Sie haben die Comics für den den ZDF Dreiteiler "Terra X: Große Völker" entwickelt. Was macht einen guten Comic aus?

Naja, streng genommen haben wir kleine Zeichentrickfilme im Comicstil entwickelt. Ein guter Comic sollte unserer Auffassung nach unterhaltsam und in seiner Darstellung interessant und ansprechend gestaltet sein. Es gibt Comics, die von Texten und andere, die eher von den Bildern leben. Komischerweise ist selten beides gut – obwohl, einige wundervolle Beispiele gibt es schon. Meistens sind das aber eher Graphic Novels oder sehr experimentelle Comics.

Welche Arbeitsschritte gibt es bei der Entwicklung von Comicfilmen und wie aufwändig sind diese?

Eine Zeichentrickanimation ist immer recht aufwendig und zeitintensiv. Dafür können wir aber auch sämtliche Details selbst erfinden. Von der Pupille bis zur Unterhose können wir ganz neue Welten entstehen lassen. Um effektiv arbeiten zu können, haben wir für die "Großen Völker" eine Kombination aus klassischem Zeichentrick und computerunterstützter Animation entwickelt. Der analoge Look war uns von Anfang an sehr wichtig. Nachdem wir den grundsätzlichen Stil in den ersten Styleframes festgehalten hatten, sind wir die Zeichentrickpassagen der Drehbücher Schritt für Schritt durchgegangen und haben die Anzahl der Charaktere und die Szenerie für jeden Comic festgelegt. Eine besondere Herausforderung war es, aus Zeit- und Kostengründen die einzelnen Szenen mit möglichst wenigen Charakteren visuell und inhaltlich ansprechend zu erzählen. In einem zweiten Schritt haben wir die einzelnen Szenen grob vorgezeichnet. Aus diesen sogenannten "Scribbles" wurden dann erste "Animatics" erstellt. Ein "Animatic" ist ein animiertes Storyboard, in dem die Längen der Szenen und das grundsätzliche Timing mit Hilfe des Sprechertextes festgelegt werden. Nach der Erstellung der "Animatics" folgt die eigentliche Animation. Den Zeichnungen wird nun in den sogenannten "Line Tests" Leben eingehaucht. Ein "Line Test" ist der erste Schritt der Phasenanimation. Die Bewegungen der Charaktere wird mit einer groben Phasenanimation getestet. Wenn das Timing stimmt, folgt als nächster Schritt, das "Clean up". Im "Clean up" werden die "Line Tests" nun fein gezeichnet und final animiert. Bei einer Phasenanimation werden zum Teil 25 Bilder pro Sekunde gezeichnet, damit eine flüssige Bewegung entstehen kann. Im abschließenden Schritt wurden alle Animationen und Hintergründe koloriert, schattiert und im "Compositing" zusammengesetzt. Jetzt entsteht eigentlich erst der richtige Film. Kamerabewegungen werden hinzugefügt und die finale Stimmung entsteht nach und nach.

Was war das Besondere an der Herstellung dieser Comics für eine dokumentarische Filmreihe?

Mit einem knappen Budget auszukommen und das xkopp Team aus Illustratoren und Animatoren bei Laune zu halten. Nee, ernsthaft, für uns ist es eine interessante Aufgabe, Inhalte verständlich und erklärend darzustellen, ohne dabei zu pädagogisch zu werden. Uns ist es wichtig zu unterhalten. Daher werden die Comics über die historischen Vorgaben hinweg oft ein wenig übertrieben und klischeehaft dargestellt. Obwohl, bei den Wikingern sind wir uns gar nicht so sicher, ob das wirklich nur Klischees sind.

War es schwierig, Persönlichkeiten wie zum Beispiel Götter oder historische Figuren, von denen keine Bilder existieren, aber jeder eine ziemlich genaue Vorstellung hat, zu zeichnen?

Nein eigentlich nicht. Wir hatten großen Spaß daran, beispielsweise die zeitgenössischen Darstellungen von Homer in einem Comic zu interpretieren. Auch bei der Entwicklung der griechischen Götter und der Wikinger haben wir viel gelacht. Hier hatten wir das Gefühl, am ehesten die Darstellungen stark überhöhen zu können. Das wichtigste war, allgemein vorhandene Vorstellungen und Klischees eher zu bedienen - obwohl wir schon sehr darauf geachtet haben dass die Wikinger keine Hörner am Helm haben. Schade eigentlich.

Die Fragen stellten Cristina Trebbi und Magda Huthmann

Fotos sind erhältlich über die ZDF-Pressestelle, Telefon: 06131 – 70-16100, und unter bilderdienst.zdf.de/presse/terrax

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