Terra X: Wem gehört die Welt? – Eine Geschichte des Reichtums

Dreiteilige Dokumentationsreihe mit Dirk Steffens

Das Streben nach Wohlstand hat den Lauf der Welt schon immer bestimmt: Es löste Revolutionen, technische Innovationen und Kriege aus, schuf aber auch Sozialsysteme, Kunst und Literatur. Heute gibt es zwar weniger Armut als früher, die Schere zwischen Arm und Reich scheint aber immer weiter auseinanderzuklaffen. Im "Terra X"-Dreiteiler geht Dirk Steffens den großen Fragen rund um Besitz nach – von der Frühzeit des Menschen bis heute. Alle drei Dokumentationen sind auch im "3satThema: Wem gehört die Welt?" zu sehen, ergänzt durch zwei Talkrunden mit Gert Scobel und seinen Gästen, darunter der Ökonom und Psychiater Stefan Brunnhuber.

  • ZDF, ab 23. Mai 2021, dreimal sonntags, 19.30 Uhr
  • ZDF Mediathek, ab Mittwoch, 19. Mai 2021, alle drei Folgen vorab
  • 3sat, Donnerstag, 20. Mai 2021, ab 20.15 Uhr, 3satThema

Texte

Vorwort von Friederike Haedecke, Redaktionsleiterin "Terra X"

"Wem gehört die Welt? Eine Geschichte des Reichtums"
Vom Fluch und Segen des Strebens nach Mehr 

Jeff Bezos, Elon Musk oder Bill Gates – sie sind die Reichen, die Superreichen und diejenigen, für die selbst diese Ausdrücke nicht mehr groß genug sind. 42 Milliardäre besitzen nach einer Studie von 2018 soviel wie die Hälfte der Weltbevölkerung. Anders ausgedrückt: Dem reichsten Prozent der Weltbevölkerung gehören 90 Prozent des Besitzes der Welt. Eine absurd erscheinende Ungleichverteilung ist es, die die moderne Welt auszeichnet. Aber war es je anders? Dieser Frage geht der neue "Terra X"-Dreiteiler mit Dirk Steffens nach. Wer waren zu früheren Zeiten diejenigen, denen die Welt gehörte, und wer die Habenichtse? Warum zählte man zur einen oder zu anderen Gruppe, und welche Möglichkeiten hatte man, das zu ändern? Wie stets bei "Terra X" schlagen wir den großen Bogen – von den Jägern und Sammlern und den ersten Ackerbauern über die Fürsten und Banker des Mittelalters bis zu den Aktionären und Hedgefonds der Neuzeit. 

Die schillerndsten Geschichten boten zu allen Zeiten diejenigen, deren Reichtum sagenhaft war. Mancher Name ist sprichwörtlich geworden. Wie der von Kroisos, dem König Lydiens aus dem 6. Jahrhundert vor Christus, der unter dem Namen "Krösus" heute für enormen Wohlstand steht. Wohl weniger, weil er wirklich das größte Vermögen seiner Zeit besaß, sondern vielmehr, weil er der erste war, der Münzen als Zahlungsmittel schlagen ließ. Oder Jakob Fugger, der nicht von ungefähr den Beinamen "der Reiche" trägt. Zu denen, deren Namen eher in Vergessenheit gerieten, gehört Mansa Musa, der König von Mali aus dem 14. Jahrhundert, der Schätzungen zufolge womöglich der reichste Mensch aller Zeiten war.

Das Interesse an den Geschichten der Reichen ist seit jeher groß – von der Bibel bis zur Bild-Zeitung. Doch der Umgang mit enormen Vermögen blieb stets ambivalent. Schon das Neue Testament urteilt hart: Eher gehe ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher ins Himmelreich käme, heißt es da. Spenden, Mäzenatentum und Stiftungen – die Jahrhunderte durchziehen die verschiedenen Formen der Wohltätigkeit, mit der Vermögende der unausweichlich scheinenden Strafe für den Reichtum entkommen, ihr Gewissen erleichtern oder auch einfach für mehr Gerechtigkeit sorgen wollten. Gemälde, die schönsten Bauten der Welt und wunderbare Kompositionen wären nie entstanden, hätte nicht jemand beschlossen, einen Teil seines beträchtlichen Vermögens dafür herzugeben. Und der Name des edlen Spenders ging stets positiver in die Geschichte ein als der des Knauserers.

Wo hat das alles seinen Anfang genommen? Und ist das Streben des Menschen nach "mehr" eine historische Unausweichlichkeit, ein Naturgesetz gar?

Am Anfang hatten alle alles. Jäger und Sammler durchstreiften die Landschaften – soweit bekannt ist, ohne nennenswerten Privatbesitz. Das änderte sich mit der neolithischen Revolution. Denn mit der Sesshaftwerdung der Menschen ab etwa 10.000 vor Christus gab es den ersten Zaun; und mit dem ersten Zaun den ersten Streit. Die uralte Geschichte von Kain und Abel spiegelt das wider, was sich für die nächsten Jahrtausende wiederholen wird: Der eine versucht, dem anderen zu nehmen, was er selbst haben will. Durch List und Tücke, durch Gewalt – oder aber zunehmend auch durch unternehmerisches Geschick und Einfallsreichtum. Denn wer produzieren kann, was andere möchten, hat einen – zumindest theoretisch – friedlichen Weg, den eigenen Wohlstand zu mehren. Die ersten großen Reiche, die entstehen, sind auch diejenigen, die Handel treiben können. Sie wachsen mit und durch die Güter, die sie in andere Länder transportieren. Zahlungsmittel entstehen und ermöglichen den indirekten Austausch. Denn nun muss man nicht mehr eine Ware direkt gegen eine andere gleichwertige aufwiegen, sondern besitzt in Form von Muscheln, Schneckenhäusern, Münzen oder was sonst noch als Geld verwendet wurde, ein universelles und unverderbliches Tauschmittel. Je komplexer die Gemeinwesen werden, um so differenzierter wird auch die Entstehung und der Verlust von Besitz. Und es bildet sich eine Allianz, die von da an die Geschicke der Welt bestimmt: die von Wohlstand und politischer Macht. Als untrennbare Geschwister eilen Reichtum und Amt von Jahrhundert zu Jahrhundert. Wer reich ist, bestimmt in aller Regel über die Geschicke seiner Umgebung. Oder umgekehrt: Derjenige, dem Macht gegeben wird, hat dadurch Wege, binnen kurzer Frist reich zu werden.

So entstehen Biografien wie die des Kaisers Augustus und vieler seiner Nachfolger auf dem römischen Kaiserthron. Im alten Ägypten vertraut man auf die Legitimation der Götter, die die Rechtfertigung sind, von der Arbeit und den Abgaben des Volkes zu leben – und zwar so gut, dass man sogar noch sein Leben nach dem Tode opulent ausstatten kann. Jede Gesellschaft hat ihre eigenen Mechanismen, zwischen "haben" und "nicht haben" zu unterscheiden, und die jeweiligen Prinzipien halten teilweise enorm lange. So bestimmt die Frage nach der Zughörigkeit zum Adel über Jahrhunderte das Leben in Europa. Schon die Wiege entscheidet also darüber, ob man Herr oder Knecht ist. Und nur ganz langsam rückt Anderes in den Vordergrund: die eigene Findigkeit, wie sie die Fugger mit ihren Unternehmungen unter Beweis stellten. Die Geistesblitze, die die Unternehmer der Neuzeit hervorbringen. Und es entsteht der Gedanke des sozialen Miteinanders, in dem der Staat, und damit alle, dafür zu sorgen haben, dass die Schwächeren nicht durchs Raster fallen und zumindest ihre Grundsicherung garantiert ist. Selbstredend ist dieser Idealzustand heute nicht ansatzweise überall auf der Welt erreicht. Doch tatsächlich ist der Wohlstand der Menschen weltweit im letzten Jahrhundert gestiegen. Bemessungsgrundlage ist hier die Anzahl derer, die in der Lage sind, ihr Überleben aus eigener Kraft zu sichern. Doch die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander.

Allzu schnell ist man versucht, das Streben nach dem "schnöden Mammon" zu verurteilen. Gegenströmungen, die es zu vielen Zeiten gab, wie beispielsweise die mittelalterlichen Bettelmönchsorden, sind die Sympathieträger der Erinnerung. Eine aktuelle Heldin in diesem Kontext ist McKenzie Scott. Die Exfrau des Amazon-Milliardärs Jeff Bezos verschenkt die Milliarden aus ihrer Scheidung sukzessive, so lange, bis der Safe leer ist. Aber steckt in dem Wunsch nach "mehr" nicht auch ein dauerhafter Antrieb, der die Welt entwickelt hat? Der drängende Wille, genauso viel oder sogar noch mehr als der Nächste zu haben, motiviert Menschen und spornt sie zu Höchstleistungen an. Wo dieser Motor fehlt, drohen Stillstand und Lethargie – wie die verschiedenen Ausprägungen des Kommunismus zeigten.

Mit Dirk Steffens moderiert unsere Reihe ein Mann, der nahezu jedes Land der Welt bereist und die unterschiedlichen Ausprägungen von Armut und Reichtum gesehen hat. Als passionierter Arten- und Umweltschützer steht er auch für die wichtige Erkenntnis, dass das das Streben aller nach Mehr längst an natürliche Schranken stößt. "Die Grenzen des Wachstums", so der Club of Rome vor nunmehr fast 50 Jahren, sind längst erreicht. Doch erst heute scheinen neue Parameter aufzutauchen, die den Wohlstand der Menschheit bemessen.

"Wem gehört die Welt?" – so der Titel des "Terra X"- Dreiteilers. Die Historie hinter dieser Frage ist voller Entwicklungen, Irrungen und Erstaunlichkeiten. Sie zeigt das Streben nach Wohlstand als Ausdruck von Egoismus, als Auslöser von Kriegen und Unterdrückung. Aber auch als Motor von Innovationen und den ständigen Antrieb, den die Menschheit benötigte, um sich weiterzuentwickeln. 

Friederike Haedecke, Redaktionsleiterin "Terra X"

Sendedatum, Stab

3sat: Donnerstag, 20. Mai 2021, ab 20.15 Uhr, alle drei Folgen am Stück mit jeweils 15 Minuten Talk zwischen den einzelnen Teilen

ZDF: ab 23. Mai 2021, dreimal sonntags, jeweils 19.30 Uhr

"Terra X: Wem gehört die Welt? – Eine Geschichte des Reichtums"
Dreiteilige Dokumentationsreihe mit Dirk Steffens

Buch: Martin Carazo Mendez, Birgit Tanner, Christian Twente                                        

Regie: Christian Twente, Christian Zipfel, Leonard Claus, Sarah Vianey

Regieassistenz: Stefan Nickel, Zornista Tsvetanova

Moderation: Dirk Steffens

Kamera: Fabian Spuck, Torbjörn Karvang, Achim Seck, Jakob Rühl

Kameraassistenz: Sebastian Ehrig, Marvin Zimmermann, Peter Trinks, Maike Simon

Ton: Elias Lindermann, Atanas Peichev                             

Oberbeleuchter: Uli Klotz, Kiril Velichkov

Szenenbild: Peter Enterlein, Axel Nicolet   

Requisite: Marc Wadewitz

Kostümbild: Ina Damyanova                                  

Maske: Ina Charanza, Mariana Mihaylova

Schnitt: Fabian Reisch, Rafal Bujoczek, Jennifer Naß

CGI: Jörg Faber-Courtial, Philipp Clermont, Julian Balducci, Alexandra Hamann, Igor Shin Moromisato

Musik: Paul Rabiger 

Line Producer Bulgarien: Gabriel Georgiev          

Produktionsleitung Bulgarien: Valentin Kolev

Redaktionelle Mitarbeit ZDF: Claudia Friese

Archivrecherche: Solveig Hansen

Aufnahmeleitung: Christopher Albrodt

Produktionsleitung Gruppe 5: Sabine Eisner                                                      

Produktionsleitung ZDF: Claudia Comprix, Cora Szielasko-Schulz

Produzent: Alexander Hesse

Redaktion ZDF: Georg Graffe, Friederike Haedecke, Ricarda Schlosshan

Länge: jeweils 43'30''

Folge 1: Vom Acker zum Imperium 

3sat: Donnerstag, 20. Mai 2021, 20.15 Uhr
ZDF: Sonntag, 23. Mai 2021, 19.30 Uhr

 

Mit der Sesshaftwerdung des Menschen beginnt die Geschichte von Besitz und Reichtum. Dicht gefolgt von Ungleichheit und Gewalt. Eigentum wird zur Basis früher Zivilisationen und Imperien – wie dem Römischen Reich. Dirk Steffens blickt zurück in die Zeit, in der die Geschichte von Arm und Reich ihren Anfang nahm.

Viele der Errungenschaften von damals gelten bis heute. Römisches Recht, das den Unterschied zwischen Gemein- und Privatbesitz regelt, oder Geld als Zahlungsmittel bestimmen unser Leben. Auch die Frage, ob Geld glücklich macht, stellte sich schon Krösus, der reiche Herrscher Lydiens. Eine Studie besagt: Das Glück der Deutschen steigt nur bis zu einem Jahresgehalt von 60.000 bis 70.000 Euro – darüber hinaus nimmt es nicht mehr zu. Heute gilt es als erstrebenswert, möglichst viel Eigentum anzuhäufen. Besaß der Durchschnittsdeutsche vor 100 Jahren nur rund 180 Gegenstände, sind es heute 10.000. Ohne die Kauflust des modernen Menschen wäre Jeff Bezos, der Gründer von Amazon, nicht einer der reichsten Männer der Welt geworden. 

Für ein Leben als Jäger und Sammler sind viele Besitztümer eher hinderlich. Mit der neolithischen Revolution änderte sich das: Der Mensch wurde sesshaft, Äcker, Häuser, Vieh und Vorräte wurden Eigentum, das für die Existenz von Bedeutung war. Auf fruchtbaren Böden entstanden frühe Hochkulturen, die Wegbereiter für Bildung und Wissenschaft wurden. Die ersten Zahlungsmittel entstanden, seien es Muscheln oder Stockfische. Seit Krösus, der die ersten genormten Münzen prägen ließ, regiert Geld die Welt. Was Geld letztlich wert ist, beruht auf einer Übereinkunft der Menschen. Weil es selten, aber leicht zu verarbeiten ist, nutzen Menschen seit 7.000 Jahren Gold als Zahlungsmittel. Bis in die 1970er Jahre waren Leitwährungen wie der US-Dollar durch Gold und Silber gedeckt. Abgeschafft wurde die Goldbindung, weil der Geldbedarf größer ist als die Goldreserven: Die gesamten globalen Goldvorräte füllen gerade mal drei olympische Schwimmbecken. Heute bestimmen Zentralbanken, wie viel Geld kursiert. Und seit es zunehmend virtuell im Umlauf ist, ist Geld immer abstrakter geworden. Kein Wunder, dass viele Deutsche bis heute 13 Milliarden der guten alten D-Mark horten: Geld ist eine Vertrauensfrage.

Mit dem Eigentum entwickelten sich auch Rechtsprechung und Mathematik, denn Besitz musste verteilt und Steuern sollten berechnet werden. Vom Kodex des babylonischen Herrschers Hammurapi bis zum römischen Recht wurden Straftaten und Eigentumsdelikte streng geahndet – früher mit schweren körperlichen Strafen, später mit teils empfindlichen Geldbußen. Man könnte auch sagen: ohne Eigentum keine Schrift. Die ältesten Schriftstücke der Menschheit enthalten keine Literatur, sondern dienen der Buchführung, wie eine über 4000 Jahre alte Tontafel aus der sumerischen Stadt Lagasch beweist. Bis heute gilt: Wissen ist Macht. Die Alphabetisierung ist ein wichtiger Indikator für die Entwicklung eines Landes. Immerhin ist in den vergangenen 200 Jahren der weltweite Anteil von Menschen, die lesen und schreiben können, von zwölf Prozent auf fast 90 Prozent gestiegen.

Ein früher Global Player ist das Imperium Romanum, eines der bekanntesten und größten Weltreiche der Antike. Schon im ersten Jahrhundert blühte der Welthandel mit Verbindungen bis nach China. Mit einem geschätzten Vermögen von 3,7 Billionen Euro zählt Kaiser Augustus bis heute zu den reichsten Menschen der Geschichte. Zugleich gilt das alte Rom als eine der Wiegen der Zivilisation, in der Eigentumsfragen per Gesetz geregelt werden. Allerdings wurden im römischen Reich auch Menschen zu Besitz. Sklaven waren Arbeitskräfte und Statussymbol. Obwohl Sklaverei weltweit verboten ist, gibt es bis heute eine moderne Form davon. Das können Fließbandarbeiter in den Fabriken der Handyzulieferer sein oder osteuropäische "Billiglöhner" auf der Baustelle nebenan. Aktuelle Schätzungen gehen von bis zu 40 Millionen "moderner Sklaven" aus.

Wer reich ist, stellt es gerne zur Schau. Auch die ägyptischen Pyramiden waren vor allem Statussymbole. Neid und Gewalt müssen schon früh in die Gesellschaften Einzug gehalten haben, wie die Geschichte von Kain und Abel beweist. Fruchtbares Land wird zum kostbaren Gut, immer häufiger kommt es zu blutigen Kriegen. Davon zeugen Knochenfunde aus einem steinzeitlichen Massengrab in Halberstadt oder die Schlacht in Megiddo vor 3000 Jahren, eine der ältesten Schlachten der Geschichte.

Mit Besitz und Reichtum kam auch die Ungleichheit in die Welt. War es für die Menschen im Alten Ägypten in Ordnung, dass die Pharaonen unermesslich reich waren, die meisten Arbeiter aber nicht? Wie haben die Römer ihre Bürger von Revolten und Aufständen gegen die Ungleichheit abgehalten? Bis heute haben die Menschen ein ausgeprägtes Gefühl für Fairness, wie das "Ultimatum-Spiel", ein psychosoziales Experiment, beweist. "Gesellschaften behaupten, dass soziale Ungleichheit ein unvermeidbarer Teil sozialen Fortschritts ist", sagt die britische Sozialhistorikerin Kate Williams, "aber das ist einfach nicht wahr. Gesellschaften, die nicht erkennen, dass Menschen vor allem deshalb arbeiten, um sozialer Ungleichheit zu entkommen, brechen auseinander."

Folge 2: Von Fürsten und Kaufleuten

3sat: Donnerstag, 20. Mai 2021, 21.15 Uhr
ZDF: Sonntag, 30. Mai 2021, 19.30 Uhr

 

In der zweiten Folge forscht Dirk Steffens nach den Ursachen, die den rasanten wirtschaftlichen Aufstieg Europas seit dem Mittelalter möglich machten. Treibende Kraft ist zunächst der Adel. Könige bezahlen Gefolgschaft und Kriegsdienst von Adeligen mit der Vergabe von Land, zu dem im Mittelalter auch Dörfer, Siedlungen und die Menschen gehören, die darin leben. Daraus entstehen schon damals gewaltige Vermögen. So weist die älteste Steuerliste der Welt, das englische "Domesday Book", den bretonischen Adligen Alain den Roten als stolzen Besitzer von 11.000 Pfund aus – nach heutigem Wert etwa 103 Milliarden Euro. 

Am unteren Ende der Gesellschaftsleiter stehen damals die Bauern. Sie müssen zwischen 30 und 40 Prozent ihrer Erträge an die Grundbesitzer abführen. Darüber hinaus muss der Bauer auch Frondienste leisten, also an einer Reihe von Tagen im Jahr unentgeltlich auf den Adelsgütern arbeiten. In fast jedem Dorf gibt es aber auch die "Allmende", Grund und Boden, auf dem die Bauern gemeinschaftlich Erträge erwirtschaften und behalten können. Wirtschaftswissenschaftler haben den Begriff von der "Tragik der Allmende" geprägt. Denn Gemeinschaftseigentum, wie heutzutage etwa die Hochsee, leidet darunter, dass es immer Menschen gibt, die versuchen, den größten Eigennutzen daraus zu ziehen – zum Nachteil der Allgemeinheit.

Die mittelalterliche Ständeordnung gründet letztlich auf den Zufall der Geburt. Wer sich heutzutage darüber empört, kommt aber ins Grübeln, wenn die Frage nach der gerechten Besteuerung eines Erbes gestellt wird. Denn auch das Erbe fällt einer Person zufällig zu. Noch immer wird in Deutschland Arbeit höher besteuert als ein Erbe. Ist das gerecht? Verhaltensexperimente demonstrieren eindrucksvoll einen psychologischen Mechanismus, der bei Erben greift: Sie halten es nach kurzer Zeit für "verdient".

Mit dem zunehmenden Warenverkehr und der Ausweitung der Geldwirtschaft im späten Mittelalter werden Kaufleute zum Motor der ökonomischen Entwicklung. Manche der oft neidisch als "Pfeffersäcke" bezeichneten Vertreter ihrer Zunft können es an Reichtum schon bald mit Adelsdynastien aufnehmen, wie etwa die Familie Fugger aus Augsburg. Sie versorgen Kollegen auf Kredit mit Baumwolle und Flachs und sichern sich dadurch Anteile an den fertigen Tuchen, die sie mit Gewinn verkaufen. Damit kommt ein entscheidendes Element ins Spiel, das bis heute die Weltwirtschaft beherrscht: das Kapital. Auch der Zahlungsverkehr erfährt unter den Fuggern eine Neuerung: Man kann ihn bereits bargeldlos abwickeln. Ein großer Fortschritt in Zeiten, in denen noch Räuberbanden und Piraten den Kaufleuten auflauern. Dank der Fugger wird das beschauliche Augsburg im ausgehenden Mittelalter zu einem Zentrum des europäischen Wirtschaftslebens: Die Fugger betätigen sich als Bank für Päpste, Kaiser und Könige, besitzen zeitweilig das römische Münzrecht und handeln mit unterschiedlichen Gütern von Kupfer bis Nachrichten – über Kontinente hinweg. Ein Spross der Familie, Jacob Fugger, genannt "der Reiche", besitzt am Ende ein Vermögen von umgerechnet 400 Milliarden Euro, und nimmt damit einen Spitzenplatz im Ranking der Superreichen aller Zeiten ein.

In der frühen Neuzeit wird Geld zum dominierenden Faktor im Wirtschaftsleben, und ist schon damals mit denselben Problemen behaftet wie heute. Seit Spanier und Portugiesen aus ihren Kolonien in Mittel- und Südamerika Silber in Hülle und Fülle nach Europa importierten – bis zu 220 Tonnen im Jahr – wird der europäische Markt mit billigem Geld überschwemmt. Damals tritt ein gefürchtetes Phänomen zum ersten Mal in großem Ausmaß auf: die Inflation. Sie entsteht dadurch, dass die Gesamtmenge aller Waren im Vergleich zur Geldmenge zu gering ist. Dadurch verliert das Geld an Wert. Das zu vermeiden, ist bis heute eine der wichtigen Aufgaben der Zentralbanken.

In Bezug auf die Wirtschaftskraft stand Europa noch bis in die frühe Neuzeit im Schatten von China. Das lag an der Größe des Landes, der hohen Bevölkerungszahl, einer hoch entwickelten Kultur und nicht zuletzt an einer leistungsfähigen Bürokratie. China war lange Zeit ein Innovationsgigant: Schwarzpulver, Papier, Kompass – das alles war in China schon lange erfunden, bevor es die Europäer kannten. Auch die Landwirtschaft war im 12. Jahrhundert bereits so produktiv wie es die europäische erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts war. 

Doch seit dem 16. Jahrhundert ändern sich die Kräfteverhältnisse. Ausgerechnet das kleine Europa läuft anderen Kontinenten den Rang ab. Woran lag das? Durch Reichtum allein entsteht kein Wachstum oder Fortschritt. Das Geheimnis der europäischen Erfolgsgeschichte ist die Konkurrenz. Geografisch zergliedert und voll ambitionierter Herrscher über vergleichsweise kleine Länder entwickelt sich in Europa eine Dynamik des Wettbewerbs, die in kühne Expeditionen und technische Revolutionen mündet. Mit Geld und königlichen Privilegien ausgestattete Abenteurer machen sich auf den Weg und erobern mit einer Handvoll Soldaten halbe Kontinente, während geniale Zeitgenossen zuhause beginnen, der Natur ihre Geheimnisse zu entlocken. 

Alle diese Entwicklungen sind noch Leistungen einer Gesellschaft, in der eine kleine Kaste von Privilegierten, Adel und Klerus die Geschicke von Millionen bestimmen. Das ändert sich Ende des 18. Jahrhunderts, zunächst mit der Unabhängigkeitserklärung der USA und dann durch die Französische Revolution. Eigentum und Besitz, Reichtum und Wohlstand sollen keine Frage der Abstammung mehr sein, sondern eine Frage der Leistung. Ein jeder hat das Recht auf das "Streben nach Glück", wie es in der amerikanischen Verfassung heißt. Die dadurch geschaffenen bürgerlichen Freiheiten aber setzen eine Entwicklung in Gang, die alle vorherigen weit in den Schatten stellen wird: Die vielen innovativen Talente, die sich jetzt freier entfalten können, und das Kapital der alten Eliten wie in England münden in den Prozess der Industrialisierung. Sie verändert nicht nur Eigentumsverhältnisse, sondern letztendlich das Gesicht der Erde dauerhaft.

Folge 3: Von der Macht des Marktes

3sat: Donnerstag, 20. Mai 2021, 22.10 Uhr
ZDF: Sonntag, 6. Juni 2021, 19.30 Uhr

 

Der Siegeszug des Kapitalismus, der die Welt bis heute im Griff hat, begann in England. Auf seinem Höhepunkt dominierte das British Empire rund ein Viertel der Erde und der Weltbevölkerung. Treibende Kraft der britischen Welteroberung waren nicht die Regierungen, sondern Unternehmen. Allen voran die "British East India Company". Sie ist der Prototyp einer neuen Unternehmensform, die heute die Wirtschaft beherrscht: die Aktiengesellschaft. Das Erfolgsgeheimnis der Aktiengesellschaft ist die Verteilung der Geschäftsrisiken auf viele Schultern und die Möglichkeit, Kapital für Investitionen einzusammeln. Eine Variante dieser Geschäftsidee stellen heutzutage Investmentfonds wie zum Beispiel die amerikanische Firma Blackrock dar. Sie verwaltet ein Vermögen von über sieben Billionen Dollar. Über globale Unternehmensbeteiligungen hat sie mehr Einfluss auf die Wirtschaft als manche Regierung – ein "heimlicher Herrscher", wie einst die Britische Ostindienkompanie. 

Marktwirtschaft und freier Handel sind relativ moderne Ideen. Erst im ausgehenden 18. Jahrhundert kommt der Schotte Adam Smith auf den damals revolutionären Gedanken, dass nur ein freier Markt Wohlstand für viele sichern und steigern könne. Grundlage dafür ist eine natürliche, wenn auch keine besonders sympathische Anlage des Menschen: sein Streben nach Eigennutz. Aber wenn jeder innerhalb gesetzter Grenzen seinen Eigennutz verfolgt, dient das am Ende der Gesellschaft als ganzer, so die zentrale Botschaft in Adam Smiths "Der Wohlstand der Nationen" (1776).

Diese Idee fällt in eine Zeit, in der der Siegeszug der Dampfmaschine beginnt. In Großbritannien hält sie zunächst in der Textilindustrie Einzug, danach folgen Lokomotiven. Die Eisenbahn wird zur wichtigsten Triebkraft der Industrialisierung. Der dadurch geweckte Hunger nach Kohle und Stahl befeuert ein nie dagewesenes Wachstum von Bevölkerung, Städten und Wirtschaft. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts beginnen die USA mit dem Bau transkontinentaler Bahnlinien. Mit seiner "Central Pacific Railroad Company" wird der für rüde Methoden bekannte Leland Stanford zu einem reichen Mann. Sein Vermögen steckt er unter anderem in die Gründung einer Universität, der Stanford University. Denn der Selfmademan weiß, dass die wichtigste aller Ressourcen die menschliche Kreativität ist und gefördert werden muss. Ein Jahrhundert später wird der Campus in Kalifornien zur Keimzelle der nächsten technologischen Revolution: Die im Umfeld der Universität angesiedelten Unternehmen wie Intel, Apple, Facebook, Google und dergleichen sind die Nachfolger der innovativen und risikobereiten Stahl- und Eisenbahngiganten früherer Zeiten. Und ihre Gründer zählen heute zu den reichsten Menschen der Welt.

Auch der Hunger nach Rohstoffen hat immer schon Milliardäre hervorgebracht, wie John D. Rockefeller, der mit einem Vermögen von 350 Milliarden Dollar einer der wohlhabendsten Männer der Geschichte ist. Er verdankt seinen Reichtum dem "schwarzen Gold". Bis heute deckt Öl 40 Prozent des weltweiten Primärenergiebedarfs. Das soll sich in Zukunft zwar ändern, aber die alternative Elektromobilität eröffnet einen neuen Wettlauf um Rohstoffe wie etwa Kobalt, einer der wichtigsten Bestandteile von Batterien. Sein Preis hat sich binnen weniger Jahre verdreifacht. Da die größten Vorkommen im Kongo liegen, ist unter Investoren ein neuer "Wettlauf um Afrika" entbrannt. Der Kontinent, der jahrhundertelang von Europäern ausgebeutet wurde, ist bis heute das weltweite Schlusslicht der ökonomischen Entwicklung. Dort ist Armut – wie auch in vielen anderen Weltgegenden – eine Generationen übergreifende Erfahrung. Aktuell jedenfalls verfügen die sieben führenden Wirtschaftsnationen über 90 Prozent der globalen Ressourcen, obwohl in ihnen nur zehn Prozent der Weltbevölkerung leben. 

Berühmtester und schärfster Kritiker der kapitalistischen Wirtschaftsordnung ist bis heute Karl Marx. Für ihn ist die menschliche Geschichte ausschließlich durch unterschiedliche "Produktionsverhältnisse" und die damit fast immer verbundene ungerechte Verteilung von Wohlstand bestimmt. In seiner Zeit sind es die Proletarier, die weitgehend rechtlosen Fabrikarbeiter, die den Reichtum der Fabrikbesitzer mehren und selbst im Elend leben. Anders als Adam Smith ist Marx der Meinung, dass Privateigentum keinen Wohlstand für alle schafft, sondern die sozialen Gegensätze im Gegenteil noch verschärft. Seine Lösung: die klassenlose Gesellschaft, in der Privateigentum weitgehend abgeschafft ist. Doch die politische Umsetzung seiner Ideen ist fast überall auf der Welt gescheitert, und der Kapitalismus als einzige dominierende Wirtschaftsform übriggeblieben. 

Zweifellos kann die freie Marktwirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg in den westlichen Industriestaaten auf eine beispiellose Erfolgsgeschichte zurückblicken. Sie hat eine Mittelschichtsgesellschaft geschaffen, in der erstmals die Mehrheit der Bevölkerung auch über einen Großteil des Vermögens verfügt. Doch inzwischen gibt es immer mehr Anzeichen dafür, dass der Zenit dieser Erfolgsgeschichte überschritten ist: Die Schere zwischen Arm und Reich nimmt wieder zu. Verdienten US-Chefs 1980 im Schnitt rund 30 Mal mehr als ihre Angestellten, liegt ihr mittleres Einkommen heute rund 300 Mal höher. Wenn Menschen die Gelegenheit haben, sich zu bereichern, sinkt bei den meisten nachweisbar die Moral. Das zeigen vielfältige verhaltenspsychologische Tests. Die Finanzmärkte, die mehr und mehr von der Realwirtschaft entkoppelt sind, verstärken nicht nur die Schere zwischen Arm und Reich, sie erschüttern durch ihre zyklischen Krisen auch das Vertrauen in die Marktwirtschaft insgesamt. Auch das Problem der ungleichen Bezahlung von Männern und Frauen ist nach wie vor ungelöst, woran jährlich der "Equal Pay Day erinnert – jenes Datum, bis zu dem Frauen arbeiten müssten, um auf das Einkommen der Männer im Vorjahr zu kommen.

Nicht nur die Erderwärmung stellt die auf Wachstum basierende Ökonomie in Frage. 2020 bringt das Coronavirus große Teile des Wirtschaftslebens in wenigen Wochen zum Stillstand. Das Virus führt vor Augen, wie anfällig das System ist. Ist der Kapitalismus am Ende? Die Bilanz, die Dirk Steffens am Ende der Sendereihe zieht, fällt zwiespältig aus. Insgesamt haben Armut und Rückständigkeit auf der Welt während der letzten Jahrzehnte ständig abgenommen. Das ist ein Fortschritt. Aber: Der Reichtum der Reichen wächst schneller, als die Armut der Armen abnimmt. Das zu ändern wird eine der großen Herausforderungen für die Politik der kommenden Jahrzehnte sein. 

"Wir denken schlau und handeln blöd": Interview mit Moderator Dirk Steffens

Sie haben die ganze Welt gesehen, kennen also die aktuelle Situation von Arm und Reich in der Welt. Was hat Sie bei der neuen Reihe am meisten überrascht?

Dass der Konflikt zwischen Arm und Reich im Grunde seit mehr als 10.000 Jahren, seit der Neolithischen Revolution, seit der Sesshaftwerdung, niemals gelöst werden konnte. Zwar stützte sich Reichtum mal auf Vieh, mal auf Land, mal auf Gold und heute eher auf Aktien. Aber durch alle Zeiten und alle Systeme hindurch ist die Ungerechtigkeit ein Wesensmerkmal menschlicher Gesellschaften. Aktuell ist die Zahl der absolut Armen zwar so gering wie noch nie in der neueren Geschichte, gleichzeitig hat die Ungleichheit aber zugenommen, weil die Reichen noch schneller reich werden als die Armen weniger arm. Man könnte fast befürchten, wir seien prinzipiell unfähig, Besitz halbwegs gleichmäßig zu verteilen. Vielleicht sind ja Gier und Neid die wahren Geißeln der Menschheit.

Sowohl individueller als nationaler Erfolg werden an Wohlstand, Bruttosozialprodukt und dergleichen gemessen. Ist das noch zeitgemäß?

Ich würde sagen: Nein. Das Bruttosozialprodukt misst ja lediglich den Wert von Waren und Dienstleistungen, also eine Geldmenge. Wenn ich morgens mein Auto volltanke und anschließend eine Stunde im Stau stehe, ist das Wirtschaftswachstum. Lege ich die gleiche Strecke in der gleichen Zeit entspannt zu Fuß zurück, zählt das nichts. Obwohl ich dadurch Abgase einspare, Lärm vermeide, Flächenverbrauch verhindere, niemanden gefährde und meine Gesundheit fördere, also objektiv eine Menge für die Volkswirtschaft leiste. Wir messen also das Falsche. Seit 1970 ist der individuelle Wohlstand in Deutschland ungefähr um das Fünffache gestiegen, wir sind aber dabei kein bisschen glücklicher geworden, sagt die Sozialforschung. Wieso also diese Fixierung auf einen Wert, der unser Leben nicht besser macht?

Haben andere Kulturen andere Bemessungsgrundlagen für Reichtum? 

Bhutan beispielsweise versucht, das Bruttonationalglück zu messen und seine Entscheidungen daran auszurichten. Schöne Idee, aber in der Praxis gilt halt auch: Bis zu einer gewissen Grenze, in Deutschland ungefähr 60.000 Euro pro Jahr, macht Geld tatsächlich glücklicher, weil Armut eben auch mit vielen Sorgen einhergeht. Erst jenseits dieser Zahl bringt mehr Geld keine zusätzliche Zufriedenheit mehr. Es sieht also so aus, als müssten wir den goldenen Mittelweg finden: genug Besitz, um halbwegs sorgenfrei zu leben, aber dann auch aufhören mit dem Immer-mehr-Mantra, weil es dann eher unglücklich macht.

Steckt unser kapitalistisches System, das auf permanentes Wachstum baut, in einer Sackgasse?

Prinzipiell ist endloses Wachstum auf einem endlichen Planeten kein logischer Ansatz. Und dass ein Rekordverdienst in diesem Jahr im nächsten unbedingt nochmal getoppt werden muss, macht auch keinen Sinn, wird aber von Anlegern und offenbar gar nicht so weisen Wirtschaftsweisen trotzdem gefordert. Ich würde aber dennoch nicht gleich eine Kapitalismus-Krise ausrufen, denn es ist ja gerade die Stärke einer freien Marktwirtschaft, sich an die Bedürfnisse der Menschen anpassen zu können. Wir sollten also vielleicht besser unsere Ziele verändern und nicht unser System. Also etwa umweltfreundlicher statt immer mehr produzieren, und nicht mehr diejenigen belohnen, die besonders rücksichtslos und gierig sind, sondern die, die sozial und verantwortungsbewusst handeln. Wir setzen im Moment vielleicht nur die falschen Anreize.

Unternehmensstrategien und wirtschaftliche Abläufe werden häufig mit Begriffen aus der Evolutionsbiologie belegt wie beispielsweise "Überleben der Stärksten" oder "Nischen besetzen. Sind wir als handelnde Menschen Opfer unseres evolutionären Erbes?

Unbedingt. Den biologischen Aspekt unserer Existenz zu verleugnen, wäre naiv. Wir können uns zwar CumEx-Betrügereien ausdenken oder über die falsche Neun im Fußball diskutieren, aber am Ende sind wir immer noch instinktgesteuert. Wir denken schlau und handeln blöd, könnte man sagen. Und es sieht auch nicht so aus, als würde sich daran demnächst etwas ändern.

Können wir im Hinblick auf ökonomische Zusammenhänge etwas von der Natur lernen?

Wir müssen sogar! In der Natur endet jede Lebensform, die ihre Ressourcen dauerhaft übernutzt, in der Katastrophe. Und die Natur ist unerbittlich: Wenn wir es nicht besser machen, werden wir enden wie die Saurier – mit dem Unterschied, dass die keine Schuld hatten an dem Asteroiden, der sie ausgelöscht hat. 

Welche Rolle spielt Geld für Ihr persönliches Lebensglück?

Es verschafft mir Freiheiten. Armut macht unfrei, das ist unbestreitbar. Wer jeden Tag um seine schiere Existenz kämpfen muss, hat kaum Möglichkeiten, Talenten und Neigungen zu folgen, er oder sie kann sich als Mensch also nicht voll entfalten. Deshalb bin ich unendlich froh über den unverdienten Zufall, in ein wohlhabendes Land und eine freie Gesellschaft hineingeboren zu sein. Wäre ich arm, hätte ich niemals meinen Traumberuf ergreifen können. Andererseits hat ein übertriebenes Streben nach Wohlstand auch das Potenzial, ein Leben zu ruinieren. Die Balance ist wichtig.

Der Dalai Lama hat einmal gesagt: "Der Besitz sollte der Menschheit dienen, nicht anders herum". Wie würden Sie die Bedeutung von Geld, Reichtum oder Besitz für sich in einen Sinnspruch fassen?

Erst wenn Du nicht mehr willst, als Du brauchst, bist Du wirklich frei.

Die Fragen stellte Georg Graffe, Redaktion "Terra X".

Dirk Steffens im Kubus: Making-of des "Terra X"-Dreiteilers

Für die Produktion der Reihe "Wem gehört die Welt?" nutzt "Terra X" ein innovatives Filmset, das digitale und analoge Effekte vereint. Nicht nur Moderator Dirk Steffens, sondern auch die Welt wurde nach Berlin geholt. Dort moderiert er in einem Kubus, dessen Seiten sich dank neuester Projektionstechnik zur multidimensionalen Leinwand verwandeln. So lässt "Terra X" ihn buchstäblich "um die Welt reisen" – quer durch Zeit und Raum: Mal steht er mitten im antiken Forum Romanum, mal wird er aufs Parkett der Frankfurter Börse versetzt. Bekannt ist das Prinzip aus alten Hollywoodfilmen, in denen per Rückprojektion beispielsweise Autofahrten vor beliebiger Kulisse simuliert wurden. Doch digitale Bild- und Kameratechnik ermöglicht heute deutlich realistischere Darstellungen und den kreativen Einsatz verschiedener Bildinhalte. Passend zum Moderationsthema erscheinen historische Bilder, Karten oder Infografiken, die das Gesagte erläutern und bebildern.

Aber natürlich bestehen die drei Dokumentationen auch aus den klassischen Elementen einer "Terra X"-Sendung: Spielszenen versetzen den Zuschauer in das alte Rom von Kaiser Augustus, in die Adelsburgen Englands oder porträtieren den US-amerikanischen Industriellen und Multimillionär Leland Stanford. Mit dokumentarischen Dreharbeiten wird der Wirtschaftswissenschaftler Armin Falk bei ökonomischen Verhaltensexperimenten begleitet und der Zuschauer an die Amsterdamer Börse und die Renaissancepaläste Italiens geführt, wo das Bankwesen seinen Anfang nahm. Interviews mit Experten ordnen die komplexe Materie ein.

Ricarda Schlosshan, Redakteurin "Terra X"

3satThema: Wem gehört die Welt? 

Donnerstag, 20. Mai 2021:

20.15 Uhr

Wem gehört die Welt? – Eine Geschichte des Reichtums
Dreiteilige Dokumentationsreihe mit Dirk Steffens (aus der ZDF-Reihe "Terra X")
Folge 1: Vom Acker zum Imperium

21.00 Uhr

3satThema Talk
Gert Scobel im Gespräch mit Stefan Brunnhuber und anderen 

21.15 Uhr
Wem gehört die Welt? – Eine Geschichte des Reichtums

Dreiteilige Dokumentationsreihe mit Dirk Steffens (aus der ZDF-Reihe "Terra X")
Folge 2: Von Fürsten und Kaufleuten 

21.55 Uhr
3satThema Talk
Gert Scobel im Gespräch mit Stefan Brunnhuber und anderen 

22.10 Uhr
Wem gehört die Welt? – Eine Geschichte des Reichtums

Dreiteilige Dokumentationsreihe mit Dirk Steffens (aus der ZDF-Reihe "Terra X")
Folge 3: Von der Macht des Marktes

 

21.00 und 21.55 Uhr

"3satThema Talk"
Gert Scobel im Gespräch mit dem Ökonomen und Psychiater Stefan Brunnhuber und anderen 

3sat zeigt an diesem Abend ab 20.15 Uhr die dreiteilige "Terra X"-Dokumentationsreihe "Wem gehört die Welt? – Eine Geschichte der Menschheit" mit Moderator Dirk Steffens, ergänzt um zwei 15-minütige Gesprächsrunden um 21.00 Uhr und um 21.55 Uhr. Gert Scobel diskutiert im "3satThema Talk" unter anderen mit dem Ökonomen und Psychiater Stefan Brunnhuber über globalen Kapitalismus und völlig neue Denkansätze für einen tiefgreifenden Wandel unseres Wirtschaftssystems.

Ökologische Krise, Klimakrise, Gerechtigkeitskrise, globale Wirtschaftskrise – und Coronakrise: Für den Ökonomen und Psychiater Stefan Brunnhuber steht die Weltgesellschaft an einem entscheidenden Punkt. Nicht nur das Virus habe den Planeten in einen komplexen, "asymmetrischen Schock" versetzt, dem nicht mit den herkömmlichen linearen Lösungsansätzen beizukommen sei, sondern nur mit zirkulären, parallel geschalteten und vernetzten Strategien. 

Die gute Nachricht: Nie zuvor war die Welt so bereit zum Wandel, weil aktuell knapp alle 7,8 Milliarden Menschen zur gleichen Zeit das gleiche Schicksal teilen. Spätestens seit dem Weckruf durch den Club of Rome 1968 weiß die Menschheit, dass die Klimakrise das größte und drängendste Problem ist. Warum kommen wir bei der Lösung immer noch kein Stück voran? Brunnhubers Diagnose: Wir wissen, was zu tun wäre, aber es ist nicht klar, woher das Geld dafür kommen soll. Und das wichtigste Instrument, das dafür zur Verfügung stünde, unterliegt einem Tabu und kommt nicht zum Einsatz: das Kapital der globalen Finanzsysteme.  

Die Pressemappe zum "3satThema: Wem gehört die Welt?" im 3sat-Presseportal

ZDFmediathek und YouTube

Alle drei Folgen sind ab Mittwoch, 19. Mai 2021, 10.00 Uhr, in der ZDF-Mediathek und der 3satMediathek verfügbar.

Das ZDF begleitet den Dreiteiler mit einer Online-Themenwoche sowohl in der ZDFMediathek als auch auf YouTube, Facebook und Instagram.

Die verschiedenen Kanäle von "Terra X"  in den sozialen Medien und weitere ZDF-, 3sat- beziehungsweise funk-Angebote beleuchten vom 17. bis 23. Mai das Thema Geld, Besitz und soziale Ungleichheit aus ihren ganz eigenen Blickwinkeln – sei es aus naturwissenschaftlicher, historischer oder philosophischer Sicht. 

Berühmte Zitate zu Reichtum und Geld 

"Der Besitz sollte der Menschheit dienen, nicht andersherum." (Dalai Lama)

"Das Geld zieht nur den Eigennutz an und verführt stets unwiderstehlich zum Missbrauch." (Albert Einstein)

"Nicht alles was zählt, kann man zählen. Und nicht alles was man zählen kann, zählt!" (Albert Einstein)

"Wenn man genug Geld hat, stellt sich der gute Ruf ganz von selbst ein." (Erich Kästner)

"Das Geld gleicht dem Seewasser: Je mehr davon getrunken wird, desto durstiger wird man." (Arthur Schopenhauer)

"Dem Kapitalismus wohnt ein Laster inne: die ungleichmäßige Verteilung der Güter. Dem Sozialismus hingegen wohnt eine Tugend inne: die gleichmäßige Verteilung des Elends." (Winston Churchill)

"Bankraub ist eine Unternehmung für Dilettanten. Wahre Profis gründen eine Bank." (Bertolt Brecht)

"Reich ist, wer weiß, dass er genug hat." (Laotse)

"Wer viele Schätze anhäuft, hat viel zu verlieren." (Laotse)

"Heutzutage kennt jeder den Preis der Dinge, aber nicht deren Wert." (Oscar Wilde)

"Ein Habsüchtiger lässt sich durch keinen Gewinn sättigen." (Seneca)

"Nicht wer zu wenig besitzt, sondern wer mehr begehrt, ist arm." (Lucius Annaeus Seneca) 

"Ich würde gerne leben wie ein armer Mann mit einem Haufen Geld." (Pablo Picasso)

"Ein weiser Mensch hat das Geld im Kopf, aber nicht im Herzen." (Jonathan Swift)

"Reichtum besteht nicht darin, große Besitztümer zu haben, sondern nur wenige Bedürfnisse zu haben." (Epiktetus)

"Über Geld spricht man nicht, man hat es." (Jean Paul Getty)

"Zeit ist Geld." (Benjamin Franklin)

"Geld hat bisher nie einen Menschen glücklich gemacht, noch wird es dies tun. Je mehr ein Mensch hat, desto mehr will er. Anstatt ein Vakuum zu füllen, erzeugt es eins." (Benjamin Franklin) 

"Geld stinkt nicht." (Titus Flavius Vespasianus) 

"Die Frage, wie man reich wird, ist leicht zu beantworten. Kaufe einen Dollar, aber bezahle nicht mehr als 50 Cent dafür." (Warren Buffet)

"Keine Festung ist so stark, dass Geld sie nicht einnehmen kann." (Marcus Tullius Cicero)

Fotos 

Fotos sind erhältlich über ZDF Presse und Information, Telefon: 06131 – 70-16100, und über https://presseportal.zdf.de/presse/terrax

Weitere Informationen

"Terra X plus Schule" in der ZDFmediathek: Schule.zdf.de

"Terra X plus" bei YouTube: kurz.zdf.de/A26/

"Terra X"-Clips unter Creative-Commons-Lizenz: TerraX-CC.zdf.de

"Terra X" in der ZDFmediathek: terra-x.zdf.de

"Terra X" bei YouTube: youtube.com/c/terra-x

"Terra X" bei Facebook: facebook.com/ZDFterraX

"Terra X" bei Instagram: instagram.com/terraX

 

Ansprechpartner:

ZDF
Magda Huthmann
E-Mail: huthmann.m@zdf.de
Telefon: 06131-701-2149

3sat
Marion Leibrecht
E-Mail: leibrecht.m@zdf.de
Telefon: 06131-701-6478

Impressum

ZDF Hauptabteilung Kommunikation
Presse und Information
Verantwortlich: Alexander Stock
E-Mail: pressedesk@zdf.de
© 2021 ZDF